Maria Montessori
Geschrieben von: c.kahn Sonntag, 22. Februar 2009 um 19:49 Uhr
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Kinder zu belehren, zu unterweisen, zu erziehen - darin erschöpfte sich das Selbstverständnis der Pädagogik gegen Ende des 19. Jahrhunderts. In ihrer Ideologie kamen Kinder nur als Zöglinge vor und in ihrer Sprache verkümmerten sie zu Objekten. Maria Montessori hatte aber eine andere Vorstellung, die in dieser Hausarbeit behandelt wird.
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Maria Montessori
5. Elemente der Montessori-Pädagogik
5.1. Die Freiarbeit
5.2. Die Umgebung
5.3. Die Erzieher
5.4. Die Materialien
5.5. Die Methode
1. Einleitung
Kinder zu belehren, zu unterweisen, zu erziehen - darin erschöpfte sich das Selbstverständnis der Pädagogik gegen Ende des 19. Jahrhunderts. In ihrer Ideologie kamen Kinder nur als Zöglinge vor und in ihrer Sprache verkümmerten sie zu Objekten.
Maria Montessori hatte aber eine andere Vorstellung. In ihrer pädagogischen Anthropologie erscheinen Kinder als Ebenbilder Gottes, die ernst genommen und respektiert werden wollen. Ihr Anliegen war es deshalb, die Pädagogik auf eine neue Syntax zu verpflichten. Bei Maria Montessori wird das Kind zum ersten Mal zum Subjekt. Und genauso, wie das Wachstum eines Kindes keiner Anleitung durch die Erwachsenen bedarf, sollte die Entwicklung der Persönlichkeit ohne solche Eingriffe stattfinden. Das Lernen wird damit zu einem Vorgang, der vom Kind auszugehen hat. Den Erwachsenen bleibt nicht viel mehr, als diesen Prozeß anzustoßen und zu begleiten.
In der folgenden Ausarbeitung sollen einige Gesichtspunkte der Montessori- Pädagogik beleuchtet werden. Die Ausarbeitung des Themas „Maria Montessori" ist wie folgt gegliedert:
Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Lebenslauf der Maria Montessori.
Im weiteren werden Montessoris Leitgedanken dargestellt. In diesem Teil werden die Phasen der Entwicklung näher beschrieben.
Auch wird auf die neue Art der Erziehung eingegangen.
In diesem Zusammenhang werden Elemente der Montessori- Pädagogik vorgestellt und näher beleuchtet.
Ziel der Ausarbeitung soll sein, die Entstehung, die Entwicklung und die Inhalte der Montessori- Pädagogik darzustellen.
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2. Biographie
Maria Montessori wurde 1870 In Chiaravalle in der Provinz Ancona in Italien geboren.
1875 zog die Familie nach Rom, wo Maria zunächst die Grundschule, kurz danach eine Technische Schule aufgrund ihrer mathematischen Leistungen besuchte. Mit dem Besuch dieser höher bildenden Schule wurde ihr der Zugang zur Universität ermöglicht. Die Eltern von Maria wollten, daß sie später in den Lehrerberuf eintreten sollte, da dieser Berufszweig die einzige Möglichkeit für eine Frau war, eine bessere Ausbildung und eine in der Gesellschaft angesehenere Position zu erlangen.
Aber Maria verspürte den Wunsch Ärztin zu werden und setzte sich durch.
Sie war die erste Frau Italiens, die mit dem Studium der Medizin begann um den Titel „Ärztin" zu tragen.
1890 begann sie ihr Studium an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rom. Nach zwei Jahren Studium wechselte sie zu einer medizinischen Fakultät. Nach ihrer Doktorarbeit, die sie an der psychiatrischen Klinik der Universität Rom ablegte, begann sie dort 1897 als Assistentin. Durch ihre Erfahrungen als Assistentin in der Klinik wurde ihr sehr schnell die Bedeutung von Erziehung bewußt (Busch, 1998, S. 4/5).
Von nun an wandte sich Montessori den Erziehungswissenschaften zu, wobei sie sich nach den Schriften und Aufzeichnungen Seguins richtete und orientierte.
Im Jahre 1901 wurde das uneheliche Kind Mario geboren (Busch, 1998, S. 4/5).
Schon kurz danach nahm Montessori ein zweites Studium auf.
Sie begann die Studiengänge Anthropologie, Experimentalpsychologie und Erziehungsphilosophie.
Bereits 1907 hatte sie die Gelegenheit ihre Erziehungsprinzipien bei Kindern auszuprobieren. Sie war nun für eine Kleinkinderbetreuungsstätte in San Lorenzo verantwortlich, und erprobte dort den Einsatz von Materialien bei schwachsinnigen Kindern. San Lorenzo war die Geburtsstätte der wesentlichen Erziehungsprinzipien in der Montessori- Pädagogik.
1909 stellt sie ihr erstes Buch, übersetzt: "Die Methode der wissenschaftlichen Pädagogik, angewandt auf die Kindererziehung in den Kinderhäusern" vor.
Um ihre Methode zu verbreiten, gab sie fortlaufend Kurse und erweiterte ihre Pädagogik für das Grundschulalter von sechs bis zwölf Jahre.
1916 verließ sie Italien und ging nach Spanien (Barcelona).
Dort entwickelte sie ihre Religionspädagogik.
Nach dem 1. Weltkrieg mußte Montessori feststellen, daß ihre hart erarbeitete Pädagogik in Italien weitestgehend in Vergessenheit geraten war. Sie bemühte sich um eine "Wiederbelebung der Bewegung" (Busch, 1998, S. 6).
Die Zeit des 2. Weltkrieges verbrachte sie in Indien, wo sie viele Lehrer ausbildete.
Ende des 2. Weltkrieges verstarb die 82-Jährige in Nordwiik aan Zee, wo sie dann auch beigesetzt wurde.
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3. Montessoris Leitgedanken
Maria Montessori entwarf eine völlig neue Sichtweise der kindlichen Entwicklung. Sie reflektierte nicht nur die Situation des Kindes im Kindergarten- und Schulalter, sondern bezog die Entwicklung von Geburt an in ihre Überlegungen mit ein.
Als Ärztin war sie eine exakte Beobachterin des Kindes, jede kindliche Reaktion war für sie von Interesse. Gleichzeitig war sie von dem, was sie beobachtete, überrascht. Sie war erstaunt über das Wunder kindlicher Entfaltung und voller Hochachtung vor dem Kind, das diese Entwicklungsarbeit vollbringt. Besonders beeindruckt war Montessori von der unglaublichen Entwicklungsarbeit, die das Kind während der ersten Lebensjahre vollzieht. Die Entfaltung des Kindes vollzieht sich in den Augen von Maria nach einem individuellen Plan, in einem Tempo, welches das Kind und nicht der Erwachsene bestimmt. Das Kind ist also Baumeister seiner selbst (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S. 19). Weiterhin nahm Montessori an, daß das Kind ausschließlich in der frühen Kindheit über eine unbewußte Geistesform verfügt, die schöpferische Kraft besitzt. Sie nannte diese Fähigkeit den absorbierenden Geist, der dem Kind ermöglicht, ganzheitlich und simultan die Gegebenheiten seiner Umwelt zu erfassen. Dies geschieht während der sensiblen Phasen, so daß das Kind dann, wenn es für bestimmte Gegebenheiten empfänglich ist, diese gleichsam unbewußt in sich aufnehmen und speichern kann (Busch, 1998, S. 13).
Montessori beobachtete einige sensible, zeitlich begrenzte, Perioden beim Kind, vor allem die für Bewegung, Sprache und Ordnung von Bedeutung waren. Sie sind von ganz entscheidender Bedeutung für das kindliche Lernen und ermöglichen dem Kind, sich die Voraussetzungen für einen nächsten Entwicklungsschritt anzueignen.
Alles in allem hat Montessori drei Phasen in der menschlichen Entwicklung erstellt. Die erste, von null bis sechs Jahre, ist die schöpferische und konstruktive Phase.
Diese Phase ist gekennzeichnet durch den absorbierenden Geist und gliedert sich in zwei Unterphasen.
In der ersten Unterphase - erstes bis drittes Lebensjahr - wird die kindliche Psyche aufgebaut.
Typische Empfindsamkeiten sind in dieser Zeit:
• Bewegung (Gleichgewicht),
• Ordnung:
a) äußere Orientierungsfunktion
b) inneres Erkennen von Beziehungen
• Sprache
In dieser Phase ist sehr wichtig, daß der Erzieher keinen direkten Einfluß auf diese Sensibilitäten nehmen kann. Vielmehr übt die von dem Erzieher gestaltete Umwelt einen „ indirekten Einfluß" auf das Kind aus (Busch, 1998, S. 14).
Die zweite Unterphase - vom dritten bis sechsten Lebensjahr - beschreibt dagegen den Wandel vom unbewußten Schöpfer zum bewußten Arbeiter.
Dieser Lebensabschnitt wird auch als „Periode der Realisierung und Perfektionierung" (Busch, 1998, S. 14) beschrieben.
Hier lernt das Kind den Umgang und das Miteinander mit anderen Kindern, in dem es ein unterbewußtes Zusammengehörigkeitsgefühl aufbaut. Alle Materialien, die zur Entwicklung nötig sind, werden von den Erziehern gestellt.
Die sensible Phase der Vorstellungskraft und der sozialen Gewissensbildung schließt sich an.
Diese Phase umfaßt die Lebensjahre von sieben bis zwölf. Angekündigt wird sie durch die äußerliche Veränderung des Kindes. Gestaltwandel und Zahnwechsel führen zu der Veränderung. Das Wachstum bewirkt, daß das Kind ein moralisches Bewußtsein aufbaut und eine gewisse Vorstellungskraft entwickelt. Nicht zu vergessen ist, daß sich in dieser wichtigen Phase das Interesse an der Wissenschaft entwickelt. Die Entwicklung des sozialen Verständnisses führt dazu, daß die Kinder eher bereit sind, in einer organisierten Gemeinschaft Gehorsam zu zeigen und Regeln bzw. Vereinbarungen zu akzeptieren.
In der anschließenden dritten Phase - zwölf bis achtzehn Jahre - benötigt das Kind besonders viel Schutz und Geborgenheit. Langsam entwickelt es sein eigenes soziales Leben. Erst diese Entwicklung ermöglicht die Integration in die Gesellschaft. Die resultierende soziale Anerkennung führt wiederum zu einer Stärkung des Selbstbewußtseins.
Diese beschriebenen Perioden sind in dem von Montessori entwickelten inneren Bauplan des Menschen festgelegt.
Die Aussage eines Kindes: „Hilf mir, es selbst zu tun!" machte Montessori zu ihrer Leitmaxime. Montessori entdeckte, daß das Kind seine Fertigkeiten und Talente selbständig entwickeln und entfalten konnte, sobald man ihm nur die Freiheit in der Wahl der Beschäftigung zustand (Busch, 1998, S. 15).Diese Freiheit ist nach Montessori lediglich durch zwei Faktoren eingeschränkt:
• „Die Freiheit eines jeden einzelnen hört dort auf, wo sie die Freiheit eines anderen beschneidet" (Busch, 1998, S. 15)
• Die Grenze des Materials
Montessori rechnete diesen Grenzen sehr große Bedeutung bei. Sie war davon überzeugt, daß die Beachtung der Grenzen genauso zu der Entwicklung gehört wie die freie Wahl der Beschäftigung (Busch, 1998, S. 15).
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4. Die neue Art der Erziehung
Montessori selbst gibt zu, daß sie persönlich nicht genug über die Unermeßlichkeit der Erziehung weiß:
„Es ist deshalb sehr schwierig für mich zu wissen, was ich tun kann, um Ihnen das zu vermitteln, was ich gerne möchte, denn ich kenne selber diese Unermeßlichkeit nicht" (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S. 24).
Sie beschreibt Erziehung als Wüste und Ozean, was bedeutet, daß Erziehung unbeschreiblich umfassend ist. Montessori bringt ganz deutlich zum Ausdruck, daß nicht sie noch jemand anderes der Ursprung der Erziehung ist, sondern das uns die Erziehung gegeben wurde, da wir selbst nicht in der Lage seien, Erziehung zu konstruieren.
„Diese Wüste, dieser Ozean ist kein Geschöpf meines Geistes, meiner Seele, meines Wissens, meiner Entwicklung, sondern das ist die Erziehung - nicht Erziehung, wie Sie sie kennen, sondern eine bisher unbekannte Erziehung, und sie ist neu und wirkungsvoll und schenkt der Welt Hilfe und neue Orientierung, neues Wissen und - wenn Sie erlauben - eine neue Weisheit. Diese Erziehung ist uns gegeben worden, wir können sie nicht selber konstruieren" (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S. 24).
Montessori teilt das Leben eines Menschen in zwei Teile, die aufeinander aufbauen und sich dadurch entwickeln. Aus diesem Grund weiß Montessori, daß es für den zweiten Teil der Menschheit - den Erwachsenen also - möglich sein muß, dem ersten Teil der Menschheit, schließlich dem Kind, zu helfen. Außerdem weist sie darauf hin, daß wir alle mal Kinder waren, und das sich aus dem Kinde heraus die Persönlichkeit eines Jeden entwickelt hat.
„Das Kind ist der Baumeister eines jeden von uns gewesen" (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S. 24).
Das folgende Beispiel soll zeigen, wie viel Einfluß und Macht etwas kleines, auf den ersten Blick unbedeutendes, haben kann.
Ist nicht ein Pollen von einem Kastanienbaum etwas sehr kleines?
Dieser Samen trägt aber doch alle Erbinformationen, die für die Entwicklung zu einem Baum nötig sind, in sich. Findet der Samen einen freien Platz, der ihm die nötigen Grundlagen und Grundstoffe bietet, so fängt er an zu keimen und im Laufe der Zeit entwickelt er sich selbständig zu einem Baum. Ein vergleichbares Beispiel verwendet Montessori um zu zeigen, daß das Kind, welches meistens für etwas Kleines und Leeres ohne Bedeutung gehalten wird, Grundlage und Erbauer des Menschen ist. Sie ist sich aber darüber im klaren, daß diese Erkenntnis noch nicht aufgenommen und realisiert wurde (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S. 25).
Genau diese eben geschilderte Tatsache muß nun auf das Kind projiziert werden. Das Kind trägt wie der Baum alle bedeutsamen Informationen bereits in sich. Diese Tatsache veranlaßt Montessori zu sagen, daß man einen Menschen nicht durch Erziehung erschaffen kann. Diese Aufgabe schreibt sie dem Kind ganz alleine zu.
Hier liegt der Grundgedanke Montessoris im Hinblick auf die Erneuerung der Erziehung. Wie bereits erklärt ist nicht der Mensch Ursprung der Erziehung. Vielmehr ist die Natur für die Entwicklung des Menschen verantwortlich. Sie gibt die Grenzen und Gesetze vor, nach dem sich das menschliche Geschöpf entwickelt. Der Erwachsene kann der Entwicklung nur helfen und nicht wie immer geglaubt, Entwicklung schaffen (vgl. Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S.25).
Montessori hat erkannt, das im Kinde viel Wissen und Weisheit vorhanden ist und daß es wichtig ist, von diesem Wissen zu lernen.
Für die Praxis der Erziehung ist es von großer Bedeutung, daß man die Fähigkeit des Kindes, Wissen und Kultur aufzunehmen, die im frühen Kindesalter viel größer ist als zu einem späteren Zeitpunkt, berücksichtigt. Aber nicht nur der Zeitpunkt der Wissensaufnahme ist entscheidend, sondern auch die Art, wie das Kind Informationen aufnimmt und verarbeitet, ist wichtig.
Montessori hat festgestellt, daß das Kind auf ganz andere Weise, als vorher angenommen wurde, Fähigkeiten erwerben möchte (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S.28).
Die neue Art der Erziehung ergibt sich außerdem aus der Tatsache, das sich die Methode des Kindes, neue Informationen aufzunehmen, ganz entscheidend von der in der Schule angewandten Methoden unterscheidet.
Montessori ist der Überzeugung, daß viel mehr für die Kinder getan werden muß (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S.28). Dieses versucht sie zu erreichen, indem sie die Erzieher dazu anweist, die Kinder nicht in ihrem Tun zu stören. Die Lehrer sollen die Leistungen der Kinder anerkennen und bewundern (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S. 28).
Das Kind benötigt also eine gewisse Distanz zu den Erwachsenen, die es dazu befähigt, beabsichtigte Dinge zu machen oder zu unterlassen. Diese Unabhängigkeit bezeichnet Montessori als „inneres Gesetz" (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S. 28). Es stellt sich weiterhin die Frage, wie das kleine Lebewesen Informationen wahr nimmt. Montessori sagt dazu:
„Wieviel man auch reden und reden mag, man erreicht doch nichts, denn das Kind kann nur indirekt und nie direkt aufnehmen. Das ist es, was uns das Kind lehrt. Um nun dem Kind die Möglichkeit zu geben, indirekt aufzunehmen, müssen sich unsere Erziehungsmethoden radikal wandeln. Wir können z.B. etwas in die Umgebung des Kindes bringen, von dem es wählen und nehmen kann" (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S. 28).
Daraus ergibt sich für Montessori, daß das Kind in eine völlig andere Umgebung, wie vorher immer angenommen wurde, gebracht werden muß. Auch die Methoden müssen auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt werden.
Montessori erwünscht sich durch diese Erneuerung der Erziehung, daß sich eine neue Menschheit entwickelt (Montessori, Texte und Diskussionen, 1971, S. 30).
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5. Elemente der Montessori-Pädagogik
Aus der Arbeit Montessoris entwickelten sich verschiedene Elemente, die sehr wichtige Bestandteile ihrer Pädagogik darstellen.
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5.1. Die Freiarbeit
Im Mittelpunkt der Montessori Pädagogik steht die individuelle und freie Entwicklung der Kinder. Das Kind soll nach Montessori als vollwertiger Mensch angesehen werden. Den Fähigkeiten und Lernbedürfnissen der Kinder soll entgegengekommen werden, indem sie in ihren Entscheidungen gefördert und zum selbständigen Denken angeregt werden.
Die Aussage eines Kindes: „Hilf mir, es selbst zu tun!" machte Montessori zu ihrer Leitmaxime (Busch, 1998, S.15). Der Begriff der Freiarbeit wurde in der Zeit der Reformpädagogik geprägt (Eichelberg 1997, S. 21).
Die heute praktizierte Unterrichtsform der Freiarbeit entwickelte sich in dieser Zeit aus den Grundgedanken Montessoris. Diese spezielle Form der Arbeit ist so konzipiert, daß sie sich an den Entwicklungsphasen des Kindes orientiert. Um optimale Ergebnisse in der Entwicklung zu erreichen, müssen aber auch die Unterrichtssphäre und die Lernwelt dem Kind angepaßt werden (Eichelberg 1997, S. 21). Den Kindern wird bei dieser Form der Arbeitsmethodik ermöglicht, nach freier Wahl zu entscheiden, mit was sie sich in welcher Intensität, wo und wie lange beschäftigen wollen. Montessori nennt dies die „Freie Wahl der Arbeit, Freie Wahl des Gegenstandes und des Interesses" (Eichelberg 1997, S. 21). Es ist dem Kind selbst überlassen, ob es sich in Partner-, Gruppen- oder Einzelarbeit beschäftigen möchte. Die Kinder werden durch diese Methode zur Selbständigkeit und Selbsttätigkeit erzogen, womit gleichzeitig der Spaß und die Freude am Lernen gestärkt und unterstützt wird. Von den Montessori- Pädagogen wird verlangt, sich so stark wie möglich am Kinde und an dessen Fähigkeiten und Bedürfnissen zu orientieren.
Nach Montessori muß das Kind frei sein, denn nur dann sei es möglich, daß sich das Kind Wissen aneignet und seine Fähigkeiten optimal zur Entfaltung bringt. Deshalb sollen die Erzieher und die Pädagogen dem kleinen Menschen die Freiheit lassen, wichtige Erfahrungen in Eigenständigkeit erleben und aufnehmen zu können.
Für Montessori stehen drei Aspekte der Freiheit im Vordergrund, welche die Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Kinder darstellen:
• Freiheit der spontanen Äußerung
• Freiheit in der Wahl des Materials
• Freiheit der Bewegung
Diese Freiheiten sollen in den Montessori- Schulen durch die Pädagogen realisiert, und in die pädagogische Arbeit mit einbezogen werden. Hierbei darf es weder zu einer Überforderung noch zu einer Unterforderung des Kindes kommen. Die Freiheit für das Kind ist dann gewährleistet, wenn es sich den Bedürfnissen seiner Entwicklung entsprechend entfalten kann.
Ein weiterer Vorteil der von Montessori entwickelten und angewandten Freiarbeit liegt in der Chance des Lehrers, ganz gezielt auf schwächere Schüler einzugehen, diese über längere Zeiträume zu beobachten und gegebenenfalls Hilfe bei Problemen zu bieten.
Da die Methode nicht speziell auf Lerninhalt und auf bestimmte Themen festgelegt ist, kann die Freiarbeit in allen angebotenen Lernfächern verwendet werden.
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5.2. Die Umgebung
Um die Freiarbeit zu ermöglichen und die Effektivität des Lernens bestmöglich zu unterstützen, wurde von Montessori eine spezielle Umgebung geschaffen. Der Eintritt in die Schule bedeutet für das Kind einen großen Einschnitt und eine besondere Erfahrung. Zum ersten Mal wird es aus seinem vertrauten Umfeld herausgenommen und trifft auf neue Personen und auf ihm neue Regeln. Daher liegt Montessori sehr viel daran, die neue Umgebung so freundlich und liebevoll wie möglich zu gestalten. Die neue Umgebung muß dem Kind entsprechen und muß die Selbständigkeit und die Selbsttätigkeit ermöglichen und unterstützen. Nur auf diese Weise kann sich das Kind frei entfalten und entwickeln. Alle Gegenstände, die das Kind in seiner Umgebung vorfindet, sind ganz speziell auf sein Können, und vor allem individuell auf das Alter und die Stufe der Entwicklung abgestimmt. Stühle sind der Größe und der Form der Körper angepaßt, Tische sind niedrig gebaut und gerade so schwer, daß das Kind die Position des Tisches ohne Probleme frei wählen kann. Waschräume sind extra klein gebaut und in den entsprechenden Höhen angebracht. Auch die Schränke, in denen sich die Materialien befinden, sind durch spezielle, jedoch für die Kinder erreichbaren Schlüssel verschlossen, und sind so leicht zugänglich. (Montessori, 1973, S. 53 - 55).
Jeder Gegenstand in der Umgebung ist von den Erziehern bewußt ausgewählt und entspricht der jeweiligen Stufe der Entwicklung. Durch das überschaubare Angebot ist das Kind dann in der Lage, frei zu wählen.
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5.3. Die Erzieher
Die Montessori Erzieher verstehen sich als Helfer der Entwicklung selbständiger Persönlichkeiten. Sie müssen, was ihr Verhalten angeht, sehr flexibel sein und müssen viel Geduld aufbringen können, um den Kindern das Montessori- Material zu erklären, damit sich die Kinder nach dem Prinzip der freien Wahl entwickeln können. Der Lehrer ist dazu angehalten, Material, Umgebung und Methoden individuell an die zu Belehrenden anpassen zu können.
Diese Forderungen werden von Montessori in Bezug auf folgende Dinge gestellt:
• Kenntnis des Materials:
Der Erzieher soll sich also mit den Materialien auskennen und auf die einzelnen Entwicklungsphasen der Kinder anwenden können.
• Pflege der Ordnung
Der Erzieher versucht eine Situation zu erzeugen, in der das Kind eine Beziehung zwischen sich, dem Material und seiner Umgebung aufbaut. Das Kind wird also Regeln unterworfen, die es zu Ordnung und sozialem Bewußtsein leiten.
• Überwachung
Der Erzieher überwacht die Beschäftigung der Kinder und verhindert, daß die Kinder in ihrem Arbeiten und Lernen weder gestört noch unterbrochen werden
(vgl. Montessori, 1980, S. 168/169).
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5.4. Die Materialien
Die von Montessori entwickelten pädagogischen Materialien dienen den Kindern als Hilfe zur Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit (Montessori, 1993, S. 37).
Die Materialien sind die wichtigsten Bestandteile in der vorbereiteten Umgebung. Sie sollen auf die Entwicklung wirken, Anreiz für Bewegungen bieten, die Sinne und die Intelligenz schulen und trainieren. Montessori legt sehr viel Wert darauf, daß die Materialien ästhetisch, in Farbe und Form harmonisch und anziehend auf die Kinder wirken. Qualitativ sind die entwickelten Sachen sehr hochwertig.
Das Material ist so gebaut bzw. gestaltet, daß es die Kinder zum Tätigwerden anregen soll und die Möglichkeit zum freien Handeln bietet. Wichtig ist hierbei, daß die Kinder in jedem Moment der Beschäftigung zur Selbstkontrolle fähig sind und ihre Übungen und Bewegungen auf Richtigkeit überprüfen können.
Dr. Winfried J. Klinke faßt die Materialien in sechs Gruppen zusammen:
-> Material zur Unterscheidung von Dimensionen
-> Material zur Koordinierung und Beherrschung von Hand- und Fingerbewegungen
-> Material zur Sinnesschulung und Begriffsbildung
-> Material zur Einführung in das Lesen
-> Material zur Einführung in das Schreiben
-> Material zur Einführung in das Rechnen (siehe Klinke, 1998, S. 216-220)
Die einzelnen Untergruppen dieser Materialgruppen sollen nicht weiter beschrieben werden.
Dr. Winfried J. Klinke ist der Meinung, daß die Materialien zwar nicht alle kindlichen Lernbereiche, wie zum Beispiel freie Erkundung, Darstellungen und Kreativität abdecken, aber dennoch vorzügliche pädagogische Anregungen und verwendbare Übungs- und Lernformen beinhalten (Klinke, 1998, S. 221).
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5.5. Die Methode
Die Montessori Methode charakterisiert sich durch Selbsterziehung und dem Individualunterricht.
Die Kinder können ihre Lieblingstätigkeit frei wählen und nach Belieben Materialien zur Sinnessensibilisierung benutzen. Den Kindern wird der Umgang mit den Materialien nahe gebracht, wodurch erreicht wird, daß das Kind im Anschluß alleine lernt. Die Kinder lernen so lieber und auch leichter. Diese Methode ist eine Hilfe für Kinder alles selbst zu tun, und entspricht Montessoris Gedanken der Freiarbeit.
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6. Zusammenfassung
Bei der Bearbeitung des Themas „Maria Montessori" stellte ich mir die Frage, ob diese Art der Erziehung den Kindern überhaupt irgendwelche Grenzen in ihrem Tun setze und ob diese Art wirklich eine effektive Methode der Erziehung darstellt.
Bei dieser Art der Pädagogik, die von Montessori entwickelt wurde, liegt der Kern im Ausgangspunkt. Ausgangspunkt ist immer das Kind, das natürliche Grenzen hat und diese Grenzen auch einhält, sofern das innerhalb seiner Möglichkeiten liegt. Ich habe festgestellt, daß sich das Kind in seiner Entwicklung frei entfalten kann, wenn es nach den Elementen der Montessori- Elemente erzogen wird, und sich nach diesen richten kann. Deshalb kann die Frage, ob das Kind irgendwelchen Grenzen unterworfen ist, mit „ja" beantwortet werden. Das Kind ist seinen natürlichen Grenzen unterworfen, die man nicht durch Erziehung stoppen kann. Die vorgegebenen Materialien unterstützen dabei den Drang der Kinder sich weiter zu entwickeln und zu entfalten. Bei der Bearbeitung ist mir klar geworden, daß es sinnvoll wäre, einige Gesichtspunkte der Montessori- Pädagogik im Unterricht zu übernehmen. Durch das selbständige Arbeiten, und das Arbeiten unter freier Entscheidung, werden die Kinder zu Selbständigkeit, Disziplin und Verantwortung erzogen.
Es hat Spaß gemacht sich mit einer weit verbreiteten Art der Erziehung auseinander zu setzen.
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7. Literaturverzeichnis
Busch, Ursula: Gestaltung computergestützter Lernprogramme unter Berücksichtigung der pädagogischen Konzeption Maria Montessoris, Frankfurt/M. ; Berlin ; Bern ; New York ; Paris ; Wien, 1998 (Freiburger Beiträge zur Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik, Band 6)
Eichelberg, Harald: Handbuch zur Montessori - Didaktik, Wien, 1997, S. 21
Klinke, Winfried J.¬: Beiträge zur Erziehungswissenschaft, pädagogischen Forschung und Praxis, Gießen, 1998
Heimbring, Darko: Montessori Pädagogik und naturwissenschaftlicher Unterricht, Aachen, zweite Auflage, 1998, S. 73 - 93
Hellmich, Achim; Teigeler, Peter: Montessori - Freinet - Waldorfpädagogik Konzeption und aktuelle Praxis, Weinheim; Basel, 1999, S.76 - 78
Montessori, Maria: Texte und Diskussionen In: Klinkhardts Pädagogische Quellentexte, hrsg. von Winfried Böhm, Bad Heilbrunn, 1971
Montessori, Maria: Kinder sind anders - Il Segreto dell`Infanzia, Stuttgart, Neunte Auflage 1971
Montessori, Maria: Das kreative Kind - der absorbierende Geist, hrsg. von Paul Oswald und Günter Schulz-Benesch, Freiburg, 1973
Montessori, Maria: Die Entdeckung des Kindes, hrsg. von Paul Oswald und Günter Schulz-Benesch, Freiburg, 1980
Montessori, Maria: Erziehung zum Menschen - Montessori- Pädagogik heute, Frankfurt/M., 1993
Röhrs, Hermann: Die Reformpädagogik und ihre Perspektiven für eine Bildungsreform, Donauwörth, 1991
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