Wie kam es zur Initiative 'Bewegte Grundschule' und was steckt hinter dem Konzept?

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barrenDiese Ausarbeitung beleuchtet die Initiative 'Bewegte Grundschule' und stellt das Konzept vor. Viele Schulen setzen die 'Bewegte Grundschule' bereits aktiv ein, um dem Bewegungsmangel vieler SchülerInnen entgegenzuwirken.

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Wie kam es zur Initiative "Bewegte Grundschule" und was steckt hinter dem Konzept?

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

„Kinder sind immer Kinder ihrer Zeit.“

Vor dem Hintergrund veränderter Lebens- und Aufenthaltsräume gerät auch die Institution Schule in das Zentrum der Aufmerksamkeit.
(Unfallkasse Rheinland-Pfalz 2005, S.10)

Viele Schulen haben sich auf einen neuen Weg begeben, um ihre pädagogische Arbeit anders zu gestalten und zu organisieren. Sie wollen sich damit auf die veränderten Lernvoraussetzungen und Lebensvorstellungen der Kinder einstellen und sich in gewisser Weise ihnen anpassen (vgl. Müller 2003, S. 13). Dies ist notwendig, da sich die Lebenswelt der Kinder in den letzten Jahren entscheidend verändert hat. Es ist zwar nicht alles schlechter geworden, wie es oft behauptet wird, dennoch muss man auf diese Veränderungen angemessen reagieren, da diese unter anderem deutliche Auswirkungen auf den schulischen Bereich haben.
In dieser Arbeit werde ich zunächst beschreiben, wie es zur Initiative „Bewegte Grundschule“ gekommen ist. Unterteilt habe ich dieses Kapitel in vier Unterpunkte. Die alltäglichen Belastungen der Kinder heutzutage werde ich zuerst erläutern. Es folgen die daraus resultierenden Wirkungen auf die Schule. Anschließend gehe ich auf den tendenziell wachsenden Bewegungsmangel vieler Kinder und seine Folgen ein. Dieses Kapitel wird die Handlungsmöglichkeit für die Grundschule beenden.
Nachdem deutlich geworden ist, wieso diese Initiative entstanden ist, folgt das Kapitel, in dem es um das Konzept selbst geht. Die Ziele und Teilziele einer „Bewegten Grundschule“ werden aufgezeigt. Danach folgen unterschiedliche grundsätzliche Positionen, die sechs Bausteine einer „Bewegten Grundschule“, nach dem Bayrischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.
Abschließend wird ein persönliches Fazit gezogen.

2. Wie kam es zur Initiative „Bewegte Grundschule“?

2.1 Alltäglichen Belastungen der Kinder

Die Belastungen sind für die Kinder zum Teil enorm angestiegen. Familiensituationen haben sich zu früher stark verändert. Kinder wachsen oft nur noch mit einem Elternteil auf, was zu einem ganz anderen Rollenverständnis der Kinder führen kann. Des Weiteren herrscht vorwiegend ein einengendes Wohnverhältnis, das den Kindern fehlende Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten bietet. Die Schüler haben weiterhin kaum die Möglichkeit, sich in ihrer Freizeit genügend zu bewegen. Faktoren dafür sind vor allem der zunehmende Verkehr, der den Kindern den Raum zum Spielen nimmt. Ebenso ist den Kindern keine Möglichkeit gegeben in der zunehmenden Ein-Kind-Familie Erfahrungen mit Geschwistern zu sammeln oder mit diesen zu spielen. Die Zunahme von Trennung und Scheidung der Eltern haben eine hohe Belastung der Kinder zur Folge. Ihre Informationen erhalten die Kinder immer häufiger aus den Medien. Somit erfahren sie vieles nur „aus zweiter Hand“. Damit fällt der direkte Bezug zu ihrer Wissensaneignung weg. Der ansteigende Bewegungsmangel und die einseitige Ernährung führen häufig zu Übergewicht und vor allem zu Haltungs- und Koordinationsschwächen. Der Bewegungsmangel wird auch oft durch die Hohe Mobilität der Eltern herbeigeführt. Sehr oft ziehen Familien in eine andere Stadt wegen ihres Berufs. Dadurch können die Kinder keine dauerhaften Freundschaften aufbauen. Damit fällt also ein regelmäßiger Spielpartner weg. Eine verplante Freizeit ist auch nicht die günstigste Möglichkeit dem Bewegungsmangel entgegenzuwirken. Ferner werden soziale Kontakte häufig unterdrückt durch wenig natürliche Bewegungsmöglichkeiten mit Gleichaltrigen. Flüchtige Eindrücke der Wirklichkeit werden durch fehlende Zeit für eigene Erfahrungen vermittelt. Vorgefertigte und technische Spiele lassen der Kreativität der Kinder kaum mehr freien Lauf. Weiterhin führt eine zunehmende Erwartungshaltung der Eltern zu einer sehr leistungsorientierten Welt der Kinder. Diese sollte jedoch eher erlebnisorientiert gestaltet sein.
In jeder Grundschulklasse gibt es heute mit Sicherheit mehrere Kinder, die mit diesen Faktoren in ihrer Freizeit und ihrem Familienleben konfrontiert sind. Sicherlich gibt es da auch noch Unterschiede zwischen Kindern, die auf dem Land oder in der Stadt wohnen. Jedoch ist festzuhalten, dass die oben genannten Faktoren nur Tendenzen darstellen. Diese werden sich dennoch zukünftig ausbreiten, wenn sich diesbezüglich nichts verändert (Bayrisches Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst, 2005, S.4f.).

2.2 Wirkungen auf die Schule

Die in 2.1 beschriebenen alltäglichen Belastungen zeigen bei vielen Kindern in der Schule ein Verhalten, dass diese Belastungen deutlich widerspiegelt, denen sie ausgesetzt sind. In jeder Klasse gibt es heute Kinder die Symptome der folgenden Arten aufweisen. Viele zeigen eine starke Ichbezogenheit auf. Sie lernen in ihrer Familie in der Regel nicht mehr miteinander zu kooperieren, durch die oft fehlenden Geschwister. Daher sind sie auf sich allein gestellt und zeigen dieses Phänomen auf. Daraus resultiert auch das Symptom der ungestümen Verhaltensweisen. Die Kinder haben nur noch wenig Voraussicht und kaum noch ein Verständnis für eine Rücksichtsnahme vor anderen Personen. Weiterhin wird immer häufiger eine unsichere und situationsunangemessene Verarbeitung von Reizen beobachtet. Dieser Faktor lässt sich verknüpfen mit der herrschenden ausgeprägten Reizbarkeit mit unkontrollierten Handlungen. Die Kinder werden sehr schnell aggressiv. Dies führt oft zu Konflikten zwischen den Kindern, die häufig leider auch handgreiflich enden. Zu beobachten ist ebenfalls die immer geringere Frustrationstoleranz und Geduld. Es gibt kaum noch Situationen in denen die Kinder für eine längere Zeit ruhig und Konzentriert sitzen können. Im Sportunterricht äußern sich die Belastungen der Kindern in dem sie geringe koordinative Fähigkeiten und geringe Bewegungserfahrungen mitbringen. Die kleinsten Aufgaben bereiten vielen schon große Schwierigkeiten. Durch entstehende motorische Mißerfolge entstehen dann jedoch Hemmungen und Ängste. Diese wirken sich dann wieder negativ auf das Unterrichtsfach aus. Die Schüler erzielen keine Erfolge, haben wenig Spaß beim Sport und werden demzufolge auch in ihrer Freizeit keinen Sport betreiben durch das negative Bild, dass sie vom Sport in der Schule gewonnen haben (Bayrisches Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst 2005, S.5).
Da die Schüler sehr viel unruhiger und unkonzentrierter sind als vor einigen Jahren noch, wird von der Lehrkraft ein größerer Zeitaufwand verlangt. Sie wird mehr beansprucht und muss jedes einzelne Kind individuell betrachten und fördern.

2.3 Bewegungsmangel und seine Folgen

Die Belastungen, Folgen und Wirkungen der veränderten Umstände unter denen Kinder aufwachsen wurden ausführlich in 2.1 und 2.2 beschrieben. In diesem Kapitel gehe ich nun auf den entstandenen Bewegungsmangel und seine Folgen ein. Durch unser Technologiezeitalter verbringen viele Kinder ihre Freizeit vor dem Computer, einer Spielkonsole oder dem Fernseher. Wer früher noch zur Schule gelaufen ist, wird heute häufig mit dem Auto hin gefahren. Heranwachsende haben dadurch immer weniger die Möglichkeit den Spaß und die Freunde an Bewegung zu erfahren. Zudem fehlt vor allem die Zeit zum Spielen auf der Straße oder auf dem Spielplatz, da der Computer und andere Medien zunehmend deren Platz einnehmen. Dies hat zur Folge, dass die Kinder heutzutage zuviel sitzen und sich zuwenig bewegen. Schon bei den jüngsten lassen sich als Folge des Bewegungsmangels zunehmend gesundheitliche Probleme feststellen. Rund 25-60% der Schulkinder haben Haltungsschwächen, 25-30% leiden an Übergewicht, 20-30% weisen Herz-Kreislauf-Schwächen auf und 30-40% haben Koordinationsschwächen. Zudem kommt eine Zunahme von Kindern, die über erhebliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Magenschmerzen und Schulunlust klagen (Bayrisches Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst 2005, S. 6). Es sind alarmierende Zahlen, die von der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung von haltungs- und bewegungsauffälligen Kindern und Jugendlichen veröffentlicht wurden. Schon immer mehr Grundschullehrer stellen daher auch fest, dass die Belastbarkeit und die Geschicklichkeit der Schüler beharrlich abnimmt. Die oben beschriebenen mangelnden körperlichen Erfahrungen und Fähigkeiten vieler Kinder belasten ihre Gesundheit und zudem wird dadurch das Unfallrisiko drastisch erhöht. Viele versagen schon bei den einfachsten Aufgaben, wie z.B. beim Fangen eines Balls oder beim Ballancieren. Zudem haben immer mehr Kindern Schwierigkeiten beim Durcheinanderlaufen auf dem Schulhof in den Pausen.

2.4 Handlungsmöglichkeiten für die Grundschule

Wie in der Einleitung schon erwähnt, muss die Grundschule andere bzw. neue Wege wählen, um diesen Problemen entgegenzuwirken. Sie muss sich den veränderten Lebenssituationen der Kinder anpassen und dementsprechend auch reagieren. Heutzutage lernen viele Kinder nicht mehr ihren eigenen Körper und seine Signale kennen. Daher muss die Grundschule ihnen eine Möglichkeit bieten sich mit gezielten Übungen ein differenziertes Körpergefühl anzueignen. Eines der wichtigsten Argumente für eine verstärkte Förderung der Bewegungsfähigkeit der Schüler ist das enge Zusammenspiel zwischen motorischer und sensorischer Entwicklung. Psyche und Gehirn arbeiten ebenfalls eng miteinander. Eine altersgemäße Bewegung fordert zu einer natürlichen Auseinandersetzung mit der Umwelt auf und fordert zugleich ein differenziertes Sozialverhalten. Dies stellt auch die Basis für eine andauernde Lebenseinstellung. Diese stellt wiederum einen Ausgleich bzw. eine Balance zwischen den Risiko- und Schutzfaktoren der Gesundheit dar. Gerade die Grundschulzeit, wo Haltung und Verhalten entscheidend geprägt werden, soll die Bewegungserziehung ein zentrales Thema sein. Sie soll aber nicht nur dem Bewegungsmangel der Kinder entgegenwirken, sondern auch versuchen gezielt die Lebenssituationen der Kinder gesundheitlich verbessern. Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsschwächen und Leistungsprobleme sollen in den Mittelpunkt rücken, um eine ganzheitliche Begegnung der Schüler mit diesen Problemen zu ermöglichen. Bewegung sollte ein selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts werden und somit einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitserziehung der Schüler leisten.

Auf die beschriebenen alltäglichen Belastungen, deren Wirkungen auf die Schule und auf den Bewegungsmangel und seine Folgen musste die Grundschule reagieren. Dadurch kam zur Initiative „Bewegte Grundschule“. Das Konzept wird im folgenden Kapitel näher beschrieben.

3. Das Konzept der „Bewegten Grundschule“

3.1 Ziele der „Bewegten Grundschule“

In diesem Kapitel werde ich die Ziele des Konzepts „Bewegte Grundschule“ nennen. Diese gliedern sich auf in eine Hauptzielstellung und acht Teilzielen. Diese gehören zu einer umfassenden Bewegungserziehung unbedingt dazu.
Die Hauptzielstellung einer „Bewegten Grundschule“ lautet wie folgt:
„Die Befähigung der Kinder zu individuellen Handlungskompetenz, die darauf gerichtet ist, durch Bewegung die Umwelt zu erfahren und zu gestalten.“
(Müller, Christina: Bewegte Grundschule. Academia Verlag, Sankt Augustin 1999, S.40)
Die Kinder sollen also durch die Fähigkeit der Handlungskompetenz in verschiedenen Situationen selbständige und geeignete Bewegungsstrategien finden und diese in einer angemessenen Situation einsetzten.
Mit dem Konzept der „Bewegten Grundschule“ wird vor allem eine auf die Ganzheit des Kindes gerichtete Bewegungserziehung gezielt. Diese Ganzheit kann jedoch nur realisiert werden, wenn verschiedene konkrete Teilziele formuliert werden. Diese erfahren auf der Ebene einzelner Bereiche der Bewegungserziehung eine Konkretisierung. Im folgenden Abschnitt werden diese acht Teilziele formuliert.

1) Förderung der sinnlichen Wahrnehmung
Bei diesem Ziel steht das Sammeln von Primärerfahrungen im Vordergrund. Demnach sollen die Kinder Bewegungs- und Körpererfahrungen sammeln. Dabei soll das Anspannen und Entspannen differenziert wahrgenommen werden. Ebenso sollen sie über Bewegung Eigenschaften von Gegenständen erkunden und die Natur wahrnehmen und erfahren können. Des Weiteren soll die soziale Koordination und Wahrnehmung geschult werden, d. h. Erfahrungen des Miteinanders sollen durch Bewegungshandeln gesammelt werden.

2) Stärkere Einbeziehung des kinästhetischen Analysators (=Bewegungssinn) beim kognitiven Lernen
Bei diesem Ziel ist das Augenmerk auf die Notwendigkeit unterschiedlicher Informationszugänge sowie aus der physiologischen Bedeutung der Bewegung für das kognitive lernen gerichtet. Die Kinder sollen ihre Informationsaufnahme und -verarbeitung optimieren, z.B. durch Kenntnisse zu Bewegungsspielen, Auflockerungs- und Entspannungsübungen sowie zu unterschiedlichen Sitzhaltungen.

3) Herausbildung von Sozial- und Selbstkompetenz
Die Kinder sollen bei Bewegungsinteraktionen freiwillig und aktiv teilnehmen. Dabei sollen auch eigene Ideen mit eingebracht werden. Außerdem sollen soziale Vereinbarungen gemeinsam getroffen werden. Die Kinder sollen zeigen, dass sie verläßlich sind, in dem sie diese Vereinbarungen gemeinsam treffen und individuell einhalten.

4) Erhöhung der Sensibilität für den eigenen Körper und Verstärkung emotionalen Erlebens
Man geht davon aus, dass sportliche Bewegungshandlungen positive Veränderungen aktueller Befindlichkeiten zutreffen. Daher wird dieses Teilziel formuliert. Die Schüler sollen ihr Bewegungsbedürfnis ausleben können und dadurch den Abbau von negativen Spannungen lernen können. Schul- und Lernfreunde sollen angeregt werden.

5) Schulung der Koordination
Die fünf koordinativen Fähigkeiten stehen in enger Verbindung mit der Realisierung der anderen Teilziele der Bewegungserziehung. Daher ist dieses Teilziel von besonderer Bedeutung. Zum Beispiel kann die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit die stärkere Einbeziehung des kinästhetischen Analysators sichern (Teilziel 2) und die Sensibilität für den eigenen Körper erhöhen (Teilziel 4).
Von dem Konzept der koordinativen Fähigkeiten von Hirtz (1985) ausgehend werden folgende Fähigkeiten für dieses Teilziel formuliert:

kinästhetische Differenzierungsfähigkeit
-> Bewegungen können räumlich und zeitlich präzise ausgeführt werden. Außerdem sollen die Muskeln zweckmäßig an- und entspannt werden können. Visuelle Reize müssen mit der Handmotorik koordiniert werden können.

Räumliche Orientierungsfähigkeit
-> Bewegungshandlungen sollen im Raum gesteuert werden können.

Rhythmusfähigkeit
-> Der eigene Bewegungsrhythmus soll dem Gesang bzw. der Musik oder einem Partner bzw. einer Gruppe angepaßt werden können.

Gleichgewichtsfähigkeit
-> Das Gleichgewicht soll bei wechselnden Umweltbedingungen gehalten bzw. wieder hergestellt werden

Reaktionsfähigkeit
->Auf aktuelle Reizsituationen soll schnell und zweckmäßig reagiert werden können.

6) Verbesserung der Körperhaltung
Innerhalb des Konzepts „Bewegte Grundschule“ stellen die gesunde körperliche Entwicklung und die Körperhaltung einen Schwerpunkt dar. Die Kinder sollen sich selbstständig richtig und vielfältig bewegen können. Außerdem sollen sie eine Haltungskonstanz vermeiden.

7) Förderung der Bewegungssicherheit
Die Schüler sollen Bewegungssicherheit erlangen. Dadurch selbstbewußt und selbstgesteuert Bewegungsaktivitäten gestalten können.

8) Sensibilisierung für kulturelle Werte
Die Kinder sollen altes und neues Bewegungsspielgut erleben, aufgreifen und weitergeben. Außerdem ist eine kritische Auseinandersetzung mit Bewegungsgewohnheiten und – trditionen wünschenswert.

Abschließend ist wichtig festzuhalten, dass die Bewegungserziehung, wie schon erwähnt, von einem ganzheitlichen Ansatz ausgeht, also ein Gesamtzusammenhang zwischen kognitiven, sozialen, emotionalen und motorischen Erlebnis- und Erfahrungsprozessen gesehen wird. (vgl. Müller, Christina 1999, S.39ff.)

3.2 Grundsätzliche Positionen

Der Lehrplan für die Grundschule berücksichtigt zwar das Bewegungsbedürfnis der Schüler, jedoch ist dies angesichts des großen Bewegungsmangels der Kinder von heute zu wenig. Zu diesem Mangel der Kinder in ihrer Freizeit kommt nun in der Schule das lange und statische Sitzen. Die ins leben gerufene Initiative „Bewegte Grundschule“ will diesen gesellschaftlich bedingten Probleme aufgreifen. In Zusammenarbeit mit Lehrern, Eltern und Schüler sollen die Grundschulen zu einem bewußteren Verhalten und zu mehr Bewegung anregen. Dieses bayrische Konzept lehnt sich dabei stark an das internationale Projekt „Bewegte Schule- Bewegtes Leben“. Es setzt sich zusammen aus sechs Bausteinen, den zentralen Handlungsfeldern. Diese werde ich anschließend näher beschreiben.

3.2.1 Rhythmisierung des Schulalltags durch Wechsel von Spannung und Entspannung

Nun zum ersten Baustein der „Bewegten Grundschule“, auf den ich näher eingehen werde. In der „Bewegten Grundschule“ soll ein Rhythmisierung des Schulalltages durch einen Wechsel von Spannung und Entspannung stattfinden. Die Konzentrationsfähigkeit von Schülern in der Grundschule lässt erfahrungsgemäß schnell nach, was man an der Körperhaltung und an unruhigem Verhalten der Kinder erkennen kann. Je Jünger die Kinder sind, desto niedriger liegen auch die Grenzen ihrer psychophysischen Belastbarkeit. Ein Maximum für ununterbrochenes konzentriertes Lernen und Sitzen ist z.B. bei 5-7jährigen nach ca. 15 Minuten erreicht. Signale für unkonzentriertes Verhalten dürfen vom Lehrer nicht übersehen werden. Nur durch einen Wechsel von Bewegung und Entspannung kann von den Schülern neuer Leistungswille erwartet werden. Die Pausen mit Bewegung entlasten die beim Sitzen einseitig belastete Muskulatur und regen den Kreislauf an. Dadurch wird die Konzentrations- und die Lernfähigkeit gefördert. Es gibt eine Vielzahl von Entspannungsübungen z.B. Bewegungsübungen ohne Geräte, Bewegungsübungen mit Geräten, Bewegungsübungen mit dem Stuhl, Bewegungsübungen mit dem Lineal, Phantasiereisen, Atemübungen, usw. In der Unterrichtsgestaltung der Grundschule muss demnach der Grundsatz gelten:
„Entspannung nach 15 bis 20 Minuten!“

3.2.2 Aufbau eines bewegungs- und handlungsbewussten Verhaltens

Ein weiterer Baustein der „Bewegten Grundschule“ ist der Aufbau eines bewegungs- und haltungsbewussten Verhaltens. Vorraussetzung dafür ist eine zumindest elementare Kenntnis der Anatomie des menschlichen Körpers, auf die ich jetzt nicht genauer eingehen werde. Mit den Schülern sollte dies intensiv behandelt und anschaulich demonstriert werden. Als zentrale Punkte sollen hier das richtige Sitzen und das richtige Heben und Tragen angesprochen werden. Um zu große Belastungen durch Sitzen zu vermeiden, ist es sehr wichtig vor allem in der Schule auf dieses Thema einzugehen. Den Schüler soll eine rückenschonende Sitzhaltung bewusst gemacht werden. Dabei könnte man auf folgende Punkte näher eingehen: Die Phasen des Sitzens sollten immer durch Bewegungen oder auch Tätigkeiten in einer anderen Körperstellung unterbrochen werden. Weiterhin sollen die Schüler auf Dauer lernen selbst wahrzunehmen, wenn sie nicht mehr gerade sitzen. Das bedeutet also, dass sie merken sollen, wann ihre Muskulatur nachlässt. In diesem Fall sollte die Sitzposition gewechselt werden.
Auch beim richtigen Heben und Tragen wird den Kindern das rückengerechte Bücken gezeigt, so dass der Rücken möglichst wenig belastet wird. Grundprinzip dabei ist es stets den Rücken gerade zu halten.

3.2.3 Bewegte Pausengestaltung

Die Schüler sollen auch außerhalb des Unterrichts zu mehr Bewegung angeregt werden. Daher ist die Pausengestaltung der Kinder ebenfalls von großer Bedeutung in einem Konzept dieser Art. Die Pausenhöfe sollen Ruhezonen enthalten, sowie auch Unterhaltungszonen und Spielzonen. Alle müssen die Möglichkeit haben in der Pause ihr Frühstück zu sich zu nehmen, sich zu bewegen und zu spielen und außerdem sich durch verschiedene Spielgeräte unterhalten zu lassen. Attraktive Geräte und Hilfsmittel regen die Kinder dabei an und fordern sie dazu auf sich zu Bewegen. Dies ist wie schon beschrieben sehr wichtig, da die Kinder ihren hohen Bewegungsdrang ausleben müssen bzw. sollen.

3.2.4 Durchführung von Schulaktionen für ein bewegtes Lernen

Ebenso wie die Bewegte Pausengestaltung gehören auch Schulaktionen zu Initiativen außerhalb des Unterrichts. Aktionen werden dabei häufig durch eine Zusammenarbeit von Eltern, Lehrern und Schülern organisiert und Durchgeführt. Dabei Thema „Bewegung“ müsste in diesem Fall im Mittelpunkt stehen. Aktionen könnten z.B. Projekttage- oder wochen mit dem Schwerpunkt Bewegung sein. Wichtig dabei ist, dass alle Beteiligten Spaß und Freude an der Bewegung finden. Daher sind Klassenfeste mit bewegungsintensiven Darbietungen z.B. eine Tanzvorführung gut geeignet. Eine weitere Möglichkeit wären Sport und Spielwettkämpfe. Diese sollten jedoch zusätzlich zu den Bundesjugendspielen stattfinden.

3.2.5 Bewegungsförderung durch Gesundheitserziehung im und durch Schulsport

Ein weiterer Baustein der „Bewegten Schule“ ist die Bewegungsförderung und die Gesundheitserziehung. Wie ich schon erwähnt habe, können und sollen alle sechs Aspekte den Sportunterricht nicht ersetzen, sondern dienen nur als Ergänzung zum Regelschulsport. Bei diesem Baustein geht es hauptsächlich um Kurse, die zusätzlich angeboten werden. Dazu zählt auch der Sportförderunterricht. Gerade motorisch schwächere Schüler sollen Spaß und Freude an Bewegung erfahren, um den Sport auch in der Freizeit oder im Verein zu betreiben.

4. Literaturverzeichnis

- Fölling-Albers(Hrgs.): Veränderte Kindheit-Veränderte Grundschule;Beiträge zur Reform der Grundschule, Arbeitskreis Grundschule e.V. Frankfurt am Main. 1989
- Hurrelmann(2007): Kinder in Deutschland 2007. 1.World Vision Kinderstudie. Fischer Verlag. Frankfurt am Main