Genie und Wahnsinn am Beispiel von 'A Beautiful Mind'
Geschrieben von: KAtii610 Mittwoch, 06. Mai 2009 um 17:25 Uhr
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Hausarbeit im Seminar 'Einführung in die Filmanalyse'. Thema: Genie und Wahnsinn am Beispiel von 'A Beautiful Mind'
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Genie und Wahnsinn am Beispiel von 'A Beautiful Mind'
Inhalt1. Einleitung
Schon ein Sprichwort besagt: „Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander“. Aber der Genie-Gedanke entspringt nicht nur einem Sprichwort, sondern ist ein Topos, der sich über die ganze Literaturgeschichte der Neuzeit erstreckt. Genies wie Mozart oder Goethe sind jedem bekannt, doch dass sie zu Lebzeiten nicht nur durch ihre Werke auffielen, sondern auch durch ihr bizarres Verhalten, ist eher unbekannt. Forschern zu Folge sind psychische Störungen immer eine Nebenwirkung außerordentlicher Kreativität. Ähnlich erging es auch dem genialen Mathematiker John Forbes Nash. Durch das Lösen komplizierter Probleme und seiner Neuentwicklung der Spieltheorie erreichte er Großes. Dennoch erkrankte er an paranoider Schizophrenie und hatte Wahnvorstellungen. Angeregt durch den Film „A Beautiful Mind“ von Ron Howard und auch der ihm zu Grunde liegenden Biografie „Genie und Wahnsinn - Das Leben des genialen Mathematiker John Nash“ von Silvia Nasar möchte ich mich im Folgenden näher mit dem Phänomen des Genies und Wahnsinns anhand dieses Films im Vergleich mit dem Buch beschäftigen. Der Film hat mich nach dem ersten Schauen schon außerhalb des Filmseminars zutiefst beeindruckt, wie Nash seine Krankheit durch seine eigene Genialität schlussendlich überwindet und wie ergreifend Russell Crowe spielt. Ich war aber auch nach dem Lesen der Biografie ehrlich überrascht, wie anders eigentlich das Leben John Nashs dargestellt wurde und was die Macher des Films alles zu Gunsten der Länge des Films weggelassen hatten. Deshalb habe ich mich auch für dieses Thema entschieden.
Wie stellt der Film Nash als Genie dar und wie seinen Wahnsinn? War dies auch in seinem realen Leben so? Es gibt ja einige Filme, die irgendwelche Forscher und Professoren in irgendwelche Forscherschubladen stecken, wie z. B. den Mahner mit dem Satz: „Ich habe Sie ja gewarnt“ oder den Reuigen mit dem Satz „ Oh mein Gott, was habe ich getan?“ [1] Bei John Nash in „A Beautiful Mind“ ist dies allerdings anders, wie folgende These zeigt: „Der an Schizophrenie leidende Nash wird nicht als verrückter Professor denunziert, sondern mit größter Empathie und Hollywood eigenem Pathos als Held inszeniert.“[2] Deshalb will ich auf Grundlagen der Forschung zu diesem Thema herausfinden, wie Nash als Genie und Wahnsinniger im Film gezeigt wird.
2. Das Genie in der deutschen Literatur der Vergangenheit
Schon immer sprach man bei außergewöhnlich begabten Menschen von Genies. Das Wort Genie lässt sich auf zwei verschiedene Begriffe zurückführen: zum Einen „genius“, das aus dem Lateinischen stammt und soviel wie Erzeuger bedeutet; zum Anderen „ingenium“, was soviel heißt, wie natürliches, angeborenes Talent oder Begabung und stellt irrationales Vermögen dar. Weiterhin wird das Genie dadurch definiert, dass es nicht die rationale Methode ist, sondern Originalität und Ursprung, sowie die Entstehung des Neuen.[3] Literaturgeschichtlich gesehen tauchte der Geniegedanke vorrangig in der Aufklärung auf. Diese Epoche stieg dann allmählich zu einer richtigen Geniezeit auf, was auch daran lag, dass die Dichtung einen höheren Stellenwert einzunehmen begann. Dies entwickelte sich auch deshalb, weil die höfische Dichtkunst an Bedeutung verlor und die Dichter zunehmend autonomer wurden, allen voran Lessing, der als einer der ersten versuchte, nur vom Dichten zu leben. Die Aufklärung war auch eine sich selbst thematisierende Epoche, benannt durch Kants Werk „Was ist Aufklärung?“, was bedeutete, dass man alle Autoritäten auf Grund der Vernunft kritisch hinterfragt. Kant grenzt das Genie, das eine unbewusst schaffende Natur ist, vom nichtgenialen Wissenschaftler ab, weil dieser methodisch-rational vorgeht. Außerdem ist das Werk eines Genies, im Gegensatz zum Schaffen des Wissenschaftlers, das man erlernen und nachahmen kann, nicht übertragbar oder nachzuahmen.
Die Menschen beginnen in dieser Zeit, politische Selbstbestimmung zu fordern, sowie Toleranz und Mündigkeit. England und Frankreich hatten auf deutsche Dichter einen unsagbar großen Einfluss. So wurde beispielsweise Shakespeare als Genie bezeichnet und seine Schriften beeinflussten die deutsche Literatur maßgeblich. In der Aufklärung ist der Dichter kein gelehrter Vielwisser, sondern ein naturhaft Schaffender, der über die Erhabenheit über alles Einzelwissen, Gelehrtes und alle Geschicklichkeit verfügt, d.h. die Darstellung einer von vorherein vorhandenen Ganzheit.[4] Doch vor Lessing beschäftigte sich auch schon Klopstock mit der Genie-Thematik. Er war der Ansicht, „die Schaffensenergie des Genies lieg[e] nicht in der rationalen Sphäre, sondern in der irrationalen Sphäre.“[5] D.h. natürlich, dass das Geniehafte schon da sein muss, damit der Dichter daraus schöpfen kann, es handelt sich dabei um etwas, das man nicht erlernen kann. Lessing definierte eine Generalregel, woran sich alle orientieren sollten, indem er versuchte, das Genie als Inbegriff des freien Schöpfertums und vom Prinzip der Nachahmung in Einklang zu bringen.
Später jedoch war das Geniehafte losgelöst vom Nachahmungsprinzip.[6] Lessing wollte das Genie auch buchstäblich erziehen, d.h. ein Mensch muss lernen und erfahren, verarbeiten, wieder lernen und sich dieses merken, vergleichen, wissen und dann auch lehren, damit er zum Genie werden kann. Andererseits erwähnt er auch wieder in Zusammenhang mit Shakespeare, dass ein Genie nicht anerzogen werden kann, sondern durch ein anderes Genie angeregt, plötzlich selbst zum Genie wird. Es war also eine teilwiese etwas widersprüchliche Definition, die Lessing vom Genie lieferte, da er auch später daran zweifelt, dass es ein echtes Genie überhaupt existiert. Herder fordert danach, dass das Genie als Reaktion auf Gelehrsamkeit und kulturelle Reaktion zu verstehen ist, bzw. als Medium der Integration von Totalität und Individualität.[7] Später schreibt Goethe in seinen Hymnen über Genies, die sich ganz aus sich selbst heraus und aus eigener Kraft entfalten. Seine Hymnen werden auch als Höhepunkt der Geniezeit angesehen. Das Genie war für den Künstler das Wesen des Künstlertums, um das künstlerisch-geniale Selbstverständnis zu etablieren. Eine Wendung im Genie-Thema stellt Goethes Werther dar. Ging es vorher eher um eine ästhetische Definition des Genies, war das Genie nun plötzlich ein existentielles Problem. Die Entwicklung des Genies geht dahin, dass das Dichtertum des wirklich genialen Dichters, der von einer ursprünglichen Erfahrung geleitet wird, für ihn selbst schicksalhaft wird, sodass es seine Existenz bestimmt. Doch mit zunehmendem Alter wendet sich Goethe mehr und mehr gegen den Kult um das Genie. Er sagt dem autonomen Künstler und dem Eigenrecht der Kunst ab. Bei seinen früheren Genie-Dichtungen stand das „Ich“ und die Selbstdarstellung im Mittelpunkt. Nun nimmt gerade das „Nicht-Schöpferische“ eine zentrale Stellung ein.[8]
Hölderlin interessiert sich indes sehr für das sich legitimierende Genie. Aber auch er sieht das Genie als eine All-Natur an, aus welcher der Mensch dann all seine schöpferische Energie nimmt und auch alle anderen künstlerischen Ergüsse. Im Sturm und Drang waren die Dichter gegen Lehren und Lernen des Genies, d.h. ein Genie war gekennzeichnet durch seine eigene Schaffenskraft und die Autonomie der Kunst.
Für Kleist wird die Todverfallenheit des Menschen zum existentiellen Argument gegen Genie und Charisma.[9]
Bei allen diesen Ansichten sieht man, dass der Gedanke des Genies schon immer faszinierend war und die Schriftsteller auf verschiedene Arten versucht haben, das Genie zu definieren. Auch die Erzählungen über Wahnsinn haben bereits viele Dichter beschäftigt. Dabei bedurfte aber die Darstellung der Krankheit keiner medizinischen Fachliteratur, sondern nur der Beobachtung und Registrierung der Phänomene, soweit sie typischen Symptomen von „Wahnsinn“ und anderen Geisteskrankheiten entsprachen. Das Schreiben über Wahnsinn ist vereinnahmend aber auch grenzziehend.
3. Das Genie John Nash, sein Wahnsinn und dessen Darstellung im Film
3.1 Das Genie John Nash
Am 13. Juni 1928 wird John Forbes Nash, jr. in Blue Field in West Virginia geboren.Schon als Kind arbeitet er lieber allein und nimmt kaum an kindgemäßen Aktivitäten teil.
Während seiner Schulzeit entdeckt er sein Talent für Mathematik und fällt durch das im-Kopf-Lösen komplizierter Probleme auf, wodurch er wahre gedankliche Experimente vollbringt. Die Lösung des Fermatschen Satz über Primzahlen löst bei ihm eine Art Erleuchtung aus, sodass er während der High School Mathematikkurse am Bluefield College besucht. Nachdem er sein Chemiestudium abgebrochen hat, wechselt er zu einem Mathematikstudium, das er 1948 abschließt. Während dieser Zeit entwickelt er ein außergewöhnliches Verlangen nach kniffligen Problemen, sodass er mit neunzehn Jahren bereits das Format eines reifen Mathematikers hat.[10] Er bevorzugt auch eher allgemeine Probleme als kleine knifflige Rätsel. Er wusste sehr viel mehr als alle seine Kommilitonen, besaß generell also ein ungeheures Wissen und kannte die Zahlentheorie auswendig. Er beschäftigte sich mit diophantischen Gleichungen, über die sonst niemand etwas wusste. „Das Bemerkenswerte an den Gedankengebäuden, die [man] Nash als Student im ersten Jahr zuschreibt, besteht darin, dass es […] intelligente Übungen sind, die die Genialität eines geistig weit entwickelten Studenten unterstreichen sollen […]“[11] Er wird also schon mit dem Wort „genial“ beschrieben. Im Herbst 1948 beginnt er seine Promotion in Princeton. Dort beginnt auch der Film mit einer Szene, in der beschrieben wird, was Mathematiker schon alles geleistet haben. In den ersten 20 Minuten wird das Wort Genie für Nash immer nur ironisch von seinen Kommilitonen, vor allem von Marton, gebraucht. Seine außerordentlichen Fähigkeiten werden nicht so dargestellt, sondern man sieht immer nur, dass er unter einer großen Versagerangst leidet und unter Druck steht, unbedingt etwas Großes leisten zu müssen. Er verfügt nur über eine Idee zur regulierenden Dynamik. Erst in der Szene im Pub, wo er die zündende Idee hat für seine regulierende Dynamik, wird sein Genie annähernd deutlich. Seine Ideen werden durch Spezialeffekte mit der Blondine erklärt und so, vereinfacht dargestellt, für jeden verständlich. Dass er alles um sich herum vergisst, wenn er seine Ideen entwickelt, zeigt sich auch daran, dass die Geräusche aus dem Pub ausgeblendet werden und Musik aus dem OFF eingespielt wird. Allerdings ist seine Idee für seine Freunde noch nicht nachvollziehbar.[12] Danach wird gezeigt, wie er eine sehr lange Zeit in seinem Zimmer arbeitet und seine Doktorarbeit schreibt.
1950 erlangt er den Doktortitel für seine Arbeit auf dem Gebiet der Spieltheorie, vor allem für das, später nach ihm benannte, Nash-Gleichgewicht bei nicht-kooperativen Spielen. Er ist von Anfang an fasziniert von der Fülle interessanter und ungelöster mathematischer Probleme auf dem Gebiet der Spieltheorie. Er ist auch von Spielen im Allgemeinen begeistert, sodass er sogar ein eigenes Spiel erfindet. Als 1944 von Neumann und Morgenstern ihr Werk „Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten“ veröffentlichen, begann Nash sofort über das angesprochene Problem und die Lücken in diesem Werk, das sich mit Nicht- Nullsummenspielen beschäftigt und dabei das Problem aber auf Nullsummenspiele reduziert, nachzudenken. Zuerst fragte sich Nash, welche Bedingungen jede potenzielle Aufteilung erfüllen müsste. Dabei kam er auf vier Axiome. Im nächsten Schritt zeigte er, dass, wenn seine Axiome gelten, eine eindeutige Lösung existiert, die den Nutzen für jeden Spieler maximiert. Er wendet diesen Beweisansatz als Erster auf in sozialwissenschaftliches Problem an. Dieses sogenannte Verhandlungsproblem bezog sich auf die kooperative Spieltheorie, aber er leistete auch auf dem Gebiet der nicht-kooperativen Theorie einen bedeutenden Beitrag. Nash verallgemeinert also die Theorie von von Neumann und Morgenstern und beweist, dass für jedes nicht-kooperative Spiel mit einer beliebigen Anzahl von Spielern wenigstens einen Gleichgewichtspunkt gibt, der als Nash-Gleichgewicht bezeichnet wird, in dem kein Spieler seine Situation verbessern kann. Dieses Nash-Gleichgewicht hat bis heute enorme Auswirkungen auf die Sozialwissenschaften und die Wirtschaftswissenschaften.
Im Film wird diese Entwicklung, wie schon erwähnt, mit der entscheidenden „Pubszene“ dargestellt und dann die Erwähnung des Professors, dass es sich um einen großen Durchbruch handele. Eine nächste wichtige Szene, in der sein Genie dargestellt wird, ist die, in der er für das Pentagon einen bedeutungsvollen Code knackt. Aus einer riesigen Zahlenwand findet er besondere Zahlen, die Koordinaten von Längen- und Breitengraden verschlüsseln. Dann entwickelt sich der Film dahin, dass er William Purcher trifft und für ihn beginnt, Codes zu knacken, woran sich ja dann allmählich sein Wahnsinn offenbart.
3.2 Wahnsinn John Nashs
Ende der 1950er Jahre arbeitet Nash an einem Problem der nichtlinearen partiellen Differentialgleichungen, bei dem er selbstentwickelte neue Methoden anwendet. Doch leider arbeite ein unbekannter Italiener namens Ennio De Giorgi an dem gleichen Problem und bewies den Stetigkeitssatz einige Monate früher. Als Nash davon erfährt, ist er schockiert, da er sich sehr nach einer offiziellen mathematischen Anerkennung sehnte und vor allem auf die Fields Medaille hoffte, die höchste mathematische Auszeichnung. Die Enttäuschung, dass er somit nicht mehr in Frage kam, war sehr groß. So beginnt er die Arbeit an einem Projekt zur Revidierung der Quantentheorie, wobei er Gespräche mit führenden Wissenschaftlern führt und mit Oppenheimer sogar aneinander gerät. Viele Jahre später macht Nash dieses Vorhaben als Auslöser seiner Krankheit verantwortlich, da es möglicherweise zu hochgesteckt war und psychisch destabilisierend gewirkt haben könnte. Sein Tatendrang war auch damit zu erklären, dass er im Sommer 1958 30 Jahre alt wurde und er deshalb nichts großes mehr erreichen könne, da Mathematiker annehmen, dass ihre Schaffenskraft mit Mitte 20 am größten sei und dann stetig abnähme. Er leidet unter Versagerangst, weshalb er versucht, die Riemannsche Vermutung zu beweisen, jedoch scheitert.Im Film wird sein Wahnsinn eigentlich erst sehr spät ersichtlich. Man hält seinen Zimmergenossen Charles und auch Purcher für reale Figuren, weil sie als Antwort auf eine reale Szene eingeführt werden. Charles taucht am Anfang in Princeton auf, nachdem Nash die Bekanntschaft mit Richard Sol, Marton Hanson, Bender und Nils gemacht hat und sie ihn komisch behandeln und er ihnen nicht recht sympathisch ist. Purcher taucht das erste Mal auf, als Nash im Pentagon den Code knackt und fängt Nash nach seiner Arbeit am Wheeler Labor ab. Auch noch als er anfängt, aus Zeitungen Botschaften zu entschlüsseln, hält man ihn nicht direkt für verrückt. Außerdem passiert alles so, wie Purcher es beschreibt, er wirft die Briefe in einen geheimen Briefkasten, nachdem er das Tor mit dem Code, den ihm das Implantat übermittelt, öffnet. Es deutet also nichts auf etwaigen Wahnsinn hin.
Im wirklichen Leben macht Nash in den ersten zwei Monaten des Jahres 1959 plötzlich eine seltsame und schreckliche Verwandlung durch. Er beginnt, sich seltsam zu verhalten, sodass er beispielsweise bei einem Spaziergang von einer Bedrohung des Weltfriedens und der Ernennung einer Weltregierung, wobei er eine wichtige Rolle spielen solle, spricht.[13] Außerdem ist er davon überzeugt, dass eine ausländische Regierung bzw. eine außerirdische Macht mit ihm über die New York Times und Radiosender in Verbindung getreten sei und ihm Botschaften schicken, die nur er entschlüsseln könne. Er schickt Briefe an die Regierungen anderer Länder, in denen offenbar steht, dass er eine Weltregierung bilden wolle, die aus Mitgliedern der mathematischen Fakultät des MIT bestehen solle. Zu dieser Zeit erhält er die Zusage über eine Vollzeitstelle am MIT, erklärt aber, dass er sie ablehnen müsse, da er schon zum Kaiser der Antarktis auserkoren worden sei.[14] Seine Frau Alicia versucht Nash zu beruhigen, dennoch erkennt sie bald, dass er wahrscheinlich einen geistigen Zusammenbruch erlitten hat und bittet den Arzt am MIT um Rat, der ihr zu einer Einweisung in das McLean Hospital rät. Im Sommer 1959 hatte sie keine andere Wahl mehr, sodass Nash zwangsweise eingewiesen wurde. Man diagnostiziert paranoide Schizophrenie. Da er die Klinik so schnell wie möglich wieder verlassen will, gibt er zu, seltsame Briefe geschrieben zu haben, gibt sich nach außen hin höflich und normal, sieht sich aber in seinem Inneren als politischer Gefangener. Daraufhin wird er entlassen, doch schon kurz danach schmiedet er Pläne, nach Europa zu reisen und seine Professur am MIT niederzulegen. Er reist Anfang Juni nach Europa, versucht dort seinen amerikanischen Pass abzugeben, damit er ein Weltbürger sei, was ihm aber nicht gelingt. So bemüht er sich in der Schweiz als Flüchtling vor allen Staaten der NATO um Asyl, doch auch dies gelingt nicht und so nimmt ihn Alicia wieder in die USA zurück. Seine Situation bessert sich bis 1961 nicht, woraufhin er wieder ein ewiesen wird, dieses Mal in das staatliche Trenton State Hospital, in dem, verglichen mit dem McLean Hospital, furchtbare Zustände herrschten. Dort wird er dann auch mit Insulinschocks behandelt, eine grausame Methode, die das Gedächtnis des Patienten angreift und sogar zum Tod führen kann. Da die Methode anzuschlagen scheint, wird er nach 7 Monaten wieder entlassen und erlangt auch langsam wieder seine Fähigkeit zu rationalem Denken. Dennoch bezeichnet er selbst diese Phase als „Intermezzo erzwungener Geisteskrankheit“[15]. Er beginnt sogar wieder zu arbeiten.
Diese verschiedenen Zeiten in den Kliniken werden im Film zusammengefasst. Nash hatte sich schon Alicia gegenüber sehr komisch verhalten, z. B. als er sie zwingen will, zu ihrer Schwester zu fahren, weil sie seiner Ansicht nach in Gefahr zu sein scheint. Sie kontaktiert also einen Psychiater, namens Dr. Rosen, der Nash bei der internationalen Mathematiker- Konferenz, nachdem dieser einen äußerst wirren Vortrag hält und plötzlich davonläuft, überwältigt und Nash in seine psychiatrische Klinik McArthur einweist. Als Nash dort erwacht, ist er gefesselt, weiß nicht, was los ist und beginnt plötzlich zu rufen, dass er nichts wisse. Er hält Dr. Rosen für einen Spion. Er versucht sich von den Fesseln zu befreien, dann entdeckt er plötzlich Charles und bittet ihn um Hilfe. Dr. Rosen fragt Nash daraufhin, wen er sehe. Charles wird wieder eingeblendet, im Wechsel mit Nash. Dennoch wird an dieser Stelle nicht gezeigt, dass Charles nicht da ist, also Dr. Rosens Sicht wird ausgespart. [16] Im Gegensatz zu einer anderen Szene im Film, in der Nash der kleinen Marcee über den Kopf streichelt, während ein anderer Professor kein kleines Mädchen sieht und sich wundert, wen Nash dort streichelt. Außerdem wird er mit Insulinschocks behandelt. Nach seiner Entlassung aus der Klinik wird der Kampf gegen seine Krankheit gezeigt, wie er wieder rückfällig wird und erneut Codes knackt, wie das Baby fast ertrinkt, weil er Charles bittet, darauf aufzupassen, bis er plötzlich feststellt, als Purcher ihn unter Druck setzt, Alicia umzubringen, dass Charles mit Marcee und Purcher noch nie zusammen aufgetaucht sind und Marcee nicht älter wird. Er ist fest davon überzeugt, dass er das Problem mit seinem Verstand lösen kann.
Wieder in der Realität verschlechtert sich sein Zustand Anfang der 1960er Jahre wieder, was sich darin äußert, dass er unruhiger und wütender wird, seine Wahnvorstellungen zurückkehren und er auch wieder seltsame Briefe schreibt. Alicia ist erschöpft und entmutigt. Der Zustand ihres Mannes erscheint ihr hoffnungslos und als er sie beschimpft und ihr böse Absichten unterstellt, reicht sie 1962 die Scheidung ein. Er wird wieder in eine Klinik eingewiesen, dieses Mal in die Carrier Clinic. Da er recht schnell auf die Medikamente anspricht, wird er wieder entlassen, jedoch kommt es abermals zu einem Rückfall, sodass er wieder eingewiesen wird und sich ein ähnlicher Verlauf wiederholt. Als er 1965 entlassen wird, ist er voller Hoffnung, hat akzeptiert, dass er ohne Alicia leben muss, sucht eine neue Stelle in Boston und arbeitet wieder. Er ist zwar recht einsam, schafft es aber sogar, einen Aufsatz über Differentialgleichungen zu veröffentlichen. Er erleidet aber nach dem Tod seiner Mutter einen erneuten Rückfall, sodass er wieder in ein Sanatorium eigewiesen wird, aus dem Nash 1970 entlassen wird. Alicia bietet ihm an, wieder bei ihr einzuziehen und kümmert sich verständnisvoll um ihn und sorgt für ihn. Sein Zustand stabilisiert sich allmählich, sodass er Anfang der 1990er Jahre als geheilt gilt. Inzwischen hat er auch wieder zu forschen begonnen und hilft Studenten in Princeton bei mathematischen Problemen. 1994 erhält er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Arbeiten zur nichtkooperativen Spieltheorie.
Der Film stellt seinen Heilungsprozess so dar, dass Alicia sich entschließt, ihn gegen Anraten Dr. Rosens, nicht wieder in die Klinik einweisen zu lassen, sondern es mit dem „normalen Leben“ zu versuchen. Sie glaubt, dass etwas Außergewöhnliches möglich ist. Nach einiger Zeit kehrt er wieder nach Princeton zurück. Dort gibt es noch mal einen Zwischenfall, bei dem er mit dem nicht vorhandenen Purcher redet und sich für die Umstehenden völlig verrückt verhält. Doch er lernt sie zu ignorieren und einfach nicht mehr auf sie einzugehen. Dann beginnt er, Studenten zu helfen und wieder zu lehren. Der Film endet mit der Verleihung des Nobelpreises und einer sehr rührenden Dankesrede.
4. Vergleich zum Buch
Der Film orientiert sich an dem Buch von Silvia Nasar. Er lässt einige Teile der realen Biografie Nashs aus und schönt andere. Aus diesem Grund wurde der Film auch oft kritisiert: „Der Wirtschaftsmathematiker John Forbes Nash Jr. machte mit 22 Jahren seinen Doktortitel an der Universität Princeton, war kommunistisch und bisexuell, wurde geschieden und litt an Wahnvorstellungen. 1994, rund vier Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung, erhielt er den Nobelpreis für seine Theorie über die Prinzipien des Wettbewerbs.Das ist starker Stoff für einen Kinofilm. In "A Beautiful Mind" ist davon leider nicht viel übrig geblieben. Regisseur Ron Howard ("Apollo 13") hat nämlich keine Biografie verfilmt, sondern ein Biopic gedreht. So nennen Filmhersteller ihre Produkte, die Fakten und Fiktion mischen, wobei mindestens zwei Drittel aus dramaturgischen Gründen oder für gesellschaftspolitische Aussagen gelogen sind. Wer will, kann dazu natürlich auch künstlerische Freiheit sagen.“[17]
Häufig werden folgende Punkte kritisiert: Nash sammelte homosexuelle Erfahrungen, dahin gehend, dass er einige besondere Freundschaften zu Männern unterhält und bei ihnen auch Annäherungsversuche unternimmt. Die Macher des Films haben sich, obwohl sie dieses Thema erwähnen wollten, dann doch dagegen entschieden, um nicht eine falsche Verbindung zwischen Homosexualität und Schizophrenie herzustellen, an die die Menschen in den 1950er - 1960er Jahre geglaubt haben.[18]
Das Nächste, was der Film ausspart, ist sein uneheliches Kind mit Eleanor Stier, die ihm 1953 einen Sohn gebar. Seine Beziehung zu ihr hielt er vor allen seinen Freunden geheim und weigerte sich auch, sie zu heiraten oder für den Unterhalt ihres Kindes aufzukommen. Sie erstreitet mit Hilfe eines Anwalts jedoch 1956 die legitimen Alimente von Nash. Dieser sieht seinen Sohn nur sehr unregelmäßig. Ihre Beziehung ist von allerlei Konflikten geprägt, da Nash beispielsweise dagegen ist, dass sein Sohn Krankenpfleger wird.
Des Weiteren wird die Scheidung, die Alicia 1962 einreicht, nicht erwähnt. Nash macht Alicia ja für seine Zwangseinweisungen verantwortlich, beschimpft sie oft und unterstellt ihr böse Absichten. Alicia ist total entmutigt und diese Situation ist für sie nur schwer zu ertragen, da sie trotz ihrer Mühe keinerlei Dankbarkeit erhält. 1970 lässt sie Nash allerdings wieder bei sich einziehen, was wahrscheinlich auch ein ausschlaggebender Punkt für seine Heilung war. Im Film dankt Nash in seiner Dankesrede Alicia bei der Nobelpreisverleihung. In Wirklichkeit hat er aber keine Rede gehalten.
Außerdem wird Nash antisemitischer Äußerungen beschuldigt. Als er bereits schwer krank ist und sein Verfolgungswahn mehr und mehr durchschlägt, erkennt er: „die Wurzel allen Übels in meinem persönlichen Leben sind die Juden, besonders Jack Bricker. Er ist Hitler, eine Trinität des Bösen […].“[19] Doch wie gesagt, tätigte er diese Aussage, als er in seiner Krankheit sehr weit fortgeschritten war. Später ist ihm keine antisemitische Haltung mehr nachzusagen und Nash gibt selbst an, dass solche Äußerungen seiner Schizophrenie zuzuschreiben seien.
Oft wird auch kritisiert, dass Nash ausschließlich als Opfer seiner Krankheit stilisiert wird.[20] Doch die Macher weisen die Kritik von sich, da sie keine wortgetreue Darstellung von John Nashs Leben liefern wollten, sondern eine Geschichte, die von seinem Leben inspiriert wurde.[21]
Ich denke, dass sehr viele Dinge auch weggelassen wurden, weil man Nashs aufregendes, volles und faszinierendes Leben nicht in einem zweistündigen Film unterbringen kann. Dennoch ist es schon etwas fraglich, warum die Scheidung ausgelassen wurde, zumal Nash und Alicia ja wieder zusammenfinden und ihre Geschichte auch im wahren Leben ein Happy-End hat. Auch die wirklich unrealen Dinge, die er in seiner Schizophrenie tut, wie beispielsweise seine erste Europa-Reise, bei der er versucht, seinen amerikanischen Reisepass abzugeben, hat man im Film ausgespart.
Doch trotz aller Kontroversen wurde der Film 2001 mit vier Oscars ausgezeichnet, unter anderem in der Kategorie „Bester Film“ und „Beste Drehbuch-Adaption“.
5. Fazit
Das Thema „Genie und Wahnsinn“ ist einfach eine faszinierende Thematik, die wahrscheinlich nie ihren Reiz verlieren wird. Während die großen Literaten der Vergangenheit versuchten, zu definieren, was ein Genie ausmacht und sich diese Definition auch sehr oft änderte, sind Genies in der heutigen Zeit vor allem Menschen mit einer außergewöhnlichen Begabung. Auch heute hat es Vorteile, ein Genie zu sein, denn wenn man über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, hat man meistens sehr gute Aussichten auf einen ordentlichen Job. Trotzdem hat eine solche Eigenschaft, so ein Talent, auch immer Nachteile, in deren Geschmack auch Nash gekommen ist. Meistens wird man als Streber bezeichnet und von seinen Altersgenossen ausgegrenzt. So etwas kann sich arg zuspitzen und dann wirklich dazu führen, dass diese Menschen auch psychische Störungen bekommen. Allerdings habe ich auch erkannt, dass man nicht immer sagen kann, dass Menschen mit außergewöhnlichenFähigkeiten psychisch erkranken.
John Nash kann man aber ohne Bedenken als Genie bezeichnen, da ich auch seine außerordentlichen Fähigkeiten, die er schon in der Schule und am College hatte, sehr bewundere. Vor allem hat er sich mit einem bestimmten Bereich der Mathematik befasst, sondern schwierige Probleme an sich gelöst. Gerade das fasziniert mich an ihm. Ebenso war ich auch nach dem Film, den ich schon zweimal gesehen hatte, bevor ich das Buch las, fasziniert. Die Tatsache, dass ihm seine Genialität diese Krankheit mehr oder weniger eingebracht hat und er dann aber auch auf Grund seiner Genialität wieder geheilt wurde, finde ich einfach unglaublich. Nach dem ersten Schauen habe ich auch erst relativ am Ende registriert, dass Purcher und Charles nur Einbildungen von ihm waren. Nach dem Lesen des Buches war ich dann noch beeindruckter von John Nashs Leben und auch etwas enttäuscht, das im Film so viele wichtige Details, natürlich auch zu Gunsten der Länge, ausgelassen wurden. Trotzdem schafft der Film es, einen zu rühren und mitzufühlen, sowohl mit Alicia, wie sie in ihrer aussichtslosen Lage ihre ganze Liebe aufbringt und damit Nash hilft. Außerdem ist es einer der wenigen Filme, die nicht so typisch Hollywood sind, in der es eine romantische Liebesgeschichte gibt und der, schon von vornherein klar, ein Happy-End hat. Der Film glänzt einfach auch mit sehr überzeugenden und brillant gespielten Darstellerleistungen. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass er die Oscars verdient hat.
Abschließend kann ich sagen, dass diese Thema vermutlich nie an Faszination verlieren wird, da sich jeder nach etwas Besonderem in seinem Leben sehnt und solche Geschichten einfach immer wieder neu beeindrucken.
Literaturverzeichnis
- Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse, Wilhelm Fink Verlag, München, 2002- Goldsman, Akiva (2001): http://www.maa.org/devlin/devlin_12_01.html zuletzt aufgerufen 22.02.09
- Hüttmann, Oliver, in: DER SPIEGEL, 28.02.2002, Online verfügbar: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,184759,00.html zuletzt aufgerufen: 22.02.09
- Munaretto, Stefan: Wie analysiere ich einen Film?, Bange Verlag, Hollfeld, 2007
- Nasar, Silva: Genie und Wahnsinn – Das Leben des genialen Mathematikers John Nash, Piper, München, Zürich, 2002.
- Niberle, Sigrid: Beautiful Minds - Psychopahologie im Narrativ des Künstlerfilms. In: Nusser, Tanja (Hg.): Krankheit und Geschlecht. Diskursive Affären zwischen Literatur und Medizin, Königshausen und Neumann, Würzburg, 2002.
- Pietsch, Johannes: Filmkritik zu „A Beautiful Mind“, http://www.zingo.de/movies/msg00831.html zuletzt aufgerufen 05.02.09
- Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie-Gedanken der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750-1945, Band 1, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1985.
- Scholl, Georg: Zwischen Genie und Wahnsinn. Online verfügbar: http://www.humboldt-foundation.de/web/715697.html zuletzt aufgerufen 17.02.09
Fußnoten:
[1] Vgl. Scholl, Georg: Zwischen Genie und Wahnsinn. Online verfügbar: http://www.humboldtfoundation.de/web/715697.html zuletzt aufgerufen: 17.02.09
[2] Ebd.
[3] Vgl. Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie-Gedanken der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750-1945, Band 1, S.36, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1985.
[4] Vgl. ebd., S. 37
[5] Ebd., S. 68
[6] Vgl. ebd., S. 70
[7] Vgl. ebd., S. 79
[8] Vgl. ebd., S. 345f.
[9] Vgl. ebd., S. 463
[10] Nasar, Silva: Genie und Wahnsinn – Das Leben des genialen Mathematikers John Nash, S. 53, Piper, München, Zürich, 2002
[11] Ebd., S. 73
[12] Siehe Anhang Einstellungsprotokoll zur „Pubszene“
[13] Vgl. Nasar, Silva: Genie und Wahnsinn – Das Leben des genialen Mathematikers John Nash, S. 284f , Piper, München, Zürich, 2002.
[14] Vgl. ebd., S. 289
[15] Ebd., S. 353
[16] Siehe Anhang Einstellungsprotokoll „Klinikszene“
[17] Vgl. Hüttmann, Oliver, in: DER SPIEGEL, 28.02.2002, Online verfügbar: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,184759,00.html zuletzt aufgerufen: 22.02.09
[18] Vgl. International Movie Database (IMDB), Article Entertainment Weekly, siehe http://www.imdb.com/title/tt0268978/trivia
[19] Nasar, Silva: Genie und Wahnsinn – Das Leben des genialen Mathematikers John Nash, S. 393, Piper, München, Zürich, 2002
[20] Pietsch, Johannes, 2001: Filmkritik zu „A Beautiful Mind“: http://www.zingo.de/movies/msg00831.html zuletzt aufgerufen 05.02.09
[21] Goldsman, Akiva (2001): http://www.maa.org/devlin/devlin_12_01.html






