Symboldidaktik
Geschrieben von: C.G. Dienstag, 26. Mai 2009 um 23:43 Uhr
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Diese Hausarbeit formuliert im ersten Teil eine Erläuterung zu dem Begriff 'Symbol' und versucht die Kennzeichen und Notwendigkeit der Verwendung von Symbolen im Religionsunterricht herauszustellen. Im zweiten Teil wird exemplarisch ein Entwurf für eine Unterrichtsreihe vorgestellt, in dessen Zentrum der Baum als christliches Hoffnungssymbol steht. Durch verschiedene Übungen und Methoden wird gezeigt, wie man Schülern den Symbolbegriff näher bringen kann und außerdem wird eine Verbindung zwischen Alltag und Glaube geschaffen.
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Symboldidaktik
Einleitung
Unsere heutige Alltagswelt ist voll von Symbolen. Ob in Medien, Werbung oder in den Einkaufpassagen unserer Städte, ständig begegnen wir Symbolen, die eigentlich nicht das gezeigte meinen, sondern auf etwas verborgenes hinweisen. Häufig unbewusst lassen wir uns sogar von Symbolen leiten. Nehmen wir nur einmal eine rote Ampel. Jeder weiß, es bedeutet Stop! und man bleibt stehen. Es ist ein Automatismus. Wie kommt es nun dazu, dass wir uns durch Symbole lenken lassen? Welchen Sitz haben sie in unserem Leben?
Diese Hausarbeit formuliert im ersten Teil eine Erläuterung zu dem Begriff „Symbol“ und versucht die Kennzeichen und Notwendigkeit der Verwendung von Symbolen im Religionsunterricht herauszustellen.
Im zweiten Teil wird exemplarisch ein Entwurf für eine Unterrichtsreihe vorgestellt, in dessen Zentrum der Baum als christliches Hoffnungssymbol steht. Durch verschiedene Übungen und Methoden wird gezeigt, wie man Schülern den Symbolbegriff näher bringen kann und außerdem wird eine Verbindung zwischen Alltag und Glaube geschaffen.
1. Theoretischer Teil - Was sind Symbole?
1.1.1. Begriffsklärung
Eine allgemeingültige Definition des Begriffs Symbol gibt es nicht. Im Fremdwörterlexikon findet man unter anderem folgende Bedeutungen:
„Sym|bol das; -s, -e <gr.-lat.; »Kennzeichen, Zeichen«>:
1. in der Antike ein durch Boten überbrachtes Erkennungs- od. Beglaubigungszeichen zwischen Freunden, Vertragspartnern o. Ä.
2. Sinnbild.
3. (Psychol.) Ausdruck des Unbewussten, Verdrängten in Worten, Handlungen, Traumbildern u. Ä.
4. christliches Tauf- od. Glaubensbekenntnis.“[1]
Hier wird bereits deutlich, ein Symbol ist etwas, dass stellvertretend für etwas anderes steht. Es steht also nicht primär für sich selber, sondern für eine übertragene Bedeutung.
Die erste Wortbedeutung lässt sich mit dem etymologischen Ursprung des Wortes Symbol erklären. Symbol stammt vom Griechischen symballein ab und bedeutet zusammenwerfen, -legen, - fügen. In der Literatur wird diese Bedeutung häufig mit dem Beispiel von zwei Freunden erklärt, die Abschied von einander nehmen und stellvertretend für ihre Trennung eine Tontafel zerbrechen. Jeder der Freunde erhält einen Teil der Scherbe. Bei ihrem Wiedersehen werden wieder beide Teile der Tontafel zusammengefügt. Die Tontafel dient hier als Symbol für die Freundschaft der beiden.[2] Es wird deutlich, ein Symbol besteht immer aus einem Symbolträger (hier: die Tontafel) und dem, was damit eigentlich gemeint ist, also der Bedeutung, die der Symbolträger besitzt (hier: die Freundschaft).
Die zweite Bedeutung zeigt auf, dass es sich bei Symbolen um Bilder handelt, die etwas abstraktes bildlich darstellen.
In der dritten Wortbedeutung, erkennt man, wie der Begriff des Symbols dazu verwendet wird, Unbewusstes, Dinge die nicht direkt in Worte zufassen sind, im übertragenen Sinn darzustellen.
Die theologische Bedeutung des Symbols, weist auf den Symbolcharakter des Glaubensbekenntnisses hin, welches ein Zeichen für die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Christen symbolisiert. In dieser Bedeutung des Symbols ist zu erkennen, dass Symbole auch als solche nur gültig sind und erkannt werden, wenn sie von der Gemeinschaft anerkannt sind.
Man kann festhalten, dass eine eigentlich Definition des Symbolbegriffs nicht existiert, denn Definitionen versuchen immer rational zu erklären. Symbole versuchen immer die Realität zu transzendieren.[3] Eine rationale Definition würde dem Begriff nicht gerecht werden, sondern immer nur einen Seite beschreiben.
1.1.2. Merkmale von Symbolen
Man kann Symbolen, trotz fehlenden klaren Definitionen, folgende Merkmale zusprechen, die allerdings nicht für jedes Symbol gleich ausgeprägt gelten:
1. Symbole weisen auf etwas hin. Im obigen Beispiel liegt der tiefere Sinn des Symbols der Tonscherbe in der Freundschaft. Es handelt sich um einen Gegenstand der auf eine ungegenständliche Wirklichkeit hinweist.
2. Symbole repräsentieren. Die Tonscherbe repräsentiert die Freundschaft der beiden Freunde und macht sie gegenwärtig, auch wenn die Freunde räumlich getrennt sind. Symbole verbinden zwei Ebenen miteinander. Der Symbolträger zeigt sichtbar auf, was sonst nicht sichtbar wäre.
3. Symbole kann man nicht ersetzen. Jedes Symbol drückt das, was es ausdrücken soll, mit einer ganz eigenen Wirksamkeit aus, die durch keine andere Geste oder kein anderes Wort ersetzt werden kann.
4. Symbole sind sozial und historisch bedingt. Symbole sind nicht erfunden, sondern Ausdruck von menschlichen Erfahrungen, die sowohl geschichtlich, als auch gesellschaftlich begründet sind. So ist zum Beispiel Auschwitz ein Symbol für den Holocaust, historisch begründet durch den Nationalsozialismus. Um dieses Symbol jedoch richtig zu deuten, muss man die geschichtlichen Hintergründe kennen. Nicht ein einzelner Mensch erfindet Symbole, sondern sie werden in der Gesellschaft vorgefunden. Ein Beispiel für ein sozialbegründetes Symbol ist der Kuss. In der westlichen Welt gilt er in erster Linie als Zeichen der Liebe und Zuneigung, wohingegen die Eskimos Liebe durch das Reiben der Nasen zum Ausdruck bringen.
5. Symbole helfen die Tiefendimension zu erschließen. Symbole „verweisen auf das Unsagbare, Geheimnisvolle, empirisch nicht fassbare, das, was nicht machbar und kaufbar ist. Freundschaft, Liebe, Sinn meines Lebensweges ... werden mir in Symbolen erschlossen.“[4] Sie zeigen auf, dass sich das Leben nicht nur an der Oberfläche abspielt, sondern dass es eine tiefere Wirklichkeit gibt.
6. Symbole haben ambivalente Wirkung. Sie sind nicht immer eindeutig bestimmt, so steht ein Kuss einerseits für Liebe, kann aber andererseits auch Verrat symbolisieren. Diese Ambivalenz zeigt die Wechselseitigkeit der Welt auf und weiter, dass das Verständnis der Symbole doch auch individuell verschieden sein kann, nämlich auf ganz persönlichen Erfahrungen beruhend.[5]
1.1.3. Symbole versus Zeichen
Man kann „festhalten, dass zwar alle Symbole Zeichen sind, aber nicht alle Zeichen Symbole.“[6] Deshalb ist es wichtig, sich den Unterschied zwischen Zeichen und Symbolen vor Augen zu halten. Denn bei allen Gemeinsamkeiten, gibt es doch einschlägige Differenzen.
Zum einen tritt das Definitionsproblem bei Zeichen nicht auf, sie sind immer eindeutig. Als einfaches Beispiel betrachtet man Verkehrszeichen. Sie haben jeweils nur eine festgelegte Bedeutung, die jedem Verkehrsteilnehmer geläufig ist und deren Missverstehen oder Nicht-beachten gesetzlich geahndet wird. Zeichen „beruhen auf willentlicher Vereinbarung oder zwingender Notwendigkeit. Ihre Übertretung zieht Schäden oder Strafen nach sich.“[7] Sie stehen also unter institutioneller Aufsicht, die deren Bedeutung auch jeder Zeit ändern können. Die Bedeutungen, die ein Symbol tragen kann, sind jedoch nicht ohne weiteres veränderbar.
Ein weiterer Unterschied ist die Ebene, auf der Menschen angesprochen werden. Zeichen appellieren an den Verstand, sie sprechen auf einer kognitiven Ebene den Menschen an. Symbole hingegen sprechen den Menschen auf emotionaler Ebene an, sie wollen etwas in ihm bewegen und rufen somit Gefühle hervor.
Des Weiteren sind Zeichen willkürlich, von Menschen festgelegte Bilder, die ganz bewusst auf einen bestimmten Zusammenhang, Vorgang, eine bestimmte Handlung usw. zielen, Symbole hingegen sind immer im gesellschaftlichen und historischen Kontext entstanden und mit Erfahrungen behaftet sind.
1.2. Warum Symbole im Religionsunterricht?
1.2.1. Allgemeines zum Religionsunterricht
Der Religionsunterricht unterscheidet sich von allen anderen Unterrichtsfächern, denn es soll im Religionsunterricht neben der Inhaltsebene auch die Beziehungsebene angesprochen werden. Dies geschieht in Anlehnung an ganzheitliches Lernen. Es geht dabei nicht nur um äußere Erfahrungen, sondern auch darum, innere Erfahrungen wahrzunehmen. Die Würzburger Synode formulierte als ein Ziel des Religionsunterrichts, dass er die Frage nach Gott weckt und reflektiert, ebenso „nach der Deutung der Welt, nach dem Sinn und Wert des Lebens und nach den Normen für das Handeln des Menschen und ermöglicht eine Antwort aus der Offenbarung und aus dem Glauben der Kirche.“[8] Weiter heißt es, der Religionsunterricht „macht vertraut mit der Wirklichkeit des Glaubens und der Botschaft, die ihm zugrunde liegt, und hilft, den Glauben denkend zu verantworten.“[9] Somit soll der Religionsunterricht eine Verbindung zwischen tradiertem Glauben und heutigem Leben schaffen. (Korrelation)
1.2.2. Bedeutung der Symbole für die Religion und den Glauben
Wie bereits einleitend darauf hingewiesen wurde, ist unser Leben von Symbolen geprägt. Aber auch die Religion kommt ohne Symbole nicht aus. Ob im Christentum oder anderen Religionen, jede Glaubensgemeinschaft hat Symbole, die – in unterschiedlicher Ausprägung – die unter 1.1.2. genannten Merkmale besitzen. Für Paul Tillich sind Symbole die Sprache des Glaubens.[10] Das grundlegendste aller Symbole in den Religionen ist seiner Ansicht nach Gott. Im Begriff Gott verbirgt sich sowohl das Transzendente als auch ein greifbarer „Gegenstand“. Hier wird die Bedeutung der Symbole für den Glauben und die Religion deutlich. In Symbolen bekommt das Transzendente des Glaubens einen Ausdruck; das, was eigentlich nicht in Worten zu fassen ist, kann benannt und nachvollziehbar gemacht werden.
1.2.3. Bedeutung der Symbole für die Religionsdidaktik
In der heutigen Religionsdidaktik wird vom korrelationsdidaktischen Ansatz ausgegangen, d. h. Aufgabe der Religionspädagogik ist es, den Glauben mit dem alltäglichen Leben zu verbinden. Da uns aber häufig Begriffe fehlen, den Glauben an Gott in Worte zufassen, bietet der Einsatz von Symbolen in der religionsunterrichtlichen Praxis eine Möglichkeit, den Glauben erfahrbar zu machen. „Die Erfahrungen, die wir im Leben sammeln, können uns auf das, was dahintersteht, auf eine unergründliche Tiefe, auf das Geheimnishafte der Wirklichkeit verweisen.“[11] Auch Hubertus Halbfas sieht in der Verwendung von Symbolen im Religionsunterricht eine Korrelation zwischen Glaube und Alltag: „Symbole allein vereinen das Bewusste und das Unbewusste, das Gegenständliche und das Spirituelle, das Sichtbare und das Unsichtbare, Konkretes und Allgemeines, das Gesonderte und das Ganze, Gott, Mensch und Welt. Symbole vermitteln zwischen den Zeiten, zwischen dem, was gewesen ist, und dem, was sein kann; zwischen tradierter Erfahrung und eigenem Leben.“[12] Allerdings nicht nur, um aktuellen Erfahrungen Ausdruck zu verleihen ist die Kenntnis der Symbolsprache wichtig. Denn auch die Grundlage unseres christlichen Glaubens, die Bibel, spielt an zahlreichen Stellen mit Symbolen. Damit zum Beispiel die Gleichnisse nicht als bloße Geschichten verstanden werden, ist der Umgang mit Symbolen unerlässlich.
2. Praktischer Teil - Beispiel für eine Unterrichtsreihe mit dem Symbol Baum
2.1. Thema der Unterrichtsreihe
Im Folgenden wird ein Unterrichtsentwurf für den vierten Jahrgang der Grundschule beschrieben. Sie ist so konzipiert, dass die Schüler ihren Glauben anhand des Symbols „Baum“ mit ihrem Alltag und ihrer Umwelt in Beziehung setzen können und so ihr Glaube „greifbar“ wird. Thema der Unterrichtseinheit soll sein:
Der Baum – ein christliches Symbol
2.2. Überlegungen zum Thema
Bäume sind so unterschiedlich wie die Menschen. Es gibt große und kleine Bäume, alte und junge Bäume, schöne, blühende Bäume und kahle Bäume, es gibt Bäume, deren Äste hoch hinaus ragen und andere, deren Äste schlaff zu Boden hängen... Jeder hat ein Bild vor Augen, wenn man von einem Baum spricht. Entweder von einem einzelnen Baum in weiter Landschaft oder aber von einem Wald, in dem mehrere Bäume gemeinschaftlich zusammen stehen. Besonders alte, große Bäumen, deren Äste bis in den Himmel zu reichen scheinen, üben einen Reiz auf die Menschen aus. Außerdem bietet der Baum Lebensraum, Schutz und Nahrung für viele Tiere. Der Versuch, auf die tägliche Anzahl der Bäume die wir wahrnehmen, zu achten, führt schnell vor Augen, wie stark Bäume in unserem Leben verankert sind.
Die Baumsymbolik ist sehr vielschichtig. Man kann den Baum als Sinnbild des Kosmos ansehen, wobei der Stamm die Wurzeln aus der Erde mit den Ästen, die den Himmel berühren, verbindet. So verknüpft er das Diesseits mit dem Jenseits.[13]
Eine weitere Symbolik verbirgt sich im Baum als Symbol des Lebens, besonders des menschlichen Lebens. Die Wurzel weisen darauf hin, woher der Mensch kommt, was der Grund ist, auf dem er wurzelt. Der Stamm symbolisiert den Halt im Leben und die Krone unsere Sehnsüchte, Wünsche, was wir einmal erreichen wollen. Der Baum steht also für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Durch den Wechsel der Jahreszeiten, der an Bäumen sehr gut abgelesen werden kann, symbolisieren sie jedes Jahr den Kreislauf des Lebens. Im Christentum ist der Baum deshalb auch ein Sinnbild für Tod und Auferstehung ,[14] und ist ein oft verwendetes Symbol in Todesanzeigen und Trauerkarten. Er steht für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Die neutestamentliche Hoffnung auf das Reich Gottes wird auch von Jesus im Gleichnis des Senfkorns aufgegriffen, indem er es mit einem Senfkorn bzw. einem Baum vergleicht.[15] (vgl 2.2.)
2.3. Der Baum als Symbol in der Bibel
Auch in der Bibel wird der Baum als Symbol vielfältig verwendet. Im Alten Testament findet man zum Beispiel in Gen 2,9 den Baum des Lebens und Baum der Erkenntnis, im Ps 92, 13-16 und Ps 1 wird der Baum als Vergleich für den Menschen verwendet. Ebenso in Jer 17, 7-8, hier wird zusätzlich Gott als Quelle des Lebens für den Baum (Mensch) dargestellt. Aber auch das Neue Testament bedient sich des Baumes als Symbol, zum Beispiel für das Reich Gottes in Lk 21, 29-31 oder Mt 13, 31-32. Dies sind jedoch nur einige wenige Beispiele, in denen der Baum als Symbol in der Bibel auftaucht.
2.4. Begründung des Themas für den Religionsunterricht
Der Religionsunterricht hat zum Ziel Kinder zu einem Leben aus dem Glauben zu befähigen.
Um den Schülern den Glauben näher zu bringen, ist nicht nur reine Wissensvermittlung notwendig. Vielmehr muss den Kindern ein Anreiz gegeben werden, den Glauben in ihrem Alltag erfahrbar zu machen. „Damit Glaube tragfähig wird, müssen Menschen sensibel werden für ihre Umwelt. Sie müssen den Grund ihres Lebens aufspüren und Zeichen erkennen können, in denen ihnen Leben und Glauben erschlossen werden.“[16] Das heißt, im Unterricht muss ein Gefühl für die Umwelt vermittelt werden, eine besondere Sichtweise, so dass die Inhalte des Glaubens greifbar werden. Vielen Menschen bereitet es Probleme, ihren Alltag und ihre Umwelt mit einem „dritten Auge“ zu betrachten und Symbole durch ihre vielfältige Ausdrucks- und Erfahrungsmöglichkeiten auf ihren Glauben zu übertragen.
Einige Menschen nehmen ihre Umwelt als selbstverständlich und gleichgültig an. Dabei wird vergessen, Dinge auf ihr eigenes Leben zu beziehen und vielleicht auch auf Gott.
Der Baum ist ein allgegenwärtiges Bild für die Kinder, jeder hat einen Bezug dazu an dem angeknüpft werden kann und sollte. Wie bereits erwähnt, kommt es nicht nur auf die fachliche Wissensvermittlung an, sondern auch darauf, dass die Kinder durch das Einfühlen in die biblische Bildwelt, was die Sinne anspricht, einen Zugang bekommen. Besonders für das Verständnis der Gleichnisse, wie zum Beispiel Mt 13, 31-32, die sich der Sprache der Symbole bedienen, ist ein Verständnis der Symbole unerlässlich. Um den Baum in seiner vollen Symbolvielfalt zu erschließen, ihn mit dem „dritten Auge“[17] wahrnehmen zu können, sollte er Thema im Religionsunterricht sein.
2.4. Ziel des Unterrichts
Ziel der Unterrichtsreihe soll sein, anhand eines Symbols den Religionsunterricht so zu gestalten, dass den Schülern über das Symbol des Baumes ein Zugang zur Wahrnehmung ihres Lebens und dessen Schätzung geboten werden. Des Weiteren soll den Kindern mit Hilfe der Baum – Symbolik die christliche Hoffnung auf das Reich Gottes nahe gebracht werden.
Im Anfang soll sich jeder Schüler individuell Gedanken zum Baum machen können, die Vielfalt der Bäume wahrnehmen. Dies geschieht durch intensive Beobachtungen. Der Baum soll als Lebensraum für viele Lebewesen erkannt werden. Im zweiten Teil dient ein didaktisch aufbereiteter Psalm, der erfahrungsorientiert erschlossen wird, erste Zugänge zur repräsentativen Dimension des Symbols „Baum“ zu gewinnen. Außerdem wird ein „Hoffnungsbaum“ gestaltet. Im dritten Teil lernen die Schüler durch einige Hoffnungssätze Jesu den Begriff des „Reich Gottes“ kennen und zu erschließen, sodass sie den anschließenden Gleichnistext in seiner übertragenen Bedeutung erfahren können. Des Weiteren soll ansatzweise das Motiv des Wachsens als Hoffnungsbild interpretiert werden.
2.5. Durchführung:
Als Einstieg ins Thema bietet es sich an, den Schülern möglichst viel Freiraum zu geben, so dass sie ihren eigenen Gedanken freien Lauf lassen können und ihre, vielleicht schon gesammelten Eindrücke, Erfahrungen und Vorwissen zum Thema hervorbringen können. Dazu lässt das Kreisgespräch viele Möglichkeiten. In der Mitte des Sitzkreises liegen verschiedene Bilder oder Fotos mit unterschiedlichen Bäumen. Es sollten mindestens so viele Bilder vorhanden sein, wie Schüler, am besten wären jedoch noch mehr Bilder um die Auswahlmöglichkeiten zu vergrößern. Den Kindern wird nun die Möglichkeit gegeben, die Bilder in Ruhe zu betrachten und auf sich wirken zu lassen. Je nachdem um was es sich für eine Klasse handelt, kann man die Schüler dazu auffordern sich frei um die Bilder zu bewegen. Nach einigen Minuten wird jeder Schüler gebeten, ein Bild auszusuchen, dass ihm besonders gefällt oder anspricht. Im Kreisgespräch stellt nun jeder sein ausgewähltes Bild vor mit einer kurzen Begründung, warum genau dieses Bild ausgesucht wurde und was so ansprechend daran empfunden wurde. Da sich alle Schüler anschauen können, ist der Sitzkreis in dieser Phase des Unterrichts besonders gut geeignet. So hat jeder Schüler das Gefühl etwas wichtiges zu sagen und jeder hört ihm zu. Der Lehrer ist zwar im Kreis integriert, hat jedoch nicht die vorstehende Position, wie beispielsweise im Frontalunterricht.[12]12 Er dient aber als Impulsgeber, der die Schüler ermutigt ihre Eindrücke der Klasse mitzuteilen. Im günstigsten Fall werden unterschiedliche Bäume ausgewählt, die die Verschiedenheit deutlich machen. Im Anschluss daran wird ein großer Baum auf ein Plakat gemalt, an den, wie in einer Mind-Map, alle Gedanken zum Thema Baum gesammelt werden. Lehrerimpulse dazu könnten sein:
Wie ist ein Baum aufgebaut?
Was braucht der Baum zum Leben?
Sehen alle Bäume gleich aus?
Wer wohnt im Baum?
...
Dieses Plakat sollte dann an einem freien Platz im Klassenzimmer aufgehangen werden.
Die nächste Stunde beginnt mit einem Tafelbild. Auf der Tafel steht der Psalm 1, 3. Dieser sollte vom Lehrer passend für die Grundschule didaktisch überarbeitet worden sein, z.B. „Manchmal fühle ich mich wie ein Baum, der genug Wasser hat und viele Früchte trägt.“[18] Daneben werden verschiedene Portraitfotos angeheftet. Die Personen auf den Fotos geben durch ihre Mimik eine ganz bestimmte Gefühlslage wieder, sowohl positive als auch negative Stimmungen (z.B.: Freude, glücklich Sein, Angst, Hunger, Trauer, ...). Aufgabe der Schüler ist es nun, eine Text-Bild-Zuordnung durchzuführen. Sie sollen argumentieren und diskutieren, wie und ob die jeweiligen Bilder zum Text passen. Dabei sollte auch der Inhalt des Textes thematisiert werden. In einem weiteren Schritt sollen die Schüler im Rahmen eines Klassengesprächs ihrer eigenen Erfahrungen äußern. Der Lehrer kann an dieser Stelle passende Impulse geben („In welchen Momenten hast du dich auch schon mal so gefühlt?“, „Was hast du getan damit es dir besser ging?“). Die Schüler sollen im weiteren Verlauf darüber nachdenken, was geschehen muss, damit auch Traurige oder Hungrige Menschen wieder so fühlen, wie es der Psalm beschreibt. Diese Gedanken werden dann auf Baumblätter aus Papier geschrieben und anschließend auf ein großes Plakat in Baum-Form geklebt.
Dieser Hoffnungsbaum wird in der dritten Stunde wieder aufgegriffen. Alle Schüler betrachten noch einmal die „Hoffnungsblätter“. Der Lehrer stellt nun einen Bezug zu Jesus her. „Auch Jesus hatte Hoffnung auf eine veränderte Welt.“ Er heftet Textstreifen unter den Baum mit dem Text
-> „Wenn Hungernde gesättigt werden, dann ...“
-> „Wenn Weinende getröstet werden, dann ...“
-> „Wenn die Welt Frieden findet, dann ...“[19]
Die Schüler haben nun die Möglichkeit, die Sätze zu ergänzen und ihrer individuellen Gedanken einfließen zu lassen. Ist jeder Schüler zu Wort gekommen, schließt der Lehrer mit dem Textstreifen
-> „... ist das Reich Gottes gekommen!“[20]
Im Klassengespräch werden nun die Assoziationen der Schüler zum Begriff „Reich Gottes“ von Lehrer gesammelt und ergänzt. Als nächstes lesen die Schüler mit verteilten Rollen einen Text (siehe Anhang: „Jesus antwortet auf die Fragen der Menschen nach dem Reich Gottes“). Dieser Text nimmt Bezug auf Lk 13,18f. Nachdem die Schüler sich spontan zu dem Text geäußert haben, sollte der Lehrer im anschließende Gespräch besonders das Motiv des Wachsens aus etwas Kleinem und dem stetigen größer werden herausstellen. Zur Übertragung auf die Lebenswelt der Schüler bieten sich zur Vertiefung die Frage „Was können wir tun, um das Reich Gottes wachsen zu lassen?“ Hier können die Schüler sich frei Gedanken dazu machen, wie sie den Gedanken des Reich Gottes in ihr eigenes Leben übertragen können.
Fazit
Der Symboldidaktische Zugang im Religionsunterricht ist eine gute Alternative zu vielen anderen Methoden. Religionsunterricht muss vielfältig sein, genau so, wie unser Glaube auch ist. Symbole bieten einen möglichen Zugang dazu, sollten aber nicht der einzige bleiben.
Ein symboldidaktischer Ansatz ist sehr gut vereinbar mit dem Prinzip der Korrelation, wie er in der Würzburger Synode beschlossen wurde. Symbole bieten gerade für Kinder eine gute Methode ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen, ihre Gefühle und Erfahrungen mit anderen zu teilen und darüber hinaus in Kommunikation mit anderen treten.
Besonders in der Grundschule helfen Symbole häufig einen Zugang zu den, in diesem Alter manchmal recht schwer zu verstehenden, Bibeltexten zu finden und daran anzuknüpfen. Allerdings könnte eine Schwierigkeit darin bestehen, den Schülern die Bedeutung des Symbols, als Ausdruck für einen tieferen Sinn, verständlich zu machen. Denn ohne diese Einsicht ist ein symboldidaktischer Ansatz nicht von Erfolg gekrönt.
Es sollte nicht vergessen werden, dass Schüler verschieden sind, jeder hat und benötigt einen anderen Zugang zum Glauben und zur Religion, da ist es sinnvoll Alternativen zu bieten. Denn nur so, kann sich ein Schüler ganz individuell mit seinem Glauben auseinandersetzen und eigene Erfahrungen machen.
Literaturverzeichnis
• Berg, Sigrid, Biblische Bilder und Symbole erfahren. Ein Material- und Arbeitsbuch, München/Stuttgart 1996
• Bihler, Elsbeth, Symbole des Lebens – Symbole des Glaubens. Band ll: Wasser – Kreuz, Limburg 1994
• Domay, Erhard, Vorlesebuch Symbole. Geschichten zu biblischen Bildwörtern für Kinder von 6 – 12 Jahren, Lahr/Düsseldorf 3. Auflage 1994
• Freudenberg, Hans/ Pfeifer, Anke, Biblische Symbole erschließen mit Religionsunterricht praktisch. Unterrichtsentwürfe aund Arbeitshilfen für die Grundschule, Göttingen 2000
• Frisch, Hermann-Josef, Leitfaden. Fachdidaktik Religion, Düsseldorf 1992
• Haas, Dieter/ Bätz, Kurt, Ratgeber Religionsunterricht. Hilfen zum Aufbau und zur Durchführung, Lahr/Zürich/Köln 1984
• Halbfas, Hubertus, Das dritte Auge. Religionspädagogische Anstöße, Düsseldorf 3. Auflage 1987
• Halbfas, Hubertus, Religionsunterricht in der Grundschule. Lehrerhandbuch 1, Zürich/Düsseldorf 1983
• Halbfas, Hubertus, Religiosnunterricht in der Grundschule. Lehrerhandbuch 4, Düsseldorf 1986
• Melle, Norbert/ Rickers, Folkert, LexRP. Lexikon der Religionspädagogik, Band 2, Neukirchen-Vluyn 2002
• Schilling, Klaus, Symbole erleben. Glauben erfahren mit Hand, Kopf und Herz, Stuttgart 1991
Elektronische Quellen
• Duden - Das Fremdwörterbuch, 8. Aufl. Mannheim 2005 [CD-ROM]
Fußnoten:
[1] Duden - Das Fremdwörterbuch, 8. Aufl. Mannheim 2005 [CD-ROM]
[2] vgl. Melle und Rickers, Lexikon der Religionspädagogik, Sp. 2076
[3] vgl. Halbfas, Das dritte Auge, S.85
[4] Schilling, Symbole erleben – Glauben erfahren mit Hand, Kopf und Herz, S.15
[5] vgl. Ebd., S. 12-16
[6] Lurker, Die Botschaft der Symbole, S. 19
[7] Halbfas, Religionsunterricht in der Grundschule Lehrerhandbuch 1, S.258
[8] Frisch, Leitfaden – Fachdidaktik Religion, S. 30
[9] Ebd.
[10] Vgl. Halbfas, Das dritte Auge – religionsdidaktische Anstöße, S. 95
[11] Schilling, Symbole erleben – Glauben erfahren mit Hand, Kopf und Herz, S.26
[12] Halbfas, Das dritte Auge, S.122
[13] vgl. Halbfas, Religionsunterricht in der Grundschule – Lehrehandbuch 4, S. 525
[14] vgl. Bihler, Symbole des Lebens – Symbole des Glaubens II, S. 166
[15] Freudenberg/Pfeifer, Biblische Symbole erschließen mit Religionsunterricht praktisch, S. 93
[16] Bihler, Symbole des Lebens – Symbole des Glaubens, S. 8
[17] Halbfas, Das dritte Auge – Religionsdidaktische Anstöße, Titelbild
[12] vgl. Haas/Bätz, Ratgeber Religionsunterricht – Hilfen zum Aufbau und zur Durchführung, S.61
[18] Freudenberg/Pfeiffer, Biblische Symbole erschließen mit RU praktisch, S.95
[19] Freudenberg/Pfeiffer, Biblische Symbole erschließen mit RU praktisch, S.99
[20] Ebd.






