Das Lernen von Jungen und Mädchen
Geschrieben von: InaBubina Montag, 25. Januar 2010 um 16:47 Uhr
( 2 Votes )Diese Hausarbeit handelt von Jungs und Mädchen und wie unterschiedlich sie lernen. Die Schulen sind zu wenig auf die Förderung beider geschlechtsspezifischer Lernmuster eingestellt.Für diese Problematik präsentiere ich einen Lösungsansatz.
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Das Lernen von Jungen und Mädchen
Persönliches Thema :
„Sind Jungs die Verlierer des deutschen Bildungssystems?"
1. Einleitung
Seit einiger Zeit hört man es ständig:" Die Jungs werden in der Schule benachteiligt.". In meiner Hausarbeit möchte ich nun klären, ob da etwas dran ist und wenn ja, was das für Ursachen hat. Dabei gehe ich auf die Geschichte der Koedukation, die Emanzipation und die Konsequenzen für Jungs als auch Mädchen ein. Weiterhin möchte ich einige Lösungsansätze präsentieren und Erfahrungen aus meinem Praktikum in den praktischen Teil dieser Arbeit einfließen lassen.
2. Theorie
2.1. Beginn der Koedukation
Lange Zeit wurde gleichgestellte Bildung den Mädchen und Frauen verwehrt. In ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter brauchten Frauen den Meinungen der Männer nach keine Bildung. Außerdem würde es ihnen an Intelligenz mangeln und ihre Moral würde ein rationelles Lernen verhindern. Die mindere Wertschätzung der Mädchen zeigt auch ein Zitat aus einem Fachbuch von 1915: „Der Interessen- und Vorstellungskreis des weiblichen Zöglings wird in typischer Weise durch seine emotionalen Anlagen begrenzt. Dies zeigt sich schon im Spiel der Mädchen, welches über Puppe und Ball nur wenig hinauskommt, während man bei gleichaltrigen Knaben über 40 Formen des Spielzeugs nachweisen kann" [1, S.1].
Um sich dem zu widersetzen, kämpften die damaligen bürgerlichen Frauenbewegungen für Gleichberechtigung. Im 20. Jahrhundert entstanden dann sogenannte „Mädchenschulen", in denen die Mädchen ebenso ihr Abitur machen konnten. Finanziell wurden sie jedoch lange nicht so gefördert, wie die Jungenschulen. Außerdem lag der Fächerschwerpunkt auch hier oft im Haushaltsbereich. Erst in den 60er Jahren wurden Jungs und Mädchen, zumindest formal, gleichberechtigt und gemeinsam in einer sogenannten Koedukation unterrichtet. Doch trotz dem, dass alle Fächer nun für beide Geschlechter gleich „offen" war, blieb die Distanz der Mädchen zu technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen. Neben den besseren Leistungen erfuhren die Mädchen auch durch die Selbstsicherheit der Jungs, sich als zweitrangig zu erfahren.
„Ergebnisse feministischer Schulforschung zeigen, dass die Ziele der Koedukation,
- beide Geschlechter gleich zu beachten und zu fördern,
- die Lebenswelten, Erfahrungen und Interessen beider Geschlechter einzubinden,
- die Chancengleichheit der Geschlechter zu schaffen und
- die Voraussetzungen für die Teilnahme von Mädchen/Frauen in allen Lebensbereichen zu schaffen,
nicht erreicht wird." [1, S.2]. Durch das Stören der Jungs zogen diese die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich und wurden trotzdem immer für gute Leistungen gelobt. Die Mädchen hatten nicht zu stören, da dass untypisch für sie sei. Gutes Benehmen wurde ihnen eher angerechnet als Lernerfolge. Die Unterrichts- und Lehrplaninhalte spiegelten sich fast identisch mit den Interessen der Jungs. Da die Lehrer davon ausgingen, dass Mädchen das nicht begreifen können, gaben sie ihnen oft negatives Feedback, sodass die Mädchen tatsächlich demotiviert mit dem Stoff umgingen. Das alles zeigt, dass diese Form der Koedukation für die Gleichberechtigung der Geschlechter wenig erfolgreich war (aus [1]).
2.2. Emanzipation/ Frauenbildung
In den 1960er Jahren entstanden zeitgleich zur Koedukation „Neue Frauengruppen", die sich gegen die Benachteiligung der Frauen in sämtlichen Lebensbereichen einsetzten. Mit jahrzehntelangem Einsatz haben sie neue Didaktiken und Methodiken in die Schulen einführen können, die heutzutage zu einem gänzlich anderen Lehrplan geführt haben.
2.2.1. Gender- Mainstreaming
Der englische Begriff „gender" bezieht sich auf das soziale, und nicht das biologische ,Geschlecht eines Menschen. Mainstreaming bedeutet wörtlich übersetzt „Hauptströmung" und will in Verbindung mit Gender sagen, dass dieser Begriff eine engagierte Gleichstellungspolitik beinhaltet. 1997/99 erklärte der Amsterdamer Vertrag dieses Konzept zum offiziellen Gleichstellungsauftrag der Europäischen Union. Das Konzept beinhaltet, dass die Menschen gleiche Bedingungen haben sollen, ganz ungeachtet derer Geschlechter. Dabei werden biologische oder neurologische Unterschiede also kaum berücksichtigt. Der Unterschied bestehe zwischen allen Menschen in ihrer sozialen Herkunft. Durch rechtliche Gleichbehandlung solle also optimale Chancengleichheit für alle geschaffen werden. Doch war dieses Konzept nicht unumstritten. Schließlich hat die Gender- Forschung herausgefunden, dass es doch geschlechtstypische Verhaltensmuster in Bezug auf das Lernen gibt. Frauen würden demnach eher kooperativ arbeiten, Schwächeren besser helfen und sich selbst auch Fehler eingestehen, im Gegensatz zu den Einzelkämpfern, den Männern (aus [2]).
2.3. Heutige Bildungssituation
2.3.1. Fakten
Die letzten PISA- Ergebnisse haben alle belegt, dass die Jungs in fast allen Fächern (Naturwissenschaften teilweise ausgeschlossen) schlechter abschneiden, als die Mädchen. Die jahrzehntelange Emanzipation als gesetzlicher und gesellschaftlicher Auftrag hat das einst „schwache Geschlecht" erheblich gestärkt. Seit den 70er Jahren gab es eine Welle der Mädchenpädagogik, die sich in „Töchtertagen", „Girl's Days", speziellen Mädchenkursen, Mädchenbeauftragten usw. äußerte. Alles sollte die Benachteiligung der Mädchen im Schulalltag überwinden. Nun werden die Leistungen der Mädchen immer besser und die der Jungs zunehmend schlechter. Dem SPIEGEL sagt der Frankfurter Bildungsforscher Frank Dammasch 2008, dass der Unterricht in den vergangenen Jahrzehnten „eher an weibliche Formen des Lernens und Gestaltens angepasst" worden ist und dass „die Jungs seit den 80er Jahren in den Schulleistungen kontinuierlich nachgelassen" haben [3]. 2007 waren 56% der Hauptschüler, aber nur 46% der Gymnasiasten, männlich (aus [4]). Die DIHK fand 2001/2002 heraus, dass nur 6,7% der Mädchen, aber über 11,5% der Jungen die Schule ohne den Hauptschulabschluss verlassen (aus [5]). Demnach seien Männer unter 25 Jahren häufiger arbeitslos als die gleichaltrigen Frauen. Gründe für diese Entwicklung ist zum Einen, dass Jungs trotz gleicher Leistung von den Lehrerinnen schlechter bewertet werden und sogar viel seltener eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen. Das fängt demnach schon in der Grundschule an. In die Noten fließen meistens auch angepasstes sowie soziales Verhalten mit ein. Die Mädchen sind ruhiger und ordentlicher, während der Bewegungsdrang und Rohheit der Jungs oft als störend und unpassend empfunden wird. 2005 stellte die IGLU die wesentlich schlechtere Lesekompetenz der Jungs im Vergleich zu den Mädchen fest (aus [6]). Außerdem haben die Jungs ein doppelt bis dreifach größeres Risiko verhaltensauffällig zu werden, so Bernd Jötten (aus [7]).
2.3.2. Probleme der Jungs
Die Jungs würden heute größere Schwierigkeiten haben, ihre Identität zu finden und zu entwickeln, als dies früher der Fall war. Außerdem seien sich psychisch weniger belastbar als Mädchen, würden bis zum 11. Lebensjahr gesundheitlich anfälliger sein und schließlich häufiger Selbstmord begehen. Weiterhin sei im Grundschulalter die Verbindung ihrer linken und rechten Gehirnhälfte vergleichsweise unterentwickelt, wie auch ihr Körper meistens ein halbes Jahr Entwicklungsunterschied zu den reiferen Mädchen habe. Aufgrund ihrer grobmotorischen Phase sind sie den Mädchen in Bastelarbeiten oft unterlegen. Aus diesen deutlichen Leistungsunterschieden folgen psychische Veränderungen der Jungs. So sind nach Peter Struck 95% der verhaltensgestörten Kinder männlich, so wie auf 6-9 ADHS Kinder nur 1 Mädchen kommt (aus [8]). Das kann auch daran liegen, dass Jungs einem höheren Medienkonsum als Mädchen unterliegen. Die Freizeit wird häufig mit Videospielen, dem Internet oder auch vor dem Fernseher verbracht. Dabei ist alarmierend, dass laut dem Kriminologen Christian Pfeiffer heutzutage schon jeder vierte 6jährige einen eigenen Fernseher im Zimmer hat (aus [7]), über den sie frei verfügen können. Ab diesem Lebensjahr versuchen Jungs auch ihre Männlichkeit in Cliquen und Ritualen zu finden. Da sie meistens bis zu ihrem 10. Lebensjahr keine männlichen Vorbilder in jeglichen Bildungsinstitutionen finden (aus [3, S. 85]), versuchen sie sich mit den harte Helden der Videospiele zu identifizieren, die oft auch eine große Gewaltbereitschaft in den Jungen hervorruft. „ Jeder dritte Junge drohe "in die Falle von Fernsehen, Internet und Videospielen" abzurutschen, sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen dem SPIEGEL im Jahr 2004. Die Folge seien schlechtere schulische Leistungen, und aus Frust darüber wiederum komme es zu Gewalttätigkeiten." [7]. Wilfried Bos, wissenschaftlicher Leiter der IGLU- Studie für Deutschland sagte dem SPIEGEL, dass die Jungs in Bezug auf den Lern- und Lesestoff oft desinteressierter sind als die Mädchen [ 6]. Zum Einen lesen sie lieber Comics und Bildunterschriften als Erzählungen, zum Anderen präferieren sie oft unpersönlichere Themen wie Kraftfahrzeuge oder Motorsport. Die Schule hätte sich jedoch im Fach Deutsch häufig auf „typische" Mädchengeschichten mit Familie & Co. ausgerichtet.
2.3.3. Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen
Mädchen und Jungs sind NICHT gleich. Diesen Satz erstmal vorweg, bevor ich auf die Unterschiede eingehe. Nicht nur der „kleine" Unterschied des Körpers und des Geschlechts macht einen Jungen oder ein Mädchen aus, sondern auch die geschlechtstypische körperliche Natur, Psyche und die Reife. Anfang des 20. Jahrhunderts fanden Maria Montessori (Italien) und Alfred Binet (Frankreich) heraus, dass der Altersunterschied bei Kindern +/- 2 Jahre gerechnet werden muss. Das heißt, manche Sachen sind 5 Jährigen besser zugänglich als 7 Jährigen oder vice versa. Im Schnitt sind es jedoch die Jungs, die den Mädchen in ihrer Entwicklung mindestens ein halbes Jahr „hinterherhinken". Zwar entwickelt sich jedes Kind individuell, doch kann man bei Eintritt der Grundschule starke Unterschiede zwischen den Geschlechtern ausmachen. Das bezieht sich nun jedoch immer auf den Durchschnitt, d. h., es gibt natürlich männliche als auch weibliche Aspekte für jeden Menschen. Aber die biologische Uhr hat vorgesehen, dass Jungs in ihrer Zeit bis zur Pubertät eine grobmotorische Entwicklungsphase durchlaufen, die Mädchen hingegen eine feinmotorische. Nach der Pubertät drehen sich die Phasen um und die Mädchen durchlaufen eine grobmotorische Entwicklung, während die Jungs ihre Feinmotorik entwickeln. Das wäre eine Erklärung dafür, warum Jungs in ihrer grobmotorischen Kindheitsphase einen so viel höheren Bewegungsdrang als Mädchen verspüren und demnach auch im Unterricht schlechter still sitzen können. Die Fingerfertigkeit der Mädchen, die in dieser Zeit ausgeprägt wird, wirkt sich meistens vorteilhaft auf diverse (Bastel-) Arbeiten/ Schönschriften in der Grundschule aus. Jungs zu solchen Dingen zu zwingen, wäre ein Akt gegen ihre Natur. Nach der Pubertät haben Jungs oft wenig Probleme damit, Feinheiten zu schnitzen oder winzig kleine Schrauben in technischen Geräten zu platzieren. Jedoch nicht vor der Pubertät. Mädchen, die sich in der Pubertät in ihrer grobmotorischen Phase befinden, beginnen nun, im Gegensatz zu den Jungs, zu tanzen und z.B. Tennis zu spielen. Das wäre eine mögliche Erklärung dafür, warum in den Discos meistens nur Frauen und Mädchen tanzen und toben. Die Jungs vor der Pubertät haben diesen Bewegungsdrang möglicherweise auch, weil sie mit 40% der Körpermasse fast die doppelte Muskelmasse (Mädchen 24%) entwickeln müssen(aus [9]). Demnach also auch fast doppelt so viele notwendige Nervenbahnen, damit diese Muskeln bewusst oder unbewusst bewegt werden können (vgl. McGuinness). „Zur Grobmotorik gehört die Entwicklung von Kraft" [9, S.34]. Vera F. Birkenbihl bestätigt dazu weiterhin: „Die Entwicklung des grobmotorischen Bereichs geht mit viel Bewegung einher. Je mehr Muskelmasse zu bewegen ist, desto ausgeprägter gilt dies. Wird diese ständige Bewegung verhindert, resultieren daraus auch geistige Behinderungen." [9] Das gilt natürlich genauso für weniger zierliche Mädchen. Das heißt, jedes Kind hat seinen eigenes Bewegungsbedürfnis, welches es ausleben muss. Jungs tendieren in ihrer grobmotorischen Phase demnach häufiger zu „wilden Spielen" (vgl. Birkenbihl) mit Fangen, Raufen und Wettkämpfen aller Art. Während Mädchen, die meistens mehr Wert auf soziale Kontakte legen, sich mit Plaudern oder Seilhüpfe begnügen. Nun ist die Frage vielleicht etwas einleuchtender, warum auf 6- 9 ADHS Kinder nur ein Mädchen kommt (aus [8]) und Jungs häufiger als Mädchen mit Ritalin „still gelegt" werden. Der Münchner Sozialpsychologe Heiner Keupp sagte zu der Frage, ob Jungen stärker mit Psychopharmaka (Ritalin) konfrontiert werden, als Mädchen: „Bis zwölf, 13 Jahre haben Jungs mehr Probleme. In der Pubertät holen die Mädchen auf. Aber die Mädchen fallen seltener auf, weil sie ihre Probleme und Ängste still verarbeiten - oder nicht verarbeiten. Niemand kriegt was mit. Die Jungs sind laut, aggressiv, stehen dadurch sehr schnell im Zentrum der Problembearbeitung. Sie stören den Betrieb. Ein stilles Mädchen stört keinen Betrieb."[10] Laut Birkenbihl, werden ADHS Kinder oftmals fälschlicherweise als „krank" diagnostiziert. Ihrer Aussage nach sei es die Schuld der Gesellschaft, die den Kindern gegen ihre Natur das Bewegen verbietet (aus [9, S.36]) Weitere Forschungen haben ergeben, dass das Auge der erste Sinn des männlichen Geschlechts ist. Somit nehmen Jungs ihre Welt durch das Sehen und das Handeln- in- der- Welt wahr (aus 9]). Der erste Sinn des weiblichen Geschlechts ist hingegen das Ohr. Schon als Babys brabbeln Mädchen oft mehr und legen auch weiterhin mehr Wert auf Kommunikation als Jungs. In der altmodischen Schulform redet einer eine ganze Zeit an der Tafel. Das kommt bei den Mädchen gut an, da sie gerne zuhören. Solange die Jungs jedoch etwas nicht optisch erfassen können, bleibt ihnen dieses Lernfenster meistens verschlossen. Das Resultat aus diesem Lernen ist meistens Unaufmerksamkeit und Ungeduld, was dann als Zappelphilippsyndrom bezeichnet wird. Ähnlich verhält es sich bei dem Aspekt, dass Jungs offenbar häufiger legsthenisch wären. Wirkliche Legastheniker können z.B. tatsächlich schlecht harte und weiche Konsonanten voneinander unterscheiden, aber nicht, weil sie sie nicht als Buchstaben identifizieren können, sondern weil sie die verschiedenen Laute nicht wahrnehmen können. Jungs, die von Natur aus schlechter hören als Mädchen, haben deshalb häufiger Probleme mit Rechtschreibung. [1] Dabei ist das Zappeln oftmals kein böswilliges Tun der Jungs, ebenso wenig wie die Kinder dumm sind. Es ist ein Effekt ihrer Hirnstruktur und ihrer Biologie. Genauso wie beim Aktivismus. Dank zahlreicher Studien weiß man heute, dass Jungs in der Regel erst handeln und dann denken. Bei Mädchen ist es umgekehrt. Deshalb nervt es die Jungs häufig, wenn Mädchen nach einer Aufgabenstellung ihrer Meinung nach „quatschen", so wie die Mädchen den ungeplanten Aktionismus der Jungs nicht nachvollziehen können. Mädchen stehen auf klare Anweisungen und befolgen gerne Regeln. Jungs hingegen suchen sich die Regel durch eigenes ausprobieren und abstrahieren. Langer sagte, dass es kaum Sinn mache, den Jungs klare Anweisungen zu geben, da sie ja eh anfangen, durch eigenes Rumprobieren sich der Aufgabe zu nähern (aus [9, S. 48]). Deshalb bräuchten Jungs wie im Sport einen Coach, der sie entdeckend lernen lässt und nur ab und zu eine Hilfestellung leisten würde. Dadurch, dass die meisten LehrerInnen aber wollen, dass die Aufgaben nach ihrem festgelegten Plan absolviert werden, empfinden sie das „Abweichen" der Jungs häufig als Ungehorsamkeit und Unachtsamkeit und lassen dies dann gelegentlich auch in die Note einfließen.
2.3.4. Männervorbilder im Kindes- und Jugendalter
Seit einiger Zeit wird das Männerdefizit in pädagogischen Berufen bemängelt. Jungs brauchen männliche Vorbilder, um ihre Männlichkeit zu identifizieren. 2008 verkündete der Spiegel, dass in Krippen nicht einmal jeder 100. Erzieher ein Mann sei. In den Kindergärten machen gerade einmal 2% und in den Schulkindergärten knapp 6% Männer das Erzieherpersonal aus. In der Grundschule ist ungefähr jeder 8. Lehrkörper ein Mann (aus [3]). Die Bildungssoziologen Heike Diefenbach und Michael Klein haben in einer Studie 2008 entdeckt, dass mehr Jungs einen Schulabschluss haben, wo auch mehr männliche Lehrkräfte vorhanden sind (aus [3]). Weiterhin ist die Quote der männlichen Abiturienten in den Bundesländern deutlich höher, in denen auch Männer unterrichten. Fußball spielen, Toben, Streit schlichten- sowas fällt Jungs mit einem gleichgeschlechtlichen Erwachsenen z.B. oft leichter. Außerdem würden die männlichen Lehrer die Belange und das Verhalten ihrer männlichen Schützlinge oft besser nachvollziehen können, statt es als unangepasstes Verhalten einzuschätzen und demnach schlechter zu benoten.
2.4. Lösungsansätze und Fazit
Der Kriminologe Christian Pfeiffer plädierte 2004 für mehr Ganztagsschulen, um der „Medienverwahrlosung" der Kinder gegenzusteuern (aus [7]). Dort könnten sie sich aufgrund eines vielfältigen Angebots dann körperlich als auch geistig und sozial besser entwickeln. Im Bereich des Medienkonsums muss natürlich auch ein strikterer Bildungsauftrag der Eltern greifen, sodass sie ihren Kindern gegen die soziale Verarmung weniger Fernseh,- Videospiel,-und Internetzugriffe gewährleisten.
Außerdem brauchen die Jungs wie in 2.5.3. beschrieben bessere Männervorbilder, die sie unterstützen und ihnen die Möglichkeit zur Identifikation geben.
Weiterhin sollte in den Schulen ein Ausgleich von persönlichen und unpersönlichen, typischen Mädchen,- als auch Jungenthemen geschaffen werden. Eine Stunde über Rennwagen z. B., was sonst nie vor kommt. Es wurde bestätigt, dass Jungs männlich konnotierte Wörter wie z.B. Benzintank schriftlich meistens besser beherrschen als „Mädchenwörter" wie z.B. Familie. Den Unterschied, dass Jungs oft auch lieber Sachbücher statt Erzählungen wie die Mädchen lesen, sollte man außerdem nicht außer Acht lassen. Damit könnte man in der Schularbeit eine Menge anfangen.
In Hinblick auf den Bewegungsdrang der Jungs muss natürlich weiterhin Disziplin beim Lernen herrschen, aber dann sollten auch zwischen den Stunden ausrechend Optionen zur Bewegung gegeben sein. Weiterhin lernen Kinder gerne von Kindern. Es macht keinen Sinn bis zum Abitur nur Lernender zu sein. Kinder sollten sich ständig in einem Wechsel aus Lernender und Lehrender erfahren, mit Kindern, die besser verstehen, wie man als Kind lernt. So können die Erklärer durch Darstellen der Sachverhalte ebenso viel lernen wie die Kinder, die es durch angemessene Sprache erklärt bekommen. Jedes Kind kann dadurch einmal zeigen, was es drauf hat und muss sich nicht schämen, sich etwas erklären zu lassen, weil es ja vielleicht in anderen Bereichen wieder glänzen kann. Die Kinder, vor allem die Jungs, könnten so ihr Abstrahierungsvermögen und ihren Teamgeist in der „Mannschaft" ausleben. Durch so ein entdeckendes und soziales Lernen nimmt kein Geschlecht Nachteile in Kauf, zumindest generell gesehen, da auch die Mädchen ihre Kommunikationsfähigkeit ausleben können. Somit schlussfolgere ich auf weniger Frontal- und mehr Gemeinschaftsunterricht, offenere und vielseitigere Themen in Deutsch, mehr Bewegungsmöglichkeiten, mehr Männer als Lehrkräfte in Grundschulen und vor allem weniger Gleichmacherei zwischen den Geschlechtern, damit man weder bei Mädchen noch bei Jungs vom „schwachen Geschlecht" sprechen muss.
2.5. Praktische Erlebnisse aus meinem Praktikum
Zunächst einmal hatte ich das Glück, den ersten Grundschullehrer meines Lebens kennenzulernen. Herr Meister gilt unter den Schülern als streng, wie man auf der Schulhomepage nachlesen kann. Doch hat er dieses Image bestimmt zum Einen, weil er tatsächlich „streng" ist, und zum Anderen, weil er ein Mann ist. Die tiefere Stimme flößt den Kindern offensichtlich mehr Respekt ein als das zärtlichere Reden einer Lehrerin. Zwar gab es durchaus Lehrerinnen mit lautem und forschen Ton, doch hatten sie teilweise weniger Erfolg, die Klasse zu disziplinieren, als Herr Meister. Ein gutes Beispiel dafür ist die „Problemschülerin" Lara. Aus ihrer eigenen Klasse aufgrund von zahlreichen Konflikten mit ihrer Lehrerin in die Klasse von Herrn Meister geschickt, verhielt sie sich dort eher unauffällig und aufmerksam. Plötzliche Ausraster kamen äußerst selten vor. Laras Aussage nach, könne sie ihre Lehrerin einfach nicht leiden. Sie hatte wenig Scham davor, negativ auf sich aufmerksam zu machen und die Lehrerin zu ärgern. Auf die Frage, warum sie nun bei Herrn Meister so gut mitarbeite, sagte sie, sie hätte Angst davor, von ihm geschimpft zu kriegen. Der Aspekt der Angst scheint durchaus wenig förderlich für ein gelungenes Lernen, aber ich bezweifle, dass Lara tatsächlich Angst vor ihm hatte. Meiner Ansicht nach, war das Wort was ihr fehlte Respekt. Dass das alle Lehrer gleichsam verdienen steht außer Frage. Aber wahrscheinlich flößt das starke Mannesbild doch mehr Respekt ein, als dass einer Lehrerin, die auch nur allzugut eine „Mutti" sein kann. Stärke muss hierbei nicht nur psychischer Natur sein. Hat ein Kind Geburtstag, so schnappt sich Herr Meister den Stuhl und hebt das Kind damit so oft hoch, wie es nun Jahre alt ist. Bei einer weiblichen Lehrerin ist mir das bis dato noch nicht unter die Augen gekommen, da dies schließlich auch einiges an Kraft erfordert. In diesem Sinne werden den Kindern männlichen Rollenbilder geliefert, mit denen sich bestenfalls gerade die Jungs identifizieren können. Vor allem, da Herr Meister einen unverblümten Humor hat, der zwar nicht verletzend, aber dennoch ermahnend auf die Kinder wirkt. Somit ist die Atmosphäre entspannt, aber die Kinder wissen sich in ihren Grenzen. Damit zielt er besonders auf die Jungs ab, die ständig am rangeln und raufen sind. Wenn die Jungs auf Streit aus sind, schätzen sie Herrn Meister offensichtlich als den Stärkeren ein und wissen, dass er als Mann da vorne nun gerade das Sagen hat. Mir hat einmal ein Kind eine Unterlage, die es wegräumen sollte, entgegen geworfen, da es offensichtlich dachte, ich greife nicht hart durch. Das kann durchaus damit zusammenhängen, dass ich jung bin, aber auch damit, dass ich ein Mädchen bin. Meiner Meinung nach erkennen die Jungs ihre Stärken deutlich auf dem Gebiet des körperlichen, während die Mädchen schulisch/ geistig stärker sind. Zumindest in den Fächern Deutsch und Kunst. Da sind mir häufig die großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufgefallen. Die Mädchen legen Wert auf Ordentlichkeit, Sinn, Harmonie, Gefühl und Geschichten bei den Sachen die sie machen. Jungs hingegen haben sich beim Basteln einer Frühlingsblume z. B. absichtlich gelangweilt gegeben, um ja keinen Verdacht des Interesses an solchen mädchenhaften Themen zu zeigen. Demnach waren ihre Bilder oder Geschichten auch öfter bei denen, die weniger gut waren. In dem leistungsstarken Mathematikers waren es jedoch überwiegend Jungs, die auch sehr viel drauf hatten. Auch in Sachunterricht konnten die Jungs mit Logik und Anschauungsvermögen komplizierte Sachverhalte, wie etwa das Funktionieren eines Thermometers, wieder geben. Da merkte ich, dass sich einige der Jungs wohl daheim mit solchen Sachen beschäftigen. In ihrer Freizeit drehte sich weiterhin vieles um Spiel- und Sammelkarten und Fußball. Die Mädchen erzählten im Morgenkreis manchmal von Erzählungen, die sie gelesen haben, oder dass sie ihre Freundinnen besuchten. Von ihnen bekam ich dann auch Freundschaftsbücher, von den Jungs fast gar nicht. Auch sehr auffällig war das Verhalten der Jungs während des Unterrichts. Thilo, Paul, Joshua, Milan und Joshua waren einige von denen, denen es unheimlich schwer fiel, konzentriert und ruhig zu bleiben. Eigentlich wollten sie die ganze Zeit ihren Nachbarn ärgern, sind auf ihrem Stuhl herum gerutscht und haben gezappelt. Manche Mädchen wie Sophie, Marta, Celine, Finja und ihre beste Freundin haben zwar manchmal genauso wenig ihre Aufmerksamkeit auf den Unterricht gerichtet, aber dann aufgrund von Schwatzen, Austauschen und Lästern. Hier wurde schon deutlich, dass die Mädchen mehr auf der emotionalen und sozialen Schiene handeln, als die Jungs mit ihrem Bewegungsdrang. Deshalb ist es sehr gut, dass die Grundschule Vellmar den Titel „Bewegte Schule" hat und demnach regelmäßige „Flitzepausen" eingeführt hat. Die meisten Jungs stürmen dann sofort auf den Hof und können sich endlich ausleben. Doch manche eher femininere Jungs wie Erik z. B. bleibt dann auch gelegentlich mit den paar Mädchen im Klassenraum und guckt sich Bücher an oder quatscht mit ihnen. Das heißt wieder einmal, es gibt weder 100% Mann noch 100% Frau. Aber der Großteil der Jungs verhält sich wie in meiner theoretischen Arbeit beschrieben. Dass die Jungs auch gewaltfreudiger sind, konnte ich leider auch beobachten. Alle Kempeleien auf dem Schulhof, und das waren manchmal nicht wenige, wurden von Jungs betrieben. Doch selbst, wenn mal einer blutete, nahm er das kameradschaftlich und ging lachend mit seinen Kumpels zurück in die Klasse. Als ich eine Gruppe der Raufbolde ermahnte, aufzuhören, erklärten sie mir kollektiv, dass das doch nur Spaß sei und nicht schlimm. Wenn mal ein Mädchen weinte oder zur Lehrerin kam, war der Grund meistens ein Dilemma unter Freundinnen. Sonst spielten sie gemeinschaftlich Seilhüpfen oder schlenderten quatschend über den Schulhof. So kam es, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zumindest für mich immer offensichtlicher wurden. Ich hatte dann auch das Glück, gleich zwei männliche Lehramtsanwärter kennenzulernen. Herr Weinert ist im Referendariat an der Schule und wird in der Schülerzeitung[2] als beliebtester Lehrer betitelt. Mein Kommilitone, der mit mir im Praktikum war, kam ebenfalls sehr gut bei den Kindern an. Wie mir bestätigt wurde vor allem bei den Jungs, und dass, obwohl er eine eher femininere Art hat. Soweit war ich mir also sicher, dass mehr männliche Grundschullehrer durchaus hilfreich für die Entwicklung beider Geschlechter, aber vor allem für die Jungs sein können. Und natürlich, dass man Jungs und Mädchen nicht gleich behandeln kann. Deshalb fand ich es gut, dass der Unterricht oft als Freiarbeit gestaltet wird, wo die Kinder nach ihrem Tempo und ihrem Interesse arbeiten können. Meiner Meinung nach wäre es selbst während des Unterrichts nicht schlimm, bewegungsfreudige Jungs während der Stunde hinter ihrem Stuhl stehen zu lassen. Dazu müssten die Stühle und Tische in einer U- Form aufgebaut werden, die Jungs hinten, die Mädchen vorne. Die Kinder könnten jederzeit aufstehen, wenn ihnen danach ist. Meistens werden es wohl die Jungs sein und da sie hinten stehen, stören sie die Mädchen vorne nicht. Dann zappeln sie natürlich auch, aber kriegen dennoch mehr vom Unterricht mit. Gehirn- gerechtes Lernen ist hier das Stichwort und ich glaube an phänomenale Ergebnisse. Birkenbihl empfiehlt auch, dass den Schülern das Gehen erlaubt sein sollte. Wenn z.B. Listen angefertigt werden, könnte man, nachdem eine Gruppe ihre Resultate verglichen hat, mit der Einladung „Spione" die Kinder aussenden um Begriffe von den anderen zu erhaschen. Jungs machen dabei oft unbewusst größere Umwege, um länger laufen zu können. Das hatte ich übrigens auch während meines Praktikums fest gestellt. Ich habe dazu in den Anhang eine DVD von Vera F. Birkenbihl getan, damit sich der Leser selbst ein kurzes Bild darüber machen kann, was ich meine.
3. Literaturverzeichnis
♦ Internet- Veröffentlichungen
[1] Saurenhaus, Christiane: „Emanzipation durch Bildung .Zur Koedukationsdiskussion". http://www.dibev.de/fakten/rba_pdf/koedukation.pdf: Haase, Karl, Dr.: Der weibliche Typus als Problem der Psychologie und Pädagogik. Leipzig: Teubner Verlag, 1915, zit. nach: Hurrelmann, K. u.a., 1986 [Stand 2.04.09]
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenbildung [Stand 13.04.09]
[4] SCHUL- SPIEGEL online: „ Schul- Untersuchung: Jungen werden bei den Noten benachteiligt". http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,524828,00.html[ Stand 8.04.09]
[5] SCHUL- SPIEGEL online: „Vernachlässigte Jungen: Männlich? Sechs, setzen". http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,311812,00.html [ Stand 2.04.09]
[6] SCHUL- SPIEGEL online: „IGLU- Studie: Schlechtere Noten für Jungen". http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,383709,00.html [ Stand 4. 04.09]
[7] SCHUL- SPIEGEL online: „Zwei Jahre nach Erfurt: Ein Drittel der Jungen droht abzurutschen". http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,297115,00.html [ Stand 4.04.09]
[8] SCHUL- SPIEGEL online: „Debatte: Böse Buben, kranke Knaben". http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,217197,00.html [Stand 4.04.09]
[10] Kraus, Doris. Die Presse: „Eine Ritalin- Gesellschaft". http://diepresse.com/home/bildung/erziehung/467547/index.do [Stand 17.04.09]
♦ Zeitschrift
[3] Bölsche, Jochen: Wir brauchen mehr Männer. SPIEGEL Special- Was Kinder glücklich macht. Hamburg: SPIEGEL- Verlag Rudolf Augstein, 2008 (Nr. 7). S. 85
♦ Bücher
[9] Birkenbihl, Vera F. : Jungen und Mädchen: wie sie lernen. 3. Auflage. München: Knaur Ratgeber Verlage, 2005
[1] Lösungsvorschläge dafür auf www.birkenbihl.de
[2] http://www.primolo.de/home/vellmarkids/






