Navigation:


Die Josefserzählung

Die Josefserzählung
Unterrichtsentwurf
Datum: 01. Mai 2008 Autor: Anonym Kommentare: 0

Zusätzliche Informationen:

DownloadVorschauKommentar schreibenAbonnieren



Beschreibung:

In der Unterrichtsstunde "Die Josefserzählung" sollen die SchülerInnen die Josefserzählung bezüglich der Glaubensaussage am Schluss als Gottesgeschichte deuten. Durchgeführt in einer 2. Klasse.


Download melden

Die Josefserzählung


Die Josefserzählung

1. Unterrichtszusammenhang

Thema der Einheit:

Die Josefsgeschichte

Stellung der Stunde in der Einheit:

1.: Jakobs Liebling - Im Streit mit den Brüdern
2.: Josef wird in den Brunnen geworfen und verkauft
3.: Josef kommt zu Potifar und ins Gefängnis
4.: Josef deutet Träume
5.: Josefs Aufstieg / Seine Brüder kommen nach Ägypten
6.:.Schulderkenntnis und Versöhnung

2. Unterrichtsziele

Groblernziel:
Die SchülerInnen sollen die Josefserzählung bezüglich der Glaubensaussage am Schluss als Gottesgeschichte deuten.

Teillernziele:
Die SchülerInnen sollen...
TZ1 - wesentliche Inhalte der Josefserzählung wiedergeben können, indem sie sich zu den vorgegebenen Symbolen äußern.
TZ2 - sich an das Auf und Ab in Josefs Leben erinnern, indem sie die Inhalte der Josefserzählung wiederholen.
TZ3 - sich an Gottes Treue gegenüber Josef erinnern.
TZ4 - verstehen können, warum Josef seinen Brüdern verzeiht, indem sie sich im szenischen Spiel in die Personen hineinversetzen.
TZ5 - die Führung Gottes in Josefs Leben erkennen können, indem sie sein Leben im Gespräch reflektieren.
TZ6 - sich in den Wiedererkennungsteil der Geschichte einfühlen, indem sie ihn in einem Rollenspiel darstellen.

Soziales Lernziel:
Die SchülerInnen sollen Kooperation, Kommunikation und Selbständigkeit lernen, indem sie in Gruppen die Wiedererkennungsszene vom Tonband in ein Rollenspiel umsetzen.

3. Sachanalyse

In der Bibel findet man die Josefserzählung in Genesis 37-50, sie besteht aus 392 Versen, deren einzelne Kapitel insgesamt eine in sich geschlossene Einheit bilden. Nähere Untersuchungen ergeben verschieden verarbeitete Quellen, wobei der umfangreichste Teil der jahwistischen Quelle zuzuordnen ist. Die Verfasser haben zur Zeit König Davids und Salomons (9. Jh. v. Chr.) gelebt, also 450 Jahre nach den erzählten Ereignissen. In dieser Zeit sind die 12 Stämme vereinigt und Israel hat es zu Ansehen gebracht. Die zweite Quelle stammt von den Eloisten. In dieser Zeit befindet sich das Nordreich in einer Krisensituation, man spricht von dem Untergang des Nordreiches (722 v. Chr.). Die dritte Quelle ist eine Priesterschrift und im babylonischen Exil entstanden (6. Jh. v. Chr.). Sie ist als Hoffnungstext konstruiert, der das Thema der Übersiedlung der Israeliten nach Ägypten behandelt. So wird der notwendige Übergang zwischen den Vätergeschichten und den Mosesgeschichten geschaffen.
Die Josefserzählung gehört also noch zum Bereich der Vätergeschichten, der sich von Genesis 12-50 erstreckt. Sie bildet den Abschluss dieser Vätergeschichten und ist gleichzeitig Übergang zur Volksgeschichte.
Besonders auffällig an dieser Erzählung ist der Spannungsaufbau mit den einzelnen Höhepunkten. In der Zuspitzung des Brüderkonfliktes, während der Brunnenszene findet man einen Höhepunkt, der vor der Wiedererkennungsszene, während die Brüder um ihr Schicksal fürchten, wiederauflebt.
Untersucht man den Aufbau der Erzählung kann sie grob in zwei Teile gegliedert werden. Im ersten Teil bis Kapitel 41 wird die äußere Dramatik des Konfliktes aufgezeigt: der Verkauf nach Ägypten, Josef im Hause Potifars, im Kerker und dann der wunderbare Aufstieg zum ersten Mann im Staat. In diesem Teil wird schon verhalten von Gott gesprochen, z.B. heißt es als Josef ins Gefängnis kommt: „Aber der Herr war mit ihm...".
Der Zweite Teil ab dem Kapitel 42 behandelt im Wesentlichen die innere Dramatik des Geschehens. Gottes Anteil daran wird hier erwähnt, wobei die menschliche Seite der Konflikte nicht vergessen wird. Auch das Schuldproblem wird sehr menschlich behandelt. Josef unterzieht seinen Brüdern zwei Prüfungen (vgl. Genesis 42, 44). Beide Prüfungen betreffen die Frage, ob die Brüder aus den Erfahrungen gelernt haben und jetzt für den anderen Bruder einstehen.
Josef konstruiert zweimal eine Situation, in der er den Brüdern die Gelegenheit gibt, einen der ihren zu verraten, so wie sie es damals mit Josef selbst taten (vgl. Genesis 37). Das Ende der Prüfungen zeigt sich in der Szene, in der Josef sich zu erkennen gibt (vgl. Genesis 45). Zuvor haben die Brüder bewiesen, dass sie nun bis zum Letzten füreinander einstehen, und somit haben sie die Prüfungen bestanden (siehe Genesis 44, 18ff). Gleichzeitig offenbart sich in dieser Szene, dass Gottes verborgenes Handeln alles zu einem guten Ende geführt hat. Seine Führung hat alles an menschlicher Schuld zu einem guten Ende gebracht. Nicht die Brüder, sondern Gott hat Josef nach Ägypten geführt. Josef spricht es an dieser Stelle selbst aus: „Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt und nun bekümmert euch nicht und denkt nicht, daß ich darum zürne, daß ihr mich hierher verkauft habt; denn um eures Lebens Willen hat mich Gott vor euch hergesandt." (Genesis 45, 5-6)
An dieser Stelle wird das gesamte Gewicht auf Gott gelegt. Dreimal wird Gott als Lenker der Geschicke bezeichnet (vgl. Genesis 45-10). Hier wird klar, dass Gott das Leben der Menschen erhalten will, es handelt sich also nicht nur um eine Versöhnungsgeschichte. In diesem Kapitel befindet sich die Erkenntnis, dass jenes bewahrende Handeln Gottes tief verborgen sein kann, hinter einem Vordergrund menschlichen Handelns, das manchmal auch von hoffnungslosen und zerstörerischen Kräften bestimmt ist. Jetzt ist die Erkenntnis möglich geworden: „Und nun, ihr habt mich nicht hergesandt, sondern Gott." (Genesis 45, 8-9)
Im Kapitel 50 wird die Absicht aus Kapitel 45 wieder aufgegriffen (vgl. Genesis 50, 21 ff.), es folgt also nichts wesentlich Neues mehr, so dass man die Erzählung auch gut an dieser Stelle abschließen kann.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es sich im Kapitel 45 um den Höhepunkt der Josefserzählung handelt. Nach all den Jahren finden die Brüder durch das vergebende Wort Josefs ihren Frieden und der Brüderkonflikt wird beigelegt. Hier wird die Erkenntnis vom verborgenen Handeln Gottes möglich. Gott hatte mit Josef einen Plan, der sich in den Träumen offenbart. Gegen alle Widerstände setzt sich dieser Plan durch. Obwohl menschliches Handeln göttlichen Absichten immer wieder entgegenläuft, fügt Gott das Ganze zum Guten. Die Menschen handeln und Gott bleibt lenkend im Hintergrund.

4. Didaktische Analyse

Kinder haben im Religionsunterricht ganz bestimmte Fragen. Wo kann man Gott sehen, wie sieht er aus oder existiert er überhaupt, sind einige davon. Neben den Ereignissen, die in der Natur zu beobachten sind, z.B: das Wachsen von Pflanzen und das Betrachten des Sonnenaufgangs, sind es Geschichten, in denen wir hören, wie Menschen das Wirken Gottes wahrnehmen können. In diesen Geschichten finden sich Ereignisse, wie Gott mit ihnen umgeht, wie er durch sie handelt. Die Josefserzählung ist eine solche Geschichte. Indem wir sie den Kindern im Religionsunterricht erzählen, erfahren sie etwas von Gott. Hier hören sie, wie Gott einen Menschen (Josef) auf allen Wegen begleitet, ihn Höhen und Tiefen durchstehen lässt. Gott bringt durch Josef scheinbar Ungerechtes und Schlimmes zu einem guten Ende. Die Kinder haben durch die Josefserzählung die Möglichkeit zu erfahren, wie Gott - oft erst nachträglich erkennbar - Leben in guten und in schweren Zeiten begleitet. Die Josefserzählung verbindet tiefer gehende theologische Erfahrungen mit erzählerischer Kunstfertigkeit, was sie für Grundschulkinder besonders geeignet erscheinen lässt.
Laut Lehrplan ist die Josefsgeschichte als Unterrichtsthema im 2. Schuljahr vorgesehen, daher habe ich diese Einheit auch für diese Klassenstufe geplant. Weitere Gründe für eine Behandlung dieser Erzählung sind die menschlichen Verhaltensweisen, Grunderfahrungen und Schwächen. Empfindungen wie Neid, sich zurückgesetzt fühlen, weniger geliebt zu werden oder die Frage nach Schuld und Vergebung wird den SchülerInnen dieser Klassenstufe nicht allzu fremd sein. Viele von ihnen haben Geschwister, bzw. bewegen sich seit längerer Zeit in Gruppen Gleichaltriger, wo immer mal wieder Konfliktsituationen auftreten, die gelöst werden müssen. Kinder können sich mit dieser Geschichte identifizieren und fangen an Gott als Teil ihres Lebens anzunehmen.
Den didaktischen Schwerpunkt der Wiedererkennungsszene lege ich auf das verborgene Handeln Gottes, welches das Leben der Menschen bewahren will. Hier verdeutlicht sich, wie das verborgene Handeln Gottes alles zum Guten geführt hat.
Andererseits könnte ein didaktischer Schwerpunkt auf der Versöhnung der Brüder liegen. Hier wird dargestellt, wie verfeindete Brüder ihren Hass überwinden und sich versöhnen. Dabei wird deutlich werden, wie langwierig die Wege der Aussöhnung sind: Josef prüft seine Brüder und die Bereitschaft zur Versöhnung wächst in ihm. Die Brüder haben aus ihren Fehlern gelernt, bekennen ihre Schuld und stehen füreinander ein. Zwei Schwerpunkte gleichzeitig zu behandeln ist nicht möglich, weshalb ich mich für den ersten Schwerpunkt entschieden habe (Begründung siehe auch Sachanalyse).

5. Methodische Analyse

Die Unterrichtsstunde wird wie immer mit einem Lied begonnen, welches zu einem festen Ritual gehört. So haben die SchülerInnen einen gemeinsamen Anfang, der sie auf den Stundenanfang einstimmt. Indem die SchülerInnen im Sitzkreis dem Ton aus der Klangschale nachlauschen, haben sie Zeit zur Ruhe zu kommen, weshalb ich dies zum Stundenanfang als festes Ruheritual verwende.
Der stumme Impuls durch die verschiedenen Symbole soll die SchülerInnen ein Rückbesinnen auf ausgewählte Inhalte der Josefserzählung ermöglichen. Dabei habe ich die Form der Mitte gewählt, die den Kindern aus der Einheit schon bekannt ist. Sie haben die Geschichte anhand dieser Symbole erzählt bekommen und teilweise selbst aktiv damit gearbeitet. Diese Art der Wiederholung hat einen starken Aufforderungscharakter und wirkt auf die SchülerInnen sehr motivierend. Eines dieser Symbole ist den Kindern noch unbekannt, wodurch Neugier gewcckt und ein Hinweis auf den Fortgang der Geschichte gegeben werden soll. So ist eine Überleitung für die folgende Phase geschaffen, in der die Kinder den weiteren Verlauf der Josefserzählung erfahren sollen. In der Wiederholungsphase wird zusätzlich ein Tafelbild präsentiert, auf dem das Auf und Ab in Josefs Leben grafisch dargestellt ist. Die einzelnen Phasen werden anhand von dazu geordneten Stichworten verdeutlicht. Mit Hilfe des Tafelbildes können die visuellen Lerntypen den Lebensweg des Josef besser nachvollziehen.
Für den weiteren Verlauf der Erzählung würde sich die Lehrererzählung anbieten. Jedoch wird die Erzählung auf einem Tonband vorgespielt, so dass die Aufmerksamkeit durch Einsatz dieses Mediums neu geweckt wird. Indem der Sitzkreis aufgelöst wird und die SchülerInnen auf ihre Plätze gehen, erfolgt vor dem Zuhören eine kurze Bewegungsphase. Wie schon angeführt benötigen diese Kinder zwischendurch immer wieder kurze Bewegungsphasen, da sie sonst kribbelig werden und in ihrer Aufmerksamkeit nachlassen. Anschließend wiederholen die SchülerInnen das Gehörte mit eigenen Worten, so dass deutlich wird, ob sie wesentliche Aspekte (Veränderung der Brüder, Vergebung der Schuld, Gottes Plan) dieser Szene wahrgenommen und verstanden haben, womit ein Zwischenergebnis gesichert wird.
Für die Erarbeitungsphase (Umsetzung der Erkennungsszene in ein Rollenspiel) erhalten die Kinder einen mündlichen Arbeitsauftrag und werden in Gruppen eingeteilt. Dieser Arbeitsauftrag könnte auch schriftlich erfolgen und von den Kindern selbständig erfasst werden, aber zum einem kann die Lehrkraft mündlich sofort auf Fragen der Schüler eingehen und zum anderen kennen die Schüler diese Art der Erarbeitung nicht. Weiterhin werden in der Erarbeitungsphase Karteikarten mit zentralen Begriffen verteilt, so dass die Kinder eine Orientierungshilfe haben. Anhand des Rollenspiels können sollen sich die Kinder kreativ und aktiv mit der Wiedererkennungsszene auseinandersetzen, sowie sich in die einzelnen Personen einfühlen. Dies ist für diese SchülerInnen eine sehr motivierende Form der Erarbeitung und fördert die Ganzheitlichkeit.
In der folgenden Präsentationsphase werden die Ergebnisse aus der Arbeitsphase vorgestellt. In einem abschließenden Gesprächskreis können die SchülerInnen zwischen den Darstellungen Vergleiche ziehen und gegebenenfalls ihre eigene Vorstellung zur Szene überprüfen. Weiterhin können die wesentlichen Punkte (siehe Verlaufplanung) ergebnissichernd wiederholt werden.

6. Unterrichtsverlauf

ZeitPhasegeplanter Unterrichtsverlauf
LZSozialform / MedienKommentar
10.30- Begrüßung
- Lied: „Ich will dich begrüßen ...“
- Klassenunterricht
- Lied
- das Lied ist ein festes Begrüßungsritual.
10.32Einstieg- L lässt S Sitzkreis bilden
- L legt Tuch mit verschiedenen Symbolen in Mitte (stummer Impuls)
- S äußern sich zu den Symbolen
- L klappt Tafelbild auf
- S geben anhand der Symbole wesentliche Inhalte der Josefserzählung wieder
- L verteilt Karten die S dabei entsprechend an Tafel heften
Tz1

TZ2

TZ3
-Sitzkreis
- Tuch mit Symbolen (Tuch, Stein, Schlüssel, Faden, Kette, Becher, )
- Tafelbild
- anhand dieser Symbole wiederholen die S nur ausgewählte Aspekte der Geschichte
- der Becher ist ein unbekanntes Symbol, er dient als Hinweis auf den Fortgang der Erzählung und soll bei den S Neugier wecken
- das Tafelbild soll das Auf und Ab in Josefs Leben verdeutlichen
10.42Hinführung- S gehen zurück auf ihre Plätze
- L spielt ihnen den weiteren Verlauf der Geschichte auf Tonband vor und die S hören zu
- L lässt S das Gehörte noch mal kurz mit eigenen Worten wiedergeben
- L teilt die S in Gruppen auf ( 2 x 11 S) und erklärt ihnen den Arbeitsauftrag (S sollen die Szene nachspielen, in der Josef sich zu erkennen gibt )
TZ5- Klassenunterricht
- Tonband
10.52Erarbeitung- S setzen in Gruppen die Wiedererkennungsszene in ein Rollenspiel um
- L verteilt Karteikarten mit zentralen Begriffen der Erkennungsszene
- L geht rum und gibt (wo notwendig) Hilfen
TZ4

TZ5

SLZ
- Gruppenarbeit
- Karteikarten
- zur Gruppenarbeit geht eine Gruppe in den Gruppenraum, um so ungestört an der Umsetzung der Wiedererkennungsszene zu arbeiten
- die Karteikarten sollen den S als Orientierungshilfe dienen und werden nach Gruppenarbeit wieder eingesammelt
11.02Präsentation- S gehen zurück auf ihre Plätze und führen nacheinander die Wiedererkennungsszene auf
- S sprechen zum Abschluss über wesentliche Punkte der Wiederkennungsszene
TZ4 TZ5- Rollenspiel
- Tafelbild
Wesentliche Punkte:
- Veränderung der Brüder
- Josef hat seinen Brüdern verziehen
- Josef berichtet von Gottes Plan
11.15Stundenende

 

7.Literarurangabe

- Martin Luther: „Die Bibel", Stuttgart, 1980, Genesis 37-50.
- Gerhard von Rad: „Theologie des Alten Testamentes", Bd. 1, München, 1998, S. 62ff.
- Gerhard von Rad: „Die Josefsgeschichte", Neukirchen-Vluyn, 4. Aufl., 1964.
- Claus Westermann: „Die Josefserzählung: Elf Bibelarbeiten zu Genesis 37-50", Stuttgart 1990.
- Klaus Arndt: „Josef", aus M. Kwiran: „Religionsunterricht konkret", GS, Teil 4, 1991, S. 83-107.
- Martin Kett: „ Josef und seine Brüder", in RPA, Landshut, 1994/1.

 



Kommentare (0)


Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Material!
Kommentar schreiben