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Die Träume des Pharao - Josefs Aufstieg zum Vizekönig
Datum: 17. April 2008 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Beschreibung:
In dieser Unterrichtsstunde sollen die SchülerInnen die Umstände kennen lernen, wie Josef zum Stellvertreter des Pharao aufgestiegen ist. Sie sollen die Erzählung als eine Erzählung von menschlichem Handeln und Gottes Führung verstehen lernen. Zu den Träumen des Pharao finden Sie im Anhang das passende Arbeitsmaterial. Durchgeführt in einer 2. Klasse.

Die Träume des Pharao - Josefs Aufstieg zum Vizekönig
Die Träume des Pharao - Josefs Aufstieg zum Vizekönig
1. Gliederung der Unterrichtseinheit
Thema der Einheit:
Josef
Einzelthemen:
1. Jakob und seine Söhne
2. Josefs Träume
3. Josef im Brunnen - Josef wird verkauft
4. Josef in Potifars Haus
5. Josef im Gefängnis
6. Die Träume des Pharao - Josefs Aufstieg zum Vizekönig
7. Versöhnung in Ägypten
2. Unterrichtsziele
Groblernziel:
Die SchülerInnen sollen die Umstände kennen lernen, wie Josef zum Stellver-treter des Pharao aufsteigt
Feinlernziele:
Die SchülerInnen sollen...
LZ1: ...den bisherigen Verlauf der Geschichte wiedergeben können, indem sie ihn gemeinschaftlich zusammengefasst erzählen.
LZ2: ...von den Träumen des Pharao hören und versuchen, diese zu deuten.
LZ3: ...die Deutung der Träume durch Josef kennen lernen.
LZ4: ...das Erzählte reproduzieren, indem sie ein Arbeitsblatt mit einem Lückentext bearbeiten und anschließend ihre Ergebnisse vergleichen.
LZ5: ...hören, wie Josef vom Pharao zu seinem Stellvertreter ernannt wird und diesen Teil der Geschichte zusammengefasst wiedergeben können.
3. Zur Situation der Lerngruppe
Seit Mai 2000 verbringe ich in der Klasse 6 Stunden pro Woche, die sich auf die Fächer Deutsch und Evangelische Religion verteilen. Die Kinder haben mich recht schnell als Fachlehrerin und Ansprechpartnerin akzeptiert.
Seit den Sommerferien unterrichte ich in der 2. Klasse das Fach Evangelische Religion eigenverantwortlich mit wöchentlich 2 Stunden.
Die Klasse setzt sich aus 8 Mädchen und 6 Jungen zusammen. Die Klassengemeinschaft kann man als recht gut bezeichnen. Die Kinder kommen untereinander gut aus, nur Fabian ist in die Gemeinschaft nicht besonders integriert. Er verhält sich einfach anders als die anderen, und es scheint, als ob er in seiner eigenen Welt lebt. Im Kindergarten wurde er positiv auf Hochbegabung getestet, wovon im Unterricht jedoch nur wenig zu merken ist. Sein Arbeitsverhalten kann man als schlecht bezeichnen. Zeitweise verweigert er sich sogar ganz.
Das Arbeitsverhalten der übrigen Kinder ist weitestgehend gut. Es gibt einige wenige Kinder (z.B. Saskia, André, Bennett), die sich häufig selbst ablenken oder ablenken lassen und somit nur langsam vorankommen. Die meisten SchülerInnen arbeiten jedoch konzentriert an ihren Aufgaben.
In meinen Augen haben die Schüler Spass am Fach Religion. Wenn eine Geschichte erzählt wird, hören sie aufmerksam zu. Sie singen gerne und erzählen mit Begeisterung von eigenen Erlebnissen, die mehr oder weniger zum Thema passen. Die meisten Kinder sind leicht zu motivieren, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen.
Zwei Kinder der Lerngruppe kennen die Geschichte von Josef bereits aus ihrer Kinderbibel. Sie hören aber trotzdem aufmerksam zu und verraten den Weitergang der Handlung nicht, da es sonst für die anderen nicht mehr so spannend wäre.
4. Sachanalyse
Die Josefsgeschichte steht im Alten Testament in Genesis 37 - 50 und zählt zu den Vätergeschichten. Sie leitet über zur Volksgeschichte, von der das 2. Buch Mose handeln wird. Entstanden ist sie vermutlich in salomonischer Zeit (~ um 950 v.Chr.). Die Quellen lassen sich im wesentlichen auf eine Mischung der Niederschriften des Jahwisten und des Elohisten zurückführen.
Die Geschichte handelt zunächst in Kanaan und berichtet von einem Familienkonflikt. Josef, einer der zwölf Söhne von Jakob, wird von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft. Dort landet er im Gefängnis, aus dem er allerdings befreit und zum Stellvertreter des Pharao ernannt wird, weil er die Träume des Pharao deuten kann und eine Hungersnot vorhersagt, die tatsächlich eintrifft. Durch die von ihm initiierten Vorratsmaßnahmen wird die Not in Ägypten abgewendet. Der Hunger in Kanaan ist jedoch der Grund dafür, dass Josefs Brüder zwei mal nach Ägypten reisen: Beim ersten Mal tritt Josef ihnen unerkannt gegenüber, beim zweiten Mal gibt er sich zu erkennen und versöhnt sich mit den Brüdern. Weiterhin sorgt er dafür, dass sie mit dem Vater nach Ägypten ziehen und dort leben.
Die zentrale Aussage der Josefserzählung ist die Gewissheit, dass die menschliche Schlechtigkeit Gottes Pläne nicht zunichte machen kann. Er hält an seinem Plan fest und führt diesen auch zu Ende, unabhängig vom menschlichen Handeln.
Es lässt sich auch eine pädagogische Absicht erkennen: Josef wird als klug, weitsichtig, verschwiegen, im richtigen Augenblick redegewandt und versöhnungsbereit dargestellt, und man sollte sich so klug und gütig verhalten wie er, der sogar den Menschen (seinen Brüdern) verzieh, die ihn töten wollten.
In der Stunde geht es speziell um die Träume des Pharao und um den Aufstieg Josefs (Gen. 41). In der damaligen Zeit war die Meinung weit verbreitet, dass Königsträume das ganze Volk betreffen.
Der erste Traum des Pharao handelt von sieben fetten Kühen, die von sieben mageren Kühen aufgefressen werden (41,1-4). Im zweiten Traum sieht er sieben volle Ähren auf einem Halm wachsen, doch kurz darauf erscheinen sieben verdorrte Ähren, die die vollen Ähren verschlingen (41,5-7). Der Pharao ahnt, dass diese Träume nichts Gutes bedeuten, doch niemand kann sie ihm zufriedenstellend deuten. Da erinnert sich der Mundschenk an Josef, der ihm im Gefängnis seinen Traum gedeutet hat. Josef wird aus seiner Zelle geholt und der Pharao spricht ihm sein Vertrauen in seine Fähigkeit aus (41,15). Josef verweist aber auf Gott, der die Träume geschickt hat und ihm die Deutung geben wird. Zudem versichert er, dass Gott Gutes im Sinn hat (41,16). Er hört sich die Träume des Pharao an und sagt sieben fruchtbare Jahre voraus, denen sieben Hungerjahre folgen. Er rät, den Überschuss in den sieben guten Jahren zu sammeln und aufzubewahren, damit in den Notzeiten genügend Vorräte zur Verfügung stehen (41,26-36). Obwohl die Träume Unheil vorhersagen, wird hier das Positive deutlich: Durch das Bevorraten kann die Krise in Ägypten weitestgehend abgewendet werden. Der Pharao glaubt Josef. Er erkennt, dass Josef von Gott geschickt wurde. Deshalb ernennt er ihn zu seinem Stellvertreter und betraut ihn mit der Aufgabe, die vorgeschlagenen Vorratsmaßnahmen in die Tat umzusetzen (41,39-40). Zur Einführung in sein neues Amt bekommt Josef einen Ring und eine goldene Kette geschenkt (41,42). Weiterhin wird er mit der Tochter Potifars verheiratet und somit in das ägyptische Volk eingegliedert (41,45). In den folgenden sieben Jahren ist er im ganzen Land unterwegs und lässt alles Getreide, das im Überfluss wächst, in Kornspeichern sammeln.
5. Didaktische und methodische Vorüberlegungen
Die Geschichte von Josef ist in den Rahmenrichtlinien für das zweite Schuljahr vorgesehen. Die Kinder sollen sie „... als eine Erzählung von menschlichem Handeln und Gottes Führung verstehen." (RRL, S. 26)
Bei der Josefsgeschichte handelt es sich nicht nur um eine spannende Erzählung. Sie konfrontiert die Kinder auch mit wichtigen menschlichen Verhaltensweisen und Grunderfah-rungen, wie zum Beispiel Hochmut, Neid, Eifersucht, Einsamkeit, Streit und Vergebung. Die Kinder können diese exemplarischen Beispiele mit Erfahrungen aus ihrem alltäglichen Leben in Zusammenhang bringen und sich eventuell Handlungsmuster aneignen. Zudem erfahren sie, dass Gott immer da ist und jede noch so auswegslos erscheinende Situation zum Guten wenden kann.
Der didaktische Schwerpunkt liegt in dieser Stunde darauf, den Fortgang der Josefs-Geschichte kennenzulernen. Die Stunde über die Träume des Pharao hat einen zentralen Stellenwert: Zum einen waren Traumdeutungen zu der damaligen Zeit für die Menschen von großer Bedeutung. Zum anderen stellt die Deutung der Träume für Josef einen Wendepunkt in der Geschichte dar. Er wird aus dem „tiefsten" Gefängnis befreit und an die (fast) höchste Stelle des Landes Ägypten gestellt. Dies zeigt nochmals deutlich, dass das lange Hoffen auf eine Verbesserung seiner Situation und das Vertrauen auf Gott belohnt wurde. Um zu überprüfen, ob die Kinder den Inhalt der Erzählung behalten haben, sollen sie einen Lückentext ausfüllen (Überprüfbarkeit).
Der Versuch, die Träume des Pharao zu deuten, stellt für die Kinder eine Einführung in die metaphorische Sprache der Bibel dar (dicke Kühe = reiche Ernte, magere Kühe = Hungers-not). Sie sollen so langsam an den Umgang mit und die Deutung von biblischen Geschichten heran geführt werden, aber auch für das Verständnis der bildhaften Sprache von Lyrik kann diese Einführung von Bedeutung sein.
Um einen kontinuierlichen Fortgang der Geschichte gewährleisten zu können, sollen sich die SchülerInnen zu Beginn der Stunde an die Geschehnisse der letzten Stunde erinnern und diese kurz zusammenfassen. Als Sozialform wähle ich den Stuhlhalbkreis, da die Zusammenfassung gemeinschaftlich erfolgen soll und diese Sitzordnung das Gemeinschaftsgefühl verstärkt. Zudem eignet sie sich für das Erzählen und Singen besonders gut.
Der Schwerpunkt liegt in der Stunde auf dem Erzählen der Geschichte. Um diese Phasen aufzulockern, werden die SchülerInnen zwischenzeitlich in die Erzählung mit eingebunden (vgl. Erarbeitung 1). Die Träume des Pharao (Gedicht) sollen mit allen Kindern gelesen werden. Die Bewegungen (Str.1: Fußgetrappel, Str.2: Hände in der Luft wiegen) werde ich als stummen Impuls vormachen. Es besteht natürlich die Gefahr, dass die Kinder nicht von sich aus mitmachen. Ich denke jedoch, dass das Fußtrappeln zum „mittrappeln" motiviert.
Weiterhin sollen die Schüler bewusst dazu animiert werden, sich Gedanken über eine mögliche Bedeutung der Träume zu machen (s.o.: metaphorische Sprache). Auf diese Weise sind sie in dieser Phase nicht nur Rezipienten, sondern können ihrer Phantasie freien Lauf lassen.
Das Josef-Lied zu Beginn und zum Ende der Stunde dient einerseits der Vertiefung des Erzählten, auf der anderen Seite hat es für die Kinder einen hohen Motivationscharakter. Ich werde den Gesang mit der Gitarre begleiten, was den SchülerInnen besonders gut gefällt. Vermutlich wollen sie zum Schluss der Stunde noch einmal alle Strophen durch singen, was ich je nach verbleibender Zeit mit ihnen tun werde. Als Didaktische Reserve habe ich ein Anlegespiel zum Verlauf der Josefs-Geschichte vorbereitet, das die Kinder in Partnerarbeit spielen können.
6. Literaturangaben
• Bruns, Beate: Josefs Geschichte. Agentur Dieck. Heinsberg 1989
• Der Niedersächsische Kultusminister (Hrsg.): Rahmenrichtlinien für die Grundschule: Evangelische Religion. Hannover 1984
• Deutsche Bibelgesellschaft (Hrsg.): Stuttgarter Erklärungsbibel. Stuttgart 1992
• Ernst Klett Schulbuchverlag: Gott sitzt nicht auf einer Wolke. Lehrerband 2. 1. Aufl., Hannover 1995
• Ernst Klett Schulbuchverlag: Gott sitzt nicht auf einer Wolke. Schülerband Klasse 2. 1. Aufl., Hannover 1994
• Evangelische Kirche in Deutschland (Hrsg.): Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers. Überarbeitete Fassung, Stuttgart 1984
• Freudenberg, Hans (Hrsg.): Religionsunterricht praktisch. Unterrichtsentwürfe und Arbeitshilfen für die Grundschule. 2. Schuljahr. 4. Aufl., Göttingen 1994
• Grabner-Haider, Anton (Hrsg.): Praktisches Bibellexikon. Freiburg 1985
• Neumüller, Gebhard (Hrsg.): Spielen im Religionsunterricht. Ein Praxisbuch. München 1997
• Schmoldt, Hans: Das Alte Testament. Eine Einführung. Stuttgart 1993
• Wullschleger, Ruth u. Otto: Josephs Geschichte. 24 Unterrichtsentwürfe für die Vor- und Grundschule. Freiburg im Breisgau 1972
7. Verlaufsplanung
| Zeit | Phase | geplantes Lehrerverhalten | erwartetes Schülerverhalten | Sozialformen, Medien | Lernziele |
| 9.50 | Einstieg Wiederholung Motivation | Begrüßung. L. bittet S. mit ihren Josefsfiguren in den Stuhlhalbkreis. L. bittet S. den bisherigen Verlauf der Geschichte kurz zusammenzufassen. L. singt mit S. das Josef-Lied (Str. 1-3). | S. kommen in den Halbkreis, bringen Figuren mit. S. erzählen von Josef.. S. singen Josef-Lied. | Stuhlhalbkreis; Josefsfigur, Liedtext | LZ1 |
| ca. 10.00 | Erarbeitung 1 | L. erzählt den Fortgang der Geschichte. Die Träume des Pharao werden gemein-sam gelesen und mit Bewegungen unterstützt. L. fragt nach möglicher Bedeutung der Träume. L. erzählt Bedeutung der Träume. | S. hören zu. S. lesen u. machen Bewegungen zu den Träumen mit. S. versuchen, Träume zu deuten. | Stuhlhalbkreis; Josefsfigur, Gefängnismantel, Gedicht der Träume, Bild | LZ2 LZ3 |
| ca. 10.10 | Vertiefende Arbeitsphase | L. bespricht mit S. ein Arbeitsblatt, verteilt es an S., schickt sie zur Bearbeitung an die Tische. | S. gehen an ihre Plätze, füllen Lücken auf AB aus, malen ggf. an. | Wahlweise Einzel-/ Partnerarbeit; Arbeitsblatt | LZ4 |
| ca. 10.20 | Ergebnissicherung | L. beendet Arbeitsphase, vergleicht mit S. den Lückentext. | S. vergleichen ihr Geschriebenes. | Frontalunterricht; ABs, Folie, OHP | LZ4 |
| ca. 10.25 | Erarbeitung 2 | L. bittet S. erneut in den Stuhlhalbkreis, erzählt vom Aufstieg Josefs zum Stellvertreter des Pharao. L. bittet um kurze Zusammenfassung. | S. kommen in den Halbkreis, hören zu, kleiden die Josefsfiguren mit anderem Mantel an. S. wiederholen kurz die Geschehnisse der Stunde. | Stuhlhalbkreis; Josefsfigur, Königsmantel, Bild | LZ6 |
| ca. 10.30 | Vertiefung | L. bittet S., die neuen Strophen vorzule-sen. L. singt mit S. das Josef-Lied (Str. 4-6). | S. lesen vor. S. singen Josef-Lied. | Stuhlhalbkreis; Liedtext | |
| 10.35 | Stundenende | L. beendet die Stunde. | S. verlassen den Klassenraum. |
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