Navigation:
Wir üben für den Rollbrettführerschein
Datum: 17. November 2008 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Beschreibung:
In dieser Unterrichtsstunde sollen die SchülerInnen im Stationsbetrieb unter Anwendung gelernter Regeln mit dem Rollbrett umgehen (Steuern, Bremsen) können, indem sie die Aufgaben an den Stationen bewältigen. Somit verbessern sie ihre koordinativen Fähigkeiten. Durchgeführt in einer 1. Klasse.

Wir üben für den Rollbrettführerschein
Wir üben für den Rollbrettführerschein
Thema der Unterrichtseinheit: Wir üben für den Rollbrettführerschein
Thema der Unterrichtsstunde: Steuern und Bremsen wie Michael Schumacher
Lernziele der Stunde:
• Die Schüler können im Stationsbetrieb unter Anwendung gelernter Regeln mit dem Rollbrett umgehen (Steuern, Bremsen), indem sie die Aufgaben an den Stationen bewältigen.
• Die Schüler verbessern ihre koordinativen Fähigkeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Lerngruppenbeschreibung
1.1 Lernvoraussetzungen im Bezug auf die Unterrichtsstunde
2. Sachanalytische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
2.1 Das Rollbrett
2.2 Koordinative Fähigkeiten
3. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
4. Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
4.1 Beschreibung der Stationen
5. Methodische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
6. Literatur
1. Lerngruppenbeschreibung
Die Klasse 1b der Schule XXX setzt sich aus 26 Kindern zusammen. Davon sind 11 Jungen und 15 Mädchen. Die Klasse hat einen Ausländeranteil von 27%. Ein Junge ist koreanischer, vier Mädchen türkischer und zwei Jungen kurdischer Herkunft. Bis auf ein türkisches Mädchen beherrschen die ausländischen Kinder die deutsche Sprache gut, so dass sie dem Unterricht problemlos folgen können.
Die Klassenlehrerin Frau XXX unterrichtet die Klasse in allen Fächern bis auf Religion. Ich hospitiere jeden Tag mehrere Stunden in der Klasse und unterrichte vier Stunden eigenständig Mathematik. In der Sportstunde ist die Klassenlehrerin Frau XXX als Doppelbesetzung mit in der Klasse.
Die Schüler sind im Sportunterricht in der Regel sehr motiviert und mit Freude dabei, zeitweise aber auch lebhaft und unruhig. Das Arbeiten an Stationen ist in dieser Klasse beliebt und für die Kinder mit einem großen Aufforderungscharakter verbunden. Es bietet den Kindern die Möglichkeit ihre Fähigkeiten individuell zu testen und an ihre Grenzen zu stoßen. Die Schüler haben in vorangegangenen Stunden schon zwei Mal im Stationsbetrieb mit vorgegebenen Wechseln gearbeitet und zeigten sich hier immer sehr motiviert.
Manche Kinder (XXX, XXX, XXX) neigen mit ihrem Übereifer in solchen Unterrichtssituationen dazu, Regeln zu ignorieren und andere Kinder in den Hintergrund zu drängen. Sie werden dann von mir zur Einhaltung der Regeln aufgefordert. Die Organisationsform des Sitzkreises und das Besprechen von Regeln sind der Klasse ebenfalls bekannt. Einigen Schülern fällt es aber oft schwer, in solchen Phasen der Lehrkraft oder anderen Kindern zuzuhören. Sie fallen in solchen Unterrichtssituationen durch störendes Verhalten auf (siehe Einzelbeschreibung). Hier bedarf es häufig der mehrmaligen Ermahnung, wodurch diese Phase mehr Zeit in Anspruch nimmt.
Hinsichtlich des Sozialverhaltens ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zu fairem Verhalten vor allem bei den meisten Mädchen ausgeprägt. Bei vielen Jungen hängt die Bereitwilligkeit zur Kooperation hingegen von der Zusammensetzung der Kleingruppen ab. Die meisten Schüler sind nicht bereit mit Aran zusammen zu arbeiten (Konsequenz, siehe Einzelbeschreibung).
Im Folgenden möchte ich einige Schülerinnen und Schüler vorstellen, die im Unterricht durch ihr Verhalten besonders auffallen.
| Name | Problematik im Fach Sport | Konsequenzen für die Std. |
| XXX | XXX ist ein sehr lebhaftes Kind. Sie ist stets bemüht, Aufmerksamkeit zu bekommen. Dabei stört sie oft den Unterricht und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, indem sie im Sitzkreis Sachen hereinruft oder verschiedene Geräusche macht. Ihr fällt es schwer sich an vereinbarte Regeln zu halten. Somit muss sie oft an Vereinbarungen erinnert werden. | In der heutigen Stunde ist zu erwarten, dass XXX sich nicht auf ihre eigenen Aufgaben konzentriert. Ich werde sie im Einzelgespräch zur Einhaltung der Regeln auffordern und individuell reagieren. |
| XXX | XXX ist ein kurdischer Junge, der die deutsche Sprache jedoch gut versteht. Trotzdem führt er Arbeitsaufträge oft falsch aus, da er sie entweder inhaltlich nicht verstanden hat oder nicht richtig aufgepasst hat. Er ist etwas korpulenter und wirkt dadurch sehr träge. XXX hat nicht viele Freunde in der Klasse, da er seine Mitschülerinnen und Mitschüler absichtlich zu ärgern scheint. | Wahrscheinlich werden XXX die Übungen schwer fallen. Deshalb ist zu erwarten, dass er gar nicht versuchen wird seine Grenzen zu testen, sondern sich lediglich die einfachste Variante heraussuchen wird. Wenn nötig, werde ich ihn auf das jeweilige Differenzierungsangebot hinweisen. |
| XXX | XXX ist ein sehr lautes Kind. Er spricht deutlich lauter als seine Mitschüler und ist stets bemüht diese abzulenken. Wenn man ihn ermahnt, ist er sich oft keiner Schuld bewusst. Auch ihm fällt es schwer sich an Regeln zu halten. | In der heutigen Stunde ist zu erwarten, dass XXX die Aufgaben für sich als zu einfach einschätzt und somit seine Gruppenmitglieder ablenken möchte. Ich werde ihn dann auf die jeweils schwierigere Variante der Übungen hinweisen. |
| XXX | XXX ist ein aufgeschlossener Junge, der von allen Kindern sehr gemocht wird. Er ist sehr hilfsbereit und setzt sich immer für seine Mitschüler ein. | In der heutigen Stunde ist zu erwarten, dass XXX die Übungen gut ausführen wird. Ich werde ihn auf die jeweils schwierigere Variante der Übungen hinweisen. Falls einige Kinder etwas nicht verstehen, bitte ich XXX sie zu unterstützen. |
nach oben
1.1 Lernvoraussetzungen im Bezug auf die Unterrichtsstunde
Die Klasse ist sehr sportbegeistert und lässt sich gern auf neue Lerninhalte ein. Der Leistungsstand der Kinder im Fach Sport ist sehr unterschiedlich. Viele Kinder (XXX XXX, XXX, XXX) treiben auch in ihrer Freizeit Sport, spielen auf dem Schulhof in den Pausen Fußball und besuchen die Ballsport- oder Tanz AG der Schule. Einige der Kinder (XXX, XXX, XXX und XXX) sind dagegen nicht sehr belastbar, ermüden schnell oder weisen Schwächen im motorischen Bereich auf. XXX und XXX besuchen einmal die Woche den Psychomotorik - Förderkurs.
Die Klasse 1b konnte bereits in zwei Doppelstunden Erfahrungen mit dem Rollbrett sammeln. Dabei ist aufgefallen, dass es einigen Kindern schwer fällt die Geschwindigkeit mit dem Rollbrett einzuschätzen bzw. mit ihr umzugehen. Da dies Voraussetzungen für ein sicheres Umgehen mit dem Rollbrett sind, sind die Stationen so gewählt, dass sie dem Steuern und Bremsen gerecht werden. Deshalb wird das Thema „Bremsen und Steuern (Ausweichen)" in dieser Unterrichtsstunde aufgegriffen.
XXX, XXX, XXX und XXX zeigten im Umgang mit dem Rollbrett bereits große Sicherheit und waren teilweise recht forsch. Ich werde sie gezielt an den Stationen auf die Differenzierungsmöglichkeiten hinweisen. Andere Schüler (XXX, XXX, XXX und XXX) waren eher unsicher und tasteten sich zunächst langsam an das Sportgerät heran. Da nicht für jeden Schüler ein Rollbrett zur Verfügung steht, mussten sich die Schüler mit einem Partner abwechseln. Das funktionierte meist gut.
nach oben
2. Sachanalytische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
2.1 Das Rollbrett
Das Rollbrett ist ein ca. 60x35 cm großes Schichtholzbrett mit abgerundeten Kanten, und vier allseitig drehbaren kugelgelagerten Hartgummilenkrollen. Die Löcher auf beiden Seiten erlauben Zugseile zu benutzen. Neben den tradierten Sportgeräten werden immer mehr die sog. „psycho-motorischen Übungsgeräte" eingesetzt (Schwungtuch, Pedalo, Wackelbrett, Rollbrett usw.) Die Geräte besitzen oft eine sehr starke Eigendynamik, die die Kinder zum Ausprobieren, Konstruieren und Experimentieren herausfordert (vgl. Bundesgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung, 2001, S.72). Durch den Einsatz von Rollbrettern ergeben sich eine Fülle von Bewegungsmöglichkeiten, die in weiten Bereichen Spaß und Freude und zudem grundlegende koordinative Fähigkeiten wirkungsvoll vermitteln können (vgl. Lange, 2005, S.42). Da der Einsatz von Rollbrettern neben einem besonderen Spaßfaktor einen erhöhten Risikofaktor darstellt, müssen die Regeln gemeinsam und ausführlich besprochen werden, bevor die Rollbretter zum Einsatz kommen.
nach oben
2.2 Koordinative Fähigkeiten
Die koordinativen Fähigkeiten bewirken, dass die Impulse innerhalb eines Bewegungsablaufes zeitlich, stärke- und umfangmäßig aufeinander abgestimmt werden und die entsprechenden Muskeln erreichen. Koordinative Fähigkeiten sind Voraussetzung für alle motorischen Tätigkeiten des Menschen und somit auch für das Erlernen und Ausüben jeglicher Sportarten (vgl. Meinel/Schnabel, 1998, S.220). Je besser die koordinativen Fähigkeiten ausgebildet sind, desto schneller und leichter können neue Bewegungen erlernt werden. Dabei sind vielfältige Bewegungserfahrungen im Kindesalter entscheidend, um zu einer höheren Bewegungssicherheit im Erwachsenenalter beizutragen (vgl. Hessischer Rahmenplan, 1995, S.20).
Um den Anforderungen der vorliegenden Sportstunde gerecht zu werden, müssen die Schüler über bestimmte koordinative Fähigkeiten verfügen, die dadurch gleichzeitig geschult werden.
KOSEL unterscheidet fünf für den Grundschulsport relevanten Fähigkeiten (vgl. Kosel, 2001, S.10). Diese werden im Folgenden erläutert und beispielhaft in Beziehung zur vorliegenden Sportstunde dargestellt:
Gleichgewichtsfähigkeit: Fähigkeit, den Körper im Gleichgewichtszustand zu halten bzw. diesen wieder herzustellen.
Unterrichtsstunde: Sich mit dem Rollbrett fortbewegen und den Körper dabei im Gleichgewicht halten = dynamisches Gleichgewicht.
Orientierungsfähigkeit: Fähigkeit zur Bestimmung und zielangepassten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers im Raum.
Unterrichtsstunde: Die Fahrlage ändern; sich bei der Durchfahrt eines Tunnels im Liegen im Raum orientieren und ans Ende des Tunnels gelangen.
Reaktionsfähigkeit: Fähigkeit, auf verschiedene Reize schnell und situationsgerecht zu reagieren.
Unterrichtsstunde: Beim Slalom auf die Stangen reagieren und diese umfahren oder einem entgegenkommenden Rollbrettfahrer ausweichen.
Differenzierungsfähigkeit: Fähigkeit, eine Bewegung sicher, genau und ökonomisch auszuführen.
Unterrichtsstunde: Die sichere Fortbewegung auf dem Rollbrett und ein angemessenen dosierten Krafteinsatz beim Schwung geben mit dem Bein oder dem Arm.
Rhythmusfähigkeit: Fähigkeit, einen von außen vorgegebenen Rhythmus zu erfassen und motorisch umzusetzen.
Unterrichtsstunde: Die im gleichen Abstand aufgestellten Stangen im Slalom umfahren.
Neben den genannten Fähigkeiten nach KOSEL ist für die vorliegende Stunde die Kopplungsfähigkeit relevant, die daher ergänzend dargestellt wird.
Kopplungsfähigkeit: Fähigkeit, Teilkörperbewegungen bzgl. eines bestimmten Handlungsziels räumlich, zeitlich und dynamisch aufeinander abzustimmen (vgl. Meinel/Schnabel, 1998, S.214).
Unterrichtsstunde: Mit zusätzlich einem Sandsäckchen auf dem Kopf oder einem Ball zwischen den Beinen ganz ruhig auf dem Rollbrett sitzen und die Geschwindigkeit des Rollbrettes darauf abstimmen.
nach oben
3. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
| Einheit | Stundenthema | Stundenziel |
| 1 | Besprechung unserer Rollbrettregeln und Sammeln erster Bewegungserfahrungen mit dem Rollbrett | Schüler kennen und verstehen die erarbeiteten Rollbrettregeln. Schüler können mit dem Rollbrett in verschiedenen Lagen rollen. |
| 2 | Rollbrettideen (Rollbrettfahrzeuge) mit dem Partner und in der Gruppe entwickeln. | Schüler können eine Abstimmung über Schnelligkeit, Zielort und Rhythmus gemeinsam mit dem Partner oder in der Gruppe treffen. |
| 3 | Steuern und Bremsen wie Michael Schumacher. | Schüler können im Stationsbetrieb unter Anwendung gelernter Regeln mit dem Rollbrett geschickt umgehen (Steuern, Bremsen), indem sie die Aufgaben an den Stationen bewältigen. |
| 4 | Die erlernten Fertigkeiten mit dem Rollbrett werden überprüft: Durchführung der Führerscheinprüfung und Verteilung der Führerscheine | Schüler können mit dem Rollbrett die „Führerschein- Stationen“ bewältigen. |
nach oben
4. Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
Die Fortbewegungsarten Rollen, Gleiten und Fahren nehmen in unserer mobilen Gesellschaft und in der modernen Freizeit einen hohen Stellenwert ein. Durch die veränderte Freizeitgestaltung der Kinder (Skateboard und Inliner fahren, Roller fahren) hat sich das Erfahrungsfeld der Kinder verändert, so dass rollende Geräte für sie einen starken Anreiz darstellen. Diesem Sachverhalt muss „ein an der (Um-) Welt der Kinder orientierter Sportunterricht Rechnung tragen" (Hessischer Rahmenplan, 1995, S. 234).
Der Sportunterricht zielt neben der Förderung der körperlichen und motorischen Entwicklung, auch auf das Sammeln von Körpererfahrungen, materiellen Erfahrungen und sozialen Erfahrungen ab. Da für eine erfolgreiche erste Auseinandersetzung mit dem Rollbrett nur ein geringes Maß an Technik erforderlich ist, ist das Rollbrett im Vergleich zu herkömmlichen Geräten auch für leistungsschwache Kinder nicht mit negativen Erfahrungen besetzt. Das Rollbrett besitzt einen hohen Aufforderungscharakter. Das Gefühl, sich schneller und leichter als zu Fuß fortbewegen zu können, fasziniert und verlockt zu immer neuen spontanen Bewegungen (vgl. Möller, 2006, S. 5).
Die im Grundschulalter erworbenen koordinativen Fähigkeiten sind sehr bedeutsam für Bewegungshandlungen im gesamten späteren Leben. Je umfangreicher, stabiler und abwechslungsreicher die Bewegungserfahrungen aus den ersten Jahren der Schulzeit sind, desto höher ist die Bewegungssicherheit im Erwachsenenalter (vgl. Hessischer Rahmenplan, 1995, S. 20). Außerdem findet durch das Fahren auf dem Rollbrett eine allgemeine Kräftigung unterschiedlicher Muskelgruppen (vornehmlich Rückenmuskulatur, Schultergürtel- und Armmuskulatur und Gesäßmuskulatur) statt (vgl. Butte/Stündl, 2000, S. 147).
Darüber hinaus wird mit dieser Unterrichtseinheit auch die Verbesserung der sozialen Kompetenz angestrebt. Der Umgang mit den Rollbrettern verlangt besondere Rücksichtnahme und Kooperationsbereitschaft gegenüber anderen (vgl. Hessischer Rahmenplan, 1995, S. 234). Da nicht für jeden Schüler ein Rollbrett zur Verfügung steht, müssen sich die Schüler mit einem Partner abwechseln. Dies und die eigenständige Umsetzung der Stationen verlangen ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft.
Da die Alltagsmotorik vieler Schüler heute aufgrund des vermehrten Medienkonsums zunehmend verarmt, ist es besonders wichtig, dass die Schüler durch individuelle, sportartenübergreifende Spiel- und Bewegungserfahrungen Anregungen zur Gestaltung ihrer Freizeit erhalten (vgl. Hessischer Rahmenplan, 1995, S. 234).
Die Entwicklung wesentlicher koordinativer Fähigkeiten (siehe 2.1), die Erweiterung der sozialen Kompetenz beim Spielen und Üben mit anderen sowie die Förderung einer realistischen Einschätzung des eigenen Könnens zählen zu den allgemeinen Aufgaben und Zielen des Sportunterrichts, zu deren Erreichen die vorliegende Stunde beitragen kann (vgl. Hessischer Rahmenplan, 1995, S. 222).
Die Unterrichtstunde ist dem im Rahmenplan aufgeführten Handlungsbereich Rollen- Gleiten- Fahren zuzuordnen. Ein Ziel innerhalb dieses Handlungsbereiches ist es, dass die Kinder im spielerischen, experimentierenden und angeleiteten Umgang die Möglichkeiten der Fortbewegung mit Roll-, Gleit- und Fahrgeräten erproben (vgl. Hessischer Rahmenplan, 1995, S. 234). Des Weiteren sind neben der Orientierung im Raum, Gleichgewichtsschulung, Geschwindigkeitseinschätzung, Kooperationsbereitschaft sowie Fähigkeiten des Lenkens, Steuerns und Transportierens wichtige Ziele (vgl. Hessischer Rahmenplan, 1995, S.234). Bezogen auf den Bereich des Rollens wird diesen Zielen in der heutigen Stunde durch die vielfältigen Fortbewegungsarten mit dem Rollbrett Rechnung getragen.
In der Schule am Hang dürfen die Schüler in der freien Bewegungszeit die Rollbretter nur nutzen, wenn ihnen die Regeln der Nutzung des Rollbrettes bekannt sind. Da die Schüler der Klasse 1b großes Interesse an den Rollbrettern zeigten, haben wir uns gemeinsam entschieden, einen Rollbrett - Führerschein zu machen, um die Regeln und den Umgang mit dem Rollbrett zu erlernen.
Aufgrund einer Vielzahl an Möglichkeiten das Rollbrett im Sportunterricht zu thematisieren, ergibt sich die Notwendigkeit Schwerpunkte zu setzen, die im Folgenden aufgeführt werden sollen.
Da die Schüler in dieser Einheit bisher nur die Rollbrett-Regeln erarbeitet und erste Erfahrungen mit dem Rollbrett gesammelt haben, wird ihnen in der vorliegenden Stunde die Möglichkeit gegeben, konkret an Stationen für den Rollbrettführerschein zu üben. Die Stationen entsprechen den Stationen, die sie in der darauf folgenden Stunde für den Rollbrettführerschein absolvieren müssen. Ich habe mich dafür entschieden, weil die Kinder die jeweiligen Anforderungen üben können und durch die Vertrautheit der Stationen ein reibungsloser Ablauf der „Rollbrett- Prüfung" gewährleistet ist.
In den vorherigen Stunden ist mir aufgefallen, dass die meisten Schüler das Rollbrett nur anschieben und nicht eine bestimmte Position auf dem Rollbrett einnehmen. Ich werde bei der Besprechung der Stationen darauf hinweisen, dass das Rollbrett zwar angeschoben werden kann, jedoch nach der Beschleunigung eine Position (Bauchlage, kniend etc.) eingenommen werden soll. Falls sich Schüler daran nicht halten, werde ich sie einzeln nochmals daran erinnern. Wenn jedoch Schüler Probleme mit den Rollbrettpositionen haben, dürfen sie auch das Rollbrett anschieben.
Stationsarbeit bietet sich in dieser Stunde an, da sie durch ihren Aufbau gewährleistet, dass alle Kinder nahezu gleichzeitig die Aufgaben durchführen können und die Schüler erhalten innerhalb dieser Arbeitsform die Möglichkeit, „ihr Können, aber auch die Grenzen ihres Könnens erproben und erleben zu können" (Hessischer Rahmenplan, 1995, S. 223).
Die Geschichte (wir üben wie Michael Schumacher), in der die Stunde eingegliedert ist, bietet den Kindern einen Rahmen, der meines Erachtens, für eine erste Klasse angemessen ist und zu einer höheren Motivation bei Kindern dieses Alters führt.
nach oben
4.1 Beschreibung der Stationen
Station 1 - „blauer Übungsplatz": Bremsstrecke
Die Kinder knien sich auf das Rollbrett und nehmen mit den Händen Schwung. Sie fahren bis zu einer vorher vereinbarten Markierung. Dort bremsen sie ab. Wer benötigt den kürzesten Bremsweg? Der Bremsweg kann von den Mitschülern an Hand von Zonen bestimmt werden.
Ziele: Kraftdosierung schulen, Abbremstechnik erproben und festigen.
Materialien: Rollbretter, Stangen zur Linienmarkierung, Kreppband als Zonenmarkierung.
Das Empfinden physikalischer Kräfte beim Beschleunigen und Bremsen haben für die Schüler einen außerordentlichen Erlebnisgehalt.
Differenzierung: Geschwindigkeit kann variiert werden, Beschleunigung kann in unterschiedlichen Positionen stattfinden (Anlaufen und auf das Brett knien).
Station 2 - „gelber Übungsplatz":Gefahrenguttransporter
Die Kinder haben „eine gefährliche Fracht an Bord". Sie stellen einen Gegenstand auf ihr Rollbrett und müssen damit eine bestimmt Strecke absolvieren, ohne dabei „die Fracht" zu verlieren. An dieser Station kann dir Ware auch nur geschoben werden.
Ziele: Krafteinsatz dosieren, Geschicklichkeit verbessern, Transportmöglichkeiten überlegen und ausprobieren.
Materialien: Rollbretter, Parcours, Taschentuchpäckchen, Kegel, Figuren
Für Kinder hat das Transportieren von Gegenständen einen hohen Alltagsbezug. Beim Spielen mit Bauautos steht das Transportieren von „Ladungen" an erster Stelle. Auch die Alltagsgegenstände (Figuren) sorgen für eine höhere Motivation.
Differenzierung: Geschwindigkeit und Rollbrettposition können variiert werden. Gegenstände sind unterschiedlich schwer zu transportieren (Kegel fällt leichter herunter).
Station 3 - „roter Übungsplatz": Tunnelfahrten
Die Kinder sollen den Parcours durchfahren, ohne dabei die Hindernisse zu berühren. In den Tunneln ist es eng und dunkel. Die Kinder sollen versuchen möglichst schnell, aber ohne Berührungen durch alle Tunnel zu fahren. Die Richtung des Parcours ist durch Pfeile (Kreppband) auf dem Hallenboden markiert.
Ziele: Orientierungsfähigkeit schulen, Fortbewegung auf dem Rollbrett unter erschwerten Bedingungen üben (Steuern, Bremsen, Beschleunigen).
Materialien: Rollbretter, Bänke, Stangen, Matten, Softbälle
Das Empfinden physikalischer Kräfte beim Beschleunigen, Kurven fahren und Bremsen, der Stolz und die Freude bei der Bewältigung von Hindernissen, lösen Faszination und Glückserfahrungen aus. Das Durchfahren von Hindernissen, die dunkel sind, steigern die Motivation und Neugier. Die Schüler müssen sich überwinden, durch die flachen, dunklen Tunnel zu fahren.
Differenzierung: Geschwindigkeit und Rollbrettposition können variiert werden. Ein Gegenstand (Softball) kann dabei in Bauchlage zwischen den Füßen festgehalten werden.
Station 4 - „bunter Übungsplatz": Ausweichmanöver
Die Kinder sollen mit Schwung auf den Lotsen (Mitschüler) zufahren, der auf einem Kasten steht. Er zeigt ihnen dann mit den Armen an, ob sie rechts oder links an ihm vorbeifahren sollen. Danach umfahren sie ein Hütchen, dass linke/rechts neben dem Kasten steht und die Rollen werden getauscht.
Ziele: Reaktionsfähigkeit schulen, Abbremstechnik schulen, Fahrtrichtungen ändern (Steuern).
Materialien: Rollbretter, kl. Kasten, Hütchen
Neben dem Empfinden der Beschleunigung, des Kurvenfahrens und des Bremsens stellt das schnelle Reagieren und Handeln eine große Herausforderung und Motivation dar. Diese Fähigkeiten auf dem Rollbrett sind grundlegend für zahlreiche Aktivitäten in der Freizeit und auch für die Sicherheit und Mobilität im Straßenverkehr.
Differenzierung: Geschwindigkeit und Rollbrettposition kann variiert werden.
nach oben
5. Methodische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
Vor der Stunde werde ich die Stationen aufbauen, da dies innerhalb der Stunde zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Nach der Stunde werden die Kinder gemeinsam die Stationen abbauen.
Ziel dieser Stunde ist das geschickte Fortbewegen (Steuern, Bremsen) mit dem Rollbrett und die Bewältigung der Aufgaben an den Stationen.
Die Schüler werden für den Stationsbetrieb in Gruppen (durch Leibchen markiert) eingeteilt, um ihnen die Zugehörigkeit zur Gruppe zu verdeutlichen und um Problemen beim Wechseln vorzubeugen.
Aus Zeitgründen werde ich bereits beim Umziehen die Schüler in Gruppen einteilen und durch Leibchen kennzeichnen. Die Gruppeneinteilung wird im Vorfeld von mir vorgenommen, um bestimmte Gruppenkonstellationen zu vermeiden.
Zu Beginn der Stunde werden sich die Schüler gemeinsam im Sitzkreis treffen. Dieses Ritual gehört zum festen Bestandteil des Sportunterrichts. Die Kinder wissen, dass in dieser Phase der weitere Ablauf besprochen wird. An den zuvor aufgebauten Stationen stehen Stoppschilder, die den Kindern signalisieren, dass sie die Stationen noch nicht betreten, bzw. benutzen dürfen.
Im Sitzkreis wird das Bild von Michael Schumacher gezeigt, um die Motivation der Schüler zu steigern. Anschließend wird das Bewegungsspiel „Flugreise" erklärt. Dieses ermöglicht den Schülern ihren Bewegungsdrang zu stillen und gleichzeitig die Erklärung der Stationen zu integrieren. Die Kinder bewegen sich wie Flugzeuge (Arme seitlich ausgestreckt) in der Halle. Bei jedem Musikstopp müssen sie sich schnellstmöglich zum Fluglotsen (LiV) begeben, der jeweils immer an einer Station stehen wird. Dabei wird jede Station erklärt und gegebenenfalls durch ein Kind oder die LiV vorgemacht. Nach Erklärung einer Station „fliegen" die Schüler weiter und erhalten immer neue Bewegungsaufgaben bis die Musik wieder stoppt. An dieser Stelle wäre auch ein Einstimmungsspiel und ein anschließendes Erklären der Stationen möglich gewesen. Ich habe mich für die obige Variante entschieden, da somit ein langes Sitzen während der Erklärungsphase vermieden werden kann.
Nach dem Aufwärmspiel werden die Rollbrettregeln von den Schülern wiederholt und an die Magnettafel gehängt. Die Regelwiederholung ist wichtig zur sicheren Nutzung des Rollbrettes. Das Visualisieren der Regeln auf Karten ermöglicht die Nutzung unterschiedlicher Lerneingangskanäle und unterstützt so die Merkfähigkeit der Schüler.
1. Stelle dich nie auf das Rollbrett.
2. Halte mit den Händen genügend Abstand zu den Rollen.
3. Drehe das Rollbrett bei Übungspausen um.
Eine weitere Regel, die den Schüler schon bekannt ist:
1. Vor dem Stationswechsel werden die Stationen aufgeräumt (erster Pfiff).
Der Stationsbetrieb ist der Klasse bereits bekannt. Um jedoch den Kindern das Zuordnen zur jeweiligen Station und die Wechsel zu erleichtern, werden Hinweise (Farben, Pfeile) verwendet. Einigen Kindern der Klasse fällt es schwer sich an vereinbarte Regeln zu halten. Somit werden die Rollbrettregeln gemeinsam besprochen und gegebenenfalls erneut darauf hingewiesen. Ich werde besonders auf das Zurücklegen der Materialien vor dem Stationswechsel achten, da dies für diese Art von Stationen besonders wichtig ist. Vor dem Wechsel der Stationen müssen die Kinder, sobald einmal gepfiffen wird, die Stationen „aufräumen" (Geräte in Kästen legen, Rollbretter umdrehen). Dies soll verhindern, dass herumliegende Geräte zur Gefahrenquelle werden. Außerdem kann so die nachfolgende Gruppe sofort mit der Station beginnen. Nach zweimaligem Pfiff dürfen die Kinder die Stationen im Uhrzeigersinn wechseln und sofort beginnen.
Ich habe mich dazu entschlossen, den Stationswechsel vorzugeben, um den Gruppen genügend Zeit an einer Station zu lassen, den Schülern einen klaren Orientierungsrahmen zu geben und um Andrang an den „beliebten Stationen" zu vermeiden. Die P-Schilder (Parkplätze) markieren jeweils den Startpunkt einer Station. Das zusätzliche Hinweisschild erinnert außerdem daran, die Rollbretter umgedreht zu parken, um zu verhindern, dass diese wegrollen und um damit Verletzungen zu vermeiden.
Die Stationen werden als Übungsplätze von Michael Schumacher vorgestellt. Durch farbige Bilder werden die Übungsplätze gekennzeichnet. Die Schüler, die ein blaues Leibchen tragen, beginnen an dem „blauen Übungsplatz" usw.
Durch die Organisationsform des Stationslernens wird jedem Kind eine hohe individuelle Bewegungs- und Übungszeit mit einer großen Anzahl von Rollerfahrungen ermöglicht. Da nicht für jeden Schüler ein Rollbrett vorhanden ist, müssen sich die Schüler immer mit einem Partner abwechseln. Bei zwei Stationen hat der Partner jeweils eine Aufgabe (Lotse, Bremsweg feststellen), dass somit die Wartezeit sinnvoll genutzt wird. Die anderen beiden Stationen werden im Umlauf betrieben, um auch somit lange Wartezeiten zu vermeiden. Station 2/4 werden zweimal aufgebaut, sodass dort eine hohe Wiederholungszahl möglich ist.
In den vier unterschiedlichen Stationen können die Schüler ihre Fortbewegungsart mit dem Rollbrett verbessern und gezielt für den Rollbrett- Führerschein üben.
Differenzierungen innerhalb der einzelnen Stationen sind durch verschiedene Zusatzmaterialien gewährleistet. Zudem ist an jeder Station eine Differenzierung durch die selbstgewählte Geschwindigkeit und Rollbrettposition gegeben.
Während den Stationen beobachte ich die Schüler bei ihren Aktionen und biete ihnen bei Bedarf konkrete Hilfe an.
Nach dem Stationsdurchlauf erhalten die Schüler die Möglichkeit über ihre Erfahrungen an den Stationen zu berichten. Dazu sollen sie eine Wäscheklammer mit ihrem Namen an Smileys klemmen. Es gibt einen lachenden und einen neutralen Smiley. Diese Smileys zeigen an, ob man seinem Rollbrettführerschein in dieser Übungsstunde näher gekommen ist oder ob man noch bei manchen Stationen Probleme hat. Der lachende Smiley steht für „alle Stationen gut bewältigt", der neutrale Smiley für „Probleme an Stationen". Neben dem „lachenden Smiley werden die Rollbrettführerscheine angebracht sein. Somit erhalten die Schüler Gelegenheit ihre Führerscheine zu bewundern und Motivation für die „Prüfung" zu erhalten. Dies kann jedoch zu leichter Verzögerung führen, da die Führerscheine jeweils mit einem Bild versehen sind und jedes Kind sich bestimmt sehen möchte.
Es ist zu erwarten, dass die meisten Schüler sich zum „lachenden" Smileys klemmen, um vor der Klasse nicht bloßgestellt zu werden. Ich sehe darin kein Problem, da es mir darauf ankommt, dass sich die Schüler anschließend zu ihren Erfahrungen äußern und somit vielleicht dann merken, dass es doch an einigen Stationen Probleme gab. Selbsteinschätzung fällt Kindern in der ersten und zweiten Klasse noch sehr schwer. Meistens wird die eigene Leistung überschätzt. Ziel sollte es sein, den Schüler von Beginn an ein Gefühl für das eigene Leistungsvermögen zu geben. Ein Ziel des Sportunterrichts ist, die Schüler zu einer realistischen Einschätzung des eigenen Könnens zu bringen (vgl. Hessischer Rahmenplan, 1995, S. 222).
Anschließend können sich die Schüler zu ihren Wäscheklammern äußern. Falls es zu Problemen gekommen ist, haben die Schüler die Möglichkeit in der kommenden Bewegungsstunde nochmals an ihren Problemen zu arbeiten.
Nach der Reflexionsrunde bauen die Schüler die Stationen gemeinsam ab. Jede Gruppe baut die Station ab, an der sie begonnen hat. Falls einige Schüler mit dem Abbau fertig sind, helfen sie den anderen Gruppen.
Die Stunde endet mit einer Ruhephase. Die Kinder legen sich auf den Rücken in den Kreis und schließen ihre Augen. Währenddessen sollen sich die Schüler vorstellen sie sind ein Flugzeug und fliegen in verschiedenen Landschaften. Das Flugzeug muss ab und zu eine Pause einlegen und lässt alle Kinder heraus, deren Name mit einem A, J, T etc. anfängt. Dies ist für die Schüler das Zeichen die Turnhalle leise zu verlassen und sich umzuziehen. Dabei können die Schüler zur Ruhe kommen und wiederholen gleichzeitig die Buchstaben, die sie im Deutschunterricht gelernt haben.
nach oben
6. Literatur
- Hessisches Kultusministerium (Hrsg.), (1995): Rahmenplan Grundschule. Wiesbaden.
- Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (Hrsg.), (1995): Tips & Tops für eine ganzheitliche Bewegungsförderung in der Grundschule. Wiesbaden.
- Butte, A. & Stündl, H. (2000): Sportförderunterricht. Material für die Ausbildung und Unterricht. Wiesbaden.
- Kosel, A. (2001): Schulung der Bewegungskoordination. Schorndorf: Hofman.
- Köckenberger, H. (2006): Rollbrett, Pedalo und Co. Bewegungsspiele mit Materialien aus Psychomotorik, Sport und Freizeit. Dortmund: Borgmann Media.
- Lange, A. (2005): Das Rollbrett- ein Spielgerät mit vielfältigen Möglichkeiten. In: Sportpraxis 46, 3/2005. Seite 42- 45.
- Meinel, K. & Schnabel, G. (1998): Bewegungslehre- Sportmotorik. Abriss einer Theorie der sportlichen Motorik unter pädagogischem Aspekt. Berlin: Sportverlag GmbH.
- Möller, N. (2006): Das Rollbrett: Eine Kartei mit Übungen und Spielen. Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr.
nach oben
Kommentare (0)
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Material!











