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Wir rollen und drücken den Ton
Datum: 06. Februar 2009 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Beschreibung:
Die SchülerInnen sollen in dieser Unterrichtsstunde erfahren, dass Ton sich mit den Händen auf verschiedene Weise verformen lässt, indem sie Gestaltungstechniken kennen lernen und Gestaltungselemente wie Walze und Kugel aktiv-handelnd herstellen. Durchgeführt in einer 3. Klasse.

Wir rollen und drücken den Ton
Wir rollen und drücken den Ton!
Thema der Reihe
Ziel der Reihe
Ziel der Stunde
Verlauf der Reihe
Begründung von Ziel und Thematik
Richtlinienbezug
Richtlinien NRW für die Förderung schwerstbehinderter Schüler in Sonderschulen
Ergänzung aus den Bayrischen Richtlinien
Zielorientierte Handlungsschritte
Sachanalyse
Arbeitsschritte dieser Unterrichtsstunde
Zielbezogene Lernvoraussetzungen
Verlaufsplanung
Didaktisch-methodischer Kommentar
Literaturverzeichnis
Thema der Reihe:
Wir gestalten mit dem Material Ton!
Ziel der Reihe:
Die Schüler sollen vielfältige Erfahrungen mit dem Material Ton machen. Dabei sollen sie neben fantasievollem Tun und schöpferischem Gestalten lernen, elementare Formen herzustellen. So sammeln sie Materialerfahrungen, die sie dazu befähigen aus ihrer Phantasie heraus im konstruktiv-bauenden Sinn etwas zu gestalten.
Ziel der Stunde:
Die Schüler sollen erfahren, dass Ton sich mit den Händen auf verschiedene Weise verformen lässt, indem sie Gestaltungstechniken kennen lernen und Gestaltungselemente wie Walze und Kugel aktiv-handelnd herstellen.
Verlauf der Reihe:
1. Stunde
Thema: Wir mauken den Ton! Ein Ausflug in eine Töpferei!
Ziel: Durch das Bearbeiten des Materials Ton mit den Füßen, sollen die Schüler grundlegende Erfahrungen mit den Materialeigenschaften und der Verformbarkeit des Werkstoffes sammeln.
2. Stunde
Thema: Wir kneten nach Musik! Erste Tonerfahrungen mit den Händen!
Ziel: Nach der Musik von Camille Saint-Saens „Karneval der Tiere" sollen die Schüler den Ton nach eigenen Vorstellungen, Stimmungen und Empfindungen auf vielfältige Weise mit den Hände bearbeiten.
3. Stunde
Thema: Wir rollen und drücken den Ton!
Ziel: Die Schüler sollen erfahren, dass Ton sich mit den Händen auf verschiedene Weise verformen lässt, indem sie Gestaltungstechniken kennen lernen und Gestaltungselemente wie Walze und Kugel handelnd-aktiv herstellen.
4. Stunde
Thema: Wir gestalten Figuren aus Ton!
Ziel: Durch das zielgerichtete Gestalten mit den erlernten Gestaltungselementen sollen erste figürliche Darstellungen entwickelt werden.
5. Stunde
Thema: Wir lernen unterschiedliche Modellier-Arbeitsmittel kennen!
Ziel: Die Schüler sollen weiter in ihrer gestalterischen Auseinandersetzung mit dem Material Ton gefördert werden, indem sie neben der Bearbeitung mit Händen und Fingern, Arbeitsmittel, wie Modellierhölzer, Messer, Siebe, Rollen, u.a. kennen und anwenden lernen.
6. Stunde
Thema: Wir gestalten Tonwichtel als Weihnachtsgeschenk!
Ziel: Die Schüler sollen lernen aus den bereits gelernten Grundelementen weitere geometrische Formen wie Kegel und Würfel herzustellen und zu einem Tonwichtel zusammenzustellen.
7. Stunde
Thema: Wir brennen und glasieren unsere Tonwichtel im Brennofen!
Ziel: Die Schüler sollen erfahren, dass sich die Materialbeschaffenheit des Tones verändert, nachdem ihre Tonwichtel im Brennofen gebrannt wurden. Anschließend werden die Tonwichtel glasiert und erneut gebrannt.
8. Stunde
Thema: Wir besuchen die Töpferei noch einmal!
Ziel: Die Schüler sollen durch einen zweiten Besuch der Töpferei ihr Wissen über den Werkstoff Ton vertiefen und anhand von Anschauungsobjekten erfahren, welche weiteren Möglichkeiten der Tongestaltung möglich sind.
Begründung von Ziel und Thematik:
Die Schüler haben bereits mit unterschiedlichen Knetmaterialien, vor allem im Fach Sprache, hantiert. Das Material Ton ist für sie in der Schule noch nicht erarbeitet worden. Das figürliche Gestalten ist eine Methode aus dem gestalterischen Arbeitsbereich der Kunstdidaktik. Zu den fachspezifischen Lernformen des Kunstunterrichts gehört das Experimentieren. Neugier und Erkunden, Überprüfen und Verwerfen und erneutes Ausprobieren sind Elemente dieser Lernform, ( vgl. Skript v. R. Ross-Boelhauve) die sich auf das Gestalten mit Ton übertragen lassen.
Das Arbeiten mit Ton eignet sich für Kinder auf allen Entwicklungsstufen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen die gesamte Klasse an dieser Reihe teilhaben zu lassen. Ich habe gerade mit den schwerstbehinderten Schülern xxxx und xxxx eine Reihe zum Thema taktile Wahrnehmung im Bereich der Hände durchgeführt, so dass die beiden erneut vom Angebot des Materials Ton profitieren können. Für xxx ist des Experimentieren und Gestalten mit Ton durch die Tonfeldtherapie, die er seit ca. 1 Jahr erhält, bekannt. Das Beschäftigen mit dem Ton hat nach meinen Beobachtungen positive Auswirkungen auf sein Verhalten im Klassenverband. Er wirkt sehr viel ruhiger und ausgeglichener, wenn er mit seinen Händen den Ton berührt und verformt.
Der Vorteil des Arbeitens mit Ton besteht darin, dass die Schüler keine bestimmte Technik erlernen müssen und ohne Vorkenntnisse mit dem Ton umgehen können. Trotz der sehr unterschiedlicher Fähigkeiten und Möglichkeiten der Schüler dieser Klasse können alle Schüler die taktilen Qualitäten des Tons erfahren und zugleich die eigenen haptischen Bedürfnisse erleben. Die Beschäftigung mit dem Werkstoff Ton soll zunächst eine Wahrnehmungssensibilisierung und eine Wahrnehmungsförderung darstellen. (vgl. www.michaelgibbels.de) Während ein Teil meiner Schüler auf dieser Stufe der Auseinandersetzung bleiben wird, gehe ich davon aus, dass sich bei einem anderen Teil der Schüler der Wunsch nach gestalterischen, bauend-konstruktiven Darstellungsformen einstellt. Um diesen Bedürfnissen der Schüler gerecht zu werden ist es nötig, neben der freien und spielerisch-experimentellen Auseinadersetzung mit dem Ton, Gestaltungstechniken und Gestaltungselemente zu lehren, die es ihnen ermöglichen eigene Wunschvorstellungen nach wirklichkeitsnahen Objekten zu realisieren. Hierfür eigenen sich die in der Unterrichtsstunde eingeführten geometrischen Formen, aus denen sich vielerlei Gegenstände zusammensetzen lassen.
Richtlinienbezug:
Richtlinien und Lehrpläne NRW für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
5.1 Fähigkeiten, Materialien, Geräte und Werkzeuge zu beschaffen, zu probieren und zu gebrauchen
5.11 Materialien unter Berücksichtigung ihrer Eigenschaften handhaben bzw. gestalten
- Kneten und Formen mit Ton und anderen Materialien
5.15 Gegenstände entwerfen und aus bestimmten Materialien herstellen
- Gegenstände aus Ton
Richtlinien NRW für die Förderung schwerstbehinderter Schüler in Sonderschulen:
Fähigkeit, über die Hand Tasteindrücke wahrzunehmen
- unterschiedliche Materialien ertasten
Fähigkeit, Gemeinschaft wahrnehmen zu können
- Mit Lehrern und/oder Schülern zusammensein
Ergänzung aus den Bayrischen Richtlinien:
Gestaltung im Raum
1.2 Tonobjekte
- Sinnliche Erfahrungen
- Platten, Kugeln und Wülste
Zielorientierte Handlungsschritte:
Die Schüler sollen das Ziel der Stunde erreichen, indem sie...
- in der Einstiegsphase die Möglichkeit bekommen sich durch den Ausschluss der visuellen Wahrnehmung taktil auf das Material Ton einzustimmen.
- die elementaren Formen Kugel und Walze zunächst blind ertasten und Vermutungen über die ertasteten Formen äußern dürfen
- die Begrifflichkeiten Kugel und Walze durch die FliA lernen und das Ziel, bzw. die Aufgabenstellung der Stunde erfahren
- typ. Merkmale nennen und Vermutungen äußern dürfen, wie eine Kugel und eine Walze am besten hergestellt werden kann
- durch das Rollen einer Holzkugel und das Rollen eines Klangstabes auf dem Tisch ein Gefühl für den Bewegungsablauf des Rollens eines Gegenstandes bekommen
- an die vorangegangen Stunden anknüpfen und zunächst die Möglichkeit bekommen, ihre Hände durch das Durchkneten und Schlagen des Materials Ton taktil-kinästhetisch wahrzunehmen
- durch das gemeinsame Ausführen der erforderlichen Arbeitsschritte Sicherheit in der Umsetzung des Arbeitsauftrages bekommen
- evt. Hilfestellung und Handführung bei der Gestaltung erhalten
- Zeit und Gelegenheit zum Einüben der benötigten Fertigkeiten bekommen
- in der abschließenden Reflexionsphase über die gemachten Erfahrungen und ggf. Schwierigkeiten berichten können
- die gestalteten Grundelemente Kugel und Walze der Klasse präsentieren dürfen
xxxxx und xxxxx sollen
- taktil-kinästhetische Sinneserfahrungen machen, um in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit gefördert zu werden.
- auf spielerisch-experimentelle Weise einen zweckfreien lustbetonten Umgang mit dem Ton erleben
- sich durch das gemeinsame Arbeiten mit dem Ton und dem plastischen Gestalten mit Handführung durch eine Lehrkraft als Teil der Klassengemeinschaft erleben.
- in der Präsentationsphase die mit Hilfestellung erzeugten Tonstücke den Mitschülern zeigen und die eigene Beteiligung am Unterrichtsgeschehen wahrnehmen
Sachanalyse:
„Ton bezeichnet ein natürlich vorkommendes Material, das sich überwiegend aus feinkörnigen Mineralien zusammensetzt und variable Mengen an Wasser enthalten kann." (siehe wikipedia.org/wiki/Ton_Bodenart)
Ton ist einer der ältesten Werkstoffe. Das Herstellen keramischer Gefäße gehört bis heute zur Kulturgeschichte der Menschheit. Seine große Bedeutung zeigt sich in der Vielfalt der keramischen Erzeugnisse. Seine Lagerung in der obersten Erdkruste auf der gesamten Erdkugel haben den Ton allen frühen Kulturen zugänglich gemacht. (vgl. www.dagmar.wilde.de) Ton ist eine Erdschicht, die besonders an Flussufern an der Oberfläche vorkommt. Als Verwitterungsprodukt aus feldspathaltigen Gesteinen wie Granit, Quarz und Porphyr haben sich durch die Zerstörungsarbeit von Wasser, Eis, Wind, chemischer und organischer Verwitterung über Jahrmillionen feinste Schlammbestandteile abgesondert.
Es gibt weißen, gelben, braunen und roten Ton. Die Farbe hängt von den jeweiligen Metallinhalten ab. Durch das Brennen verändert der Ton seine Farbe, z.B. bekommt der gelbe Ton eine rot-braune Farbe.
Heute wird Ton in Tongruben ausgebaggert, von fremden Substanzen gereinigt und aufbereitet. Je nach Zusammensetzung (Anteil von Schamotte) des Tons unterscheidet man sogenannten „mageren", „halbfetten" und „fetten" Ton. Der Schamotteanteil hat eine Veränderung der Grundeigenschaften nämlich der Plastizität, des Schwundes beim Trocknen und des Wärmeverhaltens zur Folge. Die Tabelle gibt einen genaueren Überblick über die Eigenschaften:
| Magerer Ton | Halbfetter Ton | Fetter Ton |
| 30-60 % Schamotte | 10-30 % Schamotte | 0-10 % Schamotte |
| unebene, raue Oberfläche, sandig | geschmeidige Oberfläche | glatte, speckige Oberfläche |
| wenig knetbar, brüchig | gut formbare, gut knetbar, gut ziehbar | sehr plastisch |
| geringer Trockenschwund | trocknet rissfrei | schwindet sehr stark, reißt leicht beim Trocknen |
| guter Wärmespeicher | guter Wärmespeicher | empfindlich bei großen Temperaturschwankungen |
| große Hitzebeständigkeit | mittlere Hitzebeständigkeit | mittlere Hitzebeständigkeit |
| Kachelton, Baukeramik | Töpferton, Schulwerken | Drehton, Gießton |
Wie aus der Tabelle ersichtlich wird, eignet sich der „halbfette" Ton für Arbeiten in der Schule am besten, da er eine gute Plastizität aufweist, und beim Trocknen keine Risse bildet.
Solange der Ton nicht getrocknet ist, bleibt er immer wieder veränderbar. Der Widerstand, den der Ton bietet, richtet sich danach, wie viel Wasser ihm zugefügt wird. Mischt man ihn mit viel Wasser, so erhält man eine breiige Konsistenz, auch Tonschlicker genannt, der vor allem zum Verbinden von Tonteilen verwendet wird.
(vgl. www.home.schule)
Feuchter Ton lässt sich gestalten, verformen, auf der Scheibe drehen oder stanzen. Es ist die Konsistenz, die für die Ausführung meiner Unterrichtsstunde benötigt wird.
Trockener Ton ist zwar hart, kann aber geritzt und geschliffen werden und ist Voraussetzung für die Ausarbeitung der Tonwichtel. Durch Zugabe von Wasser kann der trockene Ton wieder aufgeschlämmt werden.
Gebrannter Ton ist unveränderbar. Wird er zerbrochen kann er zerkleinert und gemahlen werden und als Schamotte dem Ton wieder zugesetzt werden. (vgl. Steiner, S. 104)
Die Trockenzeit von fertigen Tonstücken beträgt ca. eine Woche, je nach Dicke des Tonstückes. Die Durchtrocknung erkennt man an der gleichmäßigen hellen Farbe.
Erst wenn das Tonstück gut durchgetrocknet ist kann es gebrannt werden. Durch den Brand wird der Ton wasserunlöslich und hart. Er wird nun als „Scherben" bezeichnet.
Der erste Brand wird Schrühbrand genannt. Die Höchsttemperatur liegt hier bei ca. 900 Grad. Will man die Tonstücke glasieren wird ein zweiter Brand, der sogenannte Glasurbrand, vorgenommen, bei dem der Ofen eine Temperatur von 1000 Grad hat. Der Glasurbrand bewirkt eine zusätzliche Verdichtung der Oberfläche, da die Glasur aufgeschmolzen wird. (vgl. Arbeitsheft Anne Arbeiten mit Ton, S. 77)
Um die Rissbildung beim Trocknen des Tones zu verhindern, ist es wichtig ihn von Luftblasen zu befreien. Gestaltungstechniken wie schlagen, klopfen, drücken, zupfen, biegen und rollen lassen den Ton homogen werden. Das kräftige Durchkneten der Tonmasse ist also für jegliche Formgestaltung unumgänglich.
Die Schüler sollen im Laufe der Unterrichtsreihe befähigt werden mit Ton plastisch zu gestalten. Ziel ist es einen Tonwichtel herzustellen, der sich aus den geometrischen Grundformen Kugel, Kegel und Zylinder zusammensetzt. Aus der Kugel soll der Kopf entstehen, aus dem Kegel die Zipfelmütze und aus dem Zylinder (Walze) der Körper des Wichtel. Die Gestaltungselemente Kugel und Walze werden durch Drücken und Rollen der Tonmasse in der Hand oder auf der Unterlage hergestellt.
Die Proportionen dieser Grundelemente sollen variabel gestaltet werden, d.h. Kugeln und Walzen sollen in unterschiedlichen Größen und Dicken hergestellt werden.
Arbeitsschritte dieser Unterrichtsstunde:
1. Ton schlagen und durchkneten
Der Tonklumpen wird mehrmals mit kräftigem Schwung auf die Unterlage geschlagen und gut durchgeknetet (klopfen, drücken, biegen) um ihn von Luftblasen zu befreien.
2. Kugel formen
Der Schüler zupft sich ein Stück Ton von dem Tonklumpen ab. Er legt sich das Stück in die Hand und versucht durch erstes Drücken den Ton in eine runde Form zu bringen. Der Ton kann nun entweder in der Hand oder auf der Unterlage zu einer Kugel geformt werden. Dazu bewegt sich eine ausgestreckte Hand von oben kreisförmig mit dem Ton in der Handinnenflächen der anderen Hand, bzw. auf der Unterlage. Durch leichten Druck mit der oberen Hand und der rotierenden Bewegung rundet sich der Ton und wird zur Kugel geformt. Dies erfordert von den Schülern ein hohes Maß an Koordinationsfähigkeit der Bewegungen.
3. Walze formen
Der Schüler reißt ein Stück Ton vom Tonklumpen ab. Er legt das Stück Ton in seine Handinnenfläche. Zeige-, Mittel-, Ring- und kleiner Finger umschließen nun gleichmäßig den Ton, so dass eine erste längliche Form entsteht. Nun wird die längliche Tonform in den Handteller der ausgestreckten Finger gelegt, die andere Hand wird darüber gelegt. Die parallel nebeneinander stehenden Hände bewegen sich nun in gegensätzlicher Richtung auf- und abwärts. Dabei üben die ausgestreckten Finger leichten Druck auf die Tonrolle aus. Um die Tonwalze gleichmäßiger zu gestalten wird sie auf die Unterlage gelegt und mit den ausgestreckten Fingern bimanuell und synchron vom Körper weg und zum Körper hin gerollt. Wichtig ist, dass die Walze sich mindestens einmal ganz um die eigene Achse dreht, da sie sonst „platt" wird und nicht rund.
Den höchsten Schwierigkeitsgrad für einige der Schüler stellt das gleichmäßige Ausrollen über die gesamte Länge der Tonwalze dar. Durch die Halbseitenlähmungen einzelner Schüler können sie nicht mit beiden Händen gleichmäßig rollen. Hier sollten die Schüler mehr Zeit bekommen und evt. Unterstützung durch eine Lehrkraft. Für die Gestaltung der Wichtel ist es jedoch nicht erforderlich besonders lange, dünne und gleichmäßig geformte Walzen zu erhalten.
Bei der Realisierung der Unterrichtsreihe werden folgende Förderbereiche und Förderzielschwerpunkte aus kunst-didaktischer Sichtweise angesprochen:
- Wahrnehmung (visuelle, olfaktorische, taktil-kinästhetische)
- Motorik (Grob- und Feinmotorik, Auge-Hand-Koordination)
- Spiel/Kreativität ( Spontaneität, Phantasie, spielerischer Umgang mit dem Material)
- Emotionalität ( Motivation, Gefühle durch gestalterische Mittel ausdrücken, Selbstwertgefühl)
- Kognition ( Aufgabenverständnis)
- Selbstständigkeit ( Arbeitshaltung, Entwicklung eigener Interessen im gestalterischen Tun)
Zielbezogene Lernvoraussetzungen:
nicht angedruckt
Verlaufsplanung:
| Phase/Zeit | Lehrer-Schüler- Aktivität | Didaktisch-method. Kommentar | Sozialform | Medien |
| Initiationsphase 5 Min. | - FliA begrüßt Schüler und stellt Besuch vor - FliA fordert Sch. auf die Augen zu schließen und ihre Hände zum fühlen bereit zu halten - FliA geht mit der zugedeckten Schüssel mit Ton von Sch. zu Sch. und lässt sie fühlen und riechen, ermuntert sie dazu ihre Empfindungen zu verbalisieren | - Sitzkreis - medialer Impuls, Interesse wecken - anknüpfen an vorherige Std - Sprechanlass (Sch. werden ermutigt Vermutungen zu äußern) | Plenum, gelenktes Unterrichts-gespräch | Ton Schüssel, Tuch zum abdecken |
| Explorationsphase 10 Min | - Sch. sollen die Formen Kugel und Walze aus Ton in zugedeckter Schüssel ertasten und Vermutungen äußern, Herausstellen typ. Merkmale - FliA benennt die beiden Formen und stellt die Frage nach dem Gestalten dieser Formen - FliA stellt Arbeitsauftrag: Stelle unterschiedliche Kugeln und Walzen her und zeige sie zum Schluss der Stunde im Sitzkreis. - FliA zeigt den Sch. die Holzkugel und den Klangstab - Sch. dürfen am Modell Handlungsschritt des Rollens demonstrieren, FliA verbalisiert ggf. unterstützend die Handlung der Sch. | - Tonobjekte taktil erkunden, - Empfindungen verbalisieren - einstimmen auf Inhalt und Ziel der Stunde (Zieltransparenz) - Problembewusstsein wecken - Lösungsvorschläge nennen, entwickeln - Schülerdemonstration ggf. mit verbaler Unterstützung | Plenum, gelenktes Unterrichts- Gespräch, Schüleraktivität | Ton in Form einer Kugel und einer Walze, Holzkugel, Klangstab |
| Objektivierungs- phase 20 Min. | - FliA verteilt an alle Tonklumpen - FliA macht die einzelnen Arbeitsschritte vor, Sch. machen die Arbeitsschritte nach: Ton schlagen und kneten Kugel formen Walze formen - Sch. erhalten Zeit Kugel und Walze in unterschiedlichen Ausformungen zu gestalten. - Sch. bekommen, wenn nötig Hilfestellung Zieldifferenzierung für die schnelleren Schüler: Unterschiedliche große Kugeln formen und Walze in Scheiben schneiden, anschl. Loch durchbohren, Verzierungen einritzen, um Dekoration für den Klassenraum herzustellen. (Aufreihen und aufhängen an einem Band) Zieldifferenzierung für xxx und xxxxx : Tonschlicker in einer Wanne, evt. Zugabe von Murmeln, Steinen... | - handelnd-aktives Lernen Schritt für Schritt durch Nachahmung (Gestaltungstechniken:schlagen, klopfen, drücken, zupfen, biegen, rollen anwenden) - selbstbestimmtes Gestalten und Umsetzen des Arbeitsauftrages -Unterforderung entgegenwirken - Ideen der Sch. aufgreifen - Ideenumsetzung - Raum für kreatives Handeln geben - Wahrnehmungsförderung durch starke taktile Reize - lustbetonter Umgang mit dem Ton, Materialerfahrung | Einzelarbeit Einzel- evt. Partnerarbeit | Ton, Holzunterlage, Brettchen für die fertigen Teile Messer Holzstäbchen Plastikwanne, Murmeln, Steine |
| Integrationsphase 10 Min. | -Sch., FliA und Lehrkräfte treffen sich im Stuhlkreis. Jeder Sch. bekommt Gelegenheit seine gefertigten Tonstücke zu präsentieren - Sch. reflektieren, berichten über Umsetzung des Arbeitsauftrages, evt. Problemsituationen - FliA fragt die Sch., ob sie zufrieden sind mit ihren Ergebnisse, oder ob sie noch mehr Zeit zum Üben der Fertigkeiten benötigen - FliA zeigt vorbereitete Tonfigur und lässt Sch. die verwendeten geometrischen Formen herausarbeiten, gibt Ausblick auf nächste Kunst- stunde, Verabschiedung | - Ergebnispräsentation - Würdigung einzelner Leistungen - kommunikativer Austausch über entstandene Probleme - Einschätzung der eigenen Fähigkeiten - Thementransparenz, Interesse für nächste Stunde wecken | Plenum, gelenktes Unterrichts- gespräch, | Tonfigur aus geometrischen Formen |
Didaktisch-methodischer Kommentar:
Ich orientiere mich bei der Formulierung meines Stundenziels eindeutig an den Fertigkeiten und Fähigkeiten der körperlich- und motorisch stärker eingeschränkten Schüler. Sie sollen die Möglichkeit erhalten das Stundenziel zu erreichen und dadurch emotional gestärkt und zufrieden die Kunststunde erleben. Mir ist jedoch bewusst, dass die gestellte Aufgabe für einige meiner Schüler eine Unterforderung darstellt. Ich möchte sie nicht in ihrer Entwicklungs- und Ausdrucksfähigkeit hemmen, so dass ich für diese Schüler eine weitere Zieldifferenzierung als didaktische Reserve anbiete. Sie bekommen die Aufgabe Kugeln in unterschiedlichen Größen zu formen, ein Loch mit einem Holzstab hineinzustechen und die Kugel evt. mit einem Holzstab zu verzieren. Die Walzen sollen zu Scheiben geschnitten werden und ebenfalls mit einem Loch versehen werden, so dass sie mit den Kugeln zusammen an einem Band aufgereiht werden können und als Klassendekoration aufgehängt werden können.
Der Kunstunterricht sollte allen Schülern der Klasse eine positive, freudvolle Erfahrung vermitteln. Dabei steht der individuelle Schüler und die individuelle Schülerin mit seinen besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Vordergrund, nicht das von ihm bzw. ihr geschaffene Produkt. „Die im Verlauf des künstlerisch-ästhetischen Prozesses gemachten ästhetischen Erfahrungen sind gerade für das Kind mit besonderen Bedürfnissen wichtiger als das entstehende Produkt." (siehe Aissen-Crewett, S. 82)
Im Mittelpunkt dieser Stunde steht trotzdem ein Arbeitsauftrag und die Präsentation eines Ergebnisses. Eingebettet sind die Übungen zur Herstellung der elementaren Formen Kugel und Walze in die Aufgabenstellung, am Ende der Stunde die eigene Arbeit zu präsentieren, und über gemachte Erfahrungen verbal zu reflektieren Dies sollen sie nicht aus den Augen verlieren und von mir in den unterschiedlichen Phasen des Stundenverlaufs transparent gemacht bekommen. Das freie Experimentieren und Ausleben von Befindlichkeiten findet gezielt in den ersten beiden Unterrichtsstunden dieser Reihe einen Raum. Ich habe mich in dieser Stunde dafür entschieden, die Schüler vornehmlich in Einzelarbeit gestalten zu lassen, damit sie sich ganz auf die auszuführenden Arbeitsschritte und die anzuwendende Technik konzentrieren können. Jeder einzelne Schüler soll während der abschließenden Reflexion die Würdigung seiner selbstproduzierten Tonarbeiten erleben dürfen.
Für xxxx und xxx eignet sich Tonschlicker besonders für die Förderung der taktil-kinästhetischen Wahrnehmung im Bereich der Hände. Das Eintauchen und Herausziehen der Hände aus der breiigen Tonmasse geben einen starken taktilen Impuls und fördern das Bewusstmachen jedes einzelnen Fingers. (vgl. Theilen, S. 46)
Die Schüler benötigen einen Arbeitsplatz der abwischbar ist und einen Boden darunter, der unempfindlich ist. Eine Unterlage aus unbehandeltem Massivholz eignet sich für das Arbeiten mit Ton am besten, da das Holz die Feuchtigkeit aufnimmt und der Ton nicht auf der Unterlage festklebt. Da wir nur einen sehr kleinen Tonraum an unserer Schule haben, der diese günstigen Bedingungen aufzeigt, müssen wir auf den Nebenraum unseres Klassenzimmers zurückgreifen. Dort steht jedem Schüler eine Spanplatte an seinem Arbeitsplatz zur Verfügung. Die Tische sind groß genug, so dass die Schüler genügend Bewegungsfreiheit beim Arbeiten mit dem Ton haben. In dieser Stunde geht es in erster Linie um gestalterische Arbeiten. Der Ton darf also nicht zu nass sein, damit beim Trocknen keine Risse entstehen und der Ton nicht zu weich wird uns seine Formbarkeit nicht verliert. Den Schülern muss ein feuchter Schwamm bzw. ein Wasserbehälter zur Verfügung stehen, damit sie ihre Hände und den Ton feucht halten können und der Ton nicht austrocknet und brüchig wird. (vgl. Steiner, S. 107)
Literaturverzeichnis:
- Aissen-Crewett, Meike
Kunstunterricht in der Grundschule
Westermann Schulbuchverlag
Braunschweig, 1996
- Kiesel, Manfred
Kreativer Kunstunterricht in der
Grundschule, Körper und Raum,
Auer Verlag Donauwörth, 2001
- Kultusministerium NRW
Richlinien und Lehrpläne für Förderschulen
- Ross-Boelbauve
Kunstuntericht, eine Kunst für sich,
Lernbereichstag Kunst, Script
- Seitz, Rudolf
Kinderatelier
Ravensburger Buchverlag, München 1990
- Steiner, Herbert
Gemeinsam gestalten, Borgmann,
Dortmund, 1996
- Theilen, Ulrike
mach doch mit!, Lebendiges Lernen mit schwerbehinderten Kindern,
Ernst Reinhardt Verlag, 1994
- Ullrich, Heinz u. Klante, Dieter
Technik im Unterricht der Primarstufe
Ravensburger Buchverlag, 1976
- van de Lou, Otto Prof. h.c.
Kinder-Kunst-Werk, Kösel Verlag, 2005
Internet:
http://ho me.schule.at/teaching/art/mwv_ton.htm
www.dag mar.wilde.de/bspmez/ton.html - d.w. learnline-online
www.kin dergarten-workshop.de/index.html?/kreativ/gestalten/toninfo.htm
www.mi chaelgibbels.de/ton.html - Sonderpädagogik und mehr...
www.wi kipedia.org/wiki/Ton_Bodenart
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