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Hinführung zum Thema 'Frühlingslyrik'
Datum: 15. Mai 2009 Kommentare: 1
Zusätzliche Informationen:
Beschreibung:
In dieser Unterrichtsstunde sollen die SchülerInnen die Lyrik als eine der drei literarischen Hauptgattungen mit ihren Merkmalen und Beispielen kennen lernen und eine Form des kreativen Schreibprozesses kennen lernen und diesen ausführen. Durchgeführt in einer 8. Klasse.

Hinführung zum Thema 'Frühlingslyrik'
Hinführung zum Thema "Frühlingslyrik"
1. Zur Ausgangslage des Unterrichts
1.1 Institutionelle Bedingungen
1.1.1 Die Schule
Die Realschule befindet sich im Bildungszentrum West. Hier haben viele weitere Schulen und Einrichtungen wie z.B. das Gymnasium, die Grund- und Hauptschule, ein katholischer Kindergarten oder die Rundsporthalle ihren Standpunkt.
Laut aktueller Zahlen werden derzeit rund 765 Schüler [1] , davon 351 Mädchen und 414 Jungen, von 53 Lehrerinnen und Lehrern, verteilt auf 27 Klassen, unterrichtet.
Der durchschnittliche Ausländeranteil der Schule beträgt 20%. Dem hinzuzufügen ist, dass der Stadtteil, in welchem sich die Schule befindet, von sehr vielen Aussiedlern bewohnt wird. Jedoch ist dieser Wert, verglichen mit dem der Grund- und Hauptschule (beinahe 35%), relativ gering. Etwa die Hälfte der ausländischen Schüler ist türkischer Abstammung, gefolgt von Italienern und Jugoslawen.
Die Realschule ist zusammen mit dem Gymnasium in einem Gebäudekomplex untergebracht. Der im Jahre 1970 bezogene Flachdachbau, in welchen das Gymnasium 1975 zuzog, wirkt durch seine graue Fassade von außen zunächst veraltet und trist. Doch schon beim Begehen des Eingangsbereichs fällt auf, dass man sich an dieser Schule reichlich Mühe gibt, um eine angenehme und freundliche Atmosphäre zu schaffen. Zahlreiche Bilder und Plakate, sowie liebevoll gestaltete Schaukästen mit verschiedenen Schülerarbeiten, machen das Schulhaus von innen lebendig und bunt.
Der direkt ans Schulgebäude anschließende Pausenhof bietet den Schülern viel Platz um sich in den Pausen frei bewegen zu können. Für die Mittagspausen steht ein zusätzlicher Aufenthaltsraum zur Verfügung, den die Kinder und Jugendlichen nach Möglichkeit aufsuchen sollten.
Man legt sehr viel Wert auf Ordnung und Disziplin, Regelverstöße haben stets Auswirkungen. Meist sind das Strafarbeiten oder Nachsitzen, häufig jedoch auch Einträge ins Tagebuch, die ab einer gewissen Summierung zu einem Elterngespräch führen können. Der Gebrauch von Disc-Manns und MP-3-Playern, sowie das Rauchen, ist auf dem Schulgelände strengstens untersagt. Ebenso müssen Handys während des gesamten Schultages ausgeschaltet sein und dürfen auch nicht auf dem Pausengelände herausgeholt werden.
Der morgendliche Unterricht beginnt um 7:45 Uhr und endet um 13:00 Uhr. Zwischen der zweiten und dritten, sowie der vierten und fünften Unterrichtsstunde befindet sich eine fünfzehnminütige Pause. Diese haben jedoch den Nachteil, dass der nachfolgende Unterrichtsbeginn bereits mit dem Läuten einsetzt und es daher häufig zu Verspätungen von Seiten der Schüler, aber auch von Seiten der Lehrerinnen und Lehrer kommt. Zwischen den anderen Stunden liegen Fünfminutenpausen.
Diverse Arbeitsgemeinschaften wie zum Beispiel eine Mundharmonika AG, ein vielfältiges Kultur- und Theaterprogramm, zahlreiche Projekttage und Projektwochenwochen sowie das seit dem Schuljahr 2006/2007 involvierte Sportprofil, machen die Realschule zu einer stark an den Interessen der Schüler orientierten Bildungseinrichtung, die im Kreis einen guten Namen hat.[2]
1.1.2 Die Lernbedingungen
31 Schüler besuchen die Klasse 8b der. Darunter befinden sich dreizehn Mädchen und achtzehn Jungen im Alter zwischen vierzehn und fünfzehn Jahren. Vier Wochen vor meinem ersten Unterricht in der Klasse hatte ich bereits die Möglichkeit, mich den Jugendlichen vorzustellen. Ich werde ihnen folglich nicht unbekannt sein.
Das Klassenzimmer der 8b befindet sich im ersten Obergeschoss der Schule. Es ist, bezogen auf die Klassengröße, relativ klein, wirkt durch seine große Fensterfront jedoch sehr hell und freundlich.
Die Tischanordnung ist sehr einfach gehalten. So stehen die einzelnen Tische auf drei größere Blöcke verteilt, wobei der Wandblock sich aus jeweils einem, der mittlere Block aus jeweils zwei nebeneinanderstehenden und der Fensterblock wieder aus einem Tisch pro Reihe zusammensetzt. Zwischen den Blöcken befinden sich Gänge, die ein problemloses Durchkommen ermöglichen.
An jedem Tisch sitzen, mit wenigen Ausnahmen, zwei Schüler. Bezüglich der Sicht auf die Tafel sind mir keine Einschränkungen bekannt. Jeder Schüler sieht von seinem Sitzplatz aus ohne Hindernisse frei nach vorne. Die Tafel selbst besitzt ein Magnetfeld welches sich auf der rechten Außenseite befindet. Man kann die Tafel nach links und rechts ausklappen, was ein großes Tafelbild, welches in meiner Stunde zum Einsatz kommen wird, sehr gut ermöglicht.
Das Lehrerpult steht aus der Sicht der Klasse direkt in der Mitte vor der Tafel. Dahinter befindet sich, auf der von Schülersicht linken Seite, eine Projektionswand, die aber verdeckt wird, wenn man die daran anschließende Tafel vollständig öffnet. Links neben dem Pult befindet sich ein Tageslichtprojektor, den ich für meine Stunde benötigen werde.
Zusätzlich befindet sich an der Wandfront und an der Rückwand des Klassenzimmers eine Pinnwand. Da die Schüler zum Ende meiner Stunde Plakate anfertigen sollen, die später im Raum aufgehängt werden, bieten sich diese Wände sehr gut an. Reisnägel und Tesafilm sollten von mir folglich nicht vergessen werden. Unterhalb der Wandfront befindet sich ein großes Regal, welches viel Stauraum für die Bücher der Schüler bietet. Der Gesamteindruck des Klassenzimmers ist weitgehend positiv. Die Rückwand ist mit diversen Plakaten der Schüler dekoriert, welche durch die in meiner Stunde entstehenden Frühlingsplakate noch ergänzt werden.
Nicht zur Raumausstattung gehören Nachschlagewerke wie z.B. der Duden oder Audiogeräte. Sie sind von den Lehrpersonen selbst in den Unterricht mitzubringen und meist im Lehrerzimmer zu finden. Ich benötige für meine Stunde einen Kassettenrekorder, den ich mir daher schon vor der Stunde organisieren muss.
Die von mir gehaltene Doppelstunde findet während der dritten und vierten Unterrichtsstunde statt. Zuvor befinden sich die Schüler in der großen Pause weshalb ich davon ausgehe, dass sie zunächst etwas unruhig sein werden und eventuell der ein oder andere zu spät kommen wird.
1.2 Anthropologische Bedingungen
1.2.1 Soziale Aspekte in der Klasse
Das soziale Klima in der Klasse 8b würde ich aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen als eher kritisch einstufen. Vor etwa einem halben Jahr ist die damalige Klassenlehrerin Frau S. in Mutterschutz gegangen, woraufhin Frau K. die Klasse übernommen hat. Mir persönlich ist nicht bekannt, wie die Atmosphäre unter den Schülern vor dem Lehrerwechsel war. Jedoch gehe ich davon aus, dass es schon zuvor Probleme gegeben haben muss, die sich nun nach und nach in aller Deutlichkeit zu zeigen geben.
Eine besonders große Rolle spielt hierbei der oftmals rücksichtslose Umgang miteinander. Rangeleien, Mobbing, Witze auf Kosten anderer oder verbale Belästigungen stehen an der Tagesordnung. Dem allen voran steht A. Man könnte auch sagen, er ist der „Klassenboss“. Was A. macht und sagt ist für viele in der Klasse, wenngleich sie nicht seiner Meinung sind oder sein Verhalten als falsch ansehen, Gesetz. Vor einigen Tagen gab es den Vorfall, dass während der Pause zunächst S. und danach V. von A. und einigen „Helfern“ in den im Klassenzimmer stehenden Holzschrank eingeschlossen wurden. Während S. die Aktion mit Humor aufnahm und laut eigenen Aussagen A. auch nicht konkret aufforderte dies zu unterlassen, machte ihm V. deutlich klar, dass er für diesen „Spaß“ nicht zu haben ist. Trotz mehrmaligem Auffordern lies A. V. jedoch nicht aus dem Schrank hinaus, woraufhin dieser ihn von innen aufbrach. Der Rest der Klasse stand dabei und unternahm nichts. Einige lachten und amüsierten sich, andere hielten sich einfach raus.
Anhand von diesem Beispiel lässt sich die Klasse sehr gut in drei Gruppen einteilen. Da gibt es zum einen die eher ruhigen Schüler, die sich in nichts einmischen und daher auch nicht besonders auffällig sind. Weiter gibt es ein sehr breit gefächertes Mittelfeld von Schülern, die Ungerechtigkeiten zwar erkennen und diese bei den häufig durchgeführten Klassenkonferenzen auch benennen, die aber in den entscheidenden Momenten nichts unternehmen. Letztlich gibt es noch die Schüler, die sich keiner Menge anschließen, sondern völlig willkürlich agieren sei es nun im positiven oder im negativen Sinn.
Frau K. hat sich dieser Situation pflichtbewusst gestellt. In zahlreichen Unterrichtsstunden hat sie gemeinsam mit der Klasse Regeln erarbeitet, die den Umgang zwischen den Schülern, aber auch den Schülern und Lehrern, loyalisieren sollen. Erfolge sind bereits zu erkennen. Trotz allem gibt es aber hin und wieder Rückfälle, wie zum Beispiel der Vorfall mit dem Holzschrank, die weitere Maßnahmen erforderlich machen. Aus diesem Grund wird während der ab dem 28. März folgenden Projekttage der Schulsozialarbeiter Herr B. mit der Klasse ein gezieltes Sozialtraining durchführen. Klassenzusammenhalt, soziales Miteinander und mehr Rücksichtnahme auf andere sollen hierbei unter anderem die Ziele sein.
1.2.2 Sachkultureller Entwicklungsstand
Die von mir durchgeführte Doppelstunde soll eine Hinführung zur Frühlingslyrik darstellen und ist die erste Stunde zu der in den nächsten Stunden weiterfolgenden Unterrichtseinheit „Frühlingslyrik“.
Das Thema Lyrik begleitet die Schüler rudimentär seit der fünften Klasse. Hier und auch in Klasse sechs haben sie bereits verschiedene Merkmale von Gedichten, unter anderem den Reim, kennen gelernt. Haikus und Elfchen als Formen kreativer Schreibanlässe sollten ihnen ebenfalls bekannt sein. In der Klassenstufe sieben wurden darüber hinaus noch speziell Balladen behandelt. Außerdem ist natürlich davon auszugehen, dass Gedichte sicherlich auch schon in der Grundschule Gegenstand des Unterrichts waren. Die Schüler werden folglich diverse Vorerfahrungen im Umgang mit Gedichten mitbringen. Der Begriff Lyrik wird aus meiner Erfahrung heraus erst ab der achten Klassenstufe thematisiert. Ich nehme daher an, dass er keinem Schüler ein Begriff sein wird und ihn auch niemand genauer definieren kann. Dieser inhaltliche Aspekt der Stunde wird für die Schüler völlig neu sein.
Das Lerntempo der Klasse würde ich als mittelmäßig einstufen. Je nach Tagesform variiert die Mitarbeit von sehr gut bis zäh und träge.
Sachliche Lücken werden in dieser Stunde sicherlich keinem ein Hindernis sein. Vielmehr kommt es drauf an, dass die Schüler ihrer Phantasie freien Lauf lassen können und kreativ tätig werden. Handlungs- und produktionsorientierte Methoden sind für sie sicherlich keine Neuheit. Ob sie jedoch in der Lage sind ein Gedicht selbstständig zu verfassen, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen. Man kann davon ausgehen, dass in früheren Deutschstunden bereits Anlässe zum kreativen Schreiben gegeben wurden sind.
1.2.3 Personaler Aspekt
Es fällt mir aufgrund der sehr kurzen Praktikumszeit sehr schwer, konkrete Angaben über bestimmte Schüler zu machen.
Wie unter dem Punkt 1.2.1 schon erwähnt ist A. ein sehr auffälliger Schüler. Er stammt aus einem italienischen Elternhaus und verhält sich nach Angaben der Klassenlehrerin auch dementsprechend klischeehaft. Für A. wird zu Hause alles erledigt, seine Mutter nimmt ihm jegliche Eigenverantwortung ab. Selbstverständlich wirkt sich dies auch auf seine schulischen Leistungen aus. Oftmals ist er nicht in der Lage einfachste Sachverhalte nachzuvollziehen und fühlt sich schon bei den kleinsten Transferaufgaben sichtlich überfordert.
Ein weiterer, im Fach Deutsch sehr schwacher Schüler, ist T. Er besitzt eine eindeutige Lese- und Rechtschreibschwäche, diese mir beim Korrigieren von Diktaten der Klasse aufgefallen ist. Seit kurzer Zeit hat Frau K. T. in die vorderste Reihe gesetzt. Seit er dort sitzt, bemüht er sich um eine rege Teilnahme am Unterricht und hat sich bereits etwas verbessert.
1.2.4 Perspektive der Lehrenden
Das Thema Lyrik ist für mich als Lehrperson völliges Neuland. Als Schülerin habe ich mich nur wenig damit befasst und während des Studiums ist es mir bisher nur sehr spartanisch begegnet. Trotz allem glaube ich, dass es mir fachlich weitgehend gelingen wird, den Sachverhalt didaktisch aufzuarbeiten und dadurch auch mein eigenes Wissen zu aktualisieren und selbstverständlich noch zu erweitern.
Was mir jedoch Schwierigkeiten bereiten wird ist es, die Thematik für die Schüler interessant und spannend zu gestalten. Meines Erachtens wird es dadurch an dieser Stelle zu Erschwernissen für die Schüler kommen und mir persönlich meine eigenen Grenzen aufzeigen.
2. Überlegungen und Entscheidungen zum Unterrichtsgegenstand
2.1 Klärung der Sache
2.1.1 Zur Geschichte der Begriffe Lyrik und Gedicht
Der Begriff „Lyrik“ leitet sich vom griechischen „lyrikos“ her, der Adjektivbildung zu „lyra“ (ein altgriechisches Zupfinstrument), die soviel wie „zum Spiel der Lyra gehörig“[3] bedeutet. Die Herkunft des Wortes weist auf die enge Verbindung der Lyrik mit der Musik hin: „Lyrische Dichtung ist seit den frühen Kulturen zur Musik vorgetragene, also meist gesungene Dichtung.“[4] Die Grundform der Lyrik wäre demnach das Lied.
Ein präziser und zugleich umfassender Gattungsbegriff wurde hieraus in der Antike jedoch nicht entwickelt, was sicherlich damit zusammenhing, dass epische Dichtung ebenfalls mit Instrumentalbegleitung vorgetragen wurde und dass Lieder als Chorlieder auch Bestandteil der Tragödien waren. Ein einheitlicher Begriff der Lyrik, wie er für Epik und Dramatik schon in der Poetik des Aristoteles selbstverständlich ist, hat sich bis ins 18. Jahrhundert hinein gegenüber der Vielfalt lyrischer Formen nicht durchsetzen können.[5]
Das Wort „Gedicht“ ist aus dem althochdeutschen „tihton“ (schreiben) abzuleiten und bezeichnet ursprünglich alles schriftlich Erfasste. Bereits Opitz (Deutsche Poerty, 1624) gebrauchte den Ausdruck „geticht“ schon eingeschränkter für alle Arten von Dichtung.[6]
Sangbarkeit, also Liedhaftigkeit ist für Opitz das Kriterium für das lyrische Gedicht, das er auch mit dem lateinischen Ausdruck „Ode“ (Gesang) bezeichnet. Für diese Gestaltung existieren festgelegte Regeln, die entweder in so genannten „Poetiken“, Lehrbüchern des literarischen Sprechens, festgeschrieben oder – mehr oder weniger bewusst – den Vorbildern der literarischen Tradition entnommen werden.
Schiller nannte seinen „Wallenstein“ ein „dramatisches Gedicht“, Wieland seinen „Oberon“ ein „romantisches Heldengedicht in zwölf Gesängen“. Die wichtigsten Kriterien dafür, einen Text ein Gedicht zu nennen, sind der rhythmisch und metrisch strukturierte Vers und der (End-)Reim. Dies galt auch für epische und dramatische Texte.[7]
Erst als sich in der Dramatik und sehr viel schneller auch in der Epik die angeblich nicht kunstvoll geformte Rede in Prosa durchsetzen konnte, verengte sich der Begriff des Gedichts. Er blieb ab jetzt einzig dem zumeist kürzeren lyrischen Text vorbehalten. Diese Bedeutungsveränderung war erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts abgeschlossen.
2.1.2 Merkmale lyrischer Texte
„Lyrik ist Ausdruck von Subjektivität, individueller Emotion und Reflexion.“[8]
Der lyrische Text, das Gedicht im neueren Sinn also, ist meist auf den ersten Blick zu erkennen. „Wenn auf einer Seite um das Gedruckte herum viel weißer Raum ist, dann haben wir es gewiß mit Versen zu tun.“[9]
Allein dieses kurze Zitat enthält bereits zwei wesentliche Eigenschaften: Erstens sind in Gedichten die Zeilen drucktechnisch nicht gefüllt, zweitens sind es formal aufeinander abgestimmte Verse. Der Begriff des Verses (von lat. vertere: wenden) bezeichnet die Wiederkehr des gleichen regelmäßigen Metrumablaufs innerhalb eines Textes als wesentliches textstrukturierendes Prinzip. Die Zusammenkunft mehrerer Verse zu einem Gedichtsabschnitt bezeichnet man als Strophe.[10]
Die Folge von Hebungen und Senkungen in einem Gedicht wird als Metrum bezeichnet. Es kann in kleinere Abschnitte aufgeteilt werden. Die kleinste Einheit dieser Goetheschen Verse ist die Folge jeweils einer Senkung und einer Hebung (u -). Sie heißt Jambus, ihre Umkehrung (- u) wäre ein Trochäus. Diese kleinste Einheit des Verses ist der Versfuß. Neben den zweisilbigen Versfüßen sind folgende dreisilbrigen die wichtigsten: der Daktylus (- u u) und der Anapäst (u u -).
Auch die Gestaltung der Versenden unterliegt besonderen Kriterien. Ist die letzte Silbe eines Verses eine Senkung, spricht man vom weiblichen Versende, schließt es mit einer Hebung, wird das Versende männlich genannt.[11]
Die Gestaltung der Versenden strukturiert den lyrischen Text noch in anderer Weise: Die Enden verschiedener Verse beziehen sich in spezifischer Weise aufeinander, sie reimen sich.
In der germanischen Literaturtradition war zunächst nicht der Endreim das bestimmende Prinzip der Textstrukturierung sondern verstärkt der so genannte Stabreim, die Alliteration. Mehrere Wörter eines Verses beginnen mit demselben Anlaut, ihre Zusammengehörigkeit wird so stilistisch angezeigt.
Unter dem Endreim wird der Gleichklang (keinesfalls die Buchstabengleichheit) mehrerer Wörter vom letzten betonten Vokal an verstanden.
Der Endreim schließt häufig zwei Verse zu einem korrespondierenden Verspaar zusammen. Die Verteilung der Reimendungen in einer größeren Anzahl von Versen strukturiert den lyrischen Text weitergehend. Die geläufigste Reimstellung ist der hierbei der Paarreim: Die Versenden zweier aufeinander folgender Verse sind gereimt (aabb). Viele volksliedartige Texte weisen den so genannten Kreuzreim auf: Die Reimendungen wechseln einander ab (abab). Des Weiteren gibt es den umarmenden Reim bei dem ein Reimpaar von einem anderen umrahmt wird (abba).[12]
Wenn man nun versucht Gedichte nach ihren formalen Gesichtspunkten einzuteilen, würde sich etwa folgende Liste ergeben:
Ballade: Erzählendes Gedicht, das ungewöhnliche, geheimnisvolle und dramatische Ereignisse oder Sagen, meist in Dialogform behandelt.
Elegie: Gedicht, das inhaltlich sehr verschiedenartig sein kann (Klagegedicht, Liebesgedicht, philosophische Betrachtung).
Epigramm: (griech. = Aufschrift) Hier geht es um einen Sinnspruch, meist satirischen Charakters (Spottlied).
Hymne: Lob- und Preisgesang religiösen oder politischen Inhaltes.
Lied: Singbares Gedicht, das in Strophen gegliedert ist und sich reimt. Diese Gattung gehört zum, Brauchtum einzelner Völker (Kirchenlied, Kinderlied, Wanderlied, Liebeslied, Volkslied).
Ode: Ein Gedicht, welches auch in Strophen abgefasst wurde, aber im Gegensatz zum Lied reimlos bleibt.
Sonett: Gedicht aus vierzehn Verszeilen (zwei Vierzeiler und zwei Dreizeiler) mit streng geregeltem Versmaß und Reimschema.[13]
Lyrische Texte zeichnen sich nicht nur durch die metrisch exakte Verteilung einer festgelegten Anzahl von Hebungen und Senkungen, nicht nur durch gereimte Verse in Strophen aus. Vielmehr ist die Sprache, in der ein bestimmtes Ereignis zur Darstellung kommt, durch eine Vielzahl unterschiedlicher „Poetisierungen“ geprägt. Sie ermöglichen es, in dem Text mehr zu sehen als zum Beispiel eine gereimte Naturdarstellung. Die öffnen den Text auf eine Vieldeutigkeit hin, die den literarischen Text ausmacht.
Hierbei möchte ich nur einige unterschiedliche poetische Mittel aufzeigen, die in lyrischen Texten auftreten können.
Metapher: Bei einer Metapher werden die Wörter nicht in ihrer eigentlichen, sondern in einer übertragenden Bedeutung verwendet. Die Metapher verbindet so zwei Vorstellungen aus verschiedenen Bereichen zu einem neuen sprachlichen Bild, das neu, unerwartet und in seiner Wirkung intensiv ist. Beispiel: der Flug der Gedanken.
Personifikation: Die Personifikation ist eine besondere Form der Metapher. Eigenschaften oder Verhaltensweisen von Personen ordnet man unbelebten Dingen, Pflanzen oder Tieren zu. Diese werden vermenschlicht. Beispiel: „Gelassen stieg die Nacht an Land.“
Synästhesie: Die Synästhesie ist eine Sonderform der Metapher, bei der Eigenschaftsbezeichnungen aus dem Bereich der sinnlichen Wahrnehmung (hören, sehen usw.) in einen anderen übertragen werden. Beispiel: „Süße wohlbekannte Düfte I Streifen ahnungsvoll das Land.“[14]
2.1.3 Naturlyrik
Der Ausdruck „Naturlyrik“ ist ein Sammelbegriff für alle diejenigen Formen der Lyrik, welche Naturerscheinungen zum Inhalt haben. Zahlreiche Gedichte der deutschen Literaturgeschichte befassen sich in künstlerischer Sprache mit dem erlebnishaften Erfülltsein von der Erscheinung und dem Wesen der Natur. Das gefühlvolle Empfinden der Natur durch den Dichter, aber auch das durch den Leser, spielen dabei eine wichtige Rolle. Ebenso ist die Spiegelung von Seelenzuständen des lyrischen Ich (Liebe, Trauer, Schmerz,...) in den Erscheinungen der Natur Gegenstand dieser Dichtungen. Inhalte:
• Themen zum Jahreszeitenzyklus (z.B. Frühling)
• Themen zu den Tageszeiten
• Themen zu bestimmten Landschaften etc.[15]
2.2 Didaktische Überlegungen
2.2.1 Die Bedeutung des Themas für die Schüler
Das Thema „Frühlingslyrik“ wurde von mir auf eine Unterrichtseinheit von zunächst drei Doppelstunden angelegt. In der folgenden didaktischen Auseinandersetzung und der daran anschließenden methodischen Durchführung möchte ich mich jedoch auf die erste Unterrichtssequenz der „Hinführung zur Frühlingslyrik“ konzentrieren und folgend den Einsatz von lyrischen Texten und Arbeitsweisen im Unterricht didaktisch begründen. Genaure Angaben zur kompletten Unterrichtseinheit sind unter dem Punkt 4.7 vermerkt.
Zunächst stellt man sich natürlich die Frage: „ Warum Lyrik im Unterricht?“
Lyrische Texte bilden für die meisten Kinder die früheste sprach-ästhetische Erfahrung. Schon dem Säugling singt oder spricht man Einschlaflieder oder –verse vor. Die Kinder erwerben daher schon sehr früh ein Gespür für Melodik und Rhythmus. Bei der Beschäftigung mit Gedichten im Unterricht knüpft man folglich an vorhandene, tief verwurzelte Spracherfahrungen an.
Auch nach K. Spinner ist „Lyrik die ästhetische Manifestation von Sprache.“[16] Dementsprechend könnte man also sagen, dass die Beschäftigung mit Gedichten in der Schule die rhythmische Spracherfahrung, die die Kinder wie bereits erwähnt mitbringen, weiter entfaltet und in manchen Fällen vielleicht auch erst ermöglicht. Letzteres gerade deshalb, weil Schüler in dieser Hinsicht häufig mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule kommen. Nicht in jedem Familienhaushalt wird gesungen, wurden früher Kinderverse aufgesagt oder stehen Kassetten mit ansprechenden Liedern und Texten zur Verfügung.
Weiter sollten Schüler Lyrik als klangliches Phänomen erleben und daher im Unterricht die Möglichkeit bekommen, sie zu sprechen und auch zu hören. Meines Erachtens genügt es nicht, wenn Schüler lediglich Reimwörter in Arbeitsblätter einsetzten, wie das im operativ-handlungsorientierten Unterricht, zum Beispiel im Rahmen freier Arbeit, heute gerne gemacht wird. „Ohne sinnliche Erfahrung […] bleibt Lyrik als ästhetisches Phänomen tot.“[17]
Jedoch gilt Lyrik allgemein als „schwierige Gattung“ und wird daher im Unterricht oftmals vermieden oder als eher nebensächlich angesehen. Fälschlicherweise vermittelt der Lehrer hierdurch den Schülern automatisch ein falsches Bild, welches von diesen verinnerlicht wird. Doch gerade diesem ist entgegenzuwirken. K. Spinner hebt als wichtige didaktische Dimension hervor: „Lyrik zeigt, wie mit wenigen Worten viel gesagt werden kann.“[18] Und das ist der zentrale Punkt. Durch ihre Bildhaftigkeit und Polyvalenz vordern Gedichte die Imagination und Kreativität von Schülern heraus. Die neueste Entwicklung der Lyrikdidaktik steht im Zeichen des produktionsorientierten Ansatzes, welcher durch kreative Verfahren am besten gefördert werden kann. Durch die eigene Produktion von Texten kommen unter anderem emotionale Betroffenheit und die Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt zum Tragen.
Problematisch erscheint zunächst die didaktische Legitimation bezüglich der gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedeutung des Themas. Allerdings ist hierbei zu erwähnen, dass die Gegenwartsbedeutung lyrischer Texte nicht so gering ist wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Da sind an erster Stelle die Songtexte der populären Musik zu nennen, für die sich nicht umsonst der Fachbegriff „Lyrics“ eingebürgert hat. Zwar sind sie größtenteils in englischer Sprache abgefasst und beschäftigen sich mehrheitlich mit der „Herz-Schmerz-Reimkunst“, jedoch gibt es auch hier Ausnahmen, die für eine Auseinandersetzung im Deutschunterricht zum Thema Frühling geeignet wären.
Fast unbemerkt hat sich außerdem seit 1995 eine junge Szene für mündlich vorgetragene Gedichte etabliert, die sich in Kneipen, Clubs und Kulturzentren trifft, um in regelmäßigen Abständen den besten Poeten des Abends zu küren. Hiermit meine ich die so genannten „Poetry Slams“, Wettbewerbe für Kurzprosa und Lyrik die überwiegend junges Publikum ansprechen.
Nicht nur die Lyrik allgemein, auch speziell das auf meine Unterrichtseinheit ausgelegte Thema „Frühling“ hat seine didaktische Begründung im alltäglichen Deutschunterricht.
Der Begriff Frühling, auch Frühjahr oder literarisch Lenz, bezeichnet den Beginn der Jahreszeit in der die Tageslängen gegenüber den Nachtlängen zunehmen. Der astronomische Beginn des Frühlings wird auf der Nordhalbkugel der Erde um den Zeitraum der Tagundnachtgleiche - es ist genau 12 Stunden hell und 12 Stunden dunkel - auf den 21. März gesetzt. Er endet um den 21. Juni, der Sommersonnenwende. Im Unterschied zum astronomischen wird der meteorologische Frühling auf der Nordhalbkugel den Monaten März, April und Mai zugeordnet. Da die Unterrichtsstunde am 12. März stattfinden wird, passt das Thema „Frühlingslyrik“ zeitlich nahezu hervorragend.
Was ist es denn, was unsere Schüler im Frühling beobachten und erleben können? Was sind es für Empfindungen, für Gedanken, die diese Jahreszeit auslösen kann? Was für Ereignisse sind es, die sie bestimmen?
Da ist wohl zuerst das zu nennen, was wir unter Begriffen wie Erneuerung, Wechsel und Veränderung fassen können. Frühling steht für das Werden, das Entstehen neuen Lebens. Wenn sich in der Natur alles regt und zu wachsen beginnt, spricht man vom Frühlingserwachen. Die Tage werden länger, die Sonne lässt ihre ersten warmen Strahlen spüren, die Natur lebt auf. Der Schnee schmilzt, die Wiesen werden grün, die ersten Blumen sprießen, die Vöglein zwitschern und beginnen mit dem Nestbau. Wenn Eis und Schnee noch nicht ganz gegangen sind, zeigt sich, quasi als erster Frühlingsbote, das Schneeglöckchen. Andere Frühblüher, wie der Krokus, die Tulpe und die Narzisse folgen. Zu keiner anderen Jahreszeit, außer im Winter mit dem ersten Schnee, ist wohl der Wechsel der Jahreszeiten so deutlich zu spüren, wie im Frühling.
Frühling ist auch ein Reiz der Sinne. Man kann die Frühlingsluft riechen, neue Töne, zum Beispiel die ersten Vogelstimmen hören, die Sonne macht andere Farben sichtbar, man spürt die ersten warmen Sonnenstrahlen.
Diese Frühlingserfahrungen haben sicherlich bereits alle Schüler der achten Klasse gemacht, jedoch fällt es ihnen wahrscheinlich schwer, diese zu versprachlichen. In dem Alter der Schüler sind die Freunde die wichtigsten Bezugspersonen, da sich die Schüler immer mehr vom Elternhaus lösen. In Jungen-Cliquen wird nicht viel über Gefühle geredet, vor allem nicht in einer Zeit in der Shows wie „Jack Ass“ Rekord-Zuschauerzahlen haben. Diesem sollte in der Schule ein Gegengewicht gesetzt werden und die Schüler sollten aufgefordert werden, sich fühlend mit ihrer Umwelt auseinander zu setzen.
2.2.2 Der Bezug zum Bildungsplan
Orientiert an den Bildungsstandards der Realschule für das Fach Deutsch, kann die von mir geplante Lyrikstunde zunächst dem Arbeitsbereich 1, Sprechen, zugeordnet werden. Hier heißt es unter anderem, dass Schüler bis zum Ende der achten Klasse „…Texte ästhetisch gestaltend präsentieren“[19] können. Weiter taucht der Lyrikunterricht im Arbeitsbereich 2, Schreiben, auf, wonach Schüler in der Lage sein sollten „…Texte zu verfassen und einen Schreibprozess eigenverantwortlich zu planen und zu gestalten“, sowie „…sich ein Schreibziel setzen“[20] können.
Des Weiteren können sie „…kreativ zu Bildern, Texten und Erlebnissen schreiben und ihre Gefühle und Stimmungen zum Ausdruck bringen.“[21] Hierzu können sie „…Verfahren zur Vorbereitung des Schreibens (Cluster und Mindmap) nutzen.“,[22] Bezüglich des Arbeitsbereichs 3, Lesen/Umgang mit Texten und Medien, erfassen und verstehen Schüler bis zum Ende von Klasse acht „…Inhalte, Sprache und Form von Texten (kontinuierlichen und nicht kontinuierlichen)“ und können „…lyrische und epische Texte (Gedichte, Balladen, Kurzgeschichten, Erzählungen) an ihren Merkmalen erkennen und unterscheiden.“[23]
Ergänzend sollten die Schüler noch „…verschiedene epische, lyrische und dramatische Texte“,[24] kennen.
3. Intentionen des Unterrichts
3.1 Kognitive Zieldimensionen
• Die Schüler sollen die Lyrik als eine der drei literarischen Hauptgattungen mit ihren Merkmalen und Beispielen kennen lernen.
• Die Schüler sollen eine Form des kreativen Schreibprozesses kennen lernen und diesen ausführen.
• Die Schüler sollen ihre Präsentationskompetenz erweitern und versuchen, ein Gedicht ansprechend vorzutragen.
3.2 Affektive Zieldimensionen
• Die Schüler sollen sich in die Frühlingsthematik „einfühlen“ und ihre Empfindungen verbalisieren sowie niederschreiben.
• Die Schüler sollen ihre Gefühle sensibilisieren und ihre Sinne bereichern.
3.3 Soziale Zieldimensionen
• Die Schüler sollen lernen, anderen Mitschülern zuzuhören und deren selbstgeschriebene Gedichte sachlich und neutral zu beurteilen.
• Die Schüler sollen sich nicht scheuen, ihre eigenen Werke vor der Klasse vorzutragen.
3.4 Psychomotorische Zieldimensionen
• Die Schüler sollen lernen, ihr eigenes Grundwissen laut und verständlich vor der Klasse zu äußern. Hierdurch werden sie zusätzlich im präzisen Formulieren von Gedanken und Meinungen geschult.
4. Überlegungen zum Lehr- und Lernprozess
4.1 Der Einstieg
Wie bereits erwähnt ist der Frühling die Jahreszeit in der am meisten Sinneseindrücke wahrgenommen werden können. Dies soll den Schülern bereits zu Beginn der Stunde bewusst werden. Nach der Begrüßung werde ich zunächst eine Phantasiereise mit ihnen durchführen. Dies hat folgende Gründe:
Die Phantasiereise ist ein imaginatives Entspannungsverfahren bei dem mit Hilfe einer vorgetragenen Geschichte die Zuhörer in eine Art meditativen Zustand geführt werden sollen. Nach der großen Pause sind die Schüler meist noch sehr aufgedreht und brauchen eine gewisse Zeit, um sich wieder konzentrieren zu können. Die Phantasiereise erschien mir daher als sehr passend, zumal ich das erste Mal in der Klasse unterrichten werde und Unruhen deshalb nicht auszuschließen sind.
Der von mir vorgelesene Text (siehe Anhang) wird durch Vogelgezwitscher und meditative Musik im Hintergrund unterstützt. Hiermit möchte ich die Schüler für das Thema Frühling sensibilisieren. Sie sollen mit Hilfe ihrer Phantasie unterschiedliche Dinge erleben, sehen, hören, riechen und fühlen.
4.2 Der Übergang I
Nach Beendigung der Phantasiereise möchte ich mit den Schülern ein kurzes Blitzlicht durchführen, in dem sie die Möglichkeit haben, sich zu ihren Gefühlen und Eindrücken während der Reise zu äußern. Anschließend werde ich sie fragen, welchen inhaltlichen Themenschwerpunkt sie für diese Stunde vermuten. An dieser Stelle wird sicherlich sehr zügig der Bergriff Frühling fallen, woraufhin ich ein kurzes Brainstorming zu den Frühlingsassoziationen der Schüler durchführen werde. Alle Wortmeldungen werden von mir verbal aufgenommen und für den späteren Schreibprozess in Form eines Clusters an der Tafel schriftlich festgehalten. Unterstützt wird diese Phase durch zusätzliche Frühlingsbilder, die ich bereits während der Phantasiereise an der Tafel befestigt habe. Sobald von Seiten der Schüler keine Wortmeldungen mehr kommen werde ich diese bitten, das Cluster in ihr Heft zu übertragen.
Sollte ich bereits an dieser Stelle merken, dass meine zeitliche Planung nicht mehr eingehalten wird, werde ich die Schüler das Cluster nicht abschreiben lassen und gleich mit der Erarbeitungsphase I beginnen.
4.3 Erarbeitungsphase und Ergebnissicherung I
Um nun den Übergang zur Lyrik zu schaffen werde ich eine Folie mit dem Gedicht „Frühling“ von Theodor Fontane auflegen und es zunächst von einem Schüler vorlesen lassen. Anschließend werde ich die ganze Klasse fragen, um was für eine Textsorte es sich hierbei handelt. Ich gehe davon aus, dass den Schülern sofort klar sein wird, dass es sich um ein Gedicht handelt und somit gleich erfragen kann, woran man ein das erkennen konnte.
An dieser Stelle soll nun ein Unterrichtsgespräch entstehen, in welchem die Schüler die Möglichkeit haben, ihr bereits vorhandenes Wissen zu Gedichten und deren Merkmale zu äußern. Dass dies jedoch nicht zu weit ausschweift werde ich hin und wieder gezielte Fragen stellen, die sich bereits auf meinen geplanten Tafelanschrieb beziehen. Nach etwa 5 Minuten möchte ich das Gespräch abbrechen und mit dem Tafelbild beginnen (siehe Anhang). Die Schüler haben die Aufgabe selbiges in ihr Heft zu übernehmen und gleichzeitig am Unterrichtsgeschehen weiter teilzunehmen. Ich werde fortlaufend hin und wieder Fragen zu den einzeln aufgeführten Punkten an der Tafel stellen und den Schülern gleichzeitig auch die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen oder nach Möglichkeit Unklarheiten zu beseitigen. Selbstverständlich bin ich beim Entstehungsprozess des Tafelbildes flexibel und möchte versuchen die Formulierungen der Schüler ebenso zu berücksichtigen, wie meine eigenen Vorüberlegungen.
Durch diese Unterrichtsphase soll das Thema „Frühlingslyrik“ in einen Gesamtkontext gestellt werden, welcher durch das Abschreiben des Tafelanschriebs gefestigt wird.
An dieser Stelle gehe ich davon aus, dass es klingeln wird und die erste Unterrichtsstunde somit vorbei ist.
4.4 Der Übergang II
Nach der fünfminütigen Pause sollen die Schüler selbst aktiv werden. Mit Hilfe eines auf Folie visualisierten, präzisen Arbeitsauftrags (siehe Anhang), haben sie nun die Aufgabe, selbstständig ein Frühlingsgedicht zu verfassen. Hilfestellung gibt ihnen dabei das zu Beginn der Stunde entstandene Cluster an der Tafel und die zahlreichen Frühlingsbilder.
4.5 Erarbeitungsphase und Ergebnissicherung II
Der Entstehungsprozess des Gedichts basiert zunächst auf einer Form des Freewritings. Ohne genauere Struktur sollen sich die Schüler als erstes acht Sätze zu ihren persönlichen Frühlingseindrücken notieren. Anschließend wird alles Unwichtige herausgestrichen was nicht unbedingt für das weitere Textverständnis notwendig ist. Um die Form eines Gedichts erkennbar zu machen, werden nun Versumbrüche gesetzt und das Endprodukt nochmals überarbeitet.
Die Schüler haben für diesen Schreibprozess etwa 20 Minuten Zeit. Sobald sie fertig sind erhalten sie von mir ein buntes Blatt Papier auf welches sie ihr fertiges Gedicht nochmals in Reinschrift übertragen sollen. Schüler die frühzeitig fertig sind könnten sich überlegen, auf welche Art und Weise sie später ihr Gedicht der Klasse vortragen wollen (Betonung, Ausdruck, Sprache).
Nach Beendigung der Arbeitsphase haben nun einige Schüler die Möglichkeit, ihr Gedicht vorzutragen. Wichtig wäre es dabei, die Schüler positiv zu bestärken und ihnen Mut zu machen ihr Werk vorzulesen.
Während der Präsentationsphase muss Ruhe herrschen und jeder Schüler soll aufmerksam zuhören um dem Vortragenden später ein angemessenes Feedback zu geben.
Sollte im Anschluss an diese Phase noch Zeit bleiben, möchte ich gemeinsam mit den Schülern die fertigen Gedichte auf von mir mitgebrachte Plakate kleben. Zusätzlich werde ich verschiedenes Bildmaterial zur Verfügung stellen, mit dem die Schüler ihre Gedichte, sowie die Plakate ausschmücken können. Falls das jedoch zeitlich nicht mehr umzusetzen ist, werde ich die Gedichte einsammeln, die Plakate zu Hause selbst gestalten und sie in der folgenden Unterrichtsstunde im Klassenzimmer aufhängen.
4.6 Hausaufgaben und Abschluss
Bevor ich die Stunde beenden werde, teile ich noch die Hausaufgaben aus, die die Schüler bis zur nächsten Unterrichtsstunde erledigen sollen. Es handelt sich hierbei um das Erstellen von zwei Wachsgedichten (siehe Anlage). Dies soll den Schülern nochmals eine andere Herangehensweise für das selbstständige Schreiben von Frühlingsgedichten aufzeigen.
Gleichzeitig dient die Hausaufgabe auch als Puffer. Sollte der Unterricht schneller beendet sein, als ich es zeitlich geplant habe, werde ich den Schülern das Hausaufgabenblatt früher austeilen und sie bitten, es noch während des Unterrichts zu bearbeiten.
Verläuft alles nach Plan werde ich mich nach Verkündigung der Hausaufgaben von der Klasse verabschieden und den Unterricht beenden.
4.7 Mögliche Weiterarbeit
Wie bereits erwähnt handelt es sich bei der hier ausformulierten Unterrichtsstunde um die erste Sequenz einer kompletten Unterrichtseinheit zur Frühlingslyrik.
5. Unterrichtsskizze
Ziele
Die SuS sollen die Lyrik als eine der 3 Hauptgattungen mit ihren Merkmalen und Beispielen kennen lernen.
Die SuS sollen sich in die Frühlingsthematik „einfühlen“.
Die SuS sollen eine Form des kreativen Schreibprozesses kennen lernen und diesen ausführen.
Die SuS sollen ihre Präsentationskompetenz erweitern und versuchen, ein Gedicht ansprechend vorzutragen.
| Zeit | Phase | Lehrer-Schüler Aktivität | Sozialform | Medien | Didakt. / Method. Begründung |
| 9.35-11.10 Beginn 9.35-9.38 (ca. 3 min) | Begrüßung | Die Lehrperson begrüßt die Klasse, schreibt ihren Namen an die Tafel und bittet die SuS Namenschilder zu schreiben. | Tafel Namenschilder | Durch die Schilder ergibt sich die Möglichkeit, die SuS gezielt aufzurufen. | |
| 9.38-9.45 (ca. 7 min) 9.45-9.55 (ca. 10 min) | Einstieg Übergang | Die Lehrperson fordert die SuS auf, sich zu konzentrieren und führt die Phantasiereise durch. Die SuS folgen den Anweisungen und hören zu. „Mit was wollen wir uns in den nächsten Stunden beschäftigen?“ SuS: Frühling Es folgt ein Brainstorming zu den Frühlingsassoziationen der SuS welches als Cluster an der Tafel festgehalten wird. Die Schüler übernehmen das Cluster in ihr Deutschheft. | Klassenunterricht Klassenunterricht | Vogelgeräusche Kassettenrekorder Text zur Phantasiereise Tafel Frühlingsbilder | Die SuS werden für das Thema „Frühling“ sensibilisiert und kommen nach der Pause zur Ruhe. Das Cluster dient als Hilfestellung für den späteren Schreibprozess und bewirkt ein „Einfühlen“ in die anstehende Jahreszeit. |
| 9.55-10.00 (ca. 5 min) 10.00-10.20 (ca.20 min) Pause bis 10.25 | Erarbeitungsphase I Ergebnissicherung I | Die Lehrperson legt ein Frühlingsgedicht auf den OHP auf und lässt es von einem S vorlesen. „Um was handelt es sich hierbei?“ SuS: Frühlingsgedicht „Woran erkennt man Gedichte, wo gehören sie dazu…?“ -> Es soll ein Unterrichtsgespräch entstehen. Die im Unterrichtsgespräch erarbeiteten Merkmale und Beispiele der Lyrik werden durch ein entstehendes Tafelbild gefestigt. Die SuS übernehmen das Tafelbild in ihr Heft. | Klassenunterricht Klassenunterricht | OHP Folie Tafel | Die SuS lernen das Gedicht als eine Form der Lyrik kennen und können sie als Gattung von den anderen Gattungen unterscheiden. Das Thema der Unterrichtseinheit wird in einen Gesamtkontext gefasst. |
| 10.25-10.30 (ca.5 min) | Übergang | „Jetzt sollt ihr selbst aktiv werden und ein Frühlingsgedicht schreiben!“ Die Lehrperson erklärt den SuS den neuen Arbeitsauftrag anhand einer Folie – Cluster und verschiedene Frühlingsbilder sollen den Schreibprozess unterstützen. | Klassenunterricht | OHP Folie | Durch die Folie erhalten die SuS eine präzise Vorgehensweise für ihren folgenden Schreibprozess. |
| 10.30-10.50 (ca.20 min) 10.50-11.05 (ca. 15 min) | Erarbeitungsphase II Ergebnissicherung II | Jeder S verfasst selbstständig ein Frühlingsgedicht – Die fertigen Gedichte werden auf ein buntes Blatt Papier geschrieben. Wer früher fertig ist, soll seinen Gedichtsvortrag einüben. Die Lehrperson ist weiterhin präsent und gibt bei aufkommenden Fragen Auskunft. Einige SuS tragen ihre fertigen Gedichte vor der Klasse vor und berichten über deren Entstehungsprozess. Anschließend werden die Gedichte auf Plakate geklebt, durch Bilder ergänzt (Frühlingscollage) und im Klassenzimmer aufgehängt. | Einzelarbeit Klassenunterricht | Folie Fertige Gedichte Plakate Bilder | Die SuS erhalten die Möglichkeit selbst kreativ zu werden und ihr Produkt hinterher der Klasse ansprechend vorzustellen. Hierdurch wird zusätzlich die Präsentation als Methodenkompetenz gefördert. |
| 11.05-11.10 (ca. 5 min) 11.10 Ende | Hausaufgabenbesprechung | Die Lehrperson teilt die Hausaufgabe aus, diese auch gleichzeitig der Puffer für die Stunde sein könnte, und spricht sie mit der Klasse durch. Die Lehrperson verabschiedet sich von der Klasse und beendet den Unterricht. | Klassenunterricht | AB Hausaufgabe | Das Wachsgedicht soll eine andere Herangehensart an das selbstständige Schreiben eines Gedichts aufzeigen. |
6. Nachbesinnung
Meine erste Unterrichtsstunde in der Klasse 8b verlief über meine eigenen Erwartungen hinaus sehr positiv.
Ich hatte zuvor einige Zweifel bezüglich der Phantasiereise, da ich mir nicht sicher war, ob sich die Schüler tatsächlich darauf einlassen würden. Frau Krug gab mir vor der Stunde noch den Tipp, der Klasse von vornherein klar zu machen, dass folgend ihre Konzentration gefragt ist und diejenigen, die sich nicht in der Lage fühlen, für fünf Minuten völlig ruhig zu sein und sich zu konzentrieren bitte sofort den Klassenraum verlassen sollen. Glücklicherweise verließ niemand das Klassenzimmer und so konnte ich mit viel Zuversicht die Phantasiereise beginnen. Die Resonanz der Schüler war anschließend durchgehend positiv. Viele bestätigten mir, dass sie sich den Frühling bildlich vorstellen konnten und sich folglich auf meinen „Versuch“ eingelassen haben.
Weiter ging es mit dem Cluster zum Thema Frühling, welches ebenfalls ohne Probleme durchgeführt werden konnte. Die folgende Erarbeitungsphase verlief etwas zäh, was möglicherweise an der Sozialform lag. Generell ist zu sagen, dass ich versuchen muss, mehr Abwechslung in meinen Sozialformenablauf zu bringen. Zu häufig tritt der Klassenunterricht auf, welcher die Schüler sehr schnell langweilt und damit die Konzentration und Aufmerksamkeit abhanden kommt. Während des Tafelanschriebs habe ich noch zu oft mit den Schülern kommuniziert und immer wieder Dinge angesprochen, die bereits geklärt waren und die ich daher ohne weiteren Kommentar hätte anschreiben können. Nichts desto trotz wurde ich mit meinem Tafelbild kurz nach der Pause fertig und so konnten die Schüler mit nur fünf Minuten Verzug die zweite Erarbeitungsphase beginnen. Hier erklärte ich mit Hilfe einer Folie den genauen Arbeitsauftrag und lies die Schüler dann in Einzelarbeit ein Frühlingsgedicht verfassen. Der von mir erteilte Arbeitsauftrag war jedoch noch etwas unpräzise. Den Schülern war nicht genau klar, wie sie beim Schreiben ihres Gedichts methodisch vorgehen sollten und so gab es viele Zwischenfragen bezüglich der Form und des Inhalts. Einige Schüler wollten wissen, ob sich das Gedicht reimen muss, andere wussten nicht, was mir inhaltlich wichtig war. Leider hielt sich auch beinahe kein Schüler an den von mir formulierten Vorgehensprozess und so schrieb jeder sofort ein Gedicht in Strophenform, ohne vorher den angeforderten Fließtext zu schreiben. Dieser Vorfall machte mir deutlich, dass ich künftig noch genauere Angaben zu meinen Arbeitsaufträgen machen muss und Dinge, die mir persönlich wichtig sind, besonders betonen sollte. Zusätzlich müssen meine Zeitangaben noch präziser werden und ich sollte mehr darauf achten, dass die Schüler während den selbstständigen Arbeitsphasen leise sind.
Auch wenn die Schüler nicht genau nach meinen Angaben gearbeitet haben, so entstand doch bei jedem ein gutes Endprodukt, so dass gegen Ende der Stunde noch zwei Schüler die Möglichkeit hatten, ihr „Eigenwerk“ der Klasse vorzutragen. Schon an dieser Stelle bemerkte ich, dass einige sehr gute Ergebnisse dabei herausgekommen sind. Den Schülern machte die kreative Schreibaufgabe sichtlichen Spaß und jeder gab sich bei der von mir gewünschten Reinschrift viel Mühe. Leider reichte die Zeit am Ende nicht mehr aus, um alle Gedichte auf die dafür vorhergesehenen Plakate zu kleben und so sammelte ich die Gedichte ein und gestaltete die Plakate zu Hause selbst.
Die Stunde hat mich ermutigt mit der Klasse weiterzuarbeiten und nahm mir meine vorhergehenden Zweifel und Ängste. Auch die mit Frau Krug folgende Nachbesprechung war zu meiner vollsten Zufriedenheit. Die von ihr geäußerten Rückmeldungen sind in den oberen Zeilen bereits erwähnt und von mir reflektiert worden. Dem zu ergänzen wäre mein Lehrerecho welches bei mir noch zu häufig zum Einsatz kommt. Hieran sollte ich unbedingt noch arbeiten.
7. Quellen
7.1 Literaturrecherchen:
Bauer, Karl W.: Grundkurs Literatur- und Medienwissenschaft Primarstufe. München: UTB Verlag, 3. Auflage, 1998.
Burdorf, Dieter: Einführung in die Gedichtsanalyse. Stuttgart; Weimar: Metzler, 1997.
Duden: Schulgrammatik Deutsch extra. 5. bis 10. Klasse. Mannheim: Duden PAETEC Schulbuchverlag, 2. aktualisierte Aufl., 2006.
Hermes, Eberhard: Abiturwissen Lyrik. Stuttgart: Ernst-Klett Verlag, 2003.
Kayser, Wolfgang: Kleine deutsche Versschule. Bern; München: UTB Verlag, 15. Auflage, 1974.
Ministerium für Kultus und Sport: Bildungsplan für die Realschule. Stuttgart, 2004.
Spinner, Kaspar H. : Kreativer Deutschunterricht. Identität – Imagination – Kognition. Seelze: Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung, 2001.
7.2 Internetrecherchen:
Homepage der Schule: www.gdrs.de (letzter Zugriff: 27.03.2007)
Infos zu Frühlingslyrik/Naturlyrik: www.lyrik-wissen.de (letzter Zugriff 27.03.2007)
Fußnoten:
[1] Die Bezeichnung „Schüler“ soll hier der Einfachheit halber stellvertretend für beide Geschlechter stehen und nicht Ausdruck mangelnder Emanzipation oder Gleichberechtigung sein. Sie wird im gesamten Unterrichtsentwurf verwendet.
[2] vgl.: www.gdrs.de (letzter Zugriff: 27.03.2007)
[3] Burdorf 1997, S. 2
[4] ebd. S. 2
[5] vgl. Burdorf 1997, S. 3
[6] vgl. ebd. S. 3
[7] vgl. Bauer 1998, S. 48
[8] Bauer 1998, S. 47
[9] Kayser 1971, S. 9
[10] vgl. Bauer 1998, S. 50
[11] vgl. ebd. S. 51
[12] vgl. ebd. S. 54
[13] vgl. Hermes 2003, S. 93
[14] vgl. Duden Schulgrammatik 2006, S. 104 f.
[15] vgl. www.lyrik-wissen.de letzter Zugriff 27.03.2007
[16] Spinner 2001, S. 173
[17] ebd. S. 175
[18] ebd. S. 175
[19] Bildungsplan RS 2004, S. 52
[20] ebd. S. 52
[21] ebd. S. 52
[22] ebd. S. 53
[23] ebd. S. 53
[24] Bildungsplan RS 2004, S. 53
Kommentare (1)
Gründliche Planung und sicherlich eine motivierende Stunde. Den Einstieg (Traumreise) würde ich aber eher in einer 6. oder 7. Klasse machen und nicht in einer 8.











