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Betrachten und Erweitern einer Zeichnung von Joan Miró

Betrachten und Erweitern einer Zeichnung von Joan Miró
Unterrichtsentwurf
Datum: 16. Juni 2009 Autor: lok1414 Kommentare: 0

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Beschreibung:

In dieser Unterrichtsstunde sollen die SchülerInnen die Mehrdeutigkeit vorgegebener Bildelemente erkennen, beschreiben und aushalten können, ihre Informationslücken individuell ausdeuten, formulieren und ihren Mitschülern dokumentieren können und zudem die Deutungen anderer nachvollziehen und tolerieren können und somit ihre eigene Wahrnehmungsaktivität steigern. Durchgeführt in einer 2. Klasse.


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Betrachten und Erweitern einer Zeichnung von Joan Miró


Betrachten und Erweitern einer Zeichnung von Joan Miró

1. Bedingungsanalyse
1.1 Zur Klassensituation
1.2. Institutionelle Voraussetzungen
1.3. Vorerfahrungen der Kinder im Fach Bildende Kunst
nicht abgedruckt

2. Sachanalyse

2.1. Problemelemente

MotivVeränderung einer vorgegebenen Abbildung
Material / VerfahrenWeißes Papier (Din A 3 / Kopiervorlage: Joan Miró: Komposition, 1928, Tintenzeichnung)
Schwarzer Filzstift
Filzstiftzeichnung
Bildnerische ElementeSchwarze Linien, Flächen und Punkte
Beabsichtigte WirkungenDie vorhandenen Zeichen sollen ergänzt bzw. verändert werden
Individuelle Deutungsmöglichkeiten sollen sichtbar gemacht werden

2.2. Zum Bild

Joan Miró wurde 1893 Montroíg (Katalanien) geboren (gestorben 1983). Anfangs des 20.Jahrhunderts studierte er an der Akademie in Barcelona. Anfangs standen seine Bilder in der Nachfolge der Fauves. Nach einer Paris-Reise und einer Begegnung mit P. Picasso kam er 1919 zu einem Stil, der kubistische Elemente, die harte Linie der Neuen Sachlichkeit und die Buntheit der Naiven Malerei verband („detaillistische Periode“). Durch den engen Kontakt mit Surrealisten und unter dem Eindruck von W. Kandinsky, P. Klee und H. Arp entwickelte er ab 1923 seine stark abstrahierende, frei assoziierende „Traummalerei“ aus biomorphen Figuren, kindlichen Strichfiguren und grotesken Querverbindungen.[1]
In eben dieser Zeit entstand 1928 die vorliegende Zeichnung „Komposition“. Entgegen seiner bekannten farbigen Bilder zeichnete Miró hier mit Tinte.

Die Zeichnung hat folgende Eigenschaften:
• Sie ist klar strukturiert.
• Einzelne Elemente lassen sich leicht deuten, aber nicht eindeutig festlegen.
• Die Position der Zeichnung lässt sich (wenn die Signatur Mirós entfernt wird) nicht eindeutig erkennen; auch auf dem Kopf erscheint die Zeichnung sinnvoll.

3. Didaktischer Kommentar

3.1. Lehrplanbezug

Das heutige Thema ist Teil des Arbeitsbereiches 1 „Zeichnen / Grafik” im Bildungs-plan für die Grundschule der Klasse 1 und 2 [2] . Hierbei sollen die Schüler ausgehend von ihrem bereits vorhandenen zeichnerischen Formenbestand bewusst Erfahrungen mit grafischen Gestaltungsmitteln sammeln. Ihre zeichnerischen Ausdrucksmöglichkeiten werden durch differenziertes Wahrnehmen erweitert und vertieft.
Die Betrachtung von Bildern kann hierbei eine entscheidende Hilfe und Erweite-rungsmöglichkeit sein.
Dabei wird ein grundlegendes Bildungsziel des Faches Bildende Kunst verfolgt: „Die Erziehung zu bildnerischem Denken, bei dem das Kind seine ihm eigenen Wahrnehmungs-, Ausdrucks- und Wirkungsmöglichkeiten entdecken kann. (...)
Über die Sensibilisierung der Wahrnehmung, insbesondere in der Bildbetrachtung, und über Grunderfahrungen mit bildnerischen Techniken entwickeln die Kinder kreative Fähigkeiten, die von zunächst einfachen Ausformungen zu einer differenzierten Bildsprache führen”[3] .
Im Vordergrund der heutigen Stunde steht das gestalterische Grundprinzip „Experimentieren und Verändern”. Ein vorgegebenes Objekt (Bild) soll auf seine gestalterische Möglichkeiten hin untersucht und in einer bestimmten Wirkungs-absicht umgedeutet werden.

3.2. Einbindung der Stunde in die Unterrichtseinheit

Bereits zwei Wochen zuvor habe ich mit den Schülern das Bild „Die Trauer des Königs“ von Henri Matisse betrachtet und mit einer Schneide-Arbeit mit Buntpapier umgesetzt. So ist die heutige Stunde die zweite, in der die Schüler ein Bild des 20. Jahrhunderts betrachten und deuten.

Die heutige Zeichnung sowie deren Ausdeutung soll in der kommenden Woche im Deutschunterricht aufgegriffen werden und Anlass für Erzählungen und Spontan-schreibungen sein. Daraus soll abschließend ein Klassenbuch entstehen, in dem alle Zeichnungen der Kinder – auf Din A 5 kleinkopiert – mit den entstandenen Geschichten veröffentlicht werden.

3.3. Bedeutung der Thematik für das Kind

Das Ergänzen unvollständiger Informationen wird von den Schülern fast täglich (oft unbewusst) geübt: mit Zeichnungen in Bilderbüchern, auf Werbeplakaten... Der Rätselcharakter, erzeugt durch die Lückenhaftigkeit bzw. Mehrdeutigkeit des Bildes, bedeutet gerade für die Grundschüler einen besonderen Anreiz zum Deuten und Umdeuten der vorgegebenen Informationen. Mit Hilfe dieser besonderen Motivation zum Verändern der vorgegebenen Abbildung wird nicht nur die Wahrnehmungs-aktivität erheblich gesteigert, sondern auch eine erhöhte Wahrnehmungsverfeine-rung erreicht.

Das vorliegende Bild hat einen kindlichen Charakter. Die Formen sind so gestaltet und angeordnet, dass vielfältige Deutungsmöglichkeiten entstehen.

3.4. Prinzipien des Musisch-ästhetischen Gegenstandsbereiches im Hinblick auf diese Stunde

Die elementaren Handlungsformen des MÄG-Bereichs sind Wahrnehmen und Gestalten. Beide Bereiche werden in der vorliegenden Stunde berücksichtigt.

3.4.1. Wahrnehmen

Folgende Wahrnehmungsformen werden in der heutigen Stunde angesprochen:

• Differenzierung: Eine surrealistische Zeichnung wird nicht mehr als „ein paar Striche auf dem Papier“ wahrgenommen, sondern bewusst betrachtet und gedeutet.
• Dynamisierung: Ein bereits vorhandenes Gemälde wird individuell gedeutet und entsprechend umgestaltet bzw. ergänzt.
• Wahrnehmungskritik: Die entstandenen, umgestalteten Bilder werden gemeinsam betrachtet und gewürdigt. Dabei können Verbesserungsvorschläge gemacht werden.

3.4.2. Gestalten

Die Gestaltungsaufgabe der heutigen Stunde ist eine Mischung aus Variation und Komposition. Ein vorgegebenes Bild von Joan Miró wird entsprechend der individuellen Deutung ergänzt und umgestaltet. Hierbei stehen die Gestaltungs-prinzipien Veränderung und Verbindung im Vordergrund.

Der intentionale Bezug wird produktiv über Experimentieren, Übertragen und Erweitern und rezeptiv über das Sehen und Verstehen hergestellt.

3.5. Zur Wahl der Technik

Für die Arbeitsphase habe ich mich aus folgenden Gründen für eine Filzstiftzeichnug entschieden:

• Spuren einer Filzstiftzeichnung kommen den Spuren auf der Kopiervorlage recht nahe.
• Der Umgang mit Filzstiften ist den Schülern bereits bekannt.
• Filzstifte üben auf Schüler einen besonderen Reiz aus, da sie normalerweise aus der Schule verbannt sind.
• Mit Filzstiften lässt sich einfach zeichnen, aber auch Flächen sind leicht auszumalen.

3.6. Lernziele

3.6.1. Kognitive Lernziele:

Die Schüler sollen

• die Mehrdeutigkeit vorgegebener Bildelemente erkennen, beschreiben und aushalten können,
• die Informationslücken individuell ausdeuten, formulieren und ihren Mitschülern dokumentieren können,
• Deutungen anderer nachvollziehen und tolerieren können und somit ihre eigene Wahrnehmungsaktivität steigern,
• zur sprachlichen Artikulation der eigenen Lösung und der “Bildverwandlungen” anderer angeregt werden.

3.6.2. Soziale Lernziele

Die Schüler sollen

• Die Toleranz entwickeln anderen zuzuhören und andere Auffassungen nachzu-vollziehen,
• kooperatives Verhalten beim Malen entwickeln.

3.6.3. Emotionale Lernziele

Die Schüler sollen

• Eine Aufnahmebereitschaft und ein Neugierverhalten gegenüber ihnen unbekannten und ungewohnten Bildern entwickeln,
• Freude am Zeichnen mit Filzstiften haben.

4. Methodischer Kommentar

4.1. Vorbereitungen zur Stunde

• Bereitstellen der Folie mit der Zeichnung von Joan Miró
• Bereitstellen von weißem Papier (Din A 3) mit einer Kopie der Zeichnung
• Auswahl der Begleitmusik
• Bereitstellen der Filzstifte

4.2. Gedanken zum Stundenaufbau

Die vorliegende Stunde ist für die Kinder die erste an diesem Tag. Erfahrungsgemäß kommen einige Kinder zu spät. Wahrscheinlich wird es nicht möglich sein mit der Bildbetrachtung zu warten bis alle Kinder da sind.
Da es im Anschluss an die erste Stunde nicht läutet, ist es denkbar die Stunde etwas zu verlängern.

4.2.1. Einstieg

Wie gewohnt, singen Lehrer und Schüler zu Beginn das Lied „Wenn ein neuer Tag beginnt“.
Da der Rhythmus recht schwierig ist, ist es sinnvoll diesen zuvor zu klatschen, obwohl das Lied bereits bekannt ist. Dies hat zudem den Vorteil, dass das Singen etwas länger dauert und möglicherweise verspätete Kinder rechtzeitig zur Bild-betrachtung kommen.
Die Kinder wissen bereits, dass in dieser Stunde Besuch kommt.

Nach dieser Phase setzen sich die Schüler aus dem Stuhlkreis an die Tische.
Hierbei könnt es zu Reibereien unter den Kindern kommen, denn die Sitzordnung in diesem Raum ist noch nicht gefestigt.

4.2.2. Hinführung

Die Bildbetrachtung wird mit der Aufforderung an die Kinder eingeleitet: „Schaut euch das Bild, während die Musik erklingt, zunächst in aller Ruhe an.“
Zur Untermalung der Bildbetrachtung habe ich versucht eine Musik zu wählen, die die Gefühle beim Betrachten des Bildes und somit dessen Interpretation am wenigsten beeinflusst.

Anschließend können sich die Schüler zu dem äußern, was sie auf dem Bild erkennen. Haben sich einige Schüler geäußert, dreht der Lehrer das Bild um 180°. Dadurch entsteht ein Überraschungsmoment denn es gibt völlig neue Deutungsmöglichkeiten.
In dieser Phase können kurze Informationen über das Bild einfließen: Ein spanischer Künstler namens Joan Miró hat es vor etwa 70 Jahren gemalt.
Erfahrungsgemäß haben die meisten Schüler in dieser Phase viele Ideen, nach kurzer Zeit fehlt ihnen jedoch die Konzentration ihren Mitschülern zuzuhören. Der Lehrer muss hier rechtzeitig eingreifen und das Gespräch beenden, indem er darauf hinweist, dass zwar noch nicht alle Schüler etwas sagen konnten, jeder Schüler aber das, was er in dem Bild erkennt, gleich selbst dazu zeichnen darf.
Dadurch wird eine Brücke geschlagen zur Erarbeitungsphase.

4.2.3. Erarbeitung

Bei der Planung der Stunde stellte ich mir die Frage: Warum sollte man ein fertiges Bild eines Künstlers weiterzeichnen? Den Kindern stellt sich sicher unterbewusst auch die Frage: Warum malt ein Künstler ein so „seltsames“ Bild? Dies möchte ich den Kindern folgendermaßen erklären: Künstler malen oft Dinge unvollständig oder verzerrt, denn sie wollen die Betrachter zum Nachdenken anregen und möchten, dass die Betrachter Phantasie entwickeln. Hier setzt die heutige Stunde an: Jeder zeichnet das, was er in seiner Phantasie in diesem Bild erkennt, zu Ende.

Der Lehrer gibt die heutige Aufgabenstellung bekannt: Das Ergänzen der Zeichnung von Joan Miró. Dabei muss nochmals die Vielzahl der Deutungsmöglichkeiten betont werden.

Zur Technik der Filzstiftzeichnung muss nicht viel erklärt werden, denn der Umgang mit Filzstiften ist den Kindern bekannt.
Wichtig ist der Hinweis, dass alle Schüler ihre Namen auf die Rückseite des Blattes schreiben.

Auch auf das Ende der Realisierungsphase muss im Voraus hingewiesen werden: Wenn das Stopp-Schild vollständig an der Tafel zu sehen ist, müssen sich alle Schüler im Stuhlkreis wiedertreffen und die Zeichnungen in die Kreismitte legen.

4.2.4. Realisierung

Nachdem die Schüler je einen Filzstift und die Kopie der Miró-Zeichnung auf einem Din A 3- Blatt erhalten haben, können sie selbständig mit der Gestaltung der Zeichnung beginnen. Da die Schüler ein starkes Bedürfnis nach Rückmeldung des Lehrers haben, werde ich durch die Reihen gehen und den entstehenden Bildern die gewünschte Aufmerksamkeit schenken.
An der Tafel lasse ich währenddessen langsam das Stopp-Schild entstehen, das die Kinder darauf hinweist, dass die Arbeitszeit demnächst beendet ist.

4.2.5. Reflexion

Im Stuhlkreis wird anschließend über die Realisierungsphase reflektiert. Die entstandenen Zeichnungen werden daraufhin untersucht, in welche Position das vorgegebene Bild gedreht wurde und wie dieses gedeutet und verändert wurde.

Abschließend können einige Kinder, falls es die Zeit und die Konzentration der Schüler zulässt, über die Entstehung und die Ideen ihrer Bilder berichten.

Es ist in dieser Phase damit zu rechnen, dass viele Kinder nicht ausschließlich ihr Bild beschreiben, sondern ganze Geschichten zu ihrem Bild erzählen. Diese Erzählungen sollen in einer kommenden Deutschstunde aufgegriffen und in Geschichten umgesetzt werden (vgl. 3.2. Einbindung der Stunde in die Unterrichtseinheit).

Zum Ende der Stunde müssen noch Ankündigungen für die kommende Stunde gemacht werden, da dies eine Vertretungsstunde sein wird. Je nachdem, wie weit die Schüler mit ihrer Zeichnung gekommen sind, können sie an ihr weiterarbeiten oder aber ein Arbeitsblatt der Klassenlehrerin ausfüllen.

Im Umgang mit der Miró-Zeichnung hätten sich viele Alternativen geboten:
• Während der Bildbetrachtung eine Geschichte erzählen und diese anschließend durch Weiterzeichnen umsetzen.
• Die Bildbetrachtung nur als Zeichen-Anlass nehmen, anstatt die Miró-Zeichnung für die Schüler zu kopieren.
• Die Miró-Zeichnung farbig ausgestalten....

5. Verlaufsplanung

ZeitPhaseLehrer-Schüler-InteraktionSozialformMedien
7.45 – 7.50
5‘
Einstieg• L. und S. singen das Begrüßungslied „Wenn ein neuer Tag beginnt“
• Begrüßung der Gäste
Stuhlkreis
7.50 – 7.57
7‘
Hinführung• L. stellt Beobachtungsaufgabe: das Bild am OHP genau und leise betrachten während die Musik erklingt
• S. äußern sich zum Bild (Deutungsvorschläge)
• L. dreht mehrmals die Folie um 90°, so dass sich neue Deutungsmöglichkeiten ergeben
FrontalOH-Projektor, Folie mit der Zeichnung von Joan Miró, Zeigestock
7.57 – 8.00
3‘
ErarbeitungL. gibt heutige Aufgabenstellung bekannt: Ergänzen des Bildes
Er betont dabei nochmals die Vielzahl der Deutungsmöglichkeiten

L. führt in die Technik ein: Filzstiftzeichnung
Frontal
8.00 – 8.20
20‘
RealisierungS. erweitern / vervollständigen die Zeichnung

Dialog mit einzelnen S., falls diese es wünschen
Aufmerksamkeit des L. gegenüber den entstehenden Bildern

Zeichen zum Phasenende: Stopp-Zeichen entsteht langsam
EinzelarbeitFilzstifte, Kopiervorlagen (Din A 3)
8.20 – 8.30
10‘
ReflexionVergleichende Analyse:
• In welche Position wurde die Kopiervorlage gedreht?
• Wie wurde die vorgegebene Zeichnung gedeutet und verändert?

Genetische Reflexion:
Einzelne S. berichten über die Entstehung ihrer Bilder
Stuhlkreis

6. Literatur

• Burkhardt, Hermann u.a.: Anfangsunterricht; 1. U. 2. Schuljahr, Leipzig 1995.
• Der Kunst-Brockhaus, Bd. 6, Mannheim 1987.
• Ministerium für Kultus und Sport Baden-Württemberg (Hg.): Bildungsplan für die Grundschule, Stuttgart 1994.
• Pierre, José: Lexikon des Surrealismus, Köln 1976,
• Richter, Horst: Geschichte der Malerei im 20. Jahrhundert; Stile und Künstler, Köln 1974.
• Seuphor, Michel: Knaurs Lexikon abstrakter Malerei, München 1957.

 

 



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