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Verklanglichung einer Geschichte

Verklanglichung einer Geschichte
Unterrichtsentwurf
Datum: 16. Juni 2009 Autor: lok1414 Kommentare: 0

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Beschreibung:

In dieser Unterrichtsstunde sollen die SchülerInnen gegenüber der Vielfalt der akustischen Reize eine Sensibilität entwickeln und akustische Signale wahrnehmen und verbalisieren können. Durchgeführt in einer 4. Klasse.


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Verklanglichung einer Geschichte


Verklanglichung einer Geschichte

1. Bedingungsanalyse
1.1. Zur Klassensituation
1.2. Institutionelle Voraussetzungen
1.3. Vorerfahrungen der Kinder im Fach Musik

2. Sachanalyse

2.1. Geräusche und Musik in der Umwelt

Die auditive Wahrnehmungsfähigkeit ist Voraussetzung für jede Art des Musikhörens. Diese Hörfähigkeit und die Einstellung zu akustischen Reizen wird in der Entwicklung der Kinder durch die gesammelten Höreindrücke geprägt.
Dabei muß täglich eine Flut von akustischen Reizen verarbeitet werden, die ständig auf die Kinder einwirken. Den ganzen Tag über begleiten uns Geräusche der Umwelt: Vögel zwitschern, Autos fahren vorüber, an einer Baustelle wird gesägt... Die uns umgebende Klangflut ist so groß, daß wir sie oftmals gar nicht mehr wahrnehmen. Durch ein Übermaß an akustischen Reizen (z.B. durch eine Dauer-Berieselung im Radio) kann es gar zu einem “Akustik-Streß” kommen. Dem kann durch eine Sensibilisierung und Bewußtmachung des Hörens entgegengetreten werden. Ausgangspunkt hierfür ist die uns umgebende akustische Umwelt.

2.2. Geräusche in den Medien

In den Medien Fernsehen und Hörfunk werden Inhalte bewußt mit Geräuschen der Umwelt untermalt, damit sie echt erscheinen. Für die Vertonung von Filmen oder Hörspielen gibt es einen speziellen Beruf, der sich mit der Nachahmung von Geräuschen befaßt.

2.3. Verklanglichung

Eine Verklanglichung von Inhalten kann durch eine Vielzahl von Instrumenten geschehen:
• körpereigene Instrumente: z.B. durch die Stimme, klatschen, stampfen, schnpsen, reiben...
• Instrumente der Umwelt: z.B. auf Hloz klopfen,, einen Gummi schnpsen lassen, mit einem Korken reiben...
• Musikinstrumente: z.B. Orff-Instrumente

Es werden verschiedene Inhalte von Verklanglichungen unterschieden:
• real Hörbares (Regen, Stimmen, Donner)
• real nur Sichtbares (Sonne, Blumen, Nebel)
• Stimmungen und Gefühle (Wärme, Trauer, Morgenstimmung)

3. Didaktischer Kommentar

3.1. Lehrplanbezug

Das Thema „Vertonen von Ereignissen“ ist Teil des Arbeitsbereiches 1 “Singen / Musizieren” im Bildungsplan der Klasse 3. Mit Instrumenten und anderen experimentellen Klangerzeugungen sollen die Kinder unterschiedliche Spieltech-niken erproben und üben, verschiedene Klänge und Spielweisen zu unterscheiden.
Unter dem Thema Klanggestaltung, das auch Teil des AB 1 ist, wird die Gestaltung einfacher Spielstücke und Klangszenen mit Stimme, Körperinstrumenten, Instrumenten und anderen Klangerzeugern genannt. Dazu gehört die Klangmalerische Gestaltung von Sprechversen und Gedichten, Naturszenen und Bildgeschichten.

3.2. Einbettung der Stunde in das thematische Umfeld

Die vorliegende Stunde ist die erste im Bereich der Klanggestaltung. Ziel der kommenden Stunden wird es sein, eine Geschichte mit Hilfe von Gegenständen der Umwelt (Holz Metall, Zeitungen...) klanglich zu gestalten und damit eine Art von Hörspiel auf Kassette aufzunehmen.

Da die Kinderin den vergangenen Stunden erste Erfahrungen mit den Instrumenten der Schule gesammelt haben, und große Freude am Umgang mit ihnen haben, soll das Thema mit einer Klanggestaltung mit den bekannten Instrumenten eingeführt werden. Gleichzeitig kann dabei die Benennung der Instrumente wiederholt werden.

3.3. Bedeutung der Thematik für das Kind

Täglich strömen immer neue Höreindrücke auf die Kinder ein, die sie verarbeiten müssen. Die uns ständig umgebenden Geräusche nimmt man dabei oftmals nicht mehr wahr. Auch in Mettingen gibt es viele “Dauergeräusche”, die die Kinder bisher kaum bemerkt haben: der Durchgangsverkehr, die Eisenbahnen, Gezwitscher der Vögel, Rauschen der Bäume... Eine Besinnung auf diese Geräusche führt zu einem bewußteren Hören.

Das Ergebnis von verklanglichten Geschichten konsumieren die Kinder durch tägliches Fernsehen und Radio-Hören. Dabei nehmen die Schüler jedoch eine passive Haltung ein. Durch einen aktiven Umgang mit den Medien und einer kritischen Auseinandersetzung mit den Geräuschen werden bisher unbekannte Einblicke ermöglicht.

3.4. Prinzipien des Musisch-ästhetischen Gegenstands-bereiches im Hinblick auf diese Stunde

Die elementaren Handlungsformen des MÄG-Bereichs sind Wahrnehmen und Gestalten. Beide Bereiche werden in der vorliegenden Stunde berücksichtigt.

3.4.1. Wahrnehmen

Bereiche der Wahrnehmung, die in der vorliegenden Stunde angesprochen werden:

• Differenzierung: Umweltgeräusche werden bewußt wahrgenommen und sprachlich eingeordnet. Dabei wird zwischen natürlichen und von den Menschen hervorgerufenen Geräuschen unterschieden.
• Dynamisierung: Im Kontext mit einer Untermalung einer Geschichte werden Geräusche verändert wahrgenommen: Das Trommel mit Fingern auf eine Handtrommel ist der Regen, die Rassel ist der Rabe ...
• Wahrnehmungskritik: Durch andere Schüler erzeugte Geräusche werden in Bezug auf ihre Klangabsicht hin kritisch überprüft und evtl. verbessert.

3.4.2. Gestalten

Auch bei der Gestaltung werden verschiedene Bereiche angesprochen:

• Imitieren: vorgegebene bzw. bekannte Geräusche werden nachgeahmt.
• Transformieren: Die Original-Klänge (z.B. Scheppern von Dosen bei einer Vogelscheuche) werden mit Instrumenten umgesetzt.

Wichtig bei der Gestaltung sind deren Prinzipien, wie Kontrast (laut-leise, schnell-langsam...) , Verbindung (einzelne Geräusche werden durch eine Geschichte zu einer Einheit verbunden) oder Veränderung.

3.5. Lernziele

3.5.1. Kognitive Ziele

Die Schüler sollen
• gegenüber der Vielfalt der akustischen Reize eine Sensibilität entwickeln,
• akustische Signale wahrnehmen und verbalisieren,
• Höreindrücke durch Reproduktionsversuche nachahmen,
• Klangexperimente selbständig durchführen,
• Bild-Symbolen die konkreten Instrumente zuordnen können,
• gewonnene Erkenntisse in Spontan-Improvisation in der Gruppe anwenden,
• durch andere Schüler erzeugte Geräusche in Bezug auf ihre Klangabsicht hin kritisch überprüfen.

3.5.2. Soziale Ziele:

Die Schüler sollen
• in Partnerarbeit arbeiten,
• rücksichtsvoll miteinander umgehen
• kooperatives Verhalten bei musikalischen Aktionen entwickeln,
• die Toleranz entwickeln, anderen zuzuhören.

3.5.3. Emotionale Ziele:

Die Schüler sollen
• Freude am Umgang mit Instrumenten haben,
• eine Aufnahmebereitschaft und ein Neugierverhalten gegenüber akustischen Ereignissen entwickeln.

4. Methodischer Kommentar

4.1. Vorbereitungen zur Stunde

• Bereitstellung der Geräusche-CD
• Bereitstellung der Instrumenten-Symbol-Karten
• Auswahl des Textes
• Bereitstellung der Aufgaben-Röllchen

4.2. Gedanken zum Stundenaufbau

Die vorliegende Stunde ist für viele Kinder die vierte an diesem Tag. In der dritten Stunde ging eine Vertretungsstunde voraus. Die Stimmung innerhalb der Gruppe hängt entscheidend von den vorausgegangenen Stunden ab. Auf eventuell aufge-tretene Probleme muß im Musikunterricht rücksicht genommen werden.
Ich beginne die Stunde bereits zehn Minuten vor dem ofiziellen Beginn der vierten Stunde. Dies ist gut möglich, da es zwischen der dritten und der vierten Stunde nicht läutet (vergl. 1.2. Institutionelle Voraussetzungen). Durch die Verlägerung der Stunde entsteht etwas mehr Zeit in der Auswertungsphase am Schluß der Stunde.

4.2.1. Einstieg

Die Stunde beginnt mit der Begrüßung der Kinder und der Gäste. Die Kinder wissen bereits, daß in dieser Stunde Gäste kommen.
Der Unterricht beginnt wie gewohnt im Stuhlkreis mit dem Friedenslied “Shalom chaverim”, das die Kinder bereits gut kennen. Die Bedeutung des Liedes ist den Kindern bekannt.
Mir ist es sehr wichtig, daß die Kinder im Musikunterricht miteinander tolerant und rücksichtsvoll umgehen. Zu diesem Zweck wurde das Lied als Begrüßungslied gewählt.

4.2.2. Hinführung

Die Kinder versuchen, sich auf die Geräusche um sich herum zu konzentrieren. Nach der Ruhephase teilen die Kinder ihre Höreindrücke mit. Vermutlich werden die Höreindrücke sofort mit Gegenständen verbunden: Kaum ein Kind wird beschreiben, es habe ein Rauschen gehört, es wird gleich den Wind nennen.
Ein ruhiger und konzentrierter Einstieg ist wichtig, um die Kinder zu sammeln, und um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich langsam auf den Unterricht einzustellen.
Leider wird genau zu dieser Zeit kleine Pause sein, und viele Geräusche stören das Empfinden von Ruhe. Andererseits ist dies auch eine Möglichkeit für die Kinder, wahrzunehmen, wie viele Geräusche sie in der Schule umgeben.

Um diesen Faden weiterzuspinnen, schließt sich ein Hörrätsel an: Verschiedene Geräusche werden von einer CD vorgespielt, und die Kinder haben die Aufgabe zu erraten, welche Gegenstände sich dahinter verbergen.
Ein solches Hörrätsel ist erfahrungsgemäß sehr motivierend für Kinder, da sie sehr gerne Ratespiele machen. Gleichzeitig schlägt es die Brücke zum Thema der Stunde.

Im gemeinsamen Unterrichtsgespräch wird überlegt, wofür man eine solche Geräusche-CD benötigt. Dabei wird auf die Lebensumwelt der Kinder eingegangen: Viele Schüler der Klasse sehen häufig fern oder kennen Hörspiel-Kassetten.

4.2.3. Erarbeitung

In dieser Phase wird erstmals versucht, Donner, ein Ereignis, das real hörbar ist, mit Instrumenten zu verklanglichen.
Zur Vertonung wird so verfahren, wie es die Kinder in der Erprobungs-Phase anschließend selbst tun sollen:
• Eine Aufgaben-Karte wird gelesen,
• die vorgeschlagenen Instrumente werden geholt,
• die Instrumente werden auf ihre Eignung zur Vertonung des entsprechenden Ereignisses überprüft,
• ein Instrument wird ausgewählt,
• das Tonereignis wird dynamisch ausgearbeitet.

Ich hatte in Erwägung gezogen, keine Instrumenten-Vorschläge zu machen, sondern die Kinder frei auswählen zu lassen. Da dies aber die erste Stunde zur Vertonung ist, entschied ich mich dafür, den Kindern jeweils nur drei Instrumente zur Auswahl zu geben, da dies die Entscheidung erleichtert, die gedankliche Vorarbeit der Kinder, also die Auseinandersetzung mit dem Klang des Ereignisses, aber nicht einschränkt.

4.2.4. Erprobung

In der Experimentier-Phase gehen die Kinder so vor, wie die Gruppe dies in der Erarbeitungsphase geübt hat: Je zwei Kinder bekommen zusammen einen Aufgaben-Zettel. Jedes Paar muß ein anderes Ereignis verklanglichen, wobei alle Ereignisse in der Auswertungsphase anschließend durch eine Geschichte verbunden werden.
Die Instrumente, die nicht benötigt werden, werden gleich wieder aufgeräumt.
Es wäre auch möglich gewesen, die Kinder ganz frei experimentieren zu lassen und nur mündlich jedem Paar eine Vertonungs-Aufgabe zu stellen. Der Aufgaben-Zettel dient jedoch als gedankliche Stütze und zur Strukturierung des Experimentierens.

4.2.5. Auswertung

Zurück im Stuhlkreis folgt eine kurze Reflexion über das Arbeitsverhalten der Paare:
• Haben alle Paare gut zusammengearbeitet?
• Wie war der Umgang mit den Instrumenten?
• Wo gab es Probleme?

Anschließend führen alle Paare ihre Ergebnisse vor. Dabei können die Kinder noch Vorschläge zur Ausgestaltung machen.

Schließlich kommt es zu einer Spontan-Improvisation einer Geschichte. Der Lehrer liest die Geschichte “Der Apfelbaum und der Wind” sehr langsam vor, in der alle Ereignisse vorkommen, die die Kinder in der Erprobungs-Phase vertont haben. An der jeweils passenden Stelle der Geschichte wiederholen die Kinder diese Vertonungen.
Wenn es die Zeit zuläßt, wird die Verklanglichung des Textes nochmals wiederholt. Die Kinder kennen dann schon den Fortgang der Geschichte und können ihre Verklanglichung schneller an der passenden Stelle zufügen. Wenn es die Schüler wollen, kann auch ein Kind den Text lesen.

Eine Reflexion über die Vertonung des Textes ist sicher wichtig. Jedoch ist das Thema der Verklanglichung der vorliegenden Geschichte mit dieser Stunde nicht abgeschlossen. Im Hinblick auf den knappen Rahmen dieser einen Stunde wird daher die ausführliche Reflexion auf die kommende Stunde verschoben, die dann einen guten Einstieg zur Weiterarbeit bietet.

Es wäre auch denkbar gewesen, daß die Kinder in 5er-Gruppen während der Erprobungsphase die ganze Geschichte vertonen und die beiden Gruppen sich anschließend in der Auswertungs-Phase die gesamte Geschichte gegenseitig vorspielen. Dies hätte jedoch sehr lange gedauert und den Rahmen der Stunde gesprengt.

4.2.6. Abschluß

Am Ende der Stunde werden wieder alle Instrumente in die Schränke geräumt. Die Kinder haben es bereits gelernt, die meisten der Instrumente selbst aufzuräumen.
Für die Schüler endet mit dieser Stunde der Unterricht an diesem Tag.

5. Verlaufsplanung

TABELLE

6. Literatur

• Kreusch-Jacob, Dorothée: Musikerziehung, München 1995.
• Lehmann, Dirk: Klanglandschaften; in: GEO, Hamburg, Juli 1998.
• Ministerium für Kultus und Sport Baden-Württemberg (Hg.): Bildungsplan Grundschule, Stuttgart 1994.
• Musikunterricht Grundschule
• Tischler, Björn / Moroder-Tischler, Ruth: Musik aktiv erleben, Frankfurt 1995.

7. Anhang

Text: Der Apfelbaum und der Wind

Ein großer, alter Apfelbaum steht einsam auf der Wiese im Regen. Die Tropfen fallen auf seine Äste und Blätter. Ein Rabe krächzt verschlafen auf einem Ast, und eine Amsel zwitschert müde. Und ein paar Spatzen hüpfen unter dem Baum auf dem Boden.
Da ist plötzlich von weitem ein Sausen zu hören. Der Wind! Die dünnen Äste und alle Blätter am Baum beginnt zu tanzen: erst zaghaft, dann immer wilder. Die Blätter rascheln, und ein starkes Rauschen umgibt den ganzen Baum. Eine wilde Windmusik! Der Rabe, die Amsel und die Spatzen suchen schnell das Weite, - doch das Spiel dauert nicht lange, „Genug getanzt“, ruft der Wind. „Ich muß weiter“. Und fort ist er. Es wird wieder still. Nur leise Regenmusik ist noch zu hören.

 

 



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