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Luft braucht Platz
Datum: 18. August 2009 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Beschreibung:
Kompletter kompetenzorientierter Unterrichtsentwurf zum Thema 'Luft braucht Platz'. Besser wäre es, die in der Stunde enthaltenen Experimente auf zwei Stunden zu verteilen. Durchgeführt in einer 2. Klasse.

Luft braucht Platz
Luft braucht Platz
1. Darstellung der Unterrichtseinheit
Folgende Kompetenzen mit Blick auf die verschiedenen Kompetenzbereiche sollen im Rahmen der Unterrichtseinheit gefördert werden:
Fachliche Kompetenzen:
- Naturphänomene sachorientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben
- Ausgewählte Naturphänomene mit Hilfe von fachlich gesichertem Wissen und Modellvorstellungen erklären können
Methodische Kompetenzen:
- Kompetenzen zum Auffinden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen (Bilden von Hypothesen, Überprüfen von Annahmen, Experimentieren, Schlüsse ziehen, Übertragen von Ergebnissen auf analoge Sachverhalte)
- Arbeitsergebnisse und -prozesse präsentieren
Soziale Kompetenzen:
- Zusammenarbeit mit einem Partner und in der Gruppe, gemeinsames Übernehmen von Aufgaben
- Kommunikative Kompetenzen (Gesprächsformen, grundlegende Arbeitsbegriffe, Sprachformen des Berichtens, Darstellens und Referierens, Auswerten von Sachtexten)
Dies soll an folgenden Inhalten geschehen:
Stundenthema | Kurzbeschreibung | Schwerpunktkompetenz/-en |
1. Luft ist überall | - Sammeln von Vorkenntnissen zum Thema „Luft": S. nennen Gegenstände oder Tätigkeiten bei denen Luft eine Rolle spielt; S. schreiben auf, was sie schon über Luft wissen | - Naturphänomene sachorientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben - Kommunikative Kompetenzen |
2. Luft ist leichter als Wasser | - S. wiederholen Schritte bei der Durchführung eines Experiments (Vorbereitung, Vermutung, Durchführung, Beobachtung, Begründung) - S. führen in Partnerarbeit einen Versuch durch, der zeigt, dass Luft leichter ist als Wasser | - Kompetenzen zum Auffinden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen - Naturphänomene sachorientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben |
3. Luft hat ein Gewicht | - S. führen in Kleingruppen einen Versuch durch, der zeigt, dass Luft ein Gewicht hat und nicht „nichts" wiegt (Luftballonwaage) | - Kompetenzen zum Auffinden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen - Naturphänomene sachorientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben |
4. Luft braucht Platz | - S. führen einen Versuch durch, der zeigt, dass Luft einen Raum einnimmt und Platz braucht - S. wenden ihre bisherigen Erkenntnisse über Luft an, um eine Problemstellung zu lösen (Gummibärchen muss auf den Grund eines Sees ohne nass zu werden) | - Kompetenzen zum Auffinden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen - Naturphänomene sachorientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben |
5. Luft bremst | - S. bauen in Kleingruppen verschiedene Fallschirme, erproben und vergleichen sie - Sie erarbeiten daran, dass Luft Dinge abbremsen kann | - Kompetenzen zum Auffinden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen - Ausgewählte Naturphänomene mit Hilfe von fachlich gesichertem Wissen und Modellvorstellungen erklären können |
6. Luft treibt an | - S. bauen Windräder und erproben sie auf dem Schulhof - Sie erkennen dass Luft antreiben kann und sammeln weitere Sachverhalte, in denen diese Eigenschaft der Luft zum Tragen kommt. | - Kompetenzen zum Auffinden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen - Ausgewählte Naturphänomene mit Hilfe von fachlich gesichertem Wissen und Modellvorstellungen erklären können |
2. Begründung des Lernvorhabens
Teilrahmenplan Sachunterricht[1] {#_ftn1}
Leistungsprofil Sachunterricht:
Am Ende ihrer Grundschulzeit sollten die Schüler folgende Lernleistungen erbringen:
- Die Kinder wenden sich Fragen und Problemen aus ihren natürlichen Erfahrungsbereichen mit Neugier und Selbstvertrauen zu
- Sie haben zu diesen Erfahrungsbereichen angemessene sprachliche Darstellungsformen erworben (Gesprächsformen, grundlegende Arbeitbegriffe, Sprachformen des Berichtens, Darstellens und Referierens)
- Sie verfügen über Kompetenzen zum Auffinden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen (Bilden von Hypothesen, Überprüfen von Annahmen, Experimentieren, Schlüsse ziehen, Übertragen von Ergebnissen auf analoge Sachverhalte)
Orientierungsrahmen (Erfahrungsbereich „natürliche Phänomene und Gegebenheiten" - Perspektive Natur):
- Naturphänomene sachorientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben: erlebte bzw. arrangierte Phänomene gezielt beobachten und beschreiben; „Unsichtbare" Kräfte erfahren (z.B. Wind)
- Ausgewählte Naturphänomene mit Hilfe von fachlich gesichertem Wissen und Modellvorstellungen erklären können: Einige Gesetzmäßigkeiten erforschen und anwenden; Experimente planen, durchführen und auswerten
Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
- Luft ist für die S. ein alltägliches Medium, dass selbstverständlich vorhanden ist
- S. nehmen Luft aber i.d.R. nicht bewusst wahr, da sie nicht unmittelbar sichtbar, fühlbar oder greifbar ist
- Luft ist von elementarer Bedeutung für die gesamte Umwelt (Menschen, Tiere, Pflanzen) und damit auch für die Schüler selbst à Bedeutung im Alltag
- Damit ist sie auch wichtiger Bestandteil aller naturwissenschaftlichen Fächer: Biologie (Atmung, Tiere, Pflanzen, Photosynthese,...), Chemie (chemische Reaktionen, Moleküle, ...), Geographie (Aufbau der Erde, Atmosphäre, ...) à Bedeutung für Schullaufbahn und Beruf
- Experimentieren ist eine grundlegende Arbeitsform des Sachunterrichts, aber insbesondere auch in weiterführenden Schulen im Biologie-, Chemie- und Physikunterricht à Bedeutung für die Schullaufbahn
- Arbeitsweisen beim Experimentieren (Planvolles und systematisches Arbeiten, Vermutungen anstellen, Versuche durchführen, Ergebnisse dokumentieren und begründen, ...) sind aber auch im Alltag von Vorteil und im späteren Arbeitsleben der Schüler, insbesondere in naturwissenschaftlichen Berufszweigen à Bedeutung für Alltag und Beruf
3. Analyse des Lernvorhabens
Die Erde ist von einer etwa 1000km dicken Luftschicht umgeben, der Atmosphäre. Diese schützt die Erde vor den Sonnenstrahlen und gleichzeitig vor der Kälte des Weltraums. Luft besteht aus einem Gasgemisch. Hauptbestandteile sind Stickstoff (78%), Sauerstoff (20%), Kohlendioxid und Edelgase (zusammen etwa 1%). Physikalisch gesehen ist Luft ein gasförmiger Körper und hat damit ein Volumen und ein Gewicht (1l Luft wiegt etwa 1,3g).
In der Lehrprobe wird die 3. Stunde der Unterrichtseinheit gezeigt, in der die Schüler sich vor allem mit dem Phänomen „Luft braucht Platz" auseinandersetzen. Aufgrund ihres Volumens nimmt die Luft einen Raum ein. In eine abgedichtete, mit Luft gefüllte Flasche kann aufgrund dessen kein Wasser eingefüllt werden kann. In dem ersten Versuch der Stunde sollte diese Eigenschaft erarbeitet werden. In einem zweiten Versuch müssen die Schüler das bisher Gelernte anwenden und auf eine neue Problemstellung übertragen. Dazu müssen sie auch auf die Erkenntnis der letzten Stunden zurückgreifen: Luft ist leichter als Wasser (deshalb steigen Luftblasen im Wasser immer nach oben. Wir nutzen diese Eigenschaft zum Beispiel bei aufblasbaren Schwimmreifen oder einer Taucherglocke.).
Luft ist in der Regel farb-, geruchs- und geschmacklos, und damit schwer wahrzunehmen. Das Naturphänomen Luft lässt sich hier dennoch „sachorientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben"[2] {#_ftn2}. In beiden Versuchen wird Luft in Verbindung mit Wasser verwendet. Dadurch lässt sie sich zwar nicht sichtbar machen, aber das Vorhandensein von Luft kann deutlich an den Auswirkungen des Versuches abgelesen werden. Anhand der ausgewählten Experimente kann somit die angegebene Kompetenz angestrebt werden. Zudem ist Luft ein allgegenwärtiges und kostengünstiges Versuchsmaterial, so dass der Zeit- und Materialaufwand sich in Grenzen hält. Sie werden außerdem angeregt, sich zu Hause weiter mit dem Thema zu beschäftigen, ohne dass sie zahlreiche zusätzliche Materialien benötigen.
Das Experimentieren mit Luft trägt in besonderem Maße zur Kompetenzerweiterung im Bereich des Auffindens, Erklärens, Darstellens und Begründens von Strategien zur Lösung von Sachfragen bei. Durch das eingeübte Schema „Vorbereiten - Vermuten - Durchführen - Beobachten - Begründen" lernen die Schüler, strukturiert zu arbeiten und die Problemstellungen systematisch zu lösen. Diese Fähigkeit müssen sie gerade im zweiten Versuch auf die Probe stellen, da hier eine eigene Lösungsstrategie zu finden, zu erklären, darzustellen und zu begründen ist.
4. Analyse der Lernausgangslage
Lernausgangslage | Konsequenzen für die Stunde |
Allgemeine Voraussetzungen: - 23 S., 11 Jungen, 12 Mädchen - 4 Gruppentische mit je 6 bzw. 5 S. - 1 leerer Vierertisch hinten |
ð Gruppentische eignen sich gut für Partner- und Gruppenarbeit, ein Forscherteam weicht auf den leeren Tisch aus |
Fachliche Voraussetzungen - S. kennen das Phänomen „Luft": Luft wurde in der Schule vor dieser Einheit noch nicht behandelt, ist aber Teil der kindlichen Erfahrungswelt, S. haben sich m Verlauf der Einheit schon vielfältig mit Luft auseinandergesetzt - S. kennen die Eigenschaft „Luft ist leichter als Wasser": Eigenschaft wurde in der Stunde vorher erarbeitet, einige S. haben jedoch Probleme sich an zurückliegende Stunde zu erinnern
- S. führen Experimente nach dem Schema „Vorbereiten - Vermuten - Durchführen - Beobachten - Begründen" durch: Schema ist in den vorherigen Stunden der Einheit eingeübt worden, aber relativ komplex und kann sicher nicht von allen S. im Gedächtnis abgerufen werden. Dadurch könnten Probleme bei der Strukturierung des Experiments auftreten. Beim ersten Experiment werden gute S. relativ schnell fertig sein da das zeitaufwändigste hier das Vermuten und Begründen ist.
- S. können vorhandene Kenntnisse über die Luft anwenden, um die Problemstellung zu lösen: einigen S. fällt es schwer, kreativ und problemlösend zu denken, evtl. haben sie keine Idee, wie die Aufgabe zu lösen ist - S. formulieren ihre Vermutungen, Beobachtungen und Begründungen schriftlich und mündlich Einigen S. fällt es schwer, ihre Ideen in Worte zu fassen und treffend zu formulieren. In vorausgehenden Stunden wurde an diesem Problem gearbeitet und darauf hingewiesen, dass kurze, prägnante Sätze geschrieben werden sollte.
Überfachliche Voraussetzungen - Zusammenarbeit mit dem Partner und in der Gruppe: einige Mädchen verstehen sich zurzeit nicht gut, das könnte sich auf Zusammenarbeit auswirken. Bei einigen Jungen könnte die Einteilung in dieselbe Gruppe zu Unterrichtsstörungen führen - S. besorgen sich selbstständig Arbeitsmaterial Langwieriges Verteilen des Materials durch LAA führt zu Leerlauf und Langeweile der S. - Lese- und Schreibkompetenz zur Bearbeitung der Versuchsanleitungen: Zwei S. sind nicht muttersprachlich Deutsch und teilweise Probleme beim Lesen und Schreiben; auch andere S. schreiben noch sehr langsam und ungelenk |
ð S. können auf vielfältige Alltagserfahrungen und Vorkenntnisse zurückgreifen, Seitentafel mit Material zur Luft dient der Präsenz des Lerninhalts
ð bisher erarbeitete Eigenschaften sind auf der Seitentafel als Merksätze präsent; bei Bedarf kann darauf hingewiesen werden
ð Schritte des Schemas auf der Tafel und im Forscherbuch präsent; Versuchsanleitungen sind nach dem gleichen Schema aufgebaut ð Quantitative und qualitative Differenzierung durch Zusatzaufgabe: S. sollen überlegen, was sie am Versuchsaufbau ändern müssen, damit das Wasser in die Flasche gelangen kann
ð Gruppenarbeit ermöglicht mehr Ideen; bereits erarbeitete Kenntnisse über Luft sind an Seitentafel präsent; ggf. darauf hinweisen oder gezielte Impulse in die Gruppe geben
ð Formulierungen werden in der Gruppe erarbeitet, stärkere S. können andere mitziehen; beim Rundgehen ggf. unvollständige Sätze oder ungenaue Formulierungen aufzeigen
ð Forscherteams sind für gesamte Einheit eingeteilt und nach diesen Gesichtspunkten zusammengesetzt
ð S. wissen, dass Material immer hinten auf der Fensterbank zu holen ist und es für jede Gruppe eine Ablage gibt; Dadurch können sie ihr Arbeitsmaterial selber beschaffen. ð Sprachliche Probleme können durch Partner- und Gruppenarbeit ausgeglichen werden; Mitschüler übernehmen Erklärung der Aufgabenstellung und Schreibarbeit |
5. Analyse des Lernarrangements
Forscherkonferenz (Einstieg, Ergebnissicherung und Problemstellung, Abschluss)
Nach der Begrüßung beruft die LAA als „Vorsitzende" die Forscherkonferenz ein. Dadurch wissen die S. direkt, dass sie sich in einem Stuhlkreis vorne in der Klasse einfinden. Dieser Einstieg ist ritualisiert und zeigt den an, dass heute wieder experimentiert und „geforscht" wird. Durch den Bezug zu „Forschern" (durch Forscherkonferenz, Forscherbuch, Versuchsreihe,...) werden die S. motiviert und spielerisch an wissenschaftliche Arbeitsweisen herangeführt. Die Forscherkonferenz findet im Stuhlkreis statt, um eine entspannte Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Hier können sich alle S. barrierefrei anschauen und gleichberechtigt kommunizieren. Die LAA ist zwar Vorsitzende der Konferenz, übernimmt aber eher eine moderierende Rolle als eine „belehrende". In der Konferenz werden neue Fragestellungen vorgestellt, Vermutungen aufgestellt und Versuchsergebnisse besprochen. Dementsprechend trifft sich die Konferenz am Anfang der Stunde, in der Mitte (Ergebnissicherung und Problemstellung und zum Abschluss und der Präsentation der Arbeitsergebnisse.
Im Einstieg wird den S. die Fragestellung vorgestellt, an der heute geforscht werden soll. Zu dieser können sich die S. zunächst äußern und Vermutungen anstellen. Diese Phase ist für den eigentlichen Unterrichtsablauf unnötig, da die Vermutung während dem Experiment sowieso formuliert werden soll. Die S. sind es aber gewohnt, sich zu einer Fragestellung direkt zu melden und zu äußern, weshalb ich sie hier ungern „abwürgen" möchte. Außerdem können die mündlichen Vermutungen als Ideen mit in die Partnerarbeit genommen werden und gerade schwachen S. helfen, eine eigene Hypothese aufzustellen.
Die Ergebnisse des ersten Experiments werden wieder in die Forscherkonferenz getragen. Dabei tragen einzelne Paare ihre Vermutungen, Beobachtungen und Begründungen vor. Die Reihenfolge der Experimentierschritte setzt sich auch in der Besprechung fort, so dass die S. sich weiterhin daran orientieren können. Im Anschluss soll nach dem Vorbild der schon erarbeiteten Eigenschaften der Luft ein Merksatz formuliert werden. Dieser wird an der Seitentafel und im Forscherbuch festgehalten, um das Lernergebnis noch einmal zu festigen und die Erkenntnis präsent zu halten. Anschließend wird die zweite Problemstellung in der Konferenz vorgestellt. Wieder erhalten S. die Gelegenheit, sich mündlich dazu zu äußern und ihre Ideen zu formulieren.
Zum Abschluss trifft sich die Konferenz noch einmal. Die Forscherteams stellen ihre Lösungswege vor. Hier dient das gemeinsame Besprechen vor allem der Würdigung der Schülerarbeiten, die ja im Idealfall eigenständig einen Lösungsweg gefunden haben. Das gemeinsame Besprechen ermöglicht es außerdem, allen Gruppen, den Lösungsweg und die Begründung nachzuvollziehen, auch wenn dies bei ihnen vielleicht nicht oder unvollständig erarbeitet wurde.
1. Experiment
Das erste Experiment führen die S. in Partnerarbeit an ihren normalen Sitzplätzen durch. Da es von der Durchführung bewusst recht einfach gehalten ist, ist es für eine Gruppenarbeit eher ungeeignet. Einzelarbeit wäre möglich, wäre aber mit einem zu großen Materialaufwand verbunden. Außerdem können die S. so mit einem Partner kommunizieren und ihre Ideen sozusagen „zusammenwerfen".
Der Versuchsaufbau ist bereits vorbereitet, da es ein wenig Geschick erfordert, den Flaschenhals mit Knetgummi wirklich luftdicht abzuschließen. Dies kann von den S. so nicht geleistet werden, zumal sie auch noch nicht so explizit erfahren sollen, dass diese Abdichtung für den Versuchsaufbau von Bedeutung ist. Dies würde der Deutung und Begründung des Experiments vorgreifen.
Der Schwerpunkt der Schülerarbeit liegt bei diesem Versuch also auf dem Vermuten, Beobachten und Begründen, während Aufbau und Durchführung streng vorgegeben sind. Dies ist auch damit gerechtfertigt, dass das Experiment auf die Gewinnung einer vorbestimmten Erkenntnis ausgelegt ist, nämlich „Luft braucht Platz". Eine offenere Vorgehensweise wäre dieser Erkenntnisgewinnung nicht zuträglich.
Als Differenzierung für schnelle S. gibt es ein Impulskärtchen, dass auf die Begründung zurückgreift: Was müsste man ändern, damit das Wasser in die Flasche gelangen kann? Haben S. dagegen Probleme bei der Formulierung der Begründung, erhalten sie ggf. ein Kärtchen mit Satzanfängen als Hilfe.
2. Experiment
Das zweite Experiment ist offener gehalten. Hier haben die S. eine Problemstellung, die sie selbstständig bearbeiten und lösen sollen. Im Gegensatz zum ersten sind bei diesem Experiment Materialien, Versuchsaufbau und Durchführung nicht oder nur zum Teil vorgegeben. Die S. sollen hier ihre Vorkenntnisse kreativ anwenden, Hypothesen aufstellen und erproben und werden damit auch Fehlversuche in Kauf nehmen müssen. Dies entspricht mehr der eigentlichen Intention eines Experiments. Da hier keine bestimmte Erkenntnis erlangt werden soll, sondern umgekehrt, die Erkenntnisse angewendet werden, bietet sich diese Form eher an. Das Experiment wird in den Forscherteams durchgeführt, da es kreative und vielfältige Lösungsansätze erfordert, die in gemeinschaftlicher Beratung eher zu leisten sind, als alleine oder nur mit einem Partner. Um dieses kreative Denken weiter zu fördern, erhalten die Gruppen mehr Materialien als sie eigentlich bräuchten. Darauf muss natürlich vorbereitend hingewiesen werden, da die S. sonst vermuten könnten, alle Gegenstände müssten zur Lösung verwendet werden. Hat jedoch eine Gruppe Schwierigkeiten, einen richtigen Ansatz zu finden, kann ein Hinweis („Ich würde es mal mit dem Glas versuchen") als Hilfestellung gegeben werden. Sollte eine Gruppe wieder Erwarten sehr schnell auf die richtige Lösung kommen und diese auch fertig dokumentiert haben, erhalten sie den Auftrag, eine Skizze ihres Versuches anzufertigen.
Da hier eventuell mehrere Fehlversuche nötig sind, ist das Arbeitsblatt nicht so gestaltet, wie die S. es eigentlich aus der Einheit kennen. Stattdessen gibt es zwei verschiedene Blätter: auf weißen Zetteln werden Ideen und Vermutungen notiert und außerdem angekreuzt, ob sie funktioniert haben oder nicht. Wenn nicht, nehmen die S. ein weiteres weißes Blatt. Haben sie aber die Lösung gefunden, sollen sie auf einem grünen Blatt ihre Beobachtung und (ganz wichtig) Begründung des Versuchs festhalten. Die Farben dienen dabei der leichteren Orientierung.
6. Vorgesehene Verlaufsplanung
Zeit/ Phase | Handlungssituationen | Kommentar | Medien | Kompetenzen |
7 min
Einstieg | - Begrüßung durch „Guten- Morgen- Lied" - Einberufung der Forscherkonferenz durch LAA
- Vorstellung der Problemstellung / des Experiments - S. äußern sich zum Experiment | - Begrüßungsritual - Sitzkreis - Ritualisierter Einstieg in die Stunde, Motivierung
- Meldekette | Flasche mit Trichter | - Naturphänomene sachorientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben |
10 min
Erarbeitung 1 | - S. führen das Experiment „Der Trick mit dem Trichter" durch - Sie halten ihre Vermutungen, Beobachtungen und Begründungen in ihrem Forscherbuch fest | - Partnerarbeit - Mögliche Differenzierung für schnelle Schüler: Was muss man ändern, damit das Wasser in die Flasche fließt? - Mögliche Differenzierung für schwächere Schüler: Kärtchen mit Hilfe bei der Formulierung der Begründung | Forscher-bücher, Schüsseln mit Wasser, präparierte Flaschen mit Trichtern | - Naturphänomene sachorientiert wahr-nehmen, beobachten, benennen und beschreiben - Kompetenzen zum Auf-finden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen |
8 min
Ergebnis- | - S. stellen ihre Ergebnisse in der Konferenz vor - S. reflektieren ihre Vermutungen, Beobachtungen und Begründungsversuche - S. formulieren einen Merksatz (in etwa „Luft braucht Platz") - S. tragen den Merksatz in ihr Forscherbuch ein, LAA überträgt ihn auf die Seitentafel | - Sitzkreis - Impulskärtchen „Beobachten", „Vermuten", „Begründen" erleichtern das strukturierte Reflektieren
- Festhalten des Lernergebnisses | Impulskarten
Tafelbild, Forscherbücher | - Naturphänomene sachorientiert wahr-nehmen, beobachten, benennen und beschreiben - Kompetenzen zum Auf-finden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen - Arbeitsergebnisse und -prozesse präsentieren |
17 min
Erarbeitung 2 | - LAA erzählt die Geschichte von den zwei Gummibärchen, die einen Schatz im See bergen wollen und stellt die Szene mit Materialien nach - S. äußern sich zur Geschichte und stellen erste Vermutungen zur Lösung des Problems an - S. suchen einen Lösungsweg, indem sie ihr Wissen über Luft anwenden | - K
- Meldekette - Erfassen der
- Gruppenarbeit in Forscherteams - Anwendung und | Schüsseln mit Wasser, Gummibärchen, Boote, Münzen, Gläser u.a. Material für jedes Team; AB weiß und grün | - Naturphänomene sach-orientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben - Kompetenzen zum Auf-finden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen |
8 min
Abschluss / Präsentation | - Die Gruppen stellen ihre Lösungen vor und stellen ggf. den Versuch im Plenum nach - S. begründen nach Möglichkeit, warum diese Lösung funktioniert | - Sitzkreis - Würdigen der | evtl. Versuchs-material | - Naturphänomene sach-orientiert wahrnehmen, beobachten, benennen und beschreiben - Kompetenzen zum Auf-finden, Erklären, Darstellen und Begründen von Strategien zur Lösung von Sachfragen - Arbeitsergebnisse und -prozesse präsentieren |
Literatur
Bäuml, Maria-Anna: Das Experiment im Sachunterricht der Grundschule. Umweltorientiertes, wissenschaftsorientiertes, schülerorientiertes Lernen durch Experimentieren. Anbach 1979
Institut für Didaktik der Chemie der Universität Frankfurt/M. (Hrsg.): Wasser, Luft und Lebensmittel. Theoretische Grundlagen und experimentelle Zugänge zu chemischen und physikalischen Inhalten für den Sachunterricht. (Handbuch zur Experimentierkiste). (Basierend auf einem Skript von Drechsler-Köhler, Beate Dr.). Frankfurt
Kultusministerium Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Lehrplan Sachunterricht - Grundschule. Mainz 1984
Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend (Hrsg.): Rahmenplan Grundschule. Teilrahmenplan Sachunterricht. (Weiterentwicklung der Grundschule). Mainz 2006
Strucks, Carolin/Wittkowske, Steffen: Experimente im Sachunterricht: Luft. Berlin 2000
Walkstein, Jürgen: CVK- Experimentierbox Luft. Lehrerhandreichung. Berlin 1983
Weber, Stefanie/Hoenecke, Christian: Experimentieren mit Luft. 3./4. Schuljahr. (Lernen an Stationen in der Grundschule). Berlin 2005
Weltbild Verlag: Das große Buch der Experimente. Über 200 Versuche aus allen Wissensgebieten. Berlin 2000
[1] {#_ftnref1} Vgl. Teilrahmenplan Sachunterricht 2006
[2] {#_ftnref2} Teilrahmenplan Sachunterricht 2006, S. 10
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