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Aus fremden Bildern werden eigene
Datum: 03. März 2010 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Beschreibung:
Einheit zu den Werken von Edward Hopper; Bildbestimmung. Durchgeführt in einer 10. Klasse.

Aus fremden Bildern werden eigene
Aus fremden Bildern werden eigene
Thema der Einheit:
Bildstimmungen und Bildaussagen ausgewählter Werke Edward Hoppers
Ziel der Einheit:
Die SuS[1] {#_ftn1} erweitern in einer kreativ handlungsorientierten Auseinandersetzung mit zwei Werken des Künstlers Edward Hopper ihre ästhetische Wahrnehmung der Bildstimmung und schulen so ihr Unterscheidungs- und Einfühlungsvermögen für Farbwirkung und Bildaussage.
Thema der Stunde:
Aus fremden Bildern werden eigene - Auseinandersetzung mit dem Werk „Room in New York"[2] {#_ftn2} mittels der bildnerischen Umgestaltung
Ziel der Stunde:
Die SuS erkennen durch individuelle Umgestaltung einer Fotokopie[3] {#_ftn3} des Bildes „Room in New York"[4] {#_ftn4} die Veränderbarkeit der Bildstimmung und der Bildaussage und schulen durch den handlungsorientierten Umgang mit dem Werk ihr Einfühlungsvermögen.
Teillernziele: Die SuS...
TZ 1 ......schulen ihr ästhetisches Ausdrucksvermögen, indem sie die Bildstimmung und die Bildaussage mit Adjektiven beschreiben.
TZ 2 ... erweitern ihre individuellen Ausdrucksmöglichkeiten, indem sie die Techniken der Bildumgestaltung experimentell anwenden.
TZ 3 ... überprüfen die Aussagekraft der vorgenommenen Veränderung, indem sie die Titelvorschläge anderer Schüler mit ihren Intentionen vergleichen.
TZ 4 ... schulen sich in der Beurteilung ihrer eigenen Arbeiten, indem sie ihr Vorgehen und ihre Beweggründe schriftlich und mündlich analysieren.
Prozessuale Ziele:
PZ 1 Die SuS erweitern ihre taktil-motorischen Fähigkeiten im Umgang mit den Werkstoffen.
PZ 2 Die SuS üben die Selbsteinschätzung der eigenen künstlerischen Fähigkeiten, indem sie die Arbeitstechnik wählen, die ihren Möglichkeiten entspricht.
PZ 3 Die SuS trainieren ihre Kommunikationsfähigkeit, indem sie die ausgestellten Arbeiten und die gewählten Titel diskutieren, Kritik fundiert üben und geäußerte Kritik annehmen.
1 Übersicht zur Einheit
Stundenthema | Stundenziel | |
1. | Bilder werden zu Schrift - Annäherung an das Werk „Room in New York"[5] {#_ftn5} mittels Sprache | Die SuS erweitern durch eine handlungsorientierte Gruppenarbeit ihre Fähigkeit zur Beschreibung einer Bildstimmung. |
2. | Aus fremden Bildern werden eigene - Auseinandersetzung mit dem Werk „Room in New York"[6] mittels der bildnerischen Umgestaltung | Die SuS erkennen durch individuelle Umgestaltung einer Fotokopie[7] des Bildes „Room in New York"[8] die Veränderbarkeit der Bildstimmung und der Bildaussage und schulen durch den handlungsorientierten Umgang mit dem Werk ihr Einfühlungsvermögen. |
3 | Aus fremden Werken werden eigene - Auseinandersetzung mit dem Werk „Room in New York"[9] {#_ftn9} mittels der bildnerischen Umgestaltung | Die SuS schulen ihre ästhetische Wahrnehmung durch die abschließende Besprechung ihrer Arbeiten zu dem Werk „Room in New York". |
4 | Der Künstler Edward Hopper und seine typischen Ausdrucks- und Stilmerkmale | Die SuS benennen die wesentlichen Aspekte des künstlerischen Ausdrucksvermögens durch den Vergleich zweier Werke des Künstlers. |
2 Lerngruppe und Rahmenbedingungen
Die Klasse 10a der Realschule setzt sich aus zwölf Schülerinnen und acht Schülern zusammen. Ich unterrichte die Klasse seit den Sommerferien 2009 eigenverantwortlich. In der Mitte des Halbjahres verließen zwei Schülerinnen und ein Schüler die Klasse aufgrund mangelhafter Leistungen und besuchen nun die Hauptschule. Die Klasse hatte zuletzt in der achten Klasse gemeinsam Kunstunterricht. Einige SuS wählten in der neunten Klasse Kunst als Wahlpflichtkurs. R. und S. besuchen diesen auch im laufenden Halbjahr.
Die Klasse weist insgesamt ein gutes Sozialverhalten auf, dies betrifft auch das Lehrer-SuS-Verhältnis. Die SuS kooperieren überwiegend gut miteinander. Allerdings hat sich das Miteinander in der Klasse durch die oben erwähnte neue Zusammensetzung merklich verändert. So muss sich m. E. L. neu integrieren.
Das Arbeitsverhalten der Klasse ist zurzeit im Fach Kunst gut, was die Materialbeschaffung und dessen Handhabung betrifft. In den praktischen Arbeitsphasen arbeiten die SuS konzentriert und ausdauernd. Die Konzentration und Disziplin sinken in den Besprechungs- und den Reflexionsphasen bei einigen SuS In der Regel reicht in diesem Fall die direkte Ansprache, um das unerwünschte Verhalten abzustellen.
Die Klasse zeigte sich bislang in den praktischen Arbeitsphasen motiviert und konnte in den abschließenden Reflexionen die Arbeitsergebnisse, ihrem Lernstand entsprechend, mündlich und schriftlich reflektieren.
Die SuS sind mit den gängigen Sozialformen vertraut. In den Gruppenarbeitsphasen fallen die Beiträge von N., T. und F. auf, die über ein hohes Maß an ästhetischer Ausdruckskraft verfügen und deren eigene Formsprache sich deutlich von den Gruppenarbeiten ihrer Mitschüler/ -schülerinnen abhebt. Bei der Einzelarbeit zeigen folgende SuS besondere Leistungen: T., die zahlreiche Ideen und Materialien in den Unterricht einbringt, S., die weit über den geforderten Arbeitsauftrag hinaus selbstständig an eigenen ästhetischen Lösungen arbeitet und T. sowie S., die durch weiterführende und kritische Diskussionsbeiträge das Unterrichtsgeschehen vorantreiben.
Der praktische Kunstunterricht findet im Fachraum Kunst statt, die Besprechungen in der Regel im ersten Materialraum.
3 Inhaltsspezifische Lernausgangslage
Der Künstler Edward Hopper war zwei SuS namentlich bekannt. Zur zeitlichen Einordnung und zur kunsthistorischen Verortung äußerten einige SuS Vermutungen.
Das Werk „Room in New York" war allen SuS unbekannt, doch waren sie alle in der Lage, das Bild und die dargestellte Situation zu beschreiben. Hierbei ist die formal-analytische Bildbetrachtung nur ein Analyseaspekt. Die SuS wurden im Folgenden dahin geführt, die emotionale Bildstimmung aufzunehmen und zu versprachlichen.[10] {#_ftn10} Bei der Besprechung des Werkes wurde an die aus einer vorhergehenden Einheit bekannten Methoden, wie die des Schreibens an abgebildete Personen, angeknüpft. Das Thema „Körpersprache" der vorhergegangenen Einheit wird für die Interpretation wieder aufgegriffen.
In der heutigen Stunde werden die bisher erarbeiteten Bildzugänge genutzt und ergänzt, indem die SuS ihre Deutungen der Bildaussage und der Farbwirkung aufgreifen und durch die bildnerische Umgestaltung verändern. Grundbegriffe der Farbsymbolik wurden in der neunten Klasse im Rahmen der Interpretation von Kurzgeschichten vermittelt und konnten zur Bilddeutung herangezogen werden.
4 Didaktischer Begründungszusammenhang
Eine erste Rechtfertigung des Stundenthemas findet sich in den Rahmenrichtlinien für den Kunstunterricht an den Realschulen in Niedersachsen. Darin wird für den Pflichtunterricht der zehnten Klasse das Thema Kunstgeschichte festgelegt. In der geplanten Einheit wird ein bedeutender amerikanischer Künstler und Vertreter des Amerikanischen Realismus vorgestellt.[11] {#_ftn11} Der Bezug zum Amerikanischen Realismus wurde gewählt, da die SuS im Deutschunterricht das Buch „1984"[12] {#_ftn12} lesen, dessen Themenkomplexe „Einsamkeit, Verlorenheit, Voyeurismus" in den Werken von Edward Hopper ebenfalls behandelt werden. Im fächerübergreifenden Unterricht können die entsprechenden Themen aus unterschiedlichen Perspektiven erschlossen werden und in unterschiedliche fachliche Zusammenhänge eingebettet werden.
Die geplante Einheit entspricht den Forderungen der Rahmenrichtlinien insofern, als dass die SuS eine weitere Epoche sowie weitere bildnerische Verfahren kennenlernen.
In der geplanten Stunde vertiefen die SuS ihre Kenntnisse hinsichtlich der Bildanalyse, indem sie Adjektive zu dem Bild nennen und die Vorschläge ihrer Mitschüler/-schülerinnen zur Kenntnis nehmen (TZ 1). Sie überdenken den Bildaufbau, indem sie die bildnerischen Elemente Edward Hoppers aufgreifen und gemäß ihres Ausdrucksvermögens in der Aussage verändern (TZ 2). Dabei vertiefen sie ihre Kenntnis über das Material und die Technik der Umgestaltung, da sie die Form, die Farbe und die bereitgestellten Materialien auf ihre Wirkungsweise hin erproben (TZ 3). Zudem setzen sie sich mit dem Bildinhalt der vorgegebenen Arbeit auseinander und üben sich darin, Stimmungen zu erfassen und diese durch entsprechende Veränderung der Bildelemente zu beeinflussen. Die Weiterentwicklung besteht darin, durch eigene Sichtweise und das eigene bildnerische Handeln eine Beurteilung der vorgenommenen Veränderungen einzubringen und argumentativ zu belegen (TZ 4).
In der geplanten Einheit werden viele der im Halbjahr behandelten bildnerischen Techniken und methodischen Zugänge aufgegriffen. Die in der heutigen Stunde angebotenen Techniken der Zeichnung, der Übermalung und der Collage sowie der bereitgestellten Werkstoffe und Werkzeuge entsprechen den Forderungen der Rahmenrichtlinien.
Ingo Wirth schreibt, dass eine systematische Werkanalyse sicherlich zu begründeten, nachvollziehbaren und gesicherten Einsichten über ein Kunstwerk führt. Doch fragt er, welcher Künstler sein Werk kreiert, damit es anschließend rein wissenschaftlich analysiert wird. Wirth vermutet, dass der Betrachter sich dem Werk eher aus Neugier und Neigung zuwendet und selten mit wissenschaftlichen Vorsätzen.[13] {#_ftn13} Dieser Vermutung schließe ich mich an. Daher glaube ich, dass die Kunstrezeption mehr ist als die Vermittlung und Verarbeitung von Informationen, sondern dass das Sinnliche, das in emotionalen und rationalen Beziehungen in den Werken seinen Ausdruck als unauflösliche Einheit findet, somit auch auf sinnlichen, emotionalen und auf rationalen Wegen erschlossen werden muss.[14] {#_ftn14}
In der folgenden Einheit werden die gewonnenen Fähigkeiten (Bildaussagen und -stimmungen erkennen) und die erarbeiteten Techniken auf den Themenbereich Werbung angewendet und vertieft. Neben dem zukünftigen schulischen Bezug erscheint der Bezug zur aktuellen und zukünftigen Lebenswelt der Schüler noch bedeutender. Viele Schüler der Lerngruppe erleben in ihrem familiären und sozialen Umfeld den Mangel an Kommunikation, den Hopper so eindrücklich darstellt. Hier zeigt sich, dass Kunst die Lebenswirklichkeit spiegelt. Mit der heutigen Stunde greift der Kunstunterricht den wichtigen Aspekt auf, dass Menschen ihre Lebenswirklichkeit verändern können.
5.1 Sachanalyse
„Ich höre dem Klavierspiel der Frau zu, es kommt mir bekannt vor, aber mir fällt der Name des Stückes nicht mehr ein..." Shazib, Schüler der Klasse 10 a.[15]
Die Stilrichtung des Amerikanischen Realismus trat in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in den USA in Erscheinung. Augenfällig sind die möglichst wirklichkeitsnahe Wiedergabe und die häufig sehr sozialkritische Darstellung der „typisch" amerikanischen Lebensweise. Diese Stilrichtung wird als erste eigene nationale Kunststilrichtung der USA angesehen, die allerdings deutliche Bezüge zu der Neuen Sachlichkeit[16] {#_ftn16} aufweist.
Edward Hopper zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Malern des Amerikanischen Realismus. Er wurde 1882 in den USA geboren und verstarb 1967 in New York, der Stadt, in der er über 50 Jahre gelebt hat. Die Menschen in New York boten ihm stets Anregung für seine Werke. Er weist durch den Bildaufbau, die kühle Farbgebung und die Bildinszenierung auf die Einsamkeit des modernen Menschen hin.
Das in der heutigen Stunde behandelte Ölgemälde „Room in New York" entstand im Jahr 1932. Der Blick des Betrachters wird durch ein geöffnetes Fenster direkt in das Wohnzimmer eines Paares geführt. Es wird wahrscheinlich Abend sein, denn der Fensterrahmen sowie die Mauer sind dunkel gehalten. Der Innenraum ist hell erleuchtet. Auf der linken Bildseite sieht man einen Mann in Hemd und Weste, der in einem Sessel sitzt und Zeitung liest. Auf der rechten Bildseite befindet sich eine junge Frau, die am Klavier sitzt und eine Taste drückt. Sie hat sich vermutlich seitwärts zum Klavier gewendet, da ihr der Mann keinerlei Beachtung schenkt. Die Zimmerwände sind hellgelb, der Sessel, die Lampe auf dem Klavier und das Kleid der Frau leuchten in grellen Rottönen. Bei beiden Personen ist der Gesichtsausdruck nicht zu erkennen, doch lassen sich aus ihren Haltungen vielerlei Rückschlüsse auf ihre Beziehung zueinander ziehen. Edward Hopper stellt häufig Situationen dar, die jeder bei einem Spaziergang selber sehen könnte. Der Betrachter wird auch bei dem Werk „Room in New York" in eine voyeuristische Rolle gedrängt. Die Situation scheint unspektakulär, jederzeit könnte sie aufbrechen, wenn einer der beiden aufstünde. Doch werden diese beiden sich kaum aus der legendären Hopperschen Isolation lösen können. Sie scheinen auf ewig zweisam einsam zu sein und sich trotz der räumlichen Nähe nie anzunähern. Diese Personen sind Stellvertreter für Großstadtmenschen, ihnen fehlt jegliche Individualität, sie sind zu Typen reduziert und bieten somit viel Raum, sich mit ihnen zu identifizieren.
Die in der Stunde angebotene Technik der Übermalung ist eine in der Kunstgeschichte lange rückverfolgbare. Im 20. Jahrhundert erfährt die Übermalung eine Aufwertung als eigenständige künstlerische Auseinandersetzung. Zuvor hatte die Übermalung meistens eher banale Gründe, wie etwa die Wiederverwendung teurer Materialgründe, die Korrektur eigener Werke oder die Anpassung an aktuellere Stilrichtungen, zum Beispiel in der Kirchenmalerei. Die Künstler des 20. Jahrhunderts nutzten diese Technik[17] {#_ftn17}, um auf Bilder anderer Künstler zu reagieren, indem sie Kopien der Arbeiten übermalten, Bildzitate einfügten, die Rezeption veränderten oder sie frei nachempfanden. Bedeutende Vertreter dieser Technik sind die Künstler Francis Bacon oder Arnulf Rainer. Letzterer sagt von seinen Übermalungen, dass sie nie zerstören, sondern stets nur vervollkommnen wollen. Dieser Ausspruch stützt die These, dass der Übermalung immer eine Auseinandersetzung mit der Vorlage vorausgeht.
Die Technik der Collage, die auch angeboten wird, ist eine Technik, bei der verschiedene Elemente zusammengefügt werden[18] {#_ftn18}, die dadurch einen neuen Bedeutungsinhalt erhalten und ein neues Bild entstehen lassen.
5.2 Aufgabenanalyse
Aufgabe: Verändere die Fotokopie des Werkes „Room in New York" von Edward Hopper, so, dass dein Bild dem Titel, den du gezogen hast, entspricht.
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Bei dieser Aufgabe soll vor allem die Ebene der individuellen Empfindung angesprochen werden. Die Technik[19] {#_ftn19} der Bildübermalung bietet die Möglichkeit, die Komposition zu verändern, Details hinzuzufügen oder wegzuretuschieren, Räume neu zu erfinden, durch Farbe Bildstimmungen zu ändern und somit zu einer sehr individuellen Farb- und Bildsprache zu gelangen. Die SuS haben bei zwei Einheiten des Kunstunterrichts des laufenden Halbjahres die Technik der Bleistiftzeichnung und der Kreidezeichnung genutzt. Die Arbeit mit Buntstiften und Filzstiften stellt hierbei eine noch nicht im Unterricht genutzte Technik dar, die aber bereits aus dem schulischen Alltag bekannte ist. Die Aufgabenstellung ermöglicht den SuS, durch Ausschneiden und Auflegen der Figuren die Komposition auf die Bedeutungsveränderung hin zu überprüfen. Die Figuren können durch die Collagetechnik ergänzt und verändert werden (Hüte, Masken). Ebenso ist es mit dieser Technik möglich, die Bedeutung des Raums zu erkunden, indem die Personen in andere Räume eingefügt werden. Diese Collagetechnik knüpft an die Inhalte der zweiten Einheit des Kunstunterrichts des laufenden Halbjahres an und bietet den SuS, denen das Malen und Zeichnen weniger liegt, nochmals die Möglichkeit, sich ihres kreativen Ausdrucksvermögens zu versichern.
Die Zusatzaufgabe, die ein Differenzierungsangebot ist, stellt eine von mir im Unterricht häufig verwendete Methode dar, die unter Gliederungspunkt 6 genauer erklärt wird. Die SuS erhalten die Gelegenheit sich differenziert zu ihrer Arbeit zu äußern. Die SuS müssen sich hierbei mit der beabsichtigten Wirkungsabsicht beschäftigen und diese formulieren. Sie werden aufgefordert, das Vorgehen zur Bildbetrachtung aus der vorhergehenden Stunde auf ihre eigene Arbeit anzuwenden. Somit üben sie sich in der Bildanalyse und, indem sie sich an den Betrachter wenden, im Perspektivenwechsel, da sie ihre Arbeit ja einem anderen erklären und sich dabei auf ihn beziehen. Die Titel, die als Gruppenaufgabe zugeteilt werden, lauten:
1. „Ein Mord in New York" | 2. Eine wilde Party in New York" |
3. „Umzugsstress in New York" | 4. „Thanksgiving - eine große Familienfeier in New York" |
Die Titel sollen die Schüler zu individuellen Bildkompositionen führen, sie intendieren vier sehr unterschiedliche Bildstimmungen (Angst; Spaß, Anspannung und Geborgenheit).Das Familienfest „Thanksgiving" hat die Lerngruppe im Englischunterricht eingehend behandelt.
6 Methodischer Begründungszusammenhang
Die Stunde gliedert sich in drei Phasen: Einstieg, Arbeitsphase und Reflexionsphase.
Die SuS beschreiben die Bildstimmung des Werkes, indem sie mündlich eine Adjektivliste erstellen. Beabsichtigt wird eine erste Annäherung an die Analyse von Bildaussage und -stimmung, eines dargestellten Charakters, eines Raumes oder einer Landschaft. Eine Adjektivliste könnte als Differenzierung auch als Auswahllisten vorgegeben werden. In der Einstiegsphase dient diese Methode zur Rückführung zu dem Thema und zur sprachlichen und visuellen Sensibilisierung. Die SuS haben jeder/jede eine Fotografie des Werkes mehrere Tage mit sich geführt und unterschiedlichen Personen gezeigt. Als Hausaufgabe haben sie passende Adjektive aufgeschrieben, sodass sie die Sammlung nicht spontan erstellen. Die Sammlung der Adjektive erfolgt mündlich während einer Blitzlichtrunde. Dabei kommt jeder Schüler/jede Schülerin zu Wort und jeder/jede spricht für sich selbst. Grundsatz ist dabei, dass die genannten Adjektive nicht hinterfragt werden.[20] {#_ftn20}
Alternativ hätte eine provokante Deutung verlesen werden können, um die Werkdeutungen der SuS zu hinterfragen und eine Diskussion anzuregen.[21] {#_ftn21} Viele SuS der Lerngruppe halten sich dabei allerdings sehr zurück, was bedeutet, dass die Diskussionen im Kunstunterricht meistens durch eine Gruppenarbeit vorbereitet werden. Somit sind sie als Einstieg in der Lerngruppe ungeeignet.
Nach diesem kurzen Unterrichtsgespräch wird von mir auf das Thema der Stunde „Umgestaltung" verwiesen und der Arbeitsauftrag an die Klasse erteilt. Die SuS greifen unter ihre Tische und öffnen den Umschlag mit ihrem Arbeitsauftrag. Die Arbeitsaufträge wurden nach Leistungsstand, Ausdrucksvermögen und bisher gezeigter kreativer Kompetenz vergeben. Vier bis fünf SuS arbeiten an einem Titel. Auf dem Arbeitsauftrag sind auch die SuS aufgelistet, sodass schwächere SuS sich gezielt an stärkere SuS ihrer Gruppe wenden können. Die Arbeitsaufträge wurden zudem so angeordnet, dass SuS, die nebeneinandersitzen, unterschiedliche Aufträge erhalten. Einige SuS der Lerngruppe haben in der Vergangenheit Bildideen von Mitschülern/-schülerinnen aufgegriffen, sie sollen aber gezielt bei der Entwicklung einer eigenen Ausdrucksweise unterstützt werden. Durch ein kurzes Unterrichtsgespräch wird eine Auswahl an möglichen Vorgehensweisen an dem Beispieltitel „Ein romantischer Abend New York" aufgezeigt.
Die praktische Arbeitsphase findet in Einzelarbeit in der üblichen Sitzformation statt. Neben den Waschbecken ist ein Materialtisch aufgebaut. Dort finden sich weitere Kopien, Stifte und Korrekturmittel, um Bildelemente zu entfernen. Zudem finden sich dort die Hilfsangebote, die Kopien möglicher Bildelemente und Beispielarbeiten.
Alternativ zu der gewählten Methode hätten die SuS zum Erfassen der Bildstimmung ebenso den Umraum durch die Methode „Puzzleteil"[22] {#_ftn22} verändern können. Dabei erhalten die SuS einen Ausschnitt des Bildes, den sie sich vor dem Kennenlernen des Werkes selbstständig durch Weitermalen/ -zeichnen zu einem eigenen Bild ergänzen. Mit Blick auf die Lerngruppe und die zur Verfügung stehende Zeit ist die gewählte Methode zu bevorzugen, da die Methode „Puzzleteil" eine deutlich größere kreative Herausforderung darstellt. Bei ihr muss über die Interpretation des Werkes (Teilausschnitt) eine gedankliche Fortführung der Bildaussage geleistet werden. Für beide Methoden gilt aber, dass durch die Umgestaltung eines Werkes das Schülerbild/Schülerinnenbild eine Aufwertung erfährt, es steht gleichrangig neben der Vorlage.[23] {#_ftn23}
In der dritten Phase der heutigen Stunde werden ausgewählte Arbeitsergebnisse der SuS reflektiert. Hierzu werden alle SuS-Arbeiten mit einem gemeinsamen Titel unter die Auftragsnummer (1 - 4) geheftet. Die Gruppe 1 betrachtet die Arbeiten der Gruppe 4 und sucht gemeinsam nach einem Titel, der für alle Arbeiten einer Gruppe passt.[24] {#_ftn24} Dadurch überprüfen die SuS die Qualität der individuellen Umsetzung des Arbeitsauftrages und die gemeinschaftliche Erreichung der intendierten Bildaussage.
Als didaktische Reserve stellen exemplarisch ein bis zwei SuS ihre Arbeiten vor, indem sie ihre Antworten auf die Zusatzaufgabe vorlesen oder die entsprechenden Fragen mündlich beantworten. Diese Methode entstand durch einen Text aus einem Kunstmuseum, den ich den SuS zu Beginn des Halbjahres mitgebracht hatte. Dabei erarbeiteten wir, dass die Begleittexte eine wichtige Hilfe für den Betrachter darstellen. Daraus erwuchs die Methode „Postkarte an den Galeriebesucher", bei der die SuS einen Text verfassen, in dem sie eine vorgegebene Frage aufgreifen, den gewählten Bildtitel erklären oder den Entstehungshintergrund beschreiben. Die SuS lernen so, ihre Arbeit kritisch zu überdenken und ihre Bildsprache in Worte zu fassen. Sie üben sich im Perspektivwechsel, da sie vom „Macher" zum Betrachter werden, und sie vertiefen dadurch ihre Beurteilungskompetenz hinsichtlich der eigenen Arbeit.
In der Reflexion beschreiben die SuS ihre zugrunde liegende Idee für die Umgestaltung und ihre Vorgehensweise. Gemeinsam im Plenum wird diskutiert, ob durch die Bearbeitung die Bildaussagen der Intention gemäß verändert wurden. Dies dient der Überprüfung des Lernziels der heutigen Stunde.
7 Verlaufsübersicht
nicht enthalten
8 Literatur und Anhang
Literatur:
§ Bertscheit, Ralf (2003): Bilder werden Erlebnisse. Mitreißende Methoden zur aktiven Bildbetrachtung. S.34. |
| Eid, Klaus; Langer, Michael; Ruprecht, Hakon (2002): Grundlagen des Kunstunterrichts, sechste durchgesehene Aufl., Paderborn. |
§ Kirschmann, Johannes; Schulz, Frank (1998): Bilder erleben und verstehen: Arbeitsheft für die Sekundarstufe I: Einführung in die Kunstrezeption. Leipzig. |
| Niedersächsisches Kultusministerium (1984): Rahmenrichtlinien für das Fach Kunst, Hannover. |
| Orwell, George (2007): 1984. Berlin. |
| Otto, Gunther; Rottmann; Karin (1997): Museumspädagogik. Über Aktion, Kommunikation und Interaktion im Museum. In „Kunst und Unterricht", 1997, Heft 21, S. 20 - 37. |
| Peez, Georg (2005): Einführung in die Kunstpädagogik; 2. überarbeitete Aufl., Stuttgart |
| Peterßen, Wilhem (2001): Kleines Methoden-Lexikon; zweite aktualisierte Auflage. München |
| Wagstaff, Sheena (Hrsg.) (2005): Edward Hopper. Köln. |
| Wirth, Ingo (Hrsg.) (2007): Fundgrube Kunst. Berlin. |
[1] {#_ftnref1} In diesem Unterrichtsentwurf werden die Schüler und Schülerinnen mit der Abkürzung SuS bezeichnet.
[2] {#_ftnref2} „Room in New York", Edward Hopper, 1932, Öl auf Leinwand.
[3] {#_ftnref3} Die Fotokopie des Werkes wurde so bearbeitet, dass nur die Konturlinien sichtbar sind. (Vgl. Anhang)
[4] {#_ftnref4} „Room in New York", Edward Hopper, 1932, Öl auf Leinwand.
[5] {#_ftnref5} „Room in New York", Edward Hopper, 1932, Öl auf Leinwand.
[6] {#_ftnref6} ebd.
[7] {#_ftnref7} Die Fotokopie des Werkes wurde so bearbeitet, dass nur die Konturlinien sichtbar sind. (Vgl. Anhang)
[8] {#_ftnref8} „Room in New York", Edward Hopper, 1932, Öl auf Leinwand.
[9] {#_ftnref9} ebd.
[10] {#_ftnref10} Vgl. Kirschmann; Johannes; Schulz; Frank (1998): Bilder erleben und verstehen: Einführung in die Kunstrezeption. S.42. ff.
[11] {#_ftnref11} Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium, Rahmenrichtlinien für das Fach Kunst, 1984, S. 25.
[12] {#_ftnref12} Roman von George Orwell, der 1949 erschienen ist und in dem eine sehr düstere Utopie eines totalen Überwachungsstaates geschildert wird, in welcher der Protagonist kaum noch soziale Kontakte und Privatsphäre hat.
[13] {#_ftnref13} Vgl. Wirth, Ingo (Hrsg.) (2007): Fundgrube Kunst. Berlin. S.59.
[14] {#_ftnref14} Vgl. Kirschmann; Johannes; Schulz; Frank (1998): Bilder erleben und verstehen: Einführung in die Kunstrezeption. Leipzig. S.42. ff.
[15] {#_ftnref15} Auszug eines Arbeitsergebnisses der Gruppe 2 der vorhergehenden Kunststunde(11.1.) (Shazib, Timon, Tim und Marcel)
[16] {#_ftnref16} Die Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit tritt zwischen 1918 und 1933 in Deutschland in Erscheinung.
[17] {#_ftnref17} Dabei zählt zu den verwendeten Techniken ebenso die Überzeichnung und als verwandte Techniken sind die Collage und die Frottage zu betrachten.
[18] {#_ftnref18} Elemente einer Collage können Zeitungsausschnitte, Bilder, Textteile, Fotografien, Papierstücke u. Ä. sein.
[19] {#_ftnref19} Vgl. Sachanalyse dieses Entwurfs S.4.
[20] {#_ftnref20} Vgl. Peterßen, Wilhelm (2001): Kleines Methoden-Lexikon; zweite aktualisierte Auflage. München. S.47-50.
[21] {#_ftnref21} Mögliche Provokation: „Diese Menschen sind zusammen in einer warmen Wohnung. Sie besitzen sogar ein Klavier. Es geht ihnen richtig gut und sie sind sicherlich ein sehr glückliches Paar."
[22] {#_ftnref22} Vgl. Bertscheit, Ralf (2003): Bilder werden Erlebnisse. Berlin. S.34.
[23] {#_ftnref23} Vgl. Bertscheit, Ralf (2003): Bilder werden Erlebnisse. Berlin. S.34.
[24] {#_ftnref24} Ebenso suchen die SuS der Gruppe 2 für die der Nummer 1, die der Gruppe 2 für die der Nummer 3 und die der Gruppe 4 für die der Nummer 1, einen Titel.
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