Navigation:


Erregungsweiterleitung an einer neuronalen erregenden chemischen Synapse

Erregungsweiterleitung an einer neuronalen erregenden chemischen Synapse
Unterrichtsentwurf
Datum: 23. August 2010 Autor: Mena1984 Kommentare: 0

Zusätzliche Informationen:

DownloadVorschauKommentar schreibenAbonnieren



Beschreibung:

Dieser Unterrichtsentwurf wurde im Rahmen eines fachdidaktischen Seminars zum Handlungorientierten Unterricht verfasst und die Methode auch erprobt. Arbeitsmaterial ist in der Originaldatei enthalten. Durchgeführt in einer 12. Klasse.


Download melden

Erregungsweiterleitung an einer neuronalen erregenden chemischen Synapse


Erregungsweiterleitung an einer neuronalen erregenden chemischen Synapse

1. Einordnung der Stunde in die Reihe - Reihenkontext

Reihenthema: Synapsen und deren Verschaltung
Thema der Stunde: Erregungsweiterleitung an einer neuronalen erregenden chemischen Synapse

1. - 2. Stunde (Einstieg)
Einführung in die Neurophysiologie - ZNS und Gehirn

3. Stunde
Bau der Nervenzelle

4. - 5. Stunde
Ruhepotential

6. - 8. Stunde
Entstehung eines Aktionspotentials

9. Stunde
Saltatorische Erregungsweiterleitung an myelinisierten Nervenzellen

10. - 11. Stunde
Erregungsweiterleitung an einer erregenden chemischen Synapse

12. - 14. Stunde
Erregende und hemmende Synapsen (Räumliche und zeitliche Summation von Aktionspotentialen)

15. - 18. Stunde
Synapsengifte und Drogen

19. Stunde
Verschiedene Synapsentypen (elektrische und neuromuskuläre)

20. - 21. Stunde
Sinnesorgane

2. Einordnung der Stunde in den Lehrplan - fachdidaktischer und methodischer Begründungszusammenhang

Der Lehrplan für die Sek. II sieht im Rahmen der Qualifikationsphase der Jahrgangsstufen 12 und 13 den Themenpunkt der „Steuerungs- Und Regulationsmechanismen im Organismus - Wahlbeispiel Neuronale Informationsverarbeitung, Sinne und Wahrnehmung" vor. Der vorgesehene Fachinhalt „synaptische Verschaltung"1 wird mit Hilfe der Fachmethode und der allgemeinen Kompetenz in Form von einer Simulationen neuronaler Vorgängen
anhand von Modellen [...]2 von den SuS eigenständig erarbeitet. Die Anwendungsbezüge werden in dieser Stunde zurückgestellt und im späteren Verlauf der Unterrichtsreihe z.B. anhand von Themen bezüglich Synapsengiften und Drogen im Detail bearbeitet. Bei der Bearbeitung der Thematiken Synapsengifte und Drogen kann auf das in der Unterrichtsstunde erstellte Anschauungsmodell zurückgegriffen bzw. daran angeknüpft werden. Anhand des Anschauungsmodells der Synapse kann den SuS Wirkweise und -orte verschiedener Synapsengifte und Drogen veranschaulicht werden.

3. Erläuterung der gewählten Methode

Der Einsatz von Schemata und Modellen bietet sich besonders dann an, wenn die jeweiligen biologischen Phänomene für die SuS weder durch Beobachtungen noch durch Experimente direkt erfahrbar und erfassbar sind. Das Fehlen direkter Beobachtbarkeit und Erfahrbarkeit bestimmter biologischer Abläufe erschwert häufig deren Verständnis. Die Konstruktion von Anschauungsmodellen dient dazu für die SuS „unsichtbare" biologische Abläufe in vereinfachter Weise sichtbar zu machen und so das Verständnis zu erleichtern. Bei der chemischen Erregungsweiterleitung an einer Synapse handelt es sich um ein solches nicht direkt beobachtbares, für die SuS „unsichtbares" biologisches Phänomen, welches sich deshalb gut für eine Visualisierung mit Hilfe eines Anschauungsmodells eignet.
In einem Modell tauchen immer nur die für die Fragestellung wesentlichen Bestandteile eines komplexen Systems auf. Da sich die SuS in der vorliegenden Unterrichtsstunde mit der Frage auseinandersetzen, wie die elektrische Erregung von einer Nervenzelle auf eine andere über den synaptischen Spalt weitergeleitet wird, soll in dem anzufertigen Modell also nur der synaptische Spalt mit den wichtigsten Bestandteilen der prä- und postsynaptischen Zelle visualisiert werden. Auf die Darstellung der gesamten Nervenzelle, des genauen Membranaufbaus oder ähnlichen Details soll zu Gunsten der Übersichtlichkeit verzichtet werden. Das Modell soll nicht nur ein vereinfachtes Abbild der komplex gebauten Synapse und ihrer Bestandteile sein, sondern es soll in erster Linie die Funktionen dieser Bestandteile während der synaptischen Erregungsweiterleitung visualisieren. Bei dem Modell handelt es sich somit um ein Anschauungsmodell, das in erster Linie

ein Funktionsmodell ist und damit einhergehend in zweiter Linie schematisch anatomische Strukturen verdeutlicht.
Das Ziel handlungsorientierten Unterrichts ist es SuS eine eigenständige, selbstorganisierte und möglichst viele Sinne ansprechende Auseinandersetzung mit einem bestimmten Lerngegenstand zu ermöglichen. Eine selbstorganisierte und eigenständig ausgeführte Handlung im Bezug auf einen bestimmten Lerngegenstand führt zu einer tieferen, intensiveren und nachhaltigeren Verarbeitung neuer Informationen im Gehirn. Aus diesem Grund wird den SuS in der vorliegenden Unterrichtsstunde die Möglichkeit gegeben mit Hilfe verschiedenster plastischer Materialien in kleinen Arbeitsgruppen eigenständig ohne Intervention der Lehrkraft ein schematisches Anschauungsmodell einer chemischen Synapse zu konstruieren. Der Prozess der Modellbildung gliedert sich in sechs Teilprozesse, in denen ein hoher Grad an Schüleraktivierung vorliegt und in denen die SuS in verschiedenen Bereichen gefördert werden.

1. praktischen Phase (Sammeln, Auswerten, Deutung von Daten):
Da die Abläufe bei der Erregungsübertragung an einer chemischen Synapse sehr komplex sind, wird den SuS ein Info-Text zur Verfügung gestellt, in dem alle wesentlichen Abläufe des Weiterleitungsprozesses enthalten sind. Indem die SuS die schriftliche Ablaufbeschreibung in sinnvolle Teilschritte untergliedern und diese in einem Flussdiagramm in kurzer Form schriftlich festhalten sollen, wird die aktive Textarbeit und Textverständnis gefördert.

2. gedankliche Phase (erste Überlegungen und Konstruktion einer Modellvorstellung): In dieser Phase wird das problemlösende Denken und die Transferleistung der SuS gefördert, da sie die schriftlichen Informationen des Textes vorerst in Gedanken auf eine bildliche Darstellungsweise transferieren müssen und dabei problematischer Weise nur eingeschränkt Materialien zur Verfügung haben.

3. sprachliche Phase (genaue Formulierung der Modellvorstellung):
Hier liegt der Schwerpunkt auf der sprachlichen Kompetenzerweiterung der SuS. Die SuS sind dazu angehalten ihr gedankliches Konstrukt, welches sich während der Textarbeit entwickelt hat, den anderen Gruppenteilnehmern mündlich zu erklären, sodass die Gruppenteilnehmer die gedanklichen Ideen nachvollziehen und sich auf eine Darstellungsweise einigen können.

4. Phase des Begreifens (Apparative Konstruktion der Modellvorstellung):
In dieser Phase wird die Abstraktionsfähigkeit der SuS gefördert, indem sie die zellulären Bestandteile wie Transmitter o.Ä. mit Hilfe abstrakter plastischer Gegenstände wie Knöpfe etc. darstellten sollen. Auch fördert diese Phase die Kreativität und den Einfallsreichtum der Schüler, die mit Hilfe der gegebenen Materialien alle wichtigen Bestandteile der Synapse wiedergeben müssen. Durch die hier stattfindende Visualisierung werden den SuS zelluläre Zusammenhänge und Proportionen leichter deutlich.

5. Phase der bildlichen Darstellung (schematische Darstellung des apparativen Modells):
In der Zusatzaufgabe für besonders zügig arbeitende Gruppen wird den SuS die Möglichkeit gegeben ihr erstelltes plastisches Modell wiederum in zeichnerischer Skizzenform zu dokumentieren. Hierdurch lernen die SuS eine weitere Form der Abstraktion kennen und selbstständig, nämlich die schematische Zeichnung.

6. Phase der Reflexion und des Vergleiches (Rückschau und Vergleich von Modell und Original):
Während des Galerieganges wird der kritische Blick der SuS geschult. Sie müssen sowohl die Schwachstellen an den Modellen der anderen Gruppen erkennen und formulieren können als auch die Schwachpunkte des eigenen Modells einräumen und kritikfähig sein können. Während des Galerieganges lernen die SuS anhand der Ergebnisse der anderen Gruppen Alternativen zu ihrem eigenen Modell kennen, welche ein kritisches Überdenken des eigenen Modells anregt. Darüber hinaus trägt der Galeriegang dazu bei, dass die SuS sich in fremde Modelle hineindenken und die synaptischen Vorgänge an diesen nachzuvollziehen versuchen. Während des Galerieganges werden anhand der vielfältigen Anschauungsmodelle die Kenntnisse der SuS über die Vorgänge der synaptischen Erregungsweiterleitung wiederholt und vertieft.
Die Methode der Modellbildung stellt die Lehrperson in eine Moderatorrolle. Die Lehrkraft ist an der aktiven Modellbildung der Arbeitsgruppen relativ unbeteiligt. Sie kann Denkanstöße und kurze Impulse geben, wenn einzelne Arbeitsgruppen weniger Kreativität zeigen als andere. Auch muss sie ggf. inhaltliche Fragen klären, wenn diese aus dem Informationstext nicht klar genug hervorgehen. Später im Galeriegang moderiert die Lehrperson dann die Reflexion der SuS über die Modelle. Sie leitet die SuS an konstruktive Kritik zu üben. Die Methode der Modellbildung erfordert von der Lehrperson eine intensive Vorbereitungszeit. Es müssen eine Fülle von Materialien gesammelt werden, es muss ein möglichst
unmissverständlicher Informationstext entworfen werden, der sich leicht in ein Anschauungsmodell umformen lässt. Der Text muss so formuliert sein, dass die SuS die zentrale Problematik erkennen und ihr Modell so konstruieren, dass dieser Aspekt und kein anderer hervorgehoben wird. In der vorliegenden Unterrichtsstunde darf der Text sich also nur mit dem Aspekt der synaptischen Erregungsweiterleitung beschäftigen und keine weiteren Nebensächlichkeiten aufführen. Schließlich sollte die Modellbildung von der Lehrpeson im Vorhinein selbst erprobt werden, damit etwaige Quellen für Missverständnisse und Schwierigkeiten ausgeräumt werden können und die selbstständige Arbeit der SuS später nicht in Gefahr ist.

4. Lernziele

TAB

5. Schülervoraussetzungen und zu erwartende Schwierigkeiten

Inhaltliche Voraussetzungen für die Stunde „Erregungsweiterleitung an einer erregenden chemischen Synapse" sind Kenntnisse über die Struktur und den Aufbau der Nervensystems, die Morphologie eines Neurons, die physikalischen und chemischen Zusammenhänge eines Aktionspotentials sowie die Erregungsweiterleitung entlang des Axons. Die der Stunde unmittelbar vorausgehende Hausaufgabe besteht darin, sich über den Transport von Stoffen durch Membranen über Membrankanäle sowie über Vesikel (Exo- und Endocytose) zu informieren. Damit verfügen die SuS über die nötigen Grundkenntnisse um die einzelnen Teilschritte der synaptischen Erregungsweiterleitung nachvollziehen zu können.
Im Bezug auf die methodischen Kenntnisse muss vorausgesetzt werden, dass die SuS das Arbeiten in einer Gruppe kennengelernt haben und wissen wie sie zusammen zu einem effizienten Ergebnis kommen. Des Weiteren müssen die SuS Präsentationsfähigkeiten zeigen und gegenseitige Korrektur praktizieren können.

Die Bearbeitung des Informationstextes während der Einzelarbeit kann einzelnen SuS möglicherweise Schwierigkeiten bereiten. Die Schwierigkeiten könnten in erster Linie darin bestehen, dass es einzelnen SuS schwer fällt, die für die Erregungsweiterleitung essentiellen Informationen aus dem Text herauszufiltern und in einem Folgediagramm zu strukturieren. Ebenfalls könnte es ihnen Probleme bereiten die einzelnen Teilschritte gedanklich klar voneinander zu trennen, da sie in engem zeitlichem und kausalem Zusammenhang stehen. SuS, die diese Schwierigkeiten mit der Erfassung und Strukturierung des Textes haben, können sich bei der Lehrperson ein schon vorgefertigtes Folgediagramm abholen, anhand dessen sie sich die aufeinander folgenden Teilprozesse der Erregungsweiterleitung klar machen und so ihren Arbeitsprozess fortsetzen können. Den SuS muss jedoch vorher deutlich gemacht werden, dass die Inanspruchnahme des vorgefertigten Folgediagramms eine Einschränkung der persönlichen Leistungsbewertung zur Folge hat.
Mangelnde bildliche Vorstellungskraft und abstraktes Denkvermögen kann dazu führen, dass einzelne SuS mit Hilfe des Info-Textes nicht zu einer bildlichen Vorstellung der synaptischen Erregungsweiterleitung kommen. Das fehlende gedankliche Bild über die Weiterleitungsvorgänge führt dann unweigerlich zu Problemen bei der Erstellung des Anschauungsmodells, da hierfür die gedankliche Vorlage, ein Denkmodell, fehlt. In diesem Fall können den SuS als Hilfe Fotos ausgehändigt werden, auf denen beispielhaft Ausschnitte des Modells und Teilsschritte der Erregungsweiterleitung abgebildet sind. Haben die SuS beispielsweise das Problem sich den Vorgang der Exocytose der Transmitter vorzustellen und ihn modellhaft zu visualisieren, so wird ihnen ein Foto gegeben, auf dem dieser Schritt in einem Modell veranschaulicht wurde.
Auch kann es dazu kommen, dass der Informationstext stellenweise missverstanden und missinterpretiert wird, sodass die SuS während der Bearbeitung des Textes ein verzerrtes, realitätsfernes oder gar falsches gedankliches Bild über die synaptischen Weiterleitungsvorgänge entwickeln. Diese, durch das Missverstehen des Textes hervorgerufenen realitätsfernen bis falschen Vorstellungen über die synaptischen Vorgänge würden dann auf das Anschauungsmodell übertragen und könnten sich dadurch falsch im Gedächtnis der SuS einprägen. Der Galeriegang im Anschluss an die Modellkonstruktion
bietet die Möglichkeit verzerrte und falsche Modelle zu korrigieren und zu verbessern und räumt damit mögliche Missverständnisse aus.
Die Aufgabe, das gedankliche Modell der synaptischen Erregungsweiterleitung in einem plastischen Modell zu visualisieren, erfordert einen hohen Grad an Transferleistung und problemlösendem Denken. Bei dem Transfer des gedanklichen Konstruktes auf ein plastisches Anschauungsmodell können daher Schwierigkeiten auftreten. Die SuS könnten die zu Verfügung stehenden Materialien als mangelhaft und ungeeignet empfinden um ihre gedankliche Vorstellung, oder zumindest Teile davon, in ein Anschauungsmodell zu übertragen.
Auch innerhalb der Arbeitsgruppen kann es zu Spannungen und Schwierigkeiten kommen. Nachdem die SuS in der Einzelarbeit ein gedankliches Bild der Weiterleitungsvorgänge entwickelt haben, müssen sie diese unterschiedlichen ggf. gegenläufigen Bilder in Einklang bringen und sich auf eine Form der plastischen Darstellung einigen. Hierbei kann es zu Meinungsverschiedenheiten kommen, die ggf. einzelne SuS frustrieren und ihr Engagement in der Gruppe hemmen. Frustration kann auch dadurch auftreten, dass die Konstruktion eines stimmigen Modells langwieriger ist als erwartet. Während des langen Prozesses der Modellbildung, in dem immer wieder Vorschläge ausprobiert und verworfen werden, kann die Konzentration einzelner SuS und damit auch ihr Durchhaltevermögen abnehmen, was wiederum auf die jeweiligen Mitschülerinnen und Mitschüler demotivierend wirken kann.

6. Schwerpunktsetzung in der methodischen Analyse

In diesem Unterrichtsentwurf wurde der Schwerpunkt auf die Methode des Einsatzes von Anschauungsmodellen gelegt. Anschauungsmodelle ermöglichen es komplexe Strukturen und Vorgänge visuell darzustellen um somit deren Verständnis zu steigern. Wie bereits unter Punkt 3 erwähnt, bietet sich der Einsatz von Anschauungsmodellen gerade dann an, wenn die modellhaft darzustellenden Vorgänge nicht direkt durch Beobachtung oder Experimente erfahrbar und nachvollziehbar sind. Da es sich bei dem Vorgang der synaptischen Erregungsweiterleitung um einen solchen nicht direkt erfahrbaren Vorgang handelt, wurde die Methode der Modellkonstruktion mit dem Schwerpunkt der Veranschaulichung gewählt.
In einem Modell können allerdings nur einzelne Merkmale eines komplexen Systems dargestellt werden, was aber für eine didaktische Reduktion durchaus sinnvoll erscheint. Die didaktische Reduktion geschieht auf zwei Ebenen. Zum einen soll in dem zu erstellenden Anschauungsmodell lediglich ein kleiner Ausschnitt aus dem komplexen Geflecht von Nervenzellen visualisiert werden, nämlich nur die synaptische Verknüpfung zweier Nervenzellen, also das synaptische Endköpfchen der präsynaptischen Zelle, der synaptische Spalt sowie das Soma der postsynaptischen Zelle. Diese Reduktion des Modells auf einen spezifischen, kleinen Ausschnitt des Nervengeflechtes macht den SuS unmissverständlich den thematischen Schwerpunkt der Stunde, nämlich die Erregungsweiterleitung an einer Synapse, deutlich und hilft ihnen sich allein auf diesen Teilaspekt zu fokussieren. Zum zweiten werden die Bestandteile dieser zellulären Strukturen, wie beispielsweise Transmitter oder Membranen, in dem Anschauungsmodell durch stark schematisierende Materialien, wie Knöpfe und Kordeln, wiedergegeben. Durch die Veranschaulichung von an sich hoch komplexen Strukturen (Transmitter als chemische Verbindung und Membranen als Doppel-Lipid-Layer) mit Hilfe einfacher plastischer Gegenstände (Knöpfe und Kordel) werden diese Strukturen auf ihre ungefähre Gestalt und essentielle Funktion reduziert. Diese Reduktion ist didaktisch unbedingt erforderlich, damit die SuS nicht von unnötigen Details verwirrt und abgelenkt werden, sondern ein gedankliches Bild über die ungefähre Gestalt und Funktion der für die synaptische Erregungsweiterleitung wichtigen Strukturen entwickeln können. Die Abgrenzungsfunktion von Membranen und ihre das Zellinnere umschließende, flexible Gestalt können passend durch eine Kordel o.Ä. visualisiert werden. Transmitter hingegen können in ihrer Eigenschaft als kleine, diffundierende Moleküle durch Schokoladenlinsen oder Knöpfe repräsentiert werden. Als reduziertes und vereinfachtes Abbild der Realität, erfüllt das Anschauungsmodell somit eine heuristische und denkökonomische Funktion, da es den SuS eine konkrete Hilfestellung bieten die komplexen Abläufe an einer chemischen Synapse zu begreifen.
Die Aufgabe der Modellkonstruktion soll nicht in Einzelarbeit, sondern in einer Kleingruppe von ca. vier Personen gelöst werden. Die Arbeit in einer Gruppe bietet sich aus folgenden Gründen an.

Erstens erfordert die Übertragung einer gedanklichen Vorstellung in ein plastisches Modell mit Hilfe von begrenzten Materialien einen hohen Grad an Kreativität der SuS. In einer Gruppe erhöht sich mit der Anzahl an Personen auch die Menge an Umsetzungsideen für das Anschauungsmodell, sodass die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Modellkonstruktion erhöht wird.
Durch die Arbeit in Gruppen wird zweitens die Teamfähigkeit als eine zentrale soziale Kompetenz der SuS erhöht. Während des mündlichen Austauschs ihrer Ideen und Vorschläge lernen die SuS sich gegenseitig zuzuhören, Gedankengänge mitzuverfolgen und sich ggf. gegenseitig zu kritisieren und zu verbessern. Den SuS ist klar, dass sie das Anschauungsmodell nur dann erfolgreich konstruieren können, wenn sie in ständigem Austausch und Dialog über ihre Arbeitsschritte stehen.
Da es sich bei der Gruppenarbeit um eine arbeitsgleiche Aufgabenstellung handelt ist es wichtig die Kleingruppen leistungsheterogen zusammenzustellen. Die arbeitsgleiche Herangehensweise macht keine Abstufungen in der Komplexität und kognitiven Anforderung des Arbeitsauftrages möglich, daher wären bei homogenen Arbeitsgruppen homogen leistungsschwache Gruppen benachteiligt. Die heterogene Zusammensetzung der Arbeitsgruppen wird durch die zufällige Auswahl der Gruppenmitglieder per Losverfahren erreicht.
Die Anschauungsmodelle sollen in arbeitsgleicher Gruppenarbeit erstellt werden. Jede Gruppe hat den Auftrag alle sieben Teilschritte der synaptischen Erregungsweiterleitung in einem plastischen Modell zu visualisieren. Das arbeitsgleiche Vorgehen bietet sich aus folgenden Gründen an.
Zum ersten haben alle SuS und damit alle Gruppen das gleiche, ausreichende Vorwissen um die Aufgabe der Modellkonstruktion lösen zu können. Es ist daher nicht notwendig aufgrund von ungleichen Lernständen variierende Arbeitsaufträge zu verteilen.
Zum zweiten ermöglicht die heterogene Zusammensetzung der Arbeitsgruppen eine erfolgreiche Lösung des Arbeitsauftrages. Wären die Arbeitsgruppen leistungshomogen zusammengesetzt, so würde der komplexe Arbeitsauftrag homogen leistungsschwache Gruppen überfordern und somit nicht gelöst werden können. In der heterogenen Zusammensetzung wird dahingegen einem Scheitern der Gruppe vorgebeugt, da leistungsschwächere und -stärkere SuS sich
gegenseitig ergänzen und zu einem angemessenen Arbeitsergebnis trotz des kognitiv anspruchsvollen Arbeitsauftrages kommen können.
Zum dritten erweist sich das arbeitsgleiche Vorgehen auch für die SuS als Vorteil. Bei der Modellkonstruktion haben alle SuS die Möglichkeit sich auf anschaulicher, intensiver und handlungsorientierter Weise mit der Thematik der synaptischen Erregungsweiterleitung auseinander zu setzen. Würde man Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen methodischen Arbeitsaufträgen bilden (z.B. reine Textarbeit, Modellkonstruktion, Informationsfilm), so könnten sich die einzelnen Arbeitsmethoden als unterschiedlich effizient für die Aneignung des Themas herausstellen und es käme zu ungleichen Lernerfolgen. Darüber hinaus würden die unterschiedlichen methodischen Zugänge zu einer ungleichen Förderung der methodischen Kompetenzen der SuS führen. Die Methode der Modellbildung fördert auf Grund ihrer Handlungsorientiertheit die Selbstständigkeit und die Teamfähigkeit der SuS. Die SuS müssen ohne Hilfe der Lehrperson nur auf der Grundlage des Informationstextes mit der gesamten Gruppe ein gemeinsames Anschauungsmodell der Synapse entwerfen und dieses später auch erklären können. Würden die anderen Gruppen sich das Thema anhand eines Textes oder eines Informationsfilmes erarbeiten, so würde hier der Schwerpunkt auf anderen methodischen Kompetenzen liegen als bei der Modellkonstruktion.
Zum vierten gewährt die arbeitsgleiche Vorgehensweise den SuS mehr Übersichtlichkeit und Transparenz für den organisatorischen und inhaltlichen Unterrichtsverlauf. Würden arbeitsteilige Gruppen gebildet, so würde eine Methode innerhalb einer anderen Methode auftreten (Gruppenpuzzle innerhalb des Modelleinsatzes), was zu Unübersichtlichkeit für die SuS führen könnte.
Zur Präsentation und Sicherung der Arbeitsergebnisse erfolgt im Anschluss an die Modellkonstruktion ein Galeriegang. Hierbei bleibt je eine Person der Arbeitsgruppen bei dem eigenen Modell sitzen („stationäre Person") während die jeweils restlichen drei Personen der Arbeitsgruppen zu dem Modell der Nachbargruppe gehen („Wandergruppe"). Die stationäre Person erklärt nun anhand ihres eigenen Modells den ankommenden drei Personen der Nachbargruppe den ersten Schritt der Erregungsweiterleitung. Danach findet eine Rotation statt. Die stationäre Person tauscht ihre Position mit einer Person aus ihrer eigenen Wandergruppe. Die Wandergruppen rücken daraufhin jeweils ein Modell weiter. An diesem Modell wird nun der Wandergruppe durch die
ausgewechselte stationäre Person der zweite Schritt der Erregungsweiterleitung erläutert. Dieses Rotationsprinzip wird so lange fortgeführt, bis jeder Wandergruppe je ein Schritt der insgesamt sieben an je einem anderen Anschauungsmodell erklärt wurde.
Der Galeriegang dient der Sicherung und Korrektur der Arbeitsergebnisse der einzelnen Gruppen. Die SuS können sich bei der Betrachtung der fremden Modelle gegenseitig auf Schwachpunkte oder gar Fehler der Modelle aufmerksam machen und gemeinsam nach Verbesserungen und Lösungen suchen. Hierdurch erwerben die SuS die Fähigkeit in angemessener Weise Kritik zu üben und auch selber kritikfähig zu sein. Die SuS der Wandergruppe sind dazu anhalten sich in die jeweils fremden Modelle hineinzudenken und sich an diesen die Vorgänge der synaptischen Erregungsübertragung zu verdeutlichen. Während dieses Prozesses wiederholen und vertiefen die SuS ihre erworbenen Kenntnisse über die synaptischen Vorgänge. Als stationäre Person wird jeder Schülerin/jedem Schüler einmal die Möglichkeit gegeben, einen der sieben Teilschritte der synaptischen Erregungsweiterleitung einer Wandergruppe mündlich zu erklären. Diese mündliche Erklärung dient besonders der stationären Person zu einer Wiederholung und Vertiefung der synaptischen Vorgänge. Durch das eigenständige Verbalisieren der Vorgänge prägen sich diese tiefer in das Gedächtnis der stationären Person ein. Es können hierbei aber auch Unsicherheiten und Missverständnisse deutlichen werden, die die stationäre Person dann mit Hilfe der jeweiligen Wandergruppe diskutieren und klären kann.

7. Quellenangaben

- Biologie heute (1998) Schrödel Verlag
- Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW (1999).
Sekundarstufe II. Gymnasium/Gesamtschule. Biologie. Richtlinien und Lehrpläne. Frechen: Ritterbach.Verlag

Fußnoten:
1 Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW (1999) S. 44
2 Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW (1999) S. 44

 

 

 



Kommentare (0)


Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Material!
Kommentar schreiben