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Nahrungskunst
Datum: 07. September 2010 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Diese Unterrichtsstunde wurde an einer Realschule 6. Klasse unterrichtet. Durch diese Einheit ziehen sich zwei Linien: zum einen der Umgang mit Nahrung und deren Verwendungsmöglichkeiten in der Kunst, zum anderen die Beschäftigung mit der eigenen Lebenswelt.
Beschreibung:
Ausführlicher Unterrichtsentwurf zum Thema Essen in der Kunst. Die Schüler stellen eigene Farben her und gestalten damit einen Pappteller mit Essen.

Nahrungskunst
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (RS) K.
NAHRUNGSKUNST
Die größte Kunst die ein Mensch erlernen kann ist die Kunst zu Leben, die Zweithöchste, mit Genuss zu speisen.
Zweiter beratender Unterrichtsbesuch im Fach Bildende Kunst
Realschullehreranwärterin: Otterstätter
Ausbilder:
Mentorin:
Schule: Realschule
Schulleiter:
Klasse: 6
Datum: 5. November 2009
Zeit: 2. Stunde (8:35- 9:20)
Inhalt
Inhalt 2 {#__RefHeading__16505_1464505897}
hors d'oeuvre 4 {#__RefHeading__16507_1464505897}
I. Bedingungsanalyse 5 {#__RefHeading__16509_1464505897}
1.1 Ist-Stand-Feststellung 5 {#__RefHeading__16511_1464505897}
Die Realschule liegt in der Gartensiedlung in R., welche in den sechziger Jahren entstand und als vorbildlich für die architektonische Verbindung von Stadtleben und großzügiger Grünfläche galt. Die Realschule ist zusammen mit der E.- Grundschule in einem Gebäudekomplex untergebracht. Das Einzugsgebiet der Realschule umfasst vor allem verschiedene Ortsteile der Stadt K. und die umliegenden Gemeinden des Landkreises K. Die Schüler kommen somit sowohl aus dem städtischen als auch aus dem ländlichen Bereich. Derzeit werden 313 Schüler, davon 136 Mädchen und 177 Jungen, von 23 Lehrerinnen und Lehrern, verteilt auf 12 Klassen, unterrichtet. Die Schule sieht ihren Schwerpunkt im musischen und künstlerischen Bereich und bietet momentan zwei Arbeitsgemeinschaften an, eine Musik – und eine Theater AG, welche gut besucht sind. 5 {#__RefHeading__16513_1464505897}
Der Unterricht beginnt um 7:45 Uhr und endet um 13:05 Uhr mit der sechsten Stunde. Nach der zweiten und nach der vierten Unterrichtsstunde befindet sich eine fünfzehnminütige Pause. Die Schüler verbringen ihre Pause, sofern es nicht regnet, auf dem direkt ans Schulgebäude anschließenden Pausenhof. Die Schulglocke wird nur noch vereinzelt eingesetzt, d.h. zu Beginn und Ende der großen Pause, sowie zu Schulanfang und Schulende. 5 {#__RefHeading__16515_1464505897}
Die Schule unterlag vor einiger Zeit einer langwierigen Renovierungsphase, da es durch Bauarbeiten zu einem Schwelbrand kam. Im Rahmen der Sanierung setzten sich die Kunstlehrer für einen praktischen und kunsttauglichen Kunstraum ein. Die Konzepte und Überlegungen der Kollegen flossen in die Umgestaltung und Neugestaltung mit ein und es entstand ein schöner, heller und großzügiger Raum mit zahlreichen Materialschränken. Der Raum verfügt über einen fest installierten Beamer sowie ein eigenes Notebook. Die Kunstlehrer, und in Folgen dessen die Schüler, sind sehr darauf bedacht, den Raum nach der Unterrichtsstunde in einem guten Zustand zu hinterlassen. 5 {#__RefHeading__16517_1464505897}
Nach Piaget befinden sich Kinder der 6. Klasse (also 11- bis 12-jährige) im formal- operatorischen Stadium, dem letzten Stadium der kognitiven Entwicklung. Das Denken beginnt abstrakt zu werden. Das vorherige konkret- operatorische Denken wird in dieser Stufe ergänzt durch kognitive Operationen, die nicht nur gegebene Informationen berücksichtigt, sondern zusätzliche mögliche Einflussfaktoren einbindet. Ein mögliches Kombinationssystem wird erstellt, das den Kindern ein systematisches Vorgehen ermöglicht. Die Kinder beginnen ihre eigene Realität als nur eine mögliche von vielen Realitäten zu begreifen und sind somit in der Lage Perspektiven und Standpunkte von Anderen zu übernehmen. Formale Strukturen werden zunehmend gebildet, die kognitiven Fertigkeiten der Kinder werden ausgeprägter und differenzierter und Informationen können umfangreich und effektiv aufgenommen werden. Der Kunstunterricht kann sich diese Entwicklung zu Nutzen machen, indem er systematisches Vorgehen (hier: das Mischen von Farben) fördert und fordert. 6 {#__RefHeading__16519_1464505897}
Die Klasse setzt sich aus 13 Mädchen und 12 Jungen zusammen. Hinsichtlich des Arbeitstempos (Jaqueline beispielsweise ist eher langsam und verträumt) und der Auffassungsgabe sind hohe Leistungsdifferenzen zu beobachten. Eine Differenzierung des Lernangebots ist folglich wichtig. Schüler, die mir bisher als sehr kreativ und eigeninitiativ aufgefallen sind, sind vor allem Ana-Maria und Robin. Ana- Marias Mutter ist freischaffende Künstlerin, was sich am Zugang Ana-Marias zur Kunst bemerkbar macht. Das Malen mit Ei-Tempera ist für die Schüler vermutlich unbekannt. Die Sitzordnung ist für die vorliegende Stunde geändert (die Anordnung der Tische soll an kleine Festtafeln erinnern), was zu Irritation und Unruhe zu Beginn führen könnte. 6 {#__RefHeading__16521_1464505897}
1.2 Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit 6 {#__RefHeading__16523_1464505897}
II. Didaktische Reflexion 9 {#__RefHeading__16525_1464505897}
2.1 Sachanalyse 9 {#__RefHeading__16527_1464505897}
2.2 Bezug zum Bildungsplan 11 {#__RefHeading__16529_1464505897}
2.3 Kompetenzen 12 {#__RefHeading__16531_1464505897}
2.4 Stundenziel 12 {#__RefHeading__16533_1464505897}
III. Methodische Reflexion 14 {#__RefHeading__16535_1464505897}
3.1 Methodische Planung mit Alternativen und Begründung 14 {#__RefHeading__16537_1464505897}
IV. Anhang 16 {#__RefHeading__16539_1464505897}
Literaturverzeichnis 16 {#__RefHeading__16541_1464505897}
Sitzplan 16 {#__RefHeading__16543_1464505897}
Tafelbild 16 {#__RefHeading__16545_1464505897}
Werkbeispiel 16 {#__RefHeading__16547_1464505897}
hors d'oeuvre
I. Bedingungsanalyse
1.1 Ist-Stand-Feststellung
Die Realschule liegt in der Gartensiedlung in R., welche in den sechziger Jahren entstand und als vorbildlich für die architektonische Verbindung von Stadtleben und großzügiger Grünfläche galt. Die Realschule ist zusammen mit der E.- Grundschule in einem Gebäudekomplex untergebracht. Das Einzugsgebiet der Realschule umfasst vor allem verschiedene Ortsteile der Stadt K. und die umliegenden Gemeinden des Landkreises K. Die Schüler kommen somit sowohl aus dem städtischen als auch aus dem ländlichen Bereich. Derzeit werden 313 Schüler, davon 136 Mädchen und 177 Jungen, von 23 Lehrerinnen und Lehrern, verteilt auf 12 Klassen, unterrichtet. Die Schule sieht ihren Schwerpunkt im musischen und künstlerischen Bereich und bietet momentan zwei Arbeitsgemeinschaften an, eine Musik – und eine Theater AG, welche gut besucht sind.
Der Unterricht beginnt um 7:45 Uhr und endet um 13:05 Uhr mit der sechsten Stunde. Nach der zweiten und nach der vierten Unterrichtsstunde befindet sich eine fünfzehnminütige Pause. Die Schüler verbringen ihre Pause, sofern es nicht regnet, auf dem direkt ans Schulgebäude anschließenden Pausenhof. Die Schulglocke wird nur noch vereinzelt eingesetzt, d.h. zu Beginn und Ende der großen Pause, sowie zu Schulanfang und Schulende.
Die Schule unterlag vor einiger Zeit einer langwierigen Renovierungsphase, da es durch Bauarbeiten zu einem Schwelbrand kam. Im Rahmen der Sanierung setzten sich die Kunstlehrer für einen praktischen und kunsttauglichen Kunstraum ein. Die Konzepte und Überlegungen der Kollegen flossen in die Umgestaltung und Neugestaltung mit ein und es entstand ein schöner, heller und großzügiger Raum mit zahlreichen Materialschränken. Der Raum verfügt über einen fest installierten Beamer sowie ein eigenes Notebook. Die Kunstlehrer, und in Folgen dessen die Schüler, sind sehr darauf bedacht, den Raum nach der Unterrichtsstunde in einem guten Zustand zu hinterlassen.
Nach Piaget befinden sich Kinder der 6. Klasse (also 11- bis 12-jährige) im formal- operatorischen Stadium, dem letzten Stadium der kognitiven Entwicklung. Das Denken beginnt abstrakt zu werden. Das vorherige konkret- operatorische Denken wird in dieser Stufe ergänzt durch kognitive Operationen, die nicht nur gegebene Informationen berücksichtigt, sondern zusätzliche mögliche Einflussfaktoren einbindet. Ein mögliches Kombinationssystem wird erstellt, das den Kindern ein systematisches Vorgehen ermöglicht. Die Kinder beginnen ihre eigene Realität als nur eine mögliche von vielen Realitäten zu begreifen und sind somit in der Lage Perspektiven und Standpunkte von Anderen zu übernehmen. Formale Strukturen werden zunehmend gebildet, die kognitiven Fertigkeiten der Kinder werden ausgeprägter und differenzierter und Informationen können umfangreich und effektiv aufgenommen werden. Der Kunstunterricht kann sich diese Entwicklung zu Nutzen machen, indem er systematisches Vorgehen (hier: das Mischen von Farben) fördert und fordert.
Die Klasse setzt sich aus 13 Mädchen und 12 Jungen zusammen. Hinsichtlich des Arbeitstempos (Jaqueline beispielsweise ist eher langsam und verträumt) und der Auffassungsgabe sind hohe Leistungsdifferenzen zu beobachten. Eine Differenzierung des Lernangebots ist folglich wichtig. Schüler, die mir bisher als sehr kreativ und eigeninitiativ aufgefallen sind, sind vor allem Ana-Maria und Robin. Ana- Marias Mutter ist freischaffende Künstlerin, was sich am Zugang Ana-Marias zur Kunst bemerkbar macht. Das Malen mit Ei-Tempera ist für die Schüler vermutlich unbekannt. Die Sitzordnung ist für die vorliegende Stunde geändert (die Anordnung der Tische soll an kleine Festtafeln erinnern), was zu Irritation und Unruhe zu Beginn führen könnte.
1.2 Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit
Die vorliegende Stunde mit dem Thema „Nahrungskunst“ stellt eine Vertiefung der bisherigen Unterrichtseinheit „Lebenswelt und Umfeld“ dar. Die Schüler gestalteten in Anlehnung an den italienische Maler Giuseppe Arcimboldo1 {#sdfootnote1sym} eine Ich-Collage, die sich aus den Hobbys und Interessen der Einzelnen zusammensetzte. Die Gegenstände, wie z.B. Fußbälle, Tanzschuhe und Computer wurden skizziert und schließlich in farbiger Fassung ausgeschnitten und in eine schlüssige Komposition, einem Porträt des Schülers, gebracht. Dabei war festzustellen, wie die Schüler Freude am Experimentieren und Kombinieren ungewöhnlicher Gegenstände entwickelten und zu kreativen Darstellungsmöglichkeiten fanden.
Durch diese Einheit ziehen sich also zwei Linien: zum einen der Umgang mit Nahrung und deren Verwendungsmöglichkeiten in der Kunst, zum anderen die Beschäftigung mit der eigenen Lebenswelt. Die Lebenswelt setzt sich nicht nur aus den, wie bereits oben erwähnten, Hobbies und Interessen zusammen, sondern auch die Wahl und der Umgang mit der Nahrung (z.B. das Lieblingsessen oder allgemeiner: die Esskultur zu Hause) spielen hier eine bedeutende Rolle und lassen Rückschlüsse auf das eigene Selbstverständnis zu.
Im Anschluss an die hier vorgestellte Stunde, in der vornehmlich mit Farben und Essen experimentiert wird, werden die Schüler auf Papptellern Lieblingsessen mit sowohl selbst hergestellten als auch herkömmlichen Farben darstellen.
plat principal
II. Didaktische Reflexion
2.1 Sachanalyse
„Die Speisen haben vermutlich einen sehr großen Einfluss auf den Zustand der Menschen, wie er jetzo ist, der Wein äußert seinen Einfluss mehr sichtbar, die Speisen tun es langsamer, aber vielleicht ebenso gewiss, wer weiß ob wir nicht einer gut gekochten Suppe die Luftpumpe und einer schlechten den Krieg oft zu verdanken haben.“2 {#sdfootnote2sym}
Nahrungskünstler
Das Thema Essen hat in der Kunst eine lange Tradition und weist somit auf die Bedeutsamkeit und den großen (kulturellen) Einflussbereich von Nahrung hin. Bereits in antiken Wandmalereien tauchen Schalen mit Früchten und anderen Lebensmitteln auf. In der Barockzeit wird das Stillleben, das häufig nur als Lebensmitteln3 {#sdfootnote3sym} bestand, sogar zur eigenen Gattung. Mit Daniel Spoerri gewinnt das Essen in den 60er Jahren nochmals einen Zuwachs an kultureller Bedeutung. Spoerri behandelt Nahrung nicht nur als Thema in der Kunst, sondern gebraucht sie sogar als Material, mit dem Kunst geschaffen wird. Der Begriff der Eat Art als eine Richtung der zeitgenössischen Kunst wird von Spoerri geprägt. Eat Art ist dem Bereicht der Objektkunst zuzuordnen und findet ihre Anfänge in den so genannten Fallenbildern. Fallenbilder sind künstlerische Darstellungen, in denen Materialbilder in einem bestimmten Zustand festgehalten (ähnlich: in einer Falle gefangen) werden und mit Kunstharz fixiert als Wandbild funktionieren. Besonders bekannt ist das Werk „Hahns Abendmahl“4 {#sdfootnote4sym}, das sich auf ein tatsächlich stattgefundenes Mahl mit 16 Personen bezieht und eine zufällige (fixierte) Anordnung von Tellern, Gabeln, Messer, Brotkörben und ähnlichem zeigt.5 {#sdfootnote5sym}
Abbildung 1: Werkbeispiel von Daniel Spoerri
In der aktuellen Kunst scheint mir vor allem die Niederländerin Marije Vogelzang erwähnenswert, die sich dem Thema Essen ebenfalls aus gestalterischer Sicht nähert und dabei zu völlig neuen Kunstformen findet. Sie entwirft kulinarische Erfahrungen und Erlebnisse in Form von gemeinsamen Dinnern und möchte damit eine Brücke zwischen der Design- und der Essen-Welt schaffen. In ihren Werken betont sie vor allem den Prozess des Essens und knüpft damit auch unmittelbar an Beuys6 {#sdfootnote6sym} an, der bekanntlich in der geschälten Kartoffel und der sich ringelnden oder geschnippelten Schale eine soziale Plastik sah. Marije hüllt das Dessert beispielsweise in Lehm ein und entwirft somit eine Skulptur, in deren Innerem Nahrung liegt. Der Betrachter (hier: der Hungrige) steht nun vor der Wahl, die Skulptur entweder zu zerbrechen oder zu behalten.7 {#sdfootnote7sym}
Abbildung 2: Werkbeispiele von Marije Vogelzang
Sandy Skoglund, zeitge-nössische amerikanische Künstlerin, die sich mit ihren Arbeiten zwischen der Installation, der Fotografie und der Skulptur bewegt, verblüfft mit feinteiligen Arrangments, die teilweise regelrecht von Nahrungsmitteln übersät wirken. Als exemplarisches Beispiel möchte ich hier die Fotografie „Raining Pop Corn“8 {#sdfootnote8sym} aus dem Jahr 2001 anführen, das durch die Verwendung von Popcorn den Eindruck einer Schneelandschaft vermittelt und so mit dem Betrachter in eine humorvolle Kommunikation tritt.
Als weiteres Beispiel für die Verschmelzung von Essen und zeitgenössischer Kunst ist die Avantgarde-Küche von Ferran Adrià zu nennen. Der Spanier experimentiert mit den unterschiedlichen Aggregatszuständen von Lebensmitteln und findet sowohl bei der Herstellung als auch bei der Präsentation von Lebensmitteln neue Kombinationsmöglichkeiten. Auf seiner Speisekarte stehen beispielsweise Olivenölbonbons, zerplatzende Mozarellakugeln oder gefriergetrocknetes Obst. Er gilt als Mitbegründer der Molekularküche und war mit seinem Restaurant El Bulli auf der documenta 12 vertreten.
Ei-Tempera
Ei-Tempera ist ein Malmittel, das aus Farbpigmenten, Ei (-gelb), Öl und Wasser hergestellt wird und bereits im Altertum, z.B. bei der Mumienbemalung, Verwendung fand. Die Anzahl der verwendeten Farbpigmente definieren die Deckkraft. Der Begriff der Tempera ist auf den Ausdruck „temperierte Mischung“ zurückzuführen und meint die gleichmäßige Verteilung öl- und wasserhaltiger Teile.
2.2 Bezug zum Bildungsplan
„Der Umgang mit verschiedenen Materialien und Verfahren [...], gibt den Schülerinnen und Schülern ein breites Spektrum von Ausdrucksmitteln an die Hand, um ihre Ideen und Vorstellungen auf bildnerischem Weg umzusetzen.“9 {#sdfootnote9sym}
Der Bildungsplan 2004 sieht vor, dass der Kunstunterricht Freude am kreativen Tun weckt und damit einen ganzheitlichen Prozess einleitet, der einen umfassenden Beitrag zur Persönlichkeitsbildung der Schüler bildet. Indem die Schüler mit dem vorhandenen Material kreativ, d.h. schöpferisch umgehen und neue Farbe (-töne) schaffen, nehmen sie an diesem Prozess teil und lernen, „ihre Ideen und Vorstellungen auf bildnerischem Weg umzusetzen.“ Gleichzeitig erwerben sie in der Begegnung mit ausgewählten Werken der Gegenwartskunst und Kunstgeschichte die Fähigkeit, Bildsprache zu verstehen und für sich nutzbar machen zu können.
Des Weiteren formuliert der Bildungsauftrag Folgendes: „Der gestalterischen Arbeit wird die bewusste Wahrnehmung der eigenen Lebenswelt und die Auseinandersetzung mit der Bilderkultur zugrunde gelegt“.10 {#sdfootnote10sym}
Die Auseinandersetzung mit der Lebenswelt findet sich in der Beschäftigung mit der eigenen Ess-Kultur wieder.
In Verbindung mit dem Themenbereich 3: Raum, Aktion, Interaktion können die Schüler im Unterpunkt Spiele und Feste (6) bildnerische Aktionen und Raumerfahrungen machen, indem sie das Schulmöbiliar als Festtafel gestellt vorfinden. Der zusätzlich genannte Unterpunkt fließt dadurch ebenfalls mit ein: Räume werde für spezielle Veranstaltungen ausgestaltet und somit in ihren unterschiedlichen Wirkungsweisen erlebt.
Der Themenbereich Mensch und Lebenswelt wird insofern aufgegriffen, da die Schüler Wunschvorstellungen (hier: das Lieblingsessen) bildnerisch umsetzen können. Konkretisiert wird dieses Anliegen im Unterpunkt Lebensraum und Umfeld (6), dort heißt es, dass die Schüler ihre eigene Lebenswelt ins Blickfeld nehmen und künstlerisch umsetzen.
Der Arbeitsbereich Farbe taucht in der vorliegenden Stunde vor allem in der Möglichkeit auf, mit Materialien und Techniken experimentell zu arbeiten und sowohl Farbwirkungen als auch Maltechniken auf verschiedene Weise einzusetzen. Die Schüler können beispielsweise die Wirkung von Cornflakes in flüssiger Farbe herausfinden und dabei auf eine leicht körnige Substanz stoßen. Des Weiteren werden Eier und Öl nicht mehr lediglich als Nahrungsmittel wahrgenommen, sondern als wichtigen Inhaltsstoff selbst hergestellter Farben.
2.3 Kompetenzen
Folgende Fachkompetenzen sollen in der hier vorliegenden Stunde angestrebt werden:
Fachkompetenz
Die Schüler können …
mit Materialien experimentell arbeiten.
Künstler aus unterschiedlichen Zeitepochen mit dem Thema Nahrung. in einen eigenen Zusammenhang bringen.
eigene Mischungsverhältnisse definieren.
Methodenkompetenz
Die Schüler können …
nach einer Anleitung ein Verfahren selbstständig ausführen.
genau beobachten.
Sozialkompetenz
Die Schüler können …
- mit den verwendeten Materialien verantwortungsvoll umgehen.
- selbstständig werden in ihrem künstlerischen Tun.
- während den Besprechungen aktiv zuhören und eigene Ideen und Vorschläge einbringen
- sich gegenseitig ausreden lassen und einander zuhören.
Personalkompetenz
Die Schüler können …
- ihre motorischen Fertigkeiten weiterentwickeln.
- gestalterische Problemstellungen verbalisieren.
- sorgfältig arbeiten.
- sich konzentrieren.
2.4 Stundenziel
Die Schüler lernen die Zusammensetzung von Ei-Tempera kennen. Sie sind in der Lage, eigene Farb-Mischungen herzustellen und in gestalterische Lösungen einfließen zu lassen.
dessert
III. Methodische Reflexion
3.1 Methodische Planung mit Alternativen und Begründung
Einstieg
Zu Beginn des Unterrichts stelle ich den Schülern einige Künstler vor, in deren Werken eine Verbindung von Kunst und Nahrung geschieht. Die Schüler sollen die Gemeinsamkeiten der Arbeiten selbst herausfinden und anschließend überlegen, inwiefern sich Nahrung als künstlerisches Sujet eignet. Je nach Verlauf stelle ich den Schülern die Frage, ob sich Nahrung zum Malen eignen würde und sammle dafür exemplarische Beispiele. Um die vielfältigen Möglichkeiten pädagogisch sinnvoll einzuschränken, thematisiere ich in der vorliegenden Stunde in erster Linie die Verwendung und Herstellung von Ei-Tempera. Die Schüler haben zudem die Möglichkeit, dem Bild „Würze“ zu geben, es also zu salzen und dabei die körnige Wirkung von Farbe zu erleben.
Alternativ wäre möglich, eine Auswahl von Nahrungsmitteln und Getränken mitzubringen und diese auf einer Art Buffett anzurichten. Die Schüler könnten sich dann – je nach Gusto- Farbmischungen erstellen und experimentell Farbe erleben und deren unterschiedlichen Konsistenzen erfahren.
Erarbeitung
Im Anschluss daran erläutere ich die Herstellungsweise von Ei-Tempera. Das Vorgehen illustriere ich schemenhaft an der Tafel, halte es jedoch bewusst kurz, da ich die genaue Rezeptur auf den Gruppentischen verteilt habe. Indem die Schüler sich das Rezept selbst durchlesen müssen und in der Gruppe gemeinsam ausführen, wird die Lesekompetenz und Sozialkompetenz gestärkt. Der Arbeitsauftrag besteht demnach aus zwei Teilen: Zum einen dem Mischen der Ei-Tempera (die Gruppentische besitzen unterschiedliche Farben) und zum anderen dem Auftrag, das Lieblingsessen auf die dafür vorhergesehenen Pappteller zu malen. Dabei findet eine Verbindung von Essen und Kunst statt, die meiner Meinung nach sowohl humorvoll als auch eng ist. Das Werk mit dem Titel „Mein Lieblingsessen“ wird selbst teilweise aus Essen hergestellt. Essen und Kunst stellen gleichermaßen ein sinnliches Vergnügen dar und bieten sich für eine solche Verbindung vorzüglich an.
„Mit Essen spielt man nicht!“ Auf diesen Ausruf bin ich in der Vorbereitung und im Gespräch mit Freunden gestoßen. Ich befürworte den Inhalt insofern, dass ich Essen für etwas sehr Kostbares halte und dass daher nicht leichtfertig damit umgegangen werden sollte- ich bin aber auch der Meinung, dass die Kunst ebenfalls sehr wertvoll ist und während dem Prozess und letztendlich dem Menschen ja sogar wieder dient (wenn auch etwas „anders“ als Essen – rein biologisch betrachtet).
Alternativ wäre möglich gewesen, Farbpigmente näher zu untersuchen und den Weg dabei beispielsweise über Kohlestaub und dessen farblichen Eigenschaften zu gehen. An Kohlestaub wird der Partikelcharakter von Farbe gut deutlich und Schüler könnten die Farbgewinnung praktisch nachvollziehen. Aufgrund der Zeit führe ich die erwähnte Farbherstellung nur kurz ein.
Arbeitsphase
Als Arbeitsplätze stehen der Klasse Vierergruppen-Tische zur Verfügung. Die Gruppentischen sind ausgestattet mit: Papptellern, Besteck, Pinseln, Farben, Eiern, Farbpigmenten und Salz und Rezeptvorschlägen. Farben können in ihrer Wirkung auf der Tischdecke ausprobiert werden (es darf also gekleckert werden). Die Arbeitsphase ist mit ca. 20- 25 Minuten angedacht. Danach beginnt die nächste Phase.
Aufräumphase
Die Aufräumphase halte ich in dieser Stunde relativ begrenzt und kurz. Ich lasse die Schüler lediglich die Pinsel waschen. Die Gläser nehme ich mit nach Hause und spüle sie (gegen den Geruch).
Reflexion
Während der Arbeitsphase gehe ich im Klassenzimmer umher und biete ggfs. meine Hilfe an. Außerdem wähle ich einige repräsentative Arbeiten aus, die sich in der Umsetzung des Themas unterscheiden und für eine Reflexion gut geeignet sind. Diese Teller präsentiere ich auf an der Tafel. Hierdurch entsteht durch die Art der Präsentation einerseits eine Anlehnung an Daniel Spoerri mit seinen an die Wand angebrachten Tellern (den Fallenbildern) und andrerseits die humorvolle Namensgebung: Fest-Tafel (in Anlehnung an das Medium Tafel im Klassenzimmer). Anschließend gehe ich mit den Schülern auf die Kriterienliste von Beginn der Stunde ein.
Ausblick auf die Folgestunde
Im Anschluss an die Reflexion gebe ich einen Ausblick auf die Folgestunde- nämlich die Möglichkeit, mit weiteren Lebensmitteln zu malen. Dafür bitte ich die Schüler, geeignete Säfte und ähnliches mitzubringen. Außerdem werde ich die kunstgeschichtliche Bedeutung von Ei-Tempera nach einer Phase des Ausprobierens nochmals vertiefen und theoretisch ausführen.
IV. Anhang
Literaturverzeichnis
MINISTERIUM FÜR KULTUS UND SPORT BADEN-WÜRTTEMBERG (Hrsg.): Bildungsplan für die Realschule. Stuttgart 1994.
MINISTERIUM FÜR KULTUS UND SPORT BADEN-WÜRTTEMBERG (Hrsg.): Bildungsplan für die Realschule. Neckar Verlag, Villingen-Schwenningen, 2004.
EUCKER, JOHANNES (Hrsg.): Kunst Lexikon. Cornelson, S. 87f, Berlin 2003.
Sitzplan
Tafelbild
Werkbeispiel
1 {#sdfootnote1anc} Hier v.a. das Werk „Vertumnus“ aus dem Jahr 1591, das die Gesichtszüge von Kaiser Rudolf II. mit Obst und Gemüse nachempfindet.
2 {#sdfootnote2anc} Georg Christoph Lichtenberg (1742-99), dt. Aphoristiker u. Physiker
3 {#sdfootnote3anc} Viele der Bilder stecken voll von religiösen Mahnungen oder erotischen Anspielungen.
4 {#sdfootnote4anc} Entstehungsjahr: 1964 / Größe: 200x200x38 /
5 {#sdfootnote5anc} Eucker, Johannes (Hrsg.): Kunst Lexikon
6 {#sdfootnote6anc} Beuys selbst hat einige seiner Tierbilder und Frauenbildnissen mit Säften, Suden, Kaffee, Tee, Schokolode und Blut gemalt.
7 {#sdfootnote7anc}Designline: Narije Vogelzang [2.11.09] URL: http://www.designlines.de/im_gespraech/Marije-Vogelzang_688626.html {http://www.designlines.de/im_gespraech/Marije-Vogelzang_688626.html}
8 {#sdfootnote8anc} Artnet - Sandy Skoglund [2.11.09] URL: http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.agallery.com/Pages/photographers/photos/skoglund/SASRainingPopcornLO.jpg&imgrefurl=http://www.agallery.com/Pages/photographers/skoglund.html&usg=__9B92CsVm4gGMdKs0qUZA5rEFfmo=&h=393&w=500&sz=61&hl=de&start=58&um=1&tbnid=IUPx9dLJSHJLDM:&tbnh=102&tbnw=130&prev=/images%3Fq%3DSandy%2BSkoglund%26ndsp%3D20%26hl%3Dde%26client%3Dfirefox-a%26rls%3Dorg.mozilla:de:official%26sa%3DN%26start%3D40%26um%3D1 {http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.agallery.com/Pages/photographers/photos/skoglund/SASRainingPopcornLO.jpg&imgrefurl=http://www.agallery.com/Pages/photographers/skoglund.html&usg=__9B92CsVm4gGMdKs0qUZA5rEFfmo=&h=393&w=500&sz=61&hl=de&start=5}
9 {#sdfootnote9anc} MINISTERIUM FÜR KULTUS UND SPORT BADEN-WÜRTTEMBERG (2004)
10 {#sdfootnote10anc} MINISTERIUM FÜR KULTUS UND SPORT BADEN-WÜRTTEMBERG (2004)
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