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Joseph in der Zisterne
Datum: 11. Oktober 2010 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Hier ist ein Versuch der Ausformulierung von Gen. 37, 22-35 - von mir eingesetzt für die 3. Klasse.
Beschreibung:
Spannende Geschichte zum selbst lesen oder vorlesen im Unterricht.

Joseph in der Zisterne
Joseph in der Zisterne
Da saß er nun in der Zisterne.
Immerhin war es hier etwas kühler als oben, trotzdem lief Josef der Angstschweiß von der Stirn.
Seine Brüder mussten noch da sein. Er hörte sie reden. Sie wollten ihn töten. Was konnte er tun? Hier war es dunkel und er konnte nicht hochklettern. Alles bitten und betteln half nichts. „Wir sollten ihn töten" hatten seine Brüder gesagt. Nur Ruben hatte sich für ihn eingesetzt. „Warum sollen wir Blut vergießen" hatte er gefragt. „Wir schmeißen ihn in die Zisterne - dann müssen wir ihn nicht selbst töten." Vielleicht hatte Ruben ihn ja auch retten wollen. Aber gegen seine ganzen großen Brüder war das nicht so einfach.
„Was soll ich bloß machen?" fragte sich Josef. Diese Dunkelheit. Nur über sich konnte er das Tageslicht sehen. „Und wann habe ich zuletzt was zu essen bekommen? Ich hab sooo einen Hunger!" dachte Josef. „Meine Brüder sitzen jetzt da oben und essen miteinander. Die haben‘s gut! Worauf warten die eigentlich noch?! Ich werde hier sowieso elendiglich verhungern." Josef ging so vieles durch den Kopf. „Wenn mein Vater hier wäre, der würde mir hier heraushelfen - aber es ist hier einfach viel zu weit weg von zuhause. Und meinen schönen Mantel haben sie mir auch abgenommen."
Inzwischen war Ruben etwas weitergezogen, um nach einer Wasserstelle zu suchen. Seine Brüder blieben in der Nähe der Zisterne sitzen.
Ganz in der Ferne sahen sie eine Karawane näherkommen. Da sagte Juda: „Was haben wir davon, wenn wir Josef erschlagen und alle Spuren verwischen müssen?"
„Kommt, lasst ihn uns an die Karawanenleute verkaufen. Dann haben wenigstens WIR ihn NICHT getötet. Er ist ja doch unser Fleisch und Blut!"
Und seine Brüder hörten auf Juda. Das war wohl Josefs Rettung.
Der allerdings hatte in seinem Loch nichts davon mitbekommen.
Josef war so in Gedanken versunken, dass er gar nicht hörte, dass sich irgendetwas bewegte. Seine Brüder waren aufgestanden. Aber da - in der Ferne war etwas zu hören! Leute sprachen miteinander. Die Geräusche kamen näher, immer näher. Da hörte er auch die Bewegung von Tieren. Es mussten große Tiere sein. Kamele. „Mensch - das ist ja eine Karawane", dachte Josef. Vielleicht helfen die mir hier heraus.
Da kam die Karawane auch schon bei Josefs Brüdern vorbei.
„Schalom" sagten die Brüder zu den Leuten von der Karawane. „Schalom" antwortete der Anführer.
„Woher kommt ihr und wo wollt ihr hin?" fragte Simeon den Anführer der Karawane.
„Wir sind Midianiter. Wir wohnen im Süden des Landes und reisen durch Israel. Wir sind auf dem Weg nach Ägypten, um dort wohlriechende Harze, Balsam und Myrrhe zu verkaufen."
Simeon lächelte: „Das trifft sich gut. Wir haben hier nämlich einen hübschen Knaben. Stark ist er außerdem und jung. Den könnt ihr sicher auch gut verkaufen in Ägypten. Ich habe gehört, dass dort gute Arbeiter gebraucht werden."
Seine großen Brüder holten ihn aus der Zisterne.
Nun wurde er aber ganz genau angeschaut. Hatte er gute Zähne? Gute Muskeln, sah er kräftig aus. Ja - es war wie auf dem Markt. Nur dass kein Obst und Gemüse verkauft werden sollten, sondern Josef. Wie auf dem Viehmarkt.
Josef wusste, dass er nur so am Leben bleiben konnte und wehrte sich auch nicht mehr. Er wusste, dass Gott mit ihm war und hoffte, er würde ihn auch auf seinem weiteren Weg beschützen.
„Wir könnten ihn mitnehmen", sagte der Anführer der Karawane. „Wir zahlen euch 5 Stilberschekel."
„Das ist nicht euer Ernst! Er ist jung und kräftig. Zudem ist er ein schlauer Bursche. Also unter 40 Silberschekel kommt ihr nicht weg!"
„40 Silberschekel?!" Der Anführer der Karawane war entsetzt. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Und wir müssen ihn ja auch noch durchfüttern. Wenn der halb verhungert in Ägypten ankommt, ist er keinen einzigen Schekel mehr wert! Also 10 Schekel. Die könnte ich noch locker machen."
„10 Silberschekel - nein - so billig - das geht gar nicht! Das ist ja gerade mal so viel wie für ein gutes Schaf. Also 30 Schekel. Darauf kann ich mich einigen."
„Bei einem Schaf habe ich wenigstens noch Fell und Fleisch, wenn was passiert oder kann es im Tempel zum Opfern bringen. Also ihr bekommt 20 Silberschekel, das ist mein letztes Wort. Sonst gehen wir ohne ihn weiter!"
„Gut. Der Handel ist perfekt."
Die Männer hatten noch einiges zu besprechen. Gab es irgendwo Unruhen, waren Räuber unterwegs, solche Treffen waren gute Möglichkeiten, um Nachrichten auszutauschen.
Aber dann kam der Zeitpunkt, da sich die Karawane wieder auf den Weg machte.
Josef musste mit. Er wusste nicht, was auf ihn zukommen würde. Er wusste, der Weg nach Ägypten war weit. „Was wird bloß mit mir passieren? Ich war noch nie weg von zuhause. Und dass ich meinen Vater und meinen kleinen Bruder zurücklassen muss, das tut mir so weh. „
Josef hatte einen weiten Weg vor sich. Die meiste Zeit musste er laufen, denn die Kamele waren ja mit dem ganzen Gepäck und den Waren beladen. Das musste eine Reise von mehreren Wochen sein. Alles zu Fuß.
Einige Stunden später kam Ruben von seinem Erkundungsgang zurück. Irgendetwas war anders. Was war geschehen? Seine Brüder waren gar nicht mehr in der Nähe der Zisterne.
Sie waren mit den Schafen weitergezogen.
Als er sah, dass Josef nicht mehr in der Zisterne war wurde er wütend und traurig zugleich. Wie konnten seine Brüder DAS ihrem Vater antun.
Er stellte sie zur Rede. Doch nun war es geschehen. Ruben wusste nicht, wie er seinem Vater wieder unter die Augen kommen konnte. Er war so traurig, dass er sein Gewand zerriss.
Seine Brüder aber schlachteten einen Ziegenbock. Sie zerrissen das schöne Gewand von Josef und tauchten es in das Blut. Dann brachten sie es ihrem Vater Jakob. „Ist es nicht das Kleid deines Sohnes Josef, unseres Bruders?" fragte einer der Brüder Vater Jakob.
Sie erzählten ihm, ein böses Tier habe Josef zerrissen.
Jakob konnte es nicht glauben. Er setzte sich hin und trauerte. Nichts konnte ihn trösten, obwohl es die ganze Familie immer wieder versuchte.
Josef ahnte nicht, was sich zuhause abspielte. Er konnte sich schon denken, dass sein Vater sehr traurig wäre. Er war ja auch traurig...
Was würde nur mit Josef geschehen?
Sand, Sand und nochmal Sand. Selten kamen sie an einer Oase vorbei. Aber so langsam gewöhnte sich Josef an das Leben mit der Karawane. Er merkte, dass auch hier Gott mit ihm war.
18 Als sie ihn von ferne sahen und bevor er sich ihnen genähert hatte, da ersannen sie gegen ihn den Anschlag, ihn zu töten. 19 Und sie sagten einer zum andern: Siehe, da kommt dieser Träumer5! 20 So kommt nun und lasst uns ihn erschlagen und ihn in eine der Zisternen werfen, und wir wollen sagen: Ein böses Tier hat ihn gefressen! Dann werden wir sehen, was aus seinen Träumen wird. 21 Als Ruben das hörte, wollte er ihn aus ihrer Hand retten6 und sagte: Lasst uns ihn nicht totschlagen! 22 Und Ruben sagte zu ihnen: Vergießt nicht Blut, werft ihn in diese Zisterne, die in der Wüste ist, aber legt nicht Hand an ihn! Das sagte er, damit er ihn aus ihrer Hand rettete, um ihn zu seinem Vater zurückzubringen. 23 Und es geschah, als Josef zu seinen Brüdern kam, da zogen sie Josef seinen Leibrock aus, den bunten7 Leibrock, den er anhatte. 24 Und sie nahmen ihn und warfen ihn in die Zisterne; die Zisterne aber war leer, es war kein Wasser darin. 25 Dann setzten sie sich, um zu essen. Und sie erhoben ihre Augen und sahen: Und siehe, eine Karawane von Ismaelitern kam von Gilead her; und ihre Kamele trugen Tragakant8 und Balsamharz und Ladanum; sie zogen hin, um es nach Ägypten hinabzubringen. 26 Da sagte Juda zu seinen Brüdern: Was für ein Gewinn ist es, dass wir unseren Bruder erschlagen und sein Blut zudecken? 27 Kommt, lasst uns ihn an die Ismaeliter verkaufen; aber unsere Hand sei nicht an ihm, denn unser Bruder, unser Fleisch ist er! Und seine Brüder hörten darauf. 28 Da kamen midianitische Männer vorüber, Händler9, und sie zogen ihn heraus und holten Josef aus der Zisterne herauf. Und sie verkauften Josef an die Ismaeliter für zwanzig Silberschekel. Und sie brachten Josef nach Ägypten. 29 Als nun Ruben zur Zisterne zurückkam, siehe, da war Joseph nicht mehr in der Zisterne! Da zerriß er sein Gewand, 30 kehrte zu seinen Brüdern zurück und sprach: Der Knabe ist verschwunden! Und ich, wo soll ich hin? 31 Sie aber nahmen Josephs Leibrock und schlachteten einen Ziegenbock, tauchten den Leibrock in das Blut; 32 und sie schickten den bunten Leibrock ihrem Vater und ließen ihm sagen: Das haben wir gefunden; sieh doch, ob es der Leibrock deines Sohnes ist oder nicht! 33 Und er erkannte ihn und sprach: Es ist der Leibrock meines Sohnes! Ein wildes Tier hat ihn gefressen! Joseph ist gewiß zerrissen worden! 34 Und Jakob zerriß seine Kleider und legte Sacktuch um seine Lenden4 und trug lange Zeit Leid um seinen Sohn. 35 Da machten sich alle seine Söhne und Töchter auf, um ihn zu trösten; er aber wollte sich nicht trösten lassen, sondern sprach: Ich höre nicht auf zu trauern, bis ich zu meinem Sohn hinabfahre ins Totenreich! So beweinte ihn sein Vater. 36 Aber die Midianiter verkauften ihn nach Ägypten, an Potiphar, einen Kämmerer5 des Pharao, den Obersten der Leibwache.
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