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Theorie der zentralen Orte

Theorie der zentralen Orte
Hausarbeit
Datum: 20. März 2011 Autor: littleTopenga Kommentare: 0

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Hausarbeit über die Theorie der zentralen Orte nach Christaller. Erarbeitet im Magisterstudium mit der Note 1,5.


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Theorie der zentralen Orte


Pädagogische Hochschule Heidelberg

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Theorie der zentralen Orte nach

W. Christaller

Ausarbeitung für das Hauptseminar

Wirtschaftsgeographie“

WS 2009 / 2010

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ………………………………………………………. 2

2 Walter Christaller …………………………………………….... 2

3 Ziele der Theorie …………………………………………..….. 3

4 Prämissen …………………………………………………..….. 3

5 Entwicklung der Theorie ……………………………………… 4

5.1 Definition „Zentralität“ und „Zentraler Ort“ ………...…. 4

5.2 Ergänzungsgebiete ………………………………..…… 5

5.3 Anordnung der zentralen Orte …………………..……. 9

6 Ergebnisse …………………………………………………… 10

7 Kritik …………………………………………………………… 11

8 Anwendung der Theorie heute …………………………..… 13

9 Schlusswort ………………………………………………..… 15

10 Literaturverzeichnis …………………………………………. 16

1 Einleitung

Bei der Suche nach Antworten und Gesetzmäßigkeiten, warum Städte groß oder klein sind, wo, warum und wie viele entstanden und nach welchem Ordnungsprinzip sie sich bildeten, verfasste Walter Christaller im Jahre 1933 seine bedeutende wirtschaftsgeographische Studie "Die zentralen Orte in Süddeutschland". Diese legt eine deduktive Theorie dar, die am Beispiel Süddeutschland zur Anwendung kommt.

,,...die Theorie hat eine Gültigkeit, ganz unabhängig davon, wie die konkrete Wirklichkeit aussieht,..." (CHRISTALLER 1933).

2 Walter Christaller

Geboren wurde Walter Christaller 1893 als Sohn des evangelischen Pfarrers Erdmann Gottreich Christaller und seiner Frau, der berühmten evangelischen Schriftstellerin Helene Christaller, in Berneck im Schwarzwald. Christaller studierte Volkswirtschaftslehre und Geografie. Er führte erstmals quantitative und statistische Methoden in der Geografie ein. Schwerpunkt seiner Arbeiten war Agrargeografie und Stadtplanung in Süddeutschland. Aus seinem Hauptwerk „Die zentralen Orte in Süddeutschland“ von 1933 entwickelte er das System der zentralen Orte, welches zur Grundlage für die Raumplanung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Krieg wurde. 1934 erhielt er dank einflussreicher Freunde ein Stipendium in Deutschland und habilitierte 1938 an der Universität Freiburg. 1940 bis 1945 war er Mitarbeiter im "Stabshauptamt Planung und Boden" der NSDAP. Während Christaller 1945 der KPD und später der SPD beitrat, arbeitete er als freischaffender Geograph und gründete 1950 zusammen mit Emil Meynen den „Deutschen Verband für Angewandte Geographie“ (DVAG). Er verstarb 1969.

Abb. 1: Walter Christaller (http://www.e-geography.de/module/christaller/html/intro.htm)

(http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Christaller)

3 Ziele der Theorie

„[…] wir suchen nach dem Grund, warum eine Stadt groß

oder klein ist, wir glauben, daß in der Verteilung doch

irgendein ordnendes Prinzip waltet, das wir bloß noch

nicht erkannt haben.” (CHRISTALLER 1980: 11)

In diesem Sinne versuchte Christaller mit seiner Theorie Gesetzmäßigkeiten zu finden, um die Größe, Anzahl und Anordnung von Städten, d.h. die hierarchische Struktur von Siedlungen, zu beschreiben.

Seine Theorie der zentralen Orte soll als Standorttheorie für Unternehmen des tertiären Sektors dienen (KNOX, MARSTON 2008: 654f.).

4 Prämissen

Dem deduktivem System Christallers liegen eine Reihe vereinfachender Annahmen zugrunde, welche sich in zwei grundsätzliche Annahmen gliedern lassen.

Zum einen geht er von einem homogenen Raum aus und des Weiteren sieht er den Menschen als „Homo oeconomicus“.

Geht man von einem homogenen Raum aus, bestehen in einer unbegrenzten Fläche keine räumlichen Unterschiede. Dies gilt vor allem für die Produktions- und Nachfragebedingungen, aber auch für die Produktionsfaktoren und die Bevölkerungsverteilung. Einkommen, Kaufkraft und Bedürfnisse aller Individuen sind ebenfalls gleich. Das Verkehrsnetz ist in einem homogenen Raum in alle Richtungen gleichförmig ausgebaut und die Transportkosten steigen proportional zur Entfernung. Die Raumfaktoren sind in einem homogenen Raum somit konstant. Ein homogener Raum bedeutet ebenfalls, dass in dieser unbegrenzten Fläche keine naturräumliche Differenzierung vorhanden ist. In diesem Sinne, geht Christaller davon aus, dass die Bodenfruchtbarkeit und das Relief überall gleich sind. So wird zum Beispiel die Existenz von Bergen und Flüssen als Gunst- oder Ungunstfaktor für eine Ansiedlung mit dieser Annahme nicht berücksichtigt (SCHÄTZL 2003: 72).

Christallers zweite Annahme geht von dem Menschen als Homo oeconomicus aus. Der Homo oeconomicus ist eine Modellvorstellung eines idealen, ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten denkenden und handelnden Menschen. Der Homo oeconomicus kennt nur ökonomische Ziele und ist besonders durch Eigenschaften wie rationales Verhalten, die vollständige Kenntnis seiner wirtschaftlichen Entscheidungsmöglichkeiten und deren Folgen sowie die vollkommene Information über alle Märkte und Eigenschaften sämtlicher Güter (vollständige Markttransparenz) charakterisiert. Ebenfalls strebt jeder wirtschaftlich denkender Mensch nach Gewinnmaximierung und Kostenminimierung. Der Anbieter von Gütern strebt maximalen Gewinn an, indem er ein größtmögliches Absatzgebiet zu erhalten und die Abstände zu seinen Konkurrenten zu maximieren (Konkurrenzmeidung) versucht. Demzufolge besitzen alle Anbieter gleich große Marktgebiete und erzielen die gleichen Einnahmen. Der Konsument hingegen wählt immer diejenige Handlungsalternative aus, die seinen Nutzen maximiert (Nutzenmaximierung) und passt sich dabei den Änderungen der Marktgegebenheiten an. Er sucht jeweils den ihm nächstgelegenen Angebotsstandort auf, um seine Transportkosten zu minimieren und kauft immer nur ein Gut. Das Ideal des Homo oeconomicus dient dazu, elementare wirtschaftliche Zusammenhänge in der Theorie durchsichtig und ohne praktische Unzulänglichkeiten beschreiben zu können (HEINRITZ 1979: 23 f.).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Christaller seine Ausgangsbedingungen so festgelegt hat, dass außer den Kosten der Distanzüberwindung, keine weiteren Variablen mehr eine Rolle spielen (HEINRITZ 1979: 26).

5 Entwicklung der Theorie

Um sich mit der Theorie der zentralen Orte näher beschäftigen zu können, müssen zuerst folgende grundlegende Begriffe geklärt werden.

5.1 Definition „Zentralität“ und „Zentraler Ort“

Eine Schlüsselposition nimmt der Ausdruck „zentral“ ein, den Walter Christaller in zwei formulierten Definitionen zu erklären versucht.

1. „Zentral“ bezeichnet die Eigenschaft, Mittelpunkt zu sein. Christaller geht davon aus, dass die Gruppierung um ein Zentrum „eine elementare Form der Ordnung von Zusammengehörigem“ darstelle und ein solches zentralistisches Ordnungsprinzip auch für die räumliche Verteilung von Siedlungen gelte. Ist die Gesamtheit der Siedlungen diesem Prinzip unterworfen, gibt es zentrale Organe, deren Merkmal es ist, Mittelpunkt eines Gebietes zu sein (HEINRITZ 1979: 13).

2. „Zentral“ bezeichnet die Eigenschaft, Bedeutungsüberschuss zu besitzen. Zunächst stellt Christaller fest, dass ein Bedeutungsüberschuss einer Siedlung nur ein Bedeutungsdefizit an einer anderen Stelle bedeuten kann (HEINRITZ 1979: 14). Christaller bestimmte die Zentralität oder den Bedeutungsüberschuss einer Stadt als das Verhältnis zwischen den Diensten, die insgesamt bereitgestellt werden (für die Stadt und ihr Ergänzungsgebiet) und den Diensten, die nur für die Stadtbewohner selbst benötigt werden. Die Differenz ist somit der Bedeutungsüberschuss. Je höher die Zentralität einer Stadt, desto größer ist die Anzahl von Dienstleistungen je Bewohner (http://www.mygeo.info/skripte/skript_bevoelkerung_siedlung/lanu2.htm).

Anknüpfend an die Definition von „Zentral“ nennt Christaller einen „zentralen Ort“ als „die Lokalisation der Funktion, Mittelpunkt zu sein“ (HEINRITZ 1979: 17).Hierbei sind Siedlungen gemeint, die Mittelpunkt für einen umgebenden Bereich sind, in dem sie zentrale Güter und Dienste bereitstellen. Je höher der Rang eines Zentrums, desto breiter ist das Sortiment der Angebote von Gütern und Dienstleistungen (http://www.mygeo.info/skripte/skript_bevoelkerung_siedlung/lanu2.htm).

Um die Zentralität der Orte zu bestimmen, wandte Christaller die sogenannte Telefonmethode an. Zu dieser Zeit (1933) ging er davon aus, dass Telefone nur überwiegend geschäftlich bzw. dienstlich genutzt worden sind und in Privathäusern kaum vorhanden waren. Zur Bestimmung der Zentralität berechnete er die Differenz zwischen der Zahl der vorhandenen Telefonanschlüsse in zentralen Orten Süddeutschlands und der Zahl von Telefonanschlüssen, die die Orte gemäß der Einwohnerzahl haben müsste. Anhand der unterschiedlichen Zentralitäten der Orte leitete er verschiedene Zentralitätsstufen ab (HEINRITZ 1979: 46 f.).

5.2 Ergänzungsgebiete

„Das Gebiet, für das ein zentraler Ort der Mittelpunkt ist, soll sein Ergänzungsgebiet heißen.“ (CHRISTALLER 1980: 30)

Ergänzungsgebiete sind Gebiete, die von jeweils einem Zentrum versorgt werden. Das Ergänzungsgebiet wird von der Reichweite der zentralen Güter und Dienstleistungen bestimmt (http://www.mygeo.info/skripte/skript_bevoelkerung_siedlung/lanu2.htm).

Nachdem auch dieser Begriff geklärt ist, stellt sich nun die Frage, nach der Größe der Ergänzungsgebiete. Doch bevor ich mich dieser Frage stelle, möchte ich auf das Ziel der Raumplanung eingehen.

Das Ziel der Raumplanung ist, die Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen flächendeckend zu versorgen. Hierbei ergibt sich die Situation, dass verschiedene Güter und Dienstleistungen von der Bevölkerung nicht in gleicher Weise und Häufigkeit nachgefragt werden. Brot beispielsweise wird von den Nachfragern viel häufiger benötigt, als ein neues Möbelstück. Deshalb muss eine Bäckerei oder ein Lebensmittelladen für jeden Einzelnen besser zugänglich sein, als ein Möbelgeschäft.

Hierdurch lassen sich Güter und Dienstleistungen in vier Hierarchiestufen einteilen.

Abb. 2: Hierarchiestufen der Güter und Dienstleistungen (eigene Darstellung)

Waren und Dienstleistungen der untersten Hierarchiestufe gehören dem Grundbedarf an. Diese Waren / Dienstleistungen werden dem täglichen Bedarf zugeordnet. Hierzu zählen beispielsweise Brot und Backwaren, Milchprodukte und Fleisch, aber auch Apotheken, Grundschulen oder Hausärzte. Damit die Versorgung des Grundbedarfs für die Bewohner des Umlandes gewährleistet ist, müssen die Waren / Dienstleistungen des täglichen Bedarfs in einem kleinen Radius schnell zu erreichen sein. Solche Waren / Dienstleistungen befinden sich in sogenannten Kleinzentren. Diese Kleinzentren, auch Grundzentren genannt, befinden sich somit in relativ geringer Entfernung voneinander. Für teurere und seltener nachgefragte Produkte hingegen sind Konsumenten bereit, eine größere Entfernung in Kauf zu nehmen. Dies hat zur Folge, dass größere Siedlungen mit einer breiteren Auswahl an Waren und Dienstleistungen des mittel- und langfristigen Bedarfs in eine höhere Hierarchiestufe eingeteilt werden und weiter von Städten mit denselben Funktionen / derselben Hierarchiestufe entfernt sind. (KNOX, MARSTON 2008: 654-656)

Folglich gehören Güter und Dienstleistungen die nicht ganz so häufig nachgefragt werden wie Güter / Dienstleistungen des Grundbedarfs schon dem qualifizierteren Grundbedarf an und werden Unterzentren zugeordnet. Hierzu zählen Güter / Dienstleistungen wie weiterführende Schulen, kleinere Krankenhäuser und untere Verwaltungsbehörden. Die Bevölkerung ist hier bereit, eine weitere Wegstrecke auf sich zu nehmen um an ein Gut / eine Dienstleistung zu gelangen. Für den gehobenen Bedarf wie beispielsweise weiterführende Schulen oder auch Fachärzte, nimmt man noch weitere Wegstrecken von bis zu 60 Minuten in Kauf. Diese Waren / Dienstleistungen befinden sich in sogenannten Mittelzentren. Der höhere Bedarf, auch episodisch-spezifischer Bedarf genannt, wird von der Bevölkerung so selten nachgefragt, dass sie bereit ist, eine noch längere Wegstrecke auf sich zu nehmen, um an das Gut / die Dienstleistung zu gelangen. Hierzu gehören Güter / Dienstleistungen wie Hochschulen, Sportstadien, Spezialkliniken, Theater oder Museen. (MALZ 1974: 647)

Aus dieser Einteilung der Güter / Dienstleistungen in verschiedene Bedarfshierarchien lässt sich erkennen, dass verschiedene Güter / Dienstleistungen unterschiedliche Reichweiten haben.

Anhand der folgenden Abbildung 3 erläutere ich den Unterschied zwischen den von Christaller entwickelten äußeren Reichweite und inneren Reichweite.

Mit zunehmender Entfernung zum Angebotsstandort P sinkt die Nachfrage der Kunden nach einem Gut / einer Dienstleistung, da der Kunde zusätzlich zum Preis des Gutes / der Dienstleistung auch die Fahrtkosten einrechnen muss, welche mit zunehmender Entfernung steigen. Punkt R signalisiert die Grenze, an der die Transportkosten so groß werden, dass der Konsument von dem Gut ablässt. Somit wird Entfernung zwischen Punkt P und R als obere Grenze der Reichweite oder äußere Reichweite bezeichnet.

Als untere Grenze der Reichweit bzw. innere Reichweite bezeichnet Christaller jenes Gebiet um einen Angebotsort, der gerade so viele Konsumenten enthält, wie zum rentablen Angebot eines Gutes notwendig ist. Diese untere Grenze der Reichweite ergibt sich also aus der Notwendigkeit, Geschäftsverluste zu vermeiden. Als Schwellenbevölkerung wird nun die Bevölkerungszahl im Absatzgebiet bezeichnet, welche für den Absatz eines Gutes mindestens notwendig ist.

Das Gut wird jedoch nur angeboten, wenn die obere Reichweite größer als die untere Reichweite ist (KULKE 2008: 147 f.).

Abbildung 3: Marktgebiet eines zentralen Guts (KULKE 2008: 148)

Geht man von Abbildung 3 aus, so befindet sich die Schwellenbevölkerung innerhalb der inneren Reichweite und somit im inneren, komplett rot markierten, Kreisbereich.

Das sich zwischen der äußeren und inneren Reichweite befindliche Gebiet – hier kariert dargestellt - ist somit ein Gebiet, in dem der Anbieter eines Produkts zusätzliche Gewinne erzielen kann.

Nach Christaller ordnet sich das Ergänzungsgebiet eines zentralen Ortes idealerweise in einer Kreisform um den zentralen Ort an. Auf diese Weise kann die Bevölkerung, bedingt durch ein in alle Richtungen gleichförmig ausgebautes Verkehrsnetz, das Produkt am Angebotsstandort von allen Richtungen her gleichermaßen beziehen. Am Angebotsort selbst ist die Nachfrage am höchsten und nimmt mit zunehmender Entfernung vom Angebotsort stetig ab, bis die Grenze der äußeren Reichweite erreicht ist.

Die in einer Stadt angebotenen Güter / Dienstleistungen mit der größten Reichweite bestimmen sowohl die Größe des Ergänzungsgebiets der Stadt als auch die Zentralität des Ortes (KULKE 2008: 148 f.).

5.3 Anordnung der zentralen Orte

Wie schon im vorangegangenem Kapitel erwähnt, erweist sich die Kreisform als eine günstige Begrenzung des Marktgebietes. Abbildung 4 beantwortet nun die Frage nach der optimalen räumlichen Anordnung dieser Standorte.

In Teilabbildungen 4(a) und 4(b) stellen die äußeren Kreise die obere Grenze der Reichweite und die inneren, gestrichelten Kreise die untere Grenze der Reichweite für verschiedene Standorte dar. Hierbei sind alle Reichweitengrenzen für alle Standorte gleich. Ordnet man die Standorte nun so an, dass sich die oberen Grenzen der Reichweite (äußeren Kreise) gerade berühren, so bleiben Gebiete unversorgt (schwarz markierte Felder). Dies zeigt Teilabbildung 4(a). Möchte man eine Nichtversorgung von Gebieten vermeiden, müssen die Grenzen näher zusammenrücken, wobei eine Überschneidung der oberen und unteren Grenzen unvermeidbar ist. Jedoch wird nun in den Überschneidungsbereichen (schwarz markierte Bereiche) die für eine kostendeckende Produktion notwendige Mindestnachfrage nicht erreicht und es herrscht theoretisch eine räumliche Konkurrenz zwischen den Anbietern gleichen Guts oder gleicher Dienstleistung (4(b)).

Abb. 4: Entstehung hexagonaler Marktgebiete (SCHÄTZL 2003: 75)

Als optimale Abgrenzung ergibt sich nun die geradlinige Verbindung zwischen den Schnittpunkten der Reichweitengrenzen. Wie in Teilabbildung 4(c) zu sehen ist, wurden somit aus kreisförmigen Ergänzungsgebieten, welche mit hexagonaler Form. Hexagonale Marktgebiete ermöglichen die Versorgung des Gesamtraumes zu minimalen Transportkosten (SCHÄTZL 2003: 74 ff.; HEINEBERG 2004: 197).

6 Ergebnisse

Die Abbildung 5 zeigt nun einen Ausschnitt aus Christallers gesamten Schema. Hier werden drei wesentliche Eigenschaften des zentralörtlichen Systems deutlich.

Die zentralen Orte stufen sich in hierarchisch geordneten Größenklassen ab. Diese nennt man Zentralitätsstufen. Diese Stufen ergeben sich aus der Bündelung unterschiedlicher Funktionen in den Orten und aus den oberen Grenzen der Reichweite dieser Güter bzw. Dienstleistungen.

Es ergibt sich eine regelhafte und symmetrische räumliche Verteilung der zentralen Orte und ihrer Ergänzungsgebiete. Hierbei sind zentrale Orte höherer Ordnung weiter voneinander entfernt als zentrale Orte niederer Ordnung.

Zentrale Orte niederer Ordnung sind mit ihren Ergänzungsgebieten in die Ergänzungsgebiete der zentralen Orte höherer Ordnung nach einer bestimmten Regel eingeordnet. Dies bedeutet, jedes Ergänzungsgebiet der höheren Stufe enthält drei Ergänzungsgebiete der nächst niederen Stufe. Diese niederen Ergänzungsgebiete teilen sich in ein ganzes Gebiet im Zentrum und sechs Teilgebiete an den Rändern zu je einem Drittel auf. Daraus ergibt sich ein Zuordnungsfaktor K = 3.

(HEINEBERG 2004: 196 f.)

Abbildung 5 verdeutlicht diese Eigenschaften nochmals. Hier ist am unteren linken A-Zentrum deutlich zu erkennen, dass mit abnehmender Zentralitätsstufe die Anzahl an zentralen Orten zunimmt. So sind in einem A-Zentrum mehrere C-Zentren enthalten.

Auch das Marktprinzip mit der K = 3 Regel lässt sich hier gut aufzeigen. Der mittlere zentrale A-Ort ist flächendeckend mit insgesamt drei zentralen B-Orten ausgefüllt. Ein zentraler B-Ort lagert sich direkt am Zentrum des A-Ortes an, zwei weitere an den Eckpunkten des A-Ortes. Betrachtet man hierzu den gepunkteten B-Ort am rechten Eckpunkt des mittleren A-Zentrums erkennt man, dass dieser zu einem Drittel in das mittlere A-Zentrum reicht. Da sich an jedem Eckpunkt eines zentralen A-Ortes ein B-Zentrum anlagert und somit auch jeweils zu einem Drittel in das mittlere A-Zentrum reicht, ergibt sich die folgende Formel für die in einem zentralen Ort enthaltene Anzahl an nächst niederen zentralen Orten:

6 · 1/3 = 2.

Ein zentraler Ort erfüllt somit auch alle Funktionen eines Ortes jeder niederen Hierarchiestufe (SCHÄTZL 2003: 77 ff.).

Abbildung 5: System der zentralen Orte

(SCHÄTZL 2003: 77)

7 Kritik

Das planerische Konzept der zentralen Orte nach Christaller hat nur bedingt Gültigkeit und wird von vielen Kritikern als ein überkommenes Erbe der vorindustriellen Zeit betrachtet (MALZ 1974: 648). Desweiteren hat Christaller eine Reihe von Festsetzungen und Prämissen getroffen, die zu endlosen Diskussionen und daraus folgenden Weiterentwicklungen seiner Theorie Anlass gegeben haben (HOFMEISTER 1993: 93). Die Kritik konzentriert sich insbesondere auf die realitätsfernen Homogenitätsannahmen für den Raum sowie auf das statische Verhalten von Anbietern und Nachfragern (KULKE 2008: 151). Auf diese beiden Kritikpunkte möchte ich nun näher eingehen.

In der Realität kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein Raum homogen ist und ein Mensch vollständig rational nur nach wirtschaftlichen Interessen handelt. Entgegen der Theorie zeigt die Realität beträchtliche räumliche Unterschiede in der Bevölkerungsverteilung und in den Einkommens- und Kaufkraftverteilungen. Aber es kann auch nicht von einem unbegrenzten, ebenen und homogenen Gebiet ausgegangen werden. Schließlich kann auch die Annahme der gleichmäßigen Erreichbarkeit bzw. der Verkehrserschließung nicht bestehen. Gerade auf dem Verkehrssektor gibt es eine deutliche Konzentrationstendenz zugunsten der höherrangigen Zentren. Schon diese räumlichen Inhomogenitäten bewirken beträchtliche Unregelmäßigkeiten in der Größenstruktur der zentralen Orte und ihrer Verteilung im Gebiet (HEINEBERG 2004: 198; HOFMEISTER 1993: 95 ff.).

Auch die Verhaltensannahmen der Konsumenten und Anbieter sind zu restriktiv. Nach Christaller herrscht überall gleiche Nachfrage und gleiches Angebot an allen Gütern und Dienstleistungen. Jedoch bleiben alters- und schichtenspezifische, aber auch regional variierende Nachfragen unberücksichtigt. Auch bestimmt nicht der geringmöglichste Aufwand, d.h. beispielsweise geringe Fahrtkosten oder Entfernung, den Konsumenten sein Gut in dem nächstbenachbarten zentralen Ort zu besorgen. Mittlerweile gibt es andere Gründe, wieso Nachfrager bestimmt zentrale Orte aufsuchen. So kann auch die Attraktivität eines Ortes bei der Entscheidung für einen Einkaufsort eine große Rolle spielen. In der Realität treten auch häufig Koppelungseffekte auf, indem z.B. Arbeitspendler das Angebot in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wahrnehmen als in der Nähe ihres Wohnortes oder die Mutter beim Abholen ihres Kindes vom Tennisunterricht noch einige Besorgungen macht. Aus der Kopplung von Besorgungen (Aktivitätenkopplung) ergibt sich, dass mehr Einkäufe in zentraleren Orten erledigt werden und somit den zentralen Orten niederer Ordnung Kaufkraft entzogen wird. Höherrangige zentrale Orte erlangen dadurch eine noch größere Bedeutung als Christaller damals ableitete. Dadurch kann angenommen werden, dass das Angebot in höherrangigen zentralen Orten stärker bevorzugt wird als in Orten mit niederer Ordnung. Ebenfalls spielt die Mehrfachausrichtung der Konsumenten auf mehrere Zentren unterschiedlicher Rangstufe eine wichtige Rolle. Hat z.B. ein Konsument gesundheitliche Beschwerden, begibt er sich eher in eine Klinik in Heidelberg, doch für einen Einkaufsbummel bevorzugt er lieber die Stadt Mannheim. Diese Mehrfachausrichtung der Konsumenten, die sich vor allem in großstädtischen Verdichtungsräumen findet, resultiert aus dem Anstieg des Lebensstandards und aus der Entwicklung und Zunahme des motorisierten Individualverkehrs (HEINEBERG 2004: 198 f.; HOFMEISTER 1993: 97). Aber auch die Annahme einer Konkurrenzmeidung von Anbietern gleicher Güter oder Dienstleistungen entspricht nicht der Realität. So zeigen viele artgleiche Anbieter bei ihrer Standortwahl eine ausgeprägte Neigung zu räumlichen Konzentration (KULKE 2008: 151).

Die Theorie der zentralen Orte wird durchbrochen durch die Existenz peripher gelegener Einkaufszentren wie z.B. IKEA oder das Breuninger Land bei Ludwigsburg. Viele Kunden erledigen ihre Einkäufe lieber im Breuninger Land als in der Stadt Ludwigsburg selbst, da dort eine große Auswahl an Geschäften auf kleinem Raum geboten wird und kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen. Neben diesen peripher gelegenen Einkaufszentren durchbricht auch das Internet mit seiner Möglichkeit des Online-Shoppings oder der Katalogversand Christallers Theorie. Mobile Produktionsfaktoren wie Arbeitskräfte, Investitionskapital, Innovationen und Informationen, aber auch interregionaler Güteraustausch werden für seine Theorie der zentralen Orte nicht berücksichtigt. (HOFMEISTER 1993: 95 ff.).

Christallers Theorie, die jeglichen marktwirtschaftlichen Wettbewerb ausschließt, ist nicht, beziehungsweise nur bedingt, auf die moderne, dynamische Industriegesellschaft anwendbar.

8 Anwendung der Theorie heute

Trotz der vielschichtigen Kritikpunkte an der Theorie der zentralen Orte, hat der Ansatz eines hierarchischen Systems von Zentren, die jeweils ein Marktgebiet versorgen, große Bedeutung für die räumliche Planung erlangt. Insbesondere für die Landesentwicklungsplanung wurde diese Theorie zu einem wesentlichen Schlüsselkonzept. So wurden 1968 bei der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) Orte hierarchisch in Oberzentren, Mittelzentren, Unterzentren und Kleinzentren eingeteilt. Den Zentren einer jeder Hierarchiestufe wurden typische Ausstattungsmerkmale zugeteilt, die primär die Dienstleistungen betreffen (siehe Abb. 6). Diese betreffen hauptsächlich die öffentlichen Dienstleistungen aus den Bereichen Ausbildung, Kultur, medizinische Versorgung und Administration (KULKE 2008: 151 f.).

Abb. 6: Kriterienkatalog zentrale Orte (MALZ 1974: 647)

Erstmals wurde die Theorie der zentralen Orte bei der Neugliederung nach der Wiedervereinigung in Deutschland berücksichtigt. Immer wieder wird dieser oben vorgestellte Kriterienkatalog auch als Grundlage für die Raum- und Siedlungsentwicklung in den einzelnen Bundesländern und Regionen verwendet (HEINEBERG 2004: 201).

Aber nicht nur in Deutschland, sonder auch international, wurde Christallers Theorie bei der Raumplanung berücksichtigt. Besonders bei der Erschließung neuer Siedlungsgebiete kommt dies zur Geltung. Bei Neulandgewinnung in den Niederlanden oder in tropischen Regenwäldern (Malaysia) spiegelt sich die Theorie der zentralen Orte wider.

9 Schlusswort

Nach Blotevogel ist die Theorie der zentralen Orte ein unentbehrlicher Baustein für die Entwicklung einer umfassenden Theorie der räumlichen Struktur der Wirtschaft. Ebenfalls betont er, dass sie bis in die Gegenwart und nicht nur in Deutschland als theoretische Grundlage der Regionalplanung dient (SCHÄTZL 2003: 82).

10 Literaturverzeichnis

Christaller, W. (1980): Die zentralen Orte in Süddeutschland. Eine ökonomisch-geographische Untersuchung über die Gesetzmäßigkeit der Verbreitung und Entwicklung der Siedlungen mit städtischer Funktion. Darmstadt (Nachdruck der Ausgabe von 1933)

HEINEBERG, Heinz (2004): Einführung in die Anthropogeographie/ Humangeographie. Paderborn u.a.: Schöningh

HEINRITZ, Günter (1979): Zentralität und zentrale Orte. Eine Einführung. Stuttgart: Teubner

HOFMEISTER, Burkhard (1993): Stadtgeographie. Braunschweig: Westermann

KULKE, Elmar (2008): Wirtschaftsgeographie. Paderborn: Schöningh

MALZ, Friedrich (1974): Taschenwörterbuch der Umweltplanung. Begriffe aus Raumforschung und Raumordnung. München: Paul List

SCHÄTZL, Ludwig (2003): Wirtschaftsgeographie 1. Theorie. Paderborn: Schöningh

http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Christaller

http://www.e-geography.de/module/christaller/html/intro.htm

http://www.mygeo.info/skripte/skript_bevoelkerung_siedlung/lanu2.htm

gesehen am 4.3.2010



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