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Produktanalyse der Hörspielserie 'Bibi Blocksberg' - was macht den Erfolg dieser Serie aus?

Produktanalyse der Hörspielserie 'Bibi Blocksberg' - was macht den Erfolg dieser Serie aus?
Hausarbeit
Datum: 20. November 2010 Autor: mbecker Kommentare: 0

Zusätzliche Informationen:

Fast jedes Kind besitzt eine solche Hörspielkassette oder kennt zumindest die Hauptfiguren. Doch wie ist dieser über Jahrzehnte andauernde Erfolg zu begründen?

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Beschreibung:

Es scheint wenig verwunderlich, dass Hörspielkassetten wie beispielsweise Folgen von "Bibi Blocksberg" oder "Benjamin Blümchen" auch heute, etwa 30 Jahre nach der Entstehung der ersten Episoden der Serien, kaum noch aus den Kinderzimmern wegzudenken sind.


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Produktanalyse der Hörspielserie 'Bibi Blocksberg' - was macht den Erfolg dieser Serie aus?


"Produktanalyse der Hörspielserie "Bibi Blocksberg" - was macht den Erfolg dieser Serie aus?"

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung

2. Die Erfolgsgeschichte der Serie
2.1. Erfolgsfaktoren der Serie
2.2. Erzählmuster und wiederkehrende Elemente der Serie
2.3. Bereits erschiene Folgen der Serie

3. Strukturelemente des Hörspiels nach Angelika Böckelmann am Beispiel von Bibi Blocksberg

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis
5.1. Literaturquellen
5.2. Internetquellen
5.3. Hörspiele auf MC

1. Einleitung

„Bildmedien nehmen im Medienalltag von Heranwachsenden zweifellos die zentrale Stellung ein. Aber auch den auditiven Medien kommt ein nicht zu unterschätzender Stellenwert zu: Knapp 50 Prozent der Sechs- bis Dreizehnjährigen nutzen täglich das Radio und den Tonträger. (...) So nennen etwa 40 Prozent der Sechs- bis Dreizehnjährigen etwa zehn Hörkassetten, etwas mehr als 70 Prozent eine entsprechende Anzahl an Musikkassetten ihr Eigen"[1]
Anhand dieser Zahlen wird der hohe Alltagsbezug von Hörspielkassetten für Kinder besonders deutlich. Demnach ist es auch wenig verwunderlich, dass Hörspielkassetten wie beispielsweise Folgen von „Bibi Blocksberg" oder „Benjamin Blümchen" auch heute, etwa 30 Jahre nach der Entstehung der ersten Episoden der Serien, kaum noch aus den Kinderzimmern wegzudenken sind. Fast jedes Kind besitzt eine solche Hörspielkassette oder kennt zumindest die Hauptfiguren. Doch wie ist dieser über Jahrzehnte andauernde Erfolg zu begründen?
Die nachfolgende Arbeit versucht eine mögliche Antwort auf diese Frage zu finden. Anhand der Hörspielserie Bibi Blocksberg soll exemplarisch aufgezeigt werden, wie es den Machern einer Hörspielfigur gelingt, auch im Zeitalter des Fernsehens nicht an Beliebtheit und Aktualität einzubüßen. Zunächst sollen die möglichen Erfolgsfaktoren der Serie dargelegt werden. Im Anschluss daran sollen das Erzählmuster und die wiederkehrenden Elemente der Serie sowie das Spektrum der bereits erschienen Folgen der Serie skizziert und aufgezeigt werden. Gleichermaßen soll durch die anschließende Darstellung der Bewertungskriterien von Hörspieladoptionen nach Angelika Böckelmann aufgezeigt werden, dass eine umsatzorientierte Serienproduktion wie „Bibi Blocksberg" auch kritisch zu hinterfragen ist.

2. Die Erfolgsgeschichte der Serie

2.1. Erfolgsfaktoren der Serie

Nach dem überragenden Erfolg den die Hörspielserie „Benjamin Blümchen" (erstmals 1977 erschienen) erzielte, erschuf die Autorin Elfie Donnelly eine weitere fiktive Hörspiel-Figur, die nun hauptsächlich an junge Mädchen im Grundschulalter gerichtet sein sollte. So entstand 1980 die erste Folge der Hörspielerfolgsserie „Bibi Blocksberg" - die Geschichte eines fast normalen 13-jährigen Mädchens, das die Fähigkeit besitzt hexen zu können und sich durch ihre Unerfahrenheit als Junghexe immer wieder in aufregende, scheinbar unlösbare Abenteuer manövriert.[2]
Nach insgesamt 41 verfassten Episoden der Serie, verkaufte Elfie Donelly 1989 ihre Rechte der Serie an den hör + lies Verlag (heute Kiddinx), der bis heute weitere 46 Folgen in Donnellys Stil von anderen Autoren weiter schreiben lies. Der große Erfolg der Serie zeigt sich nicht zuletzt durch über 40 Millionen verkaufte Hörspiele, 84 Gold- und 31 Platinauszeichnungen.[3] Zudem verhelfen zahlreiche Merchandising-Strategien dazu, den Bekanntheitsgrad der Serie auch weiterhin zu erhöhen und die Figur Bibi Blocksberg gewinnbringend zu vermarkten. So kann man beispielsweise Videokassetten, ein Monatsmagazin, Zeichentrickverfilmungen, Gameboy- und Computerspiele, Realkinofilme und der gleichen von Bibi Blocksberg erwerben.[4]
Doch was ist der eigentliche Grund für den zweifellos großen Erfolg der Serie? Eine mögliche Erklärung auf diese Frage bietet sicherlich eine genauere Betrachtung der Hauptfigur: Bibi Blocksberg ist ein fröhliches, etwas vorlautes und dennoch stets liebenswertes blondes Mädchen mit einer roten Schleife im Haar und großen blauen Augen. Sie ist beliebt bei ihren Freunden, kommt aus einer liebevollen Familie in der viel gekuschelt wird, ist abenteuerlustig und naturverbunden und verkörpert somit das Idealbild eines kleinen Mädchens. Darüber hinaus hat Bibi magische Fähigkeiten, mit denen sie immer wieder spannende Abenteuer erlebt, anderen Menschen helfen kann und sich selbst Dinge herbei zaubert. Diese Fähigkeit verkörpert zugleich die Wunschvorstellung vieler Kinder, die selbst gerne zaubern könnten um ihre eigene Befangenheit, ihre mangelnde Durchsetzungskraft oder einfach nur ihre Träume überwinden und umsetzen zu können.
Doch Bibi stellt keineswegs ein unerreichbares Idealbild dar, denn auch sie hat Schwächen (ist schlecht in Mathematik) und muss sich an Verbote und Regeln halten, wie jedes andere normale 13- jährige Mädchen auch. Durch alltägliche Probleme, die jedes Kind kennt, die beispielsweise in Folgen wie „Bibis neue Freundin", „Bibi verliebt sich", „Ohne Mami geht es nicht" etc. angesprochen werden, stellt Bibi eine ideale Identifikationsmöglichkeit für die jungen Hörer dar.[5]
Des weitern tragen „Nebenfiguren wie die altmodische Mathelehrerin Frau Müller-Riebensehl, die nervige Reporterin Karla Kolumna und der dicke Bürgermeister, deren Rollenklischees genau festgelegt sind"[6] , zur Komik bei und stellen somit eine weitere mögliche Komponente des Erfolgs der Serie dar.

2.2. Erzählmuster und wiederkehrende Elemente der Serie

Wer kennt sie nicht, eine der bekanntesten Eingangsmelodien die auf dem deutschen Tonträgermarkt zu finden ist und mit der man zahlreiche Kindheitserinnerungen verbindet: „(...) „Ui, guck mal, das ist ja Bibi, die fliegt auf einem Besen - das ist ja Kartoffelbrei!" „Bibi Blocksberg die kleine Hexe, kann so manches wovon ihr träumt und sie wird euch immer helfen, denn sie ist euer bester Freund. Bibi Blocksberg, du kleine Hexe, komm' und zeig' uns was du kannst. Wir mögen deine Streiche, wie du hext, wie du lachst wie du tanzt." (...)"[7] Durch dieses Eingangslied, das viele Kinder und Erwachsene mitsingen können, wird bereits deutlich, dass der Hörer direkt angesprochen wird, indem ihm implizit vermittelt wird, dass er zur Blocksberg-Familie dazu gehört (..."denn sie ist euer bester Freund!"). Dieses „Dazugehörigkeitsgefühl" wird dem Hörer in jeder Folge durch verschiedene Sequenzen immer wieder neu vermittelt und ist, so scheint es, Teil des Erfolgskonzeptes. So bezieht der Erzähler, der fast ausschließlich auktorial erscheint, den Hörer gleich zu Beginn jeder Folge mit ein, indem er ihn meist persönlich anspricht, ihn in das Geschehen mit einbezieht und die vorangegangenen Dialoge kurz zusammenfasst und reflektiert: „Also spätestens jetzt wisst ihr wohl, wo wir gerade sind, was? Genau, bei Blocksbergs(...)"[8] , „Mir läuft auch gleich das Wasser im Mund zusammen. Wie das riecht - köstlich, aber ich bin ja nicht zum Essen hier, sondern zum Erzählen. Wie ihr sicher schon bemerkt habt, befinden wir uns wieder mal bei der Familie Blocksberg - richtig(...)"[9] , „(...)Ach, hallo, ihr seid ja schon da. In der Aufregung habe ich euch gar nicht bemerkt. Also, ich denke wir sollten mal schauen, wo Bibi steckt(...)."[10] Im Verlauf jeder einzelnen Folge schaltet sich der Erzähler immer wieder ein, überbrückt Zeitraffungen und kommentiert vorangegangene Handlungen um das visuell nicht erfassbare Geschehen darzulegen.[11] Darüber hinaus verabschiedet sich der Erzähler am Ende jeder Episode von den Hörern und animiert durch versteckte Aufforderungen zum Kauf der nächsten Folge: „So, also dann, bis zum nächsten Mal, bei Bibi Blocksberg. Tschüss."[12] , „Also für heute dann. Tschüss ihr. Und vergesst nicht, Märchen lesen macht Spaß. Tschüss."[13] , „So das war's für heute. Tschüss, bis zum nächsten Mal."[14]
Die Handlung der einzelnen Episoden „wird durch zwei Hauptelemente getragen, nämlich durch die alltägliche Erfahrungswelt eines 13- jährigen Mädchens und die märchenhafte Welt der Hexen mit ihren eigenen Traditionen und Gesetzen."[15] Inhaltlich befassen sich die meist verkauften Episoden der Serie mit konkreten Alltagssituationen, in die sich die Hörer leicht hinein versetzen können. Außerdem verfolgt die Serie das Ziel, dass die Geschichten leicht verständlich sind, sodass beispielsweise Fremdwörter, wenn sie überhaupt verwendet werden, durch Bibis Mutter erklärt werden, weil Bibi selbst die Worte nicht kennt.[16]
„Witz wird in dieser Serie hauptsächlich durch Bibis lustige Zaubersprüche erzeugt, die stets in Reimform gefasst sind. Außerdem sind diese Sprüche immer in Verbindung mit einer kurzen Melodie zu hören, die signalisiert, dass der Zauberspruch in Kraft tritt."[17] Bibis Hexsprüche werden allerdings nicht unüberlegt ausgesprochen, sondern dienen dazu, die Handlung voran zu treiben. Auch die Hexsprüche bilden ein wiederkehrendes Element der Hörspielserie: Sie beginnen stets mit der Formel „Ene mene..." und enden mit dem typischen „Hex- hex!"[18] In den neueren Folgen legen die Macher der Serie großen Wert darauf, dass in Bibis Hexsprüchen keine Nonsens-Wörter mehr verwendet werden, sondern nur real existierende Wörter, die allerdings in keinem logischen Zusammenhang stehen müssen.[19] Beim Vergleich einer älteren und einer neuern Folge wird diese Veränderung deutlich. Heißt es beispielsweise in Folge 13 noch: „Ene mene Mück - jetzt will ich ein Frühstück. (...) Ene mene Schnüken - komm herbei du Küken.", so werden diese Nonsens- Wörter in Folge 84 nicht mehr verwendet: „Ene mene Meridian, Sternbild nimm die Frage an. Ene mene Bioskop, erstelle mir mein Horoskop. Ene mene Sage, das ist meine Frage(...)".
Auch die Besetzung der Sprecher der Serie ist seit nunmehr 87 Folgen weitgehend unverändert, sodass auch hier ein großer Wiedererkennungseffekt garantiert ist. Die einzelnen „Stimmlagen passen zu den Figuren und sind voneinander gut unterscheidbar, sodass der Hörer sie jeweils der entsprechenden Person zuordnen kann."[20]
Die Geräusche, die in den einzelnen Folgen der Serie auftauchen, dienen primär dazu, die einzelnen Handlungsorte näher zu beschreiben und realitätsnah darzustellen. So hört man beispielsweise in Folge 84 „Das Hexenhoroskop" während der Frühstücksszene das Klappern von Geschirr oder das Rascheln einer Zeitung. „Musikuntermalung gibt es außer der Erkennungsmelodie keine."[21]

2.3. Bereits erschiene Folgen der Serie

z.Z.: nicht abgedruckt

3. Strukturelemente des Hörspiels nach Angelika Böckelmann am Beispiel von Bibi Blocksberg

Angelika Böckelmann nennt in ihrem Buch „Hörspiele für Kinder. Kinderliteratur als Vorlage für Hörspiele" verschiedene Bewertungskriterien die bei der Bearbeitung literarischer Vorlagen für Hörspieladaptionen unbedingt zu beachten sind. Dieser Kriterienkatalog ist allerdings so umfassend und allgemein gehalten, dass er sich auch auf original Hörspiele wie „Bibi Blocksberg" übertragen lässt. Im Folgenden soll nun deshalb untersucht werden, ob und inwieweit die von Böckelmann aufgestellten Kriterien auf die Hörspielserienproduktion „Bibi Blockberg" zutreffen.
Böckelmann betont, dass „sowohl die angemessene Einführung der verschiedenen Charaktere als auch die schlüssige Vermittlung handlungsbestimmender Fakten" die erfolgreiche und lustbetonte Rezeption eines Hörspiels bedingen.[23] Vergleicht man dieses erste Bewertungskriterium mit der Struktur von „Bibi Blocksberg", so wird deutlich, dass die Serie dieses Kriterium erfüllt. Die Charaktere sowie die Handlung der einzelnen Episoden werden in „Bibi Blocksberg" sowohl durch die Eingangsmelodie wie auch durch den Erzähler näher erläutert.
Besonderes Augenmerk legt Böckelmann auch auf den Schluss eines Hörspiels. Dieser sollte, so führt sie auf, möglichst empfindsam und leise ausklingen, sodass dem Hörer die Möglichkeit bleibt, Gehörtes zu reflektieren und sich „allmählich von der Geschichte zu lösen und zur Realität zurück zu finden."[24] Auch dieses Kriterium wird in der Serie „Bibi Blocksberg" mittels des Erzählers erfüllt. Dieser fasst am Ende jedes Hörspiels die Endsituation, gegebenenfalls die Moral, nochmals zusammen und verabschiedet sich in einer ruhigen Stimmlage von den Hörern: „Ach ihr Lieben, wie schön, dass alles wieder in Ordnung ist. So muss es auch sein. Also macht es gut - und lasst die Sterne schön am Himmel. Tschüss, bis zum nächsten Mal."[25]
Die Handlung eines Hörspiels sollte nach Böckmann möglichst chronologisch ablaufen, sodass es auch jüngeren Rezipienten möglich ist, den Inhalt der Geschichte zu erfassen. Zudem betont Böckmann, dass sich Erzählzeit und erzählte Zeit möglichst entsprechen sollten oder zumindest abstrakte Faktoren diese Zeitsprünge akustisch überbrücken sollten.[26] Auch dieses Kriterium wird in den einzelnen Episoden von „Bibi Blocksberg" weitgehend erfüllt. In den meisten Folgen finden zwar Zeitraffungen statt, diese werden allerdings auch hier zumeist vom Erzähler überbrückt und stellen somit keine unüberwindbare Überforderung für den Hörer dar: „(...) Also bleibt Bibi nichts anderes übrig, als in die Schule zu gehen und in den sauren Matheapfel zu beißen. Als sie am Nachmittag wieder nach Hause kommt, ist sie sogar bester Stimmung."[27]
Die Handlungsorte eines Hörspiels, so fordert Angelika Böckelmann weiter, sollten nicht zu oft und zu schnell gewechselt werden, da die Vorstellungskraft der Rezipienten sonst zu stark beansprucht werden könnte. Die einfachste Möglichkeit einen Handlungsort zu wechseln bestehe neben „punktuell gesetzter Beschreibungen bzw. Geräusche"[28] darin, „einen Ort vom Erzähler oder von der handelnden Person mittels Beschreibung zu charakterisieren."[29] Anhand der Bibi - Blocksberg - Folge „Das Hexenhoroskop" (MC 84) lässt sich die Umsetzung eines Wechsels des Handlungsortes ebenfalls geeignet belegen: Erzähler: „Ich ahne ja was Bibi vor hat und ich habe Recht: Nachdem Babara und Bernhard Blocksberg ins Bett gegangen sind, schleichen sich zwei Junghexen kurz vor Mitternacht heimlich in den Garten." (Das Rufen einer Eule ertönt, Bibi und Flauipaui unterhalten sich leise um niemanden zu wecken, kurz darauf hört man die Kirchturmglocke läuten.)
Des Weiteren erwähnt Böckelmann, dass der Einsatz eines Erzählers gerade für jüngere Rezipienten oft unerlässlich ist. Er tritt äußert vielseitig auf, indem er, wie bereits erwähnt, meist die Geschichten einleitet, Zeitsprünge überbrückt, Szenen überleitet oder auch beispielsweise neue Handlungsträger der Geschichte einführt.[30] Gleichzeitig kritisiert Böckelmann aber auch, dass ein Erzähler oftmals als „Notbehelf" fungiert, „wenn kreative Lösungen" oder geeignete „hörspezifische Mittel" fehlen.[31] Darüber hinaus betont sie, dass Kinder wiederum die Vertrautheit und die Orientierungshilfen eines Erzählers sehr schätzen. Daher lehnt sie die Manipulation der Hörer durch den Erzähler, wie sie in Serienproduktionen wie „Bibi Blocksberg" ausgeübt wird, strikt ab. Ihrer Ansicht nach wird durch indirekte Aufforderungen des Erzählers wie etwa „Tja, und was ist mit euch? Klar, ihr hört diese Geschichte gleich noch mal! Oder ihr freut euch auf das nächste Abenteuer mit Bibi. Bis dahin, tschüs!"[32] „die vermeintliche Vertrautheit des Erzählers" ausgenutzt, „um den Verkauf der Hörspielserie voranzutreiben."[33]
Hinsichtlich der Sprecher einer Hörspielproduktion merkt Böckelmann an, dass sich deren Anzahl in einem überschaubaren Rahmen bewegen muss, da es dem Rezipienten möglich sein sollte, sich auf die verschiedenen Charaktere und Stimmen einzustellen.[34] Die Stimmen der Sprecher sollten zudem so prägnant sein, dass sie für den Hörer einen hohen Wiedererkennungswert haben.[35] Wie bereits zuvor angemerkt, findet dieses Kriterium auch in der Hörspielserie „Bibi Blocksberg" große Beachtung. Sowohl die Protagonisten der Serie Bibi, Babara und Bernhard Blocksberg als auch andere bekannte und immer wieder auftauchende Akteure, wie Karla Kolumna, Mania, Flauibaui usw. haben eine unverkennbare, charakterisierende Stimmlage, die dem Rezipienten vertraut ist.
Außerdem betont Böckelmann, dass der Sprachhorizont der Rezipienten bei der Produktion eines Hörspiels unbedingt beachtet werden sollte. Demnach sei es ungeeignet, die Hörer sprachlich zu über- bzw. zu unterfordern.[36] Auch die Verwendung von sprachlich wenig originellen, zusammenhanglos erscheinenden Zaubersprüchen, wie in zahlreichen Episoden der Hörspielserie „Bibi Blocksberg", erachtet Böckelmann als bedenklich. Als Beispiel hierfür führt sie einen ihrer Ansicht nach weder inhaltlich zu begründenden noch temporal einheitlichen Zauberspruch der Folge 67 „Bibi Blocksberg - Der weiße Kakadu" an: „Ene - mene, kikadee, kikadu, / verwandle dich du Kakadu! / Ene - mene, mach, lach, sprach, / du plapperst nur noch nach. / Hex- hex! [37]
Darüber hinaus sollte die Qualität der Geräusche, die in einem Hörspiel eingesetzt werden, nach Böckelmann sorgfältige Beachtung finden. So ist es beispielsweise wichtig, dass die „eingespielten Geräusche stets im Erfahrungsbereich der jungen Rezipienten liegen und zweifelsfrei zu identifizieren"[38] sind. Auch hier kritisiert Böckelmann die realitätsferne Umsetzung einiger Geräusche der Hörspielserie „Bibi Blocksberg". So führt sie etwa an, dass das Hintergrundgeräusch, welches beim Fliegen von Bibis Besen Kartoffelbrei ertönt, vielmehr an den Lärm eines lauten Motors erinnert.[39]
Den Einsatz von Musik erachtet Böckelmann als wichtiges Element um vor allem jüngere Rezipienten zum Singen und Tanzen zu animieren und die Phantasie der Hörer anzuregen. Allerdings gibt sie auch zu bedenken, dass die Anzahl der verwendeten Stimmen und Instrumente gering gehalten werden sollte, damit sich die Rezipienten auf den Inhalt des Hörspiels konzentrieren können.[40] Auch hier führt Böckemann das Eingangslied der Hörspielproduktion „Bibi Blocksberg" als eher negatives Beispiel an, da ihrer Ansicht nach „die Vielzahl der Stimmen, der komplexe Liedtext und das rasche Tempo des Gesangs"[41] die Rezeption erschweren.
Weiter betont Böckelmann, dass nicht Lautstärke, sondern Stille der Spannungssteigerung dienen sollte, um somit die Neugier bei dem Hörer zu wecken.[42] Dieses Strukturelement findet auch in der Hörspielserie „Bibi Blocksberg" Verwendung. Die Spannung wird durch kurze Sprechpausen des Erzählers oder der Protagonisten erhöht. Partiell ertönen allein Hintergrundgeräusche, wie beispielsweise das Fluggeräusch des Besens Kartoffelbrei, mehrere Sekunden lang, um weitere Spannungseffekte zu erzeugen.
Als letztes Stilmittel nennt Böckelmann die „Montage", bei der es vor allem darum gehe, „einzelne Szenen unter ästhetischen und dramaturgischen Gesichtspunkten miteinander zu verbinden."[43] Diese Technik wird auch in der Hörspielserie „Bibi Blocksberg" verwendet und dient meist dem Wechsel der Szenen: (Fluggeräusch des Besens Kartoffelbrei) Bibi: „Wohin fliegen wir denn nun Papi?" Bernhard: „Na wohin wohl? Bitte Kurs auf Rom, junge Dame." Erzähler: „Nach Rom? Ist denn das die Möglichkeit? Herr Blocksberg will tatsächlich zum Hexen-Jubiläumsfest? Au Backe. Na, ich weiß nicht. Aber Bibi ist glücklich. Sie überfliegt gerade das Pressehaus und rein zufällig steht eine uns wohlbekannte, rasende Reporterin am Fenster und guckt ins Blaue." (Vogelgezwitscher ertönt) Karla Kolumna: „Eine Schande ist das, strahlend schönes Maiwetter (...)."[44] Der Szenenwechsel wird in dieser Episode nicht nur durch den Erzähler vorgenommen, sondern zusätzlich durch akustisch ein- und ausgeblendete Geräuschsequenzen (das Fluggeräusch des Besens und das Zwitschern der Vögel) gestützt.

4. Schlussbemerkung

Durch die vorliegende Arbeit konnte exemplarisch belegt werden, welche Faktoren den großen Erfolg der Hörspielserie „Bibi Blocksberg" möglicherweise positiv beeinflussen.
Durch das aufgezeigte Erzählmuster und die wiederkehrenden Elemente der Serie konnte dargelegt werden, dass bestimmte erzähltheoretische Muster, die in den einzelnen Episoden von „Bibi Blocksberg" immer wieder Verwendung finden, durchaus bewusst eingesetzt werden und ebenfalls zur Erfolgsgeschichte der Hörspielproduktion beitragen.
Anhand der Auflistung des Spektrums der bereits erschienenen Folgen konnten zudem die inhaltlichen Themenschwerpunkte der Serie, zum Einen die märchenhafte Welt einer Hexe, zum Anderen das fast gewöhnliche Alltagsleben eines 13- jährigen Mädchens, nochmals skizziert werden.
Die beispielhafte Anwendung der von Angelika Böckelmann aufgestellten notwendigen Strukturelemente eines Hörspiels auf die Hörspielserie „Bibi Blocksberg" konnte zudem zeigen, dass die umsatzorientierte Machart der Serie durchaus kritisch zu hinterfragen ist. Gleichermaßen konnte diese Gegenüberstellung aber auch aufzeigen, dass in den Folgen der Serie „Bibi Blocksberg" durchaus viele dieser Strukturelemente erfüllt werden, sodass man die Serie nicht voreingenommen als qualitativ minderwertig einstufen sollte.
Zusammenfassend lässt sich daher nochmals betonen, dass bewusst eingesetzte erzähltheoretische Techniken der kleinen Hexe „Bibi Blocksberg" auch im Zeitalter der Bildmedien dazu verhelfen, viele Kinder zu begeistern und zu verzaubern.

5. Literaturverzeichnis

5.1. Literaturquellen

1. Böckelmann, Angelika: Hörspiele für Kinder. Kinderliteratur als Vorlage für Hörspiele - Otfried Preußler als Autor - Bewertungskriterien. Oberhausen 2002, S. 46 - 125.
2. Rogge, Jan-Uwe: Kinderfunk und Hörspiele für Kinder, in: Lange, Günther (Hg.): Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 2, 2., korr. Aufl., Baltmannsweiler 2000, S. 590
3. Treumann / Gartemann / Schnatmeyer / Rölleke: Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg & Co. Beliebte Kinder-Hörspielserien auf Cassette und CD. Beschreibungen, Analysen, Hintergründe, Bielefeld 1996, S. 124f..

5.2. Internetquellen

1. http://www.bibi- blocksberg.de/portal/ (09.04.07)
2. Baier, Andrea Christine: Bibi Blocksberg - Medienverbund für Kinder: Untersuchungen zur Konzeption und zur medienübergreifenden Vermarktung, Stuttgart 2002: http://www.hd m-stuttgart.de/ifak/pdfs/DA_Bibi_Blocksberg.pdf (09.04..07)
3. http://www.polt ermuehle.de/bibi_blocksberg.htm (09.04.07)
4. http://de.wiki pedia.org/wiki/Bibi_Blocksberg (09.04.07)

5.3. Hörspiele auf MC

1. Donnelly, Elfie: Bibi Blocksberg 13 - Ein verhexter Sonntag. Berlin: hör + lies 1983.
2. Donnelly, Elfie: Bibi Blocksberg 18 - Auf dem Hexenberg. Berlin: hör + lies 1984.
3. Donnelly Elfie: Bibi Blocksberg 31 - Auf der Märcheninsel. Berlin: hör + lies 1985.
4. Donnelly Elfie: Bibi Blocksberg 41 - Ohne Mami geht es nicht. Berlin: hör + lies 1988.
5. Thiem, Ulf: Bibi Blocksberg 67 - Der weiße Kakadu. Berlin: hör + lies 1997.
6. Weigand, Klaus-P.: Bibi Blocksberg 84 - Das Hexenhoroskop. Berlin: Kiddinx 2005.

Fußnoten:

[1] Rogge, Jan-Uwe 2000, 590f.
[2] Vgl: Baier, Andrea Christine 2002, 5
[3] Vgl: http://www.poltermuehle.de/bibi_blocksberg.htm
[4] Vgl: ebd.
[5] Vgl: Baier, Andrea Christine 2002, 55f.
[6] Baier, Andrea Christine 2002, 56
[7] Erkennungsmelodie der Hörspielfolgen (hier: Transkriptionsauszug der Folge 31)
[8] Donnelly, Elfie: Auf dem Hexenberg (MC 18)
[9] Donnelly, Elfie: Auf der Märcheninsel (MC 31)
[10] Donnelly, Elfie: Ohne Mami geht es nicht (MC 41)
[11] Vgl: Baier, Andrea Christine 2002, 22
[12] Donnelly, Elfie: Ein verhexter Sonntag (MC 13)
[13] Donnelly, Elfie: Auf der Märcheninsel (MC 31)
[14] Donnelly, Elfie: Ohne Mami geht es nicht (MC 41)
[15] Baier, Andrea Christine 2002, 9
[16] Vgl: Baier, Andrea Christine 2002, 10
[17] Treumann / Gartemann / Schnatmeyer / Rölleke 1996, 125
[18] Vgl: Baier, Andrea Christine 2002, 13
[19] Vgl: Baier, Andrea Christine 2002, 13
[20] Baier, Andrea Christine 2002, 23
[21] Baier, Andrea Christine 2002, 23
[22] Vgl: http://de.wikipedia.org/wiki/Bibi_Blocksberg
[23] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 47
[24] Böckelmann, Angelika 2002, 51
[25] Weigand, Klaus-P 2005 (MC 84)
[26] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 51 - 57
[27] Weigand, Klaus-P 2005 (MC 84)
[28] Böckelmann, Angelika 2002, 58
[29] ebd.
[30] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 64f.
[31] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 64
[32] Thiem, Ulf 1997 (MC 67)
[33] Böckelmann, Angelika 2002, 72
[34] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 74
[35] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 76
[36] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 89
[37] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 95
[38] Böckelmann, Angelika 2002, 96
[39] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 98
[40] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 106 + 108
[41] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 112
[42] Vgl: Böckelmann, Angelika 2002, 121
[43] Böckelmann, Angelika 2002, 122
[44] Donnelly, Elfie: Ohne Mami geht es nicht (MC 41)



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