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Umgang mit Märchen im Unterricht
Datum: 22. Dezember 2010 Kommentare: 0
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Beschreibung:
Hausarbeit zum Thema "Umgang mit Märchen im Unterricht" fächerübergreifend Deutsch und Kunst Hans Christian Andersens "Die kleine Meerjungfrau".

Umgang mit Märchen im Unterricht
Umgang mit Märchen im Unterricht
Die kleine Meerjungfrau von von Hans Christian Andersen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hans Christian Andersen
3. Die kleine Meerjungfrau
4. Eignung für die Grundschule
4.1 Rahmenlehrplan Kunst
4.2 Illustrationen
5. Unterrichtsideen
5.1 Bildnerische und Plastische Umsetzungen
5.1.1 Aquarell
5.1.2 Collage
5.1.3 Die vier Elemente
5.1.4 Dreidimensionale Unterwasserwelt
5.1.3 Gestaltung einer eigenen Unterwasserwelt
5.1.4 Bühnenbild
5.1.5 Wandmosaik
5.2 Musikalische Umsetzungen
5.2.1 Instrumente aus Naturmaterialien
5.2.2 Hörspiel
5.2.2 Papiermusik
5.3 Szenische Umsetzungen
5.3.1 Schattenspiel
6. Das ATZE Musiktheater
6.1 Die Inszenierung „Die kleine Meerjungfrau"
7. Fazit
8. Literatur
Die kleine Meerjungfrau von von Hans Christian Andersen
1. Einleitung
2. Hans Christian Andersen
3. Die kleine Meerjungfrau
4. Eignung für die Grundschule
4.1 Rahmenlehrplan Kunst
4.2 Illustrationen
5. Unterrichtsideen
5.1 Bildnerische und Plastische Umsetzungen
5.1.1 Aquarell
5.1.2 Collage
5.1.3 Die vier Elemente
5.1.4 Dreidimensionale Unterwasserwelt
5.1.3 Gestaltung einer eigenen Unterwasserwelt
5.1.4 Bühnenbild
5.1.5 Wandmosaik
5.2 Musikalische Umsetzungen
5.2.1 Instrumente aus Naturmaterialien
5.2.2 Hörspiel
5.2.2 Papiermusik
5.3 Szenische Umsetzungen
5.3.1 Schattenspiel
6. Das ATZE Musiktheater
6.1 Die Inszenierung „Die kleine Meerjungfrau"
7. Fazit
8. Literatur
1. Einleitung
In meiner Arbeit werde ich zu Beginn einen kurzen Einblick in das Leben und Werk von Hans Christian Andersen geben.
Für meine Untersuchung habe ich Die kleine Meerjungfrau gewählt. Der Titel der Erzählung variiert aufgrund der Übersetzung aus dem Dänischen zwischen Meerjungfrau und Seejungfrau. Einerseits verbinde ich meine Kindheit mit dieser Erzählung, andererseits halte ich sie für sehr geeignet für die Grundschule, was ich versuchen werde zu beweisen. In einer Zeit, in der Zeichentrickfilme wie Findet Nemo und Große Haie - Kleine Fische die Kinder begeistern, scheint mir Die kleine Meerjungfrau ein dankbares Thema zu sein, das mit seinem traurigen Ende viel zum Nachdenken anregen kann.
Es handelt sich um die bittersüße Liebesgeschichte zwischen einer Meerjungfrau und einem irdischen Prinzen und wurde seit 1970 in mehreren Verfilmungen zu einem großen Erfolg in Ost und West. Sowohl die tschechische Produktion von 1975 als auch die russische Variante („Rusalochka") von 1976 gelten heute als Klassiker des internationalen Kinderfilms, die dann 1989 durch die Walt Disney Adaption Arielle, die Meerjungfrau leider ein wenig in Vergessenheit gerieten. Auch in der japanischen Anime - Serie Die Meerjungfrau Marina findet man Grundzüge von Andersens Erzählung.
Ich werde das Märchen kurz zusammenfassen und versuchen Interpretationsansätze darzulegen. Des Weiteren werde ich mich mit Illustrationen zu dem Märchen beschäftigen. Das Hauptaugenmerk meiner Arbeit lege ich auf die Möglichkeiten der Umsetzung im Unterricht. Hier beschränke ich mich hauptsächlich auf den Kunstunterricht, nehme Bezug auf die entsprechenden Punkte im Rahmenlehrplan und verweise gegebenenfalls kurz auf fächerübergreifende Ansätze.
Zum Abschluss möchte ich auf die Inszenierung „Die kleine Meerjungfrau" des Atze-Musiktheaters eingehen.
2. Hans Christian Andersen
Hans Christian Andersen wurde 1805 zu Odense auf der Insel Fünen geboren.
Schon als Kind lebte er in seiner eigenen Welt voller Träume und fantastischer Bilder. Er spielte selten mit anderen Kindern und verbrachte viel Zeit bei den alten Frauen in der Spinnstube. Mit ihnen konnte er reden, sie achteten ihn und erzählten ihm Märchen. Die Geschichten der Frauen, sowie die geschnitzten Holzfiguren seines Großvaters, verstärkten seine Träumereien. Sein Vater war Schuster und bastelte ihm individuelles Spielzeug. „Er war auch in anderer Hinsicht ein Original. So brachte er seinem Sohn bei, dass jedes nichtmenschliche Wesen und jeder Gegenstand - ein Blatt, ein Käfer, eine Stopfnadel - ihren eigenen Charakter besitzen; eine Vorstellung, die sich für den späteren Andersen als ungeheuer wertvoll erweisen sollte." ( Lewis 2004, S. 9 ) Er war also schon als Kind auf seine Phantasie angewiesen. Er liebte es sich in der freien Natur zu bewegen. Diese Erlebnisse und Beobachtungen verarbeitete er auch in seinen Geschichten.
Er erzählte von seinen zahlreichen Reisen und von den Geschehnissen, die er unterwegs erlebt hatte.
In seiner Heimat Dänemark wurde er zu Lebzeiten ausgelacht. Er war als eitel und verrückt verschrien, wurde als Orang-Utan und Naivling bezeichnet. Im Ausland wurde er hingegen hoch gelobt. (vgl. Stößinger 1998, S.17)
Seine Erzählungen haben meistens kein „Happy End", was typisch für Volksmärchen ist. Meist sind es Geschichten des Scheiterns, über das Leben, Beziehungen und die Liebe. Seine Märchen machen nur einen kleinen Teil seines Gesamtwerkes aus und werden zu den Kunstmärchen gezählt. Andersen schrieb seine Märchen für Kinder und Erwachsene, seine Werke begeistern bis heute. Man hat als Leser das Gefühl in dem Märchen zu sein und alles selbst mit zu erleben.
Er starb am 4.8.1873.
3. Die kleine Meerjungfrau
Inhalt und Interpretation
Hans Christian Andersen schrieb Die kleine Meerjungfrau 1836 und nannte sie eine märchenhafte Dichtung. Sie unterscheidet sich von anderen Märchen dadurch, dass sie ein trauriges Ende hat.
Andersen entführt den Leser in die exotische Welt des Meeresvolkes, das in ihrer Lebensweise mit den Menschen zu vergleichen ist und erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Meerjungfrau, ungewöhnlich in dem Sinne, dass sie sich von ihren Schwestern und Gleichaltrigen unterscheidet. Sie ist still und versonnen. Für sie gibt es nichts interessanteres als die Menschenwelt, sie erwartet sehnsüchtig ihren fünfzehnten Geburtstag, der sie berechtigt an die Meeresoberfläche zu schwimmen, während dessen zehrt sie von den Erzählungen der älteren Schwestern und der Großmutter. Bei den Schwestern lässt die Faszination schnell nach, nicht nur weil die Erlaubnis aufzutauchen den Reiz nimmt, sie werden auch von einer Sehnsucht nach der Tiefe des Meeres erfasst. Bei der kleinen Meerjungfrau tritt dieses Heimweh nicht ein, denn sie kommt durch die Liebe zu dem jungen Prinzen, mit der anderen Welt in Kontakt. Als sie an ihrem fünfzehnten Geburtstag an die Oberfläche tauchen darf, sieht sie ein Schiff, auf dem der Prinz gerade seinen Geburtstag feiert. Nach einem Blick in seine dunklen Augen, verspürt sie sogleich ein Gefühl von Liebe. Dieses Gefühl wird noch einmal deutlich hervorgehoben, als sie den Prinzen vor dem Ertrinken rettet nachdem sein Schiff in einem aufziehenden Sturm kentert. Sie schwimmt mit ihm an Land und legt ihn in den Sand, aber noch bevor er erwacht, muss sie sich verstecken. Eine Gruppe junger Mädchen nähert sich und der Prinz hält das Mädchen, welches sich über ihn beugt, als er erwacht, für seine Retterin.
Die keine Meerjungfrau sucht von nun an häufig das Schloss des Prinzen auf, welches ihr die Schwestern gezeigt haben. Sie schwimmt so nah wie möglich heran und beobachtet den Prinzen stundenlang. In ihr wächst der Wunsch, dem Prinzen nahe zu sein, sie würde alles tun, hätte sie doch Beine wie die Menschen. Diese Verwandlung ist die Grundbedingung, wenn sie in die Welt der Menschen vordringen will. Von ihrer Verzweiflung gelenkt, vergisst sie ihre Ängste und begibt sich auf den gefährlichen Weg zur Meerhexe. Diese verlangt ihre Stimme als Bezahlung für die zwei Beine. Dies kann man als Opfergabe betrachten, denn Die kleine Meerjungfrau hat die schönste Stimme von allen. Sie willigt ein ihr bisher kostbarstes Gut zu opfern, das verdeutlicht die Verlagerung der Prioritäten in ihrem Leben, die Nähe zum Prinzen ist nun wichtiger als alles andere. Sie verlässt ihre Familie und ihre Welt, ohne sich zu verabschieden.
Die Handlung der Meerhexe kann als Ritual betrachtet werden, dies zeigt die Aussage der Hexe: „Morgen, wenn die Sonne aufgeht, könnte ich dir nicht helfen, bis wieder ein Jahr herum wäre." ( Andersen 2005, S.583)
Die Bindung an einen bestimmten Zeitpunkt ist typisch für rituelle Handlungen. (vgl. Fritz 2000, S. 72)
Die kleine Meerjungfrau hat nach ihrer Einwilligung nicht mehr die Möglichkeit in die Welt des Meeres zurückzukehren, ihr bisheriges Leben ist sozusagen gestorben. Des Weiteren kommt noch hinzu, dass sie, falls sie es nicht schafft, den Prinzen für sich zu gewinnen, an dem Morgen nach seiner Hochzeitsnacht zu Meerschaum wird.
Man kann die Situation mit dem Auszug aus dem Elternhaus vergleichen, man verlässt die gewohnte und geliebte Umgebung seines bisherigen Lebens und begibt sich mit dem Menschen den man liebt in eine neue unbekannte Umgebung.
Die kleine Meerjungfrau muss aber nicht nur auf ihre Welt verzichten, sie muss auch in Kauf nehmen, dass sie erst um die Liebe des Prinzen kämpfen muss. Dies wird nicht nur dadurch erschwert, dass sie sich nicht verständlich machen kann. Es kommt noch hinzu, dass von nun an jeder Schritt für sie wie ein Gang über ein Brett mit scharfen Messerklingen sein wird. Doch all dies akzeptiert sie, so groß ist die Liebe zu dem Prinzen.
Sie begibt sich also zu den Stufen des Schlosses und trinkt den von der Meerhexe gebrauten Zaubertrank. Dort erwacht sie am nächsten Morgen und wird bald von dem Prinzen gefunden. Schnell wird deutlich wie entscheidend der Verlust ihrer Stimme ist. Die Sprache stellt das wichtigste Kommunikationsmittel dar, die kleine Meerjungfrau kann sich zwar optisch dem Menschen angleichen, wird aber durch die fehlende Fähigkeit zu sprechen, immer von ihnen getrennt bleiben. Für die Menschen ist sie eine Art zauberhaftes Wesen, die sich fast schwebend bewegt und tanzt. Sie muss nun versuchen allein durch ihr Wesen und ihre sprechenden Augen, den Prinzen für sich zu gewinnen. Obwohl sie sich stets an der Seite des Prinzen bewegt, empfindet er für sie lediglich Sympathie. Er hat sein Herz bereits verloren, an das Mädchen, das er erblickte, als er nach seiner Rettung am Strand erwachte. Er erkennt auch die Ähnlichkeit zwischen den Mädchen, ihm kommt jedoch nicht der Gedanke, dass sie es war, die ihn gerettet hat. Könnte sie sprechen, würde sich alles aufklären, vorausgesetzt er würde verstehen was sie sagt.
Der Prinz wird als sehr realistisch denkender Mensch dargestellt, eventuell würde er ihre fantastischen Erzählungen nicht glauben können. Die Existenz der kleinen Seejungfrau scheint zum Scheitern verurteilt. Der Prinz heiratet nämlich das Mädchen, das ihn am Strand gefunden hat und bittet die kleine Meerjungfrau sich mit ihm zu freuen, während dessen bricht ihr fast das Herz. Die Hochzeit ist in Andersens Erzählung eher nebensächlich, das Hauptaugenmerk wird weiterhin auf die kleine Meerjungfrau gelenkt. Diese bekommt erneut die Möglichkeit sich zu retten, wieder durch Opferung. Ihre Schwestern haben ihre Haare der Meerhexe geopfert und dafür ein Messer bekommen. Mit diesem Messer soll sie den Prinzen töten und wenn dessen Blut ihre Füße berührt, würde sie wieder einen Fischschwanz bekommen und könnte ins Meer zurückkehren. Doch als sie den schlafenden Prinzen betrachtet wie er zärtlich den Namen seiner Frau im Schlaf flüstert, ist sie überwältigt von der menschlichen Liebe und lässt von ihm ab. Als sie sich ins Meer stürzt und zu Schaum wird, merkt sie wie sie aufsteigt und in das Reich der Schwestern der Luft kommt. Hier hat sie die Möglichkeit sich eine unsterbliche Seele zu verdienen. Womit sich wenigstens ihr einer Wunsch erfüllt, der nach einer unsterblichen Seele, denn Seejungfrauen werden nur 300 Jahre alt und lösen sich dann vollständig in Meerschaum auf.
4. Eignung für die Grundschule
Die Texte von Hans Christian Andersen eignen sich sehr gut für produktive und integrative Verfahren im Grundschulunterricht. Die kleine Meerjungfrau ist ein Klassiker der Weltliteratur und wurde inhaltlich in unterschiedlichen Zeichentrickfilmen verarbeitet. Eine der heute bekanntesten Produktionen ist Arielle, die Meerjungfrau, um die Kinder für die Erzählung Andersens zu begeistern, sollte der Lehrer versuchen, die Kinder davon wegzuführen.
Ein Ansatz dazu wären die vier Elemente, die sich in dem Märchen vereinen. Das Element Wasser wird durch die Meerjungfrau verkörpert, das Feuer findet sich in ihrer brennenden Liebe zum Prinzen und die Erde ist das für sie neue Element. Ihre schmerzenden, aber zugleich schwebenden Schritte verweisen auf ihre nächste Verwandlung. Sie muss ihre Hülle verlassen und vereinigt sich mit den Töchtern der Luft.
Die Schülerinnen und Schüler könnten sich mit Strandgut beschäftigen, die Faszination einer rauschenden Muschel erleben und sich auf das Thema einstimmen, auch eine Phantasiereise ans Meer wäre sinnvoll.
Ich werde im Folgenden einige detaillierte Ideen zum Umgang mit der kleinen Meerjungfrau im Unterricht darlegen. Hierbei beschränke ich mich hauptsächlich auf den Kunstunterricht. Die meisten Vorschläge sind jedoch für einen fächerübergreifenden Unterricht gedacht, besonders in Kombination mit Musik und Deutsch. Des Weiteren stelle ich unterschiedliche Illustrationen zu der kleinen Meerjungfrau vor, die man selbstverständlich in die Arbeit mit den Kindern einbeziehen kann.
Um einen Bezug zu schaffen gehe ich im folgenden Abschnitt auf den Rahmenlehrplan für das Fach Kunst ein.
4.1 Rahmenlehrplan Kunst
Grundanliegen des Kunstunterrichtes ist die Entwicklung des individuellen Wahrnehmungs- und Ausdrucksvermögens des handelnden Kindes. Kunstunterricht zielt im Sinne einer ästhetischen Erziehung darauf, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Gesamtpersönlichkeit zu fördern, indem er Kopf, Herz und Hand herausfordert und miteinander in Beziehung bringt. Ihr Vorstellungsvermögen wird entwickelt, die Fantasietätigkeit angeregt und die ästhetische Erlebnis- und Urteilsfähigkeit weitergebildet. Durch produktive, rezeptive und reflexive Auseinandersetzung mit Gestalthaftem trägt der Kunstunterricht in der Grundschule entscheidend zur kontinuierlichen Entwicklung und Ausdifferenzierung der Wahrnehmungsfähigkeit bei.
(Rahmenlehrplan 2004, S.15)
Inhalte des Rahmenlehrplans für das Fach Kunst sind unter anderem das Spielen und Agieren, dazu gehören beispielsweise verkleiden, inszenieren, tanzen, darstellen und schminken. Des Weiteren gehört bildhaftes Gestalten und Ausdrücken, wie z. B. neu schaffen, nachbilden, darstellen, verwandeln, komponieren und variieren zu den Inhalten des Kunstunterrichts.
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich bewusst auf Erfahrungen einlassen, ihren Eindrücken und Gefühlen Ausdruck verleihen und eigene Gestaltungsideen entwickeln.
Durch Collagieren sollen sie in die unterschiedlichen Möglichkeiten des Verfremdens, Veränderns, Kombinierens, Zerstörens und Verschiebens eingeführt werden.
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit den verschiedensten Materialien auseinander setzen und es sich teilweise selbst beschaffen.
(vgl. Rahmenlehrplan 2004)
Ebenso wichtig ist das Nachahmen eigener und fremder Verhaltensweisen, die Erprobung und Nutzung von Körperausdrucksmöglichkeiten und Umwandlung von verschiedenen Vorlagen in szenischen Darstellungen.
4.2 Illustrationen
Hans Christian Andersen
Das große Märchenbuch
Sauerländer 2004
Die Illustrationen von Joel Stewart begleiten die Handlung und setzen wichtige Momente der Geschichte in Szene. Man könnte den Verlauf der Geschichte nur anhand der Abbildungen nachvollziehen. Es handelt sich hauptsächlich um Bleistift-, Kreide- und Kohlezeichnungen, die zum Teil coloriert sind. Durch die stark hervorgehobenen Umrisslinien wirken sie ein wenig comicartig, ebenso durch die schlichte Darstellung der Gesichter, die sich alle sehr gleichen.
Der Text wird von den Abbildungen durchbrochen und wirkt so ein wenig aufgelockert. (Abb. 1-2)
Hans Christian Andersen
Die kleine Meerjungfrau und andere Märchen
Carlsen 1997
Die Illustrationen von Svend Otto Soerensen wirken sehr fantastisch, sie nehmen meist eine ganze Seite ein und stellen Ausschnitte der Erzählung dar. Es handelt sich um mit einem Bleistift akzentuierte Aquarelle. Die Technik des Aquarellierens eignet sich meiner Meinung nach besonders gut für die kleine Seejungfrau, da der Eindruck von Wasser durch die lasurartig wirkenden Farben sehr verstärkt wird. Es dominieren Pastell- und Meeresfarben, die fließend ineinander übergehen. Akzente sind durch schemenhafte Bleistiftumrisslinien gesetzt. Betrachtet man die Aquarelle länger so erkennt man immer mehr Details, was daraufhin deutet, dass Svend nicht nur Nass-in-Nass gemalt hat, sondern nachträglich noch mit einem sehr dünnen Pinsel die Details heraus gearbeitet hat. (Abb. 3-5)
Hans Christian Andersen
Kleine Meerjungfrauen und hässliche Entlein
Gerstenberg Verlag 2002
Die Illustrationen von Gennady Spirin sind sehr beeindruckend, sie sind voll von Details und sehr stark ausgeschmückt. Sie enthalten erkennbare Jugendstilelemente, haben aber auch etwas Surreales. Die Abbildungen sind zwischen einer halben und zwei Seiten groß und sind meiner Meinung nach mit Öl gemalt. Die Meerjungfrauen wirken wie Feen oder Elfen, sie schweben durch das Wasser wie Wesen aus einer anderen Welt. Hier spürt man einen möglichen Einfluss der Präraffaeliten, die sich mit mythischen Themen auseinander gesetzt haben. Die Darstellungen sind alle sehr perspektivisch, dieser Eindruck wird durch eine Einteilung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund erzeugt. Die Farben sind eher gedeckt, dunkle Töne dominieren, nur die Meerjungfrauen strahlen in hellem weiß und beige. (Abb. 6-8)
5. Unterrichtsideen
Ich beziehe mich bei meinen Ideen auf den Unterricht in der 3. und 4. Klasse. Voraussetzung ist die Kenntnis der Erzählung die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen. Zur Einführung in die Geschichte könnte man den Kindern einige Illustrationen zeigen und sie dazu eine Kurzgeschichte schreiben lassen.
Der Lehrer könnte über einen gewissen Zeitraum jeden Tag einen Teil des Märchens vorlesen und über den weiteren Verlauf mit den Kindern diskutieren. Des Weiteren könnten die Kinder die Geschichte mit Hilfe der Illustrationen nacherzählen. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, die tschechische Verfilmung des Märchens anzusehen. Um die Schülerinnen und Schüler ein wenig zu inspirieren, könnte man während der Arbeitsphasen die kleine Meerjungfrau als Hörspiel anhören.
5.1 Bildnerische und Plastische Umsetzungen
5.1.1 Aquarell
Mit den Schülerinnen und Schülern mit echten Aquarellfarben zu malen ist aus finanziellen Gründen schwierig. Mit Wasserfarben lässt sich aber fast genau derselbe Effekt erzielen. Wenn man das Papier zu Beginn mit einem Schwamm durchnässt und die Farben mit viel Wasser verdünnt, kommt es einem Aquarell sehr nahe. Es würde sich anbieten die Illustrationen von Svend Otto Soerensen als Beispiele zu zeigen, wobei sich hier immer die Frage stellt, ob dadurch die Phantasie der Kinder beeinflusst wird. Die Entscheidung muss individuell getroffen werden.
Wenn die Kinder noch keine Erfahrung mit dieser Technik haben, empfiehlt es sich, vorher einige Farbübungen durchzuführen.
Die entstandenen Bilder könnten mit den jeweiligen Textstellen verbunden werden.
5.1.2 Collage
Eine geeignete Art der plastischen Umsetzung ist die Collage. Die Schülerinnen und Schüler können sich eine Szene, die sie besonders beeindruckt, ob positiv oder negativ bleibt ihnen überlassen, auswählen und mit Hilfe der Collage-Technik umsetzen. Die benötigten Materialien können die Kinder selbst wählen, als Hausaufgabe sollen sie über einen gewissen Zeitraum Naturmaterialien, Verpackungen, Zeitungen und was ihnen sonst noch einfällt sammeln. Nach Möglichkeit kann man auch gemeinsam mit den Kindern Material sammeln, auf dem Schulhof oder im Wald, vorausgesetzt es befindet sich einer in der Nähe.
Ich stelle mir vor, dass die Schülerinnen und Schüler nicht zwingend gegenständlich arbeiten, es geht mir mehr um die Stimmung. Man könnte die Aufgabe auch auf eine Ton-in-Ton-Collage beschränken, passend zur Meereswelt in Grün- oder Blautönen.
Für das Entscheidende halte ich hierbei die Materialerfahrung. Die zum großen Teil im Alltag verwendeten Gegenstände werden in einen völlig neuen Zusammenhang gestellt und bekommen eine andere Identität.
Material: Holz, Muscheln, Blätter, Äste, farbige Papierfetzen, Stoffreste, Sand, Kieselsteinchen
Im Anhang befinden sich einige Anregungen. (Abb. 9-11)
5.1.3 Die vier Elemente
Wie schon in „4. Eignung für die Grundschule" angesprochen sind die vier Elemente mit der Geschichte der kleinen Meerjungfrau stark verwurzelt. Da ich mich auf das Element Wasser schon in einigen der weiteren Unterrichtsideen beziehe, gehe ich hier nur auf die Erde, die Luft und das Feuer beziehen.
Um sich dem Element Feuer zu nähern bezieht sich der Lehrer auf das Feuerwerk im Märchen. Zur Einstimmung sollen die Schülerinnen und Schüler mit farbigen Folien, die sie scherenschnittartig bearbeiten und einem Overhead - Projektor ein Feuerwerk simulieren. Durch die entsprechenden Geräusche soll der Effekt noch verstärkt werden. Da sich das Feuerwerk im Wasser spiegelt, sind für eine weitere künstlerische Umsetzung Klatschbilder besonders geeignet.
Das Element Erde sollen die Kinder auf dem Hof oder im Schulgarten erleben.
Die Kinder bekommen die Aufgabe, sich im Hof nach verschiedenen Bodenbeschaffenheiten umzusehen. Diese werden dann ganz bewusst mit nackten Füßen erfühlt. Vielleicht können die Kinder nun die ersten unsicheren Schritte der kleinen Meerjungfrau besser nachvollziehen.
Dem Element Luft sollen sich die Schülerinnen und Schüler durch Atemübungen nähern. An einer Schnur die durch das Klassenzimmer gespannt wird, sollen die Kinder Papierstreifen befestigen, durch einen Luftzug bewegen sich diese und man erahnt die Anwesenheit der „Töchter der Luft".
(vgl. Weigand 1997, S.246ff)
5.1.4 Dreidimensionale Unterwasserwelt
Die Mini-Unterwasserwelt könnte man als dreidimensionale Collage bezeichnen. Man benötigt eine stabile Pappe in DIN A4, diese wird zur Hälfte gefaltet, so dass zwei DIN A5 große Hälften entstehen. Die Pappe stellt man in einem rechten Winkel auf. So entstehen eine Bodenfläche und eine Rückwand. Die Rückwand kann man mit blauen Papierstücken collagieren. Die Bodenfläche stellt den Meeresboden dar. Auf diesen kann man kleine Felsen aus zerknülltem Papier kleben, die man mit einer dünnen Schicht Pappmache überzieht und dann mit Sand bestreut. Kleine Muscheln und Wasserpflanzen aus Plastik oder Pappe vervollständigen den Eindruck eines Meeresgrundes. Die Meeresbewohner schneidet man auf dünner Pappe aus und malt sie an, hier könnte man Tierbücher als Anregung für Formen und Farben zur Verfügung stellen. Zum Abschluss klebt man die Tiere gegen einen dünnen Draht und verteilt sie auf dem Meeresboden. Wichtig ist dabei, dass die kleinen Tiere nach hinten kommen und sie nach vorne hin immer größer werden. Dies verstärkt zusätzlich die dreidimensionale Wirkung. In den Anhang habe ich zur Verdeutlichung einige Abbildungen geheftet. (Abb. 12)
5.1.3 Gestaltung einer eigenen Unterwasserwelt
Die Gestaltung einer eigenen Unterwasserwelt erfordert die Zusammenarbeit der ganzen Klasse. Hier wäre es gut, wenn die Schule eine Wand, einen Raum, vielleicht den Essensraum, oder den Klassenraum zur Verfügung stellen würde. Je nachdem wie viel Zeit zur Verfügung steht, kann man die Aufgabe beliebig ausdehnen, eventuell gibt es an der Schule Projektwochen oder ähnliches.
Die Schülerinnen und Schüler bilden Gruppen, die unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen haben. Es gibt Gruppen für die Gestaltung des Hintergrundes, der Meeresbewohner, der Pflanzen und für die Planung.
Benötigt werden große Pappen und Kartons, zu bekommen in Möbelhäusern oder Supermärkten, Wandfarbe, Acryl- oder Plakatfarbe, Stoffreste, Mülltüten, Glitzerfolien, eigentlich kann man nahezu alles verwenden.
Die Wände könnte man blau streichen und durch Schwammtechnik die Illusion von Wellen erzeugen. Auf die Pappen von unterschiedlicher Größe werden Fische, Quallen, Meerjungfrauen, ein Schiff, Wasserpflanzen, Felsen, Muscheln, ein Schloss und alles was den Schülerinnen und Schülern noch einfällt, vorgezeichnet. Die Pappen werden dann mit den Farben bemalt und auf dem Hintergrund befestigt. Mit den Folien kann der Eindruck von Wasser noch verstärkt werden, da sich diese in der Luft bewegen.
Im Anhang lege ich einige Fotos bei, die bei einem Wettbewerb anlässlich des Disneyfilms „Atlantis" entstanden sind. Dort war ich für die Planung und Ausführung des Projektes verantwortlich. (Abb. 13-15)
5.1.4 Bühnenbild
Eventuell gibt es an der Schule eine Theatergruppe, der Lehrer könnte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern das Bühnenbild anfertigen. Hierzu verweise auf die Unterrichtsidee 5.1.3 und die dazugehörigen Fotos.
Mit großen Pappen und ein bisschen Farbe kann ein sehr effektvolles Bühnenbild entstehen. Felsen, Mauern, Wasserpflanzen, Fische und Figuren werden aufgezeichnet, bemalt und durch einen quer eingesteckten Fuß fixiert. Aus Pappmache und Luftballons könnte man Kugelfische und Quallen anfertigen. Für die gruselige Höhle der Meerhexe könnte man dunkle, spitze Felsen aus Pappmache machen. Hierzu benötigt man ein kegelförmiges Drahtgerüst, welches man mit mehreren Lagen Pappmache umwickelt.
(Abb. 16-19)
5.1.5 Wandmosaik
Ähnlich wie bei den vorherigen Ideen, benötigt man für die Durchführung einen längeren Zeitraum und eine genaue Planung. Auch hier ist eine größere freie Wand Voraussetzung. Für die Umsetzung wäre eventuell auch die Hilfe einiger Elternteile angebracht, um einzelnen Kindern Hilfestellung zu geben. Als Materialien benötigt man Fliesen- und Kachelbruch, diese bekommt man kostenlos im Fliesengroßhandel oder bei einem Fliesenleger. Die Tiere werden auf einer dünnen Pappe vorgezeichnet, dann nach Belieben mit den bunten Fliesenstücken ausgelegt und mit Fliesenkleber fixiert. Im nächsten Schritt muss man die Wand vorbereiten, die fertigen Tiere und Pflanzen werden mit Hilfe von Putz an den gewünschten Stellen platziert und die Lücken mit unterschiedlichen blau- und grünfarbenden Fliesenstücken ausgefüllt. Am schönsten ist es, wenn der Abschluss oben eine Art Welle darstellt. Am Ende wird das gesamte Mosaik noch mit Fugenmörtel verfugt.
Im Anhang lege ich eine Skizze bei, bei deren Ausführung habe ich festgestellt, dass mir die Skizze ohne Meerjungfrau und Schiff besser gefallen hätte.
(Abb. 20)
5.2 Musikalische Umsetzungen
5.2.1 Instrumente aus Naturmaterialien
Für eine musikalische Umsetzung kann man mit den Schülerinnen und Schülern Instrumente aus Naturmaterialien basteln. Die Kinder könnten aus Muscheln und Astgabeln Rasseln bauen, als Muschelersatz kann man auch Kronkorken verwenden. Aus einer Papprolle, die mit Reis, Mais oder ähnlichem gefüllt und auf beiden Seiten zugeklebt wird, kann man einen Regenmacher basteln, der das Geräusch von Wind erzeugt. Den Regenmacher könnten die Schüler auch noch farblich gestalten.
Die Instrumente können die Schüler im Musikunterricht als Begleitung einsetzen.
5.2.2 Hörspiel
Mit den gebastelten Instrumenten kann man gemeinsam mit den Kindern ein Hörspiel inszenieren. Die Figuren werden mit verteilten Rollen gelesen und die Handlung wird durch Begleitgeräusche unterstützt.
Das Geräusch von Wasser kann man durch ausgießen einer Gießkanne erzeugen. Für das Gewitter steckt man Murmeln oder Nüsse in einen Luftballon, bläst ihn auf und schüttelt ich kräftig hin und her. Das Auf- und Abtauchen der Meerjungfrauen kann durch einen ins Wasser plumpsenden Gegenstand simuliert werden. Für wichtig halte ich hierbei, dass die Ideen der Kinder in die Arbeit mit einbezogen werden.
Da heutzutage die Schülerinnen und Schüler einer Fülle von visuellen Eindrücken ausgesetzt sind, ist dies eine gute Übung um ihr Gehör zu sensibilisieren.
5.2.2 Papiermusik
Die Geräusche, die man mit Hilfe von Papier erzeugen kann, sind enorm vielseitig. Je nach Stärke, Größe und Material geben sie eine Fülle von Tönen wieder. Man kann große Papiere oder Pappen hin und her schwingen oder mit einer Bürste über die Oberfläche kreisen. Durch das Zerreißen, Zerknüllen und Entknüllen von unterschiedlichen Papieren wird die Palette der Möglichkeiten noch erweitert. Da die Geräusche sehr an das Rauschen des Meeres erinnern, passt diese Übung perfekt zur kleinen Meerjungfrau.
5.3 Szenische Umsetzungen
5.3.1 Schattenspiel
Um die kleine Meerjungfrau als Schattenspiel zu inszenieren, benutzt man am besten einen Overhead-Projektor. Die einzelnen Szenen bekommen einen festen Hintergrund, der aus dünner Pappe ausgeschnitten wird. Für die Unterwasserszenen zum Beispiel Algen und Steine am Boden. Die Meeresgestalten werden ebenfalls ausgeschnitten und an dünnen Holzstäben befestigt, so können sie auf dem Hintergrund hin und her bewegt werden. Parallel dazu wird das Märchen mit verteilten Rollen gelesen. Es ist empfehlenswert nur Auszüge aus dem Märchen darzustellen oder die einzelnen Szenen Gruppenweise erarbeiten zu lassen.
6. Das ATZE Musiktheater
Auf das ATZE Musiktheater möchte ich kurz vorstellen, weil ich es für ein sehr gutes Konzept halte. Natürlich auch, weil mich die Inszenierung „der kleinen Meerjungfrau" sehr inspiriert hat.
Seit November 2002 ist der Max-Beckmann-Saal die Hauptspielstätte des Kindermusiktheaters ATZE. Er liegt in Berlin Mitte unmittelbar am U-Bahnhof Amrumer Str. in der Luxemburger Straße 20.
Der große Saal bietet über 500 Besuchern Platz, die Studiobühne 99 Besuchern.
Das ATZE Musiktheater inszeniert nicht nur Theaterstücke für Kinder ab drei Jahren, sie engagieren sich auch in vielen anderen Bereichen.
In Anlehnung an Inszenierungen aus ihrem aktuellen Repertoire werden für Schulklassen und Lerngruppen Projekttage oder Projektwochen an der Schule angeboten. Im Rahmen eines solchen Projekts können die Kinder unter Anleitung der Theaterpädagogen neben Körper- und Bewegungsspielen, Rhythmus- und Vertrauensübungen kleine Szenen oder ganze Stücke selbst entwickeln, die zum Abschluss natürlich präsentiert werden sollen. Die Aufführung kann in der eigenen Schule oder im ATZE Theater stattfinden. Des Weiteren wird direkt im Anschluss an den Besuch einer Vorstellung den Schülern die Möglichkeit geboten, auf die Bühne zu kommen und mit einer Schauspielerin oder einem Schauspieler über das gerade gesehene Stück zu sprechen, Fragen zu stellen und sich dem Thema des Stücks szenisch in kleinen Spielaktionen zu nähern.
Das ATZE Theater- und Konzerthaus für Kinder im Max-Beckmann-Saal ist eine herausragende kulturelle Einrichtung, die deutschlandweit bekannt ist und durch seine Musikproduktionen Fans auf der ganzen Welt hat. Die Konzeption als „Theater und Konzerthaus für Kinder" ist deutschlandweit sogar einzigartig.
Der Bezirk Mitte hat mit ATZE ein vorzeigbares, professionell geführtes und ganzjährig bespieltes Theaterhaus, das gerade im sozialen Brennpunkt Wedding nicht nur positiver Imageträger ist, sondern durch seine Theaterarbeit auch wertvolle gesellschaftliche Beiträge und Anstöße liefert. Mit der universellen Sprache Musik liefert das ATZE Theater zudem wichtige integrative Ansätze im multikulturellen Umfeld von Berlin Mitte.
Nicht nur für die Kinder ist gesorgt, unter professioneller Anleitung vermittelt ATZE in einem Theaterseminar für Lehrer den Teilnehmern Fertigkeiten, die sie in ihren jeweiligen Schultheater-AGs gewinnbringend einsetzen können. Die Arbeitsschwerpunkte sind:
- Bühnenpräsenz
- Regie
- Sprachführung und Körpersprache.
(vgl. Atze Homepage)
6.1 Die Inszenierung „Die kleine Meerjungfrau"
Anlässlich des 200. Geburtstages des großen Autors Hans-Christian Andersen bringt ATZE eine Bühnenversion eines der bekanntesten Märchens auf die Studiobühne: Die kleine Meerjungfrau.
Das Drehbuch ist von Günther Jankowiak, nach einer Vorlage des holländischen Schriftstellers Geerd Kimpen. Zwei Schauspieler teilen sich die Darstellung der Charaktere untereinander auf.
Beim Betreten der Studiobühne werden alle von der Hauptdarstellerin Johanna K. Gast begrüßt. Sie spielt die Meerjungfrau und Emilie, das hübsche Mädchen, das den Prinzen am Strand findet. Michael Meyer spielt den Prinzen aus Lowland, die Großmutter und die Meerhexe.
Das Theaterstück beginnt mit dem Ende, kurz bevor sich die Meerjungfrau in Luft auflöst. Von da an wird die Geschichte von Beginn an erzählt, zum Teil in Dialogen, wie im klassischen Theater üblich, aber auch in den Liedtexten. Teilweise schlüpfen die Darsteller auch in die Rolle des Erzählers.
Bei einer Dauer von ca. 75 Minuten werden einige Details der Erzählung Andersens ausgelassen, im Gesamten gesehen hält sich das Drehbuch aber sehr genau an Andersen.
Die Meerjungfrau trägt ein zweiteiliges Kostüm, es liegt eng am Körper an und ist nach unten weit ausgestellt, so dass die Füße nicht zu sehen sind. Aufgrund dessen entsteht für den Zuschauer die Illusion einer Schwanzflosse. Als sie durch den Zauber der Meerhexe Beine erhält, reicht ihr Kostüm nur noch bis übers Knie. Ihr Name ist Sirene, dies kann man als Anspielung auf ihre unvergleichbare Stimme betrachten. Ihre Schwestern heißen Erene, Arene, Irene und Orene.
Die Texte sind in jugendlicher Sprache, leicht verständlich und modern geschrieben. Die Dialoge sind hauptsächlich Gespräche zwischen den Charakteren. In den Erzählerpassagen beschreiben die Schauspieler die äußeren Umstände, die Gedanken und erzählen die Geschichte weiter. Die Lieder, die in die Handlung eingebaut werden, erzählen die Geschichte weiter und beschreiben meist die Gefühle derjenigen Person, die sie singt. Die Musik reicht von Ballade bis Rap und kommt bei den Kindern sehr gut an. Schnell können sie den Refrain mitsingen.
Die Kinder werden von Beginn an in das Theaterstück einbezogen, die Schauspieler stellen Fragen, wie „Was soll ich denn jetzt tun?" und reagieren auf die Antworten der Kinder. Die Rolle wechseln die Schauspieler mit Hilfe unterschiedlicher Kostüme und das Verstellen der eigenen Stimme.
Das Bühnenbild ist sehr einfach, im Hintergrund befindet sich eine Wand, auf die der Horizont gemalt ist. Über eine Schiene kann ein Schiff hin und her bewegt werden. Die jeweiligen Tageszeiten und Stimmungen werden durch den Einsatz von verschiedenen Lichttechniken dargestellt. In der Mitte liegt eine große Matratze, die den Meeresboden symbolisiert. Um die Illusion von Wasser zu erreichen, hängen und liegen überall verteilt Tücher in den Meeresfarben, sie sind hauptsächlich aus glänzenden, leichten Stoffen, was den Eindruck von Bewegung verstärkt. Die Wind- und Meergeräusche werden auf zum Teil selbst hergestellten Instrumenten zu einem besonderen Highlight. (Abb.21-24)
In der Presse wurde folgendes geschrieben:
Regisseur Günter Jankowiak bringt eine gelungene Adaption auf die Bühne, die der Andersen-Geschichte die Düsterkeit seiner Melodramatik nimmt und durch Leichtigkeit und Situationskomik ersetzt. (...) Vor allem aber lebt die
Inszenierung vom Darstellerduo. das sein Spiel live an Instrumenten wie
Bass, Geige oder Rassel illustriert. (...) Ein wirklich guter Fang!
Berliner Morgenpost 05. März 2005
Kontinuierlich suchen die beiden Hauptdarsteller den Kontakt zum jungen
Publikum, erheitern es mit Wortwitz und Spielchen und erweitern den
Spielraum in die Zuschauerreihen hinein. Michael Meyer ist eitler Prinz,
böse Meerhexe und manches mehr. Mit seinem Charme, seiner Musikalität und
feiner Selbstironie bringt er das Märchen zum Leuchten. Eine charmant
turbulente Märchenadaption.
Zitty, 17.03.2005 (zit. n. Atze - Homepage)
7. Fazit
Meiner Meinung nach gehört die kleine Meerjungfrau zu den schönsten Märchen von Hans Christian Andersen. Auch wenn das Ende eher traurig und bedrückend ist, fasziniert die Geschichte ungemein. Ich habe mich jedenfalls sehr inspiriert gefühlt, als ich mit den Überlegungen zum Unterricht begann. Andersen schafft es den Leser völlig in seinen Bann zu ziehen, fast so als würde man Eintauchen. Dieses Gefühl hat vermutlich auch dazu geführt, dass sich die meisten meiner Ideen auf das Thema Wasser beziehen. Auch bekommt der Leser ein Gefühl dafür was im Inneren von Andersen vorgegangen sein muss. Man kann deutlich Parallelen zu seinem Leben erkennen. Auch er konnte seine wahren Gefühle und Gedanken nicht ausdrücken, ihm fehlte nicht die Stimme, aber die Gesinnung der Gesellschaft ging mit seinen Gefühlen nicht konform. Diese tiefe Traurigkeit, die sein Leben beherrschte, spürt man ganz deutlich.
Vielleicht sind meine Überlegungen teilweise etwas schwammig, ich sehe sie eher als Anregungen für individuelle Umsetzungen.
Ich werde auf jeden Fall versuchen meine Unterrichtsideen umzusetzen und wenn ich es schaffe, die Schüler von Andersens Erzählung zu begeistern, vergessen sie vielleicht Arielle.
8. Literatur
Andersen, Hans Christian: Andersens Märchen. Edition Lempertz GmbH, Pößneck 2005.
Andersen, Hans Christian: Das große Märchenbuch. III. Joel Stewart. Patmos/Sauerländer, Düsseldorf 2004.
Andersen, Hans Christian: Die kleine Meerjungfrau und andere Märchen. Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 1997.
Andersen, Hans Christian: Kleine Meerjungfrauen und hässliche Entlein. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2002.
Senatsverwaltung für Schule, Jugend & Sport: Rahmenplan für Unterricht & Erziehung in der Berliner Schule: Bildende Kunst (Grundschule). Berlin 2004.
Weigand, Barbara: Vergiss Arielle. In: Kunstunterricht in der Grundschule. Elementares Lernen mit Feuer, Wasser, Erde und Luft. Donauwörth 1997.
Zeitschriftenartikel
Fritz, Heiko: Die kleine Seejungfrau - ein Märchen im ursprünglichen Sinne? In: Märchenspiegel 2/2000, S. 71-74.
Stößinger, Verena: Der dänische Kunstmärchenkünstler und seine Ausleihen beim Volksmärchen. In: Märchenspiegel 1/1998, S. 16-19.
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