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Grete Minde (Fontane) und der Ansatz Bremonds
Datum: 22. Dezember 2010 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Sie hat ihren Heimatort Tangermünde in Brand gesteckt. Bei dem Feuer wurde die halbe Stadt zerstört und viele Menschen kamen in den Flammen um.
Beschreibung:
Fontanes Roman „Grete Minde", welcher 1879 zum ersten Mal erschienen ist, soll im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Die Erzählung beginnt harmlos an einem idyllischen Gartenzaun, an dem zwei junge Teenager stehen. Sie unterhalten sich und betrachten ein Vogelnest. Ungefähr vier Jahre später macht einer der beiden Teenager, Grete Minde, in der Presse Schlagzeilen.

Grete Minde (Fontane) und der Ansatz Bremonds
Grete Minde (Fontane) und der Ansatz Bremonds
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Fontanes Roman „Grete Minde", welcher 1879 zum ersten Mal erschienen ist, soll im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Die Erzählung beginnt harmlos an einem idyllischen Gartenzaun, an dem zwei junge Teenager stehen. Sie unterhalten sich und betrachten ein Vogelnest. Ungefähr vier Jahre später macht einer der beiden Teenager, Grete Minde, in der Presse Schlagzeilen. Sie hat ihren Heimatort Tangermünde in Brand gesteckt. Bei dem Feuer wurde die halbe Stadt zerstört und viele Menschen kamen in den Flammen um.
Nach Beendigung dieses Romans taucht wohl bei den meisten Lesern der Gedanke auf, dass diese Geschichte so tragisch enden musste. Zu absehbar war eine endgültige Eskalati-on, die sich immer mehr angedeutet hat. Im Nachhinein scheint das Ende unausweichlich gewesen zu sein. Der Leser ist wohl dennoch erstaunt, dass sich aus dem idyllischen An-fangsbild eine solche Tragödie entwickelt.
Das diese oben genannte Vermutung nicht zutreffen muss, belegt Claude Bremond durch seinen strukturalistischen Ansatz. Demzufolge kann jede Erzählung prinzipiell auch einen anderen, als den vom Autor gewählten, Verlauf haben. Er geht davon aus, dass jede Hand-lung unterschiedliche Anschlussoptionen zulässt. In dieser Arbeit soll eben jener Ansatz auf Fontanes Werk „Grete Minde" bezogen werden.
Die Arbeit ist so aufgebaut, dass sie mit der Vorstellung des Verzweigungsmodells nach Bremond beginnt. Die Grundlage hierfür bilden seine Aufsätze zur „Logik der narrativen Optionen" und „Die Erzählnachricht". Um für den Leser das Nachvollziehen der aufge-führten Argumente zu erleichtern wird zu Beginn des dritten Teils der Inhalt des Romans kurz dargestellt. Danach sollen die Eskalationsstufen und die kritischen Wendepunkte in Fontanes Erzählung „Grete Minde" herausgearbeitet werden. Dies ist nötig, um später Bremonds Verzweigungsmodell anwenden zu können.
Den vierten Teil nimmt die Anwendung des Verzweigungsmodells ein. Hier sollen andere als die von Fontane gewählten Anschlussoptionen aufgezeigt werden und ein Blick darauf geworfen werden, an welchen Stellen die Eskalation hätte vermieden werden können.
Zum Schluss dieser Arbeit sollen die hier erzielten Erkenntnisse in einem Fazit zusam-mengefasst werden. Abrunden wird diese Arbeit das im Anhang befindliche Schaubild, welches die unter Punkt vier dargestellten Ergebnisse veranschaulichen soll.
2. Bremonds Logik der narrativen Optionen
Bremonds Logik der narrativen Optionen ist eine Neuinterpretation und Weiterentwicklung des Forschungsansatzes von Propp. Dieser untersuchte anhand russischer Volksmärchen die Struktur von Erzählungen um diese klassifizieren zu können. Propp stellte eine Liste mit 31 Funktionen auf, um die Handlungen der von ihm analysierten Märchen lückenlos erfassen zu können. Dadurch versuchte er das Idealschema eines russischen Märchens zu entwerfen.[1]
Bremond versucht in seiner Neuinterpretation, dieses Modell auf andere Erzählungen zu übertragen. Er erachtet dies als notwendig, da die von Propp untersuchten Volks- und Zau-bermärchen in sich abgeschlossene Geschichten bilden, bei denen alles auf ein bestimmtes Ziel hinausläuft.[2] Propps Modell kennt keine Alternativen, Gabelungen und Anhalt-spunkte [3] . Hierzu bilden die offenen Geschichten, die Propp mit seiner Fokussierung auf russische Volksmärchen aus seinem Ansatz ausgeschlossen hat, den Gegensatz. Deren Ab-lauf kennt Gabelungen bei denen der Erzähler die Freiheit hat, einen Weg zu wählen. Hier gilt: „Alles kann sich mit allem kombinieren, alles kann allem folgen."[4] Bremond entwarf also ein alternatives Analysemodell, denn anders als Propp vertritt er die Auffassung, dass jedes Ereignis verschiedene Anschlussmöglichkeiten hat. Neben jedem Handlungsab-schnitt, der in einer Erzählung verwirklicht wurde, stehen alternative Möglichkeiten, die genauso gut vom Erzähler hätten zur Realisierung ausgewählt werden können. So ist jeder Wendepunkt eine Weggabelung und der Erzähler kann sich frei zwischen unterschiedlichen Alternativen entscheiden. Er kann die Geschichte auf ihr Ziel hin weiterführen, oder sich für eine andere der unzähligen Möglichkeiten und somit für einen anderen Hand-lungsverlauf entscheiden [5] .
„Die Ausgangssituation ist geschaffen, wenn der Pfeil, auf den gespannten Bogen ge-setzt, zum Abschuss bereit ist. Die Alternative besteht darin, ihn zurückzuhalten oder abzuschießen. Entschließt man sich ihn abzuschießen, besteht die Alternative darin, mit ihm ins Schwarze zu treffen oder dieses zu verfehlen. Verschiedene Vorfälle können seine Bahn stören...."[6]
Allerdings merkt Bremond an, dass diese theoretische Freiheit beschränkt ist, denn be-stimmte Anschlussoptionen sind sehr wahrscheinlich und andere wiederum gänzlich aus-geschlossen.[7]
Vor allem, wenn es sich um die Geschichte einer bestimmten Person handelt, ist es für Bremond unmöglich, „die Opposition zwischen dem Geschehenen und dem, was hätte Geschehen können, auszulassen".[8] Mit anderen Worten, die gegenteilige Möglichkeit der realisierten Version muss immer mitgesetzt werden. Der Leser, der im Nachhinein zu wis-sen glaubt, dass der ganze Handlungsablauf vorhersehbar war und genau so kommen musste, der irrt. Denn nur durch den ständig wiederkehrenden Ausschluss von narrativen Optionen an den Wendepunkten der Geschichte, erhält diese ihren Verlauf.
3. Fontanes Grete Minde
Dieses Kapitel beschäftigt sich ausschließlich mit dem Roman „Grete Minde". Eine kurze Zusammenfassung der Erzählung soll in diesen dritten Punkt einführen. Danach wird mit der Darstellung der Eskalationsstufen und der kritischen Wendepunkte in der Erzählung begonnen.
3.1 Darstellung des Inhalts von Grete Minde
Im Mittelpunkt der Erzählung „Grete Minde"[9] von Theodor Fontane steht ein junges Mädchen namens Grete. Diese lebt mit ihrem kranken Vater Jakob, ihrer alten Kinderfrau Regine, ihrem Halbruder Gerdt und dessen Frau Trud zusammen in einem Haus. Ihre Mut-ter, eine Frau aus Spanien, die dem alten Glauben angehörte, starb kurz nach ihrer Geburt. Grete ist mit dem Nachbarsjungen Valtin befreundet. Dieser wohnt mit seinem Vater, dem alten Herrn Nimpsch, und seiner Stiefmutter der Emrentz im Haus nebenan. Nach dem Tod ihres Vaters verschlechtert sich Gretes Verhältnis zu ihrem Halbbruder und dessen Frau stetig. Nach einem Streit beschließt sie mit Valtin von zu Hause wegzugehen und gemein-sam mit ihm ihr Glück in Lübeck zu finden. Drei Jahre später stirbt Valtin in dem Städt-chen Arendsee und hinterlässt Grete mit ihrem gemeinsamen Baby. Grete muss ihm auf seinem Sterbebett versprechen zu ihrem Elternhaus zurückzugehen und dort Gerdt und Trude um Verzeihung zu bitten. Grete verspricht dies auch dem Sterbenden und kehrt nach dessen Beerdigung zurück in ihren Heimatort Tangermünde. Doch anstatt dort wieder auf-genommen zu werden, wird sie von ihrem Bruder weggeschickt. Auch als sie vor den Rat tritt, wird ihr das rechtmäßiges Erbe vorenthalten. Von Sinnen und mit Hass erfüllt steckt Grete daraufhin die Stadt in Brand, holt sich ihren kleinen Stiefneffen und kommt mit ihm und ihrem Baby in den Flammen um. Halb Tangermünde brennt nieder.
3.2 Eskalationsstufen und kritische Wendepunkte
Unter diesem Unterpunkt sollen nun die Eskalationsstufen mit ihren kritischen Wende-punkten aufgezeigt werden. Hierfür wird die Erzählung den Wendepunkten entsprechend in fünf Abschnitte unterteilt. Durch Zitate soll die Brisanz der hier als Wendepunkte ange-führten Stellen für den Leser nachvollziehbar gemacht werden.
3.2.1 Der Tod Jakob Mindes
Fontanes Roman „Grete Minde" beginnt sehr idyllisch an einem Zaun zwischen zwei Gär-ten. Dort stehen Valtin und Grete und schäkern miteinander. Valtin zeigt Grete ein Vogel-nest und küsst sie zum Abschied. Dieses Szene wird von Trud, Gretes Schwägerin, nei-disch beobachtet. Das die beiden kein gutes Verhältnis haben, erfährt der Leser im dritten Kapitel. Bei einem Puppenspiel, welches Grete mit Valtin besucht, kommt es zu einem Feuer. Valtin kann Grete vor dem Feuer retten und die bewusstlose Grete wird auf einer Trage zum Mindschen Haus gebracht. Trud steht am Fenster und ist die erste, die sie ent-deckt. Fontane beschreibt ihre Gedanken so: „War sie tot? Es war oft ihr Wunsch gewesen; aber dieser Anblick erschütterte sie doch."[10]
Dieses Verhältnis verschlechtert sich im Laufe der Erzählung weiter. Es kommt zu einem erneuten Streit, nachdem Grete mit Valtin zu spät von einem Spaziergang nach Hau-se kommt. Trud wirft Grete die Armut ihrer Mutter vor. In Gedenken an den voraussehba-ren Tod ihres Vaters entgegnet Grete daraufhin:
Oh, ich hab euch zischeln hören. Und ich weiß alles, alles. Ihr wartet auf seinen Tod. Streitet nicht. Aber noch lebt er, und solang er lebt, wird er mich schützen. Und ist er tot, so schütz ich mich selbst.[11]
Grete glaubt diesen Streit gewonnen zu haben und sich vor Trud sicher. Tatsächlich kann sie einige ruhige Monate verleben, bis der erste große Wendepunkt der Geschichte eintritt.
Ende September stirbt Jakob Minde, Gretes Vater. An seinem Sterbelager bittet er Trud, sich um Grete zu kümmern. Er spricht zu ihr: „Laß die Waisen Gnade bei dir finden. Erinnere dich daran und handle danach. Versprich es mir und vergiß nicht diese Stun-de."[12] Doch Trud gibt ihm keine Antwort.
Nach seiner Beerdigung bleibt Grete allein am Grab ihres Vaters zurück. Immer wieder sieht sie Trud vor sich und ahnt, dass sich ihr Leben verändern wird. Ab diesem Zeitpunkt, steht sie nicht mehr unter dem Schutz ihres Vaters. Sie ist ihrer Stiefschwägerin, die ihr nie wohlgesonnen war, ausgeliefert. Dies wurde auch schon durch Truds vorher beschriebenes Verhalten angedeutet. Der Tod Jakob Mindes kann somit als erster Wendepunkt in Fonta-nes Erzählung bezeichnet werden und beendet den ersten Abschnitt.
3.2.2 Der Streit mit Trud
Schon nach Ostern stellen sich die ersten großen Veränderungen für Grete ein. Trud bringt einen Knaben zur Welt und es ist nun an Grete, sich um sein Wohlergehen zu kümmern. Ihr ganzes Leben richtet sich nur nach dem Jungen, dessen Geburt eine weitere Eskalati-onsstufe markiert.
Grete spricht mit Valtin oft über ihren Wunsch, das Zuhause zu verlassen und er willigt ein, ihr überallhin zu folgen und sie nie im Stich zu lassen. Durch diesen Zuspruch ermuntert, schöpft Grete erneut Kraft und entscheidet sich dafür, vorerst zu bleiben.
In Kapitel zwölf spitzt sich die Situation jedoch weiter zu. Trud nimmt die Einladung zu einem Festmahl an. Grete soll währenddessen auf ihren Sohn aufpassen. Ganz Tanger-münde strömt zu der Burg, um bei der Veranstaltung dabei sein zu können. Valtin will Grete dazu überreden, auch zu der Burg zu gehen. Diese lehnt anfangs noch ab, aber über-lässt schließlich Regine das schlafende Kind.
Als Grete im dreizehnten Kapitel dann nach ihrem Ausflug wieder nach Hause kehrt, be-merkt sie, dass Trud schon vor ihr angekommen ist. Trud hat sich in der Stube über das Kinderbett gebeugt, in welchem das Kind unter Krämpfen liegt. Sie gibt Grete die Schuld, falls das Kind an den Krämpfen sterben sollte und beleidigt ihre Mutter. Danach eskaliert die Situation.
Trud, ihrer Sinne nicht mehr mächtig, erhob ihre Hand und schlug nach ihr.
Grete war einen Schritt zurückgetreten ?...?. Dann, ohne zu wissen, was sie tat, griff sie nach dem ?...? Gürtel und schleuderte ihn der verhassten Schwieger ins Gesicht. ?...? Grete sah nun, dass die scharfen Ecken ?...? Truds Stirn oder Schläfe schwer verletzt haben mussten, denn ein Blutstreifen rann über ihre linke Wange.[13]
Dieser heftige Streit zwischen Grete und Trud markiert den zweiten Wendepunkt in Fonta-nes Erzählung. Denn ab hier ist Grete klar, dass sie nicht nur nicht mehr bleiben möchte, sondern auch nicht mehr bleiben kann. Sie hat ein Gespräch zwischen Gerdt und Trud an-gehört aus dem hervorgeht, dass Trud sie so schnell als irgend möglich los werden möchte. Eine Flucht scheint unausweichlich, zu der sie dann auch mit Valtin aufbricht.
3.2.3 Der Tod Valtins
Nach der Flucht erfolgt in der Erzählung ein großer Zeitsprung von drei Jahren. Der dritte große Wendepunkt deutet sich an. Valtin und Grete befinden sich in Arendsee. Er liegt sterbend auf einem Lager und sie sitzt neben ihm. Während sie ihn umsorgt und ihr ge-meinsames Kind wiegt, macht sie sich schwere Vorwürfe. Sie glaubt, ihn ins Unglück ge-stürzt zu haben. Valtin versucht sie zu beruhigen und wiegelt ab. Er ist sehr schwach und beide wissen, dass sie nur noch wenig gemeinsame Zeit haben. Grete ist verzweifelt und klammert sich an ihn. Sie sieht ohne ihn keinen Sinn mehr in der eigenen Existenz und in der ihres Kindes. Sie weiß nicht, wie ihr Leben ohne ihn weiter gehen soll, denn er war seit dem Tod ihres Vaters ihr ganzer Halt.
Ach, daß ich leben muß! Valtin, mein einzig Geliebter, nimm mich mit dir, mich und unser Kind. Was hier noch war, warst du. Nun gehst du. Und wir sind unnütz auf dieser Welt.[14]
Valtin appelliert an ihren Mut und ihre Stärke, die sie vor allem des Kindes wegen nutzen soll. Er bittet sie um ein Versprechen, welches sie ihm nach anfänglichem Sträuben schließlich auch gibt.
?...? versprich mir denn, ?...?, und zieh wieder heim und sage...und sage...dass ich schuld gewesen bin. ?...? Und wenn du das gesagt hast Grete, dann sag auch, du kämest, um wieder gutzumachen, was du getan, und sie sollten dich halten als ihre Magd. Und du wolltest kein Glück mehr, nein, nur Ruh und Rast. Und dann musst du niederknien, nicht vor ihr, aber vor deinem Bruder Gerdt. Und er wird dich aufrichten...[15]
Grete glaubt jedoch nicht daran, dass ihr Bruder sie wieder aufnehmen wird. Sie fürchtet, dass er sie von seiner Schwelle weisen und sie und das Kind beschimpfen wird. Doch auch hierfür findet Valtin eine Lösung. „Aber wenn er härter ist, als ich ihn schätze, dann geh ihn an um dein Erbe, das wird er dir nicht weigern können."[16]
Valtin weiß sehr wohl um das trotzige Gemüt von Grete. Deshalb beschwört er sie, sich um des Wohl des Kindes Willen zu beherrschen und nicht falsch und überstürzt zu handeln. Hierauf willigt sie ein. Kurz nach dem Gespräch verstirbt Valtin.
Dieser Tod Valtins markiert einen weiteren bedeutenden Wendepunkt in Fontanes Werk, denn Valtin war derjenige, der Grete immer wieder Mut und Kraft zusprechen konnte. Val-tin war auf eine Art und Weise ihr besonnener Gegenpart, der es verstand sie zu besänfti-gen. Sie wusste, dass sie sich immer auf ihn verlassen kann. Nach dem Tod ihres Vaters, war er ihre ganze Stütze. So spricht sie denn auch einmal zu ihm: „Ja, dich hab ich. Und ohne dich wär` ich schon tot."[17] Durch seinen Tod steht sie nun alleine mit dem ge-meinsamen Kind da.
Nachdem der Prediger in Arendsee die Bestattung Valtins in geweihter Erde abgelehnt hat, ersucht Grete die Hilfe der Nonnen von Arendsee. Diese wird ihr auch gewährt und Valtin bekommt ein angemessenes Begräbnis auf dem Klosterfriedhof. Die alte Nonne Domina bietet Grete darüber hinaus ihre Hilfe an und stellt ihr eine Freistatt in Aussicht. Jedoch ermutigt sie Grete in ihrem Vorhaben, in Tangermünde um Verzeihung zu bitten.
Auch durch die alte Domina erhalten wir einen Ausblick darauf, dass Gretes Vorhaben wahrscheinlich weiter eskaliert. Sie erkennt das Gemüt Gretes und warnt sie deshalb ein-dringlich: „Halt an dich, auch wenn es fehlschlägt, und wisse, dass du hier eine Freistatt hast."[18] Doch insgeheim weiß sie: „Wir sehen sie nicht wieder.?...?Ich sah den Tod auf ihrer Stirn. Und hab acht, Ilse, sie lebt keinen dritten Tag mehr!"[19]
3.2.4 Grete bei Gerdt
Im Kapitel 17 hat sich Grete mit ihrem Kind auf den Weg nach Tangermünde gemacht. Auf dieser Heimreise muss sie immer wieder an ihr bevorstehendes Gespräch mit Gerdt denken. Sie ist fest entschlossen, um Verzeihung zu bitten und sich als die Magd ihres Bruders und dessen Frau zu betätigen. Bei dem Gedanken an Ablehnung meldet sich je-doch sofort ihr trotziges Gemüt und lässt es ihr ganz anders werden.
Ja, ich will um einem Platz an seinem Herde bitten, und will seine Magd sein, und will mich vor ihm niederwerfen. Aber wenn ich mich niedergeworfen habe, so soll er mich auch wieder aufrichten. Weh ihm und mir, wenn er mich am Boden liegen lässt.[20]
Dem Leser wird hier angedeutet, dass eine Ablehnung durch Gerdt sehr folgenreich sein wird.
Im nächsten Kapitel sucht sie ihren Bruder in dessen Haus auf. Dieser Besuch markiert den vierten Wendepunkt. Sie hat sich die besten Vorsätze gefasst und will sich zum Wohle ihres Kindes ihrem Bruder unterwerfen. Nach einem kühlen Empfang erzählt sie vom Tod Valtins und löst das Versprechen ein, welches sie ihm am Sterbelager gegeben hatte. Ans-tatt sie versöhnlich wieder aufzunehmen reagiert Gerdt jedoch sehr abweisend und richtet folgende Worte an sie:
?...? du bist nicht bußfertig geworden. Ich kenne dich besser, dich und deinen stolzen Sinn. Und in deiner Stimme klingt nichts von Demut. Aber auch wenn du Demut gelernt hättest, unsere Schwester kann nicht unsere Magd sein. ?...?.[21]
Daraufhin bittet Grete ihn, wenigstens das Kind aufzunehmen oder dafür zu sorgen, dass es in gute Hände kommt. Vor Gerdt kniend fleht sie ihn für das Wohl ihres Kindes an. Wissend, dass es hier nicht in Glück und mit Liebe aufwachsen kann. Doch Gerdt reagiert mitleidslos und gleichgültig. Anstatt Grete zu helfen, verhöhnt er das Kind. Er lehnt es ab, ihm Vater oder Unterstützer zu sein. Dieses Verhalten erfüllt Grete mit großem Hass. Doch sie beherrscht sich und wendet sich noch einmal an Gerdt, wissend, dass ihr noch etwas zusteht.
Es ist gut so, Gerdt. Aber noch ein Wort. Du hast mich nicht erhören wollen, in meiner Not, so höre mich denn in meinem Recht. Ich bin als eine Bittende gekommen, nicht als Bettlerin. Denn ich bin keine Bettlerin. ?...? Und so will ich dann meine Erbe. Hörst du Gerdt, mein Erbe.[22]
Daraufhin bricht Gerdt in Gelächter aus und entgegnet ihr nur, dass sie kein Erbe habe, da ihre Mutter eine arme Frau gewesen sei. Doch auch jetzt bleibt Grete noch ruhig. Sie ver-abschiedet sich mit den Worten „So gehab dich wohl, und dein Lohn sei wie dein Erbar-men"[23] und geht in die Stadt zurück.
Am Ende des gleichen Kapitels erfährt der Leser von einem Gespräch zwischen Trud und ihrem Mann Gerdt. In diesem weist Trud Gerdt darauf hin, dass Grete ein beträchtliches Vermögen hat, welches ihre Mutter mitgebracht hatte.
Aber als die Span`sche, Gott sei`s geklagt, in unser Haus kam, da hatte sich`s verdop-pelt, und aus eins war zwei geworden. Und so du`s anders sagst, so lügst du. Sie hat ein Erbe.[24]
Nachdem Grete das Haus verlassen hat spürt sie im neunzehnten Kapitel wie sehr der Hass an ihr nagt und wie stark ihr Verlangen nach Rache ist. Vor ihren Augen sieht sie immer wieder Gerdt vor sich, „und auf seinen Schultern stand ein rotes Männlein mit einem roten Hut und einer roten vielgezackten Fahne, das wollt` er abschütteln; aber er konnt es nicht."[25]
3.2.5 Grete vor dem Rat
Grete beschließt währenddessen ihre letzte Möglichkeit wahr zu nehmen und ihr Anliegen dem Rat vorzutragen. Diesem will sie ihr Recht anvertrauen.
?...? mein Recht will ich, mein Recht gegen ihn, der sich und seiner Seelen Seligkeit dem Teufel verschrieben hat. Denn der Geiz ist der Teufel.[26]
Mit neuem Mut und frisch gestärkt spricht sie am nächsten Morgen dem Rat vor. Gerdt, der ein Ratsmitglied ist, ist anzusehen, dass er mit dieser Begegnung nicht gerechnet hat. Als er dann von dem Vorsitzenden Peter Guntz zum Sachverhalt befragt wird, legt er ein falsches Zeugnis ab. Aus Habgier erklärt er an Eides statt, dass Grete die Tochter einer armen Frau ist, die ohne Mitgift ins Mindsche Haus kam. Daraufhin lehnt der Rat die Kla-ge Gretes nach Tangermündschen Recht ab. Peter Guntz fragt jedoch Gerdt, ob er nicht aus christlicher Barmherzigkeit von seinem Recht ablassen will, um seiner Schwester zu helfen. Hierauf hat Gerdt nur die eine Antwort:
?...? nicht meine Schwester.?...?. Kein falsch Erbarmen, liebe Herren. Wie wir uns betten, so liegen wir.[27]
Nachdem Grete dies vernommen hat, hebt sie ihr Kind in die Höhe und sagt ruhig mit ton-loser Stimme den Spruch auf, der ans Rathaus geschrieben ist.
Verlaß dich nicht auf dein Gewalt,
Dein Leben ist hier bald gezahlt,
Wie du zuvor hast `richtet mich,
Also wird Gott auch richten dich-[28]
Danach verlässt sie den Sitzungssaal und lässt den Rat und Gerdt zurück.
An dieser Stelle sitzt der fünfte Wendepunkt der Erzählung. Als ihr von Gerdt die Aufnahme verweigert wird, kann sie sich trotz der Demütigungen noch beherrschen. Selbst als er ihr in seinem Haus das Erbe verweigert hält sie an sich und versucht ruhig zu bleiben. Ihre letzte Hoffnung auf Gerechtigkeit wird ihr durch die Falschaussage Gerdts zunichte gemacht. Nun, hat Grete keinerlei Hoffnung mehr. Der Plan Valtins, der ihr noch zu Beginn Hoffnung und die Kraft gegeben hatte ihr trotziges Gemüt zu unterdrücken, ist fehlgeschlagen. Nun hat sie nichts mehr zu verlieren und ihr Bedürfnis nach Vergeltung lässt sich nicht mehr unterdrücken. „Sie war keine Bettlerin mehr, auch keine Bittende; nein; ihr gehörte diese Stadt, ihr."[29]
Grete entfacht in einer alten Scheune ein Feuer, das sich schnell in der ganzen Stadt aus-breitet. Mit ihrem Stiefneffen und ihrem Kind kommt sie mit vielen anderen Bewohnern vor Gerdts Augen in den Flammen um.
Fontanes Werk endet mit einer Szene bei den Nonnen von Arendsee, die gerade die Nach-richt vom zerstörten Tangermünde und Gretes Tod erfahren haben.
4. Anwendung von Bremonds Modell
Nach Bremonds Auffassung besitzt jeder Autor spätestens an den Wendepunkten einer Erzählung eine Vielzahl an Möglichkeiten, den Lauf der Geschichte zu bestimmen. Auf die erzählerischen Alternativen, die Fontane in seinem Werk Grete Minde hatte, soll hier ein-gegangen werden. Es soll die Frage untersucht werden, an welchen Stellen der Erzähler die Möglichkeit hatte, die Eskalation zu vermeiden. Ein dieser Arbeit anhängendes Schaubild wird die hier festgehaltenen Überlegungen veranschaulichen.
Die Analyse startet mit dem ersten großen Wendepunkt: dem Tod Jakob Mindes. In den Textseiten zuvor wurde immer wieder angedeutet, dass Gretes Vater an einem Zehrfieber leidet. Doch ist damit sein Tod nicht zwangsläufig. Fontane hätte auch die Möglichkeit gehabt, sein Leben nicht zu beenden. Durch das Weiterleben des alten Mindes hätte die Geschichte dann auch einen anderen Lauf bekommen. So hätte Trud sich wohl nicht ge-traut, Grete so schlecht zu behandeln und sie als Kinderfrau zu benutzen. Eine Verschär-fung des Verhältnisses zwischen Trud und Grete hätte in dem Maße vielleicht auch nicht statt gefunden. Aber die realisierte Version sieht vor, dass Jakob Minde stirbt. Auf seinem Totenbett bittet er Trud, dass sie sich Grete annehmen soll.
Lass die Waisen Gnade bei dir finden. Erinnere dich daran und handle danach. Ver-sprich es mir und vergiß nicht diese Stunde.[30]
Doch Minde stirbt, ohne dass Trud ihm ihr Versprechen gibt. Hätte sie ihm das Verspre-chen gegeben und gehalten, könnte man annehmen, dass die nachfolgende Eskalation, ver-ursacht durch Gretes Behandlung durch Trud, hätte vermieden werden können.
Nach dem Tod ihres Vaters ändert sich für Grete zunächst nichts. Eine Veränderung ihrer Situation tritt erst mit der Geburt ihres Stiefneffens ein. Diese Geburt markiert eine wichti-ge Stelle auf der Eskalationsleiter, denn ab diesem Augenblick wird Grete nur noch als Kindermädchen angesehen. Sie muss das Kind umsorgen, auf es aufpassen, wenn alle an-deren weggehen und zählt selbst nichts mehr. Die andere Erzähloption, die hier möglich gewesen wäre, wäre die, dass sich Gretes Situation durch die Aufgabe als Kindermädchen bessert. Sie hätte auch Anerkennung erlangen und Trud durch ihre tatkräftige Unterstüt-zung besänftigen können. Diese Option erscheint allerdings als eher unwahrscheinlich, wenn man das Verhältnis der beiden Frauen schon zu Beginn betrachtet. Natürlich hätte sich Fontane auch ganz gegen die Einführung dieses Nachwuchses entscheiden können.
Diese Behandlung Gretes führt dann zum zweiten Wendepunkt. Nachdem sie sich ohne Erlaubnis von dem Kind entfernt hat und dieses schwere Krämpfe bekommt, bricht ein heftiger Streit aus. In Folge dessen verletzt Grete die Schwägerin mit dem Gürtel und ver-lässt das Haus. Fontane entscheidet sich dafür, Grete fliehen zu lassen, baut jedoch noch eine andere mögliche Alternative für den weiteren Verlauf der Geschichte ein. Nachdem sich Grete mit Valtin im Garten getroffen und dort die Flucht geplant hat, belauscht sie Gerdt und Trude bei einem Gespräch.
Sie muß aus dem Haus, sagte Trud, ich mag die Hexe nicht länger um mich haben. ?...?. Ich hab an die Nonnen von Arendsee gedacht ?...?.[31]
Fontane hat sich also gegen die Variante entschieden, Grete zu den Nonnen nach Arendsee zu schicken. Auch diese Option hätte realisiert werden können. Als primitivste, aber auf-grund allem, was vorangegangen ist, unrealistischste Möglichkeit wäre vielleicht auch noch eine Aussprache zwischen Grete und Trud in Frage gekommen. Anzunehmen ist, dass Valtins späterer Tod durch eine Vermeidung der Flucht vielleicht hätte vermieden werden können. Diese Flucht hätte natürlich auch misslingen können. Zum einen könnte man als weitere Option in Betracht ziehen, dass die beiden eingeholt werden. Dies ist allerdings eher unwahrscheinlich, da Trud die verhasste Schwägerin ohnehin los haben wollte. Zum anderen hätte den beiden Flüchtenden auf dieser Flucht auch etwas zustoßen können. Fontane realisierte eine gelungene Flucht.
Der Flucht mit Valtin schließt sich drei Jahre später dessen Tod an. Dies ist ein weiterer schwerer Unglücksschlag für Grete. Nach dem Tod ihres Vaters war Valtin neben Regine ihr einziger Bezugspunkt. Er war in den letzten Jahren nicht nur ihr Begleiter und Geliebter, sondern ist auch der Vater ihres Kindes. Dieser weitere Wendepunkt eröffnete Fontane wiederum einige Möglichkeiten für den weiteren Verlauf seines Romans. Valtin nimmt Grete das Versprechen ab, zu ihrem Bruder zurückzukehren und diesen um Verzeihung und eine Stelle als Magd zu bitten. Falls dieser ablehnt soll sie ihn um ihr Erbe angehen. Valtin glaubt, dass dies der richtige Weg ist. Entgegen ihrer Überzeugung gibt sie Valtin das Versprechen, obwohl sie es insgeheim besser weiß.
Aber ich kenn ihn besser. Er wird mir drohn und mich von seiner Schwelle weisen, mich und das Kind, und wird uns böse Namen geben.[32]
So macht sie sich nach Valtins Tod auf den Weg nach Tangermünde. Sie hätte auch ihrem Gefühl trauen und zum Beispiel bei den Spielleuten bleiben können. Doch Valtin ist gegen dieses fahrende Leben und da sie ihn liebt und ihm vertraut, ist es folgerichtig, dass sie seinen Wunsch akzeptiert. Natürlich hätte sie auch versuchen können, sich weit entfernt von Tangermünde niederzulassen. Naheliegender wäre jedoch gewesen, wenn Grete die Freistatt der Nonnen, die sie aufgrund der Beerdigung kennen lernt, annehmen würde. Doch Fontane schickt seine Protagonistin auf einen anderen Weg, zurück an den Ort, an dem ihre Reise begann.
In Tangermünde angekommen sucht sie Gerdt auf. Sie fällt vor ihm auf die Knie, demütig, so, wie sie es Valtin versprochen hat. Sie bittet um Verzeihung und darum, dass er sie und das Kind aufnehmen möge. Doch Gerdt lehnt dies ab. Er will weder nur das Kind aufneh-men, noch dafür sorgen, dass es in gute Hände gerät. Grete empfindet in diesem Augen-blick unglaublich viel Hass, doch in Gedenken an Valtin hält sie weiter an sich. Als er sie jedoch auch noch verhöhnt, als sie ihn um ihr Erbe angeht, verlässt sie das Haus. Auch in diesem Fall hatte der Autor wieder unterschiedliche Optionen. Er hätte Gerdt beide auf-nehmen lassen und sie als seine Magd halten können. Denkbar wäre auch gewesen, dass sich Gerdt nur des Kindes annimmt und entweder bei sich, oder bei Bekannten aufwachsen lässt. Die für Grete angenehmste Möglichkeit, die in eine ganz andere Richtung geht, wur-de von Fontane auch nicht realisiert. Gerdt hätte Grete ihr Erbe überlassen können, damit sich diese irgendwo niederlässt. Zudem hat sie ja auch immer noch die Freistatt bei den Nonnen von Arendsee.
Nachdem Grete bei Gerdt kein Gehör findet verlässt sie das Haus. Während sie in ihrem Irrsinn vor sich hinredet, erkennt sie ihre letzte Chance. Sie trägt am Morgen darauf dem Rat ihren Kummer vor. Da Gerdt vor diesem jedoch eine Falschaussage macht, wird Gretes Klage abgewiesen. Zornig verlässt sie daraufhin den Gerichtssaal um Rache zu nehmen. Drei andere Handlungszweige sind hier offensichtlich. Zum einen hätte der Rat ihr Glauben schenken können. Da ihr Bruder Gerdt jedoch Ratsmitglied ist, war es von An-fang an wahrscheinlicher, dass das Gericht seiner Aussage mehr Glauben schenkt. Auf-grund des Gesprächs, dass er am Abend zuvor noch mit Trud geführt hatte, könnte auch ein Umdenken in ihm statt gefunden haben. Er hätte vor dem Rat auch die Wahrheit sagen können. Doch das tut er nicht. Der Vorsitzende appelliert noch an Gerdt, von seinem Recht abzulassen und Fontane eröffnet sich somit selbst eine erneute Anschlussmöglichkeit. Doch Fontane entscheidet sich für einen unbarmherzigen Gerdt, der Grete nicht als Schwester anerkennt. Alle Möglichkeiten Gretes an ihr Erbe zu kommen sind nun verloren. Der Plan Valtins ist gescheitert. Sie hat keinen klaren Kopf mehr, musste zuviel ertragen. Sie verlässt den Raum mit dem einen Gedanken: Rache. Und diese nimmt sie sich denn auch. Das sie auch zu diesem Augenblick noch die Freistatt bei den Nonnen in Arendsee hat, wird hier nicht mehr in Betracht gezogen.
5. Fazit
Diese Arbeit hatte sich zum Ziel gesetzt, Bremonds Modell der Verzweigung an Fontanes Roman „Grete Minde" anzuwenden. Es sollte gezeigt werden, dass Theodor Fontane die Geschichte nicht zwangsläufig so schreiben musste, wie er es tat. Für den Leser mag dies auf den ersten Blick so scheinen. Beim näheren Hinsehen und nach dem Lesen dieser Ar-beit wird der Leser allerdings feststellen, dass mehr Handlungsoptionen bestehen, als zu-nächst angenommen. Einige von ihnen stehen sogar im Text. So hätte Fontane Grete nach dem Streit mit Trud auch zu den Nonnen von Arendsee, bei denen sie später auch eintrifft, schicken können. Eine Flucht wäre ausgeblieben und Valtin am Ende des Romans viel-leicht noch am Leben. Denn der Verlust Valtins und das Fehlschlagen seines Plans treiben Grete schließlich zum Äußersten. Fontane schuf sein Werk in dieser Form also nur durch die ständige Reduktion von anderen Möglichkeiten, die letztendlich nicht verwirklicht wurden. So steht jeder realisierten Möglichkeit eine Nicht-realisierte gegenüber. Daraus kann sich dann zum Beispiel ein, wie dieser Arbeit anhängendes, Verzweigungsmodell ergeben. Dieses Modell erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Denn für jede dieser nicht-realisierten Optionen gibt es eine Vielzahl an Anschlussoptionen. Ein solches Verzweigungsmodell kann sich beinahe unermesslich ausdehnen.
In seinem Roman betont Fontane immer wieder Gretes trotziges Gemüt. Dennoch ist es beeindruckend und auch erschreckend, wie weit äußere Umstände und das Verhalten der Mitmenschen einen Menschen treiben können. Die Darstellung dieser Eskalationsstufen hatte sich diese Arbeit zur Aufgabe gemacht.
Literaturverzeichnis:
- Bauer, Matthias: Romantheorie. Stuttgart/Weimar: Metzler Verlag 1997
- Bremond, Claude: The Logic of Narrative Possibilities. In: New Literary History 11 (1970), S. 387-411
- Bremond, Claude: Die Erzählnachricht. In: Literaturwissenschaft und Linguistik, Band 3, hrsg. von Jens Ihwe. Frankfurt am Main 1972, S. 177-217
- Fontane, Theodor: Grete Minde. Stuttgart: Reclam Verlag 2000 (Band 7603)
Fußnoten:
[1] Bremond, Claude: Die Erzählnachricht. In: Literaturwissenschaft und Linguistik, Band 3, hrsg. von Jens Ihwe. Frankfurt am Main 1972, S. 183
[2] Bauer, Matthias: Romantheorie. Stuttgart/Weimar: Metzler Verlag 1997, S. 173
[3] Bremond 1972, S.197
[4] Bremond 1972, S.197
[5] Bremond, Claude: The Logic of Narrative Possibilities. In: New Literary History 11 (1970), S. 387f; vgl. Bauer 1997, S.173f
[6] Bremond 1972, S.202
[7] Bremond 1972, S.198
[8] Bremond 1972, S.190
[9] Fontane, Theodor: Grete Minde. Stuttgart: Reclam Verlag 2000 (Band 7603)
[10] Fontane 2000, S.19
[11] Fontane 2000, S.35
[12] Fontane 2000, S.36
[13] Fontane 2000, S.62
[14] Fontane 2000, S.80
[15] Fontane 2000, S.80f
[16] Fontane 2000, S.81
[17] Fontane 2000, S.45
[18] Fontane 2000, S.88
[19] Fontane 2000, S.92
[20] Fontane 2000, S.94
[21] Fontane 2000, S.95
[22] Fontane 2000, S.95f
[23] Fontane 2000, S.96
[24] Fontane 2000, S.97
[25] Fontane 2000, S.97f
[26] Fontane 2000, S.98
[27] Fontane 2000, S.102
[28] Fontane 2000, S.102
[29] Fontane 2000, S.103
[30] Fontane 2000, S.36
[31] Fontane 2000, S.63
[32] Fontane 2000, S.81
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