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Spracherwerb und Zweitspracherwerb
Datum: 01. Januar 2011 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Anschließend wird auf den Zweitspracherwerb eingegangen und die verschiedenen Hypothesen des Zweitspracherwerbs vorgestellt.
Beschreibung:
Eine Hausarbeit zu dem Thema "Erstspracherwerb und Zweitspracherwerb". Relevante Theorien werden vorgestellt. Diese Arbeit geht zunächst auf den Spracherwerb ein und zeigt auch auf, welche Hypothesen bezüglich des Erstspracherwerbs aufgestellt wurden.

Spracherwerb und Zweitspracherwerb
Spracherwerb und Zweitspracherwerb
1. Einleitung
Es sind unter anderem das Sprachvermögen und Kommunikationsvermögen, die Menschen von anderen Lebewesen unterscheiden. Sprache ist ein lebenswichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Sie hilft uns bei der Kommunikation mit anderen Menschen, aber auch unsere Gefühle, Gedanken und Wünsche zu äußern und mitzuteilen.
„Sprache ist ein unerlässliches Werkzeug nicht nur für unsere Kommunikation, sondern auch für unser Denken, und bei Kindern für ihre intellektuelle Entwicklung," (Szagun 2007: 14)
Die Sprachkompetenz wird hauptsächlich in den ersten Lebensjahren erworben. Kleinkinder lernen in dieser Zeit eine Sprache innerhalb weniger Jahre. Bei mehrsprachigen Kindern sind es sogar zwei oder mehr Sprachen, die sie dann nahezu fehlerfrei und vollständig beherrschen. In dieser Arbeit möchte ich daher zunächst auf den Spracherwerb eingehen und auch aufzeigen, welche Hypothesen bezüglich des Erstspracherwerbs aufgestellt wurden. Anschließend möchte ich auf den Zweitspracherwerb eingehen und die verschiedenen Hypothesen des Zweitspracherwerbs vorstellen. Wenn es um Sprache und Erwerb geht, fallen viele Begriffe: so wie Muttersprache, Erstsprache, Hauptsprache, Grundsprache, Zielsprache, Fremdsprache und Zielsprache. Ohne diese Begriffe als stilistische Variante zu benutzen werde ich mich auf die grundsätzlichen Begriffe Erstsprache und Zweitsprache beschränken. Dabei werde ich einen Versuch von einer Begriffsbestimmung bezüglich der fälschlicherweise synonym verwendeten Begriffspaare Muttersprache-Erstsprache und Zweitsprache-Fremdsprache vornehmen.
2. Spracherwerb
Spracherwerb wird der Vorgang genannt, in dem die Babys ohne es zu bemerken die Sprache, die in ihrer Umgebung, vor Allem aber die Sprache, die mit ihnen gesprochen wird, lernen. Damit der Spracherwerb stattfindet, müssen die Babys vorher die Kommunikation lernen. Dies beginnt mit der Geburt.
Der Spracherwerb dauert bis zur mittleren Kindheit in intensiver Form an und danach in verlangsamter Form bis zur Pubertät. Die Phase bis zur mittleren Kindheit, wird als die wichtigste Phase des Spracherwerbs angesehen und deswegen sensible Phase genannt. Jedoch ist es nicht möglich eine konkrete Altersgrenze für die sensible Phase zu ziehen. Sensible Phase meint eine Zeitspanne, in der Kinder eine erhöhte Sensibilität für das Erlernen der Sprache haben und diese sehr schnell lernen. Kinder die nach dieser Phase mit Sprache in Kontakt kommen, sind weniger sensibel für den Spracherwerb. (vgl. Szagun 2007: 118 ff)
Diese Sprachentwicklung in den ersten Lebensjahren ist von anderen Formen des Spracherwerbs, wie z. B. Spracherwerb durch Sprachunterricht, auszugrenzen. Der erste Spracherwerb des Kindes, auch Erstspracherwerb genannt, ist ein ungesteuerter oder natürlicher Spracherwerb, da er „nicht durch Sprachunterricht gelenkt" (Kniffka/Siebert-Ott 2007: 29) wird. Im Gegensatz zum ungesteuerten Spracherwerb steht der gesteuerte Spracherwerb. Dieser meint den traditionellen Sprachunterricht, in der die zu erlernende Sprache durch einen Lehrer vermittelt und somit gesteuert wird, also „die sprachlichen Aneignungsprozesse durch Unterricht gelenkt werden" (Kniffka/Siebert-Ott 2007: 28 f). Man macht auch die Unterscheidung zwischen „Lernen" und „Erwerben". Demnach spricht man von Lernen, wenn der gesteuerte Spracherwerb gemeint ist und Erwerben, wenn der ungesteuerte Spracherwerb gemeint ist. (vgl. Kniffka/Siebert-Ott 2007: 28)
2.1. Muttersprache oder Erstsprache?
Oft wird bzw. wurde auch der Begriff Muttersprache synonym zur Erstsprache gebraucht. Jedoch ist diese Begrifflichkeit weitgehend überholt, denn der Gebrauch der Bezeichnung Muttersprache kann zu Missverständnissen führen.
„Formal betrachtet ist die „Muttersprache" die Sprache, die die Mutter spricht und die das Kind folglich als erste lernt. (...) Verbindet man mit Muttersprache jedoch die Sprache, in der sich ein Mensch am besten auszudrücken vermag, in der er sich zu Hause fühlt" (Apeltauer 2007: 11),
kann es auch eine andere Sprache sein als die, die die Mutter spricht. Um solche Missverständnisse zu vermeiden, werde ich mich in meiner Arbeit auf den Ausdruck Erstsprache festlegen. Die Erstsprache ist also die erste Sprache eines Kindes, die es im natürlichem bzw. ungesteuertem Prozess des Erstspracherwerbs erworben hat.
„Jedes Kind, das unter normalen Bedingungen aufwächst, eignet sich im Verlaufe weniger Jahre die Sprache seiner Umgebung an. Man sagt auch: Es erwirbt eine erste Sprache." (Apeltauer 2007: 10)
2.2. Spracherwerbstheorien
Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Versuchen, Fragen bezüglich sprachlicher Aneignungsprozesse zu beantworten. Jedoch weißt auch der heutige Stand der Forschung keine allgemeingültige Lerntheorie auf. So existieren mittlerweile konkurrierende Theorien, die Erklärungsmodelle für den Spracherwerb liefern. Im Folgenden sollen diese Theorien des Spracherwerbs vorgestellt werden.
2.2.1. Behavioristischer Ansatz
Die älteste und verbreiteteste Meinung über den Spracherwerb des Kindes ist, dass Spracherwerb durch Imitation erfolgt. Demnach hört das Kind die Sprache, die in seiner Umgebung gesprochen wird und imitiert das Gesprochene. (vgl. Huneke/Steinig 2005: 24) Auf diese Weise erwirbt es die Sprache, d. h. dass es nach einer bestimmten Zeit anfängt auf die gleiche Weise zu sprechen. Repräsentativ für den Behaviorismus war es Skinner, der dazu beitrug, dass sich diese Meinung im 20. Jahrhundert verbreitete.
„Obwohl der behavioristische Erklärungsansatz in der Spracherwerbsforschung inzwischen überholt gilt, wird im Alltagsverständnis die kindliche Nachahmungsfähigkeit häufig noch als Hauptantriebskraft für die Sprachentwicklung angesehen." (Kniffka/Siebert-Ott 2007: 32)
2.2.2. Kognitiver Ansatz
Der kognitive oder kognitivistische Ansatz geht zurück auf Piaget. Dieser Ansatz geht davon aus, dass Kinder in bestimmten Phasen bestimmte kognitive Entwicklungen zeigen und sie die Sprache auch in diesem allgemeinen kognitiven Entwicklungsprozess erwerben. Beim kognitiven Ansatz zum Spracherwerb vollzieht sich die in vier Phasen geteilte „sprachliche Entwicklung des Kindes in Abhängigkeit von seiner geistigen Entwicklung" (Kniffka/Siebert-Ott 2007: 32).
2.2.3. Interaktionistischer Ansatz
Einem anderen Ansatz zu Folge entwickelt sich der Spracherwerb in Kontext der Wechselwirkung zwischen Menschen. Wie der Name Interaktion schon deutlich macht, verwirklicht sich die Sprachentwicklung durch soziale Interaktion. Dabei wird die Rolle wichtiger Personen in Umfeld des Kindes betont. Gesprächspartner des Kindes leisten Hilfe bei der sprachlichen Entwicklung. (vgl. Kniffka/Siebert-Ott 2007: 33 f)
Dieser Ansatz ist gegensätzlich zum kognitiven Ansatz. Wenn man die Vorstellung Piagets zu Grunde nimmt, entwickelt sich der Spracherwerb des Kindes unabhängig von Außeneinflüssen und richtet sich nur nach dem Alter des Kindes, also so wie das Kind wächst, entwickelt sich auch der Spracherwerb auf natürliche Weise. Im interaktionistischen Ansatz hingegen wird bei der sprachlichen Entwicklung die Rolle der Interaktion mit der Umwelt betont.
2.2.4. Nativistischer Ansatz
Nativistische Erklärungsansätze sind auf Chomsky zurückzuführen. Nach Chomsky kommt jedes Kind mit einem zum Spracherwerb programmiertem Gehirn zur Welt.
„Jedes normale Kind, so Chomsky, bildet in erstaunlich kurzer Zeit aufgrund oft sehr unzureichender Daten eine perfekte Grammatik seiner Muttersprache aus."(Klein 1992: 18)
Geht man vom Nativismus aus, dann haben alle Menschen bereits bei der Geburt eine so genannte Universalgrammatik im Gehirn.
„Nun kann freilich nur angeboren sein, was allen Sprachen gemeinsam ist, denn nach allem, was wir wissen, kann jedes Neugeborene jede beliebige Sprache lernen: Auch dem Schlitzäugigen sind nich die Besonderheiten des Chinesischen angeboren." (Klein 1992: 19)
Diese Universalgrammatik beinhaltet die gemeinsamen allgemeinen Sprachprinzipien aller natürlichen Sprachen der Welt. Das kleine Kind hört in seiner Umwelt beispielhaften Sprachgebrauch der allgemeinen Prinzipien (Parameter). Auf diesem Weg produziert dann das Kind in seinem Gehirn die Grammatik seiner Sprache, indem es die Sprachprinzipien, die sich seit der Geburt im Gehirn des Kindes befinden, nach der Vorlage der Parameter benutzt.
Wie man sieht, kann man den Erstspracherwerb des Kindes nicht, wie die Nativisten oder Behavioristen behaupten, damit erklären, dass er nur durch Imitation erfolge. Es ist viel mehr die Tatsache, dass jedes Kleinkind in der Lage ist, Regeln zu bilden. Natürlich findet auch die Nachahmung seinen Platz in der kindlichen Sprachentwicklung. Kinder imitieren nicht nur die Bewegungen der Erwachsenen, sondern auch ihre Stimme und Wörter, die sie benutzen. Jedoch beruht der Spracherwerb nicht nur auf Imitation. Andernfalls müssten Kinder nur das von den Erwachsenen Gehörte sagen und nur richtig gebaute Sätze bilden können. Jedoch machen alle Kinder ihre eigenen Fehler, können noch nie gehörte Sätze und sprachliche Formen bilden. Kinder müssen auch Fehler machen, denn sie bilden die Regeln der Sprache, wenn sie Fehler machen. Nach einer bestimmten Zeit sehen sie selber ihre Fehler, berichtigen sie und vergessen auch sofort die falsche Form. Solange Erwachsene sich nicht erinnern, kann sich keiner an die Fehler erinnern, die er/sie als Kind gemacht hat.
3. Zweitsprachigkeit
Meine bisherigen Ausführungen zum Spracherwerb beziehen sich auf Kinder, die nur in einer Sprache Inputs erhalten, d. h. dass mit ihnen nur in einer Sprache gesprochen wird. Auch wenn ich diese Annahme nicht explizit geäußert habe, bin ich davon ausgegangen.
Jedoch wachsen eine ganze Anzahl von Kindern mit mehr als einer Sprache auf. Auf diesem Weg erwerben Kinder zwei sogar drei oder mehr Sprachen. Früher glaubte man, dass ein Mensch nur mit einer Sprache die Welt kennen lernt, in einer Sprache denkt und fühlt. Gegenwärtig ist diese Auffassung überholt. Heute wissen wir, dass ein Mensch bilingual sein kann. Jedoch reicht es nicht aus einen Menschen, der für zwei oder mehr Sprachen einen (ungefähr) gleichwertigen Sprachstand erlangt hat, bilingual oder trilingual zu nennen. Man muss Differenzierungen in Bezug auf die Form bzw. den Typ der Zweisprachigkeit machen. Im Folgenden sollen hinsichtlich der Frage nach Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit die wichtigsten Typen bzw. Formen aufgeführt werden.
Bausch unterscheidet zunächst zwei Gruppierungen hinsichtlich der Zwei- bzw. Mehrsprachigkeitsformen.
„In einer ersten Gruppierung sind die Typen zusammengefasst, mit denen sich Zwei- und Mehrsprachigkeitsformen von dem Leitkriterium der sog. Globalen Sprachfertigkeit (im Sinne eines jeweils konkret erreichten Sprachstandes) her ausdifferenzieren lassen; dabei gilt, das sich diese Typen unter den Bedingungen sowohl von Fremdspracherwerbs- als auch von -lernkontexten entwickeln können." (Bausch/Christ/Krumm 2007: 440)
Unter diesen Sprachfähigkeitsformen fasst Bausch fünf Formen zusammen. Diese sind minimale, maximale, ausgewogene oder symmetrische, dominante oder asymmetrische Zwei- und Mehrsprachigkeitsformen und Semilingualismusformen. (vgl. Bausch/Christ/Krumm 2007: 440 f)
„In einer zweiten Gruppierung werden Typen zusammengefasst, die sich, je nach soziokulturellem Kontext, sowohl auf Erwerbssituationen als auch auf Fremdsprachenlernkontexte beziehen können, freilich auch auf wechselseitig funktionierende Mischkontexte; dabei gilt, das der Leitbegriff der globalen Sprachfertigkeit (vgl. Ziffer 1.) nunmehr durch sog. Individualspezifische Orientierungskriterien (Lern- bzw. Erwerbsumfeld, kommunikative Absichten bzw. Ziele, Kommunikationspartner, gewählte Sprachenfolge etc.) ersetzt wird, so dass sich von hier aus die wichtigsten Typen wie folgt bestimmen lassen:" (Bausch/Christ/Krumm 2007: 441)
die funktionalen Zwei- und Mehrsprachigkeitsformen, Zwei- und Mehrsprachigkeitsformen, die sich von der Art ihrer mentalen Repräsentation (kombinierter und koordinierter Zwei- bzw. Mehrsprachigkeitstyp) und vom Faktor Alter (frühkindliche Bilingualismusformen und konsekutive oder sukzessive Zwei- und Mehrsprachigkeitsformen) her bestimmen lassen. (vgl. Bausch/Christ/Krumm 2007: 441 f)
3.1. Bilingualer Erstspracherwerb und Zweitspracherwerb
Der Vollständigkeit halber wurden die wichtigsten Formen der Zweisprachigkeit genannt. Jedoch soll in diesem Abschnitt auf die sogenannte symmetrische Zweisprachigkeit bzw. den frühkindlichen Bilingualismus näher eingegangen werden. Bei diesen Formen von Zweisprachigkeit liegt doppelter oder bilingualer Erstspracherwerb bzw. früher Zweitspracherwerb vor. In diesem Kontext scheint auch die Frage nach dem Alter eine große Rolle zu spielen. Klein nennt hinsichtlich dem Faktor Alter und Spracherwerb verschiedene Übergangsformen zum Zweitspracherwerb. Der Zweitspracherwerb des Kindes setzt dann ein, wenn der Erstspracherwerb noch nicht abgeschlossen ist, also zwischen drei bis vier Jahren und der Pubertät. Wenn das Kind bis zum dritten Lebensjahr schon anfängt zwei Sprachen zu erwerben, dann spricht Klein vom bilingualem Erstspracherwerb. (vgl. Klein 1992: 27) Bei Erwachsenen, die eine zweite Sprache lernen, kann im Vergleich zum Zweitspracherwerb bei Kindern bzw. Heranwachsenden eine deutlicher Nachteil beobachtet werden. Also sind Kinder und Jugendliche (3-15 Jahren) beim Zweitspracherwerb Erwachsenen bei der Grammatik und vor Allem der Aussprache deutlich überlegen.
„Vor der Pubertät können L2-Lerner gewissermaßen noch auf den Zug springen, der auch ihre Muttersprache bis etwa zur Pubertät hin sich entwickeln lässt. Nach der Pubertät ist ‘dieser Zug bereits abgefahren' und Lerner müssen dementsprechend andere, kognitiv ‘aufwändigere' und weniger zuverlässige Lernwege einschlagen, um zu einem äquivalenten Ergebnis zu kommen."(Huneke/Steinig 2005: 11)
Wenn man Arbeitsmigranten und ihre Kinder mit ihnen hinsichtlich der Sprachkompetenz vergleicht, wird diese Überlegung verifiziert. Es ist nicht entscheidend wie lange sich die Migranten in dem Zielland befinden, sondern das Alter zum Zeitpunkt der Migration. (vgl. Huneke/Steinig 2005: 10)
3.2. Zweitsprache oder Fremdsprache?
Ähnlich wie bei Muttersprache und Erstsprache ist es angebracht auch bei Zweitsprache und Fremdsprache eine begriffliche Differenzierung zu machen. Denn diese Begriffe sind keineswegs synonym zu gebrauchen. Das Begriffspaar „Fremdsprache - Zweitsprache" kann Laien dazu verleiten den falschen Begriff zu verwenden. Denn Zweitsprache ist nicht immer die Sprache, „die - in der zeitlichen Reihenfolge - als zweite erlernt oder erworben wird." (Kniffka/Siebert-Ott 2007: 15) Im gleichen Kontext spielen zwei weitere Begriffspaare eine wichtige Rolle, nämlich „ungesteuert - gesteuert" und „erwerben - lernen". Wenn man nun diese Begrifflichkeiten ordnet, dann entstehen folgende zwei Pole: einerseits ungesteuerter Erwerb einer Zweitsprache und andererseits gesteuertes Lernen einer Fremdsprache. Was nun den unterschied ausmacht ist der Verwendungszweck. Eine Zweitsprache ist wichtiger als eine Fremdsprache, denn sie dient zur Kommunikation im alltäglichen Leben des Individuums. Eine Fremdsprache wird dagegen „nur" im Unterricht, Sprachkurs etc. verwendet und spielt daher im Leben des Individuums keine wichtige Rolle. (vgl. Klein 1992: 31) Wichtiges Unterscheidungsmerkmal kann auch der Ort sein. So ist oftmals die Zweitsprache des Individuums die Landessprache des Landes, in das es migriert ist. Um eine Fremdsprache zu lernen, muss sich das Individuum jedoch keineswegs im Land der Zielsprache befinden.(vgl. Kniffka/Siebert-Ott 2007: 15)
„Insgesamt spielt die Zweitsprache im Leben eines Individuums eine wichtigere Rolle als eine Fremdsprache. Eine Zweitsprache kann z. B. für das Überleben in einer zweisprachigen Gesellschaft notwendig sein. Sie ist Verständigungsmittel. Eine Fremdsprache ist hingegen nur ein potentielles (und zumindest eingeschränktes) Verständigungsinstrument (...)"(Apeltauer 2007: 16)
3.3. Zweitspracherwerbstheorien
Bei der Zweitspracherwerbsforschung stellen sich Wissenschaftler unterschiedlicher Richtungen (z. B. Psychologie und Linguistik) die Frage „Wie wird eine zweite/fremde Sprache erworben?". Da sich Wissenschaftler unterschiedlicher Richtungen dieser Frage widmen, entstehen auch hinsichtlich der Beantwortung dieser Frage unterschiedliche Richtungen. „Konsens besteht vielmehr darin, das der Zweitsprachenerwerb als ein dynamischer und mehrdimensionaler Prozess aufzufassen ist."(Bausch/Christ/Krumm 2007: 38)
Im Folgenden werden die bedeutendsten Hypothesen zum Zweitsprachenerwerb vorgestellt.
3.3.1. Kontrastivhypothese
Diese Hypothese unterstreicht die Wichtigkeit der Erstsprache.
„Die Kontrastivhypothese (u. a. Lado 1957; Richards 1974) nimmt behavioristischen Auffassungen folgend an, dass die Erstsprache des Lerners systematisch den Erwerb einer Zielsprache beeinflusst (...)."(Bausch/Christ/Krumm 2007: 40)
Beim Erwerb neuer Strukturen in der Zweitsprache greift der Lerner beim Zweitspracherwerb demnach ständig auf schon erworbene Strukturen der Erstsprache zurück. Sind diese Strukturen identisch mit den Strukturen der Erstsprache, dann werden sie leicht und fehlerfrei gelernt. In diesem Fall spricht man auch vom positiven Transfer. Unterschiedliche Strukturen dagegen bereiten Lernschwierigkeiten und führen zu Fehlern. „Es kommt zu „negativem Transfer" oder zu Interferenzen von der ES in die ZS."(Klein 1992: 37)
Kritiker dieser Theorien betonen, dass Lerner Lernschwierigkeiten und Fehler auch bei ähnlichen Strukturen der Sprachen haben und unterschiedliche Strukturen, die Lernschwierigkeiten und Fehler bedingen, sehr leicht gelernt werden können.(vgl. Klein 1992: 38)
3.3.2. Identitätshypothese
Die Identitätshypothese, die auf der Grundlage von kognitivistischen bzw. nativistischen Erklärungsansätzen basiert, geht im Gegensatz zur Kontrastivhypothese davon aus, dass die bereits gelernte Sprache keine Rolle spielt. (vgl. Kniffka/Siebert-Ott 2007: 34) Diese Hypothese behauptet,
„dass Erstsprachenerwerb und Zweitsprachenerwerb prinzipiell gleichartig verlaufen: In beiden Fällen aktiviert der Lerner angeborene mentale Prozesse. Die bewirken, dass die zweitsprachlichen Elemente und Regeln in gleicher Abfolge (Erwerbssequenzen) wie beim kindlichen Erstsprachenerwerb erworben werden." (Bausch/Christ/Krumm 2007: 40)
Transfer und Interferenz haben in bei der Identitätshypothese keinerlei Gültigkeit, denn Fehler beim Zweitspracherwerb sind durch die Struktur der Zweitsprache bedingt. Ebenso wie Fehler beim Erstspracherwerb durch die Struktur der Erstsprache determiniert werden.
Nicht alle Vertreter dieser Hypothese vertreten diese radikale Form. Es ist möglich zwischen einer schwachen Form und starken Form der Identitätshypothese zu unterscheiden. Obige Ausführungen treffen eher der stärkeren Form zu, denn diese besagt, Erstspracherwerb und Zweitspracherwerb laufen identisch ab. Viele Vertreter jedoch bevorzugen eine abgeschwächte Form, die sogenannte schwache Form, dass beide Erwerbsprozesse „in wesentlichen Zügen" identisch sind.
„Damit verliert die Hypothese an Aussagekraft und gewinnt an Plausibilität: Es kommt nur noch darauf an zu sagen, was man für „wesentliche Züge" und was für minder wichtige Komponenten des Prozesses hält." (Klein 1992: 36)
3.3.3. Interlanguage-Hypothese
Bei der Interlanguage-Hypothese wird der Erstsprache beim Zweitspracherwerb keine herausragende Funktion wie bei der Kontrastivhypothese zugeschrieben, noch wird sie als irrelevant abgetan wie bei der Identitätshypothese. Im Unterschied zur Identitätshypothese geht die Interlanguage-Hypothese nicht von der prinzipiellen Gleichartigkeit von Erst- und Zweitspracherwerb aus. Sie versucht vielmehr die spezifischen Bedingungen und Prozesse zweitsprachlichen Lernens zu ermitteln. Die Interlanguage-Hypothese geht davon aus, dass der Lerner beim Zweitspracherwerb zunächst ein spezifisches Sprachsystem entwickelt, welches Merkmale der Erst- und Zweitsprache, aber auch neue, von beiden Sprachen unabhängige Elemente aufweist. (vgl. Bausch/Christ/Krumm 2007: 40)
„Wie andere natürliche Sprachen sind auch Lernersprachen systematisch und variabel aufgebaut; sie sind durchlässig, sie lassen keine Veränderung ihrer Regeln durch lernerspezifische Prozesse und Strategien zu." (Bausch/Christ/Krumm 2007: 40)
Lernersprachen oder Interlanguages, egal wie man diese „dritte" Sprache nennt, sind Zwischenstadien bis der Lerner das Niveau der Zielsprache erreicht hat. (vgl. Kniffka/Siebert-Ott 2007: 35)
4. Schluss
Die vorliegende Arbeit befasste sich mit den Phänomenen des Erst- und Zeitspracherwerbs. Von besonderer Relevanz waren dabei die Begriffsbestimmung und der Versuch einer Definition der zu Grunde liegenden Begriffe Erst- und Zweitsprache, die Formen der Zweisprachigkeit und die theoretischen Ansätze.
Zu Beginn wurden Informationen zum Erstspracherwerb gegeben und somit eine Basis für das Thema geschaffen.
Anschließend habe ich versucht die Spracherwerbstheorien so präzise wie möglich darzustellen und nachfolgend die Theorien zum Zweitspracherwerb.
Da ich selber zweisprachig bin habe ich besonderes Interesse ich bei den Zweitspracherwerbstheorien gefunden. Als angehende Lehrerin finde ich es zudem wichtig zu wissen wie sich der Prozess des Zweitspracherwerbs vollzieht, denn in Deutschland haben Kinder mit Migrationshintergrund, die also zweisprachig aufwachsen, genauso ihren Platz im Klassenprofil wie einsprachige deutsche Schüler ohne Migrationshintergrund. Mit meinem Wissen über die Zweitsprachtheorien kann ich Fehler von zweisprachigen Schülern vielleicht besser nachvollziehen und einordnen und somit denke ich habe ich auch mehr Möglichkeiten die Kinder zu fördern.
5. Literaturverzeichnis
- Ernst Apeltauer (2007): Grundlagen des Erst- und Fremdsprachenerwerbs. Eine Einführung. Berlin: Langenscheidt.
- Karl-Richard Bausch, Herbert Christ, Hans-Jürgen Krumm [Hrsg.] (2007): Handbuch Fremdsprachenunterricht. Tübingen und Basel: A. Franck Verlag.
- Hans-Werner Huneke, Wolfgang Steinig (2005): Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Berlin: Schmidt.
- Wolfgang Klein (1992): Zweitspracherwerb. Eine Einführung. Frankfurt a.M.: Hain.
- Gabriele Kniffka, Gesa Siebert-Ott (2007): Deutsch als Zweitsprache. Lehren und Lernen. Paderborn: Schöningh
- Gisela Szagun (2007): Das Wunder des Spracherwerbs. So lernt Ihr Kind sprechen. Weinheim: Beltz.
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