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Politisches Lernen im Sachunterricht

Politisches Lernen im Sachunterricht
Hausarbeit
Datum: 01. Januar 2011 Autor: engel127 Kommentare: 0

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Hausarbeit zum Thema: Politisches Lernen im Sachunterricht. Politische Sozialisation findet bereits im Vor- und Grundschulalter statt. Darunter versteht man generell einen bewussten und unbewussten Lernprozess, in denen Menschen politisch geprägt werden und sich politische Werte aneignen. Als die drei wichtigsten Sozialisationsinstanzen gelten die Familie, die Schule und die Medien.


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Politisches Lernen im Sachunterricht


Politisches Lernen im Sachunterricht

1. Einleitung

Die folgende Ausarbeitung handelt vom Politikverständnis von Kindern im Sachunterricht. Dabei wird über einen allgemeinen Einstieg in die Thematik Politik genutzt um dann einen Überblick über alltägliche Begegnungen der Kinder mit Politik zu geben. Danach wird der Schwerpunkt auf die Entwicklung und Voraussetzung von politischem Lernen gelegt. Nach einem kurzen Überblick zu den Rahmenrichtlinien des Sachunterrichts werden die Ziele und Prinzipien behandelt.
Anzumerken bleibt, dass in der gesamten Ausarbeitung wird sich auf das Buch von Dietmar von Reeken „Politisches Lernen im Sachunterricht“ bezogen.

2. Definitionsansätze zum Politikbegriff

Einleitend muss gesagt werden, dass laut der Politikwissenschaft kein einheitlicher Politikbegriff existiert. Verschiedene Beschreibungsversuche gehen auf diverse historische Gegebenheiten, Gegenwarts- und Zukunftsbelange und Traditionen zurück, die jeweils so unterschiedlich sein können, dass daraus keine einheitliche, konstante Definition abgeleitet werden kann.
Für eine Differenzierung, was mit dem Begriff „Politik“ gemeint ist stellt die Politikwissenschaft einige Anhaltspunkte bereit. So wird der umfangreiche Rahmen eingegrenzt und der Inhalt näher erläutert.

Als grober Erklärungsansatz dient die Einteilung in einen „engen“ und einen „weiten“ Politikbegriff.
Der „enge“ Politikbegriff umfasst alle die Faktoren, die wir in unserem Alltagsverständnis als „politisch“ bezeichnen. Dabei kann es sich zum Beispiel um das politische System handeln, das aus Staaten, Parlamenten, Parteien, Politikern usw. besteht und in dem verschiedene Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse stattfinden.
Der „weite“ Politikbegriff greift weiter aus und bezeichnet „Politik“ als etwas, das immer und überall dort geschieht, wo Menschen ihr gesellschaftliches Leben öffentlich zu organisieren versuchen. Sei es durch Bürgerinitiativen, Demonstrationen usw.

Diese Definitionsansätze sind allerdings zu vage und unkonkret um daraus Schlussfolgerungen für politisches Lernen zu ziehen. Daher stellt die Politikwissenschaft weitere Erklärungsangebote, die präzisere Aussagen bieten.
Aus dem angelsächsischen Bereich wurde ein Definitionsversuch übernommen, der das Feld der Politik in drei Dimensionen mit jeweils unterschiedlichen Bezeichnungen trennt. Zusammengefasst können diese Dimensionen als Systematik der Politik bezeichnet werden, die institutionell, inhaltlich und prozedural bestimmt wird.
- Der Begriff „polity“ beschreibt den Handlungsrahmen von Politik. Wichtige Aspekte hierbei sind verschiedene Institutionen, die Verfassung eines Staates, sowie politische Kulturen der Gesellschaft.
- Inhaltliche Dimensionen der Politik werden unter dem Begriff „policy“ zusammengefasst. Hierbei handelt es sich politische Programme, deren Ziele und Aufgaben, sowie die der unterschiedlichen politischen Felder (Außen-, Sicherheits-, Gesundheits-, Finanzpolitik etc.). Auch die Wert- und Orientierungssysteme politischer Überzeugungen zählen zu diesen inhaltlichen Aspekten.
- Der aktive, dynamische Prozess der Politik, wird mit dem Begriff „politics“ bezeichnet. Dazu gehören beispielsweise Auseinandersetzungen und Konflikte um politische Willensbildungen oder Entscheidungen, die in Parlamentsdebatten, Streiks oder Demonstrationen stattfinden.

Einen weiteren anschaulichen Definitionsversuch bietet das Politikzyklusmodell. Politik wird als „endlose Kette von Versuchen zur Bewältigung von gesellschaftlichen Gegenwarts- und Zukunftsproblemen“ dargestellt. Ein großer Vorteil dieses Erklärungsansatzes besteht darin, dass die dynamische Prozesshaftigkeit von politischen Entscheidungen besonders betont wird.

In dem mittleren Feld ist sehr anschaulich die Wechselwirkung der Auseinandersetzung mit einem Problem dargestellt. Die getroffene Entscheidung wird bewertet und es erfolgen bestimmte Reaktionen, die wiederum ein neues Problem schaffen. In diesen aktiven, dynamischen Prozess spielen alle Faktoren aus den äußeren Kästchen ein und beeinflussen somit den Prozess der Problembewältigungen und Entscheidungsfindungen.

Nach der Auseinandersetzung mit diesen Definitionsansätzen des Begriffes „Politik“ lässt sich zusammenfassend sagen, dass es sich dabei um Prozesse handelt, die nicht nur Einzelpersonen oder kleine Gruppen betreffen, sondern die gesamte Gesellschaft und somit einen öffentlichen Charakter besitzen.

3. Kinder und Politik

3.1 Wie verstehen Kinder Politik

Politische Sozialisation findet bereits im Vor- und Grundschulalter statt. Darunter versteht man generell einen bewussten und unbewussten Lernprozess, in denen Menschen politisch geprägt werden und sich politische Werte aneignen. Als die drei wichtigsten Sozialisationsinstanzen gelten die Familie, die Schule und die Medien.
Dabei ist das Maß, in wie weit die Familie als soziale Instanz bei der politischen Sozialisation agiert, noch umstritten. Der Grund liegt in der Forschung, da sie noch nicht herausgefunden hat, ob politische Erziehung bewusst oder unbewusst stattfindet. Allerdings hat eine Studie 1972 gezeigt, dass 2/3 aller Väter die Familie als zuständige Instanz für politische Erziehung ansehen. Zudem konnte sich die Hälfte aller Väter an politische Fragen ihrer Kindern erinnern. Eine neuere empirische Untersuchung hat zusätzlich herausgefunden, dass die Initiative für ein politisches Gespräch nicht nur von den Eltern, sondern auch von den Kindern ausgeht.
Zusammenfassend lässt sich folgern, dass, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, der Einfluss der Familie auf die politische Persönlichkeit relativ hoch ist.
In der Schule bzw. Grundschule sind vor allem die Fächer Sachunterricht und Religion mit der Vermittlung von ethischen Normen und Werten wichtig für das politische Lernen.
Die Bedeutung des Sozialisationsfaktors Medien hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Allerdings hat dieser Faktor zwei Seiten: Zum einen informieren Medien Kinder über politische Zusammenhänge sowohl durch allgemeine Nachrichtensendungen, als auch durch besondere Formate wie „1, 2 oder 3“, „Löwenzahn“ oder „Logo“. Zum anderen können Medien durch eine Selektion bestimmter politischer Informationen manipulieren.
Neben diesen drei wichtigen Instanzen gibt es aber auch noch weitere, wie zum Beispiel der Kindergarten oder der Hort.
Bei seinem ständigen Urteil über Politik ist das Kind sehr emotional und einseitig belastet. Dabei sind folgende Kriterien für sein Urteil prägend:
Erstens wird das Kind durch seine individuellen Interessen beeinflusst. Dabei stellt es sich die Frage, ob eine Entscheidung ihm selbst Vor- oder Nachteile bringt. Die nächste Beeinflussung entsteht von abstrakten moralischen Werten, bzw. dem einfachem Sachverhalt, ob die Entscheidung gut oder schlecht ist. Bei der Frage, ob das Ergebnis dem eigenem Weltbild entspricht, ist das Kind durch ideologische Versatzstücke geprägt. Auch Sympathien spielen bei seinem Urteil eine wichtige Rolle: ist mir die Person, die eine bestimmte Politik vertritt, sympathisch? Vertraue ich ihr?
Man sollte allerdings auch erwähnen, dass Kindern noch eine gewisse Denkschablone bzw. -struktur fehlt, damit sie unvoreingenommener und vielleicht kreativere Beiträge geben können.
Bei diesen Kriterien stellt sich allerdings die Frage, ob nicht auch bei Erwachsenen diese Punkte bei der Urteilsfähigkeit eine Rolle spielen. Des Weiteren muss auch bei jedem einzelnen Kind differenziert werden, denn diese durchlaufen zwar alle einen kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklungsprozess, doch verläuft dieser individuell und daher unterscheidet er sich in Zeitpunkt, Geschwindigkeit und Qualität.
Auch die Vorerfahrungen von Kindern und die Unterscheidung zwischen politisch aktiven und inaktiven Familien sind bei diesem Prozess wichtig. Eine Studie hat gezeigt, dass Kinder, die sich schon früh mit Politik und deren Probleme beschäftigt haben, gute Aussichten auf ein langfristiges politisches Engagement haben.
Entwicklungspsychologisch ist weiterhin wichtig, dass schon in frühen Jahren eine politische Persönlichkeit angelegt wird.

3.2 Alltägliche Beispiele, in denen Kinder Politik erleben (Mind Map mit den Seminarteilnehmern)

Es gibt viele Situationen, in denen Kinder schon in ihrem Alltagsleben aktiv am politischen Leben teilhaben oder Politik erleben können:
Zum einen erfahren sie durch das Verfolgen von Nachrichten oder das Lesen von Zeitungen das politische Leben. Zum anderen lernen sie Politik kennen, wenn die Eltern beispielsweise beim Abendessen über politische Themen diskutieren und so Vorurteile bzw. Bewertungen mitbekommen.
In der Schule erleben sie bei der Wahl des Klassensprechers den ersten Umgang mit Demokratie und Wahlrecht. Kinder erfahren auch Politik, wenn sie das Mitspracherecht Zuhause oder in der Schule ausüben und damit die Erfahrung machen, dass ihre Meinung zählt und sie auch ihre Wünsche äußern dürfen. Bei Konflikten, zum Beispiel auf dem Pausenhof, kommen sie in Kontakt mit Politik wenn sie versuchen diesen Streit zu lösen und evtl. dadurch Kompromisse schließen müssen.
Des Weiteren können Kinder mitbekommen, dass Erwachsene auch um ihre Rechte kämpfen bzw., dass sie sich wehren können, wenn beispielsweise ein Elternteil oder beide streiken. Ein weiteres Beispiel ist die Arbeitslosigkeit der Eltern. Dadurch sind die Kinder in ihrem Leben etwas eingeschränkt und sie bekommen mit, dass der Staat dann unterstützend weiterhilft. Durch die kirchliche Aktion „Brot für die Welt“ erfahren Kinder, dass es soziale Ungleichheit auf der Welt gibt und dass es den Kindern nicht überall gut geht.
Zwei weitere Beispiele aus dem Alltag sind die Schulpflicht und die Anschnallpflicht. Durch die vom Staat festgelegten Gesetze bzw. Ge- und Verbote erhalten Kinder einerseits die gleiche Chance auf Bildung und sollen andererseits geschützt werden. So machen Kinder die Erfahrung, dass es Regeln gibt, an den sie sich zu orientieren haben und die das menschliche Miteinander gestalten.

4. Politisches Lernen

4.1 Geschichte des politischen Lernens

Das gezielte Politische Lernen in der Schule hat eine lange Geschichte. Ihm kommt eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe zu. Zur zentralen Aufgabe der Schule zählt die Integration der zukünftigen Erwachsenen in das bestehende Gesellschaftssystem. Die gegenwärtigen Schüler sind diejenigen, die in der Zukunft über die Verfasstheit des Staates und das gesellschaftliche Zusammenleben bestimmen. Es ist also unabdingbar ihnen bestimmte Informationen, aber auch Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln.
Mit der Bildung des modernen Staates in der frühen Neuzeit wurde der Bedarf einer qualifizierten Führungsschicht deutlich. Zu dieser Zeit fand politische Bildung nur für eine kleine Funktionselite statt. Ansonsten kam dem Religionsunterricht nebenbei die Aufgabe der politischen Erziehung zu, deren Hauptziel der Untertanengehorsam war.
Diese Umstände wurden im Kaiserreich als ungenügend empfunden, da sich der Staat durch die Industrialisierung und Modernisierung in Umbrüchen befand. 1889 forderte Kaiser Wilhelm II das Bearbeiten gegenwartspolitischer Themen in Schulen. Dabei ging es ihm vor allem um die Sicherung der eigenen Herrschaft und damit die Abwehr der Sozialdemokratie.
Es kamen erste Diskussionen um die Einführung staatsbürgerlicher Erziehung in Schulen auf.
Erste praktische Resultate gab es noch vor dem ersten Weltkrieg. Daneben fand auch in anderen Schulfächern politische Erziehung statt. Dem Geschichtsunterricht kam die Aufgabe zu die Hohenzollernmonarchie zu verherrlichen, Deutsch wurde mehr und mehr zur Deutschkunde und der Geographie kommt vor allem im Rahmen der deutschen Kolonialpolitik eine wichtige Bedeutung zu.
Die Weimarer Republik führt nach Zusammenbruch des Kaiserreiches die Staatsbürgerkunde durch die Verfassung als Schulfach ein. Praktisch gelang die Umsetzung leider kaum und somit fand der Unterricht weiter sehr antidemokratisch statt. Hier zeigt sich, dass staatliches Bemühen an Grenzen stößt, wenn die Gesellschaft sich gegen ein Vorhaben wehrt.
Im Nationalsozialismus nimmt dieses autoritäre, vordemokratische Belehrungsprinzip noch zu. Ein eigenes Fach ist für das politische Lernen nicht mehr nötig. Zunehmend wird das gesamte Schulleben politisiert und auch in der Hitlerjugend werden die gleichen Prinzipien und Ziele verfolgt.
Nach 1945 setzen sich die Besatzungsmächte für eine demokratische Erziehung der Deutschen ein.
Aus einer Debatte über Ziele, Inhalte und Methoden politischen Lernens in den 50er Jahren folgt die Konstituierung der eigenen Wissenschaft Politikdidaktik und die Einführung eines eigenen Schulfaches. Je nach Bundesland und Schulform zeigen sich jedoch große Unterschiede in der Stundenanzahl und der Bezeichnung.

4.2 Leitidee und Kompetenzen

Die zentrale Leitidee des politischen Lernens ist die der Mündigkeit.
„Mündig ist der Mensch, wenn er zu eigenem Denken gelangt ist, wenn er von Vorurteilen und Verblendungen frei, Distanz zur eigenen Zeit gewonnen und wenn er gelernt hat, Vorgefundenes kritisch zu reflektieren und zu beurteilen, um auf dieser Basis zu entscheiden, die jeweiligen gesellschaftlich-politischen Verhältnisse zu akzeptieren oder zum Zwecke ihrer Veränderung zu intervenieren.“
Ohne eine Eigenständigkeit im Denken und Handeln, könnte nicht von politischer Selbstbestimmung die Rede sein.

Um politisch mündig zu sein, werden die im Folgenden erläuterten Kompetenzen benötigt.
Nach Wolfgang Hilligen liegen die Kompetenzen auf drei Ebenen. Sie lassen sich als „sehen – beurteilen – handeln“ benennen.
• Analysefähigkeit: Die Kompetenz der Analysefähigkeit beinhaltet, dass politische Ereignisse kritisch durchdacht und auf wichtige Aspekte hin untersucht werden können. Für diese Analyse werden Kompetenzen der Informationsbeschaffung, -bewertung, und –auswertung benötigt, die wiederum beschafft und ausgewertet werden müssen.
Im Schulunterricht ist ein klassisches Beispiel die Fallanalyse.
• Urteilsfähigkeit: Diese Kompetenz liegt darin, begründete Urteile abgeben zu können. Im Schulunterricht ist es wichtig die Schüler mit verschiedenen Sichtweisen politischer Urteile zu konfrontieren, um ihnen die Verschiedenheiten und Abhängigkeiten zu verdeutlichen. Durch die eigene Urteilsbildung wird die Fähigkeit des Argumentierens differenziert. Die Schüler erkennen, dass in der Politik verschiedene Meinungen erlaubt sind.
Wird die Urteilsfähigkeit nicht oder nur unzureichend ausgebildet, ist es nicht möglich politische Vorgänge zu verstehen, sie kritisch zu betrachten und sich eigene Meinungen darüber zu verschaffen. Es besteht die Gefahr, dass andere Meinungen einfach übernommen werden.
• Handlungsfähigkeit: Die Aufgabe des Politikunterrichts liegt nicht nur in der Allgemeinbildung, sondern vor allem auch darin, die Schüler zu teilnehmenden Individuen auszubilden, die zu solidarischem Handeln in der Lage sind. Diese Fähigkeiten sind auf alle Lebenssituationen übertragbar und schon für kleine Kinder wichtig zu erlernen. Sie müssen ständig Entscheidungen treffen, Alternativen finden und mögliche Folgen ihres Tuns einschätzen können. Nur so ist ein verantwortungsvolles Handeln möglich.

4.3 Probleme des Politischen Lernens

Im Folgenden möchte ich auf 7 Probleme eingehen, die beim Politischen Lernen leicht auftreten können.
1) Grenzen der Wirksamkeit
Kinder bringen aus ihrer gesamten Sozialisierung zahlreiche, verschiedene Erfahrungen und Einstellungen mit. Sie sind somit also keine „black-boxes“ die nur mit Informationen werden müssen. Die Vorerfahrungen der Kinder haben großen Einfluss auf die individuellen Lernprozesse. Die Lehrkraft muss sich also den Grenzen des Einflusses auf die Schüler bewusst sein und sie realistisch einschätzen.
Jedoch ist der Unterricht für einen Großteil der Kinder der einzige Ort, wo eine gezielte Auseinandersetzung mit der Politik stattfindet.
2) Gefahr des Laberfaches
Die intentionierte politische Bildung verkommt leider häufig zu einer privaten Meinungsäußerung. Die Gefahr ist groß, dass die Motivation der Schüler verloren geht und der Politikunterricht zu einem „Laberfach“ wird. Die Politikverdrossenheit wird dadurch gestärkt. Die Herausforderung an die Lehrkraft liegt darin, ein gesundes Mittelmaß zwischen dem bloßen Erzählen und der reinen Faktenvermittlung, die meist an der Lebenswelt der Kinder vorbei geht, zu finden.
3) Gefahr des Moralisierens
Es muss beachtet werden, dass die Mehrperspektivität auf jeden Fall erhalten bleiben muss. Nicht alle Umstände lassen sich in ein moralisches Bewertungssystem von „Gut“ und „Böse“ einordnen.
4) Gefahr der Manipulation
Wie bereits erwähnt ist die Wahrung der Mehrperspektivität eine wichtige Voraussetzung für das Politische Lernen. Jeder Einzelne muss Freiraum für eigene Urteile haben. Trotz des Rollengefälles zwischen Lehrer und Schüler muss Gleichberechtigung herrschen. Es dürfen keine Meinungsbilder einfach „übergestülpt“ werden. Auch wenn man mit anderen Ansichten nicht übereinstimmt, muss die Kritik daran sachlich stattfinden.
In einer politikdidaktischen Debatte wurden drei Prinzipien hierzu festgelegt. Meinungsbildungen dürfen demnach nicht beeinflusst werden, die Kontroversität der Themen muss erhalten bleiben und die Schüler müssen in die Lage versetzt werden, eigene Wege der Analyse und Beurteilung zu finden.
5) Einhalten der Kontroversität?
Unabhängig von der eigenen Meinung, muss Freiraum für alle Einstellungen gelassen werden. Gerade im Bereich zum Beispiel des Rechtsextremismus scheint dies allerdings fragwürdig. Durch sachliche Argumente können die Themen mit den Schülern erörtert werden und einer sachlichen Kritik unterzogen werden. Das Erzwingen von Meinungsbildern ist allerdings nicht möglich und nicht erlaubt.
6) Abgrenzung zum Sozialen Lernen
Die Übergänge dieser beiden Lernprinzipien sind fließend. Das Soziale Lernen findet in direkter Auseinandersetzung zwischen Individuen statt. In diesen Interaktionen lernt der Schüler wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie z.B. Empathie oder Rollendistanz, sowie kommunikative Kompetenzen, die im Politischen Lernen hilfreich und unabdingbar sind.
7) Problem der Komplexität
Eine komplette Erörterung politischer Phänomene ist aufgrund der Komplexität nicht möglich. Zum Einen würde der Zeitrahmen gesprengt und zum Anderen wäre es für die Kinder nicht mehr fassbar, da es für sie zu lebensfern ist.
Der Lehrer hat also die Aufgabe diese komplexen Themen kind-, und sachgerecht aufzubereiten, ohne dass die Kontroversität verloren geht.

5. Politisches Lernen im Sachunterricht

5.1 Entwicklung des Politischen Lernens

Das Politische Lernen ist durch grundlegende gesellschaftliche Umbrüche in den 1960er Jahren entstanden. Zu den Umbrüchen zählen neben der von Adorno ausgerufenen Bildungskatastrophe, der Sputnik-Schock oder die Emanzipation. Dadurch hat sich das Bewusstsein der Gesellschaft in Bezug auf eine politische Bildung in der Grundschule verändert. Forschungen in den USA haben beispielsweise bewiesen, dass schon früh politische Werte, Einstellungen und Verhaltensmuster gebildet werden.
Dazu wurden in den frühen 70er Jahren erste wissenschaftliche Konzepte zum politisch-sozialen Lernen im Sachunterricht entwickelt. In diesen Jahren wurden viele Debatten geführt, wobei zwei eigene Reihen mit Unterrichtsentwürfen und Beispielen entstanden sind: „Unterrichtsbeispiele zur politischen Bildung in der Grundschule“, herausgegeben von Gertrud Beck und „Sachunterricht sozialwissenschaftlicher Bereich: Entwürfe und Materialien“, herausgegeben von Paul Ackermann.
Ein weiteres Konzept wurde zwischen 1974 und 1976 entwickelt: der Mehrperspektivische Unterricht (MPU). Dabei wird der Sachunterricht zu einer Art „Bühne“ auf der jeder Mensch bzw. jedes Kind in eine Alltagssituation verstrickt ist, z.B. einkaufen, wohnen, Postbesuch, etc. Ziel dabei ist es, den Kindern Sachunterrichtsthemen auf einem Niveau zu präsentieren, das dem der Erwachsenen entspricht. Dabei kommt es nicht darauf an, dass alle Kinder alles verstehen sollen. Wichtig ist nur, die Neugier der Kinder zu wecken, damit sie sich weiter mit diesem Thema auseinandersetzen. Dieses Konzept soll vor allem das politische Lernen verstärken, allerdings wurde es auf Grund seiner komplexen Theorie selten verwendet.
Mitte bis Ende der 70er Jahre endete die Aufbruchstimmung und in den kommenden 15 bis 20 Jahren erschienen kaum noch Forschungsbeiträge. Dafür sind drei prägende Gründe verantwortlich: die Wiedervereinigung Deutschlands, das Kritisieren des Forschungstests aus den USA und die Veränderung der Perspektive von der Gesellschaft auf das Kind und seine Umwelt.
Nach 1990 setzte eine politische Stagnation in der Bevölkerung ein, in der es noch vorher eine Politisierung der deutschen Bevölkerung gab. Bei dem Forschungstest aus den USA wurde vor allem die Methode des Tests und deren Schlussfolgerung in Frage gestellt. Dadurch wurde die Bedeutung von politischem Lernen in Frage gestellt.
Des Weiteren wurde sich nun mehr auf den Politikunterricht in weiterführenden Schulen konzentriert. Man ging nun davon aus, dass den Kindern, die noch Zuhause bei ihren Eltern aufwachsen und in einer bestimmten Erlebniswelt leben, viele große Bereiche von Politik vorenthalten werden. Die Sachunterrichtsdidaktik richtete ihre Perspektive stärker auf das Kind und seine Lebenswelt statt auf die Perspektive der Gesellschaft.
Heute kommt politisches Lernen kaum noch in den Rahmenrichtlinien und in den Lehrplänen vor. Zwar werden Themen wie Dritte Welt, Werbung, Fernsehen und Umweltbildung besprochen, deren politische Hintergründe allerdings nicht genauer erklärt. Auch in den Grundschulzeitschriften wird keine Hilfestellung gegeben. Mittlerweile entwickeln nur noch wenige WissenschaftlerInnen Konzepte für das politische Lernen in der Grundschule. Das Problem u. a. dabei ist, dass zuwenig über die Art der Wahrnehmung von Politik durch Kinder bekannt ist, also die kindliche Verarbeitung politischer Erfahrungen, die spezifischen Lernvoraussetzungen für politisches Lernen im Grundschulalter und das Politikbewusstsein von Grundschullehrerinnen und -lehrern.
Daher lässt sich zusammenfassend sagen, dass immer noch eine hohe Skepsis gegenüber dem politischen Lernen in der Grundschule herrscht.

5.2 Politisches Lernen in den Rahmenrichtlinien

Politisches Lernen wird in den Rahmenrichtlinien nicht gesondert erwähnt. Es gibt keine Unterrichtsreihe, in der dieser Themenkomplex explizit behandelt wird. Allerdings gibt es viele Themen, die das politische Lernen mit einbeziehen können. Einige werde ich in diesem Zusammenhang kurz nennen:
• Müllanfall und Müllbeseitigung: dabei könnte der Aspekt Umwelt erwähnt werden.
• In der Schule: dabei können Regeln aufgestellt und das System von Regeln und deren Einhaltung besprochen werden.
• Post und Öffentliche Verkehrsmittel verbinden die Menschen miteinander: an dieser Stelle könnte das Thema Briefgeheimnis eingeführt werden.
• Unser Wohnort und seine nähere Umgebung: dabei kann das Thema Arbeitplätze behandelt werden.
• Die weitere Umgebung des Wohnortes und Niedersachsen: bietet die Möglichkeit das Thema Bundesländer zu behandeln.

6. Ziele des Politischen Lernens und deren Prinzipien

6.1 Ziele des Politischen Lernens

1) Interesse am Politischen wecken
Die zunehmende Politikverdrossenheit verstärkt die Notwendigkeit von politischem Engagement. Es ist allerdings eine sehr große Motivation nötig, um seine aktive, gestaltende Rolle als Bürger wahrzunehmen. Nur wenn Kinder wissen, dass politische Entscheidungen mit ihrem eigenen Leben zu tun haben, sind sie bereit Zeit und Anstrengungen zu investieren.
Die Lehrkraft muss mit positivem Beispiel vorausgehen, sich politisch interessiert zeigen und eine anregungsreiche Atmosphäre schaffen.
2) Politische Fragen stellen lernen
Die Entwicklung von zielgerichteten, problemhaltigen Fragen sollte zentraler Inhalt des Sachunterrichts sein. Die Schüler sollen lernen Fragen in Außen- und Innenperspektive zu stellen. Nur so können politische Vorgänge verstanden werden.
3) Differenzierung und Erweiterung bereits vorhandenen politischen Wissens
Das Wissen über Politik, das Kinder aus ihrer sozialen Umwelt haben, ist meistens heterogen. Es kann teilweise richtig sein, oder auch schlicht falsch. Das Alltagswissen der Kinder muss auf jeden Fall ernst genommen werden, jedoch müssen die Kinder auf die eventuelle Falschheit ihrer Annahmen hingewiesen werden. Es enthält eine spezielle Kinderperspektive, die oft kreativer und unvoreingenommener ist, als die der Erwachsenen.
Die Lehrkraft hat die Aufgabe des Nähe Suchens und des Distanz Gewinnens. Der Unterricht muss sich in der Lebensnähe der Schüler abspielen, aber auch distanziert reflektiert werden.
4) Thematisierung und Aufklärung der politischen Sozialisationsprozesse
Wie schon erwähnt, sind Schüler in ihrer Sozialisation oft in politische Prozesse eingebunden, was ihnen meist aber nicht bewusst ist. Ziel der politischen Erziehung ist es, dass die Kinder sich selbst als mitbestimmungsberechtigte und –fähige Gesellschaftsmitglieder wahrnehmen. Nur so können sie ihren individuellen Lebensweg aktiv gestalten.
5) Ermittlung des Politischen in der kindlichen Lebenswelt
Der Einfluss der Politik auf kindliche Lebenswelten allgemein muss deutlich sein. Das komplette Alltagsleben der Kinder ist das Ergebnis politischer Prozesse. (Vergleiche hierzu auch 2.2).
Kinder sehen in erster Linie die Akteure von politischen Handlungen, nicht aber die beeinflussende Institution dahinter. In ihren Augen hängen die meisten Entscheidungen von der Gutwilligkeit der Handelnden ab. Daher ist es nötig, ihnen einen Einblick in die komplexen Zusammenhänge zu geben.
Der Einfluss der Eltern lenkt oft von der Wirklichkeit ab und stellt viele Aspekte verschönert dar.
6) Befähigung zu politischem Handeln in den kindlichen Lebenswelten
Dieser Punkt kann nur bedingt ein Ziel des Sachunterrichts sein, da das politische Handeln nur im Rahmen der Schule möglich ist. Es findet zum Beispiel in der Klassensprecherwahl statt. Die Kinder sollen zu politischer Beteiligung im gesamten gesellschaftlichen Leben angeregt und motiviert werden. Die Schule hat vielmehr die Aufgabe Kompetenzen zu vermitteln, die für das gesellschaftliche Zusammenleben nötig sind.
7) Befähigung zur Antizipation künftiger Entwicklungen
Der Blick der Kinder soll in die Zukunft gelenkt werden. Sie sollen Utopie- und Antizipationsfähigkeit erlangen, um durch die Vorwegnahme von Ideen und Thesen ihr eigenes Leben gezielter lenken zu können. Sie lernen die Folgen ihres Handelns besser abzusehen und somit überlegter zu handeln.
Im Schulunterricht ist eine Möglichkeit hierzu die Zukunftswerkstatt.
8) Grundlegung demokratischer Haltungen
Umstritten ist, ob ein gewisser Grundkonsens demokratischen Denkens vorhanden sein sollte, oder ob die Kinder nur zu rationalem Urteilen erzogen werden sollen, ohne dabei jegliche Werte zu vermitteln.
Im Allgemeinen ist es aber Auftrag der Schule demokratische Einstellungen und Haltungen zu vermitteln. So sind Pluralität und Meinungsfreiheit wichtige Aspekte, ohne die Politisches Lernen nicht möglich ist.

6.2 Prinzipien des Politischen Lernens

Bei der Themenauswahl im Sachunterricht ist es wichtig, dass den Kindern ermöglicht wird, in der Mikrowelt die Makrowelt zu entdecken. Deswegen sollten folgende Kriterien berücksichtigt werden:
Problemorientierung fragt nach wichtigen politischen Problemen, den so genannten Schlüsselproblemen. Dabei ist es wichtig, dass die Schüler selbst nach Lösungen suchen, denn Problemlösendes Denken ist effektiveres Wissen, das länger im Gedächtnis bleibt.
Mit der Situationsorientierung soll politisches Lernen an den aktuellen Erfahrungen, Bedürfnissen, Fragen und Interessen der Schüler anknüpfen. Kinder bzw. Schüler erfahren so das Recht, in der Schule ihr Aufklärungsbedürfnis zu stillen, besonders bei aktuellen und wichtigen Problemen. Um die eventuelle Betroffenheit der Kinder zu erfahren, bieten sich Gesprächskreise, Einstiegsgespräche, Befragungen, Rollenspiele oder auch das Schreiben von Tagebüchern an.
Bei der Handlungsorientierung muss man zwischen „realem Handeln“, simultativem Handeln und produktivem Gestalten unterscheiden. Als „reales Handeln“ werden Erkundungen, Expertenbefragungen, Interviews u. ä. bezeichnet. Simultatives Handeln sind besonders Rollenspiele. Unter produktives Gestalten versteht man das Herstellen von Ausstellungen, Zeitungen, Videos usw.
Auch die Geschlechterdifferenz sollte berücksichtigt werden. Dabei sollten Vorurteile abgebaut und dadurch eine Kommunikationsebene zwischen Mann und Frau geschaffen werden. Hier lässt sich auch eine Verbindung zur heutigen Politik aufbauen, in der die Rolle der Frau immer wieder in Frage gestellt wird. Durch das politische Lernen soll also insgesamt eine Chancengleichheit geschaffen werden.
Eine Auswahl sollte auch durch Bedeutsamkeit und Anschaulichkeit getroffen werden. Dies gilt auch für die Behandlung aktueller Themen. Dabei sollte untersucht werden, ob wichtige Probleme unserer Gesellschaft widergespiegelt und ob die Probleme an den Erfahrungs- und Wissenshorizonten der Kinder anknüpfen. So sollten auch Themen ausgewählt werden, die noch nicht subjektiv empfunden worden sind und damit Verstehensbarrieren überwunden werden. Wichtig ist, dass man ein Thema bzw. die Themen nicht zu komplex behandelt.
Bei der Methodenorientierung sollte darauf geachtet werden, dass durch die Themen methodische Kompetenzen gefördert werden, wie z.B. das Arbeiten mit dem Internet, mit Kinderbüchern oder anderen Büchern, das Durchführen von Befragungen, Erkundungen und u. a. Planspiele.

7. Themenauswahl im Sachunterricht

Es gibt verschiedene Themen, die man mit dem politischen Lernen im Sachunterricht verbinden kann. Durch ein so genanntes Mind Map hat das Seminar eine kleine Auswahl getroffen:
So kann die Demokratie und ihr System im Sachunterricht behandelt werden. Das Grundgesetz, die Menschenrechte und Kinderrechte können auch mögliche Themen darstellen. Die Aufgabe des Individuums und daher auch des Schülers im Staat ist ebenfalls ein interessantes und weitläufiges Thema. Weiterhin wurden genannt: Europa, Armut bzw. soziale Ungleichheit, Konsum, Medien, Dritte Welt, Arbeitslosigkeit, Verkehr und Mobilität, Streik, Krieg und Frieden und Gleichberechtigung.

Bei all diesen Themen ist es wichtig, dass mit fiktiven Personen, Geschichten oder Märchen gearbeitet wird, um niemanden herauszustellen bzw. zunahe zu treten.

8. Literaturverzeichnis

- Richter, Dagmar /Hrsg.): Gesellschaftliches und politisches Lernen im Sachunterricht. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 2004.
- von Reeken, Dietmar: Politisches Lernen im Sachunterricht. Hohengehren: Schneider-Verlag, 2001.
- http://www.lehrplaene.org/



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