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Generatives Verhalten - Gewollte Kinderlosigkeit

Generatives Verhalten - Gewollte Kinderlosigkeit
Hausarbeit
Datum: 01. Januar 2011 Autor: Svenja Kiehl Kommentare: 0

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Hausarbeit zum Thema degeneratives Verhalten bzw. gewollte Kinderlosigkeit im Grundlagenwahlfach Soziologie während des Lehramtsstudiums.


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Generatives Verhalten - Gewollte Kinderlosigkeit


Generatives Verhalten - Gewollte Kinderlosigkeit

1. Vorwort

Deutschland hat im internationalen Vergleich eine sehr niedrige Geburtenrate mit gerade einmal 1,331 (Statistisches Bundesamt, Stand 2006) Kindern pro Frau und somit auch eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Sie ist also unterhalb des Bestanderhaltungsniveaus. Dies ist ein Problem, das beinahe alle industrialisierten Länder betrifft. (vgl. APuZ, 7/2007: S.3) Bleibt also die Frage, welche Auswirkungen die niedrige Geburtenrate in unserem Land haben kann und wird, welche Gründe es gibt und was wir tun können. Außerdem stellt sich die Frage, warum es einen Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Elternschaft gibt. Je höher qualifiziert die Frauen sind, desto mehr klaffen Kinderwunsch und Wirklichkeit auseinander. In wiefern wirken also Arbeitsmarkt und Beruf auf den eigenen Lebenslauf ein? (vgl. Konietzka 2007: 139)

Ich beziehe mich in dieser Hausarbeit in großen Teilen auf die Studie „Einflussfaktoren auf die Geburtenrate“ des Instituts für Demoskopie Allensbach, welches Ergebnisse einer Repräsentativbefragung der 18 bis 44-jährigen Bevölkerung veröffentlichte. In Auftrag gegeben wurde die Studie vom Staatsministerium Baden-Württemberg. Die Interviews fanden im November 2003 statt. Die Untersuchung stützt sich auf insgesamt 1.257 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der 18- bis 44-jährigen Bevölkerung im gesamten Bundesgebiet. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im März 2004. Außerdem habe ich einige Aufsätze aus der Sammlung von Dirk Konietzka „Ein Leben ohne Kinder“ miteinbezogen.

2. Familienbegriff und Kinderwunsch von Eltern und Kinderlosen

Zunächst soll der Begriff Familie geklärt werden. Was verstehen die Menschen ei-gentlich unter einer Familie? Ab wann spricht man von ihr? Die Allensbacher Studie zeigt folgendes: Die Befragten sind der Meinung, dass erst durch ein Kind eine Familie begründet wird, eine Lebensgemeinschaft alleine reicht nicht aus. Doch auch ob die Eltern verheiratet sind oder nicht spielt für den Familienbegriff eine große Rolle. So glauben 91 Prozent der Befragten, dass ein verheiratetes Ehepaar mit Kind eine Familie definiert, hingegen nur 63 Prozent ein unverheiratetes Paar mit Kind. Auch die Alleinerziehenden haben ein schwereres Los: nur 41 Prozent der Bevölkerung nennen diese Konstellation eine Familie. Und sind keine Kinder im Spiel, kann man kaum von einer Familie sprechen, so sagen nur 23 Prozent dass ein Ehepaar ohne Kind eine Familie sei. Interessant ist auch, dass gerade bei der jüngeren Generation bis 23 Jahre das Familienmodell eines E-hepaares mit Kind noch mehr dominiert als bei den gesamten Befragten bis 44 Jahre. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.4)

Auch die Kinderzahl spielt eine Rolle. Als ideal wird von 57 Prozent der Befragten eine Kinderzahl von zwei genannt. Dies entspricht also der heutigen gesellschaftlichen Leitvorstellung. Im Gegensatz zur Zwei-Kind-Familie wird die Ein-Kind-Familie und die Drei-Kind-Familie nur von jeweils 13 Prozent der 18 bis 44-jährigen als ideal empfunden. Nur eine Minderheit von 3 Prozent ist für eine Familie ohne Kinder und 2 Prozent sind für Vier und mehr Kinder.

Diese Leitbilder entsprechen aber nicht der Realität, denn wir sind von der Dominanz einer Zwei-Kind-Familie weit entfernt. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.6) Dies lässt sich dadurch begründen, dass der in der Studie am häufigsten genannte Familienbegriff und die individuelle ideale Familiengröße nicht gezwungener Maßen die eigene Lebensplanung beeinflussen. Es ist nur eine von vielen Möglichkeiten das eigene Leben zu gestalten. So denken nur 59 Prozent der Befragten, dass allein eine Familie Lebensglück bringen kann. Frauen stimmen dieser Meinung zwar noch eher zu als Männer, doch Kinderlose glauben insgesamt sogar nur zu 47 Prozent, dass eine Familie Voraussetzung für Lebensglück sei, im Gegensatz zu Eltern mit 71 Prozent. Betrachtet man aber die Weltanschauungen von Kinderlosen mit und ohne Kinderwunsch getrennt voneinander zeigt sich, dass Kinderlose mit ausgeprägtem Kinderwunsch genau wie Eltern davon überzeugt sind, dass ihr persönliches Glück eine Familie erfordert (73 Prozent). Die Kinderlosen ohne Kinderwunsch hingegen teilen diese Auffassung nur zu 24 Prozent. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.8)

Bleibt noch der Zusammenhang zum Glück als Paar zu suchen. Die Allensbacher Studie hat ergeben, dass insbesondere die Kinderlosen zu 63 Prozent der Meinung sind, dass dieses Glück nicht von Kindern abhängt sondern die Paarbeziehung an sich dasselbe Glück sichern kann wie eine Familie. Sogar Eltern teilen diese Auffassung zu 43 Prozent, doch sie sagen auch, dass ihre Kinder erheblich zum Lebensglück beigetragen haben. Kinder sind für die Kinderlosen demnach eine mögliche Lebensoption, aber kein Muss. Jedoch zeigt Konietzka auf, dass gerade Männer sich häufig Kinder wünschen um die Paarbindung zu stärken, was dann auch zum Glück als Paar führt (vgl. Konietzka 2007: S.292).

Es zeigte sich auch, dass die Kinderlosen sich eher auf die jüngeren beschränken, d.h. je älter die Bevölkerung, desto geringer wird der Anteil der Kinderlosen. Sind von den 18 bis 23jährigen noch 97Prozent kinderlos, sind es von den 24 bis 29-jährigen noch 71 Prozent, von den 30 bis 34-jährigen noch 34 Prozent und von den 35 bis 44-jährigen nur noch 24 Prozent Kinderlose. Es ist also am Ende nur etwa jeder vierte sein Leben lang kinderlos. Dies ist eine eigentlich logische Tatsache, die aber zu erheblichen Missverständnissen und Schwierigkeiten bei der Auswertung von Erhebungen führen kann. Denn es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob z.B. eine zum Zeitpunkt der Befragung 30-jährige kinderlose Frau ohne Kinderwunsch auch wirklich dauerhaft kinderlos bleibt. Daher kommt es zu erheblichen Schwankungen der Anzahl dauerhaft kinderloser Frauen, je nach Studie, welche sich beispielsweise bei den Hochschulabsolventinnen zwischen 25 (Schmitt und Winkelmann 2005) und 40 Prozent (Duschek und Wirth) bewegt. (vgl. Konietzka 2007: S.139f). So sollten eigentlich jeweils nur die Frauen ab etwa 45 Jahre als entgültig kinderlos gerechnet werden, denn bei allen jüngeren sind es Spekulationen deren Ende nicht vorhersehbar ist und sich jederzeit noch ändern kann.

Kinder gehören heutzutage also nicht mehr selbstverständlich zur Lebensplanung. So sagen zwar 42 Prozent der Kinderlosen, dass sie ganz bestimmt Kinder möchten und 35 Prozent sagen immerhin noch vielleicht. Aber 23 Prozent der Befragten bei der Allensbacher Studie lehnen Kinder von vornherein ab. Und von den Eltern, die bereits ein oder mehrere Kinder haben, möchten 73 Prozent keine weiteren Kinder, d.h. sie haben ihre ideale Familiengröße erreicht. Und je mehr Kinder sie haben, desto eher sind sie dieser Meinung. Hier zeigt sich auch, dass bei den Kinderlosen die Frauen eher zu Kindern tendieren als die Männer. Doch bei den Eltern sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht nennenswert. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.10) Jedoch wurde gerade erst ein Beitrag der APuZ, einem Beilagenblatt der Wochenzeitung „das Parlament“ veröffentlicht, in dem es heißt, dass gerade von den jüngeren Männern und Frauen sich 90% Kinder wünschen. (APuZ 7/2007: S2) Das entspricht nicht den Ergebnissen der drei Jahre älteren Allensbacher Studie. Zu überdenken ist auch der Widerspruch, dass sich eigentlich die meisten für eine Zwei-Kind-Familie aussprechen, doch nur eine Minderheit der Ein-Kind-Familien für sich weitere Kinder plant. Und das obwohl nur 22 Prozent derer sagen, dass sie ihre persönliche ideale Familiengröße erreicht haben. Zum Vergleich: bei den Zwei-Kind-Familien sind etwa zwei Drittel bei ihrer idealen Familiengröße angelangt. Es scheint also auf den ersten Blick, dass vielen dann doch ein Kind genügt. Zusammen mit denen die kinderlos bleiben möchten, lässt sich erkennen, dass viele auch wirklich kinderlos bleiben werden oder nur ein Kind bekommen werden und sich so nicht an der Zwei-Kinder-Norm orientieren. Und da nur 16 Prozent der 35 bis 44-jährigen mehr als zwei Kinder haben, können diese dies nicht ausgleichen. Entsprechend ist eine entscheidende Frage, aus welchen Motiven sich Kinderlose oder Eltern, die nur ein Kind haben, gegen (weitere) Kinder entscheiden und wieweit ihre Entscheidung offen für eine Revision ist. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.12)

"Mit einem sich verschlechternden Gesundheitszustand werden deutliche Unter-schiede zwischen kinderlosen Frauen und Männern und Eltern sichtbar: Mit dem Auftreten von Gesundheitsproblemen sinken die sozialen Kontakte kinderloser Frauen sehr stark unter die von Müttern. Unter Berücksichtigung des Familienstandes zeigt sich, dass besonders kinderlose verheiratete Paare weniger Bekannte und Freunde haben und bei Krankheit oftmals sozial isoliert sind. Vor allem kinderlose Witwer stellen daher eine Risikogruppe dar. Kinderlose Witwen pflegen dagegen auch nach dem Tod ihres Partners weiterhin ihre Beziehungen." (Carl, Leben ohne Kinder, 2002)

"Nach empirischen Untersuchungen kann (...) der Geburtenrückgang weniger als Zeichen der gesunkenen Attraktivität von Kindern gewertet werden, sondern steht vielmehr im Zusammenhang mit dem Bedeutungswandel von Kindern. Kinder wer-den aufgrund ihrer emotionalen Bedeutung gewünscht, sie stehen für Bereicherung und für Selbstverwirklichung der Eltern. Dieses Kinderwunschmotiv führt zusammen mit der Norm der »verantworteten Elternschaft«, d.h. etwa Kindern optimale Startchancen zu geben (...), zu einer Reduktion der Kinderzahl." (Carl, Leben ohne Kinder, 2002)

"Familienplanung ist jetzt mit Verantwortungsbewusstsein verbunden. Eltern sind nunmehr angehalten, Kinder nur dann in die Welt setzen, wenn sie auch in der Lage sind, diese adäquat psychisch und physisch versorgen und erziehen zu können." (Carl, Leben ohne Kinder, 2002)

3. Gründe für die Entscheidung gegen (weitere) Kinder

3.1. Das zu enge Zeitfenster

Bei Betrachtung der Ergebnisse der Allensbacher Studie fällt auf, dass der Kinder-wunsch steigt, je älter die Menschen sind. Es lässt sich erkennen, dass es ein gro-ßes Problem gibt bei der Geburtenrate: Die biologische Uhr der Frau. Dies gilt es heute mehr denn je bei der Realisierung von Kinderwünschen zu berücksichtigen, da die Mutterschaft scheinbar immer später eintritt. Jedoch kann man den aktuellen Trend noch nicht absehen, da das Beobachtungsfenster zu kurz ist um alle Frauen im gebährfähigen Alter zu berücksichtigen (vgl. Konietzka 2007: S.139). Auch die Hochschulabsolventinnen zögern die Geburt des ersten Kindes immer weiter hinaus. Es scheint auch im Studium genauso wie für jede andere Ausbildung eine Art „Ausschließlichkeitsverhältnis“ (Konietzka 2007: S.162) zu bestehen. Sie beginnen erst Kinder zu planen, wenn es biologisch nicht mehr so günstig ist, da sonst eine Dreifachbelastung von Studium, Erziehung und evtl. noch Nebenjob einfach zu groß wäre.

Biologisch wäre für eine Frau der beste Zeitpunkt um schwanger zu werden zwi-schen 20 und 35 Jahren. Doch wie bereits erwähnt, sind nur gerade mal 29 Prozent der bis 29-jährigen Eltern. Erst so um die 30 Jahre fühlen sich die meisten nicht mehr zu jung um Kinder zu bekommen. Aber im Gegensatz dazu geht auch der Kinderwunsch ab etwa 30 steil zurück. Von denjenigen, die mit Anfang 30 noch keine Kinder haben, sind nur noch 31 Prozent entschlossen, Kinder zu bekommen. Auch Eltern über 30 schließen weitere Kinder eher aus als jüngere Eltern. Das Zeitfenster, indem ein Kinderwunsch also noch ausgeprägt vorhanden ist und sich die werdenden Eltern nicht mehr zu jung fühlen ist dementsprechend sehr gering. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.15)

Dieses Problem könnte man auf ein Modell zurückführen, das sich scheinbar in unseren Köpfen manifestiert hat. Es lautet: lange Ausbildungszeit – anschließend Berufserfahrungen sammeln – Familie gründen – Rückkehr in den Beruf. Eine ge-plante Elternschaft in der Ausbildung ist also eher unwahrscheinlich, da die Furcht vor finanziellen und materiellen Einschränkungen, sowie der Zeitaufwand für die Kinderbetreuung und –erziehung einfach zu groß ist. Die Frauen fürchten besonders die längere Ausbildungszeit und die negativen Berufschancen welche ein Kind mit sich bringen würde (vgl. Konietzka 2007: S.141). Also überrascht es nicht, dass gerade Frauen mit höherer Schulbildung und Studium kinderlos bleiben. Denn sind sie erst einmal im Berufsleben angelangt, sind sie oft schon über 30 und der Kinderwunsch lässt nach, das biologische Zeitfenster schließt sich. Hieraus ergab sich auch das mittlerweile hohe Durchschnittsalter von Gebärenden, was jedoch nicht für gut befunden wird sonder für einfach nicht anders möglich. Die Mehrheit der Frauen würde nämlich das optimale Alter für Kinder bei Anfang bis Mitte 20 festsetzen. Tatsächlich jedoch liegt derzeitig das Durchschnittliche Alter von werdenden Müttern bei 30,1 Jahren. (Statistisches Bundesamt, Stand 2006) Die Geburt des ersten Kindes ist im Durchschnitt bei Ende 20 und somit am Ende des Zeitfensters. Je später die Geburt des ersten Kindes, desto unwahrscheinlicher folgen weitere. Um also für die Zukunft ein Konzept zur Erhöhung der Geburtenrate zu entwickeln, muss zunächst darüber nachgedacht werden, wie Mutterschaft und Beruf miteinander vereinbart werden können. So würde das Zeitfenster verbreitert werden und die Familiengründungen könnten früher stattfinden, nämlich nicht erst nach dem Sammeln von Berufserfahrung nach Ausbildung oder Studium. Wenn dann die Paare früher ihr erstes Kind bekommen würden, wäre auch die Entscheidung für ein weiteres Kind wahrscheinlicher. Doch noch ist die Einstellung unter den Befragten so, vor allem bei den Kinderlosen, dass viele erst einmal eine Zeit lang im Beruf stehen wollen, Unabhängigkeit genießen und etwas vom Leben haben bevor sie Kinder kommen. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.20)

Es wäre jedoch zu einfach zu sagen, dass dann der richtige Zeitpunkt für ein Kind gekommen sei, wenn man erst einmal eine Weile im Beruf steht und unabhängig war. Für deine konkrete Kinder-Planung sollte außerdem eine stabile Partnerschaft bestehen, der Partner sollte eine beruflich gesicherte Position haben um die Familie finanziell zu unterstützen, wenn ein Elternteil aus dem Beruf ausscheidet. Außerdem bleibt der Gedanke an die Kinderbetreuung, wenn denn dann der berufliche Wiedereinstieg stattfinden soll.

3.2. Konflikte mit beruflichen und materiellen Zielen

Neben der finanziellen Belastung (47 Prozent) und dem Denken, für Kinder noch zu jung zu sein (47 Prozent), sagen Kinderlose vor allem es gäbe vielleicht Konflikte mit ihren beruflichen Zielen (37 Prozent). (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.26) Auch Eltern geben diese Gründe gegen weitere Kinder an, so sagen 10 Prozent der Männer, aber 27 Prozent der Frauen ein weiteres Kind stünde ihren beruflichen Plänen im Weg. Außerdem denken sie, sie haben bereits die für sie optimale Familiengröße erreicht, denn mehr Kinder wäre eine zu große finanzielle Einschränkung. 31 Prozent der Männer, 22 Prozent der Frauen fürchten, dass ihre Interessen und Hobbies durch Kinder eingeschränkt werden würden. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.29) Den kinderlosen Männern fällt es außerdem schwerer als den Frauen, auf ihre Freiräume und Unabhängigkeit zu verzichten. Dieser Punkt ist jedoch auch einer, der von Eltern angegeben wird keine weiteren Kinder zu bekommen.

39 Prozent der Kinderlosen ohne Kinderwunsch haben den Eindruck, zu viele Interessen zu haben, die sich mit einem Kind nur schwer vereinbaren lassen. 50 Prozent der Kinderlosen ohne Kinderwunsch (und nur 9 Prozent derer mit Kinderwunsch) halten Kinder für anstrengend und zweifeln, ob sie die Kraft und Nerven hätten, mit diesen Anstrengungen fertig zu werden. Außerdem ist ihnen ihre persönliche Freiheit einfach wichtiger. Wer sich hingegen Kinder wünscht, ge-nießt es eher gebraucht zu werden und kümmert sich gerne um andere. Die Egozentrische Lebensausrichtung nimmt jedoch verstärkt zu. Ob man nun zu den einen oder den anderen gehört wird oft schon in der Kindheit geprägt, je nachdem ob man mehr oder weniger mit anderen Kindern zusammen aufgewachsen ist. Es läst sich außerdem sagen, dass die, die selbst mit anderen Kindern aufgewachsen sind eher sagen, dass sie eine glückliche Kindheit hatten. (Vgl. S.32)

3.3. Sorge vor finanziellen Einschränkungen

Egal ob kinderlos oder bereits Eltern: Hauptargument gegen (weitere) Kinder ist das Geld. Hier kann die Politik verschiedenste Instrumentarien nutzen um Familien zu fördern. Die Menschen sind zum großen Teil davon überzeugt, dass man durch Kinder benachteiligt wird. Zwar nicht nur, aber doch vor allem finanziell. 62 Prozent der Eltern ziehen die Bilanz, dass sie nach der Geburt ihres ersten Kindes finanziell in einer schlechteren Position waren als zuvor. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.39) Von den Kinderlosen sagen sogar 82 Prozent, dass sie bestimmt durch Kinder finanziell beeinträchtigt werden würden. Die Frage lautet also, ob vielleicht so manche sich gegen Kinder entscheiden, aus Angst vor finanziellen Schwierigkeiten, obwohl sie eigentlich gerne Kinder hätten. Dies ist allerdings nur begrenzt nachweisbar. Aber es lässt sich sagen, dass wer ganz sicher Kinder möchte, und nicht etwa nur vielleicht, keine spürbaren Einschränkungen erwartet. Allerdings sind das auch die, die ihre finanzielle Situation schon vorher als gut einschätzen.

Je kritischer die wirtschaftliche Situation ist, je unsicherer ist der Kinderwunsch. Dies lässt sich auch bei den Eltern feststellen. Zwar nicht ganz so intensiv wie bei den Kinderlosen, doch treffen auch sie die Entscheidung für weitere Kinder abhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation. So wird der Kinderwunsch oft verschoben und tritt dann manchmal überhaupt nicht mehr ein. Die Mehrheit der Eltern, vor allem die Jüngeren, sind daher der Meinung, dass der Staat nicht genug hilft und dass dies Einfluss auf den Kinderwunsch hat. 59 Prozent der Eltern gehen davon aus, dass der Staat durch Kindergeld, Erziehungsurlaub und den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur die Entscheidung für ein Kind erleichtert. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.46)

Leider liegen noch keine neueren Daten vor, ob sich seit der Einführung des Eltern-geldes hieran etwas geändert hat. Jedoch gab es bereits beim Gesetzesentwurf re-ge Diskussionen wegen der Einführung der Vätermonate. Denn nun ist die Verein-barkeit von Familie und Beruf nicht mehr nur ein Frauenthema (vgl. APuZ 7/2007: S.15).

4. Spannungsfeld Familie und Beruf

Nur 8 Prozent der Befragten ist dafür, dass werdende Mütter weiter arbeiten sollten. 49 Prozent sind für eine Teilzeitbeschäftigung und nur 29 Prozent favorisieren den totalen Berufsausstieg. Die Realität ist jedoch eine andere. (Vgl. Institut für Demos-kopie Allensbach 2004: S.52) 95 Prozent der Mütter und 85 Prozent der Väter geben an, dass sie die Hauptbetreuungspersonen der Kinder sind. 88 Prozent der Väter und 43 Prozent der Mütter sind Vollzeit beschäftigt. Die Mütter würden eher zu-hause bleiben, können dies jedoch oft aus finanziellen Gründen nicht. Fragt man, ob sie lieber mehr finanziell unterstützt werden wollen oder ob eher die Betreuungsstruktur ausgebaut werden sollte, wählt die Mehrheit die finanzielle Unterstützung. Sowohl Väter als auch Mütter geben in Mehrheit an, dass sie der Familie klar den Vorrang vor dem Beruf geben (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.56). Zu diesem Punkt kamen wir auch in unserer Sitzung vom 13.6.2007 mit einem passenden Textauszug von Walter Hollstein. Er stellte allgemein fest, dass Frauen mehr als Männer in Teilzeit und geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen angestellt sind. Sie verdienen deutlich wenigen als Männer, welche eher zu „Machtpositionen“ neigen. Es ist die Aufgabe der Frau Familie und Beruf zu vereinen, was eine enorme Doppelbelastung bedeutet. So bleibt keine Kraft mehr für einen Berufsaufstieg. (vgl. Hollstein 2004: S.346). Doch mit der Einführung des Elterngeldes und der Möglichkeit, dass auch Väter in Erziehungsurlaub gehen können, ist zumindest die Frage der Vereinbarkeit nicht mehr nur die der Mütter.

Nur etwa jede fünfte Frau plant, irgendwann wieder in die Vollzeitbeschäftigung zu wechseln. 48 Prozent der Mütter wollen langfristig teilzeitbeschäftigt sein. Da die Frauen der Familie den Vorrang geben sind kaum Frauen auf gehobenen Positio-nen zu vermerken. Obwohl die Frauen bis 30 Jahre noch fast zum gleichen Teil wie die Männer auf Leistungspositionen vertreten sind. Doch später beträgt die Frauenquote nur noch etwa 20 Prozent (vgl. APuZ 7/2007: S.16). So wird hoch qualifiziertes Potential nicht genutzt. Familie und Beruf scheinen einander auszuschließen. Und trotzdem: Die Geburtenrate ist trotz unterdurchschnittlichem Anteil in Vollzeit beschäftigter Frauen sehr gering, da die Mehrheit der Frauen darunter leidet nicht arbeiten zu können. Sie wollen in den Beruf zurück, da sie glauben ein geringeres gesellschaftliches Prestige zu haben als arbeitende Frauen. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.58) Sie wollen das Familieneinkommen erhöhen und soziale Kontakte knüpfen. Auch glauben sie schwerer den Anschluss wieder zu finden, je länger sie zuhause waren. Bei Kinderlosen Frauen ohne Kinderwunsch sind diese Argumente noch ausgeprägter.

Bei Hochschulabsolventinnen ist außerdem der Grad der Beschäftigung von Bedeutung für den Kinderwunsch. Entweder sollte sie einen hohen Beschäftigungsstatus haben, so dass nach der Geburt der Wiedereinstieg gelingt, oder aber es ist absolut keine tragfähige Erwerbstätigkeit in Sicht (vgl. Konietzka 2007: S.163).
„Fast drei Viertel der jungen Wissenschaftler in Deutschland haben keine Kinder. Erstmals wurden in einer Untersuchung alle Jungforscher an den Universitäten eines ganzes Bundeslandes erfasst, in Nordrhein-Westfalen nämlich: Dort befragte die Universität Dortmund rund 22.000 Doktoranden, wissenschaftliche Mitarbeiter, Assistenten und Juniorprofessoren. 73 Prozent sind demnach kinderlos, wie die "Zeit" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Bei den jungen Wissenschaftlerinnen sind es 78 Prozent ohne Kinder, bei den Männern 71 Prozent. In der Altersgruppe zwischen 37 und 42 Jahren, also im schon relativ fortgeschrittenen Alter, sind immer noch rund 58 Prozent der Forscherinnen und 50 Prozent der Forscher kinderlos. "Unsere Gesellschaft hat das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerade in der Wissenschaft noch nicht verstanden", kritisierte Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.“ (Unispiegel, 2006)

5. Bewertung der aktuellen Betreuungsinfrastruktur

Ob die Betreuung des Kindes sichergestellt werden könnte, spielt für die Kinderlo-sen, aber auch für Eltern eine nicht all zu große Rolle. Daraus lässt sich schließen, dass unsere Gesellschaft in den Eltern die bestmöglichen Betreuungspersonen sieht, so ist kein öffentlicher Betreuungsplatz von Nöten. Würde jedoch die Erziehung und Betreuung auf öffentliche Einrichtungen übertragen werden, müsste kein beruflicher Ausstieg stattfinden. So war es in der DDR beispielsweise kein Problem Kind und Beruf miteinander zu vereinen. Die „werktätige Hausfrau und Mutter“ (Konietzka 2007: S.142) war Normalität, genauso wie die Integration der Mütter im Berufsleben und die öffentliche Erziehung und Betreuung der Kinder.

Eltern empfinden die Betreuungssituation also als absolut ausreichend, Väter mehr als Mütter. Da doch die meisten Mütter zuhause bleiben ist diese auch nicht sofort von Nöten, also auch noch nicht im Bewusstsein bis zum beruflichen Wiedereinstieg. Zudem spannt sich die Mehrheit zusätzlich ihr eigenes Netz von Helfern aus Familie, Bekannten und Babysitter für Notfälle wie Krankheit oder ähnliches. So geben 71 Prozent der Mütter an, in den meisten Fällen wenigstens eine Person zu haben, die die Betreuung der Kinder übernehmen könnte, wenn nötig. Dies hängt damit zusammen, dass von 78 Prozent der Eltern Verwandte in der Nähe wohnen. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.68) So gibt es kaum Unzufriedenheit, obwohl Deutschland im internationalen Vergleich ein sehr schwach entwickeltes Betreuungssystem aufzuweisen hat. Wer aber Mängel im Betreuungswesen empfindet, wünscht sich vor allem mehr Angebote an Ganztagsbetreuung, für nachmittags und flexiblere Betreuungszeiten. Vor allem das Interesse an Ganztagsschulen wird immer größer, wie bei der Befragung 36 Prozent aller Eltern mit schulpflichtigen Kindern angaben. (Vgl. Institut für Demo-skopie Allensbach 2004: S.65)

Dies trifft auch auf die Hochschulabsolventinnen zu, für die eine flexible Kinderbe-treuung von höchster Priorität wäre. Denn in ihren Berufen werden größtenteils zeitliche Flexibilität und räumliche Mobilität gefordert um aufzusteigen. Das erschwert bereits eine stabile Partnerschaft, macht aber eine Vereinbarkeit von Kind und Beruf beinahe unmöglich. So bleibt den Frauen hier nur die Teilzeit-Beschäftigung, was oft als mangelndes Engagement und fehlende Motivation interpretiert wird (vgl. Konietzka 2007: S.163).

Es sollte also ein Ziel sein, die Betreuungssituation zu verbessern, da man im inter-nationalen Vergleich sieht, dass mit einer niedrigen Geburtenrate eine niedrige Er-werbsquote von Frauen einhergeht. Schafft man es Familie und Beruf besser mitei-nander zu vereinbaren, würde man langfristig gesehen die Geburtenrate steigern und die Ressourcen gut ausgebildeter Frauen besser nutzen können. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S 68) Auch das enge Zeitfenster könnte so vergrößert werden. Dabei ist nicht nur der Staat, sondern auch die Wirtschaft gefragt. Denn neben den Betreuungsangeboten der Kommunen, welche mit Ganztagsbetreuungsplätzen und flexibleren Öffnungszeiten ausgebaut werden müssten, würden auch flexiblere Arbeitszeiten (75 Prozent der Frauen) und betriebliche Betreuungsmöglichkeiten (67 Prozent der Frauen) die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Man muss aber auch erwähnen, dass die Betriebe sich teilweise schon jetzt sehr um ihre Familien bemühen. Nur 27 Prozent der Berufstätigen machen die Erfahrung, dass man keine Rücksicht auf sie nimmt. Aber nur eine Minderheit der Betriebe hat bisher wirklich durchdachte Konzepte hierfür entwickelt. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.71)

6. Die Stabilität der Partnerschaft als Einflussfaktor

„Ein großer Anteil gewollt kinderloser Frauen und Männer ist im Vergleich zu Eltern alleinstehend.“ (CARL, Gewollt kinderlose Frauen und Männer, S.180)

Da bei uns in Deutschland die meisten es so vorhersehen, dass durch die Geburt eines Kindes eine Frau ganz oder teilweise aus dem Beruf ausscheidet, ist eine stabile Partnerschaft von allerhöchster Bedeutung. 84 Prozent der 18- bis 44-jährigen nennen die Stabilität der Beziehung als eine der Voraussetzungen, die unbedingt erfüllt sein sollte, ehe die Entscheidung für ein Kind getroffen wird. Aber nur etwa die Hälfte aller Verheirateten und zusammenlebenden denkt, dass diese Partnerschaft ein Leben lang hält. Eltern noch eher als Kinderlose. 25 Prozent der Kinderlosen ohne Kinderwunsch haben Zweifel an der Stabilität ihrer Beziehung, aber nur 6 Prozent bei den Eltern. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.76)

„Der Partner (…) spielt bei dem Entscheidungsprozess Kinder zu bekommen oder nicht eine große Rolle.“ (CARL, Gewollt kinderlose Frauen und Männer, S.66)

Hier kann der Staat kaum unterstützend eingreifen. Er kann nur zusätzliche Unters-tützung für Alleinerziehende anbieten, sowohl finanziell, als auch was die Kinderbetreuung angeht. Dies könnte zu Kindern ermutigen ohne die Partnerschaft als zwingende Notwendigkeit. Derzeit beschreiben nur 27 Prozent der Alleinerziehenden ihre wirtschaftliche Lage als gut. Auch bewerten nur 42 Prozent der Alleinerziehenden die Betreuungsangebote als ausreichend. Bei den restlichen Eltern sind es 61 Prozent. Vor allem die ganztägige Betreuung ist für Alleinerziehende ein Problem. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.80)

Bei der Untersuchung von Paaren, bei denen beide Partner hoch qualifiziert sind, hat sich außerdem gezeigt, dass die Prognosen für Kinder günstiger sind, als wenn nur die Frau hoch qualifiziert ist. Außerdem wünschen sich die Männer in solchen Beziehungen häufiger Kinder, um die Paarbindung zu stärken. Jedoch nicht, wenn sich dies negativ auf Beziehung, Nachbarschaft und Öffentlichkeit auswirkt. Die hochqualifizierten Frauen sprechen sich insbesondere dann gegen Kinder aus, wenn sie dadurch eine psychische Belastung erwarten, glauben keine Freizeit mehr zu haben und die finanziellen Einschränkungen fürchten. Dies ist besonders bei den gut verdienenden Frauen der Fall, die in einer Beziehung leben, in der der Partner weniger hoch qualifiziert ist (vgl. Konietzka 2007: S.292).

7. Entfremdung von Kindern

Ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung hat keinen regelmäßigen Kontakt mehr zu Kindern und entfremdet sich so allmählich von ihnen. Das mag an der de-mographischen Entwicklung liegen, da es immer weniger Kinder gibt im Verhältnis zum Rest der Bevölkerung. Nur 36 Prozent haben wenigstens einmal pro Woche Kontakt zu Kindern. 34 Prozent ein- bis zweimal pro Monat und 27 Prozent gerade mal drei- bis viermal im Jahr. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.82)

Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Kontakt zu Kindern und dem letztendlich eigenen Kinderwunsch. Dies lässt sich erkennen, da die Kinderlosen ohne Kinderwunsch im Großen und Ganzen auch die sind, die kaum Kontakt zu Kindern haben. Umgekehrt haben aber 46 Prozent der Kinderlosen mit Kinderwunsch mindesten einmal pro Woche Kontakt zu Kindern. Es ist auch so, dass der Bekannten- und Freundeskreis in etwa der eigenen Lebenssituation entspricht. So berichten 65 Prozent der Eltern, dass die meisten ihrer Bekannten auch Kinder haben. Bei den kinderlosen sind es nur 7 Prozent. Die Kinderlosen haben also auch Kinderlose Freunde. So können sie sich kein eigenes Bild davon machen, was für Vor- und Nachteile Kinder mit sich bringen, welche Erfüllung ein Kind einem geben kann, sonder erkennen nur sie offensichtlichen Einschränkungen, die man mit einem Kind auf sich nimmt. Da sie selbst meist keine Eltern in ihrem Freundeskreis haben, assoziieren sie schnell Kinder mit finanziellen Einschränkungen, weniger soziale Kontakte usw. Hier bleibt zu überlegen, wie man dieser Entfremdung durch Kampagnen oder ähnliches entgegenwirken könnte. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.83)

8. Elternschaft aus sozialer Verantwortung?

In der letzen Zeit wurden immer mehr Stimmen laut, die Kinderlosen seien der Ge-sellschaft etwas schuldig wegen des sozialen Sicherungssystems. Doch die meisten lassen sich davon nicht beeindrucken. 75 Prozent halten diese Entscheidung für Privatsache und die ist nicht unter solchen sozialstaatlichen Gesichtspunkten zu bewerten. Auch Eltern sind dieser Meinung. Macht man den Kinderlosen jedoch keinen Vorwurf sondern trägt ihnen nur vernünftig vor, wie wichtig Kinder für unsere Zukunft sind zeigen sie sich schon etwas aufgeschlossener, doch sind noch immer 58Prozent der Auffassung, dass die Gesellschaft keine Rolle bei dieser Entscheidung spielen sollte. Aber immerhin sagen so auch 27 Prozent man sollte diesen Aspekt nicht außer Acht lassen. (Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004: S.88ff)

Umgekehrt zeigt sich aber auch, dass die Kinderlosen mit Kinderwunsch auch die gesellschaftliche Überlegung mit einbeziehen. Obwohl 42 Prozent der Meinung sind, dass eine Erhöhung der Geburtenrate nur wenig dazu beitragen könnte das Sicherungssystem zu stabilisieren. 39 Prozent gehen davon aus, dass es klappen könnte. Alle die bereits Kinder haben oder wollen sehen jedenfalls den Zusammenhang zwischen Kindern und Absicherung eher ein als die, die keine Kinder möchten.

9. Fazit

Lange Zeit waren in Deutschland Diskussionen über Möglichkeiten, die Geburtenrate zu steigern, verpönt. Die Entscheidung für Kinder galt als Privatsache, für die sich der Staat nicht zu interessieren hat. Erst nach der Entscheidung darf der Staat mit Hilfen wie Kindergeld, Erziehungsgeld oder steuerlichen Maßnahmen un-terstützend eingreifen. Alle bisherigen Unterstützungsleistungen haben nicht verhindern können, dass die Geburtenrate weiter abgesunken ist. Mittlerweile geht die Bevölkerungswissenschaft davon aus, dass künftig 30 Prozent aller Frauen keine Kinder haben werden. Viele Versuche, diese Entwicklung zu erklären, setzen wiederum bei den staatlichen Unterstützungsleistungen an und kommen in der Regel zu dem Schluss, die finanzielle Unterstützung von Familien sei unzureichend, ebenso die kommunale Infrastruktur zur Betreuung von Klein- und Schulkindern. Bisher ist jedoch weitgehend ungeklärt, wieweit finanzielle Unterstützungsleistungen des Staates oder die Betreuungsinfrastruktur in der Phase der Entscheidung für oder gegen Kinder eine Rolle spielen und welche anderen Überlegungen, Lebensziele und Umstände der persönlichen Lebenssituation die Entscheidung beeinflussen. Um überhaupt abschätzen zu können, wieweit der Staat mit seinem Instrumentarium Chancen hat, zur Ent-scheidung für Kinder zu ermutigen, muss die ganze Bandbreite der Einflussfaktoren geklärt werden und ihre Wertigkeit, ihre Bedeutung im Entscheidungsprozeß Kinder zu bekommen oder nicht.

10. Literaturverzeichnis

- APuZ, Aus Politik und Zeitgeschichte: Familiengründung und Beruf, bpb, Beilage zur Wochenzeitung „das Parlament“, Ausgabe 7/2007
- CARL, Christine: Leben ohne Kinder, Rowohlt TB 2002
- CARL, Christine: Gewollt kinderlose Männer und Frauen, VAS 2002
- DUSCHEK / WIRTH (2005): Kinderlosigkeit von Frauen im Spiegel des Mikrozen-sus, Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Wirtschaft und Statistik, Heft 8/2005, S. 800-820
- HOLLSTEIN, Walter: Geschlechterdemokratie, VS Verlag 2004
- INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH: Einflussfaktoren auf die Geburtenrate, Studie 2004 http://www.ifd-allensbach.de/pdf/akt_0407.pdf
- KONIETZKA, Dirk (2007): Ein Leben ohne Kinder, VS Verlag
- SCHMITT/ WINKELMANN (2005): Wer bleibt kinderlos? Feministische Studien 23: S. 9-23)
- STATISTISCHES BUNDESAMT DEUTSCHLAND: Durchschnittliche Kinderzahl je Frau, 2006,
- http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/GeburtenSterbfaelle/Tabelen/Content50/GeburtenZiffer,templateId=renderPrint.psml
- STATISTISCHES BUNDESAMT DEUTSCHLAND: Durchschnittliches Alter der Mütter bei der Geburt ihrer lebendgeborenen Kinder in Deutschland, 2006,
- http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Intenet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/GeburtenSterbefaelle/Tabellen/Content75/GeburtenMutterater,templateId=renderPrint.psml,
- UNISPIEGEL: Uni-Karriere nur ohne Baby, BERUFSRISIKO KINDERLOSIGKEIT, 06. April 2006,
- http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,410094,00.html



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