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Sophie Scholl - Die letzten Tage
Datum: 01. Januar 2011 Kommentare: 0
Zusätzliche Informationen:
Zudem gibt es Arbeitsmaterial zum Film: 1. Rechercheaufgaben im Internet. 2. Informationen und Hilfestellungen zur Filmsprache. 3. Erläuterungen zur Filmsprache.
Kann in Verbindung mit der Hausarbeit 'Sophie Scholl - Die letzten Tage' im Deutschunterricht ab Klasse 7 verwendet werden.
Beschreibung:
Hausarbeit Fachbereich Germanistik-Literatur im Dritten Reich-Analyse und didaktische Ausarbeitung des Kinofilms 'Sophie Scholl - Die letzten Tage'. Die Arbeit beschreibt eine Unterrichtseinheit und gibt Lernziele für den Unterricht in der Sekundarstufe an. Es werden Grundlagen der Filmanalyse am Beispiel erarbeitet, um die Wirkung des Films zu veranschaulichen.

Sophie Scholl - Die letzten Tage
Sophie Scholl - Die letzten Tage
Didaktische Umsetzung im Unterricht der Sekundarstufe
Inhaltsverzeichnis
Problemstellung
Im Forum zum Film www.sophiescholl-derfilm.de schreibt ein Kinogänger folgendes:
„Ich habe gestern die Premiere in Essen gesehen. Ich weiß gar nicht, wie ich die Gefühle nach diesem Film beschreiben soll. Es ist heute 62 Jahre und drei Tage her seit Sophie, ihr Bruder und alle die anderen hier in Deutschland von Deutschen hingerichtet wurden. Ich gehöre nicht zu der "Kriegsgeneration", aber das beschämt mich. Wo stehen wir heute? Was haben wir daraus gelernt? Haben wir daraus etwas gelernt? Wie viele Idioten gibt es in diesem Land, die immer noch denken, dass ein totalitäres System das Heil ist? Wie viel mutiger ist es nicht mit dem Strom zu schwimmen und stehen zu bleiben. Ich hoffe mein Sohn kann mir auch irgendwann sagen: "Mein Vater hat mir beigebracht ein aufrechter Mensch zu sein" Vielleicht liegt deshalb auch bei dem aktuellen deutschen Kinofilm „Sophie Scholldie letzten Tage“ der filmische Fokus auf Sophie Scholl, mittlerweile der dritte deutsche Spielfilm, der sich mit der Widerstandskämpferin beschäftigt. Aus der Perspektive Sophie Scholls schildert der Film die Verhöre, den Prozess und die Verurteilung. Sophie gibt sich anfangs ahnungslos. Sie kämpft um ihre Freiheit und die ihres Bruders. Sie ahnt, dass sie die Todesstrafe erwartet, und stellt sich doch schützend vor ihren Bruder und die anderen Widerstandskämpfer. Der Gestapo- Mann Mohr beginnt Sophie zu bewundern. Er würde ihr helfen, wenn sie sich als Mitläuferin darstellen würde. Doch sie steht zu ihrer Überzeugung und konfrontiert Mohr mit seiner unreflektierten Meinung zu Recht und Gerechtigkeit. Sie ist ein aufrechter Mensch.
Mit der zunehmenden Bedeutung des Films für Kultur und Gesellschaft wächst auch die Aufmerksamkeit für die Film-Bildung in Schulen. Voraussetzung für einen bewussten Umgang mit dem Medium sind das Wissen über die Filmsprache, Kenntnisse von den Zusammenhängen zwischen Filmproduktion und Entstehungszeit und Filmgeschichte.
Es besteht ein großer Nachholbedarf für junge Menschen im Bereich des Mediums Film. Filme sind schon für Kinder ein faszinierendes Mittel zur Unterhaltung und zum Lernen. Es besteht aber ein enormes Defizit hinsichtlich des Wissens, mit dem man Filme beurteilen kann: Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Film?
Welche formale Sprache verwendet der Film? Wie ist die Bildqualität zu beurteilen?
Welche Inhalte werden über die Bildersprache transportiert?
Diese Arbeit stellt die Unterrichtseinheit „Sophie Scholl- die letzten Tage“ vor, welche mit Hilfe des Filmbuchs, des Kinofilms und ergänzender Literatur zur Filmsprache erarbeitet wurde. Der Inhalt des Films wird in ausgewählten Szenen im Rahmen der Filmanalyse eingearbeitet. Standbilder (Screenshots bzw. Frames) des Films sollen die Aussagen verdeutlichen.
Warum „Sophie Scholl- die letzten Tage“ im Unterricht?
Es gibt nun mittlerweile drei Filme (Die weiße Rose von Michael Verhoeven; Fünf letzte Tage von Percy Adlon; Sophie Scholl- die letzten Tage von Marc Rothemund), die sich konkret mit dem Thema Weiße Rose beschäftigen. Sie alle können sicherlich im Unterricht genutzt werden. Nun stellt sich die Frage, weshalb ich diese Filmversion für meinen Unterricht auswähle? Der Film von Marc Rothemund setzt in Bezug auf die Geschichte der Weißen Rose neue Maßstäbe. Hier ist es interessant, die Beweggründe des Regisseurs, warum ein neuer Film über Sophie Scholl gedreht werden sollte, mit einzubeziehen. Dabei spielt die Inspiration durch die Fakten eine wesentliche Rolle. In den letzten Jahren sind neue Dokumente ans Tageslicht getreten, die zur Produktionszeit der beiden Filme in den 80 er Jahren noch nicht vorhanden waren, das sie in Stasi-Archiven verschlossen waren. Hierbei handelt es sich um Protokolle der Gestapo über die Verhöre und die Geständnisse der Weißen Rose- Mitglieder. Diese akribisch geführten Protokolle helfen dabei die Situation und die letzten Tage der Widerstandskämpfer nachzuvollziehen. So wurden diese Dokumente in die Handlung und die Dialoge so authentisch wie möglich integriert, wodurch der Film historische Fakten auf interessante und angenehme Weise dem Zuschauer vermittelt. Im Vordergrund stehen die letzten fünf Tage im leben von Sophie Scholl. Der Film beginnt am Vorabend der Verhaftung und endet mit ihrer Ermordung. Somit kann man die Zeitspanne eingrenzen, nämlich vom 17.2. bis 22.2.1943. Der Zuschauer begleitet Sophie in diesem Zeitraum durchweg. Als Hauptfigur soll sie als Mensch, nicht als Heldin gezeigt werden. Der Zuschauer erlebt die Verhöre mit Mohr, die Momente der Verzweiflung von Sophie, ihre Gerichtsverhandlung und letztlich ihren Tod. Durch das Miterleben von Sophies Schicksal entsteht eine enge Verbindung des Zuschauers mit der Hauptfigur. Man beginnt mit ihr zu fühlen und sich zu überlegen, wie man sich selbst verhalten hätte. Die Idee von Rothemund und Breinersdorfer war: Je enger die Bindung, umso höher die Identifikation mit ihrem Schicksal, ihrer Haltung, ihren Argumenten und Emotionen. Es besteht die Hoffnung, dass Sophie Scholl eine Vorbildfunktion für Jugendliche in der heutigen Zeit übernehmen kann.
Wie dieser persönliche Bezug zu einer Figur im Film entstehen kann, soll mit den Schülern erforscht werden. Hierfür lernen sie die Grundlagen der Filmsprache kennen. Die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten des Films sollen am Beispiel von Sophie Scholl ausgearbeitet werden. Dass man so keine Regisseure heranziehen kann bedarf keines weiteren Kommentars- jedoch können exemplarisch einige Grundlagen geschaffen werden, die man dann auf weitere Filme übertragen kann.[1]
Beschreibung der Unterrichtseinheit
In einem ersten Teil werden Grundlagen in Bezug auf die Geschichte der Weißen Rose recherchiert. Die Ergebnisse werden in Gruppen präsentiert und diskutiert. Zu Beginn des zweiten Teils der Unterrichtseinheit soll der Film im Kino oder auf DVD angeschaut werden. Hieran schließt eine Diskussion und ein Erfahrungsaustausch der Schüler. Zusätzlich soll eine präzise Inhaltsangabe verfasst werden. Hierauf folgt die Filmanalyse. Zunächst wird das grundlegende Arbeitsblatt „Filmsprache“, welches als Hilfestellung dienen soll besprochen. Nun beginnt die Analyse einzelner ausgewählter Filmsequenzen. Zur Sicherung werden die Ergebnisse der Analyse nach jeder Filmsequenz im Tafelbild und im Heft der Schüler festgehalten. Zum Schluss werden die Ergebnisse der Filmsequenzanalysen in einem Filmheft zusammengeführt. Es entsteht eine Informationsbroschüre zum Film, die ergänzende Arbeiten, wie zum Beispiel persönliche Filmkritiken enthalten kann.
Lernziele
Inhaltliche Ziele
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Geschichte der Weißen Rose kennen lernen. Sie sollen sich mit den Gründen für das Scheitern der Widerstandsbewegung befassen. Sie sollen ethische Aspekte des Widerstands gegen Unrechtsregime diskutieren (eventuell fächerübergreifend mit Geschichte Religion, Ethik, Philosophie).
Ziele aus dem Bereich Medienkompetenz
Die Schülerinnen und Schüler sollen den effektiven Umgang mit dem Medium Film kennen lernen. Sie sollen dabei grundlegende Praktiken der Filmanalyse kennen lernen und selbst anwenden lernen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen das Internet als Recherchemedium nutzen. Sie sollen Kriterien für die Qualität von Internetseiten kennen lernen. Sie sollen ihre Informationsquellen kritisch bewerten. Sie sollen ihre Ergebnisse präsentieren lernen, zum Beispiel mit PowerPoint oder multimedial.
Didaktisch-methodischer Kommentar
Die Recherche im Internet oder mit CD-ROMs ermöglicht einen raschen und gezielten Zugriff auf eine Vielzahl von Informationen, die sowohl Text- als auch Bild-, Ton- und Filmmaterial umfassen. Die Internetseiten, die von der Klasse für ihre Informationsbeschaffung benutzt werden sollen, sind ausgewählt. Das vermeidet ein zielloses Umherirren im Netz. Den Schülerinnen und Schülern wird so zwar vorgegeben, wo sie zu suchen haben, doch müssen sie die entsprechenden Fakten und Materialien selbstständig auswerten und weiterverarbeiten. Dies sind die zentralen Ziele dieser Sequenz. Bei einer anschließenden Schulung der Medienkompetenz lernen die Schülerinnen und Schüler inhaltliche und formale Kriterien kennen, mit denen sich eine Internetseite bewerten lässt.
Vor der Arbeit mit dem Film sollten den Schülern die Begriffe klar sein, die zum Verständnis notwendig sind. Diese sollten gegebenenfalls im Geschichtsunterricht geklärt oder recherchiert und präsentiert werden.
Geschichtliches Vorwissen ist nötig in den Bereichen:
· Gleichschaltung im NS-Staat
· Jugendorganisationen
· Staatsterror durch Gestapo und SS
· Entrechtung und Verfolgung der Juden
· Machtausdehnung im Osten und Westen
· Ausbeutung der Menschen in den besetzten Gebieten
Für Schulen in München oder der näheren Umgebung bieten sich Unterrichtsgänge zu den im Film gezeigten Schauplätzen an: Universität, Friedhof Stadelheim, Franz-Josef-Straße 13 (Wohnung der Geschwister Scholl), Wittelsbacher Palais (Gestapo-Hauptquartier), Justizpalast etc.
Wie lehrt man Grundlagen der Filmsprache in der Schule?
Der Film Sophie Scholl bietet viele mögliche Ansätze, um Schülern über filmsprachliche Mittel zu diskutieren. Er kann jedoch nicht exemplarisch für die gesamte Filmgeschichte stehen. Einige wichtige filmsprachliche Begriffe können behandelt und am Beispiel definiert werden. Es geht nicht darum diese Grundlagen auswendig zu lernen, viel eher sollen sie von den Schülern angewendet werden.
Denn so ist der Lernerfolg am größten, da auch die Motivation aufgrund der Selbsttätigkeit wesentlich höher ist. Ausgewählte Filmsequenzen von „Sophie Scholldie letzten Tage“ sollen aus mehreren Perspektiven bearbeitet werden:
- Gestaltung
- Inhalt
- Bedeutung
Diese Perspektiven werden im weiteren Gespräch wieder zusammengeführt. Die Schüler erkennen, dass die Verfilmung einer Geschichte nicht zufällig zu einem Film wird, der den Zuschauer zum Nachdenken, Mitfühlen oder sogar zur Selbstidentifikation bewegt. Sie lernen sozusagen die Stilmittel des Films kennen.
Für die Arbeit mit dem Film erhalten die Schüler ein Arbeitsblatt, das wesentliche Aspekte zusammenfasst, auf die sie während der gemeinsamen Filmanalyse achten sollen. Stichpunkte zu Kamera und Schnitt, Licht, Musik und Ton, Ausstattung, Schauspieler und Drehort sollen als Hilfestellung dienen. Diese werden kaum erläutert sondern sollen hauptsächlich zum Nachdenken und gezielten Beobachten anregen. Jede wiederholt gezeigte Filmsequenz wird unter diesen Aspekten gesichtet und analysiert. Am Schluss dieser Unterrichtseinheit sollte ein Produkt stehen, dass die Arbeit der Schüler als zusätzliche Sicherung zusammenfassend widerspiegelt. Ein Filmheft. Es bietet sich an die Schüler nun eine eigene qualifizierte Filmkritik schreiben zu lassen, die alle Aspekte der Filmanalyse wieder in einem Text zusammenführt.
Die Unterrichtseinheit
Verlaufsplan "Die Weiße Rose"
| Phase | Inhalt | Sozial- / Aktionsform | Medien / Dateien |
| Einführung / Problematisierung | Trailer zum Kinofilm: „Sophie Scholl- Die letzten Tage“ | Trailer ansehen/ Impuls Unterrichtsgespräch |
Trailer zum Kinofilm: „Sophie Scholl- Die letzten Tage“ |
| Erarbeitung (ca. 2 Std.) | Internetrecherche | Gruppenarbeit | Internet, AB und weitere CD-ROMs |
| Sicherung (ca. 1 Std.) | Präsentation der Ergebnisse | Schülervortrag, Unterrichtsgespräch | Plakate oder digitale Präsentation, Beamer |
Einstieg „Weiße Rose“
Als Einstieg in die Thematik kann der Trailer zum Kinofilm: „Sophie Scholl- Die letzten Tage“ dienen. Der Trailer soll bei den Schülern Fragen aufwerfen und Interesse anregen. Diese Audiovisuelle-Quelle findet sich zum Beispiel auf der Internetseite des Filmverleihs X-Verleih [2] beziehungsweise ab dem 3. September 2005 auf der DVD als Bonusmaterial [3]. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich frei zu dem kleinen Film äußern und sagen, was sie damit verbinden. Anschließend soll die Fragestellung "Wer waren die Mitglieder der Weißen Rose? Was waren die Motive, aktiv Widerstand zu leisten?" einen problematisierenden Anstoß für die Recherche geben.
Erarbeitung „Weiße Rose“
Die Schülerinnen und Schüler informieren sich anschließend in arbeitsteiliger Gruppenarbeit im Internet (fakultativ auch mithilfe von CD-ROMs) über die Weiße Rose. In den Gruppen sollen Recherchen angestellt werden
· Widerstand der "Weißen Rose",
· Sophie Scholl als Person
· Sophie Scholl- die letzten Tage (Kinofilm)
· evtl. Informationen zu weiteren Widerstandsbewegungen im dritten Reich (Differenzierung)
Nach den Sammeln, Sichten und Auswerten der Internetquellen sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse den anderen Arbeitsgruppen in einer eigenen Präsentation vorstellen. Sie müssen überlegen, welche Informationen sie mitteilen, wie und mit welchem Medium sie ihre Ergebnisse vorstellen.
Sicherung „Weiße Rose“
Die Arbeitsgruppen sollen die Präsentationsform nach ihren Kenntnissen, Fähigkeiten und Vorlieben frei wählen. Denkbar sind zum Beispiel Präsentationsformen wie eine Wandzeitung, Ausstellungstafeln/-plakate oder eine PowerPoint-Präsentation. Die Lehrkraft sollte bei der Auswertung und Umsetzung der Rechercheresultate darauf achten, dass die Schülerinnen und Schüler die Inhalte der Internetseiten und der CD-ROMs nicht einfach kopieren, sondern diese eigenständig verarbeiten. Wichtig ist es auch, der Klasse zu verdeutlichen, dass nicht allein die äußere Form der Präsentation zählt, sondern in erster Linie deren Inhalte.
Verlaufsplan "Sophie Scholl- die letzten Tage"
| Phase | Inhalt | Sozial- / Aktionsform | Medien / Dateien |
| Erarbeitung (ca. 2 Std.) | Kinofilm: „Sophie Scholl- Die letzten Tage“ Inhaltsangabe verfassen |
Film ansehen / Kinogang | Kinofilm: „Sophie Scholl- Die letzten Tage“ Kino oder DVD |
| Erarbeitung | Erste Eindrücke, Gefühle, Ideen sollen angesprochen werden. Frage: Wie wirkt der Film auf euch? Warum? Vorschläge! Überleitung zur Einführung in die Grundlagen der Filmanalyse |
Unterrichtsgespräch zum Kinofilm | |
| Erarbeitung | Die Grundlagen der Filmsprache | Unterrichtsgespräch | AB Filmsprache |
| Erarbeitung | Filmsequenzen sichten und analysieren (Inhalt, Gestaltung, Bedeutung) | Filmpräsentation Filmanalyse im UGespräch |
Film AB Filmsprache Tafel |
| Sicherung | Die Mitschriften/ Tafelanschrift Es soll ein Filmheft zum Film erstellt werden. Jeder Schüler schreibt eine qualifizierte Filmkritik. |
Einzelarbeit Gruppenarbeit Einzelarbeit / Partnerarbeit |
Mitschriften, Screenshots der DVD, Computer, Drucker |
Inhaltsangabe
Nach dem Kinobesuch folgt das Verfassen einer Inhaltsangabe, die so ähnlich aussehen könnte.
Februar 1943 in München: Die Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ druckt in ihrem Versteck, einem Hinterhofatelier, Flugblätter gegen das Terrorregime der Nationalsozialisten. Hans Scholl überrascht seine Freunde mit einem gefährlichen Plan: Am nächsten Tag will er den Aufruf an der Münchner Ludwig-Maximilian- Universität verteilen. Als er und seine Schwester Sophie am Morgen die Aula der Universität betreten, ist der Lichthof menschenleer. Doch in wenigen Minuten, um elf Uhr, werden die Studierenden und Professoren aus den Vorlesungen strömen. In aller Eile legen Hans und Sophie Scholl die Flugblätter aus. Beim Verlassen des Gebäudes treffen die Geschwister eine fatale Entscheidung: Um nicht mit einem halbvollen Koffer heimzukehren, wollen sie auch noch die letzten verbliebenen Blätter loswerden. Zurück auf der Empore, stößt Sophie übermütig einen ganzen Stapel hinunter in den Lichthof. Die beiden wissen nicht, dass sie längst beobachtet werden. Der Gong, der das Ende der Vorlesungen anzeigt, ertönt. Im Gewimmel der Studierenden werden sie vom Hausmeister festgehalten. Die zermürbenden Verhöre im Wittelsbacher Palais, der Münchner Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), dauern drei Tage. Der Inhalt der Flugblätter ist hochbrisant: Die Studentenschaft wird darin aufgerufen, Hitlers Herrschaft nach der vernichtenden militärischen Niederlage der deutschen Truppen in Stalingrad endlich entgegenzutreten. Für solchen „Hochverrat“ in Kriegszeiten droht den beiden die Todesstrafe. Der Vernehmungsbeamte Robert Mohr, Kriminalobersekretär bei der Gestapo, ist mit allen Wassern gewaschen. Er führt die Gespräche mit peinlicher Akribie, sieht aber von den bei der Gestapo üblichen brutalen Methoden ab. Eine ganze Weile kann ihm Sophie Paroli bieten. Geschickt weicht sie seinen Fragen aus und gibt nur zu, was nicht zu leugnen ist. Der Verhörspezialist lässt sich von der Unschuld der Geschwister überzeugen, denn die Ausreden beider sind genau aufeinander abgestimmt. Als Sophie in ihre Zelle geführt wird, rechnet sie mit ihrer baldigen Freilassung. Doch ihre Hoffnungen schwinden mit einem Schlag. In der gemeinsamen Wohnung hat die Gestapo erdrückende Beweise gefunden. Auch ihr Mitstreiter Christoph Probst ist nun schwer belastet. Als sie erfährt, dass Hans in seinem Verhör alles auf sich genommen hat, ändert Sophie ihre Strategie. Sie legt ein Geständnis ab, in dem sie sich und Hans zu alleinigen Tätern erklärt. Von nun an geht es nur noch darum, die anderen Mitglieder der Weißen Rose nicht zu verraten. Dass sie damit ihr Todesurteil unterschreibt, ist Sophie bewusst. Die Gespräche mit Mohr werden nicht nur zum nervenaufreibenden Versteckspiel, sondern auch zum philosophischen Schlagabtausch. Mit beeindruckender Schärfe benennt Sophie die Untaten des nationalsozialistischen Deutschland: politische Unterdrückung, Judenmord und Euthanasie. Ihr Gewissen und der Glaube an Gott ließen ihr keine andere Wahl als den Widerstand, beteuert sie. Der kaltherzige Beamte ist plötzlich verunsichert und baut der mutigen jungen Frau eine „goldene Brücke“: Sollte sie sich von ihrem Bruder ideologisch distanzieren, könnte sie dem Tod doch noch entkommen. Doch Sophie ist nun zu allem entschlossen und will ihre Überzeugungen bis zur letzten Konsequenz verteidigen. Wie es wirklich in ihr aussieht, weiß nur ihre Zellengenossin Else Gebel. Nachts betet Sophie zu Gott und weint sich in den Schlaf. Der eilends angesetzte Schauprozess vor Roland Freislers Volksgerichtshof ist eine Farce. Der gefürchtete Richter lässt die Angeklagten kaum zu Wort kommen, eine Verteidigung besteht nur zum Schein. Das Urteil steht ohnehin fest: Sophie, Hans und Christoph werden zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag mit dem Fallbeil hingerichtet.[4]
Genre
Die Frage, in welches Genre der Film eingeordnet werden kann, soll im Unterrichtsgespräch diskutiert und erörtert werden.
Der Film enthält Elemente von Filmbiografie, Kriminalthriller und Gerichtsfilm zugleich. Die Spannung steigt schnell an: Ein erster Höhepunkt ist die Flugblattaktion, bei der die Entstehung der Flugblätter der Weißen Rose zusammenfassend kurz dargestellt wird, ohne dabei alle Einzelheiten wiederzugeben. Beim Verteilen der Flugblätter durch die Geschwister Scholl in der Universität München kommt es zur Verhaftung der beiden. Danach spielt sich die Handlung ausschließlich in Innenräumen ab. Die Folge ist eine Atmosphäre der Beklemmung, die Sophies emotionalen Zustand reflektiert soll. Es kommt einem Kammerspiel gleich.[5]
Authentizität als Geschichtsfilm
Wieso ist „Sophie Scholl- die letzten Tage“ ein Geschichtsfilm?
Für die Authentizität als Geschichtsfilm bürgen unterschiedlichste historische Quellen wie Zeitzeugenberichte, Polizeiprotokolle und Gerichtsurteile, die in den letzten Jahren ans Tageslicht gekommen sind. Diese Dokumente bilden die Grundlage für die den Film bestimmenden Dialoge. So kommt es, dass man hin und wieder Textpassagen aus den Flugblättern der Weißen Rose in Dialoge eingebettet wieder erkennt. Beispielsweise als Sophie im Keller des Malerateliers das letzte Flugblatt murmelnd durchliest: “Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad.(…)“ Ebenso basieren die Dialoge in den Verhören mit dem Gestapo- Beamten Robert Mohr auf die Vernehmungsprotokolle.[6]
Schauspieler
Wie beeinflusst das Spiel der Darsteller den Film und somit auch den Zuschauer?
Das Spiel der Schauspieler ist deutlich zurückgenommen, denn Täter wie Opfer agieren in einer Zeit, in der offen gelegte Emotionen den Tod bedeuten können. Besonders gilt dies für die Hauptfigur Sophie Scholl. Wie sie unter ungeheurem psychischem Druck die Selbstkontrolle bewahrt, ist eigentliches Thema des Films. Nur in wenigen Situationen gestattet sie sich den Ausbruch von Gefühlen. Wenn sie allein ist, kanalisiert sie Angst und Wut in Weinen und lautem Brüllen. In den Verhören ist Sophies Körpersprache bemerkenswert: Während ihr Oberkörper regungslos bleibt, streichen ihre Hände unterhalb der Tischkante nervös über die Knie.[7]
Ausstattung
Was unterscheidet diesen Film in Bezug auf die Ausstattung von anderen Geschichtsfilmen?
Im Vergleich zu den meisten Kinofilmen ist die Ausstattung fast minimalistisch. Kahle Wände und spärliche Einrichtung prägen die Kulisse. Das erzeugt trostlosen Eindruck, der die Situation Sophie Scholls und die Zukunft der Weißen Rose widerspiegelt. Im Gegensatz zu anderen Filmen dieser Zeit werden auffällige Zeitbezüge vermieden.[8]
Schuss-Gegenschuss-Technik
Wo wird diese Technik eingesetzt und was bewirkt sie?
Diese Technik wurde bei den Verhören also im Dialog zwischen Sophie Scholl und Robert Mohr verwendet. Die Kamerabewegung findet auf nur einer Blickachse statt. Die Diskussionsparteien sind auf gleicher Augenhöhe. Eine solche Darstellung sieht davon ab, eine der beiden Personen als unterlegen darzustellen. Die Kamera bleibt dabei auf mittlerer Distanz, was der Kameraarbeit nur geringen Spielraum lässt.
Großaufnahmen von Gesichtern
Wo wird diese Technik eingesetzt und was bewirkt sie?
Großaufnahmen von Gesichtern sind im Prozess und bei der Hinrichtung zu sehen. Ebenso in einer Schlafszene. Diese Kameraeinstellung soll üblicherweise in Filmen eine Identifikation mit der Figur erleichtern. Hier werden sie bewusst selten eingesetzt, so dass die Leistung der Schauspieler im Vordergrund steht.
Auf und Untersichten
Wo wird diese Technik eingesetzt und was bewirkt sie?
Während der ersten Vernehmung der Geschwister werden Auf und Untersichten eingesetzt. Dies erzeugt eine bedrohliche Wirkung. Die aufsehende Sophie ist dem herabschauenden Mohr ausgeliefert. Bei den folgenden Verhören mit Robert Mohr ist dies nicht der Fall. Hier ist Sophie auf Augenhöhe mit Mohr. Ebenso wird bei der Gerichtsprozesssequenz darauf verzichtet. Dies bewirkt, dass Roland Freisler nicht übermäßig dämonisiert wird. Hier muss der Darsteller die böse Ausstrahlung dieses verbrecherischen Vollstreckers durch schauspielerisches Können darstellen.
Motiv von Fenstern
Worauf weisen die Fensterszenen hin?
Das Motiv von Fenstern spielt eine wichtige Rolle. Es symbolisiert die Hoffnung von Sophie auf ein gutes Ende. Das Tageslicht steht für Freiheit und damit im Kontrast zu dem tristen Verhörzimmer, welches durch elektrisches Licht erhellt wird. Die nie ausgesprochene Hoffnung zeigt sich, wenn sie am Fenster steht und ins helle Tageslicht blickt. Ob in der Zelle oder im Lichthof des Justizgebäudes kurz vor der Hinrichtung: Stets geht ihr mal bitterer, mal hoffnungsvoller Blick nach draußen. Ihre letzten Worte lauten: „Die Sonne scheint noch.“
Subjektive Kamera
In den Fensterszenen kommt auch gelegentlich die subjektive Kamera zum Einsatz. Sie zeigt die Sicht Sophies. Dies verbindet den Zuschauer mit Sophie, da er durch ihre Augen blickt. Er blickt in die Sonne und erlangt Hoffnung.
Steadycam
Was unterscheidet die Steadycam von der normalen Kamera? Wie wirkt sich das aus?
Die spannungsgeladene Szene der Flugblattaktion ist eine Ausnahme im Schnittrhythmus des Films. Die Steadycam ermöglicht es den Charakteren durch die Aula der Universität über Treppen und Emporen zu folgen. Sie fängt die hastige Aktion aus unterschiedlichsten Perspektiven dynamisch ein und verdeutlicht so das bedrohliche Gefühl des Beobachtetwerdens.
Schnittwechsel
Wie beeinflusst die Schnittgeschwindigkeit den Film?
Die Flugblattaktion ist auch von schnellen Schnittwechseln geprägt. Die durch Steadycam gefilmten unterschiedlichen Perspektiven werden im schnellen Wechsel zusammengefügt. Man sieht die Geschwister von hinten als auch von vorn abwechselnd. Zudem gibt es ständige Wechsel von Auf- und Untersichten.
Musik und Ton
Was für Musik wird verwendet und was bewirkt sie beim Zuschauer?
Der Film beginnt mit der Realmusik „Sugar“ von Billie Holliday. Diese schafft eine glaubwürdige und persönliche Atmosphäre. Man sieht Sophie mit ihrer Freundin, die sich so ausgelassen verhält, wie Jugendliche es heutzutage auch tun. Hier beginnt beim Zuschauer schon der Prozess der Identifikation mit Sophie. Im gesamten Film wird Musik nur sehr sparsam, aber dramaturgisch höchst effektiv eingesetzt.
Schlussbemerkung
Nachdem die Kultusministerkonferenz der Länder den Film „Sophie Scholl“ für den Unterricht empfohlen hat stellte die Firma X-Verleih zusätzliches Filmmaterial für Schulen und Kinos zur Verfügung. Mit dieser in Deutschland erstmalig durchgeführten Maßnahme sollen die Hintergründe der Historie und des Filmes zeitgemäß und den veränderten Ansprüchen der Schüler entsprechend vermittelt werden.[9] Allen interessierten Kinos, Schulen und Institutionen wurde eine 19- minütige DVD oder VHS mit Hintergrund- und Zusatzinformationen, darunter Interviews mit dem Regisseur und Zeitzeugen, historisches Bildmaterial und kommentierte Filmausschnitte, kostenlos zur Verfügung gestellt.
Neu war dabei, dass Kinos dieses Begleitmaterial per Beamer einsetzen können, um die stark besuchten Schulvorstellungen sinnvoll zu ergänzen. Jedoch kann der Kinobesuch auch Anregung für eine Unterrichtseinheit sein, bei der die Geschichte der Weißen Rose, wie auch die Filmtheorie behandelt und diskutiert werden. Diskussionen im Unterricht bieten den Jugendlichen die Möglichkeit, gesellschaftliche Problembereiche und die im Film angebotenen Lösungsmöglichkeiten zu erkennen und zu hinterfragen. Sie können sich also bewusst zu den Inhalten, die die Filme vermitteln, in Beziehung setzen und ihren kritischen Verstand in Bezug auf Filmsprache und Filminhalt schärfen. Das ist eine wichtige Lernchance, wenn man bedenkt, dass Filme immer stärker unsere soziale Realität beeinflussen und unsere Lebenswelt prägen. Deshalb ist es meiner Meinung nach durchaus sinnvoll Filme wie „Sophie Scholl- die letzten Tage“ mit Schulklassen anzusehen und im Anschluss beziehungsweise auch vorbereitend darüber zu sprechen. Die Aneignung von Fachbegriffen der Filmsprache kann dabei die Aufarbeitung eines Themas enorm erleichtern.
Arbeitsmaterial
Arbeitsaufträge - Sophie Scholl
Literaturverzeichnis
- BREINERSDORFER, Fred (Hrsg.): Sophie Scholl- die letzten Tage. Frankfurt a. M. 2005.
- BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG/ bfpb Fachbereich Multimedia und IT (Hrsg.): Sophie Scholl- die letzten Tage. Marc Rothemund- Deutschland 2005. Bonn 2005.
- MONACO, James: Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der Medien. Reinbek 2000.
- KANDORFER, Pierre: Lehrbuch der Filmgestaltung. Theoretisch-technische Grundlagen der Filmkunde. Gau-Heppenheim 2003.
Internet
http://www.x-verleih.de/x-verleih/real/x_sophie_scholl.ram
http://www.x-verleih.de/x-verleih/kauf.jsp?selectType=all&movieid=34
http://www.x-verleih.de/x-verleih/neu.jsp?archiveDate=2005
Filmverleih
http://www.sophiescholl-derfilm.de/
Website zum Film
http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/widerstand/index.html
Eine Seite des Deutschen Historischen Museums in Berlin mit Textauszügen aus allen sechs Flugblättern.
http://www.widerstand.musin.de/
http://www.shoahproject.org/widerstand/weisserose/wrinhalt.htm
http://www.br-online.de/bildung/databrd/rose1.htm/zusatz.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_Scholl
Seiten zur „Weiße Rose“ Recherche
Fußnoten:
[1] Vgl. BREINERSDORFER, Fred (Hrsg.): Sophie Scholl- die letzten Tage. Frankfurt a. M. 2005. S. 316- 330
[2] Vgl. http://www.x-verleih.de/x-verleih/real/x_sophie_scholl.ram
[3] Vgl. http://www.x-verleih.de/x-verleih/kauf.jsp?selectType=all&movieid=34
[4] Vgl. BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG/ bfpb Fachbereich Multimedia und IT (Hrsg.): Sophie Scholl- die letzten Tage. Marc Rothemund- Deutschland 2005. Bonn 2005. S.4
[5] Vgl. BREINERSDORFER, Fred (Hrsg.): Sophie Scholl- die letzten Tage. Frankfurt a. M. 2005. S. 321
[6] Vgl. ebd. S.326
[7] Vgl. BREINERSDORFER, Fred (Hrsg.): Sophie Scholl- die letzten Tage. Frankfurt a. M. 2005. S. 318-319
[8] Vgl. ebd. S. 326- 327
[9] Vgl. http://www.x-verleih.de/x-verleih/neu.jsp?archiveDate=2005
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