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Video Surveillance in Fiction and Reality - mündliche und schriftliche Argumentation in der Fremdsprache

Hausarbeit Arbeitsmaterial enthalten
Datum: 02. Januar 2011 Autor: siranilopa Kommentare: 0

Zusätzliche Informationen:

Ausführliches Arbeitsmaterial zum Thema 'Video Surveillance in Fiction and Reality' inklusive.

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Beschreibung:

Eine Examensreihe zum Thema video surveillance, durchgeführt in einer leistungstarken 10. Klasse eines Gymnasiums. Sehr gute Benotung.


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Video Surveillance in Fiction and Reality - mündliche und schriftliche Argumentation in der Fremdsprache


Video Surveillance in Fiction and Reality - mündliche und schriftliche Argumentation in der Fremdsprache

1. Einleitung

„Die einzelne Videokamera mag für sich gesehen sinnvoll und nützlich sein. Aber viele aneinander gereihte sinnvolle und nützliche Videokameras können gleichwohl freiheitsgefährdend sein.“ Dieses Zitat des deutschen Juristen und Datenschutzexperten Dr. Helmut Bäumler fasst die derzeit in Deutschland und der Welt bestehende Diskussion zur Videoüberwachung kurz und prägnant zusammen.

Warum aber soll gerade Videoüberwachung im Fremdsprachenunterricht einer 10. Klasse des Gymnasiums besonders thematisiert werden? Die Gründe, die mich dazu bewogen haben, eben dieses Thema für die Durchführung meiner Unterrichtsreihe im Rahmen des Zweiten Staatsexamens zu wählen, sind vielfältiger Natur. Ausgangspunkt für die Planung dieser Unterrichtssequenz war die zuvor unterrichtete fiktionale, utopische Lektüre The Guardians von John Christopher. Darauf aufbauend bot sich die Thematisierung eines Teilaspekts der Lektüre mittels eines achtstündigen Exkurs’ an. Ich wählte hierbei das kontroverse Thema der Videoüberwachung, da ich davon überzeugt bin, dass die Schüler anhand dessen lernen können, eine eigene Meinung zu entwickeln und zu vertreten. Gerade in Bezug auf die Erziehung der Jugendlichen zu demokratisch denkenden und handelnden mündigen Staatsbürgern halte ich es für nötig, in möglichst vielen Unterrichtsfächern, also auch im Fach Englisch, die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für die Wahrnehmung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit gebraucht werden, zu üben und zu festigen. Die Argumente, die mit Videoüberwachung in Verbindung gesetzt werden können, wie z.B. Generalverdacht und Unschuldsvermutung, Überwachungsdruck zur Förderung von Konformität, Manipulierbarkeit und Sicherheit spielen auch in anderen Bereichen des schulischen und außerschulischen Lebens eine große Rolle. Da die Schüler in der Lage sein sollen, das in der Unterrichtsreihe erworbene Wissen auch auf aktuelle Themen, wie z.B. die seit dem 01.11.2007 in Kraft getretene Regelung, Reisepässe nur noch mit individuellem Fingerabdruck auszustellen, zu übertragen, kann in Bezug auf die Unterrichtssequenz sowohl von einer großen Herausforderung als auch Chance gesprochen werden. Es soll für die Schüler im Anschluss deutlich werden, wo Überwachung an sich hinführen kann, so dass sie diese kritisch hinterfragen. Bisher diente der Fingerabdruck lediglich der erkennungsdienstlichen Erfassung Krimineller. Nun werden also die Daten der gesamten Republik so erfasst und gespeichert.

Es stellt sich die Frage, ob ein solches Vorgehen nicht automatisch die Verdrehung des Rechtsstaates, wie wir ihn kennen, bedeutet.1 Für mich als Lehrkraft ist das Thema an sich spannend und bietet Herausforderungen, die ich gerne anzunehmen bereit bin. Es muss mir gelingen, unabhängig von meiner eigenen Auffassung, objektiv zu unterrichten und den Sachverhalt möglichst ausgewogen darzustellen. Die Schüler sollen bei ihrer Entscheidungsfindung ausschließlich die genannten Argumente, nicht aber die Meinung anderer einbeziehen. Ob sich das Thema Videoüberwachung tatsächlich zur Verbesserung der mündlichen und schriftlichen Argumentationsfähigkeit anbietet und für die Schüler der Klasse 10c des J.-G. S. interessant und somit motivierend ist, wird sich im Laufe der Unterrichtssequenz zeigen. Viele Puzzleteile greifen hier ineinander und wollen somit in der Planung und Durchführung bedacht werden.

2. Planung der Unterrichtsreihe

2.1. Lerngruppenbeschreibung

2.1.1. Allgemeine Lernvoraussetzungen

Die Klasse 10c setzt sich aus 14 Schülerinnen und 11 Schülern zusammen.2 Der Großteil kennt sich seit Beginn des 7. Jahrgangs, so dass die Schüler im Allgemeinen ein gutes Verhältnis untereinander haben, was zu einem äußerst angenehmen Lern- und Lehrklima führt. Ich kenne die Klasse seit Beginn des Schuljahrs, im ersten Halbjahr unterrichtete ich sie im Ausbildungsunterricht im Fach Biologie. Im Laufe dieser Zeit konnte ein positives Lehrer-Schüler-Verhältnis aufgebaut werden, aufgrund dessen ich mich entschied, meine Examensreihe in dieser Klasse durchzuführen.

Die Lernatmosphäre in der Klasse ist gut, wobei hervorzuheben ist, dass es sich bei der 10c um eine mündlich äußerst aktive Klasse handelt, die jedoch Schwächen im Bereich des Schriftlichen hat. Um auch die Schreibkompetenz besonders zu fördern, muss auf eine angemessene Sicherung geachtet werden.3 Die Klasse ist durchschnittlich heterogen in Bezug auf das Leistungsbild, jedoch ausgesprochen heterogen bezüglich des Persönlichkeitsbildes. Besonders auffällig ist hierbei, dass einige Schüler mit den ihnen (früher) zugewiesenen oder selbst erwählten Rollen äußerst verwachsen zu sein scheinen, welches zuweilen zu Schwierigkeiten im Bereich der Kommunikation zwischen Lehrer und Schülern und auch zu Disharmonie im Klassenverband führt. Besonders hervorzuheben ist hier Nicolas, der deutlich zeigt, wenn er kein Interesse am Unterricht hat. Er gehört zu den leistungsstärkeren Schülern der Klasse, trägt allerdings in manchen Stunden demonstrativ zur Schau, dass er sich vom Großteil der Klasse leistungsmäßig nicht abheben will. Die von ihm ausgehenden Störungen des Unterrichts sind nicht zu übersehen und überhören, weil sie sehr provozierend sind. Sie treten besonders dann auf, wenn von ihm gefordert wird in einer Gruppe etwas zu erarbeiten. Für die Reihe bedeutet sein Verhalten eine Herausforderung an mich als Lehrkraft, da die Balance zwischen einer Sonderbehandlung und der Förderung der sozialen Kompetenz bei N. gefunden werden muss und er besonders gut in die Unterrichtsplanung einbeziehen ist.4 Ebenso besonders hervorzuheben ist J. Sie ist im Bereich des Schriftlichen gut bis sehr gut, im Mündlichen allerdings eher schwach. Dieses hängt jedoch bei ihr nicht mit mangelnder Leistungsfähigkeit, sondern vielmehr mit einer Unterforderung in allen sprachlichen Fächern zusammen. Ihre Ideen sind stets eine Bereicherung und eröffnen neue Blickwinkel. Dieser Schülerin muss im Rahmen der Examensreihe verdeutlicht werden, wie sie ihre Rolle in der Klasse derart nutzen kann, dass sie selbst davon profitiert. Dem steht jedoch ihr mangelnder Wille, sich einzumischen und an Diskussionen teilzunehmen, im Weg.5

Die Unterrichtsbeteiligung ist insgesamt hoch, es gibt eine breite Leistungsspitze. Daraus resultiert leider, dass mehrere Schüler immer wieder versuchen, sich dem Unterricht zu entziehen und ihre Mitschüler „machen zu lassen“. Hinzu kommt, dass gerade schwächere Schüler (z.B. L., T.) sich auf Grund mangelnden Selbstvertrauens ungern vor der Klasse äußern möchten. Die genannte Problemsituation zeigt sich auch in Gruppenarbeiten, was in den vorangegangenen Stunden dazu führte, dass Regeln eingeführt wurden, die es den Schülern erschweren, sich in der Erarbeitungsphase mit Dingen zu beschäftigen, die nicht zum Thema gehören. Hierbei stellte es sich als besonders wirksam heraus, den Schülern einen zeitlichen Rahmen vorzugeben und sie darauf hinzuweisen, dass jedes Gruppenmitglied in der Lage sein muss, das Erarbeitete zu präsentieren.

2.1.2. Fachspezifische Lernvoraussetzungen

Seit den Osterferien befassen wir uns im Unterricht mit der Lektüre „The Guardians“ von John Christopher. Diese Lektüre haben die Schüler aus einer vorgegebenen Liste selbst ausgesucht und sich Inhalt und Vokabeln vornehmlich mit Hilfe eines Lesetagebuchs erarbeitet, das am Ende des Schuljahrs bewertet werden wird. So kann eine Verbesserung der Schreibkompetenz erreicht und gefördert werden. Die Klasse hat jedoch Schwierigkeiten, sich die Inhalte des Buches auf thematischer Ebene zu erschließen. Die Vokabeln stellen hier kein Problem dar, jedoch ist vielen Schülern nicht klar, wieso der Protagonist der Geschichte so handelt, wie er es tut, und was das eigentliche Problem eines „Wächterstaats“, wie in der Lektüre beschrieben, ist. Aus diesem Grund bietet sich eine Einheit zu einem verwandten Thema an, das die Schüler auf ihre eigene Lebensumwelt projizieren können.6 Die Lektüre „The Guardians“ spielt in einer imaginären Gesellschaft der Zukunft, wenige Anknüpfungspunkte zu der Gesellschaft, in der wir leben, sind offensichtlich. Mittels der geplanten Reihe soll es den Schülern also ermöglicht werden, einen Lebensweltbezug herzustellen und sie so zu motivieren, sich aktiver in den Unterricht einzubringen.

Da das Thema der Reihe auch in keinem anderen Fach bisher unterrichtet wurde, basieren jegliche Vorkenntnisse auf persönlichen Erfahrungen der Schüler. Um allen Schülern eine aktive Mitgestaltung des Unterrichts zu ermöglichen, wurden mit ihnen zusammen im Vorfeld der Reihe Wortfelder erarbeitet, die sie nutzen können, um ihre eigene Meinung begründet wiedergeben zu können, anderen Mitschülern zu widersprechen und miteinander zu diskutieren. Nicht bekannt ist das Wortfeld um den Begriff „video surveillance“, das erst in der Reihe thematisiert wird. Die Schüler werden dann auf entsprechendes Grundvokabular zurückgreifen können, es für die sieben folgenden Stunden aktiv anwenden lernen und so eventuell bestehende Hemmungen bezüglich ihres Sprachvermögens überwinden können.

Im Bereich Grammatik verfügen die meisten Schüler über ein großes Maß an Sicherheit bezüglich der Anwendung der richtigen Zeitformen. Es haben sich allerdings bei vielen Schülern Fehler eingeschlichen, die für eine 10. Klasse eher untypisch sind. Gerade bei der Bildung von Fragesätzen sind die Schüler unsicher im Gebrauch einfachster Strukturen (Beispiele für typische Fehler: *What don’t you saw?, *Don’t he uses his power?, *Why keepn’t they normal cameras?). Den Schülern sind ihre grammatikalischen Fehler häufig bewusst, was dazu führt, dass sie sich gegenseitig korrigieren. Es fällt ihnen aber sichtlich schwer diese eingeschliffenen Muster zu verändern.

Drei Schüler (Nadja, A. und Nicolas) sind außerordentlich diskutierfreudig und hier im Gebrauch der Fremdsprache überaus sicher. Einige ihrer Klassenkameraden scheinen auf Grund der starken Präsenz und Aktivität dieser Drei etwas eingeschüchtert zu sein, was zur Folge hat, dass sie sich nicht oder nur wenig beteiligen. Aus diesem Grund muss in der Reihe darauf geachtet werden, dass diese drei Schüler (z.B. als Experten) besonders gefordert werden, so dass auch anderen Schülern die Möglichkeit gegeben wird, sich mehr in das Unterrichtsgeschehen einzubringen.7

Problematisch ist bei vielen Schülern die Akzeptanz der Einsprachigkeit. Obwohl alle Schüler ausreichend gute Sprachkenntnisse haben, sind einige von ihnen sehr gehemmt, im Unterricht auf Englisch miteinander zu kommunizieren. In den der Reihe vorhergehenden Stunden wurde immer wieder darauf hingewiesen, sich sowohl im Plenum als auch in Partner- und Gruppenarbeiten ausschließlich in der Fremdsprache zu äußern. Deutsch als Unterrichtssprache wird von mir nicht akzeptiert. Bei den meisten Schülern war in Folge dessen bereits im Vorfeld der Reihe eine Besserung erkennbar, einige Schüler akzeptieren die Einsprachigkeit jedoch immer noch nicht und versuchen jede Stunde, ihre Ideen und Fragen auf Deutsch zu äußern. Besonders bei Tobias, Rebecca und Thilo führt der Hinweis, Englisch zu sprechen, häufig noch zu einem missbilligenden Abwinken. In der Reihe stellt sich nun die Aufgabe, auch diese Schüler mittels sprechaktivierender Partner- und Gruppenarbeiten dazu zu bewegen, Englisch als Unterrichtssprache zu akzeptieren und anzuwenden.

2.1.3. Sitzplan mit Leistungs- und Beteiligungsprofil

nicht abgedruckt

2.2. Sachanalyse

2.2.1. Videoüberwachung

Die Überwachung von Menschen durch Mitmenschen hat eine lange Tradition. So beschrieb bereits Sun Tzu in seinem Werk The Art of War vor mehr als 2500 Jahren, wie Menschen am besten eingesetzt werden können, um Feinde auszuspionieren. Die Erfindung technischer Geräte wie Videound Fotokameras und des Computers ermöglicht heutzutage eine Überwachung im größeren Stil.

Überwachung ist ein seit langem kontrovers diskutiertes Thema, das auch immer wieder von Autoren, wie z. B. Ray Bradbury (Fahrenheit 451) und John Christopher (The Guardians), aufgegriffen, diskutiert und kritisiert wurde. Diverse Utopien widmen sich der Auseinandersetzung mit Überwachung oder benennen diese zumindest als einen Aspekt in einem Gefüge an kritischen politischen oder sozialen Ansichten. Besonders hervorzuheben ist hierbei George Orwells 1949 geschriebene Dystopie 1984, in der ein totalitärer Überwachungsstaat im Jahr 1984 dargestellt wird. Der alles sehende „Große Bruder“ wird hier genutzt, um die Bewohner des fiktiven Staates Ozeanien unter Kontrolle zu halten. Verstößt ein Bürger des Staates gegen die Doktrinen der Partei, so werden entsprechende Maßnahmen durch die Machthaber eingeleitet. Obwohl der Roman bereits vor 58 Jahren geschrieben wurde, erweist er sich noch immer größter Beliebtheit. Gerade seit Beginn des 21. Jahrhundert und den Terroranschlägen vom 11.09.2001 auf das World Trade Center in New York hat er erneut an Aktualität gewonnen. 1984 wird hier vor allem zur Kritik an den seither verschärften Sicherheitsmaßnahmen in westlichen Demokratien herangezogen.

Der Kampf gegen den Terrorismus dient dabei als Hauptargument zur Rechtfertigung der Überwachung von zentralen öffentlichen Gebäuden wie Bahnhöfen und Konsulaten. Zusätzlich sollen in Deutschland auch weitere Überwachungsmaßnahmen wie zum Beispiel das Abhören von Telefonaten sowie das Abfangen von Emails als Maßnahme ermöglicht werden. Bis zum heutigen Tage diskutieren Abgeordnete des Deutschen Bundestages über die rechtlichen Grundlagen, sogar unter Änderung des Grundgesetzes, die den Einsatz von technischer Überwachung ermöglichen, sollte ein Verdacht einer anstehenden Straftat vorliegen.9 Das eigentliche Problem bei etwaigen Diskussionen liegt in der Gewichtung folgender zentraler Argumente und Standpunkte, einerseits Sicherheit der Bevölkerung vor (terroristischen) Übergriffen, andererseits Wahrung der Privatsphäre10. Diese zentralen Punkte werden von verschiedenen Personen des politischen Lebens unterschiedlich gewichtet, eine Lösung des Konflikts ist bisher nicht in Sicht. Auch die Bevölkerung ist, was die Frage der nationalen Sicherheit angeht, gespaltener Meinung, ein Ergebnis steht noch aus.

In Großbritannien ist Videoüberwachung bereits an der Tagesordnung, sie gehört hier schon lange zu den üblichen Ermittlungs- und Kriminalitätsverhinderungstaktiken. Bereits 1985 wurde die erste Videoüberwachungsanlage in Bournemouth installiert.11 1999 wurden Kameras auch in Fußballstadien angebracht, mit Hilfe derer die Ausschreitungen durch Hooligans verhindert werden sollten.12 Hierbei wurden Fotos von allen Besuchern des Spiels England gegen Schottland gemacht, die Fotos an die Zentrale des National Criminal Intelligence Services gesendet und diese dann mit der Datenbank für landesbekannte Hooligans verglichen. Bei Übereinstimmung eines Ergebnisabgleichs erfolgte sofort die Festnahme im Stadion. Mittlerweile ist Großbritannien die Nation mit der größten Dichte an Überwachungskameras. Auch hier gibt es eine Diskussion über den Nutzen dieser Kameras, die aber bei weitem nicht so scharf geführt wird wie in Deutschland13, vielleicht auch deshalb, weil Videoüberwachung bereits wie geschildert eine lange Tradition hat. Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit ist groß. An fast allen Orten des öffentlichen Lebens findet man in den großen Städten Großbritanniens Videokameras, die alles festhalten, unabhängig davon, ob „Gefahr im Verzug“ ist oder nicht. So findet man zum Beispiel in London an vielen Straßenecken Hinweisschilder auf die vermutlich mehr als 500.000 so genannten CCTV (closed-circuit-television)- Kameras, die Tag und Nacht aufzeichnen, was aktuell passiert.14

Der ehemalige Innenminister Michael Howard, von 1993 bis 1997 im Amt ist ein großer Befürworter und Verfechter von Videoüberwachung:

CCTV catches criminals. It spots crime, identifies lawbreakers and helps convict the guilty. The spread of this technology means that more town centres, shopping precincts, business centres and car parks around the country will become no go areas for the criminal (…) CCTV is a wonderful supplement to the police.15

Er sprach damit vielen seiner Landsleute aus dem Herzen. Seit den Anschlägen auf die Londoner UBahn im Juli 2005 ist das Sicherheitsbedürfnis vieler Briten enorm gestiegen, so dass außer dem Argument der Abschreckungswirkung bei der Nutzung von CCTV-Überwachung ein weiterer wichtiger Punkt in den Vordergrund rückt, nämlich die Aufklärung von Straftaten. Kritiker bezweifeln jedoch, dass Videoüberwachung zu einer Erhöhung der Aufklärung von Straftaten beiträgt, da Kameraaufnahmen häufig nur ein unscharfes Bild der verdächtigen Person liefern und so nicht eindeutig zuzuordnen sind. Dieses kann zwangsläufig wiederum zu falschen Verdächtigungen führen.

In Folge dessen können Personen oder Minderheiten stigmatisiert werden oder sogar polizeiliche Handlungen folgen, die, wie in London im Fall von Jean Charles de Menezes, dessen Unschuld im Nachhinein erwiesen wurde, zum Tode führen.16 Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt ist die Sichtung des aufgezeichneten Videomaterials. Kritiker befürchten, dass Überwachung unter diskriminierenden Gesichtspunkten besonders kritisch zu sehen ist, weil das Überwachungspersonal eher auf besondere äußerlich erkennbare Merkmale achten würde als auf verdächtiges Verhalten.17 Auch die abschreckende Wirkung, die Videoüberwachung zugeschrieben wird, konnte nicht überall bestätigt werden. In einigen Städten wurde zwar ein Rückgang von kriminellen Übergriffen in videoüberwachten Straßen festgestellt, im gleichen Atemzug erhöhte sich jedoch die Anzahl von Übergriffen in Bereichen, die nicht überwacht worden waren.18 Es erfolgte also lediglich eine Verlagerung der Tatorte. In Glasgow stieg die Kriminalitätsrate sogar um 9%, nachdem Kameras installiert worden waren.19 Einige Kritiker gehen sogar soweit zu sagen, dass Videoüberwachung der erste Schritt in Richtung eines Überwachungsstaats bezüglich sozialer Kontrolle ist. Norris und Armstrong argumentieren, „…CCTV is about far more than crime prevention; it is about the power to watch and potentially intervene in a variety of situations, whether they be criminal or not.” 20 Sie sehen CCTV also nicht nur als Werkzeug, das mögliche kriminelle Übergriffe überwachen kann, sondern auch jede andere Form nicht der Norm entsprechenden Verhaltens, unabhängig von Legalität oder Illegalität. In diesem Zusammenhang sei auch die 2006 installierte „sprechende“ Kamera in Middlesborough genannt, die auf jeden festgehaltenen Vorfall sofort reagieren kann, sei es nun auf unachtsam weggeworfenen Müll oder einen Fahrradfahrer in der Fußgängerzone. Die Reaktion erfolgt in Form einer weithin hörbaren Lautsprecherdurchsage, die dem „Verdächtigen“ sofort seine Unachtsamkeit - sei sie legal oder illegal - bewusst macht und ihn der Öffentlichkeit präsentiert.21

Auch auf privater Ebene nimmt die Veröffentlichung von Filmmaterial einen immer größer werdenden Anteil ein. Gerade durch die Entwicklung des Internets und die damit verbundene Erhöhung und Beschleunigung der Kommunikation auch über Ländergrenzen hinweg ist es möglich, gefilmtes Material in kurzer Zeit zu verbreiten. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei Webseiten wie YouTube (www.youtube.com) ein. Auf diesen Plattformen kann jeder, der einen Internetanschluss besitzt, auf der einen Seite Kurzfilme aus Eigenproduktion einstellen, auf der anderen Seite aber auch Filmmaterial anderer sichten und bewerten. Zum Problem wird hier, wenn Filmmaterial eingestellt wird, das den Gefilmten, der sich dessen nicht bewusst ist, in einer unangenehmen Situation zeigt. Je peinlicher der Kurzfilm, desto schneller verbreitet er sich auch in der ganzen Welt. Auf diesem Weg haben schon einige Personen am eigenen Leib den zweifelhaften Ruhm der Peinlichkeit genießen können.22

2.2.2. Argumentation

Argumentation bedeutet in Platons und Aristoteles’ Sinn die Kunst der Gesprächsführung. Thesen oder Ideen werden hierbei mit verschiedenen Argumenten unterfüttert, so dass die Meinung des Redners plausibel gemacht wird. Der Redner bildet seine Meinung aus der individuellen Evaluation der verschiedenen, teils gegensätzlichen Argumente und kann mit ihrer Hilfe seine Sichtweise verdeutlichen. Gerade bei kontroversen Fragestellungen soll ein jedes Individuum in der Lage sein, Pro- und Contraargumente gegeneinander abzuwägen und so zu einer vertretbaren Position zu gelangen. Argumentationsfähigkeit versetzt Menschen in die Lage, Kritik zu üben, ein eigenes Weltbild zu konstruieren, Zusammenhänge zu erklären, einen kritischen Standpunkt zu bewahren, Irrtümer und Vorurteile aufzubrechen, sich friedlich mit andersartigen Meinungen auseinander zu setzen, sich in andere Vorstellungen einzufühlen und fremde Positionen nachzuvollziehen.23 Man unterscheidet zwischen einfacher und erweiterter Argumentation. Bei der einfachen Argumentation wird eine These aufgestellt, die durch eine oder mehrere Argumente unterstützt wird, was wiederum zu einer Schlussfolgerung führt. Erweiterte Argumentationen beinhalten zusätzlich zu stützenden Argumenten Beweise und Beispiele für ebendiese Argumente, die dann wiederum zu einer Schlussfolgerung führen.24 Argumentationen können sowohl verbal als auch schriftlich erfolgen. Von verbalen Argumentationen spricht man, wenn über eine These gesprochen wird und unterschiedliche Sichtweisen anhand von Argumenten im Gespräch deutlich gemacht werden. Es wird versucht, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, also einen Kompromiss zu schließen. Ist dies nicht möglich, so fördert die verbale Argumentation zumindest die individuelle und intellektuelle Auseinandersetzung mit divergierenden Meinungen. Bei der schriftlichen Argumentation wird der eigene Standpunkt ebenfalls anhand von Argumenten verdeutlicht. Eine Sortierung nach Wichtigkeit erfolgt auf individueller Basis, da Argumente von unterschiedlichen Standpunkten gesehen unterschiedliche Priorität haben. Bei schriftlichen Argumentationen werden allerdings auch Gegenargumente zur These gesammelt und mittels eigener Argumente entkräftet. Das Ziel ist es hierbei einen Sachverhalt so ausgewogen wie möglich darzustellen und dennoch die eigene Meinung zu stützen.

2.2.3. Mediale Zugänge im Unterricht

„Medien ist ein Sammelbegriff für alle audiovisuellen Mittel und Verfahren zur Verbreitung von Informationen, Bildern, Nachrichten etc. Zu den Massenmedien zählen insbesondere die Presse (Zeitungen, Zeitschriften), der Rundfunk (Hörfunk, Fernsehen) und in zunehmendem Maße auch das Internet.“25

Aus der Allgegenwart genannter Medien lassen sich ihre vielfältigen Funktionen erklären. Medien können Orientierung in der Welt schaffen, informieren, bilden, Meinungen formen, Kritik äußern, sind Kulturträger und Wirtschaftsfaktor und dienen der Unterhaltung.

Für die vorliegende Unterrichtsreihe unterscheide ich nach der Art der Übertragung zwischen auditiven, visuellen, audiovisuellen und interaktiven Medien. Auditive Medien beinhalten die akustische Übertragung von Informationen, wie z.B. bei Radiomitschnitten, Musiktiteln oder vorgelesenen Informationen. Visuelle Medien sind auf den Unterricht bezogen verschiedene Textarten, wie z.B. Sachtexte, Zeitungsartikel oder Tagebucheinträge, Abbildungen, ansprechende Arbeitsblätter, strukturierte Tafelbilder (z.B. Mindmaps, Tabellen) und Fotos. Audiovisuelle Medien setzen sich aus oben genannten auditiven und visuellen Medien zusammen. Besonders Filme und Musikvideos können im Unterricht in diesem Zusammenhang genutzt werden. Bei allen interaktiven Medien setzt sich der Lerner, wie z.B. im Internet oder mittels verbaler Kommunikation, mit Anderen auseinander.

2.2.4. Sprachliche Analyse der Unterrichtsreihe zum Thema video surveillance

Das Thema der Unterrichtsreihe stellt hohe sprachliche Anforderungen an die Schüler einer 10. Klasse. Zum einen müssen die Schüler mit dem technischen Vokabular (z.B. closed-circuit-television, surveillance), das sich mit Videoüberwachung auseinandersetzt, vertraut gemacht werden, zum anderen aber auch syntaktisch komplexe Sätze lesen und verstehen können. Da weitgehend auf didaktisiertes Material verzichtet werden soll, müssen die Schüler in der Lage sein, authentische Texte aus amerikanischen und britischen Zeitungen sowie Auszüge aus verschiedenen Studien zu verstehen. Ferner soll in verschiedenen Stunden der Unterrichtsreihe über Zitate diskutiert werden, die einen hohen sprachlichen und intellektuellen Abstraktionsgrad voraussetzen.

Auch bei der Auseinandersetzung mit filmischem Material werden sich die Schüler sowohl auf verschiedene englische Akzente als auch auf sehr schnelles Sprechen einstellen müssen, da beispielsweise der Filmausschnitt aus 1984 ohne Untertitel gezeigt werden soll.

Gerade in Bezug auf die schriftliche und mündliche Argumentation müssen die Schüler gelerntes Vokabular und Fachsprache anwenden lernen, damit ein Diskurs zum Thema möglich wird. Damit die Nichtbeherrschung von Vokabeln, die nötig sind, um seine eigene Meinung auszudrücken. nicht zu mangelnder Auseinandersetzungsfähigkeit führt, werden diese ausführlich thematisiert und besprochen. Einsprachigkeit wird ebenso vorausgesetzt wie die kooperative Auseinandersetzung26 mit verschiedenen Standpunkten. Hier wird ein hohes Maß an sprachlicher Kompetenz gefordert, da die Schüler sich miteinander über einen längeren Zeitraum hinweg zu einem komplexen Thema in der Fremdsprache Englisch auseinandersetzen sollen. Besonders die letzten drei Stunden sind sprachlich sehr anspruchsvoll, so dass nur mittels einer starken Binnendifferenzierung die bestehenden Unterschiede im Bereich der Sprechkompetenz27 kompensiert werden können.

2.3. Didaktische Überlegungen

2.3.1. Begründung für die Auseinandersetzung mit dem Thema Videoüberwachung

Ein generelles Leitbild und eine Aufgabe von Schule ist es, Schüler zu engagierten, weltoffenen, kritisch hinterfragenden und demokratisch denkenden Menschen zu erziehen, die für sich und ihre Umwelt Verantwortung tragen lernen. In diesem Zusammenhang ist es zwingend erforderlich, in Politik und Wirtschaft aktuell vorkommende Probleme in das Unterrichtsgeschehen einzubinden. Hierbei ist es nicht Aufgabe des Lehrers, meinungsbildend zu agieren, jedoch sollten Schüler auf Grund des behandelten Materials in der Lage sein, eine eigene Meinung zu kontroversen Themen zu bilden. Unterricht soll dazu beitragen, dass Schüler zu handlungs- und kritikfähigen jungen Menschen heranwachsen, die in der Lage sein sollen, auf Grund von Fakten und Argumenten die eigene Meinung vor anderen zu vertreten.

In der vorliegenden Unterrichtsreihe wird aus diesem Grund das Thema Videoüberwachung über einen längeren Zeitraum hinweg genauer analysiert. Das Thema bietet sich an, da es für die Schüler sowohl Gegenwarts- als auch Zukunftsbedeutung hat. Die Gegenwartsbedeutung zeigt sich besonders bei einem Blick auf derzeitig anstehende politische Entscheidungen in Deutschland.28 Der Blick eines jeden Schülers sollte aber auch „über den Tellerrand“ hinausgehen. Schaut man in Richtung Großbritannien und der USA, wird schnell klar, dass Deutschland in Bezug auf die Einführung von Überwachung – sei es mittels Videoaufnahmen oder mittels Abfangen von Emails – ein Spätzünder ist. Weiterhin kann man natürlich auch von einer Gegenwartsbedeutung sprechen, da den Schülern klar gemacht wird, wann, wo und in welchem Maße es Videoüberwachung bereits in Deutschland gibt und ihnen damit deutlich wird, dass auch sie vielleicht bereits auf Video gebannt wurden. Gerade in Bezug auf das Internet kann davon ausgegangen werden, dass fast jeder Schüler die Internetplattform YouTube kennt, sich dort „lustige Filmchen“ ansieht oder sogar eigene Filme einstellt. Hierbei darf auch die rechtliche Komponente nicht außer Acht gelassen werden: Das Recht am eigenen Bild29 wird thematisiert, da es vielen Schülern wahrscheinlich noch nicht bekannt ist.

Die Zukunftsbedeutung liegt auf der Hand: Die Schüler von heute sind die politische Gesellschaft von Morgen. Um in einer Demokratie angemessen agieren zu können, müssen sie in der Lage sein, Sinn und Unsinn kritisch zu hinterfragen und nicht alles hinzunehmen, was als Wahrheit proklamiert wird. Die Schüler gestalten die Gesellschaft, in der sie leben, mit und müssen sich in diesem Zusammenhang mit aktuellen politischen Themen wie z.B. der Videoüberwachung auseinandersetzen.30

In den Rahmenrichtlinien, die für die 10. Klasse des Gymnasiums Grundvoraussetzung sind, wird gefordert, dass Schüler sich im Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen mit Konfliktsituationen auseinanderzusetzen lernen und im Bereich kulturellen Lebens mit der Geschichte des Ziellandes und etwaigen Besonderheiten auseinandersetzen sollen.31 Hierbei obliegt es der Lehrkraft „...im Hinblick auf die Lerngruppe bei jedem Thema zu entscheiden, in welchem Umfang, auf welchem Abstraktionsniveau und mit welcher Detailliertheit landeskundliche Informationen vermittelt werden sollen.“32

In den Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss wird gefordert, dass Schüler zu einer interkulturellen Handlungsfähigkeit gelangen, was über einen erhöhten Anwendungsbezug in den Fremdsprachen erreicht werden soll. Es wird explizit postuliert, dass Schüler die Fähigkeit erlangen sollen „…eigene Sichtweisen, Wertvorstellungen und gesellschaftliche Zusammenhänge mit denen anderer Kulturen tolerant und kritisch zu vergleichen…“33 Der Fremdsprachenunterricht soll hierbei durch Orientierungswissen zu exemplarischen Themen und Inhalten sowie durch den Aufbau von Fähigkeiten zur interkulturellen Kommunikation zu einer Mehrperspektivität der Persönlichkeitsentwicklung führen.34 Videoüberwachung ist ein Thema, das exemplarisch betrachtet alle geforderten Fähigkeiten einschließt und zu interkultureller Kompetenz und Kommunikation führen kann, da ein Vergleich verschiedener Länder angestrebt und auch die historische Entwicklung thematisiert wird. Im Hinblick auf die einheitlichen Prüfungsanforderungen für das Abitur wird deutlich, dass Schüler sich bezogen auf soziokulturelle Themen und Inhalte mit Themenfeldern des Alltags, öffentlichen Lebens und Themen von globaler Bedeutung auseinandersetzen sollen, um ihre interkulturelle Kompetenz zu schulen.35

Laut den neuen curricularen Vorgaben müssen Schüler in der Schule verschiedene Kompetenzen erlernen und festigen, damit Anforderungssituationen im schulischen und außerschulischen Bereich bewältigt werden können.36 Um dieses zu ermöglichen, müssen Schüler unter anderem in der Lage sein, auf vorhandenes Wissen zurückzugreifen, angemessene Handlungsschritte zu durchdenken und zu planen und angemessene Handlungsentscheidungen zu treffen.37

2.3.2. Didaktische Schwerpunktsetzung und Reduktion

2.3.2.1. Begründung für die schriftliche und mündliche Argumentation

Englisch ist bereits die meistgesprochene Sprache der Welt und gewinnt im Zuge der Globalisierung einen immer höheren Stellenwert. In den meisten Ländern, in denen Englisch nicht Muttersprache ist, wird es als erste Fremdsprache in der Schule gelehrt. Auch in Deutschland ist ein Trend in Richtung des möglichst frühen Kontakts zur englischen Sprache zu beobachten. Während vor zehn Jahren das Fach Englisch erst ab der 5. Klasse unterrichtet wurde, ist es heute bereits in der Grundschule etabliert. Wirft man einen Blick auf die derzeitige Ausbildungs- und Studienlandschaft, wird der Grund schnell klar. Durch das Internet und andere moderne Technologien rückt die Welt enger zusammen, länderübergreifende Studiengänge mit Bachelor- oder Masterabschluss werden vermehrt eingeführt (bis 2010 sollen alle Diplom- und Staatsexamensstudiengänge umgewandelt werden), ein Studium ohne einen längeren Auslandaufenthalt ist kaum mehr zu finden. Diese Entwicklung fordert von jungen Menschen die Auseinandersetzung mit der englischen Sprache nicht nur als reines Kommunikationsmittel, sondern auch als Sprache der Technik, Sprache der Medizin, Sprache der Forschung. Englisch ist also „lingua franca“.38 Um sich auf Englisch über die verschiedensten Themen austauschen zu können, bedarf es der Sprechkompetenz und auch der interkulturellen Kompetenz, um auf sein Gegenüber angemessen eingehen zu können.

Eine Zukunftsbedeutung ergibt sich im Hinblick auf die einheitlichen Prüfungsanforderungen für das Abitur (EPA). Hier wird deutlich, dass Schüler im Bereich des mündlichen Sprachgebrauchs und der Interaktion in der Lage sein sollen „… zu aktuell bedeutsamen Sachverhalten und Diskussionen eine eigene Position zu vertreten und die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Optionen zu erörtern.“39 Auch im Bereich der schriftlichen Textproduktion wird gefordert, dass die Schüler in der Lage sein sollen „… in einem Essay, Bericht oder Referat Informationen zu vermitteln und sich begründet für oder gegen Positionen auszusprechen.“40 Die sprachliche und interkulturelle Handlungsfähigkeit rückt zudem auch in den neuen curricularen Vorgaben in den Mittelpunkt.41 So sollen Schüler im Kompetenzbereich Sprechen am Ende der 10. Klasse in der Lage sein „…in einer Diskussion (…) nach entsprechender Vorbereitung über aktuelle Ereignisse und Probleme Standpunkte und Meinungen [zu] äußern.“42 Im Kompetenzbereich Schreiben wird explizit gefordert, dass Schüler „…Argumente zu Problemen und Fragen zusammenstellen, gegeneinander abwägen und Stellung beziehen.“43 Laut Rahmenrichtlinien sollen sich die Schüler sowohl in gesprochener als auch in geschriebener Sprache mit persönlichen Stellungnahmen auseinandersetzen.44 Den Schülern „...müssen deswegen geeignete Redemittel des argumentierenden Sprechens zur Verfügung gestellt werden.“45

Bei einem Blick auf die curricularen Vorgaben für das Fach Deutsch wird deutlich, dass die Schüler im Laufe der 10. Klasse bereits Erfahrungen im Bereich der schriftlichen und mündlichen Argumentation sammeln konnten. Hier wird gefordert, dass die Schüler am Ende der 10. Klasse im Kompetenzbereich Sprechen und Zuhören in der Lage sein sollen „…einen eigenen Standpunkt zu komplexen Themen differenziert begründet vertreten zu können und unterschiedliche Diskussionsund Argumentationsstrategien konstruktiv einsetzen zu können“46. Bezogen auf schriftliche Argumentation sollen Schüler im Kompetenzbereich Schreiben „… unterschiedliche Formen und Strategien der freien und textgebundenen Erörterung von komplexen Sachverhalten beherrschen“47 und in der Folge „…ihren eigenen Standpunkt klar und folgerichtig bei sachlichem Stil, kohärenter Darstellung und begrifflicher Präzision entwickeln“48 Nach Rücksprache mit der Deutschlehrkraft der 10c wurde im ersten Halbjahr textgebundene und freie Erörterung thematisiert, die Schüler kennen sowohl die lineare als auch die antithetische Argumentationsform. Das bedeutet für die vorliegende Unterrichtsreihe, dass die Schüler bereits auf vorhandenes Wissen aus dem Deutschunterricht zurückgreifen können und so der Zugang zu mündlicher und schriftlicher Argumentation in der Fremdsprache konkret deutlich ist.

2.3.2.2. Begründung für den Einsatz verschiedener medialer Zugänge

In allen Fächern gewährleistet Medienvielfalt inhaltliche und methodische Abwechslung, in den Fremdsprachen kommt der Bezug zur Zielsprachenkultur hinzu. Auch mittels verschiedener medialer Zugänge kann interkulturelle Kompetenz gefördert und gefordert werden. Laut curricularer Vorgaben eröffnet die Auseinandersetzung mit Medien erweiterte Möglichkeiten der Wahrnehmung und des Verstehens. „Medien unterstützen die individuelle und aktive Wissensaneignung, fördern selbstgesteuertes, kooperatives und kreatives Lernen sowie die Fähigkeit, Aufgaben und Problemstellungen selbständig und lösungsorientiert zu bearbeiten.“49 Auch in den Rahmenrichtlinien wird die Nutzung neuerer Technologien thematisiert. Sie sind „... in verschiedenen Unterrichtssituationen entweder als Thema oder als Medium wichtig.“50

Die Schüler sind im außerschulischen Leben bereits von Medien umgeben, Fernsehen und Computer nehmen einen immer größeren Stellenwert im privaten Bereich ein. Um einen Gegenwartsbezug zu schaffen, eignen sich also gerade diese audiovisuellen, bzw. interaktiven Medien besonders, aber auch im Hinblick auf die Zukunft müssen Schüler Medienkompetenz erlangen, die es ihnen ermöglicht, sich kritisch mit den unterschiedlichen Medien auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang müssen Schüler verstehen, dass sich hinter jeder Art von Medium auch ein Produzent befindet, der auswählt, welche Nachricht, welches Argument, welche These gesendet werden soll. Die Schüler sind hierbei lediglich Rezipienten und müssen die Intentionen des Produzenten kritisch hinterfragen lernen. Es sollen im Unterricht natürlich nicht ausschließlich elektronische Medien eine Rolle spielen, auch traditionellere Medien, wie zum Beispiel Zeitungsartikel, werden als Werkzeug und Hilfsmittel eingesetzt werden.

„Printmedien behalten also ihre Bedeutung – besonders solche, die Vorstellung und Fantasie so intensiv wie perspektivisierend beleben. Dies leisten authentische (…) Texte. Sie regen den Schüler ganzheitlich an – nicht nur seinen Verstand, sondern auch sein Empfinden.“51

Betrachtet man die in der Fachliteratur kritisch beurteilte Unterteilung von Schülern nach Lerntypen nach Vesper52, der Lernen den verschiedenen Sinnen zuteilt, so kann gesagt werden, dass möglichst viele Sinne angesprochen werden sollten, um einen möglichst hohen Lernerfolg zu gewährleisten. Verschiedene mediale Zugänge zu einem komplexen Thema führen in seinem Sinne zu einer Erhöhung der Motivation und ermöglichen eine individuelle Auseinandersetzung.

2.3.2.3. Didaktische Reduktionsentscheidungen

Um ein Thema wie Videoüberwachung auf eine acht Stunden umfassende Unterrichtsreihe einzugrenzen, sind einige didaktische Reduktionen sowohl in Bezug auf die Komplexität der Darstellung der zu Grunde liegenden Problematik als auch im Bereich der globalen Vielfalt beim Umgang mit Videoüberwachung nötig. Der Fokus wird exemplarisch auf die Länder Großbritannien, USA und Deutschland gelegt, um zum einen die Position des Landes, in dem wir leben, besonders zu betonen und Rückschlüsse auf zwei weitere westliche, englischsprachige Demokratien ziehen zu können. Die USA und Großbritannien habe ich hierbei gewählt, da sie den Schülern in den vergangenen Schuljahren über das Lehrwerk besonders bekannt sind und die Schüler sich bereits mit Problemen der jeweiligen Länder auseinandergesetzt haben. Alternativ wäre es auch denkbar gewesen, den Fokus auf Australien zu legen, da Schüler erfahrungsgemäß leicht zu motivieren sind, wenn sie sich mit einem Land beschäftigen sollen, dass durch die Entfernung zu Deutschland besonders interessant zu sein scheint. Ich habe mich dennoch für Großbritannien entschieden, da auf Grund der langen Tradition von Videoüberwachung bereits viel verwendbares Material vorhanden ist. Da es meine Intention ist, Material so wenig wie möglich zu didaktisieren und authentisches Material zu verwenden, erscheint mir Großbritannien eher geeignet. Hinzu kommt, dass ich in der Lage sein werde, Schüler dort abzuholen wo sie stehen, da viele von ihnen bereits Auslandsaufenthalte privater oder schulischer Natur in Großbritannien und den USA genossen haben. Ich kann so also gegebenenfalls an Vorerfahrungen anknüpfen. Die USA habe ich gewählt, um auf Videoüberwachung an Schulen zu sprechen zu kommen. Seit dem Schulmassaker in Littleton 1999 betonen Politiker wie Bürger der Vereinigten Staaten immer wieder, wie wichtig eine umfassende Überwachung an Schulen ist. Auch die Attentate vom 11.09.2001 haben mich dazu bewogen, die USA besonders in den Fokus zu rücken, da das enorme Sicherheitsbedürfnis, das viele US-Bürger haben, und die damit verbundene Erhöhung von Videoüberwachung deutlich gemacht werden kann, politisch legitimiert ist und so Grund für weitere Überwachungsmaßnahmen darstellt.

In der zweiten Stunde der Reihe befassen wir uns mit George Orwells 1984, didaktische Reduktionen schließen sich an, da nicht das ganze Buch gelesen wurde und lediglich eine Zusammenfassung gegeben werden soll, über welche den Schülern der Zugang zur heutigen realen Problematik ermöglicht werden soll. Eine Vielzahl an Alternativen wäre möglich gewesen, da Überwachung in vielen fiktionalen utopischen Büchern und Filmen eine übergeordnete Rolle spielt. 1984 ist intellektuell anspruchsvoll und ist Weltliteratur, deren Kenntnis zur Allgemeinbildung zählt, welche gerade bei Schülern gefördert werden muss.

Eine weitere didaktische Reduktionsentscheidung stellt die Nichtthematisierung von Argumentationstechniken im Bereich der schriftlichen Erörterung dar. Die Schüler haben sich im ersten Halbjahr im Fach Deutsch bereits mit Erörterungen ausgiebig beschäftigt, so dass die Kenntnis von Argumentationsstrukturen vorausgesetzt werden kann und in den Stunden nicht thematisiert und geübt werden muss.53

Es muss darauf geachtet werden, die Problematik, die mit Videoüberwachung zusammenhängt, so ausgewogen wie möglich darzustellen, da eine Lehrkraft nie meinungsbildend agieren sollte. Aus diesem Grund werden vornehmlich Studien, die über mehrere Jahre hinweg liefen, genutzt, so dass man von einer relativ großen Objektivität ausgehend von gesichertem Material sprechen kann. Es wird auf jegliches Material verzichtet, das aus einer subjektiven Meinung heraus entstanden ist.

2.4. Methodische Überlegungen

Den Ausgangspunkt für alle nachfolgenden, methodischen Entscheidungen bildet das Kooperative Lernen.54 Kooperatives Lernen ist ein Sammelbegriff für das gemeinsame Lernen von Schülern, wobei der Lehrer in den Hintergrund tritt und die Schüler sich selbständig mit einem zu erarbeitenden Sachverhalt auseinandersetzen. Ganz besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang zum einen die Steigerung der Schülerinteraktion, zum anderen die Verbindlichkeit mit der sich ein jeder Schüler den gestellten Aufgaben widmen muss.55 So kommt es zu einer stärkeren Schüleraktivierung. Kooperatives Lernen bedeutet jedoch nicht, dass Schüler ausschließlich in Gruppen arbeiten, ganz im Gegenteil, der erste Schritt ist stets die alleinige Auseinandersetzung, bevor dann ein Ergebnisabgleich mit anderen Schülern erfolgen kann. Stets wird bei kooperativem Lernen ein Dreischritt (think- pairshare) vollzogen.56 Am Anfang steht die individuelle Auseinandersetzung (Denkzeit), in der sich die Schüler alleine Gedanken und Notizen beispielsweise zu einem längeren Text, einem Bild oder einem Zitat machen. Jeder einzelne Schüler muss zu einem individuellen vorläufigen Ergebnis kommen.57

Direkt im Anschluss erfolgt der Austausch mit einer weiteren Person oder in der Gruppe, hier stellt jeder Schüler stellt sein Ergebnis vor, die verschiedenen Ergebnisse werden verglichen und diskutiert, um im Anschluss zu einem gemeinsamen Resultat zu kommen. Hieran schließt sich ein dritter Schritt, die Präsentation oder ein Austausch in einer größeren Gruppe an. Die persönliche Verantwortung eines jeden Schülers ist hoch, da jeder seine Vorstellungen und Ideen einbringen muss, um die Gruppe voranzubringen.58 Kein Schüler kann sich dem Unterricht entziehen, was gerade bei der 10c teilweise problematisch ist.59 Die Denkzeit zu Beginn stellt überdies sicher, dass sich auch schwächere Schüler ausgiebig mit dem Material vertraut machen können und ihre Ideen nicht gleich vor der gesamten Klasse äußern, sondern zunächst nur einer oder mehreren weiteren Personen anvertrauen müssen.

Diese Vorgehensweise erhöht das Sicherheitsempfinden und reduziert bestehende Ängste.60 Durch die gemeinsame Erarbeitung steigt zusätzlich auch die Qualität der Beiträge, da in den Kleingruppen bereits erste Verbesserungen gemacht wurden und sich die Schüler gegenseitig stützen können.61 Das Lernarrangement muss sorgsam durchdacht sein, denn das Kooperative Lernen bietet auch Risiken. Klare Anweisungen für die Erarbeitungsphasen sind ebenso notwendig wie Höraufträge, die dafür sorgen, dass alle Schüler gleichermaßen von den Einzel-, sowie Gruppenergebnissen profitieren können. Weiterhin müssen folgende Bedingungen erfüllt sein, damit Kooperatives Lernen gelingen kann: soziale Kompetenz, Arbeit in Kleingruppen, positiv wechselseitige Abhängigkeit, individuelle Verantwortung sowie Reflexion des Gruppen- und Arbeitsprozesses.62 Der angesprochene Dreischritt lässt sich variieren, so ist es beispielsweise möglich den zweiten Schritt in unterschiedlich großen Gruppen durchzuführen. Eine arbeitsteilige Gruppenarbeit ist ebenfalls sinnvoll, Expertengruppen können gebildet werden, die dann in einem weiteren Schritt das Gruppenergebnis im Gruppenmixverfahren63 erklären können. Auch der dritte Schritt kann mittels verschiedener Methoden erfolgen, so ist denkbar, hier eine Schülerpräsentation oder ein Unterrichtsgespräch anzuschließen. Im Anschluss an diesen Schritt schließe ich nach jeder neu eingeführten Methode des kooperativen Lernens eine kurze Evaluation durch die Schüler an, um sie besonders an der Gestaltung des Unterrichts zu beteiligen.

Da ein Schwerpunkt der Unterrichtssequenz mündliche und schriftliche Argumentation in der Fremdsprache ist, liegt ein weiteres Augenmerk in der Methodik im Bereich des freien Sprechens und in diesem Zusammenhang auch im Diskutieren. Die Schüler sollen sich zunächst einmal aufeinander beziehen. Überlegungen ihrer Vorredner sollen in die eigene Argumentationsweise aufgenommen und kommentiert werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, Schüleräußerungen zunächst unkommentiert zu lassen. Dies erfolgt auch, wenn Fehler im Bereich Grammatik oder Aussprache auftreten. Ich verfahre hierbei nach dem Grundsatz „message before accuracy“, um den Sprechfluss der Schüler nicht zu stören. Schwere Verstöße64 werden jedoch zum Ende der Stunde thematisiert, um sie ins Bewusstsein der Schüler zu rücken und eine Verbesserung zu erreichen. Neue Vokabeln, die während des laufenden Unterrichts eingeführt werden, werden an der rechten Tafelhälfte angeschrieben. Mit den Schülern wurde besprochen, dass sie diese selbständig in ihr Vokabelheft übertragen und zur nächsten Stunde lernen. Kooperatives Lernen im Fremdsprachenunterricht trägt zu einer Erhöhung des Sprechanteils der Schüler bei und fördert so die Sprechfähigkeiten und –fertigkeiten.

2.5. Lernziele

Die Lernziele ergeben sich aus der Struktur der Lerngruppe, den zu vermittelnden kommunikativen Fertigkeiten und methodischen Kompetenzen sowie der Hinführung zu interkulturellem Verständnis. Sie werden in Folge dessen gemäß den Absprachen des Fachseminars den verschiedenen Kompetenzen laut Kerncurriculum65 zugeordnet und zielgerichtet formuliert.

Das übergeordnete Lernziel liegt im Kompetenzbereich „Kommunikative Fertigkeiten“: Die Schüler sollen mit Hilfe verschiedener Medien und den darin enthaltenen Argumenten für und wider Videoüberwachung eine eigene Meinung entwickeln und sich zu der Aussage: „Video surveillance is a good way of protecting people from each other“ begründet positionieren können, indem sie eine individuelle Gewichtung der Argumente vornehmen.

Feinlernziele:

Die Schüler sollen im Kompetenzbereich kommunikative Fertigkeiten…
… visuelle (z.B. Bild, Cartoon) und audiovisuelle (z.B. Filmausschnitt) Impulse zielgerichtet und adressatengerecht analysieren und interpretieren können.
… die in der Unterrichtsreihe behandelten Wortfelder mündlich und schriftlich anwenden können.
… individuelle Standpunkte sowohl mündlich als auch schriftlich begründen können.
… Meinungen ihrer Mitschüler sachlich kommentieren können.
… Arbeitsmaterial zusammenfassen können.
… Pro- und Contraargumente unterscheiden und gegenüberstellen können.
… Argumente gegeneinander abwägen können.
… miteinander kontrovers diskutieren können.
… zu Aussagen eines Textes Stellung beziehen können.
… ihre Fertigkeiten im Bereich Leseverstehen und Hör-/Sehverstehen verbessern können.

Die Schüler sollen im Bereich interkultureller Kompetenzen…
… Orientierungswissen in Bezug auf Videoüberwachung in Großbritannien, den USA und Deutschland wiedergeben können.
… die bestehenden kulturellen Differenzen benennen und gegenüberstellen können.
… kulturelle Besonderheiten nachvollziehen und sie tolerant, aber kritisch erläutern können.
… die Bedeutung von geschichtlichen Entwicklungen bezogen auf Videoüberwachung in den verschiedenen Ländern erklären können.

Die Schüler sollen im Bereich Methodenkompetenzen …
… Arbeitsmaterialien unterschiedlicher Art zielgerichtet auswerten können.
… unterschiedliche Techniken zum Ordnen von Assoziationen (Mindmap, Tabelle) selbständig anwenden können.
… verschiedene Facetten eines Problems mittels Interaktion mit Mitschülern (Partnerarbeit, Gruppenarbeit) vergleichen können.
… ihre eigene Meinung mit Hilfe von Notizen mündlich und schriftlich versprachlichen können.
… die Methoden Partner- und Gruppenarbeit selbständig und zielgerichtet in Bezug auf die Präsentationsphase organisieren können.
… das Grundkonzept des kooperativen Lernens erläutern und kritisch hinterfragen können.

2.6. Tabellarische Übersicht über die geplante und durchgeführte Unterrichtsreihe

Stunde geplante Stunde durchgeführte Stunde
1 Hinführung zum Thema „video surveillance in fiction and reality“
Einstieg: stummer Impuls: Folie „the watchful eye“; Sammeln von Assoziationen im Plenum mittels Mindmap, in diesem Zusammenhang Wortschatzarbeit zu verschiedenen Aspekten (video, fear, crime,…) als Vorentlastung für die kommende Stunden. Lehrerinfo zur Definition von Videoüberwachung. S. positionieren sich zur Aussage: „Video surveillance is a good way of protecting people from each other.“ Positionierung wird im UG ausgewertet.
Hausaufgabe: AB Buchzusammenfassung 1984 bearbeiten
Stunde durchgeführt wie geplant
2 Auszüge aus der Verfilmung von George Orwells’ 1984 als ein Beispiel der fiktionalen und utopischen Auseinandersetzung mit Videoüberwachung
Einstieg: Filmausschnitt 1984; S. geben Filmausschnitt in eigenen Worten wieder. Methode Placemat wird eingeführt. Placemat zum Thema consequences of video surveillance for the individual, society and the ruling class wird in GA bearbeitet. Gruppen stellen Ergebnisse vor. Ein weiterer Filmausschnitt wird gezeigt. Im UG wird über Gemeinsamkeiten der beiden Szenen gesprochen. Hausaufgabe: Vergleich der Gruppenergebnisse mit den Filmszenen.
Stunde insgesamt durchgeführt wie geplant
Wegfall der Hausaufgabe
3 Von Fiktion zu Realität, Cartoonanalyse, Verwendung der bisher erarbeiteten Ideen für den Bezug auf die direkte Lebensumwelt der S.
Einstieg: stummer Impuls „1984 in the classroom“; S. üben Bildbeschreibung zunächst in EA, dann besprechen sie ihr Ergebnis mit ihrem Nachbarn. Beschreibung wird schriftlich festgehalten und im UG verglichen. Cartoonunterschrift wird aufgedeckt, S. äußern Frage nach Zusammenhang zwischen 1984 und Realität. 1984 – fiction or reality wird an die Tafel geschrieben, S. machen sich alleine Notizen, vergleichen diese mit ihrem Nachbarn und strukturieren diese an der Tafel.
Stunde insgesamt durchgeführt wie geplant Hausaufgabe:
Kommentar 1984 – fiction or reality
4 “Every breath you take” von Sting, nur ein Liebeslied?
Einstieg: Vorspielen des Songs, Hörauftrag zum Inhalt des Stücks; S. sprechen mit Nachbarn über den Song und beschreiben, was sie bereits verstanden haben. Das Lied wird wiederholt vorgespielt. Im Anschluss wird die Frage aufgeworfen, welche Gefühle Sting beschreibt. Die S. sprechen in einem Partnerinterview über ihre persönliche Sichtweise des Songtexts. Die Gefühle, die die besungene Person gegenüber dem Sänger hat, werden an der Tafel gesammelt. Rückbezug auf Videoüberwachung, mittels Bildimpuls.
„The Dancing Cadet“ oder gibt es einen Zusammenhang zwischen YouTube und Überwachung?
Einstieg: Eine imaginäre Gerichtsverhandlung wird inszeniert. YouTube- Videoclip wird gezeigt. Die S. erarbeiten in GA verschiedene Positionen, die für oder gegen den Ausschluss der beiden Kadetten aus der Airforce sprechen und sind Zeugen der Gerichtsverhandlung. S. diskutieren ob es einen Zusammenhang von Überwachung und YouTube gibt.
Hausaufgabe: Kommentar zur Aussage: “With Internet pages like YouTube popping up all over the Internet, privacy turns out to be a thing of the past.”
5 Big Brother is shouting at you. Die sprechenden Kameras von Middlesborough- eine Perspektiverweiterung
Einstieg: Bildimpuls „CCTV around the world“; S. erkennen, dass es in Deutschland, Amerika und Großbritannien Videoüberwachung gibt. Es wird auf GB fokussiert.
Erarbeitung des Zeitungsartikels „Big Brother is shouting at you“ in EA, dann in PA Überprüfung des Textverständnis. Beantwortung von Fragen zum Textverständnis im Plenum. S. bearbeiten nach Interesse eine von sieben kreativen Schreibaufgaben zum Text. Zwischenfazit wird durch S. gezogen. Hausaufgabe: Schreibaufgabe beenden.
Stunde durchgeführt wie geplant
6 Different aspects of video surveillance in the USA – ein Vergleich Einstieg: Bildimpuls „CCTV around the world“; L. hält Vortrag über Videoüberwachung in den USA. Verschiedene Aspekte von Videoüberwachung werden in einem Gruppenpuzzle bearbeitet. S. stellen sich in Folge dessen ihre Ergebnisse gegenseitig vor und halten sie tabellarisch fest. Diskussion zu der Aussage: “If you’ve got nothing to hide, you’ve got nothing to fear.” S. machen sich zunächst in EA Notizen und sprechen dann in der Gruppe darüber. Im Anschluss erfolgt eine Plenumsdiskussion. Hausaufgabe: Wiederholung der letzten Stunden, Vorteile und Nachteile in Bezug auf Videoüberwachung aufschreiben. Stunde insgesamt durchgeführt wie geplant Tabelle wurde im Plenum verglichen und ergänzt
7 Vorbereitung auf die Talkshow
Einstieg: Plakat zur Einstimmung auf die Talkshow; Die S. ordnet sich selbständig in Gruppen verschiedenen Gästen der Talkshow zu. S. finden mit Hilfe des ABs gemeinsam Argumente, die sie in der Talkshow nutzen können und halten diese schriftlich fest. Sie entscheiden welcher S. als Gast in der Talkshow die Gruppenergebnisse vorbringt.
Stunde durchgeführt wie geplant
8 The Alexander Geissen Show! Topic: CCTV in the J – High School of S – Germany
Einstieg: Plakat zur Einstimmung. S. die nicht direkt an der Talkshow beteiligt sind bekommen Höraufträge. S. diskutieren miteinander über den Einsatz von Videoüberwachung an ihrer Schule. Im Anschluss Blitzlicht über persönliche Meinung zu Videoüberwachung in der Schule. Danach positionieren sich die S. erneut zur Aussage:
„Video surveillance is a good way of protecting people from each other.” Hausaufgabe:
Kommentar zur obigen Aussage schreiben.
Stunde durchgeführt wie geplant

3. Durchführung der Unterrichtsreihe

3.1. Darstellung und Reflexion der Stunden 1 – 8

Insgesamt ist die Reihe ohne wesentliche Veränderungen in Bezug auf die Planung von mir durchgeführt worden. Lediglich die 4. Stunde der Reihe wurde ersatzlos gestrichen und durch die in der rechten Spalte der Tabelle Stunde ersetzt. Im Falle von Abweichungen werden diese in der Reflexion der Stunde genannt und begründet. Die Unterrichtssequenz umfasste wie geplant acht Stunden. Am Anfang wie am Ende der Einheit stand eine Positionierung zu der Aussage: „Video surveillance is a good way of protecting people from each other“, die als Hausaufgabe nach der 8. Stunde schriftlich begründet werden sollte. Gleich im Anschluss an die Examensreihe erfolgte eine Auswertung und Evaluation des Gelernten durch die Schüler. Im Verlauf dieser Reflexionsstunde wurden von den Schülern Evaluationsbögen ausgefüllt, die sich samt Ergebnis im Anhang befinden. Die Reflexion der Stunden erfolgt gemäß der zeitlichen Anordnung. Auch die ausführlich dargestellten und reflektierten Stunden 4 und 8 finden sich dementsprechend angeordnet. Die Begründung, diese beiden Stunden ausführlich darzustellen, ist der jeweiligen Stundenbesprechung vorangestellt.

3.1.1. Kurzdarstellung und Reflexion von Stunde 1

Thema der Stunde: Hinführung zum Thema „Video Surveillance in Fiction and Reality“

Unterrichtsphase Thema / Inhalt Sozialform Medien
Einstieg The Watchful Eye
S. notieren sich Assoziationen.
EA Folie
Hinführung Your associations
S. sprechen mit Nachbarn über ihre Assoziationen und einigen sich auf 3 Schlagworte, die sie zu Papier bringen und an Tafel heften.
PA Papierschnipsel
Tafel
Erarbeitung und Sicherung Structuring associations
S. begutachten Ideen und Assoziationen ihrer MitS. und fragen bei Nichtverstehen nach. S. strukturieren Assoziationen, gruppieren beschriftete Papierstücke, handeln Überschriften für Kategorien aus und halten diese schriftlich fest.
SSG Tafel / Heft
Vertiefung Explanation: video surveillance
Lehrer stellt Begriff vor und legt unterstützend Folie mit kurzer Definition auf.
S. suchen im Anschluss Beispiele aus ihrem täglichen Leben, die an der Tafel fixiert werden.
LV
UG
Folie
Tafel
Positionierung Taking sides
S. positionieren sich zum Thema Videoüberwachung zum Statement: „Video surveillance is a good way of protecting people from each other.“ Die Positionen sind vorgegeben mit: I agree – I rather agree – I rather disagree – I disagree
Tafel
Positionen auf Papier auf Boden
Kurzdiskussion Auswertung der Positionierung
S. geben Feedback zur Positionierung und sprechen darüber wie sie sich gefühlt haben, als sie sich positionieren mussten.
Anschließend erfolgt ein Ausblick auf die folgenden Stunden.
UG
Hausaufgabe Buchzusammenfassung 1984 lesen und Fragen beantworten

Nach Auflegen der Folie notierten sich die Schüler wie geplant zunächst einige Minuten alleine ihre Assoziationen, bevor sie mit ihrem Nachbarn über diese sprachen. Im Anschluss erfolgte eine Sicherung an der Tafel. Auffällig war hierbei, wie breit gefächert die Schülerantworten in Bezug auf die Folie waren. So wurden beispielsweise antizipierte Assoziationen wie control, curiosity, secret, illegal ergänzt durch „Peeping Tom“ oder younger siblings. Die Schüler strukturierten ihre Assoziationen an der Tafel. Problematisch war in diesem Zusammenhang die mangelhafte Absprache der Schüler. Viele von ihnen standen vor der Tafel und versuchten sich gegenseitig zu erklären, wie am besten zu strukturieren sei. Dabei gingen die Ideen natürlich durcheinander, so dass einige Schüler sich entnervt hinsetzten und die Diskussion nur noch passiv verfolgten. Andrusch übernahm in Folge dessen das Kommando und entschied, dass die Assoziationen den Begriffen feelings und relationships am ehesten zuzuordnen sein. Im Anschluss e gab sich eine kleine Änderung im Stundenverlauf, da ich es für nötig hielt, das genannte „Chaos“ zu thematisieren und nach Verbesserungsmöglichkeiten zu fragen. Die Schüler äußerten, dass sie beim nächsten Mal lieber mit einem Moderator arbeiten wollten, der die Ergebnisse vorstrukturiert und sie dann geordneter an die Tafel bringt. Im Anschluss erfolgte ein kurzer Lehrervortrag über den Begriff video surveillance. Um sicherzugehen, dass alle Schüler diesen zentralen Begriff verstanden haben, bat ich Theresa noch einmal in eigenen Worten wiederzugeben, wie sie Videoüberwachung definieren würde. Da ihre Antwort sehr präzise war, konnte ich dazu übergehen, mit den Schülern gemeinsam über Orte zu sprechen, an denen Videoüberwachung erfolgt. So erweiterten wir das Wortfeld um den Begriff mit Vokabeln wie embassy oder national monument. In diesem Zusammenhang wurde auch das Internet als Ort von Überwachung genannt. Auch nicht antizipierte Äußerungen konnten aufgenommen werden. Dann wurde das Statement „video surv illance is a good way of protecting people from each other“ an die Tafel geschrieben. Die Schüler positionierten sich zu der Aussage mittels der Zuordnung zu den festgelegten Positionen: I agree – I rather agree – I rather disagree – I disagree. Auffällig war, dass fast alle Schüler sich den Positionen I agree und I rather agree zugeordnet haben. Lediglich Andrusch und Nicolas positionierten sich bei I rather disagree. Im Anschluss gab es eine Feedbackrunde zu der gerade erfolgten Positionierung. Einige Schüler äußerten, dass sie sich mit der Zuordnung zu den Positionen schwer getan hätten, da sie nicht genug über das betreffende Thema wüssten, andere sagten sogar, dass sie lediglich ihren Freunden gefolgt seien, da sie keine eigene Meinung zu Videoüberwachung hätten. Sie müssten sich zunächst näher mit dem Thema auseinandersetzen. Um die Schüler in den Prozess der Unterrichtsplanung mit einzubeziehen und für Transparenz zu sorgen, fragte ich, wie wir uns einen guten Überblick über das Thema verschaffen könnten. Sie nannten Möglichkeiten wie Texte analysieren, Studien auswerten, sich die gesetzliche Lage verdeutlichen und die Situationen in verschiedenen Ländern vergleichen. Nun wurde das Arbeitsblatt zur Buchzusammenfassung Orwells 1984 ausgeteilt mit der Aufgabe, dieses zur nächsten Stunde zu lesen und unbekannte Vokabeln nachzuschlagen.

Insgesamt kann gesagt werden, dass die Stunde mit kleineren Einschränkungen für die Schüler transparent war und sich gut zur Hinleitung zum eigentlichen Thema bewährt hat. Die Schüler wurden dort abgeholt, wo sie stehen, indem Vorerfahrungen abgefragt und verschriftlicht wurden. Alle Schüler befinden sich nun auf einem gemeinsamen Basisniveau, auf das in den nächsten Stunden aufgebaut werden kann. Gerade die Positionierung am Ende der Stunde bereitete der Lerngruppe wie vermutet größere Probleme, so dass die Überleitung zu den Folgestunden durch die sie selbst geschehen konnte. Somit war der Aufbau der Reihe den Schülern bereits von dieser Stunde ausgehend bewusst.

3.1.2. Kurzdarstellung und Reflexion von Stunde 2

Thema der Stunde: Auszüge aus der Verfilmung von George Orwells 1984 als ein Beispiel der fiktionalen und utopischen Auseinandersetzung mit Videoüberwachung.

Unterrichtsphase Thema / Inhalt Sozialform Medien
Einstieg Video surveillance in George Orwell’s 1984
S. geben gezeigten Filmausschnitt mit eigenen Worten wieder.
UG Fernseher, DVD-Player
Hinführung Gruppenbildungsphase
Eine Erklärung des „Placemat-Verfahrens“ wird gemeinsam gelesen, auftretende Fragen und Schwierigkeiten besprochen und geklärt. Die S. finden sich in den vorgegebenen Gruppen zusammen.
UG ABs Placemat
Folie mit Gruppeneinteilung
Erarbeitung Placemat 1984
Die S. führen die auf dem jeweiligen Arbeitsblatt gegebenen Arbeitsaufträge aus.
1) Individual work
2) Group work
EA
GA
AB Placemat
Vorbereitete Placemats
Präsentation und Sicherung Society, individual and ruling class and video surveillance
Die Gruppen präsentieren kurz ihre jeweilige Fragestellung und ihre Ergebnisse und nennen Schwierigkeiten bei der Erarbeitung. Die restlichen S. bekommen den Arbeitsauftrag sich Notizen zu machen.
S.präs. Placemats
Vertiefung Another scene from 1984
Die S. machen sich Notizen und diskutieren im Anschluss Gemeinsamkeiten der beiden Szenen und der von ihnen erarbeiteten Ideen.
UG Fernseher, DVD-Player

Als Einstieg wurde ein Filmausschnitt aus der Verfilmung von George Orwells 1984 gezeigt, in der deutlich wird, dass der Protagonist Winston Smith in seiner Wohnung überwacht wird. Dies äußert sich in der Szene, als ganz Ozeanien des Morgens zum Frühsport gezwungen wird und Smith von der mittels Videoleinwand übertragenen Instrukteurin darauf hingewiesen wird, dass er seine Übungen mit mehr Elan durchzuführen hat.66 Die Schüler taten sich außerordentlich schwer mit dem Verständnis des Dialogs zwischen Smith und der Instrukteurin, so dass der Filmausschnitt zunächst zweimal gezeigt werden musste und im Anschluss daran noch von Thilo und Sabrina I. zusammengefasst wurde. Die Motivation der Schüler war dementsprechend eher gering. Einigen Schülern war nicht klar, was sie in der Erarbeitungsphase machen sollten. Nachdem Nadja erneut für alle zusammengefasst hatte, was in der Stunde zu tun sei, konnte die Erarbeitungsphase beginnen. Die Schüler setzten sich in Gruppen zusammen, lasen den Text und klärten unbekanntes Vokabular. Da nun auch die Methode klar war, begannen sie, produktiv an den Placemats zu arbeiten. Es gab jeweils zwei Gruppen pro Thema, um sicher gehen zu können, dass am Ende der Stunde auch bei Ausfall einer Gruppe dennoch ein Ergebnis vorliegen würde. In der Erarbeitungsphase musste ferner häufig auf die Einhaltung der Einsprachigkeit hingewiesen werden. Die Erarbeitungsphase wurde auf Grund der vorhergehenden Schwierigkeiten relativ kurz gehalten. Bevor mit den Präsentationen begonnen wurde, bat ich die Schüler, sich während der Präsentationen der anderen Gruppen stichwortartig Notizen zu machen. Hier erfolgte eine Abweichung von der Planung, die vorgesehene Hausaufgabe wurde nicht gestellt, da die Schüler große Probleme mit dem Verständnis der Texte gehabt hatten. Ich zog es vor, am Ende der Stunde ein Resümee ziehen zu lassen, um sicherzugehen, dass alle Schüler verstanden hatten, wie sich Videoüberwachung laut Orwell auf das Individuum, die Gesellschaft und die herrschende Klasse auswirkt. Die Schüler präsentierten ihre Ergebnisse, die zwar gut, aber nicht so umfangreich wie antizipiert waren. Aus der Dopplung der Gruppen ergab sich, dass die jeweils zweite Gruppe in ihrer Präsentation lediglich auf Ergänzungen eingehen sollte, was von den Schülern akzeptiert wurde. Die Placemats waren so aufgebaut, dass der Teil, auf dem am Ende das Gruppenergebnis stand, vom Plakat abgelöst werden und an die Wand gebracht werden konnte, so dass die Schüler die Möglichkeit hatten, sich bei Verständnisschwierigkeiten die Ergebnisse der anderen Gruppen nach der Stunde zu verdeutlichen. Im Anschluss wurde eine weitere Szene aus 1984 gezeigt, in der deutlich werden sollte, welche Auswirkungen Videoüberwachung auf das Individuum und die Gesellschaft haben kann. In der Szene wird gezeigt, wie eine Gruppe Menschen gemeinsam vor einer Großbildleinwand sitzt und der Propaganda der Partei lauscht und sich dabei in Ekstase bringt.67 Auch hier hatten die Schüler Verständnisprobleme, die Menschenmenge wurde nicht verstanden. Dementsprechend kurz fiel auch der Vergleich der Szene mit den Präsentationen aus. Die Schüler erkannten zwar, dass eine Gesellschaft über den mittels Überwachung aufgebauten Druck manipuliert werden kann und dass Menschen auf individueller Ebene zu Aussagen, Reaktionen und Gefühlen neigen, die sie alleine ohne Druck der Masse nicht äußern würden, fanden es aber schwierig, dieses auf ihre eigene Lebenswelt zu beziehen.

Insgesamt gesehen ist die Stunde nur eingeschränkt so gelaufen wie geplant, es traten folgende unerwartete Schwierigkeiten auf. Die Schüler wurden sowohl im Einstieg als auch in der Erarbeitung und Vertiefung überfordert. Zum einen war die Kompetenz im Bereich Hör-/Sehverstehen nicht ausreichend vorhanden, zum anderen war die Thematik der Stunde viel zu komplex. Das Zeitmanagement war nicht optimal, da die Schüler nicht genug Zeit hatten, sich mit den verschiedenen Facetten von Videoüberwachung zu beschäftigen, was wiederum dazu führte, dass viele wichtige Argumente nur rudimentär angesprochen, aber nicht erklärend vertieft wurden. Als Alternative zum gewählten Einstieg hatte ich schon im Vorfeld den Einsatz eines Filmausschnitts aus The Truman Show überdacht. Diese Alternative habe ich jedoch leider verworfen, da ich befürchtet hatte, dass dieser Film wahrscheinlich vielen Schülern schon bekannt ist, so dass ich damit rechnete, dass einige von ihnen sich auf Grund dessen dem Unterricht entziehen würden. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, einen Filmausschnitt aus diesem Film zu wählen, da sich dann auch eine weitere Schwierigkeit der durchgeführten Stunde, nämlich die Überleitung zur Erarbeitungsphase nicht ergeben hätte, weil die Gefühle des Protagonisten mehr thematisiert werden und so die Hinführung zum Stundenthema erleichtert worden wäre. In diesem Zusammenhang hätte es weitere Optimierungsmöglichkeiten gegeben, die mit der Komplexität der Stunde einhergehen. Es wäre besser gewesen, den Fokus lediglich auf einen Ausschnitt, nämlich video surveillance and the individual zu legen. Hier hätten dann Teilbereiche wie feelings, behavior und consequences besprochen werden können. In Folge dessen wäre ausreichend Zeit gewesen, sich im Detail mit dem Thema auseinander zu setzen. Nichtsdestotrotz war der Einsatz der Methode Placemat ein Erfolg. Auch die Diskussionen, die nötig waren, um zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen, wurden überwiegend positiv gesehen. Lediglich Nicolas, Andrusch und Jessica sagten, dass es besser gewesen wäre, wenn sich ein jeder alleine mit dem Text auseinandergesetzt hätte. Da diese drei jedoch sowieso Sonderrollen in der Klasse einnehmen, kann dennoch von einer erfolgreichen Einführung der Methode gesprochen werden.

3.1.3. Kurzdarstellung und Reflexion von Stunde 3

Thema der Stunde: Von Fiktion zu Realität, Cartoonanalyse, Verwendung der bisher erarbeiteten Ideen für den Bezug auf die direkte Lebensumwelt der Schüler.

Unterrichtsphase Thema / Inhalt Sozialform Medien
Einstieg Cartoon
S. machen sich Notizen zu Bildbeschreibung des Cartoons
EA Folie
Erarbeitung Describing the Cartoon
S. besprechen den Cartoon mit Hilfe des Arbeitsblatts mit ihrem Nachbarn und korrigieren sich gegenseitig.
PA Folie, Arbeitsblatt
Sicherung S. einigen sich auf die wichtigsten dargestellten Informationen und halten diese schriftlich fest.
Im Plenum vergleichen die S. ihre Antworten und ergänzen ihre Aufzeichnungen.
PA
UG
Heft
Vertiefung Some more information
Cartoonunterschrift wird aufgedeckt. Die S. äußern sich über den Text im Zusammenhang mit dem Cartoon.
UG Folie
Transfer 1984 – fiction or reality
S. formulieren (möglichst ohne Hilfsimpuls) Frage nach dem Zusammenhang zwischen Orwells Visionen und der Realität. Lehrer schreibt 1984 – fiction or reality? an die Tafel, die S. machen sich Notizen und bringen ihre Ideen im Anschluss mit Hilfe zweier Moderatoren strukturiert an die Tafel.
UG
EA,PA
SSG
Tafel
Sicherung Teil II S. korrigieren Fehler an der Tafel und übernehmen Tafelbild ins Heft. UG Heft
Hausaufgabe Comment on „1984 – fiction or reality?“.

Der Einstieg in die Stunde erfolgte mittels eines visuellen Impulses, eines Cartoons. Die Klasse erhielt den Auftrag, den Cartoon zu beschreiben. Dies erfolgte jedoch nicht im Plenum, die Schüler wurden aufgefordert, sich zunächst Notizen zu machen und aufzuschreiben, was im Cartoon dargestellt wird. Während sich die Lerngruppe Notizen machte, wurde ein Arbeitsblatt zur Bildbeschreibung ausgeteilt. Die hierauf genannten Vokabeln nutzten die Schüler, um sich mit ihrem Nachbarn genauer mit der Beschreibung des Cartoons zu beschäftigen. Nach wenigen Minuten erfolgte eine Sammlung im Plenum. Durch die genaue Bildanalyse war der Cartoon in allen Partnergruppen genau beschrieben worden. Im Anschluss wurde die Bildunterschrift „Oh look, they are reading `1984´ in Mrs Smith’s English class“ aufgedeckt. Die Schüler waren amüsiert und Elko äußerte sofort, dass der Cartoon mitsamt Bildunterschrift eine Referenz zu Orwells Überwachungsstaat ist und darauf hindeuten soll, dass Videoüberwachung nicht nur in Fiktion, sondern auch in der Realität eine Rolle spielt. Der Zusammenhang zwischen 1984 und der Realität war also sofort deutlich und konnte von allen Schülern nachvollzogen werden. In Folge dessen war die Überleitung sehr transparent und schülerzentriert. Auf die Frage, wie wir denn mit der Aussage dieses Cartoons weiterarbeiten könnten, antwortete Lennart, dass wir uns nun zunächst die Frage stellen müssten, ob und wenn ja wie Videoüberwachung in der Realität vorkommt. 1984 – fiction or reality? wurde an die Tafel geschrieben. Die Schüler befassten sich zunächst in Einzelarbeit mit der Frage, um im Anschluss mit ihrem Nachbarn zu diskutieren und die Hauptpunkte zu sammeln. Danach sammelten die Schüler gemeinsam alle wichtigen Punkte an der Tafel. Johanna übernahm hierbei die Rolle des Moderators, während Inga die genannten Argumente an der Tafel sammelte. Die Strukturierung erfolgte viel geordneter als in der ersten Stunde, wichtige Punkte wurden genannt und erläutert. Die Klasse entschied sich für eine Strukturierung in einer Tabelle. Hier wurde deutlich, dass ihnen die in der Vorstunde genannten Argumente durchaus bewusst waren, da die Schüler vermehrt auf die Filmausschnitte aus 1984 eingingen. Es erfolgte zusätzlich eine Sensibilisierung, da den Schülern nicht nur bewusst wurde, dass es Videoüberwachung in der Realität gibt, sondern auch Fragen nach dem Wo, Wie viel und Warum gestellt und teilweise beantwortet wurden. Da Inga im Bereich der Orthographie und auch in Bezug auf Präpositionen viele Fehler macht, wurde der Sammlungsphase eine Korrekturphase nachgeschoben, um zu gewährleisten, dass der Übertrag ins Heft ohne Fehler geschehen konnte. Im Anschluss übernahmen die Schüler das Tafelbild ins Heft. Um die Schreibkompetenz zu fördern, wurde die Hausaufgabe, mit Hilfe der genannten Argumente eine Erörterung zu schreiben, gestellt.

Insgesamt ist die Stunde gelaufen wie geplant. Sie war im Gegensatz zur Vorstunde bezüglich des Zeitmanagements unproblematisch und auch die Bildbeschreibung war als Kontrast zur vorhergegangenen Stunde eine gute Maßnahme zur Erhöhung der Motivation. Vorteilhaft war das Arbeitsblatt zur Bildbeschreibung, da es den Schülern Vokabular an die Hand gab, das im Dialog mit dem Nachbarn angewendet und so gefestigt wurde. Die Sammlung im Plenum wäre an dieser Stelle nicht zwingend notwendig gewesen, erfüllte aber ihren Zweck, da so ein Plateau gebildet wurde, das allen Schülern die Möglichkeit gab, sich im Verlauf der Stunde zu beteiligen. Der Cartoon an sich war außerordentlich gut geeignet, um die Schüler zu motivieren. Schon als die Bildunterschrift aufgedeckt wurde, setzte dies in den Schülern einen Erkenntnisprozess in Gang. Es war sofort klar, dass Videoüberwachung auch in der Realität eine Rolle zu spielen scheint. Die Überleitung von Fiktion zur Realität kann also als erfolgreich bezeichnet werden. Die Ideen der Schüler waren überaus vielfältig, es stellte sich jedoch schnell heraus, dass gerade die Überwachung im Internet für die Schüler konkret greifbar und interessant zu sein schien. Gerade in der letzten Phase des Unterrichts war eine breite Schülerbeteiligung auffällig. In der hier dargestellten Stunde wurde diese jedoch produktiver genutzt als in der ersten Stunde der Reihe, da Inga und Johanna als Moderatoren angemessen agierten und ihre Mitschüler in die Gestaltung des Tafelbildes einzubeziehen wussten. Auch die Korrektur der Fehler an der Tafel war unproblematisch, da in der Lerngruppe kaum Spannungen herrschen, so dass ein angstfreies Arbeiten möglich ist, was sich in der vorliegenden Stunde zeigte.

3.1.4. Ausführliche Darstellung und Reflexion von Stunde 4

Die Stunde wurde für die ausführliche Darstellung ausgewählt, da sie die einzige Stunde ist, die sich aus den Vorstunden erst spontan ergeben hat und die einzige grobe Abweichung von der Planung darstellt. Die Schüler hatten in der ersten und der dritten Stunde immer wieder auf Überwachung mittels Internet angespielt, so dass ich dem Wunsch der Schüler mit dieser Stunde entsprechen wollte, und sie so an der Unterrichtsplanung direkt beteiligt waren. Es sollte sich zeigen, ob die Schüler das bisher Erlernte auf ihre direkte Lebensumwelt beziehen können und ob sie die Kontroverse von Videoüberwachung bereits verstanden haben. Ferner gehe ich davon aus, dass der Aufbau dieser Stunde zu einer Steigerung der Motivation beitragen wird.

Thema der Stunde: The Dancing Cadet. Gibt es einen Zusammenhang zwischen YouTube und Überwachung?

Spezifische Voraussetzungen der Lerngruppe: In den vergangenen Unterrichtsstunden haben sich die Schüler zunächst nur mit Videoüberwachung in der Fiktion auseinandergesetzt. In der vorhergehenden Stunde haben sie die Überleitung zu Videoüberwachung in der Realität mittels einer Cartoonanalyse versucht. Diese Stunde ist also die erste, die sich konkret mit Videoüberwachung in der Realität befasst. Bis dato hat sich die Lerngruppe zwar auf das Thema eingelassen, äußerte sich jedoch eher kritisch bezüglich des Nutzens des erworbenen Wissens. Gerade Antonia und Nadja machten den Anschein, das Thema nicht sonderlich spannend zu finden. In Folge dessen musste eine motivierende Stunde gehalten werden, die sich den Schülern spontan erschließt. Sie haben in den vorhergehenden Stunden bereits Vokabeln kennen gelernt (z.B. (to) spy on sb., (to) eavesdrop, (to) be curious, (to) observe sb.), die sie in der vorliegenden Stunde verwenden müssen, um die Anhörung möglichst realistisch nachstellen zu können. Die Schüler haben sich in den letzten Stunden bereits erwartungsgemäß stark beteiligt, einige von ihnen haben sich jedoch wie antizipiert gerade bei den unterschiedlichen Einstiegen entzogen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass durch die vorliegende Unterrichtsstunde möglichst alle Schüler gleichermaßen aktiviert werden. Wie bereits angedeutet, kann damit gerechnet werden, dass die Schüler in der Stunde besonders interessiert mitarbeiten, weil der Vorschlag, das Internet als Ort von Überwachung zu thematisieren, durch sie selbst gemacht wurde und so von einer starken Schülerzentrierung gesprochen werden kann. Es müssen zusätzlich Lernarrangements bedacht werden, die ermöglichen, dass sich alle Schüler ihren Interessen gemäß an der Stunde beteiligen können.68 Zusätzlich wird deutlich werden, ob die Schüler sprachlich in der Lage sind, die Problematik, die hinter dem Videoclip steht, zum einen nachzuvollziehen und zum anderen in der Anhörung angemessen zu verbalisieren. Die Überprüfung des Verständnisses wird mittels einer Hausaufgabe erfolgen, in der die Schüler eine Argumentation verfassen sollen.

Sachanalyse: Jeffrey Pelehac, ein Kadett der US Airforce wurde 2005 über Nacht weltweit als the dancing cadet berühmt, als sein Mitbewohner Brian Stoops ein selbstgedrehtes Video, das Pelehac beim exzessiven Tanzen in seinem Zimmer zeigt, auf der Internetplattform YouTube (www.youtube.com) veröffentlichte. Pelehac war nicht bewusst, dass in seinem Zimmer eine Kamera aufgebaut worden war, die ihn beim Tanzen filmen würde. In dem Video ist zu sehen, wie Mitbewohner Stoops den Zuschauern von den Tänzen seines Mitbewohners erzählt, den er im Folgenden zu filmen plant. Pelehac betritt das Zimmer, die beiden begrüßen sich. Stoops verlässt kurze Zeit später den Raum. Pelehac dreht nun die Lautstärke hoch und fängt an sich zum Lied „In Da Club“ des amerikanischen Rappers 50 Cent zu bewegen. Nach wenigen Minuten legt er das Lied „Gonna Make You Sweat“ der amerikanischen Gruppe C+C Music Factory auf und beginnt wildgestikulierend zu tanzen. Sein Tanzstil ist sehr ausdrucksreich und auffällig. Besonders seine Armbewegu gen sind äußerst kreativ und amüsant, aber auch die getanzte Choreographie ist sehr individuell. Am Ende des Videoclips betritt Stoops das Zimmer erneut und wird von Pelehac aufgefordert mitzutanzen. Stoops zeigt ihm nun die versteckte Kamera, Pelehac ist überrascht und sichtlich peinlich berührt. Dieses Video begründete den Begriff viral video. Dieser Begriff wird für Videoclips benutzt, die mittels Internet verbreitet werden und sich weltweit größter Beliebtheit erfreuen. Viral videos sind meist humorvoll und zeigen entweder Sketche oder Amateurvideos, wie im Fall von Pelehac und Stoops.

In dieser Stunde sollen sich die Schüler mit möglichen Konsequenzen für den tanzenden Kadetten und seinen Mitbewohner beschäftigen. Hierfür wird eine Anhörung bei der US Airforce Academy nachgestellt. Bei dieser Anhörung werden unterschiedliche Zeugen verhört, es soll deutlich werden, welche Positionen es zu einer solchen „Zurschaustellung“ der Privatsphäre gibt.

Didaktische Begründung und Schwerpunktsetzung: In dieser Stunde geht es nicht primär um Videoüberwachung, da sicherlich im Zusammenhang mit YouTube nicht von Überwachung im eigentlichen Sinn gesprochen werden kann. Die vorliegende Stunde ist dennoch wichtig, da Videoclips auf YouTube auch Parallelen zu Videoüberwachung im großen Stil aufweisen. Zum einen soll deutlich werden, welche Macht und damit zusammenhängend Verantwortung der Besitz von Videomaterial mit sich bringt. Denn jegliches Videomaterial kann dazu genutzt werden, Menschen unter Druck zu setzen, sie zu erpressen und gegebenenfalls in der Öffentlichkeit zu diffamieren. Zum anderen handelt es sich in beiden Fällen um eine massive Verletzung des Persönlichkeitsrechts, die als Eingriff in die Privatsphäre gesehen werden muss. In diesem Zusammenhang wird in dieser Stunde auch das Recht am eigenen Bild thematisiert und so eine rechtliche Grundlage vermittelt. Überwachung an sich beinhaltet die nicht zielgerichtete Beobachtung von Menschen an öffentlichen oder halböffentlichen Orten. Videoclips werden hingegen gezielt gedreht und online verfügbar gemacht. Hier liegt ein weiterer Unterschied zu Überwachung an sich, da Daten an dieser Stelle zwar aufgezeichnet, nicht aber veröffentlicht werden. Jedoch gerade in der Veröffentlichung von Videomaterial liegt gefährliches Potential, weil diffamierende Videos einer breiten Masse von Menschen verfügbar gemacht werden und so Individuen stigmatisiert werden können. Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch die extrem lange Halbwertzeit solcher Videos. Selbst wenn ein Video von der YouTube- Plattform entfernt wird, kann es noch Jahre später auf Festplatten der ganzen Welt gespeichert sein. Einer erneuten viralen Verbreitung ist nicht entgegenzuwirken. Bei Videoüberwachung im eigentlichen Sinn werden die gespeicherten Daten hingegen nach kurzer Zeit gelöscht.

Dadurch dass viele Schüler YouTube kennen und schätzen, dürften sie sich durch diese Stunde angesprochen fühlen. Ich stelle hiermit einen außerordentlichen Gegenwartsbezug her. Die Zukunftsbedeutung ergibt sich daraus, dass die Schüler sich in der Stunde darüber bewusst werden sollten, welche Konsequenzen ein einfacher, lustiger Videoclip auch für sie haben kann. So überdenken sie vielleicht beim nächsten Besuch der Website, welche Konsequenz eingestellte Videos gehabt haben mag und, viel wichtiger, welche Konsequenzen das Einstellen eines privaten Videos für sie haben kann.

Der Schwerpunkt dieser Stunde ist also die Bewusstmachung von rechtlichen, privaten, politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen für den Verursacher (hier Stoops) und den Geschädigten (hier Pelehac), die das Einstellen eines privaten Videoclips auf einer Plattform wie YouTube hervorrufen kann. Die Schüler sollen sich in diesem Zusammenhang der Macht bewusst werden, die YouTube und Videoüberwachung an sich besitzen.

Aus dem Schwerpunkt der Stunde ergeben sich die folgenden Lernziele:

Übergeordnetes Lernziel

Die Schüler sollen das Verhalten von Stoops und Pelehac unter Berücksichtigung unterschiedlicher, mittels Anhörung dargestellter, Positionen bewerten können und ihre Bewertung argumentativ begründen können.

Im Einzelnen sollen die Schüler...
...im Kompetenzbereich kommunikative Fertigkeiten...
... die Positionen der verschiedenen Beteiligten der Anhörung wiedergeben können.
... die in der Anhörung genannten Argumente individuell ordnen können und somit ihre eigene Meinung begründet darlegen können.
... Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen YouTube und Videoüberwachung diskutieren können
... im Bereich interkultureller Kompetenzen...
... die politischen, rechtlichen, gesellschaftlichen und individuellen Konsequenzen, die YouTube mit sich bringt, auf Amerika und Deutschland bezogen analysieren können.

Methodische Überlegungen: Ich möchte an dieser Stelle auf zwei zentrale methodische Entscheidungen genauer eingehen. Die Gruppenarbeit in Zufallsgruppen wird an dieser Stelle der Unterrichtssequenz eingeführt. Die Schüler sind es bisher aus dem Englischunterricht nicht gewohnt, in nicht-selbstgewählten Gruppen zusammen zu arbeiten. Dies birgt das Risiko, dass sich einige Schüler nicht effektiv einbringen und die Gruppe nicht unterstützen. Mittels kooperativen Lernens soll jedoch eine Partizipation aller Schüler erreicht werden. So sollen sie sich auch in der vorliegenden Stunde zunächst alleine mit dem Arbeitsmaterial auseinandersetzen und sich Notizen machen, bevor sie in ihrer Gruppe gemeinsam wichtige Argumente vergleichen, diskutieren und evaluieren und dann zu einem Ergebnis kommen, das einer von ihnen vor der Klasse in der Anhörung präsentieren und vertreten können muss. Ich habe die Art der Gruppeneinteilung genutzt, da sie Möglichkeiten bietet, die soziale Kompetenz der Schüler zu verbessern. Gerade bei Nicolas, Andrusch und Tobias muss diese besonders gefördert werden. Alle Schüler müssen sich gleichermaßen darauf einlassen, in ungewohnten Konstellationen produktiv zu arbeiten.

Eine weitere methodische Entscheidung ist die Inszenierung einer Anhörung bei der US Airforce. Hier können die Schüler zum einen die mündliche Argumentation in einem vorgegebenen Rahmen üben, zum anderen wird aber auch das Hörverstehen und die grammatikalisch richtige Bildung von Fragen trainiert. Hinzu kommt, dass die Schüler nicht nur kommunikativ, sondern auch darstellend agieren können, so dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Einige Schüler werden vielleicht durch diese interaktive Darstellung einer Argumentation dazu bewogen, sich mehr in den Unterricht einzubringen, da nicht ausschließlich Sprechfähigkeit gefordert ist. Zusätzlich dürfte diese Art des Unterrichts zu einer Steigerung der Motivation führen, da Abwechslung geboten wird und der Unterricht handlungsorientiert ist. Durch die Inszenierung werden die in den letzten Stunden gesammelten Argumente wiederholt verschiedenen Positionen zugeordnet, so dass den Schülern positive wie auch negative Aspekte verdeutlicht werden. Da die Schüler am Ende der Stunde selbst Vorschläge sammeln und im Anschluss abstimmen, was mit den beiden Kadetten passieren soll, wird sichergestellt, dass sie eine individuelle Meinung zum Thema entwickelt haben. Diese wird in Folge dessen in der sich anschließenden Diskussion zum Thema Überwachung und YouTube genauer herausgearbeitet, da die Schüler hier den Transfer von YouTube, mitsamt rechtlicher, sozialer und individueller Konsequenzen auf Videoüberwachung im Generellen leisten müssen. Die Argumente, die in Bezug auf YouTube genannt wurden, müssen also überdacht werden, bevor sie gegebenenfalls auf Videoüberwachung übertragen werden können. So erfolgt eine Umwälzung und ein Transfer des Wissens, die dazu führen sollen, dass die Schüler sich vergegenwärtigen, welche der in der Stunde genannten Argumente sie für sich anerkennen und anwenden können.

Unterrichtsphase Thema / Inhalt Sozialform Medien
Einstieg Staging the news; A hearing at the Airforce Academy
Lehrer stellt Reporter vor einer imaginären Anhörung von zwei Airforce Kadetten dar. YouTube Videoclip wird gezeigt. Reporter weist auf Wartezeit bis zum Beginn der Anhörung hin.
LV DVD
Erarbeitung Being a witness at the hearing – should they stay or should they go?
Die S. erarbeiten sich in vorgegebenen Gruppen mit Hilfe eines gemeinsamen Basistexts und unterschiedlicher Arbeitsaufträge die Meinungen verschiedener Beteiligter, die sie im Anschluss in einer imaginären Anhörung überzeugend wiedergeben sollen.
GA Arbeitsblatt
Heft
Präsentation und Sicherung The hearing
S. aus den verschiedenen Gruppen stellen in Form einer Anhörung die von ihnen erarbeiteten Meinungen vor. Die verbleibenden S. hören zu, melden sich gegebenenfalls (bei Fragen) zu Wort und machen sich Notizen. Zusammenfassung der verschiedenen Meinungen durch S. aus dem Publikum. Die S. stimmen am Ende der Anhörung ab, was mit den beiden Kadetten passieren soll.
SSG Namensschilder
Tafel
Transfer Surveillance and YouTube?
Rückbezug zum Stundenanfang, die S. diskutieren, ob es für sie einen Zusammenhang zwischen Überwachung/Beobachtung und YouTube gibt.
Hausaufgabe / Sicherung Comment on the statement: “With Internet pages like YouTube popping up all over the Internet, privacy turns out to be a thing of the past.”

Reflexion: Die Stunde wurde durchgeführt wie geplant. Die Schüler waren durch den Einstieg sehr motiviert und fanden den sich anschließenden Videoclip äußerst amüsant. Die Einteilung in Gruppen nach dem Zufallsprinzip war, wie erwartet, zunächst schwierig, wurde aber nach kürzester Zeit akzeptiert.69 Die Schüler arbeiteten dann gut zusammen und verständigten sich zumeist auf Englisch.
In den Gruppen, in denen Deutsch gesprochen wurde, verwies ich erneut auf die Einsprachigkeit. Die Gruppe, die in der anschließenden Anhörung Superintendent Regni darstellen sollte, bat darum, zu zweit Fragen stellen zu dürfen. Da diese Gruppe auch den größten Redeanteil in der Präsentation hatte, stimmte ich zu. Nach 20 Minuten waren die Gruppen vorbereitet, so dass der Klassenraum umgebaut werden konnte und die Anhörung stattfinden konnte. Auch hier waren die Schüler hoch motiviert, die ihnen jeweils zugeschriebene Position darzustellen, was dazu führte, dass viele Argumente genannt wurden, die im Vorfeld noch nicht thematisiert worden waren. Um sicherzugehen, dass diese Argumente auch verstanden worden waren, wurde nach der Verhandlung eine kurze Pause einberufen, in der das Gericht zu einer Entscheidung bezüglich des Verbleibs der beiden Kadetten kommen sollte.
In dieser Zeit stellte ich als Reporter agierend den Schülern Fragen zu ihrer persönlichen Meinung und bat sie um Begründungen. Im Anschluss stimmte die Klasse ab, was mit Stoops und Pelehac passieren soll und kam zu dem Ergebnis, dass es für Pelehac keine weiteren Konsequenzen geben sollte, da er ja bereits durch die Veröffentlichung des Films genug geschädigt worden wäre. In Bezug auf Stoops entschieden die Schüler jedoch anders. Sie sagten, dass er zwar an der Air Force Academy bleiben dürfe, sich jedoch bei seinem Mitbewohner und Superintendenten Regni wie auch der Öffentlichkeit für sein Tun entschuldigen müsse und darstellen müsse, dass er den Videoclip ohne das Wissen seines Mitbewohners gemacht habe. In diesem Zusammenhang informierte ich die Schüler in einem kurzen Lehrervortrag über die rechtliche Situation bezüglich der Erstellung und Veröffentlichung solcher Clips in Deutschland. Wie antizipiert waren den Schülern sowohl das Recht am eigenen Bild als auch das Recht auf Privatsphäre nicht bekannt. Nadja fragte, ob es also möglich wäre, jemanden auf Grund von Online gestelltem Videomaterial zu verklagen und war sehr überrascht, als deutlich wurde, dass man eine rechtliche Handhabe gegenüber denjenigen hat, die solches Material in das Internet stellen. Um den Rückbezug zum Thema der Unterrichtssequenz herzustellen, wurde im Anschluss die Aussage: „with pages like YouTube popping up all over the Internet, privacy turns out to be a thing of the past“ aufgelegt. Die Schüler diskutierten äußerst angeregt miteinander, ich konnte mich völlig aus der Diskussion heraushalten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen YouTube und Videoüberwachung an sich wurden deutlich. Elko brachte es auf den Punkt, indem er sagte, dass das Eindringen in die Privatsphäre die wichtigste Übereinstimmung sei und dies nur auf unterschiedlichen Ebenen passieren würde. Sabrina I. ergänzte, dass YouTube als Plattform der Veröffentlichung von Videomaterial dient und dies bei Videoüberwachung ja sonst nicht der Fall sei, allerdings der Besitz von Videos auch immer zu Macht führe. Nicolas stellte sogar fest, dass für ihn YouTube bisher lediglich ein „lustiger Zeitvertreib“ gewesen sei, den er nun viel differenzierter betrachten würde. Lediglich Theresa hatte Schwierigkeiten, YouTube mit Videoüberwachung in Verbindung zu setzen. YouTube sei in ihren Augen nur Spaß und deshalb nicht so schlimm, während Videoüberwachung damit nichts zu tun habe.

Insgesamt kann also davon ausgegangen werden, dass in der Stunde alle Lernziele von den meisten Schülern erreicht worden sind. Das Lernarrangement hat zu einer großen Schülerbeteiligung und -aktivierung geführt und kann somit als erfolgreich gesehen werden. Kleine Optimierungsmöglichkeiten hätte es auch in dieser Stunde gegeben. In der Präsentationsphase hätten die „Zuhörer“ einen Hörauftrag erhalten können, mit Hilfe dessen sie die verschiedenen Positionen hätten strukturiert notieren können. In der Diskussionsphase am Ende der Stunde wäre es möglich gewesen, die Lerngruppe wieder in Gruppen zu unterteilen und hier diskutieren zu lassen. Ich würde jedoch auch in Zukunft bei diesem Thema eine Plenumsdiskussion bevorzugen, auch wenn sie die Gefahr birgt, dass sich einige Schüler entziehen können.

3.1.5. Kurzdarstellung und Reflexion von Stunde 5

Thema der Stunde: Big Brother is shouting at you. Die sprechenden Kameras von Middlesborougheine Perspektiverweiterung

Unterrichtsphase Thema / Inhalt Sozialform Medien
Sicherung
Stunde 4
Homework
S. lesen sich gegenseitig ihre Hausaufgaben aus der vorhergegangenen Stunde vor und korrigieren sich.
PA Heft
Einstieg CCTV around the world
S. beschreiben Bildimpuls und erkennen, dass es sich bei den abgebildeten Sehenswürdigkeiten um Sehenswürdigkeiten aus Großbritannien, Amerika und Deutschland handelt, die alle per CCTV überwacht werden.
UG Folie
Hinführung CCTV in Great Britain
Die Folie wird so abgedeckt, dass nur noch der Big Ben und das CCTV- Hinweisschild zu sehen sind. Die S. äußern, dass der Fokus der heutigen Stunde auf Großbritannien liegt.
UG Folie
Erarbeitung Newspaper article: Big Brother is shouting at you
S. lesen den Text, unterstreichen unbekannte Vokabeln und schlagen diese nach und beantworten die Fragen zum Leseverstehen.
EA Arbeitsblatt
Sicherung What’s in the text?
S. besprechen mit ihrem Sitznachbarn aufgetretene Schwierigkeiten bezüglich des Verständnisses, im Plenum erfolgt anschließend Zusammenfassung des Texts und Beantwortung der Fragen.
PA
UG
Arbeitsblatt
Tafel
Vertiefung Different ways of expressing an opinion
S. bearbeiten je nach Interessenslage binnendifferenziert eine von sieben Aufgaben zum Text.
EA Folie
Sicherung II Summary
Stundenzusammenfassung durch S.. Fragen: Wie weit sind wir gekommen? Wo gab es Schwierigkeiten? Wie muss in der nächsten Stunde vorgegangen werden?
UG
Hausaufgabe Angefangene Aufgabe zu Hause fertig stellen.

Während in der vorangegangenen Stunde der Fokus auf die internationale Plattform YouTube gelegt wurde, sollte in dieser Stunde über die Darstellung verschiedener bekannter Gebäude zunächst eine Perspektiverweiterung auf nationale und internationale Orte von Videoüberwachung erfolgen.
Zunächst lasen sich die Schüler gegenseitig ihre angefertigten Hausaufgaben aus der vorherigen Stunde vor und schufen somit selbst den Übergang von YouTube zu Videoüberwachung an sich.

Mittels eines von mir entsprechend antizipierten visuellen Impulses fokussierten sie auf Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Deutschland, die in den nächsten Stunden im Mittelpunkt des Unterrichts stehen würden. So wurde Transparenz geschaffen, die für erhöhte Schülermotivation und –aktivierung wichtig ist. Die Schüler äußerten zunächst Assoziationen zu den gezeigten Gebäuden und sagten dann, dass Videoüberwachung an einigen Orten, die Symbole der jeweiligen Nation darstellen, durchaus wichtig sein kann, da sie zum einen als Abschreckung vor kriminellen Handlungen dienen soll und zum anderen für die strafrechtliche Verfolgung genutzt werden kann. Durch die partielle Abdeckung der Folie wurde der Fokus für die Stunde auf Großbritannien gelegt. Die Erarbeitung erfolgte mittels eines Zeitungsartikels aus der Daily Mail, der die sprechende Kamera von Middlesborough thematisiert. Die Schüler lasen den Text selbständig und beantworteten im Anschluss mit ihrem Nachbarn einige Verständnisfragen. Hierbei wurden auch unbekannte Vokabeln besprochen und in das Vokabelheft übertragen. Die Verständnisfragen wurden im Plenum verglichen, so dass sichergestellt werden konnte, dass alle Schüler den Text verstanden hatten. Im Anschluss durften die Schüler aus sechs verschiedenen kreativen Schreibaufgaben eine zur individuellen Bearbeitung auswählen, die sie den Rest der Stunde bearbeiteten.70

Die Schüler waren sehr motiviert, sich mit dem Text zu den talking cameras auseinanderzusetzen. Auch das ansprechend gestaltete Arbeitsblatt und die Textart, ein Zeitungsartikel, interessierten die Schüler. Allerdings fiel es ihnen unerwartet schwer sich den kaum didaktisierten Text zu erschließen, da nicht nur viele unbekannte Vokabeln, sondern auch komplexe Satzgefüge das Verständnis erschwerten. Allerdings schien gerade der anspruchsvolle Text bei den Schülern dazu zu führen, dass sie sich äußerst diszipliniert und konzentriert damit befassten. Insgesamt dauerte die Erarbeitung des Textes aber länger als geplant, was in der Folge zu einer Veränderung im Stundenverlauf führte. Es war angedacht, noch in dieser Stunde einen modifizierten Galeriegang zu veranstalten, der aber ohne Probleme auch in die folgende Stunde verschoben werden konnte. Ich hätte den Schülern auch ein Zeitlimit für die Bearbeitung der kreativen Schreibaufgaben geben können, was aber mit Sicherheit kontraproduktiv gewesen wäre, da die Arbeitsergebnisse dann vermutlich nicht so gut durchdacht und kreativ gewesen wären. An dieser Stelle war es also wichtig, den Schülern genug Zeit zu geben, sich mit der jeweiligen Aufgabe ausführlich zu befassen. Auch die unterschiedlichen Aufgaben erfüllten ihren Zweck. Lediglich Aufgabe D, der Vergleich zwischen Orwells „Big Brother“-Fantasie und der Situation in Großbritannien von heute wurde von keinem der Schüler bearbeitet, was ich auf die schon in der zweiten Stunde aufgetretenen Schwierigkeiten zurückführe. Auch die antizipierte Binnendifferenzierung, die mittels der verschiedenen Arbeitsaufträge ermöglicht werden sollte, wurde von den Schülern dankbar angenommen. So arbeiteten leistungsschwächere Schüler eher an Aufgabe A oder B, während leistungsstärkere Schüler häufig an Aufgabe C oder F arbeiteten.

Es war sehr überraschend für mich, dass Andrusch, Ajanthann und Patrick das Schreiben eines Gedichts wählten, da ich sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht als kreative Köpfe bezüglich Poesie kennen gelernt hatte. Gerade das Spiel mit Worten war für Andrusch aber besonders fordernd und fördernd zugleich, da er nur geringe Vokabelkenntnisse hat und so auch in selbst geschriebenen Texten häufig deutsche Worte gebraucht, um das auszudrücken, was er sagen möchte. Sein Gedicht zeigte, dass er bereits eine eigene Vorstellung von Videoüberwachung hat und diese auch mit Argumenten untermauern kann.71

3.1.6. Kurzdarstellung und Reflexion von Stunde 6

Thema der Stunde: Different aspects of video surveillance in the USA.

Unterrichtsphase Thema / Inhalt Sozialform Medien
Sicherung
Stunde 5
Modified Galery Walk
S. gehen durch die Klasse, lesen verschiedene Ergebnisse ihrer Mits. zu den verschiedenen Fragestellungen des Vortags und geben im Anschluss Feedback.
SSG Heft
Einstieg Focus on video surveillance in the USA
Folie vom Vortag wird aufgelegt, Lehrer hält kurzen Vortrag über Videoüberwachung in den USA und erklärt weitere Vorgehensweise für die Stunde
LV Folie
Erarbeitung und Sicherung Jigsaw – different aspects of video surveillance in the USA
S. erarbeiten in einem Gruppenpuzzle mit Hilfe verschiedener Arbeitsblätter Aspekte von Videoüberwachung in den USA, stellen sich ihre Ergebnisse gegenseitig vor und halten diese tabellarisch fest.
GA/EA Arbeitsblätter
Transfer Comment on statement: If you’ve got nothing to hide you’ve got nothing to fear.
S. sprechen in homegroup über statement und machen sich Notizen. Im Anschluss erfolgt eine Diskussion mit der ganzen Klasse.
GA
SSG
Heft
Hausaufgabe Reread what we have done in the last two weeks and write down advantages and disadvantages of video surveillance in a chart.

Nachdem die Schüler sich in der letzten Stunde mit den sprechenden Kameras von Middlesborough beschäftigt haben, sollte es in dieser Stunde um verschiedene Aspekte von Videoüberwachung in den Vereinigten Staaten gehen. Da aus der letzten Stunde noch die Sicherung der Ergebnisse des kreativen Schreibens erfolgen musste, verlief die Stunde nicht ganz wie geplant. Zu Beginn des Englischunterrichts wurde zunächst der modifizierte Galeriegang durchgeführt, bei dem sich die Schüler für 10 Minuten frei im Klassenraum bewegten und sich die Texte ihrer Mitschüler durchlasen. So wurde sichergestellt, dass alle Schülerergebnisse gleichermaßen gewürdigt wurden. Die Schüler hatten im Anschluss die Möglichkeit, sich über das Gelesene auszutauschen, was sie auch angeregt taten. Diese neue Methode wurde von den Schülern sehr positiv aufgenommen, bei der anschließenden Besprechung wurde deutlich, dass sie die Ergebnisse ihrer Mitschüler sehr gut fanden und dass die Methode gut dazu geeignet ist, sich einen Überblick über die Meinung ihrer Mitschüler und die damit einhergehende Gewichtung der Argumente zu verschaffen. Sie sagten jedoch auch, dass sie sich mehr Zeit zum Lesen aller Ergebnisse gewünscht hätten. Nun erfolgte der eigentliche Einstieg in die geplante Stunde. Mittels des Bildimpulses, der bereits am Vortag auf Großbritannien fokussiert hatte, wurde deutlich gemacht, dass es in dieser Stunde speziell um Videoüberwachung in den USA gehen sollte. Die Schüler waren wiederum begeistert und begannen nach einer kurzen Klärung der Gruppenpuzzlemethode, die sie bereits aus dem Deutschunterricht kennen, mit der Arbeit. Die Gruppeneinteilung wurde von mir als Lehrkraft vorgenommen, da das Thema sehr komplex ist und die Arbeitsblätter unterschiedlich schwer waren. Es wurde eine Binnendifferenzierung nach Leistungsstärke vorgenommen. Jede der drei Gruppen war doppelt vorhanden, so dass eine Gruppe in der Sicherungsphase jeweils nur ergänzen musste. Der Text der Gruppe B/E72 war für die eher leistungsschwächeren Schüler vorgesehen, eil stärker didaktisiert und sehr eindeutig in Bezug auf seine Aussage. Der Text der Gruppe A/D73 war etwas schwieriger, aber durchaus von Schülern mittlerer Leistungsstärke gut zu verstehen und bearbeiten. Gruppe C/F74 befasste sich mit dem schwierigsten Text, der kaum didaktisiert war und direkt aus einer Studie zu Videoüberwachung entnommen worden war. Die Schüler kamen zunächst also in ihren Expertengruppen zusammen, lasen den Text gemeinsam und klärten unbekannte Vokabeln, formulierten einen zusammenfassenden Satz und einigten sich auf fünf Fakten aus dem Text, die ihres Erachtens nach den Kern der Aussage bilden. Diese notierten sie sich in Stichworten, welche sie dann in den gemischten Gruppen wiedergeben sollten. Nachdem die Schüler in ihren gemischten Gruppen die Ergebnisse aller Expertengruppen in tabellarischer Form gesammelt hatten, wurden die Ergebnisse kurz im Plenum gesichert, so dass auch Gruppen, die nicht alle Punkte bereits besprochen hatten, ein Ergebnis in der Mappe hatten. Im Anschluss erfolgte ein kurzer Meinungsaustausch zum Statement: „If you’ve got nothing to hide, you’ve got nothing to fear“, bei dem die Schüler in ihren gemischten Gruppen die Möglichkeit nutzten, ihre persönliche Meinung mit Argumenten der letzten Stunden zu belegen und diese notierten, bevor eine Plenumsdiskussion folgte.

Insgesamt kann gesagt werden, dass die Stunde überplant war. Die Schüler hatten auf Grund der Sicherung und Würdigung der Ergebnisse aus der Vorstunde zu wenig Zeit, sich mit den Texten zu befassen, die für die Erarbeitung in dieser Stunde vorgesehen waren. Dennoch arbeiteten die Schüler interessiert mit, einige von ihnen schienen jedoch etwas frustriert auf Grund der Schwierigkeit der Textvorlagen zu sein. Es mussten ungewöhnlich viele Vokabeln geklärt werden, bevor die Schüler sich mit den enthaltenen Argumenten auseinandersetzen konnten. Die Konzentration in der Stunde war sehr schwankend, was sich sicherlich auch auf die in der vorhergehenden Unterrichtsstunde geschriebene Mathematikarbeit zurückführen ließ. Gerade Nicolas benahm sich in der Stunde ausgesprochen unmöglich. Er äußerte provozierend sein Missfallen in Bezug auf das Gruppenpuzzle und sabotierte die Erarbeitung in seiner Gruppe. Da er aber zu den leistungsstärkeren Schülern gehört und über einen außerordentlich guten Wortschatz verfügt, wäre seine Mitarbeit in der Gruppe unerlässlich gewesen. Außerdem missachtete er durchgängig die vorausgesetzte Einsprachigkeit und versuchte mittels lauter Zwischenrufe auf Deutsch mich als Lehrkraft aus der Fassung zu bringen. Erst als ich Nicolas auf sein Verhalten direkt ansprach und mein Missfallen diesbezüglich deutlich machte, beendete er sein „Gehabe“, und entzog sich dem Unterricht nun komplett, ohne weiterhin zu stören. Durch sein Verhalten beeinflusste er die Gruppe allerdings weiterhin so stark, dass sie kaum zu einem Ergebnis kam und sich schwer tat, ihren Mitschülern über den Inhalt ihres Textes Auskunft zu erteilen. Auf Grund dessen war die Sicherung im Plenum besonders wichtig. Auffällig im Bereich der Präsentationsphase war dennoch, dass die Schüler schlecht spontan aufeinander reagieren und somit auch interagieren können. Dies könnte erheblich verbessert werden, wenn sie weitergehend ermutigt werden würden, etwas Neues auszuprobieren (Anmerkung Pfeiffer).

3.1.7. Kurzdarstellung und Reflexion von Stunde 7

Thema der Stunde: Vorbereitung auf die Alexander Geissen Show

Unterrichtsphase Thema / Inhalt Sozialform Medien
Einstieg Welcome to the Alexander Geissen Show
Einstimmung der S. mittels Plakat. Inszenierung einer Talkshow zum Thema „Videoüberwachung an der Schule“. Lehrer stellt geladene Gäste vor.
LV Plakat
Erarbeitung Different Guests, different opinions
Die S. teilen sich selbständig in Gruppen ein und zu Gästen zu. S. lesen Arbeitsblatt, finden gemeinsam (mit Hilfe der Hausaufgabe) Argumente, die sie in der Talkshow nutzen können und halten diese schriftlich fest.
GA Tafel
Arbeitsblatt, Heft

Der Einstieg in diese Unterrichtsstunde erfolgte mittels eines Plakats, das auf die Liveübertragung der imaginären, populären Alexander Geissen Show zum Thema Videoüberwachung am J.- G. in S. hinwies. Die Lerngruppe war sofort bei der Sache und wollte wissen, wie die folgenden Stunden aufgebaut sein würden. Ich stellte also im Anschluss die geladenen Gäste und ihre Standpunkte vor und schrieb die Namen an die Tafel. Nun teilten sich die Schüler je nach Interessenslage den verschiedenen Gästen zu, so dass sechs ungefähr gleich große Gruppen entstanden.75 Nicolas und Patrick bat ich zu mir zu kommen und fragte sie, ob sie bereit wären in der folgenden Talkshow als Moderatoren zu agieren. Beide waren einverstanden, wobei Patrick sagte, dass gerade spontane Äußerungen in der Fremdsprache ihm nicht sonderlich lägen, er es aber gerne versuchen würde. Die Schüler setzen sich äußerst schnell in ihren Gruppen zusammen und bekamen eine Kurzcharakterisierung ihrer darzustellenden Person und ein Arbeitsblatt, anhand des en sie sich ihre Rolle erarbeiten sollten. Während der gesamten restlichen Stunde herrschte eine äußerst konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Vorbereitend auf diese Unterrichtsstunde hatten die Schüler zu Hause sämtliche in der bisherigen Unterrichtssequenz genannte Argumente gesammelt und rekapituliert. So fiel es ihnen auch leicht, den an der Talkshow beteiligten Personen Argumente an die Hand zu geben, mit Hilfe derer die jeweilige Position verdeutlicht werden konnte. In der Stunde fungierte ich als Lehrkraft lediglich als Ansprechperson, wenn Fragen zu beantworten waren. Ich konnte mich also weitestgehend zurückziehen und die Schüler bei der Erarbeitung beobachten. Es war sehr interessant zu sehen, mit wie viel Freude die Schüler zusammen an der Formung eines Charakters arbeiteten und ihm so „Leben einhauchten“. Hilfreich war besonders das Arbeitsblatt, aus dem klar hervorging, dass die Schüler nicht nur Argumente sammeln sollten, sondern auch die Rolle ihrer zugeordneten Person ausfüllen sollten. Da die Sch ler sich selbständig zuordnen konnten, waren sie besonders engagiert, die Perspektive ihres Talkshowcharakters zu übernehmen. Der eigentliche Sinn der Inszenierung, das Sammeln und Zuordnen vorher genannter Argumente, war eher ein positiver Nebeneffekt, der den Schülern vermutlich wegen des ungewöhnlichen Lernarrangements besonders leicht von der Hand ging. Es war auch interessant zu sehen, dass die Schüler das in der Reihe eingeführte Wortfeld um den Begriff Videoüberwachung in ihren aktiven Wortschatz transferiert hatten, da viele Vokabeln genutzt wurden, die ihnen vor der Unterrichtssequenz noch nicht bekannt waren. Sehr lobenswert war, dass die Schüler fast ausschließlich miteinander auf Englisch über die Darstellung des Charakters kommunizierten und dies scheinbar auch sehr unproblematisch war. Auch die beiden Moderatoren, die es vorzogen, sich separat von der Klasse auf ihren anstehenden Job vorzubereiten, leisteten ganze Arbeit, formulierten gute Fragen und entschieden, in welcher Reihenfolge welche G ste in der Talkshow aufgerufen werden sollten. Gerade Nicolas, der in der letzten Stunde den Unterricht komplett boykottiert hatte, äußerte sehr gute Ideen und arbeitete kooperativ mit Patrick zusammen. Insgesamt kann gesagt werden, dass die Vorbereitung auf die Inszenierung der Talkshow sehr gut funktioniert hat, die Schüler arbeiteten sehr gut zusammen und bereiteten sich intensiv auf die Ausfüllung ihrer jeweiligen Rolle vor. Offenbar hatten alle Schüler große Freude an der Ausarbeitung und Vorbereitung und erwarteten die Talkshow mit Spannung.

3.1.8. Ausführliche Darstellung und Reflexion von Stunde 8

Diese Unterrichtsstunde habe ich zur ausführlichen Darstellung und Reflexion gewählt, da in ihr deutlich werden wird, inwiefern die Schüler die zu Beginn der Unterrichtsreihe antizipierten Lernziele erreicht haben. Sie müssen in dieser Stunde nicht nur sämtliches Wissen aus den vorhergegangenen Stunden äußern, sondern auch im Anschluss erneut Stellung beziehen. Es wird spannend sein zu sehen, ob die Schüler aus der Unterrichtssequenz etwas mitgenommen haben und ob sie in der Lage sein werden, ihre eigene Meinung zu Videoüberwachung zu begründen. Ferner ist diese Stunde für mich jene, in der sämtliches angeeignete Wissen, sei es bezogen auf Vokabeln, Argumentationsregeln und individueller Gewichtung von Argumenten angewendet werden muss. So wird überprüft werden können, ob die Konzeption der gesamten Unterrichtsreihe erfolgreich war. Ferner wird sich an dieser Stelle zeigen, ob die Schüler in der Lage sind, über die Länge einer gesamten Unterrichtsstunde miteinander auf Englisch zu kommunizieren und ob es ihnen nun besser gelingt, spontan und dennoch logisch auf Beiträge ihrer Mitschüler zu reagieren. In der Stunde werde ich als Lehrkraft nur „Zuschauer“ sein, die Schüler haben die Stunde selbständig geplant und werden nun auch gefordert, diese umzusetzen.

Thema der Stunde: The Alexander Geissen Show! Topic: CCTV in the J. – High School of S. – Germany

Spezifische Voraussetzungen der Lerngruppe: In der vorliegenden Stunde soll die Lerngruppe auf sämtliches vorher angeeignetes Wissen zurückgreifen und dieses für die Talkshow nutzen. Die Hausaufgabe der sechsten Stunde war, sich die Ergebnisse aus den letzten Stunden wiederholt vor Augen zu führen und eine Tabelle anzufertigen, aus der hervorgeht, welche Argumente für und wider Videoüberwachung genannt worden waren. In der siebten Stunde beschäftigten sich die Schüler, wie der Kurzdarstellung zu entnehmen ist, mit der Zuordnung von Argumenten zu dem jeweils darzustellenden Gast in der Talkshow. In dieser Unterrichtsstunde ist es nun Aufgabe, den jeweiligen Gast in einer imaginären Talkshow zu verkörpern. Dies fordert von den Schülern nicht nur einen Perspektivwechsel, sondern auch die Verbesserung der Antizipationsfähigkeit und die möglichst realistische Darstellung eines Charakters mit sämtlichen Facetten. Ferner müssen die darstellenden Personen in der Lage sein, auf vorher unbekannte Fragen zu antworten, die von den Moderatoren gestellt werden. Sie sollen in der Lage sein, spontan zu agieren und die erarbeiteten Argumente auf die jeweilige Situation zuzuschneiden. Alle Schüler, die nicht direkt an der Talkshow beteiligt sind, sondern das Publikum darstellen, sind aufgefordert, ihrem „Abgeordneten“ mittels Wortmeldung zu Hilfe zu kommen, sollte dieser einmal keine passende Antwort parat haben. Auch mögliche Fragen an andere Gäste der Talkshow sollten in der Vorstunde ausgearbeitet werden, so dass deutlich wird, welche Argumente möglicherweise bereits durch Fragen entkräftet werden können. Die Rolle der Zuschauer ist ambivalent. Die Schüler müssen der Diskussion konzentriert zuhören, um zum einen in der Lage zu sein, sinnvolle Fragen zu stellen, zum anderen haben sie die Aufgabe, die Aussagen eines anderen Gasts zu protokollieren, um am Ende der Stunde dessen Rolle noch einmal zusammenfassen zu können. Sie müssen sich also einerseits aktiv in die Diskussion einmischen, andererseits aber auch unterschiedliche Argumente evaluieren und protokollieren.

Ein besonders hohes Maß an Antizipations- und Organisationsfähigkeit wird den beiden Moderatoren abverlangt. Ich habe lange überlegt, welche der Schüler sowohl die sprachlichen Fähigkeiten als auch die Fähigkeit eine Diskussion zu leiten haben, da die gesamte Diskussion mit ihrem Können steht und fällt. Meine Wahl fiel auf Patrick und Nicolas. Es war mir bewusst, dass die Wahl von Nicolas als Moderator außerordentlich riskant war, da er, wie bereits mehrfach geschildert, eine Sonderrolle in der Klasse einnimmt und auch in der sechsten Stunde sehr gestört hatte. Dennoch entschied ich mich dafür ihn einzusetzen, da er einer der wenigen Schüler ist, die die sprachlichen Fähigkeiten mitbringen und sie einzusetzen wissen. Sein Potential wollte ich in der Stunde nutzen und außerdem Nicolas so ganz besonders an der Gestaltung des Unterrichts beteiligen. Ich wollte ihm verdeutlichen, dass er eine große Verantwortung zum Gelingen der Stunde beizutragen hat. Die Wahl, Patrick als Moderator einzusetzen, fiel vergleichs eise leicht. Patrick hat Defizite im Bereich der Sprechfähigkeit, zeigt aber bei schriftlichen Arbeitsaufträgen, dass er über ein sehr gutes Vokabelwissen verfügt und auch im Bereich des Satzbaus überaus flexibel agieren kann. Um ihm die Möglichkeit zu bieten, diese Fähigkeiten auch verbal unter Beweis zu stellen und ihm mögliche Ängste zu nehmen, bot ich ihm die Rolle eines Moderators an. Hinzuzufügen ist auch, dass Nicolas und Patrick privat gut befreundet sind und es Patrick durch seine zurückhaltende Art gelingt einen beruhigenden Gegenpol zu Nicolas darzustellen. Ob der Einsatz dieser beiden Schüler als Moderatoren erfolgreich sein würde, war für mich trotz aller Vorüberlegungen besonders spannend.

Sachanalyse: Die Alexander Geissen Show ist eine von mir konzipierte imaginäre internationale Talkshow, in der in dieser Stunde das Thema Videoüberwachung am J.-Gymnasium in S. thematisiert werden soll. Sie baut auf dem Konzept von seriösen (Polit-) Talkshows76 auf, die wir aus dem deutschen Fernsehen kennen. In der Alexander Geissen Show gibt es zwei Moderatoren, welche die Sendung gestalten. Sie entscheiden, in welcher Reihenfolge die Gäste aufgerufen werden und welche Fragen gestellt werden sollen. Sie versuchen, das Publikum zu aktivieren und zu integrieren, indem sie es in der Talkshow ansprechen und es immer wieder bitten, Fragen zu stellen und Stellung zu beziehen. Die Talkmaster fassen am Ende der Sendung das Gesagte kurz zusammen, um im Anschluss daran die Gäste zu verabschieden. In der vorliegenden Unterrichtsstunde gibt es sieben geladene Gäste, deren Position ich im Folgenden kurz darstellen möchte. Mr Bee ist der Schulleiter des betreffenden Gymnasiums. Er möchte, dass Videoüberwachungssysteme in seiner Schule installiert werden. Dadurch meint er gewährleisten zu können, dass seine Schule sicher bleibt und sich alle Schüler ohne Angst vor Übergriffen frei bewegen können. Außerdem möchte er die Schüler natürlich persönlich beobachten können, so dass er bei Bedarf in der Lage ist einzugreifen. Eine Vertreterin des Schulelternrats, Mrs Dandy, ist ebenso anwesend. Sie möchte gern von ihrem Mitspracherecht Gebrauch machen, weiß aber eigentlich nicht so genau, was sie persönlich davon halten soll. Es ist aber bekannt, dass sie dazu tendiert, Mr Bees Meinung unter allen Umständen zu stützen. Zwei Schüler, David und Anna, sind der Auffassung, dass Videoüberwachung nicht helfen wird, das Bullying an der Schule zu verhindern bzw. die Sicherheit zu erhöhen. Sie sagen, dass sie gerade in den Pausen nicht gefilmt werden möchten, da der Schulleiter nicht alles wissen müsse und sie wenigstens in den Pausen ein Recht auf Privatsphäre haben. Geladener Gast ist auch Mr Willow, ein Geschäftsmann, der Videoüberwachungssysteme verkauft und natürlich der Ansicht ist, dass Videoüberwachung ausschließlich Vorteile hat und der gern bereit wäre, diese auch an der Schule zu installieren. Mrs Hatchcourt ist anderer Meinung. Sie arbeitet für die Organisation EPIC, die über die Risiken von Videoüberwachung aufklären möchte. Sie ist eine starke Verfechterin des Rechts auf Privatsphäre und überzeugt davon, dass Videoüberwachung ganz besonders an Schulen nichts zu suchen hat. Der letzte Gast ist die Lehrerin Mrs T. Eacher, eine Sprecherin des ansässigen Kollegiums, das eher gegen eine Videoüberwachung an ihrer Schule ist. Mrs T. Eacher sagt zwar, dass es einige Orte gibt, an denen die Überwachung einen Sinn ergeben würde, der Arbeitsplatz aber von einer solchen Überwachung ausgenommen sein sollte. Wenn schon Videoüberwachung an der Schule eingeführt werden muss, sollte diese nur auf die Pausen beschränkt werden, nicht aber auf die normale Unterrichtszeit.

Didaktische Begründung und Schwerpunktsetzung: In der Stunde sollen die Schüler die in den vorherigen Stunden gesammelten Argumente den verschiedenen Gästen der Talkshow zuordnen können. Es erfordert die detaillierte Auseinandersetzung mit den Charakteren. Es muss ein Perspektivwechsel erfolgen, um diese Standpunkte möglichst realistisch darstellen zu können. Es wird ein besonderer Fokus auf den Gegenwarts- und den Zukunftsbezug gelegt. Der Gegenwartsbezug ergibt sich zum einen aus dem Thema der Talkshow – Videoüberwachung am J.-Gymnasium S., zum anderen aus der Inszenierung einer Talkshow an sich.77 Die Schüler sollen laut Kerncurriculum in der Lage sein „…auf vorhandenes Wissen zurückzugreifen und beim (Ver)handeln verfügbare Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten einzusetzen.“78 Eine unmittelbare Zukunftsbedeutung ergibt sich aus der aktuellen Diskussion zum Thema in unterschiedlichen Nationen. Während in den USA Videoüberwachung an Schulen bereits praktiziert wird, sind bei uns in Deutschland zumindest die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, die Videoüberwachung im Schulbereich, wenn auch eingeschränkt, ermöglichen. Erste Modellprojekte in Schwerin und Greifswald existieren bereits, auch wenn hier lediglich außerhalb der Unterrichtszeit, also abends und am Wochenende gefilmt wird.79 Selbst wenn meine Schüler nicht mehr selbst von Videoüberwachung an der Schule betroffen sein werden, so ist es dennoch wahrscheinlich, dass die Debatte in der Zukunft an Schärfe zunehmen wird und folgende Generationen an Schulen mit Videoüberwachungssystemen unterrichtet werden.

Eine Talkshow bietet sich besonders sowohl zur Übung des freien Sprechens als auch zur Förderung von Schülerinteraktion an. In dieser Unterrichtsstunde werden gerade diese Fertigkeiten geübt und so gefestigt. Den Schülern wird in der Stunde der Lernprozess, den sie in den vergangenen Stunden geleistet haben, unterbewusst verdeutlicht, sie verknüpfen mittels der Talkshow Neues mit bereits Bekanntem. So wird die laut Kerncurriculum geforderte Einsicht was, wie und wie gut gelernt wurde ermöglicht.80 Auch die sprachliche Handlungsfähigkeit wird gezielt angewendet und erweitert.

Verschiedene kommunikative Fertigkeiten, wie Hörverstehen, Sprechen und im Anschluss auch Schreiben, werden in und nach dieser Stunde unter Berücksichtigung der zugehörigen sprachlichen Mittel, wie Wortschatz, Aussprache und Intonation, erweitert. Der Schwerpunkt der Stunde liegt in der erneuten Bewusstmachung aller zuvor genannten Argumente für und wider Videoüberwachung.

Hieran schließt sich eine erneute Positionierung zum Statement: „Video surveillance is a good way of protecting people from each other“ an, die später mündlich und schriftlich begründet wird. Aus dem Schwerpunkt der Stunde ergeben sich folgende Lernziele:

Übergeordnetes Lernziel:

Die Schüler sollen Argumente für und wider Videoüberwachung in der Talkshow nennen, detailliert analysieren und abwägen und sich im Anschluss individuell und begründet zu Videoüberwachung positionieren können.

Im Einzelnen sollen die Schüler…

…im Kompetenzbereich kommunikative Fertigkeiten…
… die darzustellende Meinung verdeutlichen und zentrale Argumente hervorheben können.
… verschiedene Standpunkte miteinander vergleichen und zu einer individuellen Meinung gelangen können.
… die individuelle Meinung mündlich und schriftlich begründen können.

…im Bereich Methodenkompetenz…
… über einen längeren Zeitraum in einer realen Situation in der Fremdsprache miteinander kommunizieren und Verständigungsprobleme durch Interaktionsstrategien überwinden können.

Methodische Überlegungen:

Die Idee in dieser letzten, wenn auch zentralen Stunde der Unterrichtssequenz eine Talkshow als Pro und Contradebatte zu inszenieren, erschloss sich mir aus einer bereits im Vorfeld gehaltenen ähnlichen Unterrichtsstunde, die ich in einer 8. Klasse durchgeführt hatte. Da die Klasse 10c wie bereits geschildert mündlich sehr aktiv und vor allem diskutierfreudig ist, halte ich diese Methode für sehr geeignet, um auf unterschiedliche Argumente zu fokussieren. Dies erfolgt mittels der Inszenierung auf eine spielerische Art und Weise, die den Schülern viel Freude bereiten wird. Die Voraussetzung für die Durchführung einer solchen Pro- und Contradebatte ist eine Problemstellung, die sowohl Argumente für und wider ermöglicht.81 Die Beschreibung der eingeladenen Gäste gebe ich vor, so dass nicht nur extreme, polarisierende Positionen deutlich werden, sondern auch Positionen gegeben sind, die Kompromisse einschließen. Es soll den Schülern ermöglicht werden, am Ende der Stunde eine eigene, individuelle Position vertret ar begründen zu können. Die Moderatoren sorgen in diesem Zusammenhang für eine ausgewogene Darstellung des Problems, greifen Äußerungen auf und stellen diese zur Diskussion. Analog dazu muss der Teil der Lerngruppe, der nicht direkt beteiligt ist, dennoch aktiv zuhören, sich Notizen machen und ist dazu angehalten, sich in die Diskussion einzumischen. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass möglichst alle Schüler an der Gestaltung des Unterrichtsprozesses beteiligt sind. Jeder muss sich hierbei an wichtige Diskussionsregeln halten, die bereits im Vorfeld der Stunde thematisiert wurden.82 Die Moderatoren haben die Aufgabe, auf die Einhaltung dieser Regeln zu achten.

Alternativ hätte sich auch die Durchführung einer freien Plenumsdiskussion oder einer Fishbowl-Diskussion angeboten. Die freie Plenumsdiskussion habe ich jedoch von vornherein ausgeschlossen, da diese die Gefahr birgt, dass einige leistungsstarke Schüler dominieren und schwächere Schüler sich auf Grund dessen nicht beteiligen. Hinzu kommt, dass es mir wichtig war, dass sowohl Pro-, als auch Contraargumente in der Stunde wiederholt werden sollen. Hätte ich eine freie Plenumsdiskussion führen lassen, wären Argumente, die nicht der Meinung der Schüler entsprechen, nicht genannt worden, was zu einer Verzerrung der komplexen Thematik geführt hätte. Auch die Fishbowl- Diskussion halte ich in dieser Klasse nicht für geeignet. Zwar hätte man hier auch verschiedene Standpunkte vorgeben und im Anschluss diskutieren können, es wäre allerdings zu erwarten gewesen, dass der Teil der Klasse, der die Diskutierenden beobachtet, sich nicht so aktiv einzubringen versuchen würde. Außerdem halte ich die Inszenierung einer Talkshow für besonders motivierend, da die Schüler hier nicht nur Argumente nennen müssen, sondern auch einen Perspektivwechsel vollziehen müssen.
Gerade dadurch, dass die Schüler zunächst nicht ihre eigene Meinung vor der Klasse vertreten müssen, sondern lediglich die einer anderen Person widerspiegeln, wird die Fähigkeit andere Auffassungen tolerieren zu können, abgelöst von der individuellen Ebene geübt. Dennoch lernen die Schüler, sich in andere Sichtweisen hineinzuversetzen, eine Meinung zu formulieren und argumentativ zu vertreten. Auf diese Weise wird ihnen zusätzlich die Chance gegeben, sich außerhalb des „öffentlichen Klassenraum“ eine eigene Meinung zu bilden, diese zu festigen, zu überdenken und gegebenenfalls zu ändern. Erst im Anschluss an die Talkshow sollen sich die Schüler zu der gleichen Aussage wie zu Beginn der Unterrichtssequenz erneut positionieren und ihre Entscheidung begründen können.

Reflexion: Die Unterrichtsstunde hat hervorragend funktioniert. Nachdem die Schüler mittels Plakat auf die Talkshow eingestimmt worden waren, bekamen sie weitere fünf Minuten Zeit, um sich die bereits in der Vorstunde erarbeiteten Argumente noch einmal durchzulesen und zu verinnerlichen. Die Schüler, die nicht direkt Teilnehmer der Talkshow waren, bauten in dieser Zeit den Klassenraum einem Fernsehstudio ähnlich um. Patrick begrüßte als Moderator die Anwesenden und eine spannende Diskussion entwickelte sich. Die Moderatoren hatten sich entschieden, die Gäste nach und nach auf das Podium zu bitten, wo sie sich zunächst vorstellen mussten und ihre Position kurz und knapp darlegen sollten. Der erste Gast war der Schulleiter Mr. Bee, der von Andrusch repräsentiert wurde. Die Gruppe hatte sich in der Erarbeitung große Mühe gegeben, dem Charakter nicht nur Argumente an die Hand zu geben, sondern hatte auch einen großen Fokus auf die Darstellung gelegt und diese mittels spezieller Charakterzüge perfektioniert. Es war sehr amüsant zu sehen, wie der Schulleiter in der Diskussion anderen Gästen notorisch ins Wort fiel und so die Diskussion immer wieder an sich zu reißen versuchte. Die Moderatoren agierten aber stets gemäß der ihnen zugeteilten Rolle und forderten den Schuldirektor zu Disziplin und Contenance auf. Im Anschluss wurden die beiden Schülervertreter auf die Bühne geholt. Diese wurden durch Inga und Lennert verkörpert. Gerade die wirklich überzeugende Darstellung von Lennert ist an dieser Stelle besonders hervorzuheben. Er ist einer der leistungsschwächsten Schüler der Lerngruppe und brachte sich zu meiner großen Freude dennoch mit Hilfe von Inga überaus aktiv und konsequent in die Talkshow ein. Es war interessant zu sehen, dass die Gruppe in der Erarbeitungsphase bereits darauf geachtet hatte, klare Absprachen zu treffen und sich die beiden Akteure gegenseitig immer wieder ergänzen konnten. Im Anschluss wurde auch die Elternvertreterin Mrs. Dandy zum Thema befragt, die von Julia gespielt wurde. Leider konnte sie die Rolle der Mrs. Dandy nicht so gut mit Leben füllen. Es wäre an dieser Stelle sinnvoll gewesen, ihr eine weitere Person als Hilfe zur Verfügung zu stellen, da Julia sich dann vermutlich hätte besser durchsetzen können. Der nächste Gast, Mrs. T. Eacher wurde wiederum sehr überzeugend von Rebecca verkörpert. Sie hatte sichtlich Freude daran, ihre imaginären Schüler in ihre Schranken zu verweisen und ihren Standpunkt argumentativ klar zu machen. Rebecca hat eigentlich große Schwächen im Ausdrucksvermögen, die aber in dieser Englischstunde überhaupt nicht auffielen.

Gerade bei ihr wurde deutlich, wie sehr die vorhergehenden Stunden zu einer Verbesserung der Sprechfertigkeiten beigetragen hatten. Auch Elko, der Mr. Willow verkörperte, konnte die wirtschaftlichen Aspekte, die für ihn als Geschäftsmann im Vordergrund stehen, gut verbalisieren und vertrat somit eine eindeutige Haltung in Bezug auf Videoüberwachung. Es war auch äußerst interessant zu sehen, wie Nadja die Rolle der Mrs. Hatchcourt mit Leben füllte. Sie strukturierte bereits in ihrem Eingangsstatement ihre eigenen Argumente zu Überwachung und bezog diese noch zusätzlich logisch auf vorher Gesagtes. So gelang es ihr, viele der vorhergehenden Äußerungen zu entkräften. Die Moderatoren, ganz besonders aber Nicolas, bezogen das Publikum wie verlangt immer wieder in die Diskussion ein. Ich beobachtete, dass alle Schüler die Talkshow mit großem Interesse verfolgten und sich ständig Stichpunkte notierten, die der von ihnen zu protokollierende Gast äußerte.

Es gab viele Wortmeldungen, die unterstützender oder fragender Natur waren, so dass ich davon ausgehe, dass die Schüler die Unterrichtsstunde wie antizipiert sehr motivierend fanden und das Lernarrangement für diese Klasse äußerst geeignet war. Insgesamt lief die Talkshow über einen Zeitraum von 30 Minuten. Auf Grund der zeitlichen Einschränkungen, die sich aus den zur Verfügung stehenden 45 Minuten pro Schulstunde ergeben, musste ich den Moderatoren zehn Minuten vor dem Ende der Stunde ein Zeichen geben, die Diskussion zu beenden, da die Zusammenfassung, Positionierung und Begründung noch folgen sollte. Es sollte sichergestellt werden, dass die Schüler das Gehörte auf sich beziehen und die Möglichkeit haben, sich unabhängig von vorher vorgezeichneten Rollen zu äußern. Die Moderatoren beendeten die Talkshow sehr galant, Patrick fasste kurz in eigenen Worten zusammen, worüber gesprochen worden war, Nicolas formulierte eine provokante Frage, um die es in der nächsten Alexander Geissen Show gehen würde und bat das Publikum um qualifizierte Beiträge diesbezüglich, die er hoffe, als Moderator entgegennehmen zu können. Patrick dankte nun den Gästen und Zuschauern und verabschiedete sich. Das Publikum klatschte begeistert.

Um die Atmosphäre, die zu diesem Zeitpunkt im Klassenraum herrschte, nicht zu unterbrechen, bat ich die Klasse auf ihren Plätzen sitzen zu bleiben. Spontan entschied ich an dieser Stelle, dass die Schüler, die eigentlich die verschiedenen Positionen noch einmal wiederholen sollten, dies nicht zu tun brauchten, da sich keinerlei Konsequenzen für den Rest der Stunde daraus ergaben. Ich sammelte einige Notizen ein und kopierte diese zur nächsten Stunde für alle. Im Anschluss sollten die Schüler sich im Blitzlichtverfahren, das sie bereits aus den der Reihe vorhergegangenen Stunden kannten, persönlich zu Videoüberwachung an Schulen äußern. Die Meinungen der Schüler waren überaus vielfältig. Insgesamt war es sehr erfreulich zu sehen, dass fast alle Schüler eine eigene Meinung zu Videoüberwachung an Schulen hatten und diese auch begründen konnten. Die Positionierung, die am Ende der Unterrichtsstunde stand, zeigte, dass viele Schüler ihre Meinung im Laufe der Unterrichtssequenz geändert hatten und diese nun auch zu begründen in der Lage waren. Genaueres hierzu werde ich in der Reflexion der didaktischen Analyse erörtern.

4. Gesamtreflexion der Unterrichtsreihe

In der Gesamtreflexion wird nicht auf einzelne methodische und didaktische Entscheidungen im Detail
eingegangen. Sie dient vielmehr dazu, zu überprüfen, ob die generelle Konzeption der Unterrichtsreihe
stimmig war und zu dem antizipierten Ergebnis geführt hat. So wird in der Reflexion der
Lerngruppenanalyse besonders auf die Motivation der Schüler in der Unterrichtsreihe eingegangen
und darauf, ob sie geeignet war, gerade diese Lerngruppe nachhaltig zu fördern und zu fordern. In der
Reflexion der didaktischen Entscheidungen wird es vordergründig um die Frage gehen, ob die
Lernziele erreicht werden konnten. Außerdem wird die Frage ergründet werden, ob die Fertigkeiten,
die mit dem Schwerpunkt der Reihe, der mündlichen und schriftlichen Argumentation in der
Fremdsprache, einhergehen sollten, mittels der gehaltenen Stunden verbessert werden konnten.

Außerdem ist zu diskutieren, ob die Wahl verschiedener medialer Zugänge zur Aktivierung der
Schüler sinnvoll war. Bei der Reflexion der methodischen Entscheidungen werden besonders die
kooperativen Lernarrangements genauer betrachtet. Konnten die Schüler mittels der
dementsprechenden Methoden eine Verbesserung der Sozialkompetenz und der kommunikativen
Fertigkeiten erreichen? Haben die gewählten Methoden dazu geführt, dass die Schüler selbständig und
kooperativ arbeiteten?

4.1. Reflexion der Lerngruppenbeschreibung

Insgesamt kann gesagt werden, dass die Lerngruppenbeschreibung, die vor Beginn der Unterrichtssequenz angefertigt wurde, im Großen und Ganzen zutreffend war. Die Klasse hat sich von Beginn der Reihe an in den Stunden mündlich äußerst aktiv beteiligt, aber gerade die schwächeren Schüler hielten sich noch auffallend zurück. Im Laufe der Unterrichtssequenz beteiligten sich erfreulicherweise immer mehr Schüler an den Unterrichtsgesprächen, was zum einen auf eine hohe Motivation, sich mit dem Thema der Videoüberwachung auseinanderzusetzen, zurückzuführen ist, aber auch den gewählten kooperativen Lernarrangements zugeschrieben werden kann. Gerade schwächere Schüler konnten in den der Diskussion jeweils vorgeschalteten Einzel- und Partnerarbeiten Ängste abbauen. Eine weitere Schwierigkeit zu Beginn der Reihe war die Nichteinhaltung der Einsprachigkeit. Auch diesbezüglich hat sich die Lerngruppe enorm verbessert. Am Ende der Unterrichtsreihe zeigte sich, dass die Schüler durchaus in der Lage sind, sich in der Fremds rache Englisch zu verständigen und zu verhandeln. Gerade durch die Inszenierung der Talkshow und der Anhörung wurden authentische Situationen nachgestellt, in denen von den Schülern konsequent einsprachig agiert wurde.

Im Folgenden möchte ich auf einige Schüler gesondert eingehen, deren Verhalten sich in der Unterrichtsreihe frappierend verändert hat. Nicolas war, wie antizipiert, im Englischunterricht nicht immer unproblematisch. Es zeigte sich allerdings, dass er im Verhältnis zu vorhergegangenen Stunden nur vergleichsweise wenig störte, und zumeist mitarbeitete und dabei zu sehr guten Ergebnissen beitrug. Gerade in der letzten Stunde zeigte er als Moderator, dass er durchaus in der Lage ist, eine verantwortungsvolle Position zu übernehmen und zum Gelingen der Stunde beizutragen. Nicolas muss sehr stark am Unterrichtsgeschehen beteiligt und vor allem eingebunden werden, um sowohl seine fachliche als auch seine soziale Kompetenz weiter zu verbessern. Auch Jessica konnte durch die Unterrichtsreihe motiviert werden sich stärker in den Unterricht einzubringen. Gerade in der Anhörung wurde sie auf eigenen Wunsch aktiv. Sie fand es laut eigener Aussage besonders interessant und motivierend, dass verbale Diskussionen ausschließlich auf Englisch durchgeführt wurden und sie so die Möglichkeit hatte, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Besonders Thilo, Elko, Rebecca und Lennert haben sich über die gesamte Unterrichtssequenz hinweg sehr engagiert und motiviert an den Unterrichtsstunden beteiligt und derart ihre Sprechfertigkeiten erheblich verbessert. Diese vier Schüler beteiligten sich auch in den Gruppenarbeiten überaus aktiv und konnten ihre jeweiligen Gruppen voranbringen und insgesamt zu besseren Ergebnissen beitragen. Besonders positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle Thilo, der nicht nur in der 6. Stunde in seiner Expertengruppe erheblich dazu beitrug, dass seine Mitschüler den Text verstanden, sondern auch in der anschließenden Diskussion federführend war und durch seine Einfälle der Klasse immer neue Blickwinkel eröffnete und sich zu artikulieren wusste.

Auch Nadja und Andrusch, die zu Beginn der Reihe dazu neigten, den Unterricht stark zu dominieren, konnten ihre Stärken mit Hilfe der kooperativen Lernarrangements weiter ausbauen und beginnen, bestehende Schwächen im Bereich der sozialen Kompetenz anzugehen und abzubauen.

4.2. Reflexion der didaktischen Entscheidungen

Das Thema „Videoüberwachung in Fiktion und Realität“ eignet sich meiner Meinung nach außerordentlich gut, um die in den Rahmenrichtlinien, Bildungsstandards, curricularen Vorgaben und EPAs geforderten Fähigkeiten und Fertigkeiten zu üben und zu erweitern. Gerade die Komplexität birgt jedoch auch Risiken, da aus einem nahezu unerschöpflichen Pool an Informationsquellen geeignetes Unterrichtsmaterial ausgewählt werden muss. Die von mir gewählte Herangehensweise hat sich jedoch für diese Lerngruppe bewährt. Die Schüler konnten mit Hilfe des gewählten, zumeist authentischen Materials zentrale Argumente für und wider Videoüberwachung erarbeiten. Auch der Einstieg in die Unterrichtssequenz mit dem Fokus auf Videoüberwachung in der Fiktion hat sich bewährt. So konnte diese Unterrichtsreihe als eine Art Exkurs an die vorhergehenden Unterrichtsstunden, die sich mit der Lektüre The Guardians befasst hatten, logisch angeschlossen werden. Diese Hinleitung eignete sich also für die vorliegende Lerngruppe ganz besonders. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich sie auch in anderen Lerngruppen einsetzen würde. Hier war jedoch die logische Verknüpfung mit bereits Bekanntem ausschlaggebend. Die Schüler hatten die Möglichkeit, bereits in den Vorstunden oberflächlich betrachtete Inhalte der Lektüre zu vertiefen und besser zu verstehen und zu reflektieren. Die Motivation, sich mit Videoüberwachung auseinanderzusetzen, war von Anfang an ausgesprochen groß, was sich in einer sehr breiten Unterrichtsbeteiligung äußerte. Unabhängig von der Lektüre finde ich es enorm wichtig, dass die Schüler sich mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Kontroversen auch besonders in der Fremdsprache auseinandersetzen lernen. Gerade durch einen direkten Lebensweltbezug können die Schüler zu demokratisch handelnden jungen Menschen erzogen werden. Dies zu fördern, obliegt auch dem Fremdsprachenunterricht. Es wurde eine Perspektivübernahme ermöglicht und damit verbunden eine Verbesserung der interkulturellen Kompetenz erreicht.

Die Schwerpunktsetzung auf die mündliche und sprachliche Argumentation ergab sich aus dem Thema der Unterrichtssequenz. Die Schüler lernten in der Unterrichtsreihe nicht nur Argumente zu sammeln und selbständig und individuell zu gewichten, sondern auch diese in der Fremdsprache zu artikulieren und somit ihre eigene Meinung verbal und auch schriftlich zu vertreten. Auf diese Fähigkeiten und Fertigkeiten können die Schüler nun zurückgreifen und sie z.B. bei Auslandsaufenthalten oder Gesprächen mit Muttersprachlern nutzen, um zu diskutieren und den eigenen Standpunkt deutlich zu machen. Gerade die Verschriftlichung bereitete den Schülern zu Beginn der Reihe noch größere Probleme, die aber durch wiederholtes Üben und das vielfach eingeholte Feedback durch Mitschüler minimiert wurden. Auch die fächerübergreifende Vernetzung von Wissen wurde in der Unterrichtsreihe genutzt. Die Schüler hielten sich größtenteils an die im Halbjahr zuvor im Fach Deutsch erarbeiteten Merkmale von textgebundenen und freien Erörterungen. Es kann also gesagt werden, dass hier von den Schülern eine Übertragung auf den Fremdsprachenunterricht vollzogen wurde und das Schreiben von Erörterungen auch in der Fremdsprache gefestigt werden konnte.

Auch die Wahl der verschiedenen medialen Zugänge hat zu einer deutlich spürbaren Erhöhung der Motivation beigetragen. Durch die mehrfach eingesetzten visuellen Einstiege konnte schon zu Beginn der jeweiligen Englischstunde eine breite Schülerbeteiligung erreicht werden, die im Zuge der sich anschließenden Erarbeitungsphase zumeist unverändert hoch blieb. Es war sehr interessant zu sehen, wie die Schüler auf den audiovisuellen Einstieg der zweiten Stunde reagierten. Sie waren hier nicht, wie antizipiert, stärker motiviert als durch einen visuellen Impulse. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass das Niveau des gezeigten Filmausschnitts zu hoch war und die Schüler nicht wussten, was sie in der Stunde erwarten würde. Davon, dass die Lerngruppe eine generelle Abneigung gegen den Einsatz audiovisueller Medien hat, kann jedoch nicht gesprochen werden. Hat der audiovisuelle Impuls, wie in Stunde 4 einen direkten Bezug zur Lebensumwelt der Schüler und ist zusätzlich noch amüsant, ist die Schülerbeteiligung g nz besonders hoch. Gerade in dieser Unterrichtsstunde wurde deutlich, wie wichtig es ist, die Schüler in den Unterrichtsprozess einzubinden. Diese Stunde ergab sich für mich spontan aus dem durch die Schüler geäußerten Interesse, sich mit dem Internet als Ort der Überwachung auseinanderzusetzen. In der Englischstunde zeigte sich, dass die Schüler hoch motiviert an der Fragestellung arbeiteten, wo Unterschiede und Gemeinsamkeiten von YouTube und Videoüberwachung liegen und zu hervorragenden Ergebnissen kamen. Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle auch die interaktiven Einstiege, die mittels Inszenierungen erprobt wurden. Ich hatte zunächst Bedenken, ob die Inszenierung einer Anhörung oder einer Talkshow, bei der ich als Reporter agierte, altersgerecht sein würde und somit die Schüler überhaupt motivieren würde. Alle Sorge war jedoch unbegründet, da die Schüler ganz besonders in den Stunden mit einem solchen interaktiven Einstieg, bei dem sie von mir direkt in das Unterrichtsgeschehen eingebunden wurden, sofort begannen, aktiv mitzuarbeiten.

Immer dann, wenn die Schüler, wie zum Beispiel in der fünften Stunde, selbst wählen konnten, welche der Aufgaben sie bearbeiten wollten, waren sie selbst an der Gestaltung des Unterrichts beteiligt und eingebunden. Im Vorfeld hatte ich mir viele Gedanken zu den unterschiedlichen Arbeitsaufträgen gemacht, um auch wirklich sicherzugehen, dass für jeden der Schüler etwas Passendes dabei ist. Diese Überlegungen fruchteten, da sich alle Schüler gerne mit der selbst erwählten Aufgabe beschäftigten und so fast immer eine Arbeitsatmosphäre herrschte, die als äußerst konzentriert und produktiv bezeichnet werden kann.

Auch die Binnendifferenzierung mittels verschieden schwerer Texte hat sich bewährt, wobei beim nächsten Mal darauf zu achten ist, dass auch die anspruchsvollsten Texte für die Schüler greifbar und erklärbar bleiben. Unter Umständen hätte man noch häufiger auch über eine leistungsheterogene Gruppenbildung differenzieren können, in der man darauf baut, dass die stärkeren Schüler den schwächeren Schülern bei jeglichen Verständnisproblemen helfen können und so die soziale Kompetenz besonders gefördert wird. Für die vorliegenden Unterrichtsstunden war es mir aber wichtig, dass die anspruchsvolleren Texte möglichst authentisch bleiben, so dass den Schülern deutlich wird, welche Leistungen bezüglich der Sprechfähigkeit in der Fremdsprache sie bereits zu leisten in der Lage sind.

Auch die Reduktionsentscheidung, den Fokus auf Großbritannien, die USA und Deutschland zu legen, hat sich bewährt. Hätte mehr Zeit zur Verfügung gestanden, hätte eine Perspektiverweiterung auf weitere Nationen sich logisch angeschlossen. Diese war aber nicht essentiell von Bedeutung, da auch mittels der gewählten Nationen die Problematik, die mit Videoüberwachung einhergeht, deutlich wurde.

Insgesamt kann gesagt werden, dass alle Lernziele von den meisten Schülern erreicht wurden. Sowohl die funktionalen kommunikativen, als auch die interkulturellen und methodischen Kompetenzen wurden in der Unterrichtsreihe erweitert und verbessert. Inhaltlich war das Hauptlernziel darauf ausgerichtet, verschiedene Argumente zu sammeln, individuell zu gewichten und so die eigene Meinung begründet vertreten zu können. Auch der Bezug zur direkten Lebensumwelt der Schüler, der in den letzten beiden Stunden der Unterrichtsreihe durch die Frage nach Videoüberwachung am eigenen Gymnasium hergestellt wurde, motivierte die Schüler noch zusätzlich, da das in den vorhergehenden Stunden behandelte komplexe Problem nun direkt auf die Schüler bezogen und für sie greifbar gemacht wurde und so ihre eigene Meinung in den Vordergrund gerückt wurde.

Durch die Positionierung am Ende der Unterrichtssequenz und Begründung dieser kann ich davon ausgehen, dass die Schüler das Thema inhaltlich durchdrungen haben, da sie nun in der Lage sind, die eigene Meinung sinnvoll zu begründen. Es war in diesem Zusammenhang besonders interessant zu sehen, dass sich viele Schüler im Laufe der Reihe eine Meinung gebildet hatten, die nicht ihrer ursprünglichen Positionierung zu Beginn der Unterrichtsreihe entsprach. Es gab am Ende der Sequenz niemanden mehr, der dem Statement zu Videoüberwachung noch voll und ganz zustimmen konnte, fast alle Schüler positionierten sich bei den Standpunkten I rather agree und I rather disagree. Die Unterrichtsreihe hat also dazu geführt, dass die Schüler ihren Standpunkt überdacht hatten und nun zu einer kritischen, reflektierten Positionierung in der Lage waren.

4.3. Reflexion der methodischen Entscheidungen

Die Entscheidung, kooperative Lernarrangements in allen Stunden der Unterrichtssequenz einzusetzen, erscheint mir auch im Nachhinein logisch. In der Unterrichtsreihe führten diese Arrangements zu einer stärkeren Schüleraktivierung, weil alle Schüler zwangsläufig aktiv werden und Verantwortung übernehmen mussten. So waren sie nicht mehr in der Lage, eine mögliche passive Rezipientenrolle einzunehmen. Die jeweils vorgeschaltete Einzelarbeit, die entweder zu Hause oder in der Stunde erfolgte, führte dazu, dass die Schüler sich gemäß ihres individuellen Lerntempos intensiv mit den zentralen Inhalten des Unterrichts auseinandersetzten. Immer dann, wenn Texte erarbeitet wurden, wurde auch die Lesekompetenz geschult und verbessert. Durch den anschließenden Austausch mit ihren Mitschülern konnten die Schüler zusätzlich ihr individuelles Verständnis des Texts wiedergeben, überprüfen und eventuell aufgekommene Schwierigkeiten sofort klären. Jeder Schüler war im Anschluss gleichermaßen an dem Ergebnis einer Gruppe beteiligt und somit in der Erarbeitung involviert. Diese Schüleraktivierung führte wiederum bei den meisten Schülern zu einer Verbesserung der Sprech- und Handlungsfähigkeit, da in der Fremdsprache über Gruppenergebnisse verhandelt werden musste. Auch die soziale Komponente, die Kooperatives Lernen einschließt, konnte, besonders bei Schülern, die eine Sonderrolle in der Klasse einnehmen, zu einer Verbesserung der sozialen Kompetenz beitragen. Die Schüler haben in der Unterrichtsreihe viele verschiedene Methoden des kooperativen Lernens kennen gelernt und ausprobiert. Die Bewusstmachung und Evaluation der Methoden, die den Präsentationen nachgeschaltet erfolgte, ergab, dass die Schüler es als positiv empfanden, in der Gruppe über Verständnisschwierigkeiten zu sprechen und es für sie interessant war zu sehen, wo ein jeder den Schwerpunkt der Konsequenzen von Videoüberwachung sah. Es zeigte sich in diesem Zusammenhang jedoch auch, dass die Lerngruppe noch außerordentlich unflexibel auf verschiedene Arten der Gruppen inteilung reagiert. Sowohl die Einteilung der Gruppen nach dem Zufallsprinzip, die dafür sorgt, dass alle Schüler lernen mit allen zusammenzuarbeiten83, als auch die Einteilung nach unterschiedlichem Leistungsvermögen, die Binnendifferenzierung ermöglicht, wurden von den Schülern nicht positiv gesehen. Es stellte sich heraus, dass sie diese Arten der Einteilung scheinbar noch nicht genügend geübt und somit deren Chancen nicht erkannt hatten. Nichtsdestotrotz halte ich es für unerlässlich, diese unterschiedlichen Einteilungsmöglichkeiten immer wieder zu nutzen. Hierbei ist aber wichtig zu thematisieren, wieso gerade diese Einteilungsmöglichkeit gewählt wird, so dass die Schüler verstehen können, welche Vorteile dies mit sich bringt, und so für Transparenz zu sorgen.

Durch die besonders starke Einbindung der Schüler in das Unterrichtsgeschehen, die sowohl durch die motivierende Thematik als auch die gewählten Lernarrangements ermöglicht wurde, arbeiteten die Schüler insgesamt zunehmend selbständig, ohne dass ich als Lehrkraft immer wieder in den Vordergrund treten musste. Diese Selbständigkeit müssen Schüler lernen, um in ihrem zukünftigen schulischen und außerschulischen Leben bestehen zu können. Auch hier kann ein Bezug zu den gewählten Methoden hergestellt werden, wobei gesagt werden muss, dass es sich als außerordentlich wichtig herausstellte, neu angewendete Methoden im Anschluss durch die Schüler reflektieren zu lassen und so bewusst zu machen. Nur so konnte den Schülern klar werden, welche Lernarrangements für sie besonders hilfreich sind und mittels welcher Lernstrategien sie am besten lernen können. Dies führte wiederum zu einer Steigerung der Selbständigkeit und ermöglichte eine akkuratere Selbsteinschätzung. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist der Einsatz der Methode des Gruppenpuzzles in Stunde 6. Dieses war durchaus gelungen, die Schüler hätten allenfalls eventuell ein wenig mehr Zeit benötigt. Auf der anderen Seite hätten sie wahrscheinlich genug Zeit gehabt, sich ausgiebig mit den Texten zu beschäftigen, wenn sie sofort mit der Erarbeitung begonnen hätten und nicht, wie in der Stunde geschehen, zunächst über die Gruppeneinteilung durch Lehrerhand diskutiert hätten. Es hätte sich also angeboten, zusätzlich zum language guard noch einen time guard und auch einen contents guard einzusetzen und somit die Organisation und Verantwortung mehr in die Hand der Schüler zu legen.

Die Unterrichtsreihe förderte zusätzlich auch den kreativen Umgang mit Texten, was viele Schüler außerordentlich stark motivierte und zu einer konzentrierten Arbeitsatmosphäre führte. Die Schüler konnten auf bereits bestehendes Wissen zurückgreifen und es anwenden, wurden aber zusätzlich weiter gefordert. Die sich anschließenden Präsentationen der individuellen Ergebnisse waren von großem Interesse geprägt. Die Schüler erschlossen sich durch das Lesen von Arbeiten ihrer Mitschüler deren Umgang mit der jeweiligen Fragestellung und konnten sehen, wie unterschiedlich die Gewichtung von Argumenten vorgenommen worden war. Diese Vorgehensweise bietet sich also auch für zukünftige Unterrichtsstunden an, da der Austausch von Meinungen nicht nur zur Umwälzung von Wissen beiträgt, sondern auch die Möglichkeit des individuellen Austauschs bietet, die nicht unterschätzt werden sollte.

Die in den Stunden durchgeführten Präsentations- und Vertiefungsphasen, die zumeist im Plenum erfolgten, hätten eindeutigere Anweisungen meinerseits bedurft. Gerade die Sicherung im Plenum war nicht immer optimal, da die Schüler hier zwar die Möglichkeit hatten sich einzubringen, aber nicht zur Partizipation gezwungen waren, was bei einigen Schülern dazu führte, dass sie sich dem Unterricht entzogen und in die Rolle des passiven Zuhörers fielen. Es ist also in der Zukunft darauf zu achten, dass die Schüler auch in dieser wichtigen Phase einer jeden Unterrichtsstunde am Unterrichtsgeschehen beteiligt bleiben und in die Pflicht genommen werden, ihre Arbeitsergebnisse vorzustellen.

Auch die unterschiedlichen eingesetzten Diskussionsmethoden haben sich bewährt. Gerade bei komplexen Themen halte ich es für sinnvoll, möglichst viele unterschiedliche Meinungen und Aussagen der Schüler aufzugreifen und zu diskutieren. So üben die Schüler nicht nur das freie Sprechen, sondern lernen auch auf ihre Mitschüler in der Fremdsprache einzugehen, ihnen zu widersprechen oder zuzustimmen und auch geläufige Diskussionsregeln zu beachten. Als Überprüfung und gleichzeitige Sicherung bietet sich die Verschriftlichung der Diskussion an, die im Fall der vorliegenden Stunden zu meist herausragenden Ergebnissen führte.84

5. Fazit

Insgesamt kann gesagt werden, dass sich die Konzeption der Unterrichtsreihe, inklusive Thematik, Schwerpunktsetzung und Methodik für die Lerngruppe bewährt hat. Der Lernfortschritt war deutlich erkennbar, die Schüler konnten wie antizipiert ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Unterrichtsfach Englisch erheblich verbessern. Die Frage, die sich nun stellt, ist jedoch, ob die Unterrichtsreihe auch in anderen Lerngruppen einzusetzen ist und zur Erweiterung der erwähnten Kompetenzen beitragen würde. Sie lässt sich jedoch ohne erneute Durchführungen in anderen Lerngruppen nicht eindeutig beantworten. Ich behaupte jedoch, dass auch in anderen 10. Klassen die Thematik auf jeden Fall genutzt werden könnte, um Argumentationen in der Fremdsprache besonders zu forcieren. Wie bereits mehrfach geschrieben, ist es wichtig, dass die Schüler die Möglichkeit haben, im Unterricht Gelerntes auf ihre direkte Lebensumwelt zu projizieren. Da Videoüberwachung sowohl eine Gegenwarts-, als auch Zukunftsbedeutung für die Schüler und s mit die künftige Gesellschaft85 hat und zusätzlich in den Medien topaktuell ist, würde ich sie auch in anderen Klassen wieder nutzen, um schriftliche und mündliche Argumentation in der Fremdsprache zu üben.

Es ist auch in anderen Fächern und besonders in Bezug auf außerschulische Bereiche des Lebens wichtig, dass die Schüler sich über kontroverse Themen informieren und so zu einer eigenen kritischen Meinung gelangen. Sie müssen lernen, nicht jede Entscheidung, die von einer übergeordneten Instanz getroffen wird, mitzutragen, um sich sogar gegebenenfalls gegen für sie getroffene Entscheidungen zur Wehr setzen zu können. Außerdem sollten sie wissen, dass möglichst viele Facetten einer Kontroverse bei der Bildung einer eigenen Meinung berücksichtigt und überdacht werden sollten. Aufgabe der Lehrer ist es, die Jugendlichen in die Lage zu versetzen, Meinungen kritisch zu hinterfragen, um im Anschluss die genannten Argumente individuell evaluieren zu können. Schule hat die Aufgabe, Kinder zu handlungsfähigen, kritisch denkenden und vor allem agierenden mündigen Staatsbürgern zu erziehen. Ihnen müssen Möglichkeiten und Strategien an die Hand gegeben werden, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit wahrzunehmen und viel wichtiger, wahrnehmen zu wollen. Gerade Diskussionen helfen eine eigene Meinung zu entwickeln, zu überdenken und zu vertreten. Sie fördern aber auch zusätzlich die Toleranz gegenüber anderen Meinungen und sind Ausdruck demokratischer Streitkultur. Daraus folgt, dass immer dann, wenn es um aktuelle Themen unserer Zeit geht, die argumentative Auseinandersetzung fächerunabhängig zentraler Bestandteil des Unterrichts sein muss.

Arbeitsmaterial

Video Surveillance in Fiction and Reality - Arbeitsmaterial

6. Literatur-, Internet- und Medienverzeichnis

- Kultusministerkonferenz: Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) für den mittleren Schulabschluss. 2003
- Kultusministerkonferenz: Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Englisch. 1989
- Niedersächsisches Kultusministerium: Kerncurriculum für das Gymnasium. Schuljahrgänge 5 – 10. Deutsch. 2006
- Niedersächsisches Kultusministerium: Kerncurriculum für das Gymnasium. Schuljahrgänge 5 – 10. Englisch. 2006
- Niedersächsisches Kultusministerium: Rahmenrichtlinien für das Gymnasium. Klassen 7 – 10. Englisch. 1989

- Arend, Isabelle: Staat der Angst. in Schrägstrich, Ausgabe September 2007, Berlin
- Bayer, Klaus: Argument und Argumentation. Logische Grundlagen der Argumentationsanalyse. Göttingen, 2007
- Bönsch, Manfred: Allgemeine Didaktik. Ein Handbuch zur Wissenschaft vom Unterricht. Stuttgart, 2006
- Brüning, Ludger / Saum, Tobias: Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen. Strategien zur Schüleraktivierung. Essen, 2006
- Bundesgesetzblatt Teil I: Gesetz über Urheberrechte und verwandte Schutzrechte. 1965
- Bundesministerium der Justiz: Bundesdatenschutzgesetz. 2006
- Conde, Caspar: The Long Eye of the Law- CCTV, Crime Prevention and Civil Liberties. St Leonards, 2004
- Europäische Menschenrechtskonvention: Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten. 1998
- Folkers, Arend: Sprachliches Handeln. Paderborn 1977
- Gienow, Wilfried / Hellwig, Karl-Heinz: Medien prozessorientierter Sprachbegegnung. in Timm, Johannes-P. (Hrsg.): Englisch lernen und lehren. Berlin 1998
- Hempel, Leon / Töpfer Eric: CCTV in Europe. Berlin 2004
- Lin, Chen-Yu: Öffentliche Videoüberwachung in den USA, Großbritannien und Deutschland. Ein Drei-Länder-Vergleich. Göttingen 2006
- Mattes, Wolfgang: Methoden für den Unterricht. 75 kompakte Übersichten für Lehrende und Lernende. Paderborn, 2002.
- McCahill, Michael / Norris, Clive: CCTV in Britain. Hull, 2002
- Norris, Clive / Armstrong, Gary: The Maximum Surveillance Society – the Rise of CCTV. Oxford, 1999
- Schubert, Klaus / Klein, Martina: Das Politiklexikon. Bonn 2006
- Vesper, Frederic: Denken, Lernen und Vergessen. München 1996

Internetverzeichnis
- American Civil Liberties Union: Law enforcement should support privacy laws for public video surveillance. Stand: 08.04.1999 URL: http://www.aclu.org/safefree/resources/16782res19990408.html (abgerufen am 03.11.2007)
- BBC News: Hooligans face up to smart cameras. Stand: 17.11.1999 URL: http://news.bbc.co.uk/1/hi/special_report/1999/11/99/battle_of_britain/524594.stm (abgerufen am 03.11.2007)
- BBC News: Police shot Brazilian eight times. Stand: 25.07.2005 URL: http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/4713753.stm (abgerufen am 03.11.2007)
- Binder, Konstantin: CCTV - Smile, you're on camera! Stand: 15.07.2004 URL: http://www.londonleben.co.uk/london_leben/2004/07/cctv_smile_your.html (abgerufen am 03.11.2007)
- Brüll, Cornelia: Englisch als Lingua franca? Fremdsprachenkenntnisse in der EU. Stand: 25.08.2004 URL: http://www.europa-digital.de/aktuell/dossier/sprachen/lingua.shtml (abgerufen am 03.11.2007)
- Daily Mail: Big Brother is shouting at you. Stand: 16.09.2006 URL: http://www.dailymail.co.uk/pages/live/articles/news/news.html?in_article_id=405477&in_page_id=1770 (abgerufen am 03.11.2007)
- msnbc: Survive your inevitable online humilation. Stand: 06.09.2007 URL: http://www.msnbc.msn.com/id/20611439 (abgerufen am 03.11.2007)
- Schaar, Peter: Freiheit fängt im Kopf an. Stand: 09.2007 in www.diegesellschafter.de URL: http://diegesellschafter.de/information/zeitung/media/am_gz_9.pdf (abgerufen am 03.11.2007)
- Spiegel Online Netzwelt: Schäuble will BGH-Beschluss mit neuem Gesetz kontern. Stand: 05.02.2007. URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,464405,00.html (abgerufen am 03.11.2007)
- Video Google: Everybody dance. Stand 2005 URL: http://video.google.com/videoplay?docid=-8376947077775909834 (abgerufen am 03.11.2007)

Medienverzeichnis
- DVD 1984 gedreht 1984, in der Version von 2007; © Orion Pictures Corporation

Fußnoten:
[1] vgl. Arend, Isabelle 2007
[2] Schülerinnen und Schüler werden im Folgenden zu Schüler zusammengefasst, Dieser Begriff soll generisch verstanden werden.
[3] siehe Kap. 2.3.2.1. Begründung für die mündliche und schriftliche Argumentation
[4] siehe Kap. 2.4. Methodische Entscheidungen
[5] siehe Kap. 2.4. Methodische Entscheidungen zum Thema kooperative Lernarrangement
[6] siehe Kap. 2.3.1. Begründung für die Auseinandersetzung mit dem Thema Videoüberwachung
[7] siehe Kapitel 2.4. Methodische Entscheidungen
[9] vgl. Schäuble will BGH-Beschluss mit neuem Gesetz kontern 2007 ; http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,464405,00.html
[10] vgl. Europäische Menschenrechtskonvention 1998 (Art. 8); Urhebergesetz 1965 (§ 22 &23); Bundesdatenschutzgesetz 2006 (§ 6b)
[11] vgl. McCahill, Michael & Norris, Clive 2002, S. 2
[12] vgl. Hooligans face up to smart cameras 1999 http://news.bbc.co.uk/1/hi/special_report/1999/11/99/battle_of_britain/524594.stm
[13] vgl. Hempel, Leon & Töpfer, Eric 2002; S. 5
[14] vgl. Binder, Konstantin 2004; http://www.londonleben.co.uk/london_leben/2004/07/cctv_smile_your.html
[15] McCahill, Michael & Norris, Clive 2002; S. 15
[16] vgl. Police shot Brazilian eight times 2005; http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/4713753.stm
[17] vgl. American Civil Liberties Union 1999; http://www.aclu.org/safefree/resources/16782res19990408.html
[18] vgl. Conde, Caspar 2004, S. 2
[19] vgl. McCahill, Michael & Norris, Clive 2002, S. 3
[20] Norris, Clive & Armstrong, Gary 1999, S. 95
[21] vgl. Big Brother is shouting at you 2006; http://www.dailymail.co.uk/pages/live/articles/news/news.html?in_article_id=405477&in_page_id=1770
[22] vgl. Survive your inevitable online humiliation 2007; http://www.msnbc.msn.com/id/20611439
[23] vgl. Bayer, Claus 2007, S. 65 f.
[24] vgl. Folkers, Arend 1977, S. 154
[25] Schubert, Klaus & Klein, Martina 2006, S.207
[26] siehe Kap. 2.4. Methodik
[27] siehe Kap. 2.1.3. Sitzplan mit Leistungs- und Beteilugungsprofil
[28] siehe Kap. 2.2.1. Videoüberwachung
[29] vgl. Urheberrechtsgesetz 1965 § 22, Satz 1
[30] vgl. Kerncurriculum für das Gymnasium Englisch 2006, S.8
[31] vgl. Rahmenrichtlinien für das Gymnasium: Englisch 1989, S.14
[32] ebd. S.19
[33] Bildungsstandards für die erste Fremdsprache für den mittleren Schulabschluss 2003, S. 10
[34] vgl. Bildungsstandards für die erste Fremdsprache für den mittleren Schulabschluss 2003, S. 10
[35] Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung 2002, S. 6
[36] vgl. Kerncurriculum für das Gymnasium: Englisch 2006, S. 4
[37] ebd.
[38] vgl. Englisch als lingua franca? Fremdsprachen in der EU 2004; http://www.europa-digital.de/aktuell/dossier/sprachen/lingua.shtml
[39] Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung 2002, S.5
[40] ebd.
[41] Kerncurriculum für das Gymnasium: Englisch 2006, S. 9
[42] ebd., S 17
[43] ebd., S. 19
[44] vgl. Rahmenrichtlinien für das Gymnasium: Englisch 1989, S.16
[45] ebd. S.24
[46] Kerncurriculum für das Gymnasium: Deutsch 2006, S. 16
[47] ebd. S. 22
[48] ebd.
[49] Kerncurriculum für das Gymnasium: Englisch 2006, S. 7
[50] Rahmenrichtlinien für das Gymnasium: Englisch 1989, S. 20
[51] Gienow, Wilfried & Hellwig, Karlheinz in Timm, Johannes-P. 1998, S. 138
[52] Vesper, Frederic 1975
[53] vgl. Kap. 2.3.2.1. Begündung für die mündliche und schriftliche Argumentation
[54] vgl. Brüning & Saum 2006
[55] vgl. Bönsch 2006, S.95 f.
[56] vgl. Brüning & Saum 2006, S.17
[57] vgl. Mattes 2002, S. 28
[58] Brüning & Saum 2006, S. 15
[59] vgl. Kap. 2.1.1. Allgemeine Lernvoraussetzungen
[60] Brüning & Saum 2006, S. 15
[61] ebd.
[62] Brüning & Saum 2006, S.133
[63] Mattes 2002, S. 37
[64] siehe Kap. 2.1.2. Fachspezifische Lernvoraussetzungen
[65] Kerncurriculum für das Gymnasium: Englisch 2006, S. 10
[66] vgl. DVD 1984 (gedreht 1984; Version von 2007) Minute 11.10 bis 12.20
[67] vgl. DVD 1984 (gedreht 1984; Version von 2007) Minute 0.35 – 4.05
[68] siehe Kap. 3.1.4. zum Thema Methodische Überlegungen
[69] Gruppeneinteilung: Superintendent Regni: Jessica, Thilo, Inga, Antonia; Pelehac: Andrusch, Theresa, Johanna, Sabrina I.; Stoops: Nicolas, Tobias, Patrick; Miller: Alina K., Sabrina F., Daniel, Elko; Instructor Davis: Ajnthann, Julia, Lennert, Jennifer; Ms Darcy: Viktoria, Nadja, Rebecca, Alina A.
[70] Bearbeitung der verschiedenen Schreibaufgaben: Aufgabe A) Thilo, Sabrina F.; Aufgabe B) Viktoria, Julia, Alina K., Jennifer, Sabrina I., Theresa, Antonia; Aufgabe C) Elko, Lennert, Nadja, Alina A., Johanna; Aufgabe E) Ajanthannn, Rebecca, Andrusch, Patrick; Aufgabe F) Tobias, Nicolas, Daniel, Jessica
[71] siehe Kap. 7.5. Dokumentationsteil Stunde 5- Schülerarbeiten
[72] Theresa, Alina A., Tobias, Ajanthann, Lennert, Sabrina F., Julia
[73] Antonia, Inga, Johanna, Elko, Thilo, Jennifer, Sabrina I., Daniel
[74] Nadja, Nicolas, Jessica, Alina K., Andrusch, Rebecca, Viktoria, Patrick
[75] Mr Bee: Andrusch, Tobias, Ajanthann, Daniel, Mrs Dandy: Julia, Theresa, Johanna, David and Anna: Inga, Lennert, Alina A., Mr Willow: Elko, Thilo, Jessica, Mrs Hatchcourt: Nadja, Viktoria, Sabrina F., Mrs T.Eacher: Rebecca, Sabrina I., Alina K.., Antonia, Jennifer, Moderatoren: Nicolas, Patrick
[76] z.B. Hart aber Fair, Maybrit Illner, Beckmann, Unter den Linden, Die Johannes B. Kerner Show
[77] siehe methodische Überlegungen zu Stunde 8
[78] Kerncurriculum für das Gymnasium: Englisch 2006, S.5
[79] vgl. Lin, Chen-Yu 2006, S. 24
[80] vgl. Kerncurriculum für das Gymnasium: Englisch, S.6
[81] vgl. Mattes 2002, S.55
[82] Mattes (2002), S. 53
[83] vgl. Mattes 2002, S.35
[84] siehe Kap. 7. Dokumentationsteil
[85] vgl. Schaar, Peter 2007



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