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Migration und Kriminalität. Gibt es einen Zusammenhang?

Migration und Kriminalität. Gibt es einen Zusammenhang?
Hausarbeit
Datum: 02. Januar 2011 Autor: mikoe83 Kommentare: 0

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Ausarbeitung zu der Thematik 'Migration und Kriminalität. Gibt es einen Zusammenhang?'.


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Migration und Kriminalität. Gibt es einen Zusammenhang?


I. Statistische Daten und Hintergrundinformationen:

a) Ausländeranteil an der Bevölkerung Deutschlands

Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer hat sich seit 1991 von 5,9 Millionen auf 6,8 Millionen Personen zum Jahresende 2005 erhöht. Im Jahr 2003 umfasste der Ausländer-bestand sogar noch 7,3 Millionen Personen. Der folgende Rückgang ist allerdings nicht auf eine starke Abwanderungswelle, sondern auf eine Datenbereinigung des Ausländerzentral-registers zurückzuführen, sodass die Zahlen von 2004 und 2005 nur eingeschränkt mit den vorangegangen zu vergleichen sind.[1]

Abb. 1: Ausländische Bevölkerung von 1951 bis 2005 (nicht abgedruckt)

Die Ausländerbestandsdaten unterscheiden sich zudem stark von den Daten zur Migration, da diese über eine Zeitspanne erfasst werden und Bestandsdaten zu einem festen Termin ermittelt werden.

Weiterhin ist zu beachten, dass dieser Bestand neben den Zu- und Abwanderungen auch durch weitere Faktoren beeinflusst wird. Hier sind zudem Geburten von Ausländern in Deutschland, Todesfälle von Ausländern in Deutschland und Einbürgerungen zu berücksichtigen. Außerdem sind Spätaussiedler mit deutscher Staatsangehörigkeit zwar Migranten, werden aber folglich ihrer deutschen Staatsangehörigkeit nicht als Ausländer registriert.

Im Jahr 2005 betrug die Gesamtbevölkerung Deutschlands 82, 4 Millionen Menschen, von denen 8,2 % Ausländer waren. Die weitaus größte Personengruppe mit rund 1,7 Millionen Personen (26,1%) stellten dabei die Türken. Aus Italien stammten 540.810 (8%), aus Serbien und Montenegro 493.915 (7,3%)[2] (vgl. Abb. a) im Anhang)

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer, der in Deutschland lebenden Ausländer beträgt 16,8 Jahre und errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Jahr 2005 und dem Jahr der ersten Einreise nach Deutschland (Unterbrechungen nicht eingerechnet).

Am längsten lebten im Durchschnitt slowenische Staatsangehörige (27,7 Jahre) in

Deutschland, gefolgt von Spaniern (26,1 Jahre) und Kroaten (24,7 Jahre). Etwa zwei

Drittel der Ausländer lebten 2005 schon zehn Jahre und länger in Deutschland und hatten

damit, die für eine Einbürgerung notwendige Aufenthaltsdauer erreicht. Ein Drittel der

ausländischen Bevölkerung lebte schon länger als 20 Jahre in Deutschland. Von den 6,8

Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit deutschem Pass wurden 1,385.300 Millionen oder 20,5 % hier geboren. Besonders hoch war dieser Anteil bei Personen türkischer (603000), italienischer (161.500) und griechischer Abstammung (85.400).

Im Jahr 2005 hat das Statistische Bundesamt erstmals in einem Mikrozensus die Größenordnung von Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund ermittelt. Demnach haben in Deutschland von den gut 82 Millionen Einwohnern 15,3 Millionen einen Migrationshintergrund. Dies entspricht fast 19% der Gesamtbevölkerung, also müssen auch mehr als 10% der Bevölkerung mit deutscher Staatsangehörigkeit eine Migrationserfahrung haben. Etwa 10,4 Mio. Menschen haben danach eine eigene Migrationserfahrung, sind also selbst nach Deutschland zugewandert, darunter 5,5 Mio. Ausländer, 3,1 Mio. Eingebürgerte, und 1,8 Mio. Personen, die bei der Zuwanderung die deutsche Staatsangehörigkeit ohne Einbürgerung erhalten haben. Dies war z.B. bei den ab 1999 zugewanderten Spätaussiedlern und bei vielen in den 80er Jahren aus Polen Zugewanderten der Fall.

Weitere etwa 4,9 Mio. Menschen sind zwar nicht selbst zugewandert, aber von Migration betroffen. Dies betrifft 2,8 Mio. Deutsche, bei denen mindestens ein Elternteil Spätaussiedler, Eingebürgerter oder Ausländer ist, 0,5 Mio. in Deutschland geborene Eingebürgerte sowie 1,7 Mio. in Deutschland geborene Ausländer.

b) Aussiedler in Deutschland

Seit den 80 er Jahren kommen wieder mehr und mehr Immigranten aus Osteuropa nach Deutschland. Diese Einwanderer sind nach dem deutschen Gesetz keine Ausländer, sondern Deutsche, die das Recht haben jederzeit in Deutschland zu wohnen.

Die Aussiedler, die jetzt zurück ins ehemalige Heimatland einwandern, kommen aus den deutschen Siedlungsgebieten in Russland, Kasachstan, Rumänien und Polen, wo die Bevölkerungszahl der deutschen Minderheiten rund 3,5 Millionen beträgt. Die Einwanderung deutsch-stämmiger Immigranten aus Osteuropa beträgt jährlich rund 220.000 und ist von 753 im Jahre 1986 auf 213 214 im Jahre 1994 gestiegen.

Der Schwerpunkt der Zuwanderung liegt dabei auf über 2,6 Millionen Aussiedlern seit 1990. Der Höchststand der Zuwanderung lag 1990 mit 397.073 Spätaussiedlern. Seitdem sind die Zahlen stark rückläufig.

2005 waren es dann nur noch rund 35.000 Spätaussiedler, die nach Deutschland kamen und somit fast 40% weniger als noch im Jahr 2004 mit 59.000 Zugezogenen.

Laut dem Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung Dr. Christoph Bergner wird sich dieser Trend aus diversen Gründen weiter fortsetzen, so sind zum größten Teil die Familienzu-sammenführungen abgeschlossen und es gibt deutlich verbesserte Bedingungen in den Herkunftsländern, die den Menschen auch dort eine Zukunftsperspektive bietet.

Zudem können viele Einreisewillige die notwendige sprachliche Voraussetzung für eine Aufnahme in Deutschland nicht erfüllen.[3]

Abb. 2 Unter den Zugezogenen waren u.a. folgende Gruppen:

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

Asylbewerber

98.644

95.113

78.564

88.287

71.127

50.563

35.607

28.914

Familiennachzug

62.992

70.750

75.888

82.838

85.305

76.077

65.935

53.213

Spätaussiedler

103.080

104.916

95.615

98.484

91.146

72.885

59.093

35.522

Jüdische
Zuwanderer

17.788

18.205

16.538

16.711

19.262

15.442

11.208

5.96

Quelle: Auswärtiges Amt

II. Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Kriminalität

In der öffentlichen Meinung wird der Begriff der Migration, besonders bei Zuwanderern ohne Aufenthaltserlaubnis, häufig direkt mit kriminellen Aktivitäten in Zusammenhang gebracht. Nach wissenschaftlichen Studien ist es aber gerade in diesen Fällen so, dass diese Migranten einen eher unauffälligen Lebensstil führen und sich demnach von kriminellen Delikten fernhalten.[4]

Unter dem Schlagwort Ausländerkriminalität wird jedes Jahr die PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik) veröffentlicht. Allerdings ist diese mit großer Sorgfalt zu interpretieren, um eine leichtfertige Verallgemeinerung der pauschalen Zahlen zu vermeiden.

Die Kriminalität der Nichtdeutschen errechnet sich vorrangig aus zwei Eckdaten, die normalerweise nicht so einfach miteinander verglichen werden können. Zum einen wird der „Ausländeranteil" unter den Tatverdächtigen (2005: 22,5%) mit dem „Ausländeranteil" an der Bevölkerung (Jahr 2005: 8,2%) verglichen.

Dieser Vergleich suggeriert, dass Ausländer fast dreimal so häufig straffällig werden wie Deutsche. Um Verzerrungen zulasten der Zuwanderer zu korrigieren, sind folgende Aspekte besonders zu beachten.

Die ausländerspezifischen Delikte sind vorwiegend rechtswidrige Handlungen die gegen Einreise- und Auenthaltsbestimmungen verstoßen und naturgemäß von deutschen Staatsbürgen nicht begangen werden können.

Außerdem tauchen in der Bevölkerungsstatistik Ausländergruppen, wie Illegale, Touristen/Durchreisende, Besucher, Grenzpendler und Stationierungskräfte nicht auf, die aber in der Kriminalstatistik mitgezählt werden.[5]

Ein weiterer Störfaktor ist die strukturelle Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung, die überproportional stark männlichen Geschlechts, unter 30 Jahren alt sind und in Großstädten wohnen. Sie befinden sich demnach häufiger in den Lebenssituationen wieder, in denen auch Deutsche ein höheres Kriminalitätsrisiko haben.

Zudem ist auch ein unterschiedliches Anzeigeverhalten von Deutschen und Nichtdeutschen zu berücksichtigen, es ist zwar nicht in allen Einzelheiten empirisch exakt nachweisbar, doch gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Ausländer häufiger als Deutsche unter falschen bzw. übertriebenen Tatverdacht geraten und auch häufiger angezeigt werden. Zwei Dunkelfeld-studien belegen, dass bei der Strafverfolgung ethnische Selektionseffekte zugunsten der Deutschen und zulasten der ethnischen Minderheiten existieren.[6]

Allerdings gibt es auch zahlreiche Dunkelfeldstudien, die eine gewisse Höherbelastung von Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft belegen, sodass die PKS durchaus ein Spiegel des gesellschafts- und kriminalpolitischen Klimas ist.

Die nichtdeutschen Tatverdächtigenzahlen von Kindern sind besser mit denen deutscher Kinder zu vergleichen, weil hier die oben genannten Verzerrungen nur minimale Auswirkungen haben.

Der Anteil Nichtdeutscher an den tatverdächtigen Kindern lag 2005 laut der PKS bei 18,6%. Insgesamt sind die Straftaten von Kindern bis unter 14 Jahren seit 1997 ständig rückläufig.

Die Gruppe jugendlicher Ausländer von 14- bis 17-Jährigen ist im Vergleich zu deutschen Altersgenossen mit mehr Straftaten (Eigentums- und Gewaltdelikten) vertreten.

Das hat verschiedene Gründe, zu denen unter anderem wirtschaftliche Probleme, mangelnde Integrationshilfen, unzureichende Sprachkenntnisse und fehlende Chancen auf dem Arbeitsmarkt gehören. Jugendkriminalität ist, bei Ausländern wie bei Deutschen, nicht zuletzt eine Folge der mangelnden Schulbildung.[7]

III. Migranten als Täter

a) Interpretation der Polizeilichen Kriminalstatik 2005

Im Jahr 2005 waren 22,5% aller Tatverdächtigen ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Die Werte sind seit 1990 ständig rückläufig und erreichen somit jedes Jahr einen neuen Tiefststand.

Abb. 3: Entwicklung der nichtdeutschen Tatverdächtigen (nicht abgedruckt)

Der Höchststand Anfang der 90 er Jahre ist eng mit der politischen Krise in Osteuropa und den Konflikten auf dem Balkan verbunden, da viele ihren Lebensstandort nach Deutschland verlagerten, ohne eine gesicherte Existenz zu haben und somit häufiger straffällig wurden.

Besonders häufig sind ausländische Mitbürger im Berichtsjahr 2005 bei folgenden Delikten aktenkundig geworden (vgl. Abb. b) im Anhang)

  • An Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asylverfahrens und das Freizügigkeitsgesetz/EU sind Nichtdeutsche mit einem Anteil von 94,4% vertreten der zum Vorjahr um 1,4% Punkte gestiegen ist.
  • Am schweren Menschenhandel waren sie zu 59,9% beteiligt, dies bedeutet einen Anstieg um 4,9% Punkte im Vergleich zum Vorjahr.
  • An der „Illegalen Einfuhr nicht geringer Menge von Kokain" waren Nichtdeutsche ebenfalls mit 59,5% überproportional häufig beteiligt.
  • An Geldwäsche und Verschleierungen unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte waren Ausländer für 56,3% all dieser Delikte verantwortlich. Dieser Wert steigerte sich im Vergleich zu 2004 besonders deutlich um 17,5% Punkte.
  • Taschendiebstahl zählt ebenfalls zu den Straftaten, an denen Nichtdeutsche mit 56,3% sehr häufig beteiligt waren.
  • An illegalen Glücksspielen waren sie zu 52,7% beteiligt.
  • Weitere Straftaten, die überproportional von Ausländern begangen werden sind:

Das illegale Einführen nicht geringer Mengen von Cannabis und die Zubereitung (46,1%),

Urkundenfälschung (44,2%), Ladendiebstahl unter schweren Umständen (43,4%), Geld- und

Wertzeichenfälschung, Fälschung von Zahlungskarten und Schecks (42,9%)

Allerdings gibt es auch eine Reihe von Delikten mit besonders niedrigen Anteilen von nichtdeutschen Straftätern, die im Folgenden näher dargestellt werden (vgl. a. Abb. c) im Anhang).

  • Durch Beleidigungen sind nur 15,2% aufgefallen.
  • An einfachen Diebstählen in Wohnhäusern sind ausländische Mitbewohner mit 14,7%

seltener aktenkundig geworden.

  • Bei Veruntreuungen, dem Vortäuschen einer Straftat, Straftaten gegen die Umwelt,

Warenbetrug und dem sexuellen Missbrauch von Kindern sind Nichtdeutsche zwischen 13%

und 14% polizeilich auffällig geworden.

  • Bei Sachbeschädigungen am Kfz oder Verletzungen der Unterhaltspflicht waren Ausländer

zu 12,8% bzw. 12,2% beteiligt.

  • 1.076 ermittelte Straftaten gegen Urheberrechtsbestimmungen macht einen Anteil von 11%

dieser Tätergruppe aus.

  • Beim Ausnutzen sexueller Neigungen, Brandstiftung und Insolvenzverschleppung

waren Nichtdeutsche unter 10% beteiligt.

Weitere interessante Daten lassen sich durch die Auswertung der Tabelle der Staatsangehörigkeiten aller nichtdeutschen Tatverdächtigen gewinnen. (vgl. Abb. d) im Anhang)

Insgesamt wurden im Jahr 2005 519.573 nichtdeutsche Tatverdächtige ermittelt, von denen der größte Prozentsatz mit 21,3% türkischer Herkunft sind. Allerdings ist dieser Wert mit dem türkischen Anteil an allen ausländischen Mitbürgern zu vergleichen, der bei 26,1% liegt und somit noch verhältnismäßig niedrig ist.

Einen leicht erhöhten Wert mit 7,8% Tatverdächtigenanteil und nur 7,3% am Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung Deutschlands haben Staatsangehörige aus Serbien und Montenegro. Deutlich erhöht ist der Wert bei Mitbürgern aus Polen, die zu 7% für ausländische Rechtwidrigkeiten verantwortlich sind. Weiterhin sind die Werte für das Verhältnis Tatverdächtige einer Nation zum Anteil dieser Nation an allen in Deutschland lebenden Ausländern besonders für die Staatsangehörigkeiten aus osteuropäischen Nachbarländern, wie Ukraine, Russland und Rumänien, erhöht.

b) Dunkelzifferuntersuchungen

Bei Dunkelfelduntersuchungen werden ausgewählte Zielgruppen unter Zusicherung von Anonymität über eigene strafrechtliche Handlungen befragt, die nicht polizeilich festgestellt wurden. Die Befragungen werden durch einfache Formulierungen und verständliche Umschreibungen der Strafbestände durchgeführt.

Bei den meisten Dunkelfelduntersuchungen wird die leichtere Erreichbarkeit von Jugendlichen in Schulen und Freizeitstätten ausgenutzt, um größere Datenmengen und damit repräsentativere Werte zu ermitteln. Allerdings ist dieses Vorgehen dann auch lediglich auf die jüngere Altersstufe beschränkt und bietet somit nur nützliche Daten über nicht erkannte Delikte von Jugendlichen und Heranwachsenden. Zudem ist es auch möglich, die prozentuale Beteiligung ausländischer Jugendliche und Heranwachsender an Straftaten zu ermitteln.

Das interessante Kriterium der gesamten Ausländerkriminalität ist dadurch jedoch nur dürftig beleuchtet, weil repräsentative Erhebungen für ältere Jahrgänge fehlen. So sind keine Untersuchungen dieser ausländischen Altersklassen bekannt.

Neuere Dunkelfelduntersuchungen kommen zu widersprüchlichen Aussagen. Jedoch wird in der Mehrzahl der Berichte eine Höherbelastung von jungen Ausländern bestätigt, sodass die polizeilichen Daten durchaus als verwendbarer Indikator zu nutzen sind.[8]

Verschiedenste Dunkelfelduntersuchungen kommen zu folgenden markanten Merkmalen:

  • Jugendgewalt ist männlich und findet meistens in altershomogenen Gruppen statt.[9]
  • junge, ausländische vor allem türkische Jugendliche sind bei der Gewaltkriminalität

höherbelastet.[10]

  • Gewalttäterraten steigen bei jungen Nichtdeutschen mit zunehmender Aufenthaltsdauer.[11]
  • die Täter-Opfer-Konstellationen zeigen vor allem männliche gleichaltrige Opfer und

vielfach Gewaltkonflikte zwischen Angehörigen verschiedener Ethnien.

  • im Anzeigeverhalten ist deutlich zu beobachten, dass ausländische Jugendliche und

Heranwachsende häufiger angezeigt werden als deutsche Jugendliche. Weiterhin ist

auffällig, dass Täter, die nicht der eigenen Ethnie angehören, deutlich häufiger angezeigt

werden.[12]

  • negative Lebensbedingungen stellen sich als Risikofaktor für Gewalttätigkeit dar:

Jugendliche mit geringerer Bildung, die in Familien leben, in denen der Bildungs- und

Berufsstatus der Eltern niedrig ist und die häufiger von Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe

betroffen sind, weisen eine höhere Täterrate auf.[13]

Ausländische Kinder sind deutlich höher kriminell belastet, wenn sie in ihrer Kindheit selbst

elterliche Gewalt erfahren haben. Es ist zu erwarten, dass auch ihr zukünftiges familiäres

Umfeld von wenig emotionaler Wärme geprägt sein wird.

Jugendgewalt und die höhere Gewaltbelastung ausländischer Jugendlicher kann also zusammenfassend als eine Konstellation charakterisiert werden, bei dem ökonomische

Belastungen der Familien, Bildungsnachteile der Jugendlichen sowie familiäre Gewalt- erfahrungen Risikofaktoren darstellen, die im Falle ihrer Kumulation die Wahrscheinlichkeit von Jugendgewalt beträchtlich erhöhen.[14]

Die häufig festgestellte Gewaltbereitschaft bei jungen männlichen Türken lässt die Vermutung aufkommen, dass ein Gefahrenpotenzial durch islamistische Überlegenheits-

Ansprüche zu begründen ist. Eine Studie nach Heytmeyer/Müller/Schröder weist in quantitativ geringem Ausmaß nach, dass es eine höchst problematisch religiös fundierte Gewaltbereitschaft bei einigen jungen türkischen Heranwachsenden gibt.

c) Werden ausländische Jugendliche bei der Strafverfolgung benachteiligt? Mögliche Gründe und Probleme.

Die hohen Anteile Nichtdeutscher unter den Tatverdächtigen und die steigenden Zahlen junger ausländischer Mitbürger im Strafvollzug wirft natürlich auch die Frage auf, ob tatsächlich eine derartige Höherbelastung vorliegt oder ob es sich auch um Diskriminierungen durch höhere Anzeigequoten, selektive Strafverfolgung durch die Polizei, höhere Anklagequoten durch die Staatsanwaltschaft und härtere Sanktionen durch die Justiz, handelt.[15]

Um diesen Vorwürfen nachzugehen, gab es den Versuch die PKS und die Strafverfolgungs-statistik zu vergleichen, abgesehen von den Schwierigkeiten der unterschiedlichen Erfassungszeiträume und verschieden Zählweisen, war ein überraschendes Ergebnis, dass die Zahl der nichtdeutschen Verurteilten gemessen an ihren Tatverdächtigenzahlen geringer waren. So korrigiert die Justiz, die oft überzogenen Tatvorwürfe der Polizei und Staatsanwaltschaft und trägt zur Entdramatisierung bei.[16]

Geisler/Marißen stellen die begründete These auf, dass eine selektive Wahrnehmung und Anzeigetätigkeit der Bevölkerung allein verantwortlich für Mehrbelastung der jungen Ausländer ist. Dieser Effekt wird aber nahezu immer durch die letztendlich mildere Strafverfolgung ausgeglichen.

Auch die erhöhte Beteiligung ausländischer Täter an der „Organisierten Kriminalität" wird vermutet, was allerdings bei Schleuserbanden, die international operieren, auch naheliegt.

Diese werden aber häufig durch journalistische Veröffentlichungen dramatisiert, sodass Schreckensbilder entstehen, die die Realität verzerren.

Es sind meist spezifische Risikofaktoren, wie schlechte sozioökonomische Lebensbedingungen die kumuliert auftreten und zu einem gesteigerten Kriminalitätspotenzial führen. Zudem stellen häufig die mangelnden Sprachkenntnisse Probleme dar, die ein reibungsloses kommunikatives Miteinander erschweren.

Die mangelnde Sprachkompetenz erschwert auch die schulische Integration und führt zu Überforderungen und Leistungsdefiziten. Nicht selten werden die ersten Jahre in Deutschland als regelrechter Kulturschock gesehen, was sich auch in der Freizeitgestaltung widerspiegelt.

Gerade der Freizeitbereich kristallisiert sich als Problemfeld heraus, bei dem Fremdheit und Unsicherheit die Integration in gesellschaftlich anerkannte Freizeitaktivitäten erheblich erschweren. Stattdessen ergeben sich Risiken durch übermäßig hohen Alkohol und

Drogenkonsum und Rückzug in die gleiche ethnische Gruppe.

d) Ausländeranteile im deutschen Strafvollzug

Die folgenden Tabellen und deren Interpretationen beziehen sich auf die Aktuellsten, mir in dieser Ausführlichkeit zur Verfügung stehenden Daten aus dem Jahr 2002.

Um die vorliegende Über- oder Unterrepräsentation von Ausländern im Strafvollzug zu bewerten, ist es notwendig, den Anteil ausländischer inhaftierter Personen zu deren Anteil an der Wohnbevölkerung ins Verhältnis zu bringen.

Abb. 4: Ausländeranteil im Strafvollzug nach Bundesländern im Jahr 2002[17] (nicht abgedruckt)

Beim Betrachten der Tabelle des Statistischen Bundesamtes fällt auf, dass in allen Bundesländern das Verhältnis der ausländischen Bevölkerungsanteile und derer die sich in Haft befinden, eine deutliche Überrepräsentation Nichtdeutscher im Strafvollzug aufweist.

Im Bundesdurchschnitt betrug diese 3,95%. Besonders hoch waren die Überrepräsentationen in Sachsen 7,3 fach, in Brandenburg 6,4 fach und in Thüringen 6,3 fach.

Die geringsten Werte wurden mit einer 2,4 fachen Überrepräsentation in Bremen und mit einer 2,5 fachen Überrepräsentation in Hamburg und dem Saarland ermittelt.

Der durchschnittliche Anteil ausländischer Inhaftierter in deutschen Justizvollzugsanstalten betrug 2002 etwa ein Viertel. Er ist in den alten Bundesländern doppelt so hoch wie in den neuen.

In zunehmendem Maß wächst die Nationalitätenvielfalt in den Vollzugsanstalten. Während bundesweit türkische Staatsangehörige am häufigsten inhaftiert sind, dominieren in den neuen Bundesländern vietnamesische Gefangene.[18]

Auch im Jugendstrafvollzug sind ausländische Gefangene zu knapp einem Viertel vertreten. Verglichen mit den deutschen Inhaftierten dieser Altersgruppe, liegt der Anteil deutscher Jugendstrafgefangener leicht über dem der ausländischen.

Die Entwicklung der Ausländeranteile im deutschen Strafvollzug ist anhand der Abb. e) im Anhang nachzuvollziehen.

Der prozentuale Anteil ausländischer Inhaftierter in Gesamtdeutschland ist seit 1992 (16,1 % nichtdeutsche Gefangene) bis 1998 (24,6 % nichtdeutsche Gefangene) kontinuierlich gestiegen, während von 1999 bis 2002 ein leichter Rückgang zu verzeichnen war (24,3 % bis 22,3 % nichtdeutsche Gefangene).

Ist die Quote ausländischer Gefangener in den alten Bundesländern seit dem Höhepunkt im

Jahr 1998 (26,9 % ausländische Gefangene) geringfügig gesunken, stieg sie in den

neuen Bundesländern seit dem Höchststand im Jahr 1997 (11,5 % nichtdeutsche

Gefangene) und einem zwischenzeitlichen Rückgang im Jahr 2000 (9,9 % nichtdeutsche

Gefangene) wieder leicht an.

IV. Kriminalpräventive Maßnahmen und Programme für Migranten

Leider fehlt bis heute eine systematische Evaluation kriminalpräventiver Maßnahmen.

Es gibt zwar einige Projektberichte und zahlreiche theoretische Konzepte, jedoch ist deren Wirkung nicht verlässlich festgehalten.

Immerhin existieren bereits Leitlinien über vielversprechende und wirksame Maßnahmen bzw. unwirksame Maßnahmen. Allerdings sind diese in praktischen Projekten noch nicht so ausgeweitet, dass die Ergebnisse auch wirklich die empirische Wirksamkeit der Kriminalreduktion nachweisen konnten.

Nur auf das gut gemeinte Argument zu setzen, jede Prävention sei besser als Repression, ist auch angesichts der möglicherweise fehlinvestierten Kosten und Mühen oder gar nicht erkannter kriminalitätsfördernder Effekte durch die Verfestigung krimineller Strukturen die falsche Strategie.

Präventive Bemühungen setzen auf unterschiedlichsten Ebenen bei verschiedenen Institutionen und Zielgruppen an, die sich wie folgt unterteilen lassen:

Abb. 5 Präventive Maßnahmen nach Institutionen und Zielgruppen (nicht abgedruckt)

Darunter sind grundsätzlich nochmal zwei Formen der Kriminalprävention zu unterscheiden. Die eine zielt auf bedürfnisorientierte Maßnahmen für gefährdete Kinder und Jugendliche in Familie, Schule und Freizeit.

Die andere Form richtet sich an Menschen, die bereits straffällig geworden sind und nun mithilfe solcher rückfallverhindernden Maßnahmen die Resozialisierung schaffen sollen.

Diese Formen setzen direkt bei möglichen kriminellen Entstehungsfaktoren an. Spezielle Maßnahmen, die besonders präventiven Charakter für Menschen mit Migrationshintergrund haben, zielen beispielsweise auf eine bessere Integration von Migranten, den Abbau interkultureller Konflikte durch Mediation, den Abbau von Fremdenfeindlichkeit oder die Resozialisierung von straffällig geworden ausländischen Jugendlichen.[19]

Relativ große Erfolgschancen haben die Projekte, die das Interesse der Kinder und Jugendlichen ansprechen, indem ihre Hobbys berücksichtigt werden und sie in den Projekten eine Alternative zu einem tristen und rauen Alltag sehen.[20]

Literaturliste:

  • Bundeskriminalamt BKA (Hrsg.): Polizeiliche Kriminalstatistik 2005. Bundesrepublik Deutschland.
  • Geißler, R.: Das gefährliche Gerücht von der hohen Ausländerkriminalität. Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zu Das Parlament vom 25.08.1995.
  • Heitmeyer, W. /Anhut, R. (Hrsg.): Bedrohte Stadtgesellschaft. Soziale Desintegrationsprozesse und ethnisch-kulturelle Konfliktkonstellationen. Weinheim, München 2000.
  • Alt, J.: Leben in der Schattenwelt - Problemkomplex illegale Migration. Neue Erkenntnisse zur Lebenssituation 'illegaler' Migranten in München und anderen Städten Deutschlands. Loeper Literaturverlag, Karlsruhe 2003.
  • Rebmann, M.: Ausländerkriminalität in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Analyse der polizeilich registrierten Kriminalität von 1986 bis 1995. Freiburg i. Br. 1998.
  • Pfeiffer, C./Delzer, I./Enzmann, D./Wetzels, P.: Ausgrenzung, Gewalt und Kriminalität im Leben junger Menschen. Kinder und Jugendliche als Opfer und Täter. Sonderdruck zum 24. Deutschen Jugendgerichtstag. DVJJ Hannover 1998.
  • Wetzels, P./Enzmann, D./Mecklenburg, E./Pfeiffer, C.: Jugend und Gewalt. Eine repräsentative Dunkelfeldanalyse in München und acht anderen deutschen Städten. Baden-Baden 2001.
  • Bundesministerium des Innern und Bundesministerium der Justiz (BMI/BMJ-Hrsg.) Periodischer Sicherheitsbericht. Berlin 2004.
  • Albrecht, P.-A./Pfeiffer, C.: Die Kriminalisierung junger Ausländer. Befunde und Reaktionen sozialer Kontrollinstanzen. Juventa Verlag, München 1979.

Internetadressen:

  • www.isoplan.de
  • www.bpb.de
  • www.destatis.de


[1] Statistisches Bundesamt

[2] Ausländerzentralregister

[3] „Aussiedlerzuzug weiter rückläufig." in aid Integration in Deutschland 1/2006, 22.Jg., 31. März 2006

[4] Jörg Alt: Leben in der Schattenwelt - Problemkomplex illegale Migration. Neue Erkenntnisse zur

Lebenssituation 'illegaler' Migranten in München und anderen Städten Deutschlands. Loeper Literaturverlag,

Karlsruhe 2003

[5] Bundesministerium des Innern, Polizeiliche Kriminalstatistik 2005, S. 22

[6] Vgl. Geißler, Rainer: Sind „Ausländer" krimineller als Deutsche? Anmerkungen zu einem vielschichtigen

Problem; Gegenwartskunde 1/2001, S. 31

[7] Rebmann, Matthias: Ausländerkriminalität in der Bundesrepublik Deutschland, Freiburg i. Br. 1998,S.25

[8] Pfeiffer/Delzer/Enzmann/Wetzels 1998, S 25.

[9] Wetzels, P./Enzmann, D./Mecklenburg, E./Pfeiffer, C.: Jugend und Gewalt. Eine repräsentative

Dunkelfeldanalyse in München und acht anderen deutschen Städten. Baden-Baden 2001. S. 217f

[10] Ebd. S. 80, 167, 205 f.

[11] Ebd. S. 206 f.

[12] Ebd. S. 281

[13] Ebd. S. 281

[14] Heitmeyer, W. /Anhut, R. (Hrsg.): Bedrohte Stadtgesellschaft. Soziale Desintegrationsprozesse

und ethnisch-kulturelle Konfliktkonstellationen. Weinheim, München 2000. S.305.

[15] Bundesministerium des Innern und Bundesministerium der Justiz (BMI/BMJ-Hrsg.) Periodischer

Sicherheitsbericht. Berlin 2004,S. 314

[16] Bundesministerium des Innern und Bundesministerium der Justiz (BMI/BMJ-Hrsg.) Periodischer

Sicherheitsbericht. Berlin 2004,S.33ff

[17] Statistisches Bundesamt Deutschland, www.destatis.de

[18] Statistisches Bundesamt Deutschland, www.destatis.de

[19] www.isoplan.de/aid/index.htm?http://www.isoplan.de/aid/2004-3/praevention.htm

[20]

www.bpb.de/publikationen/VVEU24,3,0,Kriminalpr%E4ventive_Ma%DFnahmen_bei_jungen_Aussiedlern.html#art3



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