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Das Frauenbild im Islam

Das Frauenbild im Islam
Hausarbeit
Datum: 02. Januar 2011 Autor: maja100 Kommentare: 0

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Ausarbeitung zum Thema 'Das Frauenbild im Islam'.


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Das Frauenbild im Islam


1. Einleitung

Seit dem 11. September ist das Interesse der Öffentlichkeit am Islam größer geworden. Die Medien berichten nicht nur über die politische Lage der jeweiligen islamischen Ländern, sondern auch von den sozialen Verhältnissen innerhalb der Gesellschaft. Die ungleiche Stellung der Geschlechter, die ihre Grundlage im Koran findet, scheint aus der westlichen Sicht für Faktoren wie Dogmatismus, Rückständigkeit und Isolation verantwortlich zu sein und stößt auf Unverständnis und Ablehnung. Insbesondere die Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft ist ein Thema, das für viel Polemik sorgt. Das Bild einer Frau im Kopftuch steht in unserer westlichen Gesellschaft als Symbol für ihre Unterdrückung und Rückständigkeit (vgl. Akasche- Böhme, 1997, S. 7f, vgl. Pinn/Wehner, 1995, S. 36f).

Wie aber ist die islamische Frau wirklich? Welche Auswirkungen hat die Erziehung auf ihre lebenslange Entwicklung? Welche Rolle spielt der Islam in ihrem Leben? Inwieweit wird sie von westlicher Emanzipation geprägt? Um diese Fragen beantworten zu können, werden folgenden Themen bearbeitet.

Zu Anfang wird das Thema „Frauen und Religion" behandelt. Dabei werden die Grundlagen des Islams und des Korans erklärt, insbesondere Stellen, die sich mit der Position der Frau beschäftigen. Es wird der Unterschied zwischen dem Leben der Frau in vorislamischer Zeit, und ihre durch den Islam verbesserte Lebenslage aufgezeigt.

Als nächstes wird das Thema der Entwicklung und der Erziehung von Frauen in traditionellen Familien behandelt, wobei die Schwerpunkte auf der Kindheit, dem Erwachsenenalter, und dem Alter liegen. Es soll untersucht werden, welche Aspekte der Erziehung für die Entwicklung der Frauen in traditionellen Familien verantwortlich sind, die ihr Leben von der Geburt bis zum Tod prägen.

Die westliche Meinung, dass ausschließlich der Islam für die Unterdrückung der islamischen Frauen verantwortlich ist, soll in diesem Kapitel widergelegt werden (vgl. Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 98). Es wird gezeigt, dass die Industrialisierung und Modernisierung der Gesellschaft auch in islamischen Ländern vollgezogen worden ist. Bildung, Beruf, politische Aktivität, Emanzipation, Feminismus sind Begriffe, die das Leben vielen muslimischen Frauen beeinflussen. Nicht zuletzt soll der Schleier, der bis jetzt als Zeichen der Unterdrückung galt, eine andere Dimension bekommen, als Symbol der Emanzipation und als Protest gegen die Entblößung des weiblichen Körpers im Westen (vgl. Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 74).

Obwohl die Sexualität der muslimischen Frauen eine große Rolle im Islam spielt, wird sie wegen des Umfangs dieser Arbeit nur als zweitrangig bearbeitet. Es soll betont werden, dass Sexualität zwar als Recht zwischen Männern und Frauen in der islamischen Lehre erlaubt ist und ein harmonisches Zusammenleben ermöglichen soll, trotzdem gilt weibliche Sexualität wegen ihrer gefährlichen Anziehungskraft für Männer als destruktiv. Um dies zu vermeiden, soll die weibliche Erziehung so ausgerichtet werden, dass Frauen bis zur Heirat unberührt bleiben, weil nur in der Ehe diese destruktive Sexualität neutralisiert werden könne und kein Gefahr für die Männer darstelle (vgl. Akasche- Böhme, 1997, S. 47f).

2. Die Frauen und die Religion

Frau oder Mann? Geschlechtidentität ist eine bestimmte Kategorie unseres sozialen Handelns. In jeder Religion, sowohl im Islam als auch im Christentum wird die Frau „mit einem religiösen Wertsystem und der ihr darin zugewiesenen Geschlechtsrolle von Kindheit an konfrontiert" (Akasche-Böhme, 1997, S. 24, vgl. Pinn/Wehner, 1995, S. 31f). Der Unterschied zwischen den beiden Religionen liegt unter anderem in der unterschiedlichen Wandlung der Gesellschaft. Die hierarchische Geschlechtsordnung, die bis 20. Jahrhundert auch im Christentum selbstverständlich war, ist heute aufgrund der Gleichberechtigung, der Tradition von Aufklärung und Trennung „zwischen Staat und Kirche" in westlichen Demokratien schwer rechtzufertigen (Akasche-Böhme, 1997, S. 24). Die Religion wird als „Privatsache verstanden- ganz im Gegensatz zu den islamisch geprägten Länder", in denen der Islam das ganze Leben sowohl privat als auch gesellschaftlich reguliert (Akasche- Böhme, 1997, S. 24, vgl. Bauer, 1994, S. 9).

Grundlagen des Islams

Um das Leben der muslimischen Frauen zu verstehen und transparenter zu machen sind Grundlagen des Islams notwendig.

Der Islam ist genauso wie Christentum und Judentum eine monotheistische Religion, die die unbedingte Ergebung in den Willen des einen Gottes und Erfüllung seiner Gebote fordert. Der Islam wurde zwischen 622 und 632 in Medina von dem Propheten Mohammed gegründet. Dem Islam nach ist Mohammed der von Gott geschickte Gesandte, der die göttliche Botschaft den Menschen bringt, um „ihnen den rechten Weg zu Gott" aufzuzeigen (Grimm, 2002, S. 8). Zwischen Allah und dem Propheten besteht in Form von Visionen und Träumen eine Art Kommunikation, die als Offenbarung bezeichnet wird. Diese Offenbarungen sind im Koran, in dem heiligen Buch des Islams fest geschrieben (vgl. Ende/Steinbach, 1991, S. 23f).

Der Islam ist eine Religion, die alle Bereiche des menschlichen Lebens prägt und beeinflußt. Die Grundsätze oder sog. fünf Säulen des Islams regeln „sowohl sein individuelles als auch gesellschaftliches Handeln" (Akasche-Böhme, 1997, S. 25). Jeder Muslim, ob Frau oder Mann ist verpflichtet folgende Regeln zu erfühlen (vgl. Akasche-Böhme, 1997, S. 25f):

- Das Glaubensbekenntnis (Schahada): „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist."

- Das Gebet Salat: ist ein rituelles Gebet, das fünfmall täglich zu festgelegten Zeiten in Richtung Mekka verrichtet wird

- Die Almosensteuer (Zakat): Jeder Gläubige soll mindestens einmal jährlich einen Beitrag an die Armen spenden

- Das Fasten (Saum): Das Einhalten des Fastenmonats Ramadan. Eine Beschränkung gilt für Kranke und „Frauen während ihrer Menstruation", da sie in dieser Zeit als unrein gelten (Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 100)

- Die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch): Die Pilgerfahrt nach Mekka zu der heiligen Kaaba wird nur dann Pflicht, wenn finanzielle und gesundheitliche Umstände es erlauben: „die Menschen sollen Gottes wegen zum Haus wallfahren, falls es ihnen -möglich ist" (Zirker, 2007, S. 48, Sure 3,97)

Der Islam ist nicht nur eine Religion und ein Glaube, sondern eine Ordnung, die alle Lebensbereiche des Menschen regelt, „ob er (der Mensch) sich bewegt oder ruht, er (der Islam) beeinflußt das, was er insgeheim und was er öffentlich, was er für sich allein und was er sichtbar tut (...), er beeinflusst ihn als einzelnen und in der Gemeinschaft (...)" (Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 58f zitiert nach Abd al- Quadir Udah, 1951, S. 57).

Die Frau im Koran und in der vorislamischen Zeit

Wie schon erwähnt wurde, ist der Koran, das heilige Buch der Muslime und gilt „als abschließende Offenbarung Gottes" (Bauer, 1994, S. 11). Er besteht aus 114, in Verse unterteilte Abschnitte, den Suren, die von dem Propheten Mohammed in arabischer Sprache vorgetragen worden sind. Die Suren sind nach bestimmten Themen geordnet. Für diese Arbeit werden nur Suren ausgesucht, die sich mit der Stellung der Frau beschäftigen (vgl. Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 60).

Der Koran enthält viele Verse, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Dabei ist wichtig zu betonen, dass sich die ethischen Forderungen im Koran „von den Idealvorstellungen der vorislamischen Zeit unterscheiden" (Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 60).

Die Stellung der Frau in der vorislamischen Zeit, in der sogenannten Zeit der Unwissenheit, beruht auf dem Solidaritätsprinzip, d.h. der Stammesverbundenheit der Beduinen. Die Rolle der Frau musste sich der harten nomadischen Lebensform anpassen und aufgrund ihrer für die Sippe notwendigen Arbeit war auch ihre gesellschaftliche Stellung höher als die der Frauen in den Städten (vgl. Minai, 1989, S. 18f). Sie war „Herrin des Zeltes", in dem sie uneingeschränkt herrschte und durfte sogar dem Ehemann den Zugang verweigern (Akasche-Böhme, 1997, S. 27, vgl. Bauer, 1994, S. 12f, vgl. Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 60f). Dies änderte sich „mit der Bildung städtischer Handelszentren wie Mekka", die den Gesellschaftsstrukturwandel verursachte (Bauer, 1994, S. 12, vgl. Minai, 1989, S. 19f). Die Macht der Männer über die Frauen stieg, was sich insbesondere in der ungleichen Stellung der Geschlechter zeigte. Es herrschte nicht mehr das Solidaritätsprinzip, worin die Frau Bestandteil der Sippe und somit wie Männer in die Gemeinschaft integriert war, sondern sie geriet nun in eine untergeordnete Rolle und verlor entscheidend an Macht. Die Männer betrachteten von nun an Frauen als Privateigentum, was praktisch für die Frau bedeutete, dass der Mann beliebig viele Frauen heiraten konnte (Polygamie), er konnte sie verstoßen und hatte gegenüber ihr keine Verpflichtungen. Die Frau hatte keinen Anspruch auf ein Erbe, weil sie selber ein Teil des Erbes war (vgl. Minai, 1989, S. 19ff).

Laut Koran stünden „die Männer den Frauen vor, weil Gott die einen vor den anderen ausgezeichnet hat (...)". Obwohl der Koran hier keine Zweifel an der Unterordnung und Benachteiligung der Frau lässt, verbessert sich durch im Koran vermittelte Familiengesetze die gesellschaftliche Stellung der Frau (Zirker, 2007, S. 60, Sure 4, 34, vgl. Bauer, 1994, S. 12ff/Akasche-Böhme, 1997, S. 27f). Der Koran regelt religiöse und rechtliche Probleme, nicht nur für die Männer, sondern auch für die Frauen. Die folgenden Beispiele sollen zeigen, welche revolutionären Maßnahmen für die Frauen festgesetzt worden sind (vgl. Bauer, 1994, S. 14ff):

- Das Erbrecht: Die Frau ist nicht mehr Teil des Erbes, sondern ist selbst erbberechtigt:

„Ihr, die ihr glaubt, es ist euch nicht erlaubt, die Frauen gegen ihren Willen als Erbe zu übernehmen. Belästigt sie nicht, um etwas von dem wegzunehmen, was mit ihnen gegeben hat, außer wenn sie eine deutliche Schandtat begehen. Geht mit ihnen rechtmäßig um!" (Zirker, 2007, S. 58, Sure 4,19)

- Das Eherecht: Die Frau hat die Möglichkeit im Ehevertrag spezielle Forderungen

festzuschreiben. Ihre Nachteile liegen in ihrer, im Koran festgelegten Unterlegenheit, die besagt, die Männer stünden den Frauen vor (Bauer, 1994, S. 19/Zirker, 2007, S. 60, Sure 4,34), als auch in der Legitimierung der Polygamie: „Wenn ihr fürchtet, den Weisen gegenüber nicht gerecht zu sein, dann heiratet an Frauen, was euch gut scheint, zwei, drei oder vier" (Akasche-Böhme, 1997, S. 32/Zirker, 2007, S. 57, Sure 4,3)

- Scheidung: Obwohl der Koran nur wenige Möglichkeiten den Frauen zugesteht, sich

scheiden zu lassen, schränkt er ein wenig die Rechte der Männer ein. Nach dem ein Mann dreimal die Scheidungsformel „Ich verstoße Dich" ausspricht, ist die Scheidung nach Koran rechtskräftig. (Bauer, 1994, S. 20). Die Frau darf nicht sofort aus dem Haus ausgewiesen werden: „Prophet, wenn ihr die Frauen entlasst, dann entlasst sie gemäß ihrer Wartefrist! Berechnet die Wartefrist!". Bei einer möglichen Schwangerschaft setzt der Koran fest: „bei denen von euren Frauen, die die Hoffnung auf Menstruation verloren haben, beträgt die Wartefrist, wenn ihr Zweifel hegt, drei Monate" (Zirker, 2007, S. 350, Sure 66,4).

3. Die Entwicklung und die traditionelle Erziehung bei muslimischen Frauen

Die Entwicklung und die traditionelle Erziehung muslimischer Frauen orientieren sich an der islamischen Ordnung, in der die patriarchalische Familienform einen hohen Wert besitzt. „Die islamische Erziehung ist geschlechtspezifisch", wobei die Mutter traditionell die Hauptverantwortung trägt (Akasche-Böhme, 1997, S. 29).

Nach Antes handelt sich bei der islamischen Ordnung (Nizam) um einen auf die göttliche Offenbarung zurückgeführten Verhaltenskodex, das heißt um „normative Regelungen für den in der islamischen Gemeinschaft lebenden Muslim" (Akasche-Böhme, 1997, S. 26). Dieser Verhaltenskodex wird auch als islamische Ethik bezeichnet, die den Maßstab für das richtige Verhalten des Menschen setzt (vgl. Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 59f).

Um das Leben der muslimischen Frauen betrachten zu können, ist außer Koran auch die Sunna zu berücksichtigen. Die Sunna ist neben dem Koran die zweitwichtigste Rechtsquelle, die die Lebensweise und das Vorbild des Propheten Mohammeds beinhaltet. Laut Islam bedeutet Sunna „das Vorbild des Propheten, seine Lebensführung, wie sie sich seinen Aussprüchen, Handlungen und Gepflogenheiten sowie dem stillschweigenden Einverständnis mit dem, was in seiner Gegenwart gesagt oder getan wurde, kundgab" (Antes/ Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 63).

Die vom Gott an Mohammed offenbarten Gesetze für die islamische Gemeinschaft werden Scharia genannt und prägen das Leben aller Muslimen, wobei bestimmte Verpflichtungen wie z.B. Kopftuchtragen nur für Frauen gelten (Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 64).

3.1. Kindheit und Jugend

Für muslimische Ehepaare sind Kindern Geschenke Gottes und Zeichen einer guten Ehe. Wird ein Kind geboren, herrscht in der Familie Freude, die noch größer ist, wenn der Neugeborene ein Junge ist. Für die Mutter bedeutet es die Verbesserung ihrer Stellung und des Ansehens in der Familie. Die Gründe für die Bevorzugung der Söhne in den traditionellen Familien liegen tief in der Vergangenheit und finden ihre Rechtfertigung auch im Koran (vgl. Bauer, 1994, S. 31f). Die Behauptung zum Beispiel, dass "eine Frau nur halb so viel Wert ist wie ein Mann" wird in Sure 2, im Vers 282 bestätigt „(...) Lasst zwei Zeugen aus euren Männern bezeugen! Doch wenn keine Männer da sind, dann einen Mann und zwei Frauen, mit denen ihr als Zeugen einverstanden seid, (...)" oder in Sure 18, im Vers 46 „das Vermögen und die Söhne sind die Pracht des diesseitigen Lebens" (Zirker, 2007, S. 40, Sure 2,282; S. 185, Sure 18,46). Der Koran stellt die Überlegenheit der Männer in den Vordergrund. Die Männer „haben Vollmacht und Verantwortung gegenüber den Frauen, weil Gott die einen vor den anderen bevorzugt hat (...)". Dennoch verbietet er, den in der vorislamischen Zeit üblichen Kindermord an weiblichen Neugeborenen. „Und wenn einem von ihnen die Nachricht von der Geburt einer Tochter gebracht wird, so verfinstert sich sein Gesicht, indes er den inneren Schmerz unterdrückt. Er verbirgt sich vor den Leuten, ob der schlimmen Nachricht, die er erhalten hat: Soll er sie trotz der Schande behalten oder im Staub verscharren? Wahrlich, übel ist, wie sie urteilen!" (Akasche-Böhme, 1997, S. 31; Hübsch, 1997, S. 178, Zirker, 2007, S. 170, Sure 16,59-60).

Da die Erziehung nach dem Prinzip der Geschlechtstrennung gerichtet ist, werden Mädchen ungefähr nach fünften oder sechsten Lebensjahr der Mutter erzieherisch zugewiesen. Das Mädchen wird sowohl religiös als auch praktisch für ihre spätere Rolle als Mutter und Ehefrau vorbereitet. Die religiöse Erziehung wird zu Hause oder in einer Koranschule ausgeübt und besteht grundsätzlich in Beherrschung des rituellen Gebets und Einhaltung der fünf Säulen des Islams. (vgl. Minai, 1989, S. 101). Die Vorbereitung auf die Rolle der Mutter und Ehefrau ist selbstverständlicher als eine Schul- und Berufsbildung. Zwar gehen die Mädchen zur Schule, dennoch stellt die Haushaltführung die Priorität dar (vgl. Bauer, 1994, S. 36/Minai, 1989, S. 105). Bildung von Mädchen gilt als „wünschenswert, aber nicht notwendig", wobei in manchen Fällen höhere Bildung „die Heiratschancen eines Mädchens eher mindern als erhöhen" kann (Bauer, 1994, S. 36).

In der Pubertätszeit kommt es zu Änderungen im Leben der Mädchen. Vorraussetzung für die Tugendhaftigkeit eines Mädchens ist „die Erhaltung ihrer Ehre" (Bauer, 1994, S. 38). Die Ehre des einzelnen Mädchens repräsentiert die Ehre der ganzen Familie. Somit ist die Ehre die höchste moralische Priorität in der Familie und wird an der „Erhaltung des Hymens", das heißt an der Reinheit und der Jungfräulichkeit der Tochter bzw. der Schwester gemessen (Lacoste-Dujardin, 1990, S.71). Dies zieht eine strenge Kontrolle der Mädchen von der Seite der Familie, besonders von männlichen Verwandten nach sich, die ihre, und dadurch die Ehre der Familie schützen wollen. Die Themen Menstruation oder Sexualität werden kaum angesprochen und so werden viele Mädchen unvorbereitet in ihre Ehe geschickt (vgl. Antes, Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 98/ Bauer, 1994, S. 39f/Akasche-Böhme, 1997, S. 59f).

3.2. Ehe und Familie

Da „die sexuelle Macht der Frau" für die traditionelle islamische Gemeinschaft als gefährlich scheint, sind voreheliche geschlechtliche Beziehungen im Islam verboten (Heller, Mosbahi, 1993, S. 37/vgl. Hübsch, 1997, S. 106). Die ständige Kontrolle von Seiten der Familie und die geringe Bewegungsfreiheit hindern Mädchen nicht nur daran, eine Beziehung zum anderen Geschlecht aufzubauen, sondern verhindern auch die Möglichkeit intime Erfahrungen zu sammeln, welche als unrein gelten und sich können auf die Ehe negativ auswirken können: „So heiratet sie mit der Erlaubnis ihrer Leute und gebt ihnen ihren Lohn rechtmäßig als ehrbaren Frauen, die nicht Unzucht treiben und keine flüchtige Beziehung suchen!" (Zirker, 2007, S. 59, Sure 4, 25). Aufgrund der Erziehung und der Tradition, die Keuschheit, Gehorsamkeit und Respekt fordern, ist es für eine junge Frau kaum möglich, sich „der Entscheidung ihrer Familie zu widersetzen". Es werde von den Mädchen verlangt, ihre Gefühle im Interesse der Gemeinschaft" zu unterdrücken (Bauer, 1994, S. 42/Lacoste- Dujardin, 1990, S. 74). Die Eheschließung findet meistens innerhalb zweier verwandter Familien statt, wobei die Gefühle der Verlobten als zweirangig gelten (vgl. Lacoste- Dujardin, 1990, S. 77). Von viel größerer Bedeutung sei „der gute Ruf der Familie, die finanzielle Situation und der gesundheitliche Zustand des Bräutigams" (Bauer, 1994. S. 42). Nachdem die Formalitäten, wie zum Beispiel die Höhe des Brautgeldes, abgeschlossen worden sind und die Hochzeit stattgefunden hat, bei der die Unschuld der Braut nachgewiesen worden ist, zieht die junge Frau in die Familie ihres Mannes (vgl. Minai, 1989, S. 161). Ihre soziale Rolle in der neuen Familie ist am Anfang sehr niedrig, und sie muss sich erst durch ihren Fleiß vor der Schwiegermutter beweisen (vgl. Lacoste- Dujardin, 1990, S. 78f). Der wichtigste Weg um ihre Stellung zu verbessern ist die Schwangerschaft, die ihr als Mutter einen bestimmten Rang unter Frauen garantiert (vgl. Bauer, 1994, S. 43f/Lacoste- Dujardin, 1990, S.80ff). Mit der Geburt eines Sohnes ist die Aufgabe der Frau, für die sie seit der Kindheit vorbereitet wurde, erfüllt. Durch ihn gewinnt sie an Sicherheit und Einfluß und kann sich „als Frau und Mutter" verwirklichen (vgl. Lacoste- Dujardin, 1990, S.77). Die Geburt eines Mädchens wird zwar als unwillkommen betrachtet, aber nicht als hoffnungslos. „Der dir ein Mädchen geschenkt hat, kann dir auch einen Sohn schenken, gottlob ist die Mutter gesund und wohlauf!" (Lacoste-Dujardin, 1990, S. 57). Wenn eine Ehe kinderlos bleibt, wird der Frau die Schuld gegeben. Weil sie ihre Rolle als Mutter nicht erfüllt hat, kann sie sogar verstoßen werden. Die traditionelle Ehe wird in vielen Fällen nicht als eine Paarbeziehung verstanden. Der Sinn liegt in Erweiterung der Gemeinschaft, der Umma (vgl. Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991,S. 62). Die Frau wird ihre ganze Kindheit und Jugend über durch die traditionelle Erziehung dafür vorbereitet. Nur als Mutter eines Sohnes hat sie die Möglichkeit einen bestimmten Einfluss auszuüben und Respekt zu verlangen (vgl. Bauer, 1994, S. 40ff). Im Islam spielen Mütter eine wichtige Rolle. Sie sind diejenige, die für die Erziehung verantwortlich sind und sie sollen für „ihre Fürsorge von den Menschen geehrt werden" (Hübsch, 1997, S. 181).

3.3. Das Alter

Mit dem zunehmenden Alter verbessert sich immer mehr der soziale Status der Frau in der Familie. Diese Entwicklung hat mehrere Gründe. Zum einen wird im Koran der Respekt vor älteren Menschen und von ihrer Lebenserfahrung verlangt, zum anderen besteht keine Gefahr für die Familienehre durch Frauen jenseits der Menopause (vgl. Bauer, 1994, S. 50f). Aus diesen Gründen genießen Frauen in diesen Lebensabschnitt in Familie und Öffentlichkeit am meisten Einfluß. Ihre Aufgaben beinhalten die Verteilung der Arbeit im Haushalt auf Töchter bzw. Schwiegertöchter und die Verwaltung der Familienvorräte (vgl. Lacoste- Dujardin, 1990, S. 112f). Sie ist sie die „leitende Instanz" unter allen Frauen im Haus und genießt die höchste Rangordnung (Bauer, 1994, S. 50). Durch die Stellung als Schwiegermutter gewinnt sie mehr Freizeit für die Ausübung ihrer Religiosität oder Treffen mit anderen Frauen, da die Hausarbeit mehr oder wenig auf die Schwiegertochter übertragen wird, die ein „Ventil für die jahrelang selbst erfahrene Unterdrückung" wird (Killguss, 2002, S. 8). Die Überlegenheit der Männer in der patriarchalischen Familie profitiert von Generation zu Generation von der Rivalität den Frauen. Diese „verhindert Koalitionen, die die Autorität der Männer untergraben könnten" (Lacoste- Dujardin, 1990, S. 119). Dies geschieht nicht zuletzt aus Selbstschutz, da die alten Menschen meist in der patriarchalischen Familie versorgt werden und sich für das hohe Alter die Verpflegung sichern (vgl. Bauer, 1994, S. 50).

4. Die moderne Muslima

Allgemein gelten muslimische Frauen aus westlicher Sicht als unterdrückt, „unselbständig, ungebildet, rückständig und familienfixiert" (Pinn/Wehner, 1995, S. 6). Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Bild der Musliminnen als passive und machtlose Wesen auch durch Medien geprägt wird. Da im Islam die Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau im Vordergrund steht, werden in Medien nur solche Aspekte genannt, die diesen Grundgedanken unterstützen (vgl. Pinn/Wehner, 1995, S.52f/Akasche- Böhme, 1997,S. 7).

Genauso wie im Christentum hat die Industrialisierung und Modernisierung die islamische Gesellschaft verändert. Das zeigt sich insbesondere in den Städten, wo die traditionelle Lebensweise immer mehr verdrängt wird (vgl. Bauer, 1994, S. 70). Faktoren, wie zum Beispiel „die historische und ökonomische Situation des jeweiligen islamischen Landes", sowie „die soziale und wirtschaftliche Position der Familie" beeinflussen immer mehr die soziale Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft (Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 98).

4.1. Bildung und Beruf

In dieser Kapitel geht es um muslimischen Frauen, die den Islam zwar als Religion ausüben, trotzdem das Klischee einer unterdrückten und rückständiger Frau ablehnen.

Das islamische Menschenbild bestimmt die Rolle des Individuums bezüglich seiner Einbindung in die Gemeinschaft, wobei die Position der Frau in Erziehung der Kindern, Führung des Haushalts und Vermehrung der Sippe gesehen wird (vgl. Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 75/Schöning-Kalender, Neusel, Jansen, 1997, S. 127). Obwohl die Familie für die islamischen Frauen immer den höchsten Wert besitzt, ist allein die Familienorientierung für ihre Entwicklung nicht ausreichend. Das Ziel ist nicht die Familie in Frage zu stellen, sondern sie mit dem Wunsch nach Bildung und Beruf zu verketten (vgl. Pinn/Wehner, 1995, S.62). Die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und das Erkenntnis, dass „Bildung eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung eines Landes ist", verlangen, die traditionelle Rolle der Frau zu überdenken und ihr zu ermöglichen eine neue Lebensweise zu realisieren (Bauer, 1994, S. 70). In vielen islamischen Ländern ist die gesetzliche Schulpflicht längst eingeführt und das Bildungsniveau unter Frauen steigt stetig. Die ersten Schulen für Mädchen wurden schon Anfang des 19 Jahrhunderts eröffnet, wobei die ersten Schülerinnen aus privilegierten Familien stammten. Auch heute ist die ländliche Bevölkerung aufgrund der alltäglichen Lebensbewältigung und dem Kampf gegen die Armut im höheren Bildungstand unterrepräsentiert (vgl. Akasche- Böhme, 1997, S. 64).

Durch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht steigt auch der Anteil berufstätiger Frauen, sowohl von ungelernten Arbeiterinnen als auch von Frauen „mit höherer Ausbildung oder einer akademischen Laufbahn" (Bauer, 1994, S. 74). Die meisten ungelernten Arbeiterinnen sind in der Textilindustrie oder in der Landwirtschaft tätig. Frauen in qualifizierten Berufen werden meist im öffentlichen Dienst beschäftigt, wobei immer mehr Akademikerinnen in der Wissenschaft oder in der Politik arbeiten (vgl. Bauer, 1994, S. 75-81). Obwohl Bildung und die Möglichkeit einen Beruf auszuüben einen gewissen Aufstieg für die islamische Frau bedeutet, ist die Belastung im Vergleich mit Frauen in westlichen Ländern relativ hoch, da sich die patriarchalischen Strukturen innerhalb der Familie kaum verändert haben (Pinn/Wehner, 1995, S. 64f/Minai,1989, S. 231). Der Mann ist auch heute „der Ernährer und Beschützer der Familie" und somit trägt die Frau alleine sowohl die Führung des Haushaltes als auch die Erziehung der Kinder (Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 75). Trotzdem sollte nicht vergessen werden, dass der Beruf zum einen eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit bedeutet, zum anderen ermöglicht, soziale Kontakte auch außerhalb der Familie zu knüpfen (vgl. Lacoste- Dujardin, 1990, S. 227).

4.2. Frauenbewegungen

Die Ursprünge der feministischen Bestrebungen werden seit Ende des 19. Jahrhunderts in der Türkei und Ägypten datiert, wobei die ersten Reformatoren, die gegen die Unterdrückung der Frau kämpften, ausschließlich aus den Reihen der Männer stammten (vgl. Bauer, 1994, S. 53f). Der erste Vorreiter der Emanzipation war der ägyptische Jurist Quasim Amin, der „die Lage der Frau (...) mit der jahrhundertelangen Despotie" begründete, „die Stagnation und Verfall bewirkt und der Frau die doppelte Unterdrückung gebracht habe" (Antes/ Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 118). Seine Bücher „Die Emanzipation der Frau" und „Die neue Frau" werden noch heute „in der arabischen Welt als Grundwerke des Feminismus gehandelt" (Heller/Mosbahi, 1993, S. 216/Bauer, 1994, S. 54/vgl. Minai, 1989,S. 85).

Die Entstehung der organisierten Frauenbewegungen ist eng verbunden mit der Ausrufung des Rechtstaates, der „die Gleichberechtigung als Vorraussetzung für Demokratie und Schlüssel zur Modernisierung des Landes" wertet (Bauer, 1994, S. 58). In den Anfangsjahren der Frauenbewegungen geht es insbesondere um die Einführung der Bildungseinrichtungen für Mädchen, deren Existenz auch im Koran festgelegt ist. Das erste Frauenmagazin erschien 1895 in der Türkei und als Hauptthema wurde die Verbesserung der Bildungschancen für Frauen behandelt (vgl. Bauer, 1994, S. 55f).

Mit dem Kampf gegen die Kolonialherrschaft europäischer Länder und für die Unabhängigkeit des Landes beginnt der Emanzipationsprozeß der Frauen (vgl. Akasche- Böhme, 1997, S. 53f). Die neue Rolle der Frau als politisch engagierte Kämpferin führt „zur Gründung von neuen Frauenverbänden", die sich nicht nur mit der Frage der Bildungsgleichheit beschäftigen. „Mit der Teilnahme am Kampf um die Unabhängigkeit ihrer Nation" seien die Frauen „zum ersten Mal in der neueren Geschichte aus ihrer häuslichen Rolle herausgetreten" (Schöning-Kalender, Neusel, Jansen, 1997, S. 127/Minai, 1989, S. 76).

Die ersten Frauenbewegungen in islamischen Ländern forderten einerseits die politische Gleichberechtigung, anderseits auch Reformen im rechtlichen Bereich, insbesondere im Familienrecht. Das islamische Familiengesetz orientiert sich an die Scharia, das heißt dem religiösen Gesetz des Islams, das „die ethischen Normen und Rechtsgrundsätze für alle Lebensbereiche wie Ehe, Wirtschaft und die Sicherheit der Gemeinschaft" umfaßt (Bauer, 1994, S. 60). Obwohl die Abschaffung der Polygamie, Gleichberechtigung, Einführung neuer Gesetze im Ehe- und Erbrecht, das Recht auf Ausbildung und Arbeit mittlerweile in vielen islamischen Ländern rechtlich in deren Verfassungen gesichert sind, ist die Durchsetzung auf dem Lande und in den traditionellen Familien besonders schwierig.

4.3. Schleier als Weg zur Emanzipation

Die Verschleierung der Frauen in islamischen Ländern hat ihren Ursprung im Koran „Und sag den gläubigen Frauen, (...) sie sollen ihren Schleier über den Kleidausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offenlegen, außer ihrem Mann, ihrem Vater, (...) (Zirker, 2007, S. 220, Sure 24,31). Einerseits gilt der Schleier als Symbol der Unterdrückung der muslimischen Frauen „als Mittel, Frauen aus dem öffentlichen Leben zu verbannen und an einer freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu hindern", anderseits verhüllen sich viele muslimische Frauen freiwillig und bezeichnen den Schleier als ihren Weg zur Emanzipation, als einen „Ausdruck kultureller Authentizität, ein Bekenntnis zum Islam und zur eigenen Tradition" (Pinn/Wehner, 1995, S. 31). Dagegen ist laut dem bekannten Reformator Qasim Amin „der Schleier, wie die Geschichte uns gezeigt hat, eine riesige Mauer, die man zwischen der Frau und ihrer Freiheit, zwischen dem weiblichen Geschlecht und seinem Fortschritt ausgerichtet hat" (Heller/Mosbahi, 1993, S. 218, zitiert nach Qasim Amin, Tahrir al- mar'a, S. 50). Der Schleier war nicht nur für ihn ein Zeichen der Unterdrückung der Frau, sondern auch für die Gründerin der Ägyptischen Feministischen Frauenunion Huda Sharawi, die den Schleier demonstrativ ins Meer warf, um sich „von einem Symbol der Benachteiligung der Frau zu befreien" (Bauer, 1994, S. 55, vgl. Heller/Mosbahi, 1993, S. 217). Als nicht unbedeutend zu betrachten ist das Verbot des Tragens des Schleiers in öffentlichen Bereichen, das vom ersten türkischen Präsidenten Mustafa Kemal Pascha Atatürk formuliert wurde. Trotzdem führte dieser die Unterdrückung der Frau nicht auf die Religion zurück, sondern verortete die Ursache in der „Schwäche der türkischen Gesellschaft in ihrer Gleichgültigkeit gegenüber dem Status der Frauen" (Bauer, 1994, S. 52).

Die Frage, warum Frauen, die lange Zeit für ihre Gleichberechtigung gekämpft haben, ihre Emanzipation in der Verschleierung sehen, ist im Hinblick auf das westliche Leben und in der Identitätssuche muslimischer Frauen zu finden (vgl. Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 120, vgl. Minai, 1989, S. 243f). Laut Bauer ist diese Entscheidung für viele muslimische Frauen als politischer Akt zu verstehen. Durch die Verschleierung wird öffentlich der Protest gegen westliche Einflüsse und die Trennung von Staat und Religion demonstriert (vgl. Bauer, 1994, S. 92, vgl. Pinn/Wehner, 1995, S. 35f). Nach Walther ist die Identitätssuche muslimischer Frauen von der Abgrenzung vom Bild der westlichen Frauen geprägt, die von ihnen als rein männliche Sexualobjekte degradiert werden und somit nach islamischer Vorstellung kein positives, sondern destruktives und negatives Bild präsentieren.. (vgl. Antes/Duran/Nagel/Walther, 1991, S. 120). Die Ablehnung des westlichen Lebensstiles und die verstärkte Betonung der traditionellen Wertvorstellungen gewinnt für die politisch aktive und gebildete Muslima an Wert. Nach Minai bedeutet die freiwillige Verschleierung für diese Frauen eine Ermöglichung ihrer Emanzipation, indem die Verhältnisse zwischen Männern und Frauen völlig entsexualisiert werden und die Beruf- und Karrierechancen steigern können (vgl. Minai, 1989, 245f, vgl. Pinn/Wehner, 1995, S. 34).

5. Zusammenfassung

Es ist nicht einfach, die islamische Frau in wenigen Worten zu beschreiben. Es wäre ein unzulässiger Schluß, einen einzigen Faktor, wie die Zugehörigkeit zum Islam, für ihre Position und Entwicklung in den islamischen Gesellschaften verantwortlich zu machen. Es gibt viele Wertvorstellungen, Sitten und Gewohnheiten, die das Leben von Frauen in islamischen Ländern bis heute stark beeinflussen, etwa wie den Jungfräulichkeitskult oder die weibliche Beschneidung, die besonders in Afrika sowohl von muslimischen als auch von nicht- muslimischen Bevölkerungsgruppen durchgeführt wird. Dies ist ein Beweis dafür, dass es ist um keine islamische Tradition handelt (vgl. Bauer, 1994, S. 35).

Die Erziehung der islamischen Frauen orientiert sich an der islamischen Ordnung, in welcher das Ziel nicht die individuelle Leistung ist, sondern die Einordnung in der Gemeinschaft. Die Industrialisierung und Modernisierung in islamischen Gesellschaften hat dazu beigetragen, dass die traditionelle Erziehung, zumindest in den Städten, immer mehr verdrängt wird. Die Folge ist die unterschiedliche Entwicklung der islamischen Frauen. Bei patriarchalischen Familien ist der Maßstab für das richtige Verhalten die islamische Ethik, wobei eine konkrete Handlung „im Sinne von Gut und Böse bzw. Richtig und Falsch" entsteht (Antes, Duran, Nagel, Walther, 1991, S. 63). Das Leben der traditionell erzogenen Muslima ist durch die im Islam festgelegte Rolle als Mutter und Ehefrau bestimmt. Entsprechend richtet sich die Erziehung auf die Vorbereitung für diese Rolle. Bildung und Beruf haben keinen großen Stellenwert, weil es „zu Überheblichkeit und Aufmüpfigkeit" führen könnte (vgl. Bauer, 1994, S. 36). Die lebenslange Entwicklung der muslimischen Frau ist durch die patriarchalische Familienform und die weitgehende Geschlechtertrennung bestimmt, wobei ihre gesellschaftliche Stellung die Ungleichheit von Mann und Frau voraussetzt.

Die Erziehung der durch die Moderne beeinflussten Frauen orientiert sich nicht nur am Islam, sondern auch an die Bildung und Beruf. Diese Frauen versuchen die Rolle der Mutter und Ehefrau mit ihrem Beruf zu verketten. Es geht nicht darum, die Familie in Frage zu stellen, sondern Möglichkeiten zu finden, beides zu vereinen. In vielen Großstädten werden immer mehr Frauen berufstätig. Immer mehr Frauen beeinflussen nicht nur passiv als Wählerinnen sondern auch aktiv als Politikerinnen oder Frauenaktivisten das Staatsbild der islamischen Länder.

Eine besondere Rolle spielen auch junge gebildete Frauen, die sich für das traditionelle Leben und die Verschleierung entscheiden und alle westlichen Einflüsse radikal ablehnen. Dabei soll erwähnt werden, dass sie nicht notwendigerweise gegen Berufstätigkeit, Ausbildung oder politische Aktivität von Frauen sind, sondern ihre Identität in der Abgrenzung und Ablehnung der westlichen Einflüsse und in der Rückkehr zum Islam gefunden haben.

Das westliche Bild von der muslimischen Frauen basiert auf den unterschiedlichen Entwicklungen beider Kulturen. Die mangelnde Bewunderung, oder gar die Ablehnung des westlichen Lebensstilles von Seiten der muslimischen Frauen, der eigentlich aus westlicher Sicht als Maßstab für ihre Emanzipation und Gleichberechtigung gilt, stößt auf Unverständnis und Intoleranz.

Ziel dieser Arbeit war es aufzuzeigen, dass es keine bestimmte islamische Frau gibt, sondern dass es sich um „eine Mannigfaltigkeit von Ausprägungen, die je nach historischen und politischen Zusammenhang unterschiedlich ausfallen" handelt (Akasche- Böhme, 1997, S. 8).

Unser Verständnis von Freiheit, Gleichberechtigung und individueller Lebensentwicklung prägt unser Bild der muslimischen Frau als unterdrückten Wesen. Ein hohes Maß von Verständnis von Seiten beider Kulturen, Bereitschaft sich zu informieren und die Akzeptanz anderer Lebensweisen ist ein Weg, der den bis jetzt gehinderten Austausch zwischen muslimischen und nicht-muslimischen Frauen ermöglichen könnte (vgl. Pinn/Wehner, 1995, S. 231).

Literaturverzeichnis

Akasche- Böhme, Farideh (1997). Die islamische Frau ist anders- Vorurteile und Realitäten. Gütersloher

Verlagshaus. Gütersloh

Antes, Peter/Duran, Khalid/Nagel, Tilman/Walther, Wiebke. (1991). Der Islam: Religion- Ethik- Politik.

Verlag W. Kohlhammer. Stuttgart. Berlin. Köln

Bauer, Kirstin (1994). Frauen im Islam. Wilhelm Heyne Verlag. München

Ende, Werner/Steinbach, Udo. (1991). Der Islam in der Gegenwart. Verlag C. H. Beck. München

Heller, Erdmute/Mosbahi, Hassouna. (1993). Hinter den Schleiern des Islam. Erotik und Sexualität in der

arabischen Kultur. Verlag C. H. Beck. München

Hübsch, Hayatullah (1997). Frauen im Islam- 55 Fragen und Antworten. Betzel Verlag GmbH. Nienburg

Killguss, Thekla (2002). Frauen in der islamischen Gesellschaft. Lausanner Bewegung Deutschland. Stuttgart

Verfügbar unter: http://www.lausannerbewegung.de/pdf/islam15.pdf (28.5.2007)

Lacoste- Dujardin, Camille (1990). Mütter gegen Frauen. Mutterherrschaft im Maghreb. eFeF Verlag.

Zürich

Minai, Naila (1989). Schwestern unter Halbmond. Deutscher Taschenbuch Verlag. München

Pinn, Irmgard/Wehner, Marlies. (1995). EuroPhantasien- Die islamische Frau aus westlicher Sicht.

Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung. Duisburg

Schöning- Kalender/Neusel, Ayla/Jansen, Mechtild. (1997). Feminismus, Islam, Nation. Frauenbewegungen

im Maghreb, in Zentralasien und in der Türkei. Campus Verlag. Frankfurt/Main. New York

Zirker, Hans (2007). Der Koran. Wissenschaftliche Buchgesellschaft.Darmstadt



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