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Sprachstandsmessung

Sprachstandsmessung
Hausarbeit
Datum: 02. Januar 2011 Autor: Anniquesa Kommentare: 0

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Ausarbeitung zum Thema 'Sprachstandsmessungen' am Beispiel des Bayern-Hessen-Screenings, Bärenstark und Delfin-4.


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Sprachstandsmessung


am Beispiel des Bayern-Hessen-Screenings, Bärenstark und Delfin-4

1. Qualitätskriterien der Sprachstandsmessung

Bei Verfahren zur Sprachstandserhebung müssen bestimmte Qualitätskriterien eingehalten werden, damit die Aussagekraft des Tests gültig ist.

Zu diesen Qualitätskriterien gehören die messmethodischen Gütekriterien Objektivität, Validität und Reliabilität.

Die Objektivität macht eine Aussage darüber inwieweit das Testergebnis unabhängig vom Untersucher ist. Die Objektivität umfasst die drei Aspekte Durchführungsobjektivität, Auswertungsobjektivität und Interpretationsobjektivität. Die Durchführungsobjektivität gibt vor, dass ein Testergebnis unabhängig von der Art der Testdurchführung sein muss, die Auswertungsobjektivität dass ein Testergebnis unabhängig von der Verhaltenserfassung des Untersuchers sein muss und die Interpretationsobjektivität gibt vor, dass ein Testergebnis unabhängig von der Interpretation des Untersuchers sein muss.

Die Validität gibt die Gültigkeit des Testergebnisses an. Die Validität eines Tests ist erfüllt, wenn das Testergebnis eine Aussage über den weiteren Verlauf der Sprachentwicklung treffen kann und wenn dem Testverfahren eine Sprachtheorie zugrunde liegt.

Die Reliabilität misst die Zuverlässigkeit bzw. Genauigkeit eines Tests. Damit ein Test reliabel ist, muss er möglichst frei von Messfehlern sein. Messfehlerquellen sind beispielsweise die Verfassung des zu untersuchendes Kindes am Testtag, die Durchführungsbedingungen, Zufallseinflüsse, wie Licht, Lärm etc. und das Verhalten des Untersuchers während der Testdurchführung.

Weiter gehört die Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit zu den Qualitätskriterien einer Sprachstandserhebung. Sowohl die Erst- als auch die Zweitsprache muss ausreichend in die Aufgabenkonzeption der Feststellung einfließen. Es langt nicht nur die Erst- oder nur die Zweitsprachfähigkeit zu testen.

Ein Sprachstandstest soll zudem brauchbar für die Praxis sein, das bedeutet, dass es der Person bzw. den Personen, die den Test durchführen, möglich sein muss ihn zum Beispiel im Kindergarten oder der Schule ohne Probleme anwenden zu können.

Des Weiteren soll die Erhebung des aktuellen Sprachstandes eine Möglichkeit aufzeigen, welche individuellen Fördermaßnahmen nach dem Test ergriffen werden müssen.

2. Drei Beispiele für Sprachstandsverfahren

a. Bayern - Hessen - Screening

Das Bayern - Hessen - Screening untersucht Schulanfänger, die Deutsch als Zweitsprache sprechen. Das Screening wurde durch Petra Hölscher vom Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung, Sigrid Luchtenberg von der Universität GH Essen und Eberhard Piepho, Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, erarbeitet.

Seit April 2002 ist dieses Verfahren im Einsatz und im Schuljahr 2005/2006 wurden in etwa 6400 Kinder getestet.

Der Test soll ohne großen Zeitaufwand und ohne Testerfahrung der Lehrkräfte durchführbar sein.

Bei der Einschulung, also im Alter von sechs Jahren, wird die Sprachfähigkeit von Kindern mit Deutsch als Nichtmuttersprache durch den Test eingeschätzt und festgestellt, ob das Kind ohne weitere Fördermaßnahmen in eine Regelklasse eingeschult werden kann, ob zusätzliche Förderung nötig ist oder ob das Kind in eine Sprachlernklasse bzw. Übergangsklasse gehen soll mit dem Ziel später in eine Regelklasse wechseln zu können.

Vor der Testdurchführung werden persönliche Daten des Kindes, seiner Familie, dem familiären Migrationshintergrund und der Herkunftssprache erhoben. Wie das Kind in seiner Muttersprache agiert, wird durch eine Beobachtung festgestellt.

Das Bayern - Hessen - Screening wird durch eine Grundschullehrkraft durchgeführt und ist in vier Stufen unterteilt. Diese Stufenabfolge bietet zusammen mit der Dauer des Tests die Möglichkeit die Kinder individuell zu untersuchen. Die Dauer variiert zwischen 3 und 75 Minuten, wobei die Stufen eins bis drei 3-15 Minuten einnehmen und die vierte Stufe insgesamt 60 Minuten. Manche Kinder sind schon nach dem Durchlaufen der ersten Stufe fertig, andere müssen alle Stufen durchlaufen. Wenn ein Kind alle vier Stufen absolvieren muss, werden meist zwei Tage für die Durchführung des Tests eingeplant. 75 Minuten Konzentration und Motivation zu halten ist für Kinder von sechs Jahren zuviel verlangt.

Es werden bis zu fünf Kinder gleichzeitig beobachtet.

Das Screening misst inwieweit das Kind Fähigkeiten in der Produktion und dem Hörverständnis von pragmatischen, semantischen und diskursiven Qualifikationen besitzt und wie ausgeprägt die Kommunikationsfähigkeiten sind.

Die erste Stufe besteht aus einfachen Frage-Antwort-Konstruktionen mit denen ein erster sprachlicher Kontakt zum Kind geknüpft werden soll. Wenn das Kind auf die Fragen richtig antworten kann, ist sowohl die Stufe eins als auch der Test beendet und der Einschulung des Kindes in eine Regelklasse steht nichts im Wege.

In der zweiten Stufe wird ein Gespräch über ein Thema wie zum Beispiel „Lieblingsspeise", in der aus Stufe eins bekannten Frage-Antwort-Struktur, angeregt. Ist das Kind gesprächsbereit, zugänglich, versteht die ihm gestellten Fragen „im Wesentlichen" (vgl. Ehlich 2005), zeigt Neugierde und Kommunikationsfähigkeiten, wie selbst Fragen stellen, Mimik und Gestik, ist der Test an dieser Stelle beendet und wird in eine Klasse der Regelschule zugelassen.

In der dritten Stufe stellt die Grundschullehrkraft eine neue Gesprächssituation mit Hilfe von Bildern her mit dem Ziel ein freies Gespräch des Kindes zu evozieren. Die Lehrperson gibt dem Kind zudem Anweisungen und Aufforderungen, um sein Handlungsverständnis zu testen. Entspricht das Kind den Anforderungen der Stufe drei ist die Testdurchführung beendet und das Kind kann in eine Regelklasse eingeschult werden.

Die vierte und letzte Stufe ist gekennzeichnet durch die Beobachtung des Kindes in einer angeleiteten Spielsituation mit anderen Kindern. Die „Spielgruppe" besteht aus anderen zu testenden Kindern mit Migrationshintergrund und so genannten deutschen „Tutoren" (vgl. Ehlich 2005) im Alter von etwa 8 bis 10 Jahren. Die Interaktion des Kindes wird beim Durchlaufen von verschiedenen Spielstationen beobachtet. An den Spielstationen muss das Kind unterschiedliche Aufgaben im Bereich Nachsprechen, Frage-Antwort, Anweisung / Aufforderung und Narration bewältigen. „Vielfach geht es auch einfach nur darum, dass das Kind sich irgendwie deutschsprachig äußert" (vgl. Ehlich 2005). Alle Kinder, die die vierte Stufe absolvieren, erhalten anschließend sprachliche Förderung. Die individuellen Fördermaßnahmen resultieren aus der Beobachtung. Der Untersucher trägt seine Beobachtungen in einen Protokollbogen ein und stuft die Kinder in drei Kategorien ein:

A: Das Kind kann frei und ungehemmt sprechen, ist aufgeschlossen und äußert sich verständlich, wenn auch nicht fehlerfrei.

B: Die Motivation muss angeregt werden, das Kind wirkt unsicher und versucht sich verständlich zu machen, auch wenn ihm jede Äußerung Mühe bereitet.

C: Das Kind spricht so gut wie gar nicht, höchstens einzelne Worte, ist wenig motiviert und eher in sich gekehrt.

Bewertungen der Kategorien A und B führen zur Einschulung in die Regelschule mit individuellen Fördermaßnahmen. Wird das Kind häufig mit C bewertet wird es entweder in eine „Deutschlernklasse" eingeschult oder weiter auf eine Entwicklungsstörung getestet.

Kritik am Bayern - Hessen - Screening

Das Screening beschränkt sich zu sehr auf die Testung von kommunikativen Fähigkeiten. Die Sprache der Kinder wird nicht auf grammatikalische Aspekte hin untersucht und auch die Fehlerhäufigkeit und das vollständige Verständnis werden außen vor gelassen. Zusätzlich wird es vernachlässigt Fähigkeiten, die zur späteren Sprach- und Schriftaneignung wichtigen Fähigkeiten wie Hören, einfaches Lesen und Schreiben ausreichend zu testen. Die Analyse der sprachlichen Fähigkeiten sollte außerdem auch im muttersprachlichen Bereich durch eine kompetente Person erfolgen, damit eine Sprachbehinderung oder ähnliches ausgeschlossen werden kann. Denn ein Kind, welches in die Kategorie C eingestuft wurde, hat während der Testdurchführung zu wenig gesprochen, als das der Test ein Urteil über biologische Einschränkungen in der Artikulation Aufschluss geben könnte.

Die Validität des Tests ist zudem in Frage zu stellen. Kann ein Test, der hauptsächlich Aussagen über die kommunikative Fähigkeit eines Kindes macht, eine Prognose über die Entwicklung in der Zweitsprache treffen? Dafür müssten vor allem grammatikalische Qualifikationen getestet werden, aber auch phonische und morphologisch-syntaktische Qualifikationen müssen geprüft werden, um eine Aussage über den zukünftigen Verlauf treffen zu können.

Die Sprachstandmessung bietet zudem Angriffsfläche bei dem Blick auf die Objektivität. Die Beobachtung erfolgt durch nur eine Person, die keine Vorkenntnisse und keine Routine bei der Testdurchführung besitzt. Die Objektivität dieses Beobachtungsverfahren ist aufgrund dessen, dass der Untersucher in die Testsituation involviert ist, es keine Kontrolle durch eine zweite beobachtende Person gibt und der Untersucher allein Schlüsse aus der Testdurchführung ziehen muss, nicht ausreichend gegeben. Hinzu kommt, dass der Protokollbogen durch ein fehlendes Bewertungsraster zu viel Urteilsspielraum lässt, was wiederum die Objektivität einschränkt.

Welche Fördermaßnahmen lassen sich aus dem Bayern-Hessen-Screening ableiten?

Aufgrund der primären Beschränkung auf die Testung von kommunikativen Fähigkeiten und die Verständnisleistung des Kindes, ist es schwer dem Testergebnis geeignete Fördermaßnahmen zu entnehmen.

Die Fehlerhäufigkeit und die grammatikalische Richtigkeit werden außer Betracht gelassen, obwohl sich an dieser Stelle Anknüpfpunkte für eine Förderung ergeben würden.

Durch die evozierten Gesprächssituationen kann eine Aussage über das persönliche Naturell des Kindes gemacht werden. Ist es Fremden gegenüber eher offen oder verschlossen, lässt es sich leicht begeistern und motivieren, ist es gesprächsbereit oder eher schweigsam. Sprachlicher Förderungsbedarf wird aus diesen Aspekten nicht ersichtlich.

Das Verständnis wird nicht vollständig erfasst, richtige Aussprache und richtige Lautdifferenzierung sind auch eher hintergründlich. Es geht eher darum, ob das Kind auf Fragen antworten kann, ob es Anweisungen versteht, kommunikative Mittel richtig einsetzt und Rückfragen tätigen kann. Da aber keinen großen Wert auf Korrektheit der wenigen sprachlichen Äußerungen gelegt wird, ist es auch hier schwierig eine Entscheidung bezüglich der nötigen Förderung zu treffen.

Grundsätzlich könnte man die Aussprache des Kindes durch gezielte Sprechübungen fördern, zum Beispiel Sprachspiele, die Lautdifferenzierung durch Phonunterscheidungsübungen trainieren und das Verständnis durch viele bildhafte Beispiele verbessern.

b. Bärenstark

Die Berliner Sprachstandserhebung Bärenstark wird seit 2001 durchgeführt und untersucht Kinder eines Jahrgangs, mit und ohne Migrationshintergrund, sechs Monate vor dem Eintritt in die Schule, auf ihre Sprachkompetenz in Deutsch. Das Testergebnis soll Aufschluss über den Umfang des Förderbedarfs geben und an welchen Stellen das einzelne Kind unterstützt werden muss.

Die Resultate der Sprachstandmessung sollen in die Unterrichtsplanung einfließen und die Inhalte bestmöglich auf die Schüler zugeschnitten sein.

Bärenstark wird entweder durch einen Grundschullehrer, einen Vorschullehrer oder einen Erzieher in der Schule, der Vorschule oder in einer Kindertageseinrichtung durchgeführt und dauert insgesamt 30 Minuten, wobei die Auswertung pro Kind noch einmal 15 Minuten in Anspruch nimmt. Im Gegensatz zu dem Bayern - Hessen- Screening muss jedes Kind den gesamten Test durchlaufen.

Vor dem eigentlichen Test werden sowohl Daten über die Nationalität und den familiären Migrationshintergrund erhoben als auch über die Muttersprache.

Der Test ist in vier Aufgabenbereiche unterteilt und testet die Sprachfähigkeit und das Hörverstehen des Kindes in den Bereichen der Pragmatik 1, Semantik, Morphologie, Syntax und ganz besonders der Grammatik.

Wie schon im Namen des Verfahrens angedeutet, führt ein kleiner Bär durch den Test und ermöglicht den Testern schneller Kontakt zu dem Kind zu finden.

Der erste Aufgabenbereich überprüft inwieweit Bedeutungen von Wörtern beim Kind realisiert sind. Um das zu testen muss das Kind fünf Körperteile des Bären benennen und in den richtigen Plural setzen kann. Strukturen wie Frage - Antwort und Aufforderung - Durchführung werden in diesem Aufgabenbereich angewandt. Das Kind wird nach einem Punktesystem bewertet und erhält jeweils einen Punkt für die richtige Benennung der Körperteile und die richtige Pluralmarkierung.

Im zweiten Aufgabenbereich wird das Kind durch das pädagogische Personal dazu aufgefordert Handlungen anhand eines Bildes zu beschreiben. Es werden die richtige Subjekt-Verb-Objekt-Stellung und die korrekte Realisierung von Verbformen innerhalb eines Satzes getestet. Das Kind kann bis zu vier Punkte pro Satz erreichen.

Im Aufgabenbereich drei werden dem Kind zehn Bildkarten zum Thema Zoo vorgelegt, die sich im Detail unterscheiden. Das Kind soll die jeweiligen Unterschiede herausfinden und versprachlichen. Geprüft werden die kognitiven Fähigkeiten des Kindes als auch die Verwendung von Wortarten. Die Punktvergabe verläuft ähnlich wie im Bereich zwei. Die Höchstpunktzahl wird für die Korrektheit der Sätze und die Nennung des Unterschieds erreicht.

Im vierten und letzten Aufgabenbereich wird der Umgang mit Präpositionen untersucht. Kann das Kind unterschiedliche Präpositionen korrekt anwenden und auch Sätze mit einem Präpositionalobjekt bilden? Hierfür wird der Bär im Raum platziert und das Kind angeregt die Position des Bären zu versprachlichen. Für jede Präposition, die das Kind richtig benannt hat, bekommt es einen Punkt, wie auch für die richtige Satzkonstruktion mit einem Präpositionalobjekt.

Es lassen sich in den vier Bereichen der Sprachstandserhebung Bärenstark höchstens 100 Punkte erreichen.

Bei einer Punktzahl von 80-100 benötigt das Kind laut Test keine Fördermaßnahmen.

Im Bereich von 60-79 Punkten ist eine Sprachförderung nötig, und unter 60 Punkten sogar eine intensive Sprachförderung.

Kritik an Bärenstark

Ein großes Manko des Tests ist die fehlende Unterscheidung von einheimischen und nicht einheimischen Kindern in Bezug auf die anstehenden Fördermaßnahmen.

Zudem wird deutlich, dass die muttersprachliche Kompetenz von Kindern mit Migrationshintergrund außen vor gelassen wird, wie schon bei dem Bayern - Hessen - Screening. Wenn man sich nur auf die Fähigkeiten des Kindes in der schwächeren Sprache beschränkt und die Leistungen, die das Kind in der stärkeren Sprache erbringt, außer Acht lässt, erhält man ein verzerrtes, der Realität nicht entsprechendes Bild über den Entwicklungsstand und die Leistungsfähigkeit des Kindes. Es ist wichtig die Muttersprache während des Erlernens einer Zweitsprache nicht zu vernachlässigen, da dies sonst im Gegenzug negative Konsequenzen auf den Erwerb der Zweitsprache haben kann.

Des Weiteren werden die Kinder nicht auf Sprachentwicklungsstörungen getestet, was für den weiteren erfolgreichen Verlauf des Zweitsprachlernens von enormer Wichtigkeit ist.

Bärenstark legt großen Wert darauf, dass die korrekte Subjekt-Verb-Objekt-Stellung im Mündlichen realisiert ist. Im mündlich-situativen Sprachgebrauch ist es aber durchaus legitim und normal, dass grammatikalische Strukturen anders verwandt werden als im Schriftlichen. Auslassungen von Redeteilen, die für das Verständnis des Satzes nicht relevant sind, kommen im mündlichen Sprachgebrauch häufig vor. Daher ist die Testung der richtigen SVO-Stellung im Mündlichen nur bedingt angebracht.

Das Testergebnis soll die Basis für die Erstellung eines Sprachprofils sein. Allerdings schafft es die Punkteverteilung nicht Problematiken in sprachlichen Bereichen aufzudecken. Erst die vom Untersucher geführten Protokollbögen über die Äußerungen des beobachteten Kindes kann eine Aussage über mögliche Fördermaßnahmen in bestimmten Bereichen machen.

Die Durchführung des Sprachstandsverfahren hat zudem einen hohen Anspruch an den Prüfer, da dem Kind auf der einen Seite möglichst viel Raum für sprachliche Äußerungen gegeben werden soll, diese auf der anderen Seite aber auch möglichst gut und genau protokolliert werden müssen. Die pädagogischen Testleiter beschreiben sich in der Durchführung der Messung und der Auswertung selbst als unsicher. Diese Unsicherheit hat verfälschende Auswirkungen auf das Testergebnis.

Positiv muss aber bemerkt werden, dass der Test durch die Leitfigur des Bären und die angemessenen Themen kindgerecht gestaltet ist.

Zudem fixiert sich Bärenstark nicht zu stark auf einen Aspekt, wie es im Bayern-Hessen-Screening der Fall ist, sondern prüft den Wortschatz des Kindes, die grammatikalische, artikulatorische und die kommunikative Fähigkeit. Es kann eine bessere Prognose über die weitere sprachliche Entwicklung der Kinder mit und ohne Migrationshintergrund gemacht werden.

Welche Fördermaßnahmen lassen sich aus Bärenstark ableiten?

Der ausgewertete Test macht zum größten Teil eine Aussage zu den Fähigkeiten des Kindes in den Bereichen der Grammatik und der Syntax. Fallen hier Lücken oder Fehlerhäufigkeiten auf, kann durch entsprechende Übungen entgegen gewirkt werden.

Ganz wichtig ist auch, dass die Artikulation des Kindes geprüft wird. Kann das Kind Laute nicht richtig artikulieren, können Lautbildungsübungen eine Hilfe sein, allerdings nur wenn Beeinträchtigungen der Artikulationsorgane auszuschließen sind. Bei der Artikulation des [r], wie in Roland, kann das Kind zunächst dem Therapeuten an den oberen Hals fassen und fühlen wie die Stimmbänder bei der Verlautlichung vibrieren, um später zu wissen, wann es den Laut richtig und wann falsch artikuliert hat. Wiederholende Nachsprechübungen zu diesem Laut sollten dann dazu führen, dass das Kind über kurz oder lang lernt den Laut richtig zu bilden.

Bei einem zu kleinen Wortschatz kann ähnlich wie bei Kleinkindern mit Bilderbüchern gearbeitet werden. In diesem sollten sich Gegenstände, Tiere, Verben, Farben und Adjektive finden lassen. Das Kind wird seinen Wortschatz schnell erweitern. Besonders geeignet ist diese Wortschatzvergrößerung bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache, die noch nicht lange Deutsch sprechen oder bislang zu wenig deutsche Wörter verinnerlicht haben.

Der Test lässt auch eine Aussage über die kommunikativen Fähigkeiten eines Kindes zu. Fallen hier Probleme auf, können Vertrauens- und Teamspiele und Übungen zum Thema Mimik und Gestik mit Hilfe von Bildmaterial, die Kommunikation verbessern. Bei vielen Kindern mit Migrationshintergrund reicht schon eine bessere Kenntnis in der Sprache Deutsch aus, um die Kommunikation mit Gleichaltrigen zu steigern.

c. Delfin-4

Delfin-4 ist die Abkürzung für Diagnostik, Elternarbeit, Förderung der Sprachkompetenz in NRW bei 4-Jährigen und wurde von Lilian Fried, Universität Dortmund, und ihrem Team im Auftrag der Landesregierung Nordrheinwestfalen entwickelt.

Das Verfahren wird bei allen Kindern zwei Jahre vor Schuleintritt angewandt und soll den aktuellen Sprachstand der Kinder erfassen. Zusätzlich können Risikobereiche in der Sprachentwicklung der Kinder und somit mögliche Fördermaßnahmen aufgedeckt werden. Hierzu wird überprüft inwiefern die Sprache der Kinder dem Alter entspricht und wie gut sie dem Deutschen mächtig sind. Getestet werden sowohl Kinder mit Deutsch als Erstsprache, als auch Kinder mit Deutsch als Zweitsprache.

Die Sprachstandsmessung hat an sich selbst den Anspruch möglichst objektiv, valide und reliabel zu sein.

Der Test ist in zwei Stufen unterteilt und wird von zwei Erziehern in einem Kindergarten oder einer Kindertageseinrichtung durchgeführt. Ein Erzieher ist in die Testsituation involviert und leitet die Kinder, ein anderer beobachtet und protokolliert das Geschehen und trägt es in einen vorgefertigten Beobachtungsbogen ein.

Die erste Stufe, das so genannte Grobscreening, durchlaufen alle zu testenden Kinder. Das Verfahren kann gleichzeitig mit vier Kindern durchgeführt werden und dauert in etwa 25 Minuten.

In der Stufe eins wird mit den Kindern das Spiel „Besuch im Zoo" gespielt. Das Spiel besteht aus einem Spielplan, der einen Zoo mit verschiedenen Tiergehegen zeigt mit einem Rundweg der durch den Zoo führt. In der Mitte des Spielplans liegen vier verschiedene Aufgabenkartenstapel, die jeweils durch ein anderes Tier gekennzeichnet sind. Jeder Stapel hat einen anderen Aufgabenbereich. Die Kinder suchen sich eine Spielfigur aus und starten den Rundgang durch den Zoo. Am Ende des Spiels haben die Kinder alle vier Aufgabenbereiche bearbeitet und erhalten eine Tierbastelvorlage passend zu der Spielfigur, die sie ausgewählt hatten. Die Bastelvorlage ist als Anerkennung und Bestätigung der kindlichen Leistungen zu verstehen.

Die Aufgabenbereiche bestehen aus den Items Nachsprechen von Sätzen, Handlungsanweisungen ausführen, Kunstwörter nachsprechen und Erzählen. Durch diese Bereiche soll die Sprachentwicklung in den Disziplinen Morpho - Syntax, Lexik - Semantik, Metasprache/Arbeitsgedächtnis und Pragmatik getestet werden (vgl. Fried, Delfin-4 Informationsveranstaltung 2007).

Am Ende der ersten Stufe werden die Kinder nach altersgemäßer und nicht-altersgemäßer Sprachentwicklung getrennt. Die vier Aufgabenbereiche sollen einfach und schnell Auskunft über die Sprachentwicklung der Kinder geben können.

In einem Aufgabenbereich muss das Kind Sätze nachsprechen.

So wird getestet, wie gut das grammatische Kenntnissystem ausgeprägt ist.

Das Kind soll sowohl kurze, als auch lange, komplexe Sätze nachsprechen. Es wird zum einen gefordert sinnvolle Wortfolgen zu reproduzieren, als auch zum anderen sinnlosen Folgen. Für die Reproduktion von sinnlosen Wortfolgen wird mehr grammatisches Wissen benötigt, da kein Sinnzusammenhang, der die Reproduktion erleichtern könnte, vorhanden ist.

Kann ein Kind sowohl die sinnvollen als auch die sinnlosen Sätze nachsprechen, hat es ein gut ausgebildetes grammatisches System inne.

In einem anderen Aufgabenbereich soll das Kind Kunstwörter nachsprechen. Die Spielbegleitung fordert das Kind auf Kunstwörter nachzusprechen, die potentielle Namen für ein Tier im Zoo sein könnten.

Das Nachsprechen von so genannten Unwörtern oder Nichtwörtern testet wie gut das Kind ihm unbekannte lexikalische Einheiten im phonologischen Arbeitsspeicher behalten und reproduzieren kann.

Ein weiterer Aufgabenbereich fordert Handlungsanweisungen ausführen zu können.

Der Spielleiter gibt dem Kind Anweisungen bestimmte Handlungen mit seiner Spielfigur auf dem Spielplan zu vollziehen.

So wird getestet, ob das Kind auch komplexe Anweisungen verstehen und in eine Handlung umsetzen kann.

Im letzten Aufgabenbereich muss das Kind eine kleine Geschichte erzählen.

Dem Kind wird ein Bild vorgelegt und anschließend ermutigt zu erzählen, was es auf dem Bild erkennen kann und was gerade auf dem Bild geschieht. Der Spielbegleiter kann dem Kind Hilfestellung leisten.

Zum Schluss wird das Kind noch nach seinem Lieblingstier gefragt.

Ziel dieses Aufgabenbereiches ist die Feststellung der Fähigkeiten des Kindes eine kleine Geschichte zu strukturieren und auszugestalten. Die spontanen Sprachäußerungen, die das Kind während der Bilderzählung macht, können auf Probleme in der Grammatik und der Lautbildung verweisen.

Die Auswertung der Stufe eins erfolgt durch den Protokollanten, der alle sprachlichen Äußerungen und Reaktionen des Kindes während des Spiels aufgezeichnet hat und dem Erzieher, der die Kinder durch das Spiel geleitet und Hilfestellungen gegeben hat.

Kinder, die in der ersten Stufe durch nicht dem Alter entsprechende Sprachentwicklungen aufgefallen sind, durchlaufen anschließend die Stufe 2 des Sprachstandsverfahren Delfin-4.

In der zweiten Stufe werden die einzelnen Kinder noch einmal ganz individuell getestet, um Schwächen und Stärken herausarbeiten zu können. Dieses Feinscreening der Kinder dauert in etwa 35 Minuten und ermöglicht es genaue Bereiche, in denen Fördermaßnahmen nötig sind, zu kennzeichnen und die Stärken der Kinder zum positiven Verlauf der Förderung mit einzusetzen.

In der Planung und der Durchführung der Maßnahmen werden die Eltern mit einbezogen um eine bestmögliche Förderung zu ermöglichen.

Kritik an Delfin-4

Im Gegensatz zu dem Bayern-Hessen-Screening und Bärenstark werden im Vorfeld des Tests keine Daten über den Migrationshintergrund der Familie und die Muttersprache erhoben.

Zudem wird auch in diesem Screening keine Trennung zwischen Deutschmuttersprachlern und Deutschzweitsprachlern vorgenommen. Delfin-4 kann allerdings durch das individuelle Feinscreening von auffälligen Kindern ein genaues Sprachprofil entwerfen, egal ob bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache oder Deutsch als Zweisprache. Zu bemängeln ist aber wie auch schon bei den beiden anderen Sprachstandsmessungen, dass die Leistungen der ausländischen Kinder NICHT auch in der Erstsprache getestet werden.

Besonders gut an Delfin-4 ist die Durchführung durch zwei Personen. So kann sich der Protokollant voll und ganz auf die Beobachtung der Kinder konzentrieren. Das erhöht die Objektivität des Testverfahrens.

Dadurch dass Delfin-4 mit anderen Sprachstandstests zusammenarbeitet, können Probleme gut und vor allem gültig erkannt werden und Risikobereiche der einzelnen Kinder aufgedeckt werden.

Das kindgerechte Spiel „Besuch im Zoo" und der positive Verstärker (Bastelvorlage) am Ende des Spiels sind sehr positiv einzustufen.

Allgemein ist Delfin-4 ein wesentlich besser gelungener Test zur Überprüfung der Sprachkompetenzen als das Bayern-Hessen-Screening und Bärenstark. Die Einhaltung von Objektivität, Validität und Reliabilität werden stark berücksichtigt, zudem werden viele sprachliche Bereiche in kindgerechter Form getestet. Es wird den Untersuchern durch vorgefertigte Protokollbögen und die Zusammenarbeit mit einem Kollegen vereinfacht eine Aussage über die sprachlichen Leistungen eines Kindes machen zu können.

Welche Fördermaßnahmen lassen sich aus Bärenstark ableiten?

Der Test erlaubt es Probleme in unterschiedlichen sprachlichen Bereichen der Kinder festzustellen und einen geeigneten Förderplan zu erarbeiten.

Im Aufgabenbereich Kunstwörter nachsprechen bietet sich zum Beispiel ein Anknüpfpunkt bei der Testung des phonologischen Arbeitsspeichers. Bei auffallenden Problemen an dieser Stelle ist es wichtig eine Förderung anzuschließen, da man herausgefunden hat, dass bei einem Kind mit einem nicht voll ausgebildeten Arbeitsgedächtnis ein höheres Risiko besteht eine Lese-Rechtschreibschwäche zu entwickeln. Die Verlautlichung muss durch spezifische Aufgaben geübt werden.

Im Bereich Bilderzählung können die narrativen Fähigkeiten eines Kindes getestet und mögliche Förderstrategien entwickelt werden. Übungen könnten sein, dass Kind an jedem Beginn einer Förderstunde über das Wochenende, sein Haustier oder ähnliches zu fragen, vorausgesetzt ein Kind mit Deutsch als Zweitsprache hat bereits einen Deutschwortschatz, der ihm das Erzählen erlaubt. Ansonsten muss zunächst an der Steigerung des Wortschatzes gearbeitet werden.

Wichtig ist, dass die Eltern in die Förderung mit eingeschlossen werden. So können sie zu Hause mit ihren Kindern üben und den Erfolg der Förderung verbessern.

3. Quellenverzeichnis

Literatur:

- „Anforderungen an Verfahren der regelmäßigen Sprachstandsfeststellung als Grundlage für die frühe und individuelle Förderung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund", K. EHLICH, Bonn /Berlin 2005.

- Seminarunterlagen aus „Psychologische Diagnostik und Intervention", TRÖSTER, FRANKE, NACHBAR, Dortmund 2007.

Internetquellen: (Inhalte entnommen am 5. März 2007)

- www.fb12.uni-dortmund.de/institute/isep/image_store/elementarbereich _info_2007.pdf

- www.schulministerium.nrw.de/bp/presse/konferenzen14lp/2007/sprachstand/fried/index.html

- www.ph-freiburg.de/ew1/person/roeber/publikationen/studierende/hp_roeber _mueller_kindergarten_pisa-pdf



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