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Das Leselernbuch 'Konfetti': Eine Hilfe zum Lesen lernen?

Das Leselernbuch 'Konfetti': Eine Hilfe zum Lesen lernen?
Hausarbeit
Datum: 02. Januar 2011 Autor: Einstein1708 Kommentare: 0

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Beschreibung:

Interessante Ausarbeitung über das Leselernbuch 'Konfetti'.


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Das Leselernbuch 'Konfetti': Eine Hilfe zum Lesen lernen?


1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Lesebilderbuch „Konfetti" aus dem Verlag Diesterweg. Das Lesebuch wurde erarbeitet von Astrid Gebert, Wilhelm Holthus, Rita Mölders, Mechthild Pieler und Gerti Sinzinger und erschien 1998 in Frankfurt am Main.

Die zentrale Fragestellung, die gleichzeitig auch den roten Faden der Arbeit darstellt, beschäftigt sich damit, inwieweit das besagte Lesebuch eine Hilfe für den Erwerb der Lesefähigkeit für Kinder sein kann. Es wird untersucht, welche Aspekte eine Hilfe sein können, welche vielleicht eher hinderlich für manche Kinder sein können, sowie welche theoretischen Schwerpunkte dahinter stehen. Hierfür wurde eine Seite des Leselernbuches ausgewählt, anhand derer die Fragestellung bearbeitet wird, da eine ganzheitliche Analyse des Buches zu weit führen würde. Bei diesem Text handelt es sich um einen Kinderreim, der aus fünf Zeilen besteht.

In einem ersten Teil wird das Leselernbuch einleitend vorgestellt, die Kapitel benannt, sowie die ausgewählte Seite inhaltlich vorgestellt. In einem zweiten Teil werden wissenschaftliche Theorien und Fakten dargestellt, die in Zusammenhang mit erfolgreichem Erlernen der Lesefähigkeit stehen. Es wird auf den Leselernprozess eingegangen, sowie auf die Bedeutung von Reimen für den Erfolg des Lesenlernens. Hierbei stützt sich die Arbeit auf die Erkenntnisse von Leonhard Blumenstock sowie auf das Zwei-Wege-Modell nach Gerheid Scheerer-Neumann. Diese Arbeit kann natürlich nur auf ausgewählte Theorien des Schriftspracherwerbs eingehen, da dies sonst zu weit führen würde.

Weiterhin wird die ausgewählte Seite mit Hilfe eines Stufenmodells nach Leonhard Blumenstock analysiert und es wird dargestellt, welche Möglichkeiten und Perspektiven sich daraus für Kinder ergeben, die das Lesen erlernen wollen und vielleicht dazu unterschiedliche Vorraussetzungen mitbringen. In einem Fazit werden zentrale Ergebnisse nochmals ausgeführt und erläutert.

2. Das Leselernbuch „Konfetti"

Das Leselernbuch „Konfetti" ist keine Fibel der herkömmlichen Art und Weise, d.h. sie hat keine inhaltliche Progression der Buchstaben. Sie besteht schon auf den ersten Seiten und in den ersten Kapiteln aus zusammenhängenden Texten, in denen nahezu alle Buchstaben bereits enthalten sind. Die Fibel stammt aus dem Jahr 1998. Auf den Rückseiten des Einbandes befinden sich Anlauttabellen, in denen die Buchstaben nach Vokalen und Konsonanten getrennt aufgelistet sind. Kapitel der Fibel sind „Tiere", „Sport", „Essen und Trinken", „Dinosaurier", „Bücher, Filme und Computer", „Weltall", „Wünsche und Träume", „Autos" und „Hexen und Gespenster". Es wird schnell klar, dass die Themen aus der Lebenswelt der Kinder stammen und keineswegs aus sinnfreien Sätzen oder Satzfragmenten bestehen, wie es in anderen Fibeln oft der Fall ist. Diese Geschichten und Informationstexte des Buches sind sinnvoll, da sie die Kinder motivieren zu lesen und deren Neugier wecken. „Kinder erleben die Sprache als Medium für schöne Geschichten, erhalten auf diese Weise einen Zugang zu erzählter Handlung [...]. Die erzählten Geschichten liefern Übungsstoff zum Lesenlernen".[1] Geschichten, die das Interesse der Kinder wecken sind somit also wesentlich förderlicher, wenn es darum geht die Lesemotivation der Kinder zu stärken. Wenn die Geschichten dann auch noch ansprechende Bilder bieten, die den Inhalt der Geschichte nicht sofort verraten, ist es für die Kinder noch erstrebenswerter, das Lesen zu erlernen, um hinter die Bedeutung der Bilder zu gelangen.

"Wird Lesen von Anfang an im sinnvollen Kontext echter Geschichten geübt, so ist damit eine wichtige Botschaft verknüpft, die den Leselernprozess gleich in die richtigen Bahnen lenkt: Lesen ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Es kann mir Unterhaltung verschaffen. Ich habe etwas davon, wenn ich es lerne".[2]

Darüber hinaus befindet sich in oben genanntem Leselernbuch auch ein kleines

Übungsheft für jedes Kind, in dem sich kleine Lese - Malspiele befinden, die auf den Inhalten des Buches aufbauen.

Der Text, der in dieser Arbeit genauer betrachtet werden soll, befindet sich in der „Konfetti - Fibel" auf der Seite 70. Er trägt den Titel „Hexenreim" und ist zum Abzählen gedacht. Zu finden ist der Text im Kapitel „Hexen und Gespenster". Der kleine Reim besteht aus fünf Zeilen und zwei Paarreimen. Hinterlegt ist er mit einer bunten Zeichnung der Hexen (siehe Anhang).

3. Wissenschaftlicher Hintergrund

3.1. Der Leselernprozess

„Lesen setzt Einsicht in die Funktionsweise der Schrift voraus: Unsere Schrift ist eine Laut-Buchstaben-Schrift, die die lautliche Struktur der Sprache in Schriftzeichen überträgt"[3], so Blumenstock in den ersten Sätzen seines Buches zu den Leseübungen.

Anders formuliert könnte man sagen, dass die Kinder lernen müssen, welcher Laut in unserer Sprache durch welchen Buchstaben unseres Alphabets repräsentiert wird. Daher sollte diese Phonem-Graphem-Korrespondenz im Vordergrund aller Leseübungen stehen. Wenn dieser Zusammenhang nachvollziehbar geworden ist, ist das Kind theoretisch befähigt, alle Texte lesen zu können. Blumenstock stellt die Bedeutung der sprachlich-akustischen Fähigkeiten in den Mittelpunkt des Lesenlernens. Hierfür unterscheidet er folgende vier Bereiche: „Artikulation/Lautbildung (Wörter korrekt sprechen, Laute korrekt bilden), Lautunterscheidung (Laute akustisch im Wort und als Einzellaute unterscheiden), Lautanalyse (Einzellautanalyse gegenüber Anfangs-, Binnen- und Endlauten), Lautsynthese (Verbindung der isolierten Normallautreihe zu einem gesprochenen Wort)".[4]

Besonders wichtig für den Erwerb der Lesefähigkeit sind die Fähigkeit der Lautanalyse und die Lautverbindungsfähigkeit.[5] Das Kind sollte in der Lage sein, einen Laut sicher zu erkennen, von anderen Lauten zu unterscheiden (Lautdiskrimination), sowie die erlesenen Laute zu einem Wort zusammenzusetzen. Dieser Vorgang wird häufig auch Lautsynthese genannt.

Wichtig ist dabei auch, die gesprochene Sprache für die Kinder in eine Verbindung zur geschriebenen Sprache zu bringen. Blumenstock benennt für dieses Hauptprinzip drei zentrale Punkte:

„- Der erste Laut im gesprochenen Wort entspricht dem ersten Buchstaben im geschriebenen Wort;

- der letzte Laut im gesprochenen Wort entspricht dem letzten Buchstaben im geschriebenen Wort;

- ein Laut im Wortinneren entspricht auch einem Buchstaben im Wortinneren".[6]

Es ist dabei von großer Wichtigkeit, dass die Kinder dieses Hauptprinzip verinnerlichen, verstehen und es nie vergessen, da es die Grundlage für erfolgreiches Lesen darstellt. Jeder Buchstabe stellt darüber hinaus immer einen bestimmten Laut dar und dies ändert sich nicht. Befolgen die Kinder diese Prinzipien und werden diese oft genug gefestigt und geübt, steht einem erfolgreichen Leselernprozess kaum noch etwas im Weg.

Jedoch ist „gerade bei einem so komplexen Prozess wie dem Lesen die Gefahr groß, dass Kinder sich falsche oder einseitige Lesestrategien aneignen".[7] Lesen ist nicht bloßes Lautaneinanderreihen, es gehören auch andere Quellen dazu, denen sich der Leser bedienen muss, um den Sinn des Gelesenen erfassen zu können. „Wir unterscheiden zwischen wortinternen Informationsquellen (Buchstaben, Buchstabengruppen wie z.B. Silben, Signalgruppen und Morpheme), textinternen Informationsquellen (semantische Zusammenhänge, syntaktische Einschränkungen und Textstrukturen) sowie außersprachlichen Informationsquellen (Bilder oder Situationskontext)".[8] All dies sind Angaben, die der Leser beachten muss, wenn er einen Text lesen will. Wer sich einen Text erschließen will, der benötigt auch ein gewisses Maß an semantischem Wissen. Wenn Kinder nicht wissen, was eine „Hexe" ist und welche Konnotationen mit dem Begriff verbunden werden, dann ist es nicht möglich, einen Text über Hexen sinnvoll zu erlesen. Zwar ist es möglich, Worte zu lautieren, jedoch kann dies nicht sinnvolles Lesen genannt werden, da keine Sinnerfassung vorgenommen wird.

Nach dem Zwei-Wege-Modell von Gerheid Scheerer-Neumann steht das so genannte „innere Lexikon" im Mittelpunkt, da dort alle Merkmale und Bedeutungen der Worte, die das Kind kennt, gespeichert sind. Scheerer-Neumann unterscheidet zwei Wege, über die Kinder lesen können. Der erste Weg wird der lautorientierte, indirekte Weg genannt. Bei dieser Methode nutzen Kinder ausschließlich die Phonem-Graphem-Korrespondenz und die Synthese, um das richtige Wort zu lesen, jedoch nicht den angebotenen Kontext. Nachdem das Kind erlernt hat, andere Informationsquellen zu Hilfe zu nehmen, liest es auf dem direkten Weg. Dies geht schneller, hat jedoch am Anfang häufiges Verlesen zur Folge. Der fortgeschrittene Leser macht sich beide Wege zu Nutze und erhält so eine gute Methode, um schnell und sinnerfassend lesen zu können. Er lautiert sowohl die einzelnen Phoneme, achtet jedoch auch auf den Kontext und erschließt sich auf diese Weise Texte.[9]

3.2. Die Bedeutung von Reimen für den Leselernprozess

Reime können für Kinder, die das Lesen erlernen, eine große Hilfe sein, da sie einen Rhythmus besitzen und so leicht zu sprechen sind. Das Sprechen von Reimen bringt außerdem rhythmische Grunderfahrungen, die man auch in anderen Lernbereichen nutzen kann.[10] Auch das Lesen und Sprechen in Reimen ist einfacher, da man bestimmte Worte schon unbewusst erwartet und so beim Lesen nicht „überrascht" wird. Darüber hinaus können Reime auch eine unterhaltende Funktion haben und so für das Lesen motivierend wirken. Reime, die vielleicht sogar mimisch und gestisch unterstützt werden, bereiten den Kindern Freude und wirken sich auch positiv auf die Lautdiskrimination aus. Dadurch, dass die meisten Reime sich nur durch ein Phonem unterscheiden und so Minimalpaare bilden, wird den Kindern der Unterschied der beiden Laute besonders deutlich. Auch die Längen der einzelnen Laute werden transparent, da sich nur Reime ergeben, wenn die Längen der Phoneme identisch sind.

Reime sind Texte, die auch mit einer bestimmten Betonung gelesen werden sollten, damit sie ihre volle Wirkung entfalten können. Auch müssen Pausen eingehalten werden, damit das Reimschema deutlich wird. Daher ist das Lesen oder Vortragen von Reimen und Gedichten besonders förderlich für das Sprachgefühl. Außerdem trägt „die schöne Sprache von Reimen zur Bereicherung des Wortschatzes und der Sprachkompetenz bei".[11]

Reime und Gedichte, in denen bestimmte Buchstaben häufig zu finden sind, dienen der Merkfähigkeit und vertiefen den Buchstaben und das zugehörige Phonem im Gedächtnis des Lesers. „Da die Reime in Beziehung zu einer Geschichte und dem dazugehörigen Bild stehen, wird beim Rezitieren beides durch entsprechende Assoziationen gedanklich aktiviert und ebenfalls wiederholt und verstärkt".[12] Außerdem ist es wichtig, dass Kinder auch die spezifische äußere Form eines Gedichtes oder Reims kennen lernen, um so ein Gedicht von einer anderen Textform unterscheiden zu können.

Es wird deutlich, dass Reime, Lieder und Gedichte eine zentrale Rolle im Leselernprozess spielen und für die Kinder eine große Hilfe sein können.

4. Analyse der ausgewählten Seite

Der ausgewählte Reim besteht aus fünf Zeilen und reimt sich in zwei Paaren. Es handelt sich um einen Abzählreim für das Versteckspiel.

Nimmt man das Stufenmodell der Buchstabenprogression nach Blumenstock zur Hilfe sollten die Kinder, die diesen Reim lesen wollen, mindestens auf der dritten Stufe seiner vorgeschlagenen Reihenfolge der Buchstaben bzw. Laute sein, denn der vorliegende Text enthält Buchstaben, die in der Häufigkeitsrangreihe weit hinten stehen, wie etwa „x". Dieser Laut bereitet besondere Schwierigkeiten, da er doppelt gesprochen wird, nämlich .[13]

Um eine möglichst genaue Analyse des Reimes hinsichtlich seiner Funktion für den Leselernprozess zu erreichen, ist es sinnvoll, alle Worte einzeln zu analysieren. Die Stufen der Buchstabenreihenfolge sind nach einem Vorschlag von Leonhard Blumenstock.[14]

Zunächst wird die Überschrift betrachtet: „Hexen-Reim" besteht aus zwei Worten. Dies setzt voraus, dass die Kinder wissen, was der Bindestrich in der Mitte zu bedeuten hat und wie er gelesen werden muss. Der Strich verbindet zwei Worte zu einem Wort und das heißt, dass man zwischen den Worten keine Pause machen darf, um ihre Zusammengehörigkeit darzustellen. Als erstes muss der Hauchlaut „h" bekannt sein, dieser gehört nach Blumenstock der zweiten Stufe an. Weiterhin folgt der Vokal „e", der in einer geschlossenen, langen Form gut zu lautieren ist. Hier findet der Leser jedoch die kurze Form vor, die erst in der zweiten Lesestufe zu finden ist. Der Laut „x" muss den Kindern bekannt sein und sie müssen wissen, wie er innerhalb eines Wortes lautiert wird. Wie oben bereits gesagt, findet man diesen Laut erst in der dritten Stufe aufgrund seiner besonderen Lautierung. Dann folgt der Nasallaut „n", der auch in der ersten Stufe erlernt werden sollte, da die Nasallaute „n" und „m" häufig in Wörtern zu finden sind. Das Wort „Reim" beginnt mit dem Zitterlaut „r", der akustisch sehr gut einzuführen ist, da er sehr prägnant ist. Auch er gehört nach Blumenstock zur ersten Stufe. Das „ei" gehört zur Reihe der Diphthonge und diese werden den Kindern in der zweiten Stufe der Buchstabenreihenfolge näher gebracht. Den Diphthong „ei" muss ein Leser auswendig lernen, da das bloße Zusammenziehen der einzelnen Laute nicht zum richtigen Ergebnis führt. Auch muss den Kindern klar sein, dass „ei" nicht gleich „ai" ist. Das Wort „Hexenhaus" hingegen ist ein Kompositum, das aus zwei verschiedenen Nomen besteht. Neu hinzu kommen der Diphthong „au" sowie der Reibelaut „s", der jedoch optisch sehr einprägsam für Kinder ist und daher in der ersten Stufe enthalten ist. Das Wort „und" ist ein Bindewort und muss von den Kindern so oft gelesen werden, dass sie es auf Anhieb erkennen und nicht mehr lautieren müssen. Der Vokal „u" ist leicht zu lautieren also auch leicht zu schreiben, er kommt darüber hinaus häufig in Namen vor und gehört daher der ersten Stufe an. Der Explosivlaut „d" ist leicht zu hören, kann jedoch häufig mit dem Laut „t" verwechselt werden, da er schnell wieder verklungen ist. Daher sollten später Diskriminationsübungen folgen. Sie gehören laut Blumenstock in die zweite Stufe. Das Adjektiv „schwarzer" beginnt mit dem Reibelaut „sch", der in der zweiten Stufe intensiv erlernt werden muss. Es folgt sofort ein weiterer Reibelaut „w", der vom Reibelaut „v" unterschieden werden muss. Auch muss die Verbindung der beiden Laute „sch" und „w" eingeübt werden, da dies ziemlich schwer zu lautieren ist. Für den Vokal „a" gilt das gleiche wie für den Vokal „u", er kommt fast noch häufiger in Namen vor und ist daher einer der ersten Buchstaben, den die Kinder erlernen sollten. Der Laut „z" gehört der dritten Stufe an, da er doppelt gesprochen wird () und nicht besonders häufig benutzt wird. Eine wichtige Silbe ist „er", da sie in vielen Worten vorkommt und so auswendig gelernt werden kann. Auch das folgende Wort endet auf dieser Silbe. Das Wort „Kater" beginnt mit dem Explosivlaut „k", der den Partner „g" an der Seite hat. Für die beiden Laute gilt das gleiche wie für „d" und „t". Das Wort „Fledermäuse" enthält weitere schwierige Laute. Man beginnt mit dem Reibelaut „f", der der ersten Stufe entspricht und akustisch nicht vom Buchstaben „v" unterschieden werden kann. Es folgt der Lateralengelaut „l", der in Kombination mit „f" schwierig zu lesen ist. Ein Laut der dritten Stufe ist der umgelautete Diphthong „äu", da er schlicht erlernt werden muss und Kinder ihn von „eu" trennen lernen müssen. Sinnvoll sind Übungen der Pluralbildung in diesem Zusammenhang. Das Wort „als" ist wie das Wort „und" ein Element, dass die Kinder schnell auswendig gelernt haben und somit rasch abrufen können. „Berater" beginnt mit dem Explosivlaut „b" und ist somit in der zweiten Stufe zu erlernen. Auch hier sollten spätere Übungen zur Unterscheidung zwischen „b" und „p" stattfinden, da beide Laute schnell wieder verklungen sind und sich sehr oft gleichen. An dieser Stelle findet sich wieder die Silbe „er", die sich auf die vorangegangene Zeile mit „Kater" reimt. Somit ist der erste Paarreim abgeschlossen. Das Wort „Hexenmus" ist ein Kompositum, wie auch das vorangegangene „Hexenhaus". Wichtig ist dabei, dass der Vokal „u" lang gesprochen wird, da der Reibelaut „s" nicht doppelt auftritt. Dies steht im Gegensatz zu „Zauberkuss", in dem das „u" kurz lautiert wird und der folgende Konsonant doppelt auftritt. Daraus folgt natürlich auch eine andere Lautierung, da „ss" stimmlos ausgesprochen werden muss. Die beiden Komposita „Hexenmus" und „Zauberkuss" stehen dicht beieinander, so dass dem Kind der Unterschied zwischen langem und kurzem Vokal deutlich wird. „Mus" und „Kuss" reimen sich nicht, da der angehörige Vokal einmal lang und einmal kurz gesprochen wird. So wird nochmals klar, was es bedeutet, wenn zwei Worte sich reimen. Außerdem sind die Worte „Hexenmus" und „Zauberkuss" Fantasieworte, die es nicht gibt. Dies garantiert, dass die Kinder sie noch nie gelesen haben. So sind sie gefordert, aus zwei bekannten Worten beim Lesen ein Wort zu bilden. Im Wort „Zauberkuss" findet sich darüber hinaus nochmals die Silbe „er", die so wiederholt wird. Das Wort „du" ist ein Element, das die Kinder sehr schnell auswendig gelernt haben sollten, da es aus zwei einfachen Lauten besteht. „Bist" beginnt mit einem Explosivlaut der zweiten Stufe gefolgt von einem kurzen Vokal der ersten Stufe, da „i" sehr leicht zu schreiben und zu lautieren ist. Das Element „st" ist schwierig, da man unterscheiden muss zwischen und . Die dazugehörigen Worte müssen als Lernwörter geübt werden. Im Wort „suchen" befindet sich ein stimmhaftes „s", gefolgt von einem langen Vokal „u". Danach folgt ein besonderer Laut der dritten Stufe „ch", da es zwei völlig verschiedene Arten der Aussprache gibt. Die Darstellung der Buchstaben lässt leider keinen Schluss auf die Aussprache zu, das heißt Wörter, die diese Laute beinhalten, müssen einzeln geübt werden. Das letzte Wort im Abzählreim ist „muss", das sich auf „Kuss" reimt. Auch hier findet sich wieder der kurze Vokal im direkten Gegensatz zur langen Variante in „suchen".

Darüber hinaus ist es für den Leselernprozess wichtig, auf Vokallängen zu achten. Hier eignen sich Reime besonders gut, da sich nur Worte reimen können, die dieselbe Vokallänge in der letzten Silbe aufweisen. Nur so kann ein reiner Reim entstehen. Der vorliegende Reim enthält sehr viele Vokale, wobei er sich hauptsächlich auf die Laute „e, a und u" konzentriert. Der Vokal „o" findet sich gar nicht im Text, während der Vokal „i" nur einmal auftritt. Auffallend ist, dass die drei Vokale gehäuft in langer und kurzer Form enthalten sind. An der Stelle „schwarzer Kater" befindet sich erst ein kurzes gefolgt von einem langen in „Kater". Auch das in „Berater" ist lang und steht im Gegensatz zum vorangegangenen kurzen in „als". Den Vokal „u" findet man in kurzer und langer Form in „Hexenmus und Zauberkuss". Dies wiederholt sich eine Zeile weiter in „suchen muss". Auch hier findet man einen kurzen und einen langen Vokal in unmittelbarer Nähe zusammen. Außerdem wird auch die Regel eingeführt, dass nach kurzem häufig ein doppelter Konsonant folgt. Auch zum Vokal „e" gibt es lange und kurze Versionen, so zum Beispiel in „Fledermäuse". Das erste „e" ist lang, während die anderen „e" eher kurz gesprochen werden. Darüber hinaus wird im Reim auch auf den Unterschied zwischen dem Diphthong „au" und seiner umgelauteten Version „äu" eingegangen: „Hexenhaus" und „Fledermäuse". Auch dies dient dazu, den Leser auf den Unterschied in der Lautierung aufmerksam zu machen.

Ein besonderer Schwerpunkt im Reim wird auf das Wort „Hexe" gelegt, da es insgesamt dreimal benutzt wird. So wird der schwierige Laut „x" oft benutzt und wird dadurch gefestigt. Darüber hinaus werden viele Komposita verwendet, die teilweise auch Fantasieworte sind, die ein Kind nicht in seinem Wortschatz haben kann wie beispielsweise „Zauberkuss" oder „Hexenmus". Vielleicht kennen die Kinder die Worte „Zauber" und „Kuss", erwarten diese jedoch nicht in zusammengesetzter Form. Daher ist man dazu angehalten, die Worte sehr genau zu lesen und hinzuschauen, da man diese nicht erraten kann. Darüber hinaus haben viele Worte im „Hexen-Reim" eine bestimmte Länge, die die Anzahl von neun Buchstaben pro Wort übersteigt. Mit elf Buchstaben ist das Wort „Fledermäuse" das längste und das Wort „du" ist mit zwei Buchstaben das kürzeste. Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass der Fünfzeiler einen ganzen Satz darstellt und es so keine Lesepausen gibt, die einen Satz beenden. Jedoch kann man, was die Länge der Zeilen angeht, eine Steigerung beobachten: die erste Zeile ist die kürzeste, mit nur einem Wort und im weiteren Verlauf des Reimes werden die Zeilen immer länger. Da man erst am Ende einer Zeile eine Pause machen sollte, werden die Abschnitte der Buchstaben, die erlesen werden sollen, immer länger und somit schwieriger.

Ebenso ist auch das Hintergrundbild eine wichtige Sache. Es handelt sich um eine Zeichnung, die die Hexen darstellt. Das Bild zu diesem Reim hat hier eine textverweisende bzw. eine textergänzende Funktion.[15] Die Zeichnung gibt genau das wieder, was im Text beschrieben wird, verrät jedoch nicht den Inhalt des Reimes. Sie ist ansprechend bunt ausgemalt und zeigt kleine Hexen, die den oben beschriebenen Abzählreim gerade durchführen. Im Hintergrund sieht man die „Fledermäuse als Berater" sowie den „schwarzen Kater", der zu den Füßen der kleinen Hexen sitzt.

5. Didaktische Begründung

Geht man nach den drei Stufen der Buchstabenprogression von Leonhard Blumenstock, dann muss ein Kind, das den vorliegenden Reim lesen möchte, in der dritten Stufe angekommen sein. Gerade Laute wie „x" oder „ch" sind äußerst schwierig zu lesen und gehören daher der dritten Stufe an. Ein Reim bedarf außerdem einer entsprechenden Betonung; daher haben fortgeschrittene Leser mehr Freude an einem Abzählreim.

Um auf das Zwei-Wege-Modell nach Scheerer-Neumann zurückzukommen, muss man betrachten, welche Leser es einfacher haben, den Reim zu lesen. Kinder, die mit der lautorientierten Methode lesen, werden auch in der Lage sein, den Abzählreim zu lesen. Sie sind jedoch gezwungen, die einzelnen Buchstaben aneinander zu lautieren, was bei der Länge der einzelnen Worte schwieriger ist, als bei kurzen Worten. Ein Vorteil des Reimes ist, dass man ihn schnell auswendig kann und so nach mehrmaligem Lesen schon geübt ist. Kinder, die auf dem direkten Weg lesen, nehmen auch andere Informationsquellen zu Hilfe. Hier ist es hilfreich, zuerst das Bild zu betrachten und sich so den Text zu erschließen. Aufgrund der auftretenden Fantasieworte ist es jedoch oft nicht leicht aus anderen Quellen heraus das Wort lesen zu können. „Zauberkuss" ist ein unbekanntes Wort, das nicht im Wortschatz der Kinder vorkommt und dies kann vermehrt zu Lesefehlern führen. Fortgeschrittene Leser lesen durch eine Kombination der beiden Wege und erleichtern sich so das Lesen des Reimes mit den unbekannten Worten. Sie lautieren Worte, die ihnen nicht bekannt sind und erschließen sich Worte wie „Hexe" oder „Kater". Oft gibt es auch Worte, die ein fortgeschrittenes Kind schon auswendig kennt, wie etwa „du" oder „und". Dies macht es sich dann auch zunutze, indem es diese Worte schnell erkennt.

Wolfgang Menzel hat in seinem Buch „Lesen lernen - schreiben lernen" Kriterien aufgestellt, anhand derer klarer wird, in wie weit eine Fibel nützlich ist für den Leselernprozess der Kinder. Wichtig sind für Menzel der Fibelinhalt, die Fibelsprache, die Illustrationen als auch die angewandten Methoden in der Fibel.[16] Zum Fibelinhalt zählen der Realitätsbezug und die Textauswahl. Die Fibel „Konfetti" vereint alle wichtigen Aspekte für die Kinder. Sie geht auf die Schule als neues Erfahrungsfeld für die Kinder, auf die Welt außerhalb der Schule und auch auf Fantasiewelten ein. Aus diesem Kapitel stammt auch der ausgewählte „Hexenreim". Die vorliegende Fibel stellt eine Kombination aus Leselehrgang und Sachbuch dar, da auch viele Informationstexte zu finden sind. Außerdem sind auch unterschiedliche Textsorten zu finden: es gibt Sachtexte, Geschichten, Reime etc. Darüber hinaus finden die Kinder viele Verweise auf Kinderbücher, Filme und Texte von anderen Kindern über deren Wünsche oder Gewohnheiten.

Besonders wichtig ist die Fibelsprache, da sie Aufschluss gibt über die didaktische Grundlage des Leselehrganges. Im vorliegenden Reim liegt eine Buchstabenprogression vor. Es fällt auf, dass viele schwierige Buchstaben nicht häufig zu finden sind. Darüber hinaus kommen sie immer im selben Kontext vor, z.B. „x" immer in „Hexe", nie in einer anderen Verbindung. Einfache Verbindungen jedoch, in denen Vokale benutzt werden sind häufiger zu finden.

Die Kinder werden zum Spiel mit Sprache ermuntert und gerade ein Abzählreim ist natürlich schön, da Kinder ihn sich leicht merken können und sich so die verwendeten Worte und ihre Schreibweise leichter einprägen. Ein Abzählreim ist ja auch ein Sprachspiel, das die Kinder ermuntern kann, selbst eines zu erfinden oder das vorhandene nach eigenen Wünschen abzuändern.

Methodisch gesehen arbeitet der Abzählreim mit Schlüsselwörtern wie „Hexe" oder „Fledermaus". Dies sind Lernwörter, die sich bei den Kindern festigen sollen. Es ist förderlich für die eigene Kreativität, Reime zu lesen und zu erlernen. Die Fibel arbeitet durchgängig mit der Ganzsatzmethode. Dies wird durch die integrierten Anlauttabellen unterstützt, mit deren Hilfe die Kinder sich die Texte erschließen können. So sollen sich die Buchstaben und die Laute für die Kinder miteinander verbinden und sich festigen. Mit der Zeit soll die Anlauttabellen immer weniger genutzt werden. In der Ganzsatzmethode ist der Ausgangspunkt die Sinneinheit des gesprochenen Satzes. Es soll ein ganzheitliches Erfassen der Satzgestalt erfolgen.[17]

6. Fazit

Um zurück zur zentralen Fragestellung zu gelangen, muss man sich nun fragen, in wie weit der besagte Reim bzw. die ganze Fibel förderlich ist und somit den Leselernprozess erleichtern kann. Zunächst einmal ist es positiv, dass wichtige Buchstaben häufig zu finden sind und in ständig wechselnden Kontexten wiederholt werden. Es handelt sich hierbei um verschiedene Textarten, Lesespiele oder auch Sachgeschichten. Auch die Zusammenhänge zwischen Wort und Bild sind ansprechend gestaltet und verleiten die Kinder zum Lesen. So werden verschiedene Quellen miteinander verbunden und das Lesen wird erleichtert. Der oben behandelte Text ist ein Abzählreim, der für die Kinder leicht zu erlernen ist und so erheblich die Lesemotivation steigern kann. Ferner kann das Erlernen und Lesen von Reimen das Sprachgefühl des Kindes fördern (siehe oben). Auch die verschiedenen Lernwörter, wie beispielsweise „Hexe", werden in verschiedenen Zusammenhängen wiederholt und so dessen Schreibweisen im Gedächtnis des Lesers gefestigt. Auch eine Buchstabenprogression ist teilweise vorhanden, da die meisten Buchstaben, die im Text verwendet werden, aus Blumenstocks ersten beiden Stufen stammen. Die Buchstaben der dritten Stufe, wie „x", werden nur in ausgesuchten Lernwörtern benutzt, so dass die Kinder sich an die schwierige Lautierung langsam gewöhnen können. Auch die Anlauttabellen im Einband der Fibel sind sehr nützlich und können eine gute Gedächtnisstütze sein. Leider ist von Nachteil, dass sie nicht parallel genutzt werden können, sondern das Kind die Seite immer wieder zuschlagen muss, um nachsehen zu können. Weiterhin kann es schwierig für leseschwache Kinder sein, sofort alle Buchstaben erkennen zu müssen. Dies kann unter Umständen zu Verwirrung führen. So ist die Gefahr groß, dass Kinder nicht lesen, sondern nur die Bilder der Fibel betrachten. Darüber hinaus kann dies auch zu Frustration und Misserfolg der Kinder führen. Nimmt man jedoch den vorliegenden Reim, dann können alle Kinder damit arbeiten, denn man kann ihn immer wieder lesen oder aber nach mehrmaligem Hören des Textes auswendig aufsagen und auf die Schriftsprache schließen. So können auch schwächere Kinder lesen. Daher kann der „Hexen-Reim" eine Hilfe für alle Kinder sein. Dies führt wieder zu oben beschriebenem Zwei-Wege-Modell nach Scheerer-Neumann, da die Kinder sowohl die Möglichkeit haben, den direkten, als auch den indirekten Weg zu wählen. So kann jeder nach seinen Möglichkeiten das Lesen erlernen.

7. Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

Gebert, Astrid/Holthus, Wilhelm/Mölders, Rita u.a.: „Konfetti. Lesebilderbuch". Frankfurt a.M. 1998.

S. 70.

Sekundärliteratur:

Blumenstock, Leonhard: „Handbuch der Leseübungen. Vorschläge und Materialien zur Gestaltung des

Erstleseunterrichts mit Schwerpunkt im sprachlich-phonologischen Bereich".7.Aufl. Weinheim und Basel 2004.

Buchner, Christina: „Neues Lesen - neues Schreiben. Vom Lesefrust zur Leselust". Kirchzarten bei

Freiburg 2003.

Gümbel, Ruth: „Erstleseunterricht. Entwicklungen - Tendenzen - Erfahrungen". 5. Aufl. Frankfurt a.M. 1980.

Menzel, Wolfgang: "Lesen lernen - schreiben lernen". Braunschweig 1990.

Wedel-Wolff, Annegret von: „Üben im Leseunterricht der Grundschule". Braunschweig 1997


[1] Buchner, Christina: „Neues Lesen - neues Schreiben. Vom Lesefrust zur Leselust". Kirchzarten bei Freiburg 2003. S. 16.

[2] Buchner, Christina: a.a.O. S. 17.

[3] Blumenstock, Leonhard: „Handbuch der Leseübungen. Vorschläge und Materialien zur Gestaltung des Erstleseunterrichts mit Schwerpunkt im sprachlich-phonologischen Bereich".7.Aufl. Weinheim und Basel 2004. S. 7.

[4] Blumenstock, Leonhard: a.a.O. S. 11.

[5] vgl. Blumenstock, Leonhard: a.a.O. S.11.

[6] Blumenstock, Leonhard: a.a.O. S.12.

[7] Wedel-Wolff, Annegret von: „Üben im Leseunterricht der Grundschule". Braunschweig 1997. S. 53.

[8] Wedel-Wolff, Annegret von: a.a.O. S. 54.

[9] vgl. Wedel-Wolff, Annegret von: a.a.O. S.57.

[10]vgl. Buchner, Christina: a.a.O. S. 67.

[11] vgl. Buchner, Christina: a.a.O. S. 71.

[12] Buchner, Christina: a.a.O. S. 79.

[13] vgl. Blumenstock, Leonhard: a.a.O. S. 15.

[14] vgl. Blumenstock, Leonhard: a.a.O. S. 14f.

[15] vgl. Menzel, Wolfgang: "Lesen lernen - schreiben lernen". Braunschweig 1990. S. 74 - 82.

[16] vgl. Menzel, Wolfgang: a.a.O. S.74-82.

[17] vgl. Gümbel, Ruth: „Erstleseunterricht. Entwicklungen - Tendenzen - Erfahrungen". 5. Aufl. Frankfurt a.M. 1980. S. 207.



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