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Umgang mit Kinderlyrik in der Grundschule

Umgang mit Kinderlyrik in der Grundschule
Hausarbeit
Datum: 02. Januar 2011 Autor: frieda_k Kommentare: 0

Zusätzliche Informationen:

Dabei wird die Theorie zum Umgang mit Kinderlyrik in der Grundschule genauso berücksichtigt wie die praktische Umsetzung.

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Beschreibung:

Es handelt sich bei der Hausarbeit um eine Theorie-Praxis-Verbindung zum (Kinder-) Buch 'Der beste Hund der Welt' von Sharon Creech.


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Umgang mit Kinderlyrik in der Grundschule


Umgang mit Kinderlyrik in der Grundschule

Einleitung

Nicht nur der Lehrplan, auch ein Großteil der Deutschdidaktik der Grundschule geht davon aus, dass Kinder schon in frühester Kindheit lernen, spielerisch mit Sprache umzugehen und Spaß dabei empfinden, Lieder zu lernen, Reime zu hören, sie auswendig zu lernen und selbst aufzusagen. Nichtsdestotrotz muss man in unserer vielfältig medial durchdrungenen Welt berücksichtigen, dass den meisten Schülern Kinderlyrik „als geformte Sprache, die sich der Elemente Klang, Reim und Rhythmus bedient" eher fremd ist und man als Deutschlehrer durchaus keine einheitlichen vorliterarischen Erfahrungen voraussetzen kann[1]. Zwar existieren in der Umwelt vieler Kinder durchaus lyrische und poetische Sprachformen, doch werden diese, eingebettet in Werbeslogans oder Liedtexte, nicht qualitativ wahrgenommen und so beginnen viele Schüler im Umgang mit (Kinder-) Lyrik quasi bei Null[2] .

Geht man von einem tendenziell abnehmenden Leseinteresse bei Kindern und Jugendlichen aus (vor allem bei Jungen ab dem 10. Lebensjahr verdrängen Medien wie das Fernsehen und der Computer das Buch)[3], ist gerade bei der Auswahl der Inhalte und Themen der lyrischen Texte darauf zu achten, dass sie „dem Erfahrungsbereich der Kinder angemessen sind", sie ansprechen und im günstigsten Fall berühren[4]. Literarisches (in diesem Falle lyrisches) Lernen impliziert immer auch das subjektive Angesprochen sein. Dieses ist die Grundlage für den nachfolgenden Prozess des Selbstverstehens und Selbstausdrückens und trägt dazu bei, dass Wünsche, Ängste oder Konflikte formuliert werden können.

Außerdem ist es wichtig, dass die ausgewählte (Kinder-) Lyrik Formen aufweist, „die die besondere poetische Sprechweise repräsentieren", schließlich ist eines der Ziele im Umgang mit Kinderlyrik die „ästhetische Sensibilisierung" für die Eigenart und Besonderheit dieser Gattung[5]. „Eine enge Verbindung von Lesen und Schreiben kann die schriftlichen Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder erweitern und zugleich die Vertrautheit mit literarischen Formen verstärken"[6]

Wünschenswert ist außerdem „eine stärkere Aufmerksamkeit für Poesie [im Alltag, d. V.] und ein vermehrtes Interesse an der bildhaften, rhythmisierten Sprache, an ihrer Komprimierung und Einfachheit"[7]. Derartige schreib- und literaturdidaktische Zielsetzungen verbinden sich in einem produktiv-handelnden Umgang mit Kinderlyrik.

Dieser Beleg wird sich mit einem Werk beschäftigen, das die Gattungsgrenzen zwischen Epik und Lyrik verwischt und eindrucksvoll Beispiel von einer gelungenen lyrischen Didaktisierung gibt. Anhand des Büchleins „Der beste Hund der Welt" von Sharon Creech[8] wird eine Unterrichtseinheit entworfen, die versucht, Schüler nicht nur für dieses Buch, sondern die darin enthaltene erwachende Liebe zur Lyrik aufzuschließen.

Meine Absicht ist es, anhand des Büchleins von Creech, zum einen kreative und produktive Formen im Umgang mit Kinderlyrik vorzustellen und aufzuzeigen, dass Gedichte ganz und gar nichts „Trockenes" und schon gar nicht nur „etwas für Mädchen" sein müssen. Zum anderen geht es um einen interessanten und motivierenden Zugang zu Ganzwerken. Auch gegen eine „Verniedlichung" und übermäßige Kindgerechtheit (z. B. durch die alle Klassenstufen durchziehende Form des Elfchens) möchte ich plädieren: Gerade bei einem individuellen Zugriff hat sich gezeigt, dass sich Schüler durchaus schon mit „sehr anspruchsvollen Texten beschäftigen", und auch Themen wie Tod, Sehnsucht oder Verlust, die wir als Lehrer eher meiden würden, aufgreifen[9] .

1 „Der beste Hund der Welt" - Werkanalyse

1.1 Inhaltliches

Das kleine epische Werk entpuppt sich schon auf den ersten Seiten als das (Lern-) Tagebuch des Jungen Jack, der im Literaturunterricht gerade amerikanische Lyrik behandelt und von seiner Lehrerin, Ms. Stretchberry, Schritt für Schritt an dieses Genre herangeführt wird. Auf nur 92 Seiten sammelt Jack seine Gedanken, Originalgedichte, Ausschnitte aus tatsächlichen (oder nur fiktiv geführten) Gesprächen, Briefe, Selbstgeschriebenes, eben alles das, was im Zusammenhang mit seinen Literaturstunden steht. Dabei vollzieht sich Seite für Seite eine Entwicklung. Zuerst hält Jack Gedichte vor ziemlichen Unsinn, auch dem Schreiben von Gedichten verweigert er sich. Doch indem seine Lehrerin nicht locker lässt und ihren Schülern immer neue Werke vorsetzt, thematisch und stilistisch ganz verschiedene, schafft sie es, Neugier und echtes Interesse an Lyrik zu wecken. Schließlich wird es ihr gelingen, dass Jack (und seine Mitschüler) selbst Gedichte schreiben, inspiriert von den „richtigen" Dichtern, von Vorbildern, an denen man sich orientieren kann und denen man auch schon mal ein paar Wörter oder Strukturen „klauen" darf. Auf diesem Weg lernt Jack etwas ganz Wichtiges: Dass Lyrik ganz unterschiedlich aussehen kann und dass man mit ihr - und das wird Spuren hinterlassen - Gefühle äußern kann. Bereits nach etwa einem Viertel des Buches entspinnt sich eine zweite Gedanken- und Gefühlsebene von Jack, eine traurige und nachdenkliche. Sie wird die Geschichte seines (inzwischen toten) Hundes Sky erzählen und all die Gefühle ans Tageslicht befördern, die Jack bislang verdrängt hat. Erst auf der allerletzten Seite findet sich dann das Produkt von Jack's innerem (und äußerem) Entwicklungsprozess: Ein ganz kleines, liebevolles Gedicht über Sky.

1.2 Formales

Das kleine epische Werk von Sharon Creech ist ein poetisches Tagebuch in Versform, quasi eine „Gedichte-Geschichte". Die Eintragungen sind sparsam und kommen mit wenigen Worten aus. Sie enthalten neben Jacks Gedankengängen und Gefühlsäußerungen[10] Auszüge aus fiktiven oder tatsächlichen Dialogen mit seiner Lehrerin, Ms. Stretchberry,[11] sowie Zitate von Originalgedichten[12]. Die Sprache des Buches weist an den Tagen, an denen Jack selbst „produziert", jugend- bzw. kindersprachliche Elemente auf, enthält an den Stellen, wo Originalgedichte abgedruckt oder behandelt werden, jedoch viele hochsprachliche Elemente. Eine besondere Betonung und optische Hervorhebung erfahren einzelne Wörter durch Klein-, Groß- oder Kursivdruck sowie Mehrfachnennung (toll-toll-toll-toll; mich-mich-mich).

Insgesamt scheint es, als sei kein Wort zu viel verloren. Vieles ist nicht „explizit", sondern „zwischen den Zeilen" verborgen und muss erschlossen werden. Dabei helfen die ebenfalls sparsam verwendeten Illustrationen von Rotraut Susanne Berner. Diese „geistern" durch das Büchlein wie der Geist des toten Hundes Sky. Sie erwecken ihn neu zum Leben und verweisen auf ihn bereits an den Stellen, an denen Jack selbst noch nichts über seine traurigen Gefühle zu wissen scheint. In fast idealtypischer Weise unterstreichen sie die „leisen" Züge der Geschichte[13].

2 Didaktisierung - Hinweise und Anregungen

„In den gegenwärtigen bildungspolitischen Diskussionen hat der Begriff Lesekompetenz Konjunktur; sie gilt als die wichtigste Schlüsselqualifikation, die in der Grundschule vermittelt werden muss"[14]. Folgt man dieser Tendenz, so sind die zu erwerbenden Lesestrategien vor allem auf ein informationsermittelndes Lesen gerichtet und „an pragmatischer Nützlichkeit orientiert"[15].

Doch welchen Stellenwert nimmt im Rahmen dieser Diskussion die literarästhetische Kinderliteratur (mit ihren Gedichten und Geschichten) ein? Welche Rolle kommt dem literarischen Lernen heute noch zu und welche Begründung gibt es für eine Verankerung im Lehrplan?

Lesemotivation und Lesefreude sind sicherlich die Grundlage jedes Lese-Lern-Prozesses. Doch literarisches Lernen impliziert eben nicht nur die Lust am Lesen, sondern auch den Erwerb literaturbezogener Kompetenzen[16]. Diese richten sich vor allem auf eine „ästhetische Sensibilisierung" der Schüler und umfassen neben einem „Vertrautwerden" mit literarischen Ausdrucksmöglichkeiten und Mustern auch das stilistische Gespür, das Kinder in der Begegnung mit „richtiger" Literatur entwickeln sowie das Gefühl des „subjektiven Angesprochenseins"[17].

Für den fast spielerischen Erwerb derartiger Kompetenzen steht das Büchlein „Der beste Hund der Welt". Wenn man es genau nimmt, ist es eine einzige Didaktisierungsgeschichte, ein Plädoyer für literarästhetisches Lernen und dafür, was es bei Schülern bewirken kann. Es ist hierin - auf den ersten Blick - für (angehende) Lehrer sicher interessanter ist als für die noch in der Entwicklung begriffenen Schüler. Nichtsdestotrotz erzählt das Büchlein eine hübsche Geschichte über die Kraft der Poesie - und die ist für Schüler und Lehrer gleichermaßen interessant und motivierend.

2.1 Lehrplanbezug

Die Auseinandersetzung mit „Texten unterschiedlicher Art" (vgl. LP Klassenstufe 1/2, Ziele) - und Gedichten im Besonderen - zieht sich durch den gesamten Lehrplan der Grundschule[18]. Interessant ist, dass der Lyrik bereits in der als Einheit zu betrachtenden Klassenstufe 1/2 der gesonderte Wahlpflichtbereich 4 „Lieblingsgedichte" eingeräumt wird. Es obliegt dabei dem Lehrer, die 14 vorgesehenen Unterrichtsstunden auf die Klassenstufe 1 und 2 zu verteilen. Innerhalb des Wahlpflichtbereiches 4 ist vorgesehen, dass die Schüler „Einblick gewinnen in die Vielfalt von Gedichten", sie sammeln, sortieren, vortragen bzw. sie anhören. Dabei werden Kategorien wie Anlässe, Themen und Dichter eingeführt. Außerdem taucht der Hinweis zur Zusammenstellung eines Gedichtbandes oder einer Gedichtwand auf. Zweiter Unterpunkt des Wahlpflichtbereiches 4 ist das „Gestalten von und mit Gedichten". Hier wird der „wahrnehmungsintensive" Zugang betont und angeraten, eine übertriebene Entschlüsselung zu vermeiden. Es fällt auf, dass der „sinnliche" Zugang im Vordergrund stehen soll - und mit ihm das Gespür für Reim, Rhythmik und Melodik. Auch erste eigene Reimversuche sind in diesem Zusammenhang vorgesehen.

Obwohl diese beiden Klassenstufen Gedichten ein angemessenes Zeitbudget einräumen und im Zusammenspiel mit den Lernbereichen „Lesen/Mit Medien umgehen" und „Für sich und andere schreiben" optimale Rahmenbedingungen für die Behandlung des Buches im Unterricht bieten würden, möchte ich die Vorgaben des Lehrplans lediglich als Grundlagen nutzen und die anschließende, 8 Unterrichtsstunden umfassende Unterrichtseinheit einer 3. Klasse zuordnen.

Die Lektüre des Buches erscheint mir in Klasse 3 (oder 4) günstiger, da die Schüler dann über eine höhere Lese- und Schreibsicherheit verfügen, ihr Urteils- und Reflexionsvermögen hinsichtlich Inhalt und Sprache besser ausgebildet ist und sie einige wesentliche genrespezifische Textmerkmale kennen werden. Außerdem erscheint es mir sinnvoll, das ausführlich erprobte Grundlagenwissen aus Klasse 1 und 2 aufzugreifen und zu ergänzen. Dass dafür in den Vorgaben für Klasse 3 und 4 nicht explizit Zeit eingeräumt ist, finde ich bedenklich. Gerade in der weiteren Entwicklung von Schülern wird Musik bzw. werden Liedtexte eine immer größere Rolle spielen. Wenn man es als Lehrer schafft, den Schülern positive Begegnungen mit Lyrik zu ermöglichen, werden sie sich auch im Jugendalter an die Verbindung von Gedicht und Songtext erinnern und vor allem daran, wofür Lyrik „gut" sein kann: nämlich um Gefühle zu äußern und etwas in Worte zu fassen, was, egal in welcher Altersstufe, unter der Oberfläche „brodelt". Dies nur in Klasse 1 und 2 anzusprechen, erscheint mir nicht „nachhaltig" genug.

Mit Verweis auf den Lernbereich „Lesen/Mit Medien umgehen" der Klassenstufe 1/2 haben sich die Schüler bisher mit differenzierten, auch geschlechtsspezifischen Textangeboten auseinandersetzen können, habe freie Lesezeiten genutzt und individuelle Entscheidungen bzgl. Lesestoff, Lesezeit und Leseort treffen dürfen. Auch das Lesen von Ganzschriften verschiedener Autoren und das Führen eines Lesetagebuches war in diesen Klassenstufen bereits vorgesehen.

Die Stunden für den nachfolgenden Entwurf einer Unterrichtseinheit sind in Klasse 3 den Lernbereichen „Für sich und andere schreiben", „Sprechen und Zuhören" sowie „Lesen/Mit Medien umgehen" entnommen. Sie verbinden den mündlichen mit dem schriftlichen Sprachgebrauch, basieren auf der Anwendung der Lese- und Schreibtechnik und sollen die Schüler mit der Vielfalt im Umgang mit Texten vertraut machen. Dabei ist es beabsichtigt, den Schülern neben der Kompetenz im Umgang mit Methoden vor allem Sozialkompetenz und ästhetisches Empfinden zu vermitteln.

2.2 Planung einer Unterrichtseinheit (Umfang: 8 Std. + 2 Std. Vorbereitung)

Obwohl „Der beste Hund der Welt" genau genommen kein Gedicht, sondern ein episches Werk ist, stelle ich die Behandlung sowie die Lektüre des Stoffes in engen Zusammenhang mit der Gattung Lyrik. Es scheint mir günstig, das Werk entweder begleitend zur Auseinandersetzung mit Lyrik einzusetzen oder am Ende einer entsprechenden Unterrichtseinheit. Der folgende Entwurf nutzt das Büchlein als „Begleiter" und Ideengeber. Auf diese Weise ermöglicht es den Schülern eine Orientierung für den eigenen Umgang mit Lyrik, kann als Wiederholung des bereits Gelernten und selbst Erprobten dienen und zur Festigung des Wissens über Lyrik wie auch zur Ausbildung eines Reflexionsvermögens beitragen. Indem die Schüler auf Grundlage des Buches produktiv- handelnd mit Gedichten umgehen, ist ein ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand gegeben. Eine emotionale Lesehaltung ist intendiert: Erst durch das subjektive Angesprochen-Sein kann sich der Stundenverlauf aktiv und lebendig entwickeln. Durch die Arbeit an und mit dem Text findet eine optimale Verbindung von Textrezeption und -Produktion statt.

Der Entwurf setzt die oben genannten, im Lehrplan verankerten Grundlagen aus Klasse 1 und 2 voraus, in denen eine Auswahl an Gedichten bereits behandelt worden ist. In diesem Zusammenhang wurden Themen wie die Jahreszeiten verarbeitet und lyrische Formen wie Haikus, Elfchen, Was-ich-mag-Gedichte und ABC-Gedichte vorgestellt und selbst angefertigt[19]. „Für eine persönliche Beziehung zur Lyrik reicht ein einmaliger Kontakt [jedoch, d. V.] nicht aus. Die Kinder sollten eine Reihe prägender Erfahrungen machen, die ihnen dabei helfen, sich der Lyrik zu öffnen"[20].

Als allgemeine Lernziele der sich in Klasse 3 anschließenden Unterrichtseinheit sind (in Anlehnung an den Lehrplan) folgende Punkte zu nennen: Die Schüler wenden die Lesetechnik an und verbessern ihre Lesesicherheit. Sie vertiefen und erweitern ihr Wissen zu den Textsorten „Gedicht" und „Erzählung" und lernen Verfahren zum sinnverstehenden Lesen kennen (u. a. das Formulieren von Vermutungen über die Absicht des Autors, Äußern und Belegen von Gedanken zum Text). Indem sie mit Sprache spielen, Reime finden, vorgegebene Texte verändern, Gedichte verändern, weiterschreiben bzw. selbst Gedichte verfassen, wenden sie ihr Sprachwissen auf das Schreiben von Texten an, erweitern ihr Wissen zu Textmustern und sprachlichen Mitteln und wenden formale Mittel zur Gestaltung ihrer schriftlichen Arbeiten an. Dabei wird das ästhetische Empfinden geschult.

2.3 Aufbau der Unterrichtseinheit

Std.

Thema

Inhalte und Ziele

Methode/Medien

Kompetenzbereich

1.[21]

Was weiß ich über Lyrik?

Was kann Lyrik?

Was war/ist mein Lieblingsgedicht?

- Wiederholung der Grundkenntnisse zu Reim und Gedicht

- Mitteilen von eigenen Erfahrungen aus Klasse 1/2

- Positionierung: welche Einstellung habe ich zur Lyrik?

- Erinnern an den eigenen Gedichtband à Motivation zur weiteren Arbeit an und mit diesem

Gesprächskreis

Arbeit mit dem in Klasse 1 begonnenen Gedichtband

Förderung der Methodenkompetenz und der Sozialkompetenz: Anwenden des mündlichen Sprachgebrauchs im Gespräch über Gedichte, Einhalten von Gesprächsregeln

2.

Begegnung mit verschiedenen lyrischen Formen

- Anwendung der Kenntnisse zu Reim und Gedicht (in spielerischem Umgang mit Lyrik)

Stationsarbeit (3 von 5 Stationen müssen bearbeitet werden)

  1. Bildgedichte anfertigen
  2. Ich- oder Du-Gedicht verfassen
  3. Gedicht-Ver-Flix

(Zeilen sortieren)

  1. Achtung: Hier wird gereimt
  2. Lebensweg-Gedicht

Untersuchen von Sprache à Anwenden von Sprachwissen & Kennen von Merkmalen ausgewählter Texte (Gedichte und ihre Formen-Vielfalt)

à ästhetisches Empfinden

à Methodenkompetenz: Beachten/Realisieren der Aufgabenstellung

3.

Der beste Hund der Welt (Einstieg)

- Formulieren von ersten Eindrücken (sachbezogenes Miteinandersprechen)

- sich positionieren

- Anwenden von Gesprächsregeln

- Übertragung von Regeln aufs Schriftliche: Beteiligung am Schreibgesprächs

- Hinführung zum Buch: Coverbesprechung - Was würdet ihr von diesem Buch erwarten?

Schreibgespräch (in Gruppen mit 4-5 Schülern)

Gesprächskreis (nach Auswertung der Schreibgespräche & gemeinsamem Begutachten der Blätter)

à Methodenkompetenz: Regeln des Schreibgesprächs einhalten

à Sozialkompetenz beim Miteinander-Sprechen/ Aufeinander-Eingehen

à Lernkompetenz

4.

Der beste Hund der Welt (Erarbeitung)

- Erarbeitung von Merkmalen, Entdecken von Strukturen

- Anwenden der Lesetechnik

- Äußern und Begründen von Vermutungen

Zum Einstieg wird Jacks Gedicht von S. 13 über den OHP an die Wand geworfen. Kurze Einordnung ins Werk. Spricht es die Sch. an?

gemeinsames Lesen (S. 11-14)

Dann wird die „Vorlage" von S. 11 daneben gelegt. Was hat Jack gemacht? Denkt ihr, dass das von ihm verfasste Gedicht, ihm etwas bedeutet?

Habt ihr Gedichte, die euch etwas bedeuten?

(à Aufgabe bis in 7 Tagen: Sucht euch aus der Bücherkiste, der Schulbibliothek oder zu Hause aus einem Gedichtband ein Gedicht aus, das euch gefällt! Überlegt, warum es euch gefällt!)

Klassengespräch/Klassenunterricht

Verwendung des OHP

Bücherkiste bzw. passende Ausstattung der Leseecke mit Gedichtbänden (neben Kinderlyrik darf auch „Erwachsenen-„ Lyrik vorhanden sein!)

à Lernkompetenz

à Lesekompetenz

à ästhetisches Empfinden

à Formulieren und Begründen von Standpunkten

à Äußern von Empfindungen

à Methodenkompetenz: Recherche unter Einbeziehung von Schulbibliothek o. ä.)

5.

Der beste Hund der Welt (Erarbeitung)

- subjektives Angesprochen-Sein

- Erkennen, dass man Gedichte über jemanden/etwas schreiben kann, was man sehr gern

- Übertragung ins Allgemeine: Man kann Gedichte schreiben, wenn man froh oder traurig, wütend oder still ist à um Gefühle zu äußern und mitzuteilen

Gedicht von S. 15 wird über OHP an die Wand geworfen (lesen) - evtl. Fragen klären

Dann S. 16 aufschlagen, gemeinsam Lesen; anschließend liest der L. S. 17&18 vor, Jacks Gedicht von S. 18 auf Folie an die Wand werfen; Lesen von S. 19-23

L. liest das Gedicht von V. Worth auf S. 24 vor à Habt ihr vielleicht ein Tier, über das ihr gern ein Gedicht schreiben würdet o. ein Erlebnis mit einem Tier? (Aufgabe: Versucht zu Hause ein Du-Gedicht über ein euch nahe stehendes Tier zu schreiben! - Alternative: eine Art Tagebuch-Eintrag, warum ich kein Gedicht schreiben konnte)

Lesen S. 25-27; Vorlesen S. 28/29; Lesen S. 30-39

(Erinnern an die Aufgabe, ein Gedicht zu schreiben, Sch. bitten, das Gedicht bis zur nächsten Stunde an die Gedichtwand zu heften)

OHP/Folien

Klassenunterricht

S. 19-23 werden abwechselnd gelesen

à Lesekompetenz

à Sozialkompetenz: Sich einfühlen in Personen/ Lebewesen; Äußern von Gefühlen

à Lernkompetenz:

schriftlicher Sprachgebrauch: Verwenden von sprachlichen Mitteln aus vorgegebenen Strukturen à Zu-Eigen-Machen dieser Strukturen

6.

Der beste Hund der Welt (Vertiefung: gestalterische Mittel)

- Einsicht in sprachliche und nichtsprachliche Mittel zum Ausdrücken von Gedanken und Gefühlen

- Entdecken von Einsatz und Wirkung gestalterischer Mittel

à Kleine Gedicht-Schau

Wenn die Sch. das Bedürfnis haben, über einzelne Gedichte/Äußerungen zu sprechen: Zeit einräumen

Dann: S. 40 auf OHP/Folie - welche formalen Besonderheiten fallen auf? Wieso könnte das so gestaltet worden sein? Welche Wirkung hat das? Sind euch während des Lesens bis jetzt noch andere formale Besonderheiten aufgefallen? à mit welcher Absicht bzw. mit welcher Wirkung ist das so gestaltet

gemeinsames Lesen S. 42-44

S. 45 auf Folie: Kennt ihr diese Form von Gedichten? Benennen, welche Merkmale sind kennzeichnend?

Dann daneben Jacks Gedicht von S. 48 legen

L. liest S. 49 vor, Sch. lesen 50/51

à Lesekompetenz

à Sozialkompetenz

à ästhetisches Empfinden

à Lernkompetenz: mündlicher Sprachgebrauch: Äußern von Eindrücken und Empfindungen

à Lernkompetenz: Festigung der Kenntnisse über die lyrische Formenvielfalt

7.

Der beste Hund der Welt (Vertiefung: Einfühlungsvermögen)

- Empathiefähigkeit üben

- Lyrik als subjektive Gattung erkennen und als Weg, Gefühle zu äußern

(Wozu kann Lyrik gut sein?)

S. 52 auf Folie, gemeinsam lesen

S. 53-55 gemeinsam lesen: Was fällt auf?

(Jack kann begründen, warum ihm das Gedicht gefällt, was er am Anfang noch nicht konnte) - Wieso könnte das so sein?

S. 56-58 liest L. vor, Sch. lesen S. 59-64 in verteilten Rollen; L. liest S. 65-68 vor, dann wird wieder S. 69-73 gemeinsam gelesen

Gespräch über den Eintrag von S. 73: Kennt ihr das auch? Wann ist es euch denn schon einmal so ergangen?

(an HA erinnern und Sch. bitten, zur nächsten Std. ihr Lieblingsgedicht mitzubringen - entweder mit der Hand oder mit PC abgeschrieben: wer möchte, kann es auch illustrieren, analog zum „Besten Hund der Welt")

OHP/Folie

Klassengespräch/Gesprächskreis

à Lesekompetenz

à soziale Kompetenz/ Einfühlungsvermögen: Übertragen auf das eigene (Gefühls-) Leben

8.

Der beste Hund der Welt

(Vertiefung/ Anwendung)

Erfragen, ob die Sch. zuerst weiterlesen wollen o. lieber über ihre Gedichte sprechen möchten (Mehrheitsentscheidung) - folgende Teile sind also austauschbar

a) Weiterlesen: Erinnern an S. 73, anknüpfend lesen S. 74-76; L. liest S. 77-82 vor (Seid ihr jetzt traurig? Was meint ihr, wie Jack sich fühlt?)

b) Vorstellen des Lieblingsgedichts: Warum hab ich mir gerade dieses ausgewählt? Was gefällt mir daran? (Jeder Sch. zeigt entweder auf sein Gedicht, so dass es jeder still lesen kann, liest es selbst vor o. lässt es den L. laut vorlesen)

Mitbestimmung durch Abstimmung (über Verlauf der Std.)

Präsentation

à Lesekompetenz

à Lernkompetenz: mündlicher Sprachgebrauch wird beim Gespräch über das gewählte Gedicht bzw. bei der Begründung der Auswahl geschult

à Sozialkompetenz: Einander zuhören

9.

Der beste Hund der Welt (Reflexion und Abschluss)

- Empathiefähigkeit

- Einsicht in sprachliche und gestalterische Mittel beim Verfassen von Lyrik

S. 83-86 werden gemeinsam, in verteilten Rollen gelesen, L. liest Brief von S. 88-91 vor

S. 92 wird auf Folie an die Wand projiziert - gemeinsames stilles Lesen

Fragen: Was heißt noch mal „inspiriert"? Kennt ihr Wörter oder Sätze aus Jacks Gedicht schon? Wo sind die das erste Mal aufgetaucht? à Gedicht von S. 52 daneben legen (Vergleich)

Meint ihr, dass Jack traurig war, als er das Gedicht geschrieben hat (Begründen von Vermutungen)

Aufgabe: Nehmt nun euer Lieblingsgedicht von der Gedichtwand und versucht, ähnlich vorzugehen wie Jack.

Schreibt ein Gedicht, das vielleicht ein paar traurige oder sehr schöne Momente von euch enthält! Ihr dürft dabei Wörter oder Verbindung aus dem „Originalgedicht" übernehmen. Auch die Verwendung von besonders gestalteter Schrift ist erlaubt!

Aufgabe kann/soll zu Hause fertig gestellt werden, so dass in der Stunde jeder (s)ein Gedicht dabei hat. Wer möchte, kann sein Gedicht gern mit Fotos und (selbst-) gemalten Bildern gestalten.

Klassenunterricht

Klassengespräch

Freiarbeit

10.

Mein Gedicht

- Präsentation der entstandenen Produkte

- Ausstellung an der Gedichtwand

Die Sch. sind aufgerufen, ihr „Produkt" vorzustellen. Es ist davon auszugehen, dass sie stolz auf das Ergebnis ihrer Arbeit sind und motiviert, es vorzustellen und eine Rückmeldung zu erhalten.

Präsentation

à Methodenkompetenz:

mündlicher Sprachgebrauch - Anwenden von Ausdrucksmitteln zum Vortrag/zur Präsentation

à Sozialkompetenz: Zuhören und Miteinander Sprechen

Abkürzungen:

Sch. = Schüler

L. = Lehrer

OHP = Overheadprojektor

Std. = Stunde

[22]

3 Ausführliche Planung einer Unterrichtsstunde

Der folgende Entwurf einer Unterrichtsstunde aus der Unterrichtseinheit zum „Besten Hund der Welt" bezieht sich auf die Einführungsstunde und soll eine Einstimmung oder ein „Warm-up" für die Behandlung des Werkes sein. Es geht primär darum, Voreinstellungen zur Lyrik im Rahmen eines Schreibgesprächs zu erfragen, diese Methode zu festigen, aber auch eine emotionale Beziehung zum Buch herzustellen, indem die Kinder das Cover, ihre Erwartungen, aber auch ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit Tieren besprechen können.

3.1 Sachanalyse

Wie eben erwähnt, geht es bei der Einführungsstunde vor allem darum, die Schüler auf das Büchlein „Der beste Hund der Welt" neugierig zu machen und Lesemotivation zu wecken. Sowohl die Positionierung zur Aussage „Ich will nicht./ Jungs schreiben/ keine Gedichte./ Mädchen schon."[23] wie auch die Besprechung der Covergestaltung mit der Erwartungshaltung und das Berichten über eigene Erfahrungen mit Tieren sprechen primär die Gefühle und Einstellungen der Kinder an. Es stehen also affektive Lernziele im Vordergrund, was die Sachanalyse zu dieser Stunde ein wenig schwierig werden lässt.

Soll man die Stunde thematisch dennoch auf ein Gebiet eingrenzen, so würde ich das Zusammenspiel von Buchtitel und Covergestaltung in den Mittelpunkt stellen.

Ein Buch...

„... ist eine mit einer Bindung und meistens auch mit Bucheinband (Umschlag) versehene Sammlung von bedruckten, beschriebenen, bemalten oder auch leeren Blättern aus Papier oder anderen geeigneten Materialien. Die UNESCO definiert ein Buch als eine gedruckte, der Öffentlichkeit verfügbar gemachte, nichtperiodische Veröffentlichung mit mindestens 49 Seiten Umfang (zuzüglich der Umschlagseiten)"[24] Durch die Buchgestaltung wird „...das gesamte Aussehen, der Aufbau und die Materialien des Buches konzipiert. Durchgeführt wird sie in der Regel von einem Buchgestalter, Künstler und/oder Typografen. Neben Schrift, Titelei, Pagina, Papiersorte, Lesebändchen und Kapitalband wird auch der Einband gestaltet - die heute vermutlich wichtigste Aufgabe: Der Einband muss neugierig machen, spannend sein und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Einband soll den potentiellen Leser zum Kauf einladen"[25]. Genau genommen, muss ein gelungener Einband heute vor allem ökonomischen Kriterien genügen.

„Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts sind bei der Einbandgestaltung keine dominierenden Stile mehr festzumachen. Vielmehr bestimmen zahlreiche nebeneinander existierende individuelle Strömungen das Bild. Während der Verlagseinband, in der Regel durch einen plakativeren Schutzumschlag umhüllt, meist durch graphische Lösungen besticht, orientieren sich Handeinbände immer noch häufig an historischen Vorbildern, aber auch Elemente der Neuen Sachlichkeit oder der abstrakten Kunst haben ihren Platz. Darüber hinaus spielt die typographische Gestaltung des Buchtitels und des Autorennamens heute eine nie gekannte Rolle"[26].

3.2 Lernvoraussetzungen

(nach W. Peterßen)[27]

Kognitive Lernvoraussetzungen

- die meisten Schüler können routiniert und sicher lesen und schreiben;

- sie haben in Klasse 2 erste Ganzwerke gelesen und wissen, dass ein Buch ein Cover hat, auf dem der Titel und der Name des Autors stehen;

- sie wissen, dass diese Cover häufig mit Bildern und Illustrationen versehen sind;

- die meisten Schüler verfügen über Kenntnissen zu den lyrischen Formen Bildgedicht, Ich- und Du-Gedicht sowie Lebensweg-Gedicht;

- sie haben gelernt, dass Gedichte häufig über einen Reim und eine „Melodie" verfügen und eine ganz spezielle Form aufweisen (Zeilenstil);

- die meisten Schüler sind in der Lage, ihre Gedanken und Einstellungen (in mündlicher und schriftlicher Form) zu äußern;

- sie kennen das alltägliche Erzählen als Form des Mitteilens, können zusammenhängend erzählen und Meinungen über Erzähltes austauschen.

Psychomotorische Lernvoraussetzungen

- die meisten Schüler kennen den „Gesprächskreis" als Form des „Unterrichtsgesprächs" und haben keine Hemmungen, auf Fragen zu antworten bzw. sich am Gespräch zu beteiligen;

- sie kennen grundlegende Gesprächsregeln und halten diese ein: sie wissen, dass man andere aussprechen lassen sollte, bevor man den eigenen Gesprächsbeitrag beginnt, dass man Äußerungen anderer verfolgt und seinen Gesprächspartner ansieht;

- sie kennen die Regeln eines Schreibgesprächs und haben dieses bereits einige Male durchgeführt.

Affektive Lernvoraussetzungen

- den meisten Schülern macht es Spaß, anderen von ihren Erfahrungen und Erlebnissen im Umgang mit Tieren (und Menschen) zu berichten;

- sie stehen der Thematik „Tier" aufgeschlossen gegenüber und haben diesbezüglich eine positive Grundeinstellung;

- sie sind motiviert, sich am Handlungsmuster „Schreibgespräch" aktiv zu beteiligen und schreiben gern ihre Einfälle nieder;

- sie arbeiten gern mit Bildern und Illustrationen, haben vielfältige Assoziationen, die sie anderen sehr gern mitteilen;

- die meisten Schüler lassen sich von Fragestellungen anregen und sind motiviert, ihr Wissen (über Buchcover) anzuwenden, indem sie selbst einen Buchtitel mit passender Illustration gestalten.

3.3 Lernziele

(nach W. Peterßen)[28]

Kognitive Lernziele

- die meisten Schüler gewinnen Einsicht in den Zusammenhang von Titel und Covergestaltung eines Buches;

- sie üben das Formulieren von Gedanken und Einfällen und lernen, sich im Hinblick auf andere Gesprächsbeiträge zu positionieren;

- indem sie im Schreibgespräch ihre Beiträge schriftlich festhalten, wenden sie ihr Sprachwissen auf das Schreiben von Texten an;

- sie wenden (dem Schreibgespräch entsprechend) formale Mittel zur Gestaltung ihres schriftlichen Beitrags an und erkennen, dass man sich bei diesem Handlungsmuster kurz fassen muss.

Psychomotorische Lernziele

- die meisten Schüler achten die Regeln des Schreibgesprächs: sie quatschen nicht, entreißen niemandem den Stift, können warten, bis sie dran sind, formulieren ihren Beitrag kurz und prägnant und üben sich in Geduld;

- dabei vertiefen sie ihre Vorerfahrungen mit diesem Handlungsmuster;

- sie halten sich im Gesprächskreis an bekannte Gesprächsregeln und lernen (durch Anwendung) weitere kennen (z. B. dass man an vorher Gesagtes anknüpfen muss);

- beim abschließenden Gestalten eines eigenen Buchcovers üben sie sich in einer selbständigen und ruhigen Arbeitsweise.

Affektive Lernziele

- die meisten Schüler sind auf das vorgestellte Buch neugierig und motiviert, in der kommenden Stunde mit dem Lesen zu beginnen;

- sie sind der Hauptperson des Buches gegenüber positiv eingestellt, da sie diese als „menschlich" und sich selbst möglicherweise ähnlich erkannt haben (er mag keine Lyrik);

- sie teilen anderen gern ihre Einfälle und Vermutungen im Hinblick auf das Buchcover mit;

- sie sind neugierig und aufgeschlossen gegenüber den Schreibbeiträgen ihrer Mitschüler interessiert an deren Erfahrungen mit Tieren;

- sie teilen anderen sehr gern ihre Erfahrungen mit Tieren mit;

- es bereitet ihnen Freude, selbständig ein „Deckblatt" zu gestalten und dabei auf die für sie schöne und liebenswerte Thematik „Tiere" zurückzugreifen.

3.4 Didaktische Analyse

(nach Wolfgang Klafki)[29]

Gegenwartsbedeutung

Alle Kinder sind in den Klassen 1 und 2 mit Gedichten in Berührung gekommen und besitzen gegenüber dieser Gattung eine bestimmte Einstellung. Es gilt in dieser Stunde, sich über die eigene Haltung klar zu werden und diese zu formulieren. Gerade das kritische Hinterfragen bzw. die Fähigkeit, sich (begründet) zu positionieren, sind wichtige Kompetenzen, die Schülern nicht nur in der Schule, sondern auch im Alltag, z. B. um Umgang mit Freunden oder Eltern, begegnen. Dazu benötigt man neben einem geeigneten Wortschatz und Ausdrucksvermögen, auch Reflexionsvermögen und eine gewisse Sozialkompetenz, die eine verbale Auseinandersetzung (ob Gespräch oder Diskussion) möglich macht. Gesprächsregeln zu kennen und zu achten sind die Grundvoraussetzungen für eine produktive und für alle Seiten befriedigende Kommunikation. Dies wird in der Unterrichtsstunde gleich an zwei Stellen „trainiert": einmal im Kreisgespräch, wenn es darum geht, Vermutungen zum Inhalt des Buches zu äußern, und dann noch einmal im Schreibgespräch, bei dem die eigene Meinung bzw. Einstellung gegenüber Gedichten gefragt ist, die Mitteilung aber ausschließlich auf schriftlichem Wege erfolgen kann. Das führt automatisch zu einer Verlangsamung des Gedankenaustauschs, aber auch zu einer idealen Kontrolle der Einhaltung der „Gesprächsregeln" (immerhin kann nur einer im Besitz des „Sprachmediums", des Stifts, sein). Diese Methode fordert von den Schülern ein hohes Maß an Geduld und Merkfähigkeit, beides Eigenschaften, die im „normalen" Leben nützlich sind, wenn es darum geht, den eigenen Standpunkt darzulegen, aber auch den jeweiligen Gesprächspartner (Eltern, Freunde, Lehrer...) zu Wort kommen zu lassen.

Die Begegnung mit Tieren ist den (meisten) Schülern wiederum geläufig und angenehm. Fast jedes Kind dürfte im Zoo, bei Freunden und Verwandten oder sogar daheim mit Tieren in Berührung gekommen sein. Die überwiegende Mehrheit der Kinder wird die Begegnungen mit Tieren als angenehm empfunden haben, sich gern an Erlebnisse erinnern und diese auch mitteilen wollen. Indem die Schüler aus der Erinnerung erzählen, öffnen sie sich ein Stück und lassen andere an prägenden Ereignissen teilnehmen. Das ist gut, um sich untereinander besser kennen zu lernen und vertrauensvoll miteinander umzugehen.

Schüler einer 3. Klasse haben vielfältigen Kontakt mit Büchern (Kinderbüchern, Märchenbüchern, Bilderbücher usw.) gehabt. Sie verfügen über Vorkenntnisse im Hinblick auf deren Aufbau und Struktur und haben, je nach Gestaltung des Einbands, ganz unterschiedliche Erwartungen an ein Buch, die kauf-, aber auch leseentscheidend sein können.

Zukunftsbedeutung

Die Gattung Lyrik wird die Schüler während ihrer gesamten Schulzeit begleiten. Um diese Auseinandersetzungen angenehm und fruchtbar zu gestalten, ist es wichtig, eine offene, möglichst positive Grundeinstellung zu haben. Diese basiert zum einen auf Kenntnissen über diese Gattung (z. B. zu Reim, Rhythmus, Melodie, Autoren, Themen und Epochen), zum anderen aber (und vor allem) auf einigen positiven Begegnungen mit ihr. Wichtig ist, dass Schüler sich von Gedichten angesprochen fühlen, dass sie sie bestenfalls berühren. Erst dann werden die Schüler Lesemotivation und die Bereitschaft verspüren, sich über Gedichte zu äußern, sie ggf. auf sich selbst und ihr Leben anzuwenden. Möglicherweise erkennen sie auf diesem Wege auch den „Wert" von Lyrik: dass man sich mit ihr auf ganz kurzem Weg Dinge „von der Seele schreiben" kann.

Zudem ist jede Form von Kommunikation, in diesem Fall das Gespräch bzw. der Gedankenaustausch, ohne die Einhaltung von Regeln nicht denkbar. Im „normalen" Leben werden den Schülern tagtäglich kommunikative Situationen begegnen, in denen es darum geht, einen eigenen Standpunkt darzulegen. Erst, wenn man diesen begründen und rechtfertigen kann, ist es möglich, ihn auch für andere nachvollzieh- und tolerierbar zu machen. Gerade, wenn verschiedenen Menschen verschiedene Standpunkte vertreten, sind Gesprächsregeln fundamental. Einander anzuhören und aufeinander einzugehen, sind dabei wichtige „Nebenerscheinungen", die man nicht früh genug lernen kann.

Schüler sind (aus ökonomischer Sicht) zukünftige Käufer, auch Käufer von Büchern. Sie im Hinblick auf die Auswahl von Büchern vorzubilden, kann durchaus zu einer Aufgabe des Deutschunterrichts erwachsen. Dabei spielen ästhetische Kriterien eine nicht zu unterschätzende Rolle: Wie oft kaufen auch Erwachsene ein Buch, weil ihnen das Cover gefällt?! Den Schülern einen Einblick in den Zusammenhang zwischen Covergestaltung und Vermarktung zu gewähren, sie über Titel und Deckblatt hinaus zum Lesen der „Rückseiten" zu bewegen, ist ein weiteres Ziel der Stunde.

Zugänglichkeit

Wie bereits angedeutet, lieben (die meisten) Kinder Tiere. Es ist davon auszugehen, dass die Schüler auf eigene Erfahrungen im Umgang mit diesen zurückgreifen können und dass sie (besonders) aufgeschlossen und motiviert sind, anderen davon zu berichten. Diese Motivation erstreckt sich auch auf das Lesen von Tiergeschichten und -Büchern, die für Kinder allein der Thematik wegen interessant sind.

Gedichte wurden in der 1. und 2. Klasse vor allem spielerisch, über Reim, Melodie und Klang erschlossen. Dies hat (hoffentlich) zu positiven Assoziationen zu dieser Gattung geführt und macht die Schüler neugierig auf den weiteren Umgang mit ihr. Sich auf ungezwungene, und kaum kontrollierte Weise über die Einstellungen zu Gedichten auszutauschen, sollte - dank der provokanten Äußerung von Jack, einem etwa gleichaltrigen (!) Jungen - zu einer regen Beteiligung der Schüler führen. Sie können auf Erinnerungen und das eigene Gefühlsleben zurückgreifen, um sich äußern zu können. Dass dies in Form eines Schreibgesprächs erfolgt, fordert von den Schülern Disziplin und Geduld. Obwohl sie die Abwechslung und methodische Vielfalt dankbar annehmen werden, werden sie mit diesem Zugriff möglicherweise Schwierigkeiten haben.

Wenn es anschließend darum geht, selbst ein Titelblatt für ein Buch zu erstellen, greifen die Schüler gern auf ihre Ideen und Erfahrungen zurück und können ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Malen und Gestalten sind Tätigkeiten, die die Schüler seit frühester Kindheit kennen und mögen.

Exemplarität

„Der beste Hund der Welt" steht als (Kinder-) Buch für sämtliche (Kinder-) Bücher. Es ist in seinem Aufbau und seiner Geschichte anderen Bücher ähnlich; Wissen über die „äußeren" Merkmale des Buches können also auf andere Bücher übertragen werden.

Das Besondere an dem Büchlein ist seine „innere" Gestalt, die formal vor allem an Gedichte erinnert, inhaltlich aber Tagebucheinträge eines etwa Gleichaltrigen enthält. Das wird die jungen Leser möglicherweise verwirren: Haben sie es nun mit einem langen Gedicht oder doch mit einer Geschichte zu tun?!

Die „Geschichte" von Jack wiederum steht exemplarisch für viele „Lyriksozialisationen", zeichnet jedoch eine ideale Begegnung mit positivem Ausgang.

Neugier und Motivation für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Werk zu wecken, sollte gerade in der Einführungsstunde oberste Priorität haben, noch vor fachlichen bzw. kognitiven Aspekten. So betrachtet, steht der Entwurf für eine (positive) Begegnung mit a) Büchern, b) Lyrik und c) der eigenen Einstellung zu beiden.

Struktur

Die Planung weist eine strukturelle Teilung in vier Bereich auf: Zu Beginn geht es darum, frei und ungezwungen (im Gesprächskreis) Vermutungen zum Inhalt des Buches zu äußern. Dabei sind den kindlichen Assoziationen keine Grenzen gesetzt, vorausgesetzt, sie können ihre Ideen begründen. Ein solcher Einstieg gibt nicht „frontal" vor, sondern beteiligt die Schüler, was aktivierend und motivierend wirken soll.

Anschließend erfolgt ein Schreibgespräch über eine Äußerung, die für Schüler im Rahmen des Deutschunterrichts recht provokativ sein muss, ihnen auf der anderen Seite aber auch aus der Seele sprechen kann. Das baut Hemmungen hab, motiviert zur Meinungsäußerung, macht aber auch neugierig auf das „Werk", was in den kommenden Stunden ja gemeinsam gelesen werden „muss". Methodisch handelt es sich um ein verlangsamendes Handlungsmuster, welches in Gruppenarbeit erfolgt. Da sich der Lehrer hier weiterhin im Hintergrund hält und allein die Einhaltung der „Spielregeln" überwacht, ist genügend Raum für Eigenaktivität gegeben und jeder Einzelne (ganz zwanglos) zur Meinungsäußerung aufgerufen. Der Deckmantel der „Anonymität" vor dem Lehrer ruft eher ehrliche Aussagen bzw. Schreibbeiträge hervor. Hier werden Gesprächsregeln in einer Weise angewendet, die kaum zu um- bzw. hintergehen ist: Schließlich gibt es nur einen Stift. Wenn immer nur einer schreibt, sind die anderen gezwungen, geduldig mitzulesen und aufeinander einzugehen. Das Schreibgespräch fordert von den Kindern enorme Disziplin. Eine Meinung im Gespräch kundzutun, ist schnell erledigt, manchmal zu schnell. Bei diesem Handlungsmuster muss man sich gedulden und den Redebeitrag eine Weile „aufheben", ihn möglicherweise auch an neue Gegebenheiten „anpassen".

Die anschließende Einsicht in die Schreibgespräche der übrigen Gruppen dient als kurze Auswertung. Diese soll informativ sein und zeigen, was andere Gruppen zu Stande gebracht haben, aber auch aufheiternd und lockernd wirken. Die Schüler erfahren ganz nebenbei etwas von der Einstellung ihrer Mitschüler und erkennen eventuell, dass diese ähnlich über Lyrik denken. Das schafft ein gewisses „Gruppengefühl".

Im nachfolgende Gesprächskreis wird die Klasse dann zusätzlich „geeint": Der Lehrer nimmt zwar die Moderation in die Hand, die Einzelbeiträge kommen jedoch wieder von denn Schülern. Es ist davon auszugehen, dass jeder über eine Begegnung berichten kann. Hemmungen aufgrund von Unsicherheiten im Wissen sind also von vornherein ausgeschlossen. Die anderen an besonderen Erlebnissen teilhaben zu lassen, wirkt (auch in diesem Alter) sehr motivierend. Außerdem lernt sich die Klasse untereinander kennen, entdeckt möglicherweise ähnliche Erfahrungen, die zusätzlich verbinden.

Das bisher (mündlich) zusammengetragene Wissen zur äußeren Gestalt von Büchern bzw. dem Zusammenhang zwischen Titel, Gestaltung des Deckblatts und Inhalt eines Buches findet im letzten Teil Anwendung. Da sich die Schüler im vorangegangenen Gespräch thematisch ausgezeichnet eingestimmt haben werden, dürfte es keine Probleme geben, hier kreativ zu agieren. Die Schüler wenden unbemerkt, spielerisch und hoch motiviert ihre Kenntnisse an.

Überprüfbarkeit

Die Vermutungsäußerungen zu Beginn der Stunde sind in den geplanten 45 Minuten nicht oder kaum zu überprüfen. Ob die Kinder richtig oder falsch liegen, weiß zu diesem Zeitpunkt nur der Lehrer (und für diesen sollte es vor allem wichtig sein, dass die Kinder ihre Ideen begründet äußern können). Diese Komponente ist durch das Kreisgespräch unmittelbar überprüfbar.

Das anschließende Schreibgespräch wird auch unmittelbar zu Ergebnissen, also Schreibbeiträgen, führen. Zwar ist hier kaum nachvollziehbar, wer welche Äußerung hinzugefügt hat, doch in der folgenden, kurzen „Auswertungsrunde", die jeder Schüler selbständig und durch Lesen der Schreibgespräche der anderen Gruppen ausführt, wird das „Gesamtprodukt" sichtbar - und für Lehrer und Schüler überprüfbar.

Auch die Gesprächsrunde zu Tiererlebnissen ist für alle Beteiligten transparent. Erfahrungen und Erlebnisse werden mündlich ausgetauscht und für jeden einsichtig. Ob die zusammengetragenen Informationen zur Gestaltung eines Bucheinbandes und zu den Tiergeschichten verarbeitet wurden bzw. anwendbar sind, ist im letzten Teil der Stunde überprüfbar, wenn es darum geht, selbst das „Titelbild" eines Buches zu gestalten. Hier können sich die Schüler frei über den Inhalt und ein möglichst passendes Cover für „ihre" Geschichte klar werden und dieses unmittelbar gestalten. Der Verstehensprozess wird im fertigen „Produkt" sichtbar und nachprüfbar.

Lehr-Lern-Prozesse

Das methodische Vorgehen vom Klassenunterricht zum Gruppenunterricht zur Alleinarbeit zielt zu Beginn der Stunde auf lockere Kommunikation, auf Neugier und Interesse (und soziales Lernen) ab. In der Gruppenarbeit setzt sich das soziale und interaktive Lernen fort, indem die Kinder innerhalb ihrer Gruppe auf ihre Partner eingehen müssen. Zudem wird das Handlungsmuster „Schreibgespräch" wiederholt und festigt. In der anschließenden Auswertungs- wie auch in der Gesprächsrunde erfolgt eine weitere Öffnung der Schüler für das zu behandelte Thema und Buch. Sie bringen sich selbst und ihre Erfahrungen ein und müssen kaum auf „Wissensbestände" zurückgreifen. Erst in der abschließenden, produktionsorientierten Runde wird deutlich, ob die Schüler die Informationen zur Buchgestaltung verinnerlicht haben. Hier ist ein kreatives, doch konzentriertes Arbeiten am eigenen „Werk" gefragt, das in sehr guter Weise den „Kenntnisstand" der Kinder, aber auch Motivation und Ideenreichtum spiegelt.

Wie schon mehrfach angedeutet, ist dieses Stunde weniger kognitiv bzw. an der Erarbeitung und Festigung von Wissen ausgerichtet, als emotional, sozial und motivational. Es geht darum, den Kindern auf spielerische Weise einen Zugang zum Werk zu verschaffen, sie neugierig zu machen und „aufzuschließen".

3.5 Verlaufsplanung

Zeit

Phase

Handlungsmuster L

Handlungsmuster Sch

Anmerkungen zu Methode/Medien/Sozialform

5 Min.

Begrüßung/Einstieg

- lässt Sch. einen Sitzkreis bilden

- hält Buch für alle sichtbar hoch und erklärt, dass dieses Büchlein in den nächsten Stunden gemeinsam gelesen wird

- Frage: Wenn ihr den Titel lest, was meint ihr, worum wird es möglicherweise im Buch gehen?

à Sammeln von Vermutungen

à Fragen, wie die Sch. darauf kommen

- nehmen ihre Stühle und bilden einen Sitzkreis

- schauen sich den Einband genau an

- äußern Ideen und Vermutungen, die sie mit Bezug auf das Cover begründen können

Sitzkreis

Klassenunterricht

Buch: „Der beste Hund der Welt"

10 Min.

Einstieg/Motivation

- L. verrät, dass es im Buch um den Jungen Jack gehen wird, der keine Gedichte mag

- L. teilt mit, dass er das weiß, weil Jack auf der ersten Seite selbst schreibt:

„Ich will nicht./ Jungs schreiben/ keine Gedichte./ Mädchen schon."

- L. bekundet Interesse daran, was die Sch. über eine solche Äußerung denken und teilt A3-Blätter aus, auf denen Jacks Eintrag steht

- L. erklärt, dass er in Form eines Schreibgesprächs die Einstellungen seiner Sch. herausfinden möchte

- L. lässt Sch. die Regeln für ein Schreibgespräch zusammentragen

- Gruppen von 4-5 Schülern sind zu bilden (die im Sitzkreis benachbarten Sch. arbeiten jeweils in einer Gruppe zusammen)

- Beginn des Schreibgesprächs: je nach erforderlicher Zeit sind 4-5 Minuten vorgesehen

- L. wacht über einen ruhigen Verlauf und Einhaltung der Regeln

- Danach sind Blätter gruppenweise an die Tafel zu heften

- hören den Ausführungen des L. zu

- überlegen, was sie von Jacks Äußerung halten

- erklären sich untereinander die Regeln eines Schreibgesprächs (die der L. noch einmal zusammenfasst)

- bilden Gruppen

- beteiligen sich rege am Schreibgespräch (unter Einhaltung der besprochenen Regeln)

- heften die Schreibgespräche ihrer Gruppe an die Tafel

Zuerst Klassenunterricht

(angeleitetes) Unterrichtsgespräch

Dann: Schreibgespräch in Gruppenarbeit

Material: ein Filzstift pro Gruppe sowie je 1 A3-Blatt

5 Min.

- Zeit geben zum Durchlesen

- Falls es ein Mitteilungsbedürfnis unter den Sch. gibt, Zeit zum Anhören nehmen

- lesen sich die entstandenen Schreibgespräche (der anderen Gruppen) in Ruhe durch[30]

10 Min.

Erarbeitung

- im Sitzkreis den Titel des Buchs und die Ideen zum Inhalt erneut aufgreifen

- erfragen, wer Haustiere hat oder hatte

- Frage: woran denkt ihr besonders, wenn ihr an dieses Tier denkt? Was mögt ihr daran besonders? Gab es mal ein außergewöhnliches Erlebnis?

à L. nimmt Moderatoren-Rolle ein

à für Sch., die kein Haustier haben, anregen, ob sie vielleicht im Zoo, auf der Straße o. bei Verwandten mal ein prägendes Erlebnis mit einem Tier hatten (ob sie evtl. Angst vor best. Tieren haben)

- setzen sich in den Sitzkreis zurück

- lassen sich von den Fragen des L. anregen

- überlegen in Ruhe

- teilen ihre besonderen Erlebnisse mit Tieren mit bzw. stellen sie kurz ihr Haustier und das, was sie an ihm mögen, vor

- hören den Beiträgen ihrer Mitschüler zu

- halten Gesprächsregeln ein

Sitzkreis

(angeleitetes) Unterrichtsgespräch

15 Min.

Anwendung

- Frage: Wenn ihr ein Buch über ein bestimmtes Tier schreiben solltet: Welchen Titel würdet ihr ihm geben? Wie sollte der Bucheinband aussehen?

- Aufgabe: Entwerft einen Titel sowie ein „Deckblatt" für euer Buch!

- arbeiten selbständig

- nutzen ihren Einfallsreichtum

- entwerfen einen Bucheinband nach ihren Vorstellungen (passend zu „ihrer" Tiergeschichte)

Einzelarbeit

Extra-Papier (unliniert)

4 Resümee

„Der beste Hund der Welt" ist ein besonderes Werk, das die Grenzen zwischen Lyrik und Epik verwischt und das Potential hat, die enthaltene „Didaktisierungsgeschichte" in die Realität, auf die eigene Klasse zu übertragen und sie dadurch „wahr" werden zu lassen. Ganz nebenbei werden die jungen Leser ihr Wissen zu lyrischen Formen erweitern, ein Gefühl für und Einsichten in Elemente von Gedichten gewinnen, die Gattung kennen (und mögen?) lernen, und, inspiriert von Jacks Geschichte, selbst Gedichte produzieren.

In enger Anlehnung an die Geschichte, spricht sich der Entwurf gegen eine „sprachliche Zerpflückung nach immer gleichem Schema" aus, gegen das Schema „Kennenlernen - Interpretieren - Auswendiglernen - Vortragen", das den Schülern kaum Raum für einen emotionalen Zugang lässt und sie zwingt, sprachliche und stilistische Mittel immer wieder „aufzusagen" ohne ein Gefühl für das Gedicht entwickeln zu können.[31]

Indem der Entwurf vielfältige handlungs- und produktionsorientierte Angebote aufweist und die Interessen der Schüler berücksichtigt, lässt er ihnen ausreichend Entscheidungsbefugnis, Handlungsspielraum und -Kompetenz. Er reflektiert die zeitgemäße „Aufwertung" der jungen Lerner als Lerner mit ganz eigenen Vorstellungen und Erfahrungsschätzen und verabschiedet sich von einer allzu strikten Orientierung am „Kindgemäßen". Schließlich leben unsere Kinder „...in einer Gesellschaft, die von ihnen viel verlangt" und „sie vermehrt zu kleinen Erwachsenen werden lässt"[32]. Oft werden sie mit Dingen konfrontiert, die durchaus nicht „kindgerecht" und „altersgemäß" sind. Warum sollte man diese Tatsache im Deutschunterricht ignorieren? „...In der Schule können, dürfen und sollten wir Kindern Gedichte, Prosa und Dramen anbieten als etwas, das groß ist und sie ganz persönlich angeht"[33].

Auch aus der Geschichte des Büchleins ergibt sich, dass schon 9- oder 10-Jährige einen (mehr oder weniger großen) Ballen an Problemen mit sich herumtragen und offen für „schwierige" Themen - in Gedichten und Geschichten - sind. Ob sie diese bis zur letzten Zeile durchdringen oder vielleicht nicht ganz verstehen, ist dabei nicht das Entscheidende. Im Vordergrund sollte stehen, dass die Kinder für literarische Texte „geöffnet" werden, dass sie neugierig, nachdenklich oder auch traurig gestimmt sind.

Gelingt es dem Lehrer, die Geschichte vom „Besten Hund der Welt" für die Schüler „lebendig" zu machen, wird er Einfluss nicht nur auf die Lesemotivation der Schüler nehmen, sondern ihre Lyriksozialisation prägen. Sie werden Spaß am Spiel und im Umgang mit Sprache empfinden, ihre kommunikativen Kompetenzen schulen (die in der Bilderwelt des Fernsehens, des Computers und der Computerspiele kaum noch gefordert werden) sowie Freude daran haben, weitere Gedichte kennen zu lernen oder auch selbst zu schreiben. Indem die einzelnen Etappen der Unterrichtseinheit für Lehrer und Schüler an der entsprechenden Gedichtwand nachvollziehbar sind, werden die Schüler motiviert und aufgeschlossen sein, sich in die Thematik „hineinzudenken", zu recherchieren sowie eigene Beiträge zu liefern. Positiv weitergedacht, werden sie diese Einstellung ihr ganzes Leben beibehalten und Lyrik nicht als veraltete oder allzu „abgehobene" Gattung erleben, sondern als kleine, sehr subjektive Form, die Emotionen sichtbar machen kann und hilft, selbst welche zu äußern. So verstanden, ist Lyrik ein Medium der Welterschließung und der Ich-Findung. „Seine" Schüler auf diesen Weg zu bringen, sollte Ziel und Ansporn für jeden Lehrer sein.

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass der oben gemachte Entwurf den Schülern einen positiven Zugang zur Lyrik ermöglichen und eventuell negativ besetzte Vorurteile abbauen soll. Hohe Motivation und Arbeitsfreude, aber auch ein positives soziales Miteinander stehen dabei im Vordergrund.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andresen, Ute: Versteh mich nicht so schnell. Weinheim; Berlin: Beltz Verlag 1999.

Bischof, Ulrike; Heidtmann, Horst: Lesen Jungen ander(e)s als Mädchen? Untersuchungen zu Leseinteressen und Lektüregratifikationen. In: medien praktisch. Heft 3, 2002.

Creech, Sharon: Der beste Hund der Welt. Frankfurt a. Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2003.

Dückers-Klichowski, Silke: Gedichte - das interessiert doch kein Kind. In: Praxis Grundschule 5/2000, S.44 ff.

Forytta, Claus: Kindergedichte erleben und verstehen. Berlin: Cornelsen Scriptor, 2003.

Klafki, Wolfgang: Didaktische Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung. In: Die deutsche Schule. Jg. 1958, H. 10, S. 450-471.

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Mattern, Kirsten: Lyrik kreativ, In: Praxis Grundschule 4/1994. S.4-5.

Moers, Edelgard: Die Lyrik-Kartei. In: Praxis Grundschule 2/2007, S. 4-32.

Peterßen, W.: Handbuch Unterrichtsplanung. Grundfragen, Modelle, Stufen, Dimension. 4. aktualisierte Auflage. München 1982.

Schlien, Heinke-Gesa: Kinder und Lyrik - zwei Welten? In: Grundschule 3/2001, S. 51-54.

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http://www.sachsen-macht-schule.de/apps/lehrplandb/lehrplaene/listing/0; 12.1.2008; 19:53.

http://de.wikipedia.org/wiki/Buch; 8.2.08;11:53.

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[1] Forytta, Claus: Kindergedichte erleben und verstehen. Berlin: Cornelsen Scriptor, 2003, S. 43.

[2] vgl. ebd.

[3] vgl. Bischof, Ulrike; Heidtmann, Horst: Lesen Jungen ander(e)s als Mädchen? Untersuchungen zu Leseinteressen und Lektüregratifikationen. In: medien praktisch. Heft 3, 2002.

[4] Forytta 2003, S.43.

[5] ebd.

[6] Spinner, Kaspar H.: Literarisches Lernen in der Grundschule. In: kjl&m. Heft 3, 2007. S. 10.

[7] Forytta 2003, S. 43.

[8] Creech, Sharon: Der beste Hund der Welt. Frankfurt a. Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2003.

[9] vgl. Mattern, Kirsten: Lyrik kreativ, In: Praxis Grundschule 4/1994.

[10] u. a. auf den Seiten 9, 10, 12, 25 und 35

[11] meist ohne besondere Kennzeichnung - vgl. S. 13, 14, 16, 19, 30, 32 und 38

[12] u. a. auf den Seiten 11, 15, 17, 24, 29, 40 und 45 von Robert Frost, William Blake, Valerie Worth, S. C. Rigg oder Walter Dean Myers

[13]vgl.http://www.fischerverlage.de/sixcms/detail.php?template=fv_wide_wrapper&_content_template=buch_detail&_navi_area=fv_home&_navi_item=04.00.00.00&id=870098&_buchtext_typ=3;16.1.2008; 17:47.

[14] Spinner 2003, S. 3

[15] vgl. ebd.

[16] vgl. ebd.

[17] vgl. ebd., S. 7.

[18] Lehrplan Deutsch (2004). Klasse 1-4: http://www.sachsen-macht-schule.de/apps/lehrplandb/lehrplaene/listing/0; 12.1.2008; 19:53.

[19] vgl. Moers, Edelgard: Die Lyrik-Kartei. In: Praxis Grundschule 2/2007, S. 4-32.

[20] Schlien, Heinke-Gesa: Kinder und Lyrik - zwei Welten? In: Grundschule 3/2001, S. 51-54.

[21] Die Stunden 1 und 2 dienen als Vorbereitungs- bzw. Wiederholungsstunden. Sie gehören nicht zur eigentlichen Unterrichtseinheit, sondern sind als Empfehlung zu verstehen.

[22] Es bietet sich als Alternative an, statt der Gedichte des Buches (die ja aus dem Englischen übersetzt sind) andere, deutschsprachige Gedichte einfließen zu lassen (z. B. von Günter Kunert, Sarah Kirsch, Peter Hacks, Ernst Jandl, Hans Manz, Josef Guggenmos, aber auch Berthold Brecht, Hermann Hesse, Rainer Maria Rilke oder Josef von Eichendorff - um nur einige zu nennen). Man sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass bei Übersetzungen ein Teil des Inhalts, aber vor allem des Klangs, des Rhythmus und der Melodie verloren geht. Wichtige Kategorien, gerade im Umgang mit Lyrik.

[23] Creech, Sharon: Der beste Hund der Welt. S. 9.

[24] http://de.wikipedia.org/wiki/Buch; 8.2.08;11:53.

[25] http://de.wikipedia.org/wiki/Buch; 8.2.08; 12:00.

[26] http://de.wikipedia.org/wiki/Einband; 8.2.08;12:04.

[27] vgl. Peterßen, W.: Handbuch Unterrichtsplanung. Grundfragen, Modelle, Stufen, Dimension. 4. aktualisierte Auflage. München 1982.

[28] vgl. ebd.

[29] Vgl. Klafki, Wolfgang: Didaktische Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung. In: Die deutsche Schule. Jg. 1958, H. 10, S. 450-471.

Sowie: Klafki, Wolfgang: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Weinheim 1985.

[30] Ergebnisse der Schreibgespräche, die am 25.1.08 mit Studenten zum gleichen Thema durchgeführt wurden, befinden sich in der Anlage

[31] Dückers-Klichowski, Silke: Gedichte - das interessiert doch kein Kind. In: Praxis Grundschule 5/2000, S.44 ff.

[32] ebd.

[33] Andresen, U.: Versteh mich nicht so schnell. Weinheim; Berlin: Beltz Verlag 1999.



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