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Veränderungen der Lehrbücher für den Englischunterricht zwischen dem 19. Jahrhundert und 21. Jahrhundert
Datum: 02. Januar 2011 Kommentare: 0
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Diese Hausarbeit wurde für das Lehramt RS für Pädagogik im Rahmen des Moduls 'Forschendes Lernen in pädagogischen Handlungsfeldern' angefertigt. Arbeitsmaterial ist in der Originaldatei enthalten.

Veränderungen der Lehrbücher für den Englischunterricht zwischen dem 19. Jahrhundert und 21. Jahrhundert
1. Einleitung
Im Rahmen des Seminars „Das Schulmuseum als außerschulischer Lernort" wurde die Möglichkeit eröffnet, sich ein Thema für eine Forschungsarbeit auszuwählen anhand des im Schulmuseum vorhandenen Magazins für Schulbücher und Unterrichtsmaterialien. Da einer meiner Studienschwerpunkte das Fach Englisch (Lehramt an Realschulen) ist, fiel meine Wahl auf ein historisches Lehrbuch aus diesem Bereich. In der vorliegenden Arbeit wird herausgearbeitet werden, inwieweit sich das Lehrbuch für das Fach Englisch zwischen dem 19. Jahrhundert und dem 21. Jahrhundert verändert hat. Die Analyse erfolgt anhand je eines ausgewählten Textes aus englischen Lehrbüchern, die in der jeweiligen Zeit im Schulunterricht Verwendung fanden beziehungsweise finden.
Zunächst soll die Einbettung des Faches innerhalb der jeweiligen Zeit näher betrachtet werden. Es wird die Bedeutung des Schulfachs Englisch innerhalb der Schule im 19. Jahrhundert und im 21. Jahrhundert dargestellt werden. Diese Analyse erfolgt unter anderem anhand der jeweiligen Kerncurricula.
Als Vorgehensweise für die Analyse der Lehrbücher wurde die hermeneutische Methode ausgewählt, die im Rahmen dieser Arbeit näher vorgestellt wird. Grundlage für die Analyse ist ein Schulbuch aus dem Jahr 1900, auf dessen Herkunft zunächst näher eingegangen wird. Im Anschluss daran wird ein Lehrtext zu einem ausgewählten Thema aus diesem Buch analysiert. Dem gegenüber gestellt wird ein Schulbuch aus der heutigen Zeit. Auch dieses Buch wird zunächst vorgestellt. Anschließend soll hieraus ein Lehrtext zu dem gleichen Thema analysiert werden. Bei der Auswahl der Texte wurde auf ihre Vergleichbarkeit sowie im Hinblick auf die später zu gestaltende Unterrichtsstunde darauf geachtet, dass sich die Schüler mit dem Inhalt auch identifizieren können. Deshalb beziehen die Texte sich auf das Thema „Shopping". Es ist im Folgenden die Frage zu klären, inwieweit sich die ausgewählten Texte inhaltlich sowie in ihrer Darstellungsform ähneln beziehungsweise unterscheiden.
Die gefundenen Resultate dienen als Grundlage für die Gestaltung einer Unterrichtsstunde unter besonderer Berücksichtigung der Kerncurricula. Die Einordnung in die Kerncurricula sowie die Ausgestaltung der Unterrichtsstunde sind die Themen eines weiteren Kapitels dieser Arbeit.
2. Entwicklung des Englischunterrichts
Die Lebenswelt des 19. Jahrhunderts unterschied sich in einigen Punkten von der des 21. Jahrhunderts. Dementsprechend oblagen der Schule des 19. Jahrhunderts auch anderen gesellschaftliche Aufgaben als der Schule heutiger Zeit. Im Rahmen dieser Veränderungen stellt sich die Frage:
Wie haben sich die Gestaltung und der Inhalt der Lehrtexte in Schulbüchern des Unterrichtsfaches Englisch seit dem 19. Jahrhundert bis heute verändert ?
Da eine ausführliche Darstellung der einzelnen historischen Hintergründe und Details den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde, soll im Folgenden kurz das Fach Englisch als Schulfach im 19. Jahrhundert vorgestellt werden. Dabei wird darauf eingegangen, zu welchem Zweck Englisch unterrichtet wurde und welche Ziele der Unterricht in der Fremdsprache Englisch verfolgte. Dem gegenüber soll das Fach Englisch als Schulfach im 21. Jahrhundert dargestellt werden. Anhand der Kerncurricula soll erläutert werden, welche Hintergründe sowie Ziele der Englischunterricht in der heutigen Zeit hat beziehungsweise verfolgt.
2.1 Englisch als Schulfach im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert gab es vielfältige politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Sie wurden von der anfangenden Industrialisierung und den dadurch erfolgenden durchgreifenden Veränderungen der ständischen Gesellschaft beeinflusst. Durch die Veränderung und Teilung von Lebens- und Arbeitswelt ergab sich auch eine Veränderung im Schulwesen (s. Schiffler 1994, S. 25). Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts verlagerte sich das Englischlernen von den privaten Haushalten in das öffentliche Schulwesen. Insbesondere in Realanstalten wurde der Unterricht in der englischen Sprache angeboten (s. Klippel 1994, S. 287). Der Grund hierfür liegt in der „..stärkeren Gegenwartsorientierung" der Realanstalten (s. Klippel 1994, S. 297).
„Die Realschulen, ursprünglich als Fachschulen für das praktische Berufsleben und die Anforderungen der Arbeitswelt gegründet, beanspruchten nun, Vermittler einer gegenwartsnahen, freien Menschenbildung neben den Gymnasien zu sein und
bezogen den modernen Fremdsprachenunterricht in die selbstgestellte Bildungsaufgabe ein" (s. Mugdan 1983, S. 72).
Im Jahr 1859 wurde der Englischunterricht an preußischen Realanstalten zum Pflichtfach (s. Doff/ Klippel 2007, S.15). Die Realschulen wurden vom preußischen Unterrichtsministerium zu drei Typen vereinheitlicht. Die Realschulen I. Ordnung (Realgymnasium) wurden den Gymnasien gleich gestellt. Hier war der Unterricht in zwei modernen Sprachen obligatorisch. In reduziertem Umfang wurde Englisch an Realschulen II. Ordnung unterrichtet (s. Mugdan 1983, S. 72).
Jedoch spielte dort das Fach Englisch als zweite Fremdsprache nach Französisch in der Realschule II. Ordnung oder als dritte Fremdsprache an der Realschule I. Ordnung nach Französisch und Latein lediglich eine untergeordnete Rolle. Der englische Sprachunterricht wurde erst ab Tertia unterrichtet, was heute der achten oder neunten Klasse entspricht (s. Meyers Lexikon Online, 07.10.2008). Deshalb wurde der Unterricht in Englisch maximal sechs Jahre erteilt (s. Klippel 1994, S. 291). Für den Anfangsunterricht in Englisch wurden in der Regel mehr Unterrichtsstunden angesetzt als für den Fortgeschrittenenunterricht (s. Klippel 1994, S. 294). Im Jahr 1872 übernahm der Staat die Aufsicht über alle Schulen (s. o.V. 2000, S. 843).
Für die Entscheidung, Englisch zu lernen, nennt Klippel unterschiedliche Motive (s. Klippel 1994, S.295). Ausschlaggebend war der praktische Nutzen, den Kenntnisse der englischen Sprache mit sich brachten. Die Möglichkeit, englische Originalschriften lesen zu können, wird als ein mögliches Motiv beschrieben. Insbesondere für Realschüler war es wichtig, diese Fremdsprache zu beherrschen. Für eine große Anzahl der von Absolventen der Realschule ergriffenen Berufe waren die Englischkenntnisse notwendig. Auch spielte in diesem Zusammenhang die englische Sprachfertigkeit eine große Rolle, da England „durch Dampfschiff und Eisenbahn" näher gerückt war (s. Junker 1904, S. 416). Als weiteres Motiv werden die zahlreichen Auswanderungen nach Amerika genannt. Die Menschen wollten zunächst einige Sprachkenntnisse erwerben, bevor sie nach Amerika aufbrachen (s. Klippel 1994, S.295).
Seit ungefähr der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden der Aufbau und die innere Gestaltung des Schulwesens verstärkt von den Kultusbehörden der deutschen Staaten festgelegt:
„Die staatlichen Bestimmungen zum Englischunterricht bezogen sich in dieser Zeit im wesentlichen auf drei Bereiche: 1. Lehrziele im Hinblick auf das zu erwerbende fremdsprachliche Können und Wissen sowie die daraus abgeleiteten Prüfungsanforderungen, 2. Stoffverteilung und Kursaufbau und 3. methodisches Vorgehen, insbesondere die Empfehlung von mündlichen und schriftlichen Arbeitsformen" (s. Klippel 1994, S. 298).
Aus der Analyse der Regelungen konnten die folgenden Ziele des Unterrichts abgeleitet werden: Die Meisterung der richtigen Aussprache, Beherrschung des Lesens und Übersetzens und Fähigkeiten in der Grammatik. Vereinzelt wurden noch „[..] Forderungen nach Sicherheit in der Orthographie, nach der Fähigkeit, selbständig Briefe in der Fremdsprache zu schreiben und nach Bekanntschaft mit der englischen Literatur" gefordert (s. Klippel 1994, S. 298). Dagegen war die Forderung nach der Fähigkeit der mündlichen Aussprache kein allgemein anerkanntes Ziel des Englischunterrichts (s. Klippel 1994, S. 299).
2.2 Englisch als Schulfach im 21. Jahrhundert
Die englische Sprache ist im 21. Jahrhundert durch die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Europa im Zusammenhang mit der wachsenden internationalen Kooperation und der Globalisierung von besonderer Bedeutung. Diese Tatsache spiegelt sich auch in der Bedeutung des Faches Englisch als Schulfach wieder: Nach Doff/ Klippel ist Englisch die am häufigsten gelernte Schulsprache in Europa und damit die von den meisten Menschen anderer Muttersprache verstandene und gebrauchte Sprache (s. Doff/ Klippel 2007, S.13). In der heutigen Realschule stellt das Fach Englisch ein Pflichtfach dar und wird bereits ab dem fünften Schuljahrgang unterrichtet. Da Englisch als Fach von „grundlegender Bedeutung" (s. Niedersächsisches Kultusministerium 2004, S.3) gilt, wird es mit vier Wochenstunden unterrichtet.
Die Motivation der Menschen, die Sprache zu lernen, erklärt sich ebenfalls mit den oben bereits genannten Tatsachen. In einer Arbeitswelt, die wie oben beschrieben stark von der Globalisierung beeinflusst wird, ist es für eine potentielle berufliche Tätigkeit heutzutage unabdingbar, diese Sprache zu beherrschen. Doff/ Klippel benennen Englischkenntnisse als selbstverständliche Voraussetzung für die
berufliche Tätigkeit und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (s. Doff/ Klippel 2007, S. 14).
Jedoch stehen in den heutigen Kerncurricula nicht wie im 19. Jahrhundert nur Fakten wie die korrekte Aussprache, Beherrschung des Lesens und Übersetzens oder Fähigkeiten in der Grammatik im Vordergrund, sondern der Erwerb von Kompetenzen. Diese umfassen nach der Definition des Niedersächsischen Kultusministeriums „Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten, aber auch Bereitschaften, Haltungen und Einstellungen, über welche die Schüler verfügen müssen, um Anforderungssituationen gewachsen zu sein" (s. Niedersächsisches Kultusministerium 2006, S. 5). Diese Kompetenzen werden vom Niedersächsischen Kultusministerium wie unten aufgeführt nochmals in Teilbereiche unterteilt.
Funktionale Kommunikative Kompetenzen:
Sie beinhalten kommunikative Fertigkeiten wie zum Beispiel Sprechen, Schreiben oder Hör- und Leseverstehen. Auch die Verfügung über sprachliche Mittel wie beispielsweise Wortschatz, Grammatik oder Aussprache ist ein Teilbereich, der mit den kommunikativen Fertigkeiten zusammen wirkt.
Interkulturelle Kompetenzen:
Die Schüler sollen hierbei in die Lage versetzt werden, Äußerungen in der Fremdsprache unter Berücksichtigung ihrer kulturellen Herkunft zu verstehen. Sie sollen die Fähigkeit erwerben, tolerant und kritisch mit kulturellen Differenzen umzugehen. Ziel ist die Bewältigung von Begegnungssituationen.
Methodenkompetenzen:
Hierzu gehören Kenntnisse zu Lernstrategien, Arbeitstechniken oder die Organisation des Sprachlernprozesses. Sie dienen der Befähigung der Schüler, ihren Lernweg selbstständig und effektiv gestalten zu können (s. Niedersächsisches Kultusministerium 2006, S.9).
Die Darstellung der einzelnen Kompetenzen ist für die folgende Analyse der ausgewählten Lehrtexte von Bedeutung.
3. Darstellung und Analyse der ausgewählten Bücher
In diesem Kapitel soll zunächst auf die wissenschaftliche Methode - die Hermeneutik - eingegangen werden, nach der die Analysen durchgeführt werden. Im Anschluss daran werden die ausgewählten Schulbücher vorgestellt. Dabei wird auf die Herkunft sowie die thematischen Inhalte der Bücher eingegangen. Im Anschluss daran werden die Texte zum Thema „Shopping" vorgestellt und analysiert.
3.2 Hermeneutische Methode
Aus wissenschaftlicher Perspektive betrachtet, ist die Hermeneutik ,, die Kunst, die Rede eines andern richtig zu verstehen" (s. Frank 1993, S. 75). Dabei „bezieht sich Verstehen auf die Bedeutung von menschlichen Lebensäußerungen [...] - kurz von »Zeichen«" (s. Gudjons 2001, S.57). Der hermeneutische Zirkel bezieht sich darauf, dass jeder Mensch bereits beim Lesen eines Textes über ein gewisses Vorverständnis verfügt (s. Gudjons 2001, S.57). Dadurch, dass man einen geschriebenen Text mit diesem Vorverständnis liest, erweitert sich die eigene Einsicht. Da man wiederum diese Einsicht bei dem Lesen jedes weiteren Textes mit berücksichtigt, bewegt man sich in dem hermeneutischen Zirkel.
„Als hermeneutischer Zirkel wird die Gebundenheit jedes Verstehens von Ganzheiten und ihrer Teile an Voraussetzungen verstanden, von denen jedes Verstehen seinen Ausgang nimmt und wieder zu ihm zurückkehrt. Man muss immer schon in der Sprache leben und die anderen Menschen verstehen, bevor man über die Sprache nachdenkt" (s. Tschamler 1978, S. 32).
Wie schon aus dem Begriff „hermeneutischer Zirkel" ersichtlich ist, ist das Verstehen dabei nie abgeschlossen. Folglich hat „Verstehen als Ziel hermeneutischer Bemühung [...] nicht Produkt- sondern Prozesscharakter" (s. Gudjons 2001, S.58; zit. n. Roth 1991, S. 38).
Das Vorverständnis der nachfolgend aufgeführten Analyse wird durch die Darstellung des Schulfaches Englisch im Kontext der jeweiligen Zeit vertieft. Dieses dient wiederum der Analyse der Schulbücher beziehungsweise der ausgewählten Texte. Wie oben beschrieben soll dieses Vorverständnis das Verstehen für die tatsächliche Gestaltung und der damit verbundenen Zielsetzungen der jeweiligen Schulbücher erleichtern.
3.3 Schulbuch aus dem 19. Jahrhundert
Bei dem ausgewählten Schulbuch handelt es sich um den ersten Teil des Buches „Kurzer Lehrgang der Englischen Sprache mit besonderer Berücksichtigung der Konversation". Der Untertitel zum ersten Teil lautet „Grundlegende Einführung in die Sprache". Es ist die 7. Auflage aus dem Jahr 1900. Erschienen ist es im Verlag L. Ehlermann aus Leipzig, Dresden und Berlin. Als Autoren sind Heinrich Plate und Dr. Otto Kares aufgeführt (s. Plate/ Kares 1900, S.I). Bereits die 6. Auflage dieses Lehrbuches aus dem Jahr 1899 stammt von Professor Dr. Gustav Tanger, der als Direktor der Jahn - Realschule zu Berlin tätig war (s. Mindt 2008). Dr. Tanger hat die Überarbeitung des Buches übernommen (s. Plate/ Kares 1900, S.IX), nachdem Dr. Kares im Jahr 1897 verstorben war (s. Klippel 1994, S. 513). Die erste Auflage des Buches stammt aus dem Jahr 1894. Im Vorwort steht, dass das Buch „in freier Anknüpfung an den vielbewährten Plateschen Lehrgang die neuen Lehrpläne und Lehraufgaben genau berücksichtigt" (s. Plate/ Kares 1900, S.III). Das Lehrbuch von Heinrich Plate erschien 1850 in erster Auflage und erreichte bis zum Jahr 1920 95 Auflagen (s. Klippel 1996, S. 68). Er gilt als der erfolgreichste Lehrbuchverfasser zwischen 1850 und 1900 (s. Klippel 1994, S.340).
Über die Vita des Dr. Otto Kares fanden sich keine Angaben. Jedoch lässt sich feststellen, dass Dr. Kares weitere Veröffentlichungen verfasst hat. In seinem Vorwort weist er unter anderem auf das Werk „Beiträge zu einer wissenschaftlichen Begründung des fremdsprachlichen Leseverfahrens" hin (s. Kares 1893) sowie auf den „Kurzen Lehrgang der französischen Sprache" (s. Ploetz-Kares 1894). Klippel zitiert aus einem Aufsatz von Kares mit dem Titel „Die Unterweisung in der französischen und englischen Aussprache" (s. Kares 1878, zit. n. Klippel 1994, S.453). Folglich kann festgestellt werden, dass Herr Dr. Otto Kares im 19. Jahrhundert wissenschaftlich tätig war.
Entgegen der bereits beschriebenen curricularen Vorgaben des 19. Jahrhunderts legten die Verfasser des vorliegende Lehrbuchs ein besonderes Augenmerk auf die Vermittlung der Fähigkeit zur Konversation in der englischen Sprache. Somit kann das Lehrbuch als für die damalige Zeit fortschrittlich bezeichnet werden. Im Vorwort des Buches befindet sich keine Angabe zu einer schulformspezifischen Empfehlung. Jedoch lässt der Schwerpunkt auf die Praxis der englischen Sprache sowie die oben genannte Tatsache, dass Herr Professor Dr. Gustav Tanger der
Direktor einer Realschule war, darauf schließen, dass das Lehrwerk auch für die Schulform der Realschule als geeignet zu betrachten ist.
Im Folgenden wird näher auf die Form und den Inhalt des Buches eingegangen.
3.2.1 Darstellung des Lehrbuchs „Kurzer Lehrgang der Englischen Sprache"
Auf der Buchrückseite aus Leder ist der Titel des Buches in goldenen Buchstaben aufgedruckt. Die Umschlagseiten sind farbig mit kleinen, schwarzen „Farbklecksen" auf einem ziegelroten Hintergrund gestaltet. Insgesamt umfasst das Buch 272 Seiten. Liest man die Angaben im Inhaltsverzeichnis, lässt sich erkennen, dass das Lehrbuch in drei Teilbereiche gegliedert wurde. Der erste Teil enthält die einzelnen Texte.
Diese gliedern sich in:
A. Lautkursus,
B. Einführung in die Formenlehre,
C. Einführung in die Formenlehre und in die Syntax sowie
Gedichte (ohne Nummerierung).
Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit der Grammatik.
Auch innerhalb diese Teils erfolgt die Unterteilung in:
A. Lautkursus,
B. Einführung in die Formenlehre sowie
C. Syntax in Textbeispielen.
Der Dritte Teil besteht aus den Übungen zu den einzelnen Texten.
Das Vorwort von Herrn Dr. Otto Kares enthält „Methodische Winke" für die Lehrenden. Diese beinhalten unter anderem einen Durchschnittsplan, nach dem die Lehrbeauftragten den Englischunterricht in den Lehrjahren I - III aufteilen können. Zu jedem einzelnen Lehrjahr werden die zu behandelnden Seiten des Lehrwerks benannt. Des weiteren findet sich dort der Hinweis, dass diese Aufteilung im „Einklang mit den amtlichen Bestimmungen" erfolgt (s. Plate/ Kares 1900, S.VII).
Innerhalb der Texte finden sich unterschiedliche Schriftarten. Während die englischen Wörter in Antiquaschrift gedruckt sind, wurden die deutschen Texte in
Frakturschrift verfasst. Diese Unterscheidung war schon im 18. Jahrhundert üblich und wurde auch im 19. Jahrhundert beibehalten (s. Klippel 1994, S. 323).
Bei weiterer Durchsicht des Buches fällt auf, dass es kein einziges Bild beinhaltet. Es besteht ausschließlich aus den gedruckten Texten.
Bei einer näheren Betrachtung der Inhalte des Buches kann festgestellt werden, dass sie sehr vielschichtig ausgewählt wurden. Es werden Themen aus der Lebenswelt der Schüler, wie zum Beispiel Familie, Haus, Schule, Essen, Möbel, Jahreszeiten, Kirche, Einkaufen, menschlicher Körper und andere behandelt. Die Kurzgeschichten, die innerhalb des ersten Teils unter „C. Einführung in die Formenlehre und in die Syntax" behandelt werden, vermitteln zudem noch Lektionen zum Thema „Moralerziehung".
Es geht im einzelnen beispielsweise um Themen wie richtiger Umgang mit dem Knecht, Umgang mit Bettlern, was passiert, wenn man Lügen erzählt oder wenn man stets unpünktlich ist.
Weiterhin werden auch Inhalte, welche der Allgemeinbildung dienen, bearbeitet. Auszugsweise seien folgende Themen genannt: die Geschichte der Kartoffel, Details über Schiffe, die Vorstellung der Personen Sir Walter Raleigh, George Washington, Sir Walter Scott oder Charles Dickens.
Das Buch beinhaltet auch Gedichte. Unter anderem werden folgende Verfasser zitiert: Thomas Moore, Robert Burns, Felicia Hemans, William Shakespeare, Lord Byron oder Lord Tennyson.
Demnach entspricht das Lehrwerk der Prämisse, dass die Englischlehrbücher in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Regel für jugendliche Lernende konzipiert wurden. Dieses Konzept war die Folge der zunehmenden Ausbreitung des schulischen Englischunterrichts während dieser Zeit (s. Klippel 1994, S. 352). Die Frage danach, ob die einzelnen Themen von den Schülern mit Interesse aufgenommen wurden, bleibt hierbei jedoch unbeantwortet.
Im Folgenden wird der aus dem Lehrbuch ausgewählte Text zum Thema: Shopping dargestellt und analysiert. Er wurde ausgewählt, weil er aufgrund der Aktualität der Tätigkeit des Einkaufens auch in der Lebenswelt der Schüler des 21. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielt und sich somit auch in aktuellen Lehrwerken wieder finden lässt. Dieses ermöglicht es, die ausgewählten Texte in ihrem Aufbau und der Darstellung zu vergleichen.
3.2.2 Analyse des ausgewählten Textes: Shopping
Der ausgewählte Text zum Thema „Shopping" ist ein Dialog zwischen einem Käufer und einem Verkäufer. Um eine Analyse zu ermöglichen, wird er nachfolgend zunächst aufgeführt. Hierbei wird darauf geachtet, die im Originaltext (s. Plate/ Kares 1900, S.17) vorhandenen Satzzeichen originalgetreu darzustellen:
26. Shopping.
I want a pair of kid gloves. --- What size, sir ?--- Seven and three quarters (7 3/4 inches), gentlemen´ s. --- One or two buttons ? --- Two, please. --- How much is this pair ? --- Three (shillings) and sixpence (3 s. 6 d.). --- That is very dear. Have you no cheaper ones ? --- Certainly, sir. This pair is cheaper, but, of course, they are of an inferior quality. --- What do you charge for them? --- Two and nine (2 s. 9 d.). --- Is that the lowest price you could let me have them at ? --- The very lowest, sir; I couldn't possibly do it for less. We never alter our prices for anybody, sir. --- Well, I'll have these. --- Thank you; what will be (what'll be) the next article, sir? --- Can you show me some black cloth of a good quality? --- I can show you some of all kinds; we have a very large stock. Will you step this way? --- What's the price of this cloth per yard ? --- It is four and nine pence. --- Let me have five yards of it. How much is that altogether? --- One pound, six and sixpence (£ 1.6 s. 6 d.). --- Here is your change, sir; I am much obliged to you.
Zunächst ist auffallend, dass der Text als Fließtext geschrieben ist. Das bedeutet, dass er ohne Absätze zwischen den einzelnen Sprechern aufgeführt ist. Im Original ist es in der Antiquaschrift gedruckt. Des weiteren wird in dem Text nicht gekennzeichnet, welcher Sprecher den jeweiligen Part übernimmt. Dass es sich hierbei um die Rolle eines Käufers und der eines Verkäufers handelt, wird erst durch das eigentliche Lesen des Textes ersichtlich. Die methodischen Winke des Vorwortes zu Texten beinhalten folgende Angaben:
„Beim erstmaligen Lesen und Verdeutschen übernimmt der Lehrer selbst die sichere Führung; er leitet in gemeinsamer Klassenarbeit zur
genügenden Aneignung der Form und des Inhalts. So wird das spätere Vokabellernen zu einem blossen häuslichen Wiederholen des im lebendigen Zusammenhang des Textes gründlich Angeeigneten" (s. Plate/ Kares 1900, S.V).
Dies erklärt, warum auf eine Bezeichnung der einzelnen Sprecher verzichtet wurde. Der Lehrer soll demnach den Text selbst zunächst einmal korrekt vorlesen. Erst im Anschluss daran sollen die Schüler den Text in der korrekten Aussprache wiederholen, bevor er übersetzt werden soll.
Wie dem Vorwort zu entnehmen ist, „[...] strebte der Unterzeichnete bei der Gestaltung der englischen Texte vornehmlich darnach, das gesprochene Englisch in der heute üblichen Form zur Darstellung zu bringen [...]" (s. Plate/ Kares 1900, S.IV). Daraus lässt sich schließen, dass in dem Text ein für das 19. Jahrhundert übliches Verkaufsgespräch dargestellt wird.
Aus dem Inhalt („Will you step this way?") ist erkennbar, dass das Gespräch innerhalb eines Ladengeschäftes stattfindet (s. Plate/ Kares 1900, S.17).
Bei der Betrachtung des Textes, ist auffallend, dass das verwendete Englisch nicht mehr der heute üblichen Umgangssprache entspricht. Die folgende Analyse soll dies anhand einiger Beispiele verdeutlichen. Der Verkäufer spricht den Käufer stets mit „sir" an. Formulierungen wie „Have you no cheaper ones?" würden in der heutigen Zeit als unüblich betrachtet werden. Die Aufforderung „Will you step this way?" oder die Worte „I am much obliged to you" - „Ich bin Ihnen zu Dank verpflichtet" sind ebenfalls keine üblichen Formulierungen in der heutigen Zeit.
Inhaltlich kann festgestellt werden, dass der Käufer ein Paar Glacéhandschuhe erwerben möchte. Diese gehören im 21. Jahrhundert nicht mehr zum Standard der Herrenbekleidung. Ebenso verhält es sich mit dem Wunsch des Herren, schwarzem Stoff als Meterware kaufen zu wollen.
Nachfolgend wird das Schulbuch aus dem 21. Jahrhundert vorgestellt und im Anschluss daran wird der hieraus entnommene Lehrtext analysiert.
3.4 Schulbuch aus dem 21. Jahrhundert
Das ausgewählte Lehrwerk trägt den Titel „Orange Line 1". Der Einsatz des Buches wird empfohlen für die fünfte Klasse, unter anderem an Realschulen oder Sekundarschulen (s. Haß 2005, S. 2). Es handelt sich um die erste Auflage aus
dem Jahr 2005. Erschienen ist das Lehrwerk im Ernst Klett Verlag aus Stuttgart. Der Autor des Schulbuches ist Frank Haß, er ist tätig am Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung der Universität Leipzig. Nach den Angaben des Verlages stärkt das Lehrwerk deutlich das Hören und Sprechen und es fördert gezielt das selbstständige Lernen der Schüler (s. Ernst Klett Verlag, 12.10.2008 12:43). Es entspricht den vorgegebenen Kerncurricula, da sich die Schulbuchverlage bei der Konzipierung von Lehrwerken an den Vorgaben des jeweiligen Kultusministeriums orientieren. Folglich dient es auch der Stärkung der eingangs beschriebenen Kompetenzen. Nachfolgend wird näher auf die Form und den Inhalt des Buches eingegangen.
3.4.1 Darstellung und Analyse des Lehrbuchs „Orange Line 1"
Die Umschlagseiten des Buches sind wie folgt gestaltet:
Auf der oberen Hälfte der Vorderseite ist das Foto eines an einem Baum sitzenden Jungens im Park abgebildet. Er schaut den Betrachter direkt an und lächelt. Auf seinem Schoß liegt ein Buch, auf dem er mit Trommelstöcken zu trommeln scheint. Im Hintergrund sitzt eine Dreiergruppe Jugendlicher auf einer Decke im Gras. Sie sprechen über etwas, das in ihrer Mitte auf dem Boden liegt. Die untere Hälfte der Vorderseite wird von der Farbe orange dominiert.
Die Rückseite des Buches ist auf der oberen Hälfte in weiß und auf der unteren Hälfte in orange gestaltet. Alle vier Schüler der Vorderseite sind auf einem kleinen Foto in der oberen Hälfte abgebildet. Man sieht ihre Hinterköpfe und sie scheinen über ein Poster mit Textinhalten, das an einer Wand heftet, zu sprechen. Insgesamt umfasst das Buch „Orange Line 1" 191 Seiten. Auf jeder Seite steht neben der Seitenzahl auch das dazu gehörende englische Wort in Buchstaben. Das Buch ist vom Format her in etwa doppelt so groß wie das bereits beschriebene Buch aus dem 19. Jahrhundert.
Betrachtet man das Inhaltsverzeichnis, lassen sich fünfzehn Kapitelüberschriften erkennen. Sieben davon sind mit der Überschrift Unit 1 - 7 und dem dazugehörigen Abschnittsinhalt gekennzeichnet, zum Beispiel „Unit 1 Thomas Tallis School "(s. Haß 2005, S.4). Die anderen Kapitel heißen „Zoom - in, Link - up A - C, Extras, Mediation, Grammar sowie Vocabulary". Jedes der sogenannten Units ist in folgende Unterkapitel unterteilt:
- Check-in (Einführung in die Unit mit neuen Vokabeln sowie landeskundlichen Inhalten)
- Language 1 - 4 (beinhaltet Redemittel und Grammatik)
- Story (Geschichten, die sich auf die Charaktere des Lehrwerks beziehen)
- Wordwise (Wortarbeit und Wordspiele)
- Check-out (Übungen, die der Selbstüberprüfung der Schüler dienen) (s. Haß 2005, S.4 ff).
Es werden moderne Schriftarten verwandt. Die Kapitelüberschriften sind in blau und fett gedruckt, die Bezeichnungen „Unit X" sind in orange gedruckt. Die restlichen Texte sind in schwarzer Schrift verfasst. Es fällt auf, dass das Buch sehr bunt ist und viele Bilder, Fotos und Zeichen beinhaltet. Die Zeichen werden im Vorwort näher erläutert. Sie haben im Einzelnen Bedeutungen wie „Tipp zum Vokabellernen, Tipp zur Grammatik, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Redeübung, Hörübung, besonders knifflige Übung" oder „für die Sammelmappe" (s. Haß, 2005, S.3). Bei den Bildern handelt es sich um bunte Zeichnungen, die im Einzelfall entweder Bestandteil einer Übung sind oder diese lediglich illustrieren sollen. Die Fotos sind meist Bestandteil einer Übung. Sie sind häufig mit Sprechblasen versehen und stellen Alltagssituationen im Leben der Schüler dar.
Das gesamte Buch handelt vom Leben und dem Schulbesuch in dem real existierenden englischen Ort Greenwich. Die dort vorgestellten Charaktere gibt es nach Angaben des Verlages tatsächlich (s. Ernst Klett Verlag, 12.10.2008 15:03).
Inhaltlich werden Themen behandelt wie: Zuhause (Familie, Farben, Zimmer, Möbel) Hobbies (Hobbys, Wochentage, was man kann und nicht kann) Freizeit (Clubs, Uhrzeiten, Tagesablauf beschreiben) In der Stadt (Orte nennen und erfragen, Auskunft geben) Projektwoche in der Stadt (Beschreiben der eigenen Stadt, Bestimmungsfragen stellen, Umfrage durchführen) Einkaufen (nach einem Artikel fragen, Mengenangaben, Ordinalzahlen, Geburtstagsgeschenk kaufen) Ausflug auf das Land (Leben auf dem Land, Jahreszahlen, Wetter) Schuljahr (Ereignisse, Termine).
Hierbei handelt es sich vorrangig um Themen, mit denen sich die Schüler des 21. Jahrhundert identifizieren können, da sie ihrer Lebenswelt entsprechen. Diese
Tatsache ist auch explizit seitens des Verlages gewünscht, da „die Schüler [...] Texte lieben, die Geschichten aus dem Leben erzählen und die an ihre eigene Lebens- und Erfahrungswelt anknüpfen. Durch eine spannende story line werden Leselust und Motivation für die Fremdsprache geweckt" (s. Ernst Klett Verlag, 12.10.2008 16:25). Nachfolgend wird der aus dem Schulbuch ausgewählte Text dargestellt und analysiert.
3.4.2 Analyse des ausgewählten Textes: Shopping in Greenwhich - At the shops
Der ausgewählte Text zum Thema „Shopping" stammt aus Abschnitt fünf des Lehrbuches - „Unit 5 Shopping in Greenwich". Dort ist er unter dem Unterkapitel „Check - in" aufgeführt (s. Haß 2005, S.66). Wie oben bereits beschrieben, dient dieses Unterkapitel zur Einführung in die neue Unit und den damit verbundenen Vokabeln. Im Text werden typische Situationen während eines Einkaufs dargestellt. Auch hierbei handelt es sich jeweils um einen Dialog zwischen einem Käufer und einem Verkäufer. Der Text wird nachfolgend dargestellt.
Die Ausgangssituation wird in diesem Text nicht weiter erläutert. Sie erschließt sich hingegen durch die Betrachtung der abgebildeten Fotos selbst. Des weiteren wird nicht aufgeführt, wer welchen Teil des Dialogs spricht, weil sich auch diese Information aus der Richtung des Endes der entsprechenden Sprechblase erschließt. Die Bilder sind sehr bunt und bieten inhaltlich eine Fülle von Informationen, die erst durch konzentriertes Betrachten eines Bildes herausgefunden werden. Die Darstellung der Situationen mittels der abgebildeten Fotos bietet die Grundlage zu einem Gespräch des Lehrers mit seinen Schülern. Anhand der unten aufgeführten Aufgabe zu dem Text werden die Schüler dazu angeregt, sich intensiv mit den Bildern auseinander zu setzen. Diese Vorgehensweise soll den Erwerb der bereits erläuterten Kompetenzen unterstützen (siehe S. 5).
Inhaltlich befassen sich die Texte mit alltäglichen Einkaufssituationen in unterschiedlichen Geschäften. Die erste Situation findet in einem Zeitschriftengeschäft statt, wo eine Dame nach dem Preis einer Zeitschrift fragt. Die zweite dargestellte Situation spielt in einem Bekleidungsgeschäft, wo der Kunde danach fragt, ob es den Artikel auch in einer anderen Farbe gibt. Die dritte Situation spielt in einem Sportgeschäft, wo der Kunde eine andere Größe benötigt. In der letzten dargestellten Situation fragt eine Kundin danach, wo sich ein bestimmter Artikel innerhalb des Ladens befindet, in diesem Fall fragt sie nach den Äpfeln. Alle aufgeführten Situationen könnten auch die Schüler betreffen, wenn sie sich in einem englischsprachigen Land aufhalten würden.
3.4 Analysierte Veränderungen
Der Text aus dem 19. Jahrhundert (im Folgenden Text A) besteht im Vergleich zu dem des 21. Jahrhunderts (im Folgenden Text B) nur aus der Anreihung von Buchstaben. Text B dagegen beinhaltet bunte Fotos, die das Interesse an der Situation- und somit an dem Text - auf den ersten Blick wecken. Die Schriftart in Text A ist nicht die gleiche wie in Text B. Sie kann vom heutiger Sichtweise aus als veraltet betrachtet werden, da sie in heutigen Schulbüchern keine Anwendung mehr findet. Während sich in Text B die Einkaufssituation bereits durch Betrachtung der Fotos erschließt, ist in Text A zunächst die Lektüre des Textes notwendig, um die Einkaufssituation zu erkennen. Beiden Texten ist gemeinsam,
dass keine Beschreibung darüber besteht, wie die Sprecher heißen beziehungsweise ob jeweils der Käufer oder der Verkäufer spricht. Die Dialoge des Textes A sind als förmlich zu bezeichnen. Sie entsprechen nicht mehr der heute üblichen Umgangssprache. Diese ist in Text B zu finden. Die in Text A gewünschten Gegenstände (Glacéhandschuhe, schwarzer Stoff als Meterware) sind im 21. Jahrhundert keine im Alltag typischerweise nachgefragten Artikel. In Text B dagegen handelt es sich um Alltagsgegenstände (Zeitschrift, Kappe, T-Shirt, Äpfel), die den Schülern bekannt sein dürften.
Im Folgenden soll eine Einbeziehung des Themas „Veränderungen zwischen den vorgestellten Schulbüchern im Wandel der Zeit" in den Schulunterricht erfolgen. Dazu ist zunächst die Berücksichtigung der Kerncurricula notwendig, die als Grundlage dazu dienen, dass ein Thema Gegenstand des Schulunterrichts wird. Hierzu werden die Abschnitte der jeweiligen Kerncurricula benannt, in denen auf das Thema bezug genommen wird. Im Anschluss daran wird eine Möglichkeit benannt, wie das Thema im Unterricht behandelt werden kann.
4. Möglichkeiten der Einbeziehung des Themas in den Schulunterricht unter
Berücksichtigung der Kerncurricula
Das ausgewählte Thema „Veränderungen zwischen den Texten in englischen Schulbüchern im Wandel der Zeit", das anhand eines historischen und eines aktuellen Lehrtextes zum Thema „Shopping" analysiert wurde, kann zum einen als Gegenstand des Faches Geschichte (Schulbücher früher und heute) und zum anderen als Gegenstand im Bereich des Faches Englisch (Veränderungen in der Umgangssprache) behandelt werden.
4.1 Einbeziehung in das Kerncurriculum des Faches Englisch
Im Bereich des Faches Englisch ist das Thema „Einkaufen" Bestandteil des Kerncurriculums für die Realschule der Schuljahrgänge 5 - 10. Dort wird es Thematisch dem 5./6. Schuljahrgang zugeordnet (s. Niedersächsisches Kultusministerium 2006, S.19):
„Am Ende des 6. Schuljahrgangs verfügen die Schülerinnen und Schüler über einen elementaren Vorrat an einzelnen Wörtern und Wendungen, um in bestimmten konkreten Situationen grundlegenden Kommunikationsbedürfnissen
zu den Themenbereichen [...], Einkaufen, [...] gerecht werden zu können und einfache Grundbedürfnisse auszudrücken [...]."
4.2 Einbeziehung in das Kerncurriculum des Faches Geschichte
Im Bereich des Kerncurriculums für die Realschule der Schuljahrgänge 5 - 10 im Fach Geschichte ist das Thema „Kindheit in verschiedenen Zeiten", ebenfalls dem Schuljahrgang 5./ 6. zugeordnet (s. Niedersächsisches Kultusministerium 2008, S. 22). Unter dem strukturierenden Aspekt: Leben - Arbeiten - Wirtschaften steht bei dem Kompetenzbereich „Fachwissen" die Vorgabe: „Wichtige Ereignisse, Entwicklungen und Strukturen in den jeweiligen Themengebieten kennen
Die Schülerinnen und Schüler kennen auf Kindheit bezogene Aspekte der Lebensbedingungen in ausgewählten Zeitabschnitten [...]. Ursachen und Auswirkungen dieser Ereignisse und Prozesse kennen
Die Schülerinnen und Schüler [...] kennen Zugangsmöglichkeiten zu Bildung und deren Vermittlung in den Epochen [...]" (s. Niedersächsisches Kultusministerium 2008, S. 22).
Der Kompetenzbereich „Erkenntnisgewinnung und Methoden" sieht folgenden Kompetenzen vor: „Mit einzelnen Gattungen von Quellen und Darstellungen adäquat umgehen
Die Schülerinnen und Schüler entnehmen einfachen Text-, Sach- und Bildquellen
Informationen" (s. Niedersächsisches Kultusministerium 2008, S. 22).
In dem Kompetenzbereich „Beurteilung und Bewertung" finden sich folgende zum Thema passende Kompetenzen: „Gegenwarts- und Vergangenheitsbezüge herstellen
Die Schülerinnen und Schüler -vergleichen die Arbeits-, Freizeit- und Lernbedingungen von Kindern früher mit ihren eigenen. -Arbeiten den Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Stellung und Bildungsmöglichkeiten heraus" (s. Niedersächsisches Kultusministerium 2008, S. 22).
4.3 Praktische Umsetzung
Die beschriebenen Vorgaben bilden die Grundlage für einen fächerübergreifenden Unterricht in den Fächern Englisch und Geschichte. Wie beschrieben, kann im Fach Geschichte im Einklang mit dem entsprechenden Kerncurriculum das Thema „Schule früher und heute" behandelt werden. Dort könnte erarbeitet werden, wie die geschichtlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen der Schule im 19. Jahrhundert ausgesehen haben. Anhand von Bildern könnten die Schüler dort erarbeiten, wie die Schule und der Unterricht in dieser Zeit gestaltet waren und welche Rolle die Schüler dabei spielten.
Im Fach Englisch könnten die Schüler anhand der ausgewählten Texte erarbeiten, inwieweit sich diese in ihrer Darstellungsweise und ihren Inhalten zwischen dem 19. Jahrhundert und dem 21. Jahrhundert verändert haben. Hierzu müssten die Schüler sich zunächst eingehend mit den Texten selbst beschäftigen, damit ihnen die neuen Vokabeln in diesem Zusammenhang geläufig werden. Im Anschluss daran könnten sie die Texte dann auf Unterschiede beziehungsweise Gemeinsamkeiten hin untersuchen. Im Anhang wird der geplante Unterrichtsverlauf für eine Doppelstunde zu diesem Thema inklusive der dazugehörigen Arbeitsblätter dargestellt.
5. Literaturverzeichnis
- Doff, S./ Klippel, F. (2007): Englischdidaktik. 1. Aufl. Berlin: Cornelsen Scriptor
- Frank, M. (1993): Hermeneutik und Kritik. 5. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp
- Gudjons, H. (2001): Pädagogisches Grundwissen. 7.Aufl. Bad Heilbrunn / Obb.: Klinkhardt
- Haß, F. (2005): Orange Line 1. 1. Aufl. Stuttgart: Klett
- Junker, H.P. (1904): Englischer Unterricht, geschichtlicher Abriß, in: Rein, W. (Hrsg.): Encyklopädisches Handbuch der Pädagogik. Langensalza: Beyer, S. 406 - 421.
- Kares, O. (1878): Die Unterweisung in der französischen und englischen Aussprache. In: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen. 59.Bd., S. 377 - 392
- Kares, O. (1893): Beiträge zu einer wissenschaftlichen Begründung des fremdsprachlichen Lehrverfahrens: Rede des O. Kares, gehalten in der pädagogischen Sektion der Wiener Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner am 27. Mai 1893. Berlin: Herbig
- Klippel, F. (1994): Englischlernen im 18. und 19. Jahrhundert. Die Geschichte der Lehrbücher und Unterrichtsmethoden. Münster: Nodus Publikationen
- Klippel, F. (1996): Historische Skizzen zum Funktionswandel des Lehrbuchs für den Englischunterricht. In: Christ, H. /Legutke, L. (Hrsg.) Fremde Texte verstehen: Festschrift für Lothar Bredella zum 60. Geburtstag. Tübingen: Gunter Narr, S. 62 - 71
- Meyers Lexikon online (2008). Tertia 50576300. Verfügbar über: http://lexikon.meyers.de/beosearch/permlink.action?pageId=511210617&version=1 (07. Oktober 2008 12:36)
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- Niedersächsisches Kultusministerium Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (2004): Realschule - Die Arbeit in der Realschule. Braunschweig: Westermann
- Niedersächsisches Kultusministerium (2006): Kerncurriculum für die Realschule Schuljahrgänge 5- 10. Englisch. Hannover: Unidruck
- Niedersächsisches Kultusministerium (2008): Kerncurriculum für die Realschule Schuljahrgänge 5- 10. Geschichte. Hannover: Unidruck
- o.V. (2000): Militarismus und Nationalismus - Das „wilhelminische" Deutschland. In: Lernen heute - Grundstock des Wissens für die Sekundarstufen I und II. Köln: Serges, S.842 - 843.
- Plate, H./ Otto, K. (1900): Kurzer Lehrgang der englischen Sprache mit besonderer Berücksichtigung der Konversation. 7. Aufl. Leipzig/ Dresden/ Berlin: Ehlermann
- Ploetz, G./ Kares, O. (1894): Kurzer Lehrgang der französischen Sprache - Sprachlehre auf Grund der Schulgrammatik von Dr. Karl Ploetz. 4. Aufl.. Berlin: Herbig
- Roth, L. (1991): Pädagogik. 1. Aufl. München: Oldenbourg
- Schiffler, H./ Winkler, R. (1994): Tausend Jahre Schule: eine Kulturgeschichte des Lernens in Bildern. 4. Aufl. Stuttgart: Belser
- Tschamler, H. (1978): Wissenschaftstheorie: eine Einführung für Pädagogen. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt
- Verlag Ernst Klett (2008): Der Herausgeber: Frank Haß. Verfügbar über: http://www.klett.de/sixcms/list.php?page=titelfamilie&titelfamilie=Orange+Line&modul=autoren (12.Oktober 2008 12:43)
- Verlag Ernst Klett (2008): Orange Line Konzeption. Verfügbar über: http://www.klett.de/sixcms/list.php?page=titelfamilie&titelfamilie=Orange+Line&modul= konzeption (12.Oktober 2008 15:03)
- Verlag Ernst Klett (2008): Orange Line Konzeption. Verfügbar über: http://www.klett.de/sixcms/list.php?page=titelfamilie&titelfamilie=Orange+Line&modul= konzeption (12.Oktober 2008 16:25)
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