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Auswirkungen und Folgeschäden des Assuan-Hochstaudammes

Auswirkungen und Folgeschäden des Assuan-Hochstaudammes
Hausarbeit
Datum: 06. Januar 2011 Autor: lexaflexa Kommentare: 0

Zusätzliche Informationen:

Hausarbeit erörtert kurz die Auswirkungen des Baus des Assuan-Staudammes. Sie nimmt Stellung sowohl zu den anthropogeographischen als auch den physiogeographischen Gesichtspunkten.

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Beschreibung:

Hausarbeit ohne Abbildungen zu den Auswirkungen des Assuan-Staudamms für das Niltal. Mit Literatur-Verzeichnis.


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Auswirkungen und Folgeschäden des Assuan-Hochstaudammes


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Inhaltsverzeichnis:

Seite

Einleitung 1

Der Nil und sein klimatisches Umfeld 2

Traditionelle Bewässerung der landwirtschaftlichen Betriebsflächen mit Nilwasser 3

Ziele des Assuan- Hochstaudammes 4

Der Bau des Assuan- Hochstaudammes 5

Der heutige Stand der Zielverwirklichung 6

Auswirkungen und Folgeschäden des Assuan- Hochstaudammes 6

7.1 Bodenverschlechterung 6

7.2 Bodenverlust 8

7.3 Wasserverlust 8

7.4 Zunahme der Bilharzioseerkrankungen 9

Der Verlust nubischen Kulturgutes und die Vertreibung des nubischen Volkes aus dem Bereich des heutigen Nassersees 10

9. Literatur 12

1. Einleitung:

Ziel der folgenden Arbeit soll es sein, sich mit den Auswirkungen des Assuan- Hochstaudammes in Ägypten auseinander zusetzen. Seit Baubeginn im Jahre 1953 streiten sich renommierte Wissenschaftler aller Disziplinen über die (möglichen) Folgeschäden. Trotz der damaligen Kenntnis und Absehbarkeit der Auswirkungen wurden alle Bedenken bzw. mußten alle Bedenken unbeachtet bleiben. Die ägyptische Regierung und Präsident Nasser hatten kein Interesse an den Einwänden der Experten (vgl. Kreditanstalt für Wiederaufbau, S. 68).

Auffallend bei meiner Literaturrecherche war, dass sich einige Wissenschaftler in ihren Zahlen widersprechen bzw. ihre Kollegen und deren Kompetenzen infragestellen (vgl. Ibrahim 1990a+b; Hartung 1991, S. 60- 61). Die Einigkeit liegt bei allen in der Meinung, dass man bei der Betrachtung der Folgeschäden nicht nur einzelne Punkte herausgreifen darf, sondern die Komplexität und Korrelation der Auswirkungen insgesamt betrachten muß (vgl. Ibrahim 1990a, S. 48; Kreditanstalt für Wiederaufbau 1986, S.27).

Jedoch will ich hier nicht nur die negativen des Hochstaudammes, sondern auch die positiven Auswirkungen aufführen. Um dieses adäquat tun zu können möchte ich in Kapitel 3 auf die herkömmliche, traditionelle Bewässerungsweise am Nil eingehen, die bis zum Bau des Milliardenprojektes in Ägypten vorherrschte.

2. Der Nil und sein klimatisches Umfeld:

Der Nil hat eine Länge von ca. 6671 km, womit er zu den längsten Flüssen der Erde zählt.. Im Bereich der letzten 2700 km durch den Sudan und Ägypten erhält der Nil keine Zuflüsse mehr, d.h. es handelt sich hier um einen „Fremdlingsfluß“. Auf seinem Weg von Uganda aus durchfließt er ca. sechs Klimazonen:

den tropischen Regenwald mit 10 bis 12 humiden Monaten und einem Jahresmittel von mehr als 1600 mm

die Feuchtsavanne, die 6 bis 10 humide Monate mit 1000 bis 1600 mm Jahresniederschlagsmittel aufweist

die Trockensavanne, die 3 bis 6 humide Monate hat und ein Jahresmittel von 500 - 1000 mm

die Dornstrauchsavanne mit nur 1 bis 3 humiden Monaten und einem Niederschlag von 100 bis 500 mm

die Halb- und Vollwüste mit 12 ariden Monaten und weniger als 100 mm Niederschlag

die mediterrane Wüstensteppe, die auch 12 aride Monate aufweist und weniger als 150 mm im Jahresmittel (vgl. Ibrahim 1982, S. 7)

Der Grund für eine jahreszeitlich kontinuierliche Wasserführung des Nils im Bereich des unteren Nillaufes im Winter und Frühjahr und die Flutwelle im Sommer bzw. Herbst (August - Oktober) ist, dass die Quellen des Nils zum einen in den Zonen des tropischen Regenwaldes und der Feuchtsavanne in Äquatornähe, die einen Zenitalregen zu fast allen Jahreszeiten aufweisen und zum anderen in den Monsungebieten des äthiopischen Hochlandes mit starken Regenfällen im Sommer liegen. Diese Regenfälle im äthiopischen Hochland waschen auch die fruchtbaren vulkanischen Böden aus (vgl. Ibrahim 1982, S. 7).

3. Traditionelle Bewässerung der landwirtschaftlichen Betriebsflächen mit Nilwasser:

Der Getreideanbau ist seit ca. 9000 bis 10 000 Jahren in Ägypten bekannt. Als die Sahara im Holozän zunehmend arid wurde, war das Niltal besiedelt und es wurde auf den Nilauen, nach der jährlichen Nilschwelle, Ackerbau betrieben (vgl. Ibrahim 1996, S. 54).

Bereits in der 9./10. Dynastie (2234- 2040 v.Chr.) ging man zur Beckenbewässerung über, die bis in die 2. Hälfte des 19. Jh. erhalten geblieben ist. Diese Bewässerungsform sah wie folgt aus: Mit jährlicher Nilschwelle wurden, die durch Uferwälle vom Nil abgetrennten Flußauen überflutet, und nach Abschwellen der Flut blieben die Depressionen der Aue mit Wasser gefüllt. Das Wasser verblieb eine Zeit dort (ca. 40- 50 Tage) und wurde dann in den Nil oder in noch tiefer gelegenere Bereiche weitergeleitet (s. Abb. 1).

Auf den nun sehr feuchten Böden wurde die Saat ausgebracht. Zwar ermöglichte dieses System nur eine Ernte im Jahr, aber durch die Überflutung wurden die schädlichen Salze, die durch die Verdunstung entstehen, aus dem Boden ausgewaschen und ein an Spurenelementen angereicherter Schlamm lagerte sich ab. Die Menge der jährlichen Sedimente wird auf ca. 19 - 20 t pro Jahr geschätzt. Dieser „natürliche“ Bewässerungsmechanismus wurde rasch, bereits in pharaonischer Zeit zu einem ausgeklügeltem, hochtechnisierten System ausgebaut. (vgl. Ibrahim 1996, S. 55).

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Baumwolle wurde unter Mohammed Ali (1805 - 1848) ein Deltawehr erbaut um die ganzjährige Bewässerung am Nil zu ermöglichen und somit auch die Baumwollanbaufläche zu vergrößern (vgl. Ibrahim 1996, S. 56).

Abb. 1: Das System der Beckenbewässerung in Oberägypten vor dem Bau des Hochstaudammes von Assuan (nach: Ibrahim 1996, S. 55)

4. Ziele des Assuan- Hochstaudammes:

Die Ziele, die sich die Regierung unter Diktator Nasser vorgenommen haben, waren sehr hochgegriffen. Für die ersten 10 Jahre waren folgende Planziele vorgesehen:

Es sollten ca. 7,5 Milliarden m3 Bewässerungswasser zusätzlich aufgebracht werden, um die landwirtschaftliche Nutzfläche um 546 000 ha (ca. 25 % der damaligen gesamten Kulturfläche Ägyptens) zu erweitern. Außerdem sollten 395 000 ha mit Beckenbewässerung, also mit einer Ernte, auf 2 - 3 Ernten gebracht werden (vgl. Ibrahim 1983, S. 76; Ibrahim 1984a, S. 149; Ibrahim 1984b, S. 240). Da man durch den Bau des Staudammes nun ganzjährig Wasser zur Verfügung hat, stellte man den Anbau auch auf Sommerkulturen (Reis, Mais Zuckerrohr) um, da die Hauptanbauperiode dieser Kulturen mit dem Niedrigwasserstand des Nils zusammen fiel (vgl. Ibrahim 1984a, S. 149; Ibrahim 1996, S, 59).

Der Staudamm sollte/soll doppelten Schutz bieten: Zum einen soll er die Wasserversorgung (Trink-, Brauch, und Bewässerungswasser) auch in den „mageren“ Jahren, in denen das Mittel 50% unter dem langjährigen Mittel liegt, sichern (vgl. Ibrahim 1996, S. 58- 59).

Außerdem soll die Bevölkerung vor katastrophalen Nilfluten geschützt werden (vgl. Schamp 1968, S.59; Ibrahim 1983, S. 76; Ibrahim 1984a, S. 149; Ibrahim 1984b, S. 241). Laut Ibrahim (1984a, S. 149) war der höchste bisher gemessene Abfluß im Jahre 1878/79 ca. 151 Mrd. m3 und der niedrigste im Jahre 1913 ca. 42 Mrd. m3.

Beim Bau eines so gigantischen Staudammes ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch elektrische Energie gewonnen werden sollte, die in Ägypten als Basis für die Industrialisierung des Landes dienen sollte. Mit Hilfe von 12 Turbinen am neuen Hochstaudamm und einigen am alten Staudamm sollten im Jahr rund 10 Milliarden kWh Strom erzeugt werden (vgl. Ibrahim 1996, S. 59; Nyrop 1982, S. 128- 129; Schamp 1968, S. 59).

5. Der Bau des Assuan- Hochstaudammes:

Mit Hilfe des alten Assuan- Staudammes konnte das Nilwasser nur saisonal gespeichert werden, um eine ganzjährige Bewässerung zu ermöglichen. Zur Zeit der Flutwellen flossen somit ca. 32 Milliarden Kubikmeter Wasser bis ins Mittelmeer, ohne vorher genutzt werden zu können (vgl. Ibrahim 1984, S. 150).

Abb. 2: Schematischer Schnitt (oben) und Lageskizze (unten) vom Sadd el Ali (Hochdamm) (nach: Schamp 1968, S. 55)

Dieses wollte man verhindern und entwarf einen Hochstaudamm von 3840 m Länge, 105 m Höhe und 12 seitlichen Durchlässen (s. Abb. 2). Der Sadd- El- Ali wurde im Jahre 1971 nach 11 jähriger Bauzeit beendet und der angrenzende Nasserstausee umfaßt 164 Mrd. m3 Wasser bei einer Länge von ca. 600 km und einer Oberfläche, die 10 mal so groß wie des Bodensees ist, 5900 km2 (vgl. Ibrahim 1984, S.150).

Der heutige Stand der Zielverwirklichung

Zunächst konnte man, wie erhofft, die Ackernahrungsfläche vergrößern, jedoch ergab sich aufgrund der erheblichen Bodenverluste durch z.B. Versandung oder Versalzung eine Verlustrechnung. Es gingen also mehr Flächen verloren als hinzu gewonnen werden konnten.

In offiziellen Berichten der Regierung heißt es, dass in den 20 Jahren nach dem Bau 434 068 ha Neuland gewonnen werden konnten, dann müßten in derselben Zeit 829 069 ha verloren gegangen sein (vgl. Ibrahim 1996, S. 60).

Man konnte zwar die Beckenbewässerung durch die nun mögliche Dauerbewässerung ablösen, jedoch blieb nun die jährliche Melioration des Bodens durch die Flutwellen aus.

Die Bevölkerung ist nun sowohl vor Überflutungen und Hungersnöten in den trockenen Jahren durch den Hochstaudamm geschützt.

Die Reisanbaufläche konnte um 70 % erweitert werden, jedoch kommt dies allein dem Export zugute; im Moment muß die Hälfte des Getreidebedarfes importiert werden.

Zur Zeit sind aufgrund technischer Mängel von 12 Turbinen nur 6 in Betrieb; trotzdem wurden im Jahre 1980 50% der im Land produzierten Elektrizitätsmenge in Assuan erzeugt, 17, 720 Mrd. kWh (vgl. Ibrahim 1984, S. 150- 151). Dagegen erreicht laut Ibrahim (1983, S. 79) die erzeugte Elektrizitätsmenge jährlich nicht mehr als 2 Mrd. kWh.

7. Die Auswirkungen und Folgeschäden des Assuan- Hochstaudammes:

Die Auswirkungen und Folgeschäden sind so komplex, dass ihr ganzes Ausmaß selbst heute 25 Jahre Beendigung des Baues überhaupt noch nicht absehbar ist.

Bodenverschlechterung:

Durch den Bau des Hochstaudammes und der daraus resultierenden Abnahme der Schwebstofffracht wird der Boden während der Nilschwelle nicht mehr nachhaltig durch Schlammauftrag verbessert (vgl. Ibrahim 1996, S. 63). Eine andere Meinung vertritt Wolf (vgl. Kreditanstalt für Wiederaufbau 1986, S. 91). Er behauptet, dass der Nilschlamm bisher auch keine nachhaltige Veränderung bewirkt hat. Heutzutage wären die abgelagerten Nährstoffe in keiner Weise hinreichend für die Pflanzen. Allerdings betrachtet er nur den Stickstoffgehalt, nicht die Mikronährstoffe, wie z.B. Phosphor, Kalk, Kaliumoxid, Eisen, Magnesium, Schwefel, organische Stoffe (vgl. Ibrahim 1984, S. 154). Laut Ibrahim (1996, S. 64) gibt es einen ägyptischen Pedologen, der festgestellt hat, dass die Bodenfruchtbarkeit nicht allein vom Stickstoffgehalt abhängt. Dieser Pedologe, A. Kishk, sagt, dass neben Eisen und Mangan auch Zink wichtig für die Bodenmelioration ist. Bereits 1974, drei Jahre nach Fertigstellung des Hochstaudammes, wurde der Mangel dieser Mikronährstoffe in ägyptischen Böden festgestellt (vgl. Ibrahim 1996, S. 64).

Man kann auf ägyptischen Märkten zwar 120 verschiedene Sorten von Mikronährstoffdünger erwerben, jedoch läßt es zum einen das Budget der Kleinbauern, die oftmals nicht mehr als 0,16 ha bewirtschaften und ca. 70 % der Landbesitzer ausmachen, und zum anderen das Know- How nicht zu (vgl. Ibrahim 1996, S. 64).

Durch das Ausbleiben der jährlichen Nilschwelle nimmt sich die Wüste jedes Jahr ein Stück Kulturfläche zurück. In den Jahren vor dem Bau wurde, der aus der Wüste herangetragene Sand, von den saisonal auftretenden Überflutungen wieder ausgewaschen (vgl. Ibrahim 1983, S. 82).

Durch zunehmende Intensivierung der Bewässerung im Bereich des Nildeltas wird der Grundwasserspiegel von 3m auf 1.50 m angehoben. Dies ist die ungefähre Grenze des Kapillarwasseraufstiegs, d.h. es gelangt salziges Drainagewasser an die Oberfläche, verdunstet dort und somit entsteht eine Salzkruste. Verschiedene Wissenschaftler haben eine Liste von Faktoren zusammengefaßt, die für die Bodenversalzung verantwortlich sind:

Überbewässerung durch ein Überangebot von Wasser

Durch diese Überbewässerung gehen jährlich ca. 10 bis 15 Mrd. Kubikmeter Wasser durch Versickerung verloren. Im Boden vermischen sie sich mit dem bereits sehr salzhaltigen Grundwasser des Nildeltas. Das Grundwasser ist heutzutage ca. 10 mal so salzhaltig wie das Nilwasser selbst.

Zunahme des Anbaus von Feldfrüchten, die einen erhöhten Wasserbedarf haben (Reis + Zuckerrohr).

Auch im ariden Oberägypten wurde eine ganzjährige Bewässerung eingeführt, ohne eine saisonale Drainage anzulegen.

Aus den Bereichen der höher gelegenen Neulandgebiete sickert salzreiches Wasser ins Tal und führt dort zur Belastung des Grundwassers und zur Versalzung der Aueböden.

Aufgrund der hohen Verdunstungsrate des Nassersees und der Einleitung salzreicher Entwässerungswässer in den Nil versalzt dieser zunehmend (vgl. Ibrahim 1996, S. 65).

Da die Fellachen früher nur wenig Bewässerungswasser zur Verfügung hatten, gingen sie damit sehr sorgsam um. Heute dagegen ist der scheinbare Überfluß an Wasser für eine Überwässerung der Kulturflächen und der daraus resultierenden Vernässungschäden verantwortlich. Die Mikrofauna leidet unter dieser Vernässung und kann somit den Boden nicht mehr hinreichend regenerieren (vgl. Ibrahim 1983, S. 82).

Bodenverlust:

Durch den Bau des Staudammes sind auch Bodenverluste besonders im Bereich des Nillaufes zu verzeichnen, die auf vielfältige Weise erfolgt sind:

Durch die stark reduzierte Sedimentführung des Nils und die daraus resultierende Eintiefung des Flusses im Oberlauf entstehen Uferanbrüche. Man nimmt an, dass pro Jahr noch ca. 1 m3 der Uferlinie verloren gehen. Nur durch geeignete Maßnahmen kann dieser totale Verlust in Grenzen gehalten werden.

Wie bereits oben erwähnt spielt der Bodenverlust durch Versandung keine unerhebliche Rolle. Im Moment nimmt die Übersandung in Form von Dünen aus östlicher und westlicher Richtung zu. Schätzungen gehen von 8 % Verlust bei den Bewässerungsflächen durch Übersandung aus. Auch wenn man von weniger ausginge, wären die Ertragseinbußen durch Flächenverlust enorm.

Da die bisher aufgetretenen jährlichen Flutwellen eine Gefahr darstellten, wurden bestimmte Flächen als eine Art von Überwässerungsflächen gemieden. Durch das Ausbleiben der Flutwelle werden nun diese Gebiete überbaut. Jedoch ist dies nur eine indirekte Auswirkung des Staudammbaus (vgl. Kreditanstalt für Wiederaufbau 1986, S. 39).

Wasserverlust:

Das Planziel, Wasser durch den Bau des Staudammes hinzuzugewinnen, konnte nicht erfüllt werden, ganz im Gegenteil es ging Wasser verloren. Zum einen ist dafür der Nassersee verantwortlich, der mit einer Wasseroberfläche von durchschnittlich 5500 km2 eine sehr große Verdunstungsfläche bietet. In Anbetracht der hohen Tagestemperaturen ist es natürlich nicht weiter verwunderlich , dass dort jeden Tag eine große Menge Wasser verdunstet. Auch durch Versickerung im Bereich des Stausees geht eine große Menge des kostbaren Naß verloren. Laut Ibrahim (1996, S. 67) wird die Zahl des jährlichen Wasserverlustes durch namhafte ägyptische Wissenschaftler mit 16 Mrd. m3 angegeben. Glaubt man den Berechnungen des Wissenschaftlers Shalash, der von Ibrahim (1996, S. 67) angeführt wird, so beträgt allein die jährliche Verdunstung auf 5500 km2 ca. 15,147 Mrd. m3. Nach offiziellen ägyptischen Veröffentlichungen beträgt die Oberfläche des Nassersees sogar 6000 km2, womit sich eine Verdunstung von jährlich ca. 16,524 Mrd. m3 ergibt (vgl. Ibrahim 1996, S. 67). Laut Hartung (1991, S. 80) ist die Zahl, die Shalash 1977 ermittelte, eine Größenordnung, die der Realität sehr nahe kommt.

Ein weiterer Grund für den Wasserverlust ist die vorher nicht dagewesene Verfügbarkeit von Wasser, die jetzt in exzessiver Weise ausgenutzt wird. Außerdem muß durch die Öffnungen des Dammes Wasser abgelassen werden, um die Turbinen betreiben zu können und man benötigt einen höheren Wasserstand für die Navigation (vgl. Ibrahim 1996, S. 67 - 68).

Auch die Wasserhyazinthe trägt in einem sehr hohen Maße zur Verdunstung bei, da sie eine hohe Transpiration hat, die bei einer geschlossenen Pflanzendecke die Verdunstung um ein fünffaches erhöht. Jedoch könnte die Wasserhyazinthe zu einer chemiefreien Klärung der Gewässer beitragen, weil sie in ihrem Stoffwechsel Schwermetalle ausfiltert und in sich anreichert. Der Nachteil wäre ein erhöhtes Auftreten der Bilharziose, da die Wasserhyazinthe die wichtigste Nahrungsquelle für den Zwischenwirt, die Süßwasserschnecke darstellt (s. Kap. 7.4).

Zunahme der Bilharzioseerkrankungen:

Um die Zunahme der Bilharzioseerkrankungen im Zusammenhang mit dem Bau des Staudammes betrachten bzw. bewerten zu können, führe ich im folgenden den Entwicklungszyklus des Bilharzioseerregers auf:

Die Bilharziose ist eine heimtückische Krankheit, die einen sehr langsamen, aber zum Teil schmerzhaften Verlauf aufweist. Die Erreger der Bilharziose nutzen die Süßwasserschnecke, deren Hauptnahrungsquelle die Wasserhyazinthe ist, als Zwischenwirt. Die Erreger dringen bei Menschen, die mit dem kontaminierten Wasser in Berührung kommen, durch die Haut in den Körper ein und siedeln sich dort in verschiedenen Organen (Leber, Darm, Blase und Niere) an.

Diese Erreger vermehren sich im Körper des Menschen und werden über die Exkremente mit ausgeschieden. Somit ist ein Kreislauf gegeben.

Bisher konnte die Gefahr der Bilharziose durch die jährlichen Austrocknungen der Kanäle einigermaßen eingedämmt werden, da die Wasserhyazinthe als Nahrungslieferant für die Schnecke ausfiel und somit auch der Zwischenwirt für den Bilharzioseerreger ausfiel (vgl. Kreditanstalt für Wiederaufbau 1986, S. 102 - 103).

Anhand der Abbildung 3 ist erkennbar, dass sich gerade entlang des Nils die Bilharziose besonders konzentriert.

Abb. 3: Verbreitung der Bilharziose in Afrika und im nahen Osten (nach Ibrahim 1982, S. 21)

8. Der Verlust nubischen Kulturgutes und die Vertreibung des nubischen Volkes aus dem Bereich des heutigen Nassersees:

Im Zuge des Baues des Staudammes mußten ca. 120000 Nubier umgesiedelt werden, da sie im Gebiet des heutigen Nassersees ansässig waren. Dieses eigenständige Volk hatte im Lauf der Jahrtausende seine Identität, Sprache und Kultur bewahrt. Durch den Bau des Staudammes wurden viele der nubischen Kulturgüter vernichtet.

70000 Nubier wurden nilaufwärts in Kom Ombo angesiedelt, jedoch abseits vom Nil , an dem sie bis zu dem Zeitpunkt immer gelebt hatten, bekamen die Nubier etwas Land zugeteilt. Die 50000 sudanesischen Nubier wurden in der Nähe des Atbara- Flusses angesiedelt und für sie gibt es ein Bewässerungsprojekt (vgl. Ibrahim 1996, S. 71).

Um nur einige der zahlreichen nubischen Bauwerke retten zu können, wurde aus aller Welt viel Geld für Erhaltungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt. Zu den 24 geretteten Bauwerken gehört auch der Tempel von Abu Simbel, welcher zu den meistbesuchtesten Attraktionen in Ägypten gehört (s. Abb. 4).

Abb. 4: Der Tempel von Abu Simbel am alten Standort (links) und am neuen Standort (rechts), ca. 60 m oberhalb der alten Lage (nach Ibrahim 1982, S. 25)

Für die Rettung der Bauwerke wurde weitaus mehr Geld ausgegeben als für die Umsiedlung der Nubier.

Literatur:

Buchalla, Carl E., Helmensdorfer, Erich; Schultz- Tesmar (1985): Ägypten. DTV Merian Reiseführer. München.

Hartung, F. (1991): Der Hochdamm von Assuan. In: Praxis Geographie 7/8, S. 80-81.

Ibrahim, Fouad (1982): Nil und Assuan- Hochstaudamm. Sachinformationen zur Transparentmappe. Düsseldorf.

Ibrahim, Fouad (1983): Der Assuan- Staudamm. Vom Scheitern eines Großprojektes. In: Bild und Wissenschaft 4. Stuttgart. S. 76 - 83

Ibrahim, Fouad (1990): 35 Jahre Kontroverse. Sadd- El Ali - der Hochstaudamm von Assuan Teil 1 +2. In: Praxis Geographie 9/90, S. 48- 50 (Teil I) und 10/90, S. 54- 56 (Teil II).

Ibrahim, Fouad (1996): Ägypten. Eine geographische Landeskunde. Wissenschaftliche Länderkunden Bd.42. Darmstadt.

Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) (1986): Der Assuan- Staudamm und seine Folgen. In: Analysen, Meinungen, Perspektiven. Frankfurt/M.

Nyrop, Richard F. (1983): Egypt. A country study. Washington D. C.

Said, Rushdie (1993): The River Nile. Geology, Hydrology and Utilization. Oxford, New York, Seoul, Tokyo.

Schamp, Heinz (1968): Ägypten. Frankfurt/M.

Schamp, Heinz (1983): Sadd el- Ali, der Hochdamm von Assuan II. Fakten, Ziele, Konsequenzen. In: Geowissenschaften in unserer Zeit. Weinheim. S. 51 - 85.

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